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 Barfuß und Leben
Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 593
Punkte: 248

09.01.2011 12:19
Wärmeeinbruch Zitat · antworten

Gestern radelte ich wieder einmal in Richtung Basel, barfuß und in kurzen Hosen. Gegen 10 Uhr bei der Fahrt auf den Hauensteinpaß wurde es so warm, daß ich die Jacke ausziehen mußte. Einige komische Blicke in der Altstadt von Liestal, dort hatte ein Mädchen, das vor einem Haus saß, ihre Jacke um die Hüfte gebunden. Ein Mädchen in kurzärmeligem T-Shirt, während die anderen Kinder nicht selten dicke Wintermäntel, Mützen und Handschuhe trugen. Und das bei 13°C, wie ein Thermometer zeigte. Wie kalenderhörig doch viele Menschen sind!

Zwischen Pratteln und Muttenz kamen mir ein paar wenige Jogger in kurzen Hosen entgegen, sie beugten sich somit nicht der Kalender-Obrigkeit. In Basel war ein Velofahrer in kurzen Hosen, allerdings mit langärmeliger Oberbekleidung, Helm und Schuhen unterwegs. Ich radelte weiter in die Große Kreisstadt Weil am Rhein, wo ich an der Postelle im Kaufring was zu besorgen hatte. Meine Kleidung war dort kein Grund, mich aus dem Laden zu werfen, ich wurde genau so höflich behandelt wie andere auch.

Ich radelte weiter zum Tierpark in der Großen Kreisstadt Lörrach, um eine Essenspause zu machen. Ein Mädchen sprach: „Der hat aber keine Schuhe an!“ Fast in einem Ton, als ob es selbst gerne barfuß gewesen wäre, es aber nicht durfte und nun den Beweis gefunden hatte, daß es doch ging. Ein anderes Mädchen fragte die Mutter: „Wieso hat der eine kurze Hose an?“ Die Mutter: „Ich weiß nicht!“ Eine Frau mit Hund stellte die berühmt-berüchtigte K-Frage. Sie sah es positiv, während der Hund sich nur für meine Kekse interessierte.

Ich schob mein Velo später durch die Fußgängerzone von Lörrach, wo ich eine Stimme vernahm: „der hat schon Frühling!“ Obwohl es sonniges Wetter war, waren die Platten naß, vermutlich wegen Streusalzresten. Ich radelte weiter am Ufer der reichlich Wasser führenden Wiese. Nachdem ich mich an einem Toilettenhäuschen erleichtert hatte (nur mich selber, nicht mein Portemonnaie), konnte ich es nicht lassen, ein paar Schritte durch das gar nicht mal so kalte Wasser zu waten. Die Polizeischergen, die plötzlich kamen, als ich wieder am Velo war, wollten nichts von mir, sondern waren offensichtlich wegen des Hochwassers gekommen (dabei hatte ich schon sicherheitshalber meine Hand am Abz.... –äh – an der Hosentasche, um meinen Ausweis herauszuholen).

Über Basel, Binningen und Bottmingen radelte ich zum Reservoir am Bruderholz. Von dort wollte ich ursprünglich die Wege hinunterschieben. Wegen des fiesen Splitts (vermutlich die Qualität von „Immenstadt-Splitt“) zog ich es aber vor, trotz des Schildes mit dem roten Ring bergab zu radeln, darunter durch die Wolfsschlucht, wo mir quietschend und kreischend ein drachengrünes Tram entgegenkam. Die Fahrgäste verdrehten teilweise ihre Köpfe. Als ich mein Velo durch die Pasarelle des Bahnhofs SBB schob, kamen mir zwei Securitrans-Schergen entgegen. Einer sprach gelangweilt: „Heute ist es aber warm!“

Ich schob mein Velo durch eine Anlage, deren Wege auch fies gesplittet waren. Da aber kein Schild das Betreten des Rasens verbot, der Rasen selbst nicht gesplittet war und obendrein herrlich matschig war, schob ich mein Velo kurzerhand über den Rasen. Andere Leute hätten ein solches Vorgehen mit der harten Strafe des Schuheputzens bezahlen müssen.

Beim Schieben durch die Basler Innenstadt begegnete mir ein ehemaliger Mitarbeiter (mittlerweile pensioniert), er grüßte freundlich. Einige wenige Leute trauten sich in Basel in kurzärmeliger Oberbekleidung auf die Straße (Männer und Frauen, keine Kinder). Einige Männer in kurzen Hosen (und blutten Beinen) sah ich lediglich beim Velofahren oder Joggen, nicht beim Gehen durch die Stadt. Frauen waren etliche in kurzer Kleidung (meist Röcken) in der Stadt, aber ausnahmslos in Kombination mit Nylonstrumpfhosen, vielfach schwarz, jedoch auch mettwurstfarben. Aber ich war tatsächlich der einzige, der ohne Schuh- und Sockwerk in Basel war. Sogar der Fährmann war fett beschuht.

Im Grunde genommen reagierten die Leute gelassen auf meine Aufmachung, viele Erwachsene lächelten freundlich, auch wenn Kinder manches Mal auf meine Füße/Beine starrten oder zeigten (und deswegen nicht von den Eltern gemaßregelt wurden. Überall tönte es laut „PLAKETTE“. Fasnacht naht! Sogar Kinder verkauften diese Blechdinger. Dabei dachte ich immer, daß Kinderarbeit in der Schweiz verboten ist. Ich gehe mal davon aus, daß diese Kinder nicht total gegen ihren Willen zum Tragen von unbequemer „Dienstkleidung“ (Schuhe, lange Hosen, teilweise auch Mützen) gezwungen wurden.

Leider wird es bei hohen Januartemperaturen genauso früh dunkel wie bei niedrigen, also mußte ich bald Abschied von Basel nehmen. In Sissach war es schon recht dunkel, als ich einen Mann überholte, der neben einem Pferd, auf dem 2 Kinder saßen, herging. Ich hörte eine laute und empörte Knabenstimme: „Dr faart bluttfues Velo!“ Total dunkel war es also nicht. In Läufelfingen (also kurz vor dem Hauensteinpaß) gingen meine Kräfte aus, also wieder Zeit, etwas zu essen und vor allem zu trinken. Der Boden war hier relativ kalt, beim Weiterfahren mußte ich eine Jacke überziehen. Gegen 19.30 Uhr war ich zu Hause. Ein schöner Vorfrühlingstag ging zu Ende (während es heute wieder trübe ist).

Schöne Grüße
Michael aus Zofingen


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