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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Barfuß und Leben
Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 593
Punkte: 248

12.04.2011 19:22
Aareputzete Zitat · antworten

Am Samstag, den 9. April war "Aareputzete" angesagt. Für Nichtschweizer: Es ging darum, die Aare im Bereich Aarburg sowie deren Uferbereiche vom Unrat befreit werden sollten. Hauptorgansator war der Aarburger Pontonierverein, aber auch andere Vereine in und um Aarburg waren dabei. Weiterhin war auch die Bevölkerung dazu aufgerufen worden, bei der Aktion mitzuhelfen.

Ich entschloß mich, auch daran teilzunehmen, denn auch ich habe ein Interesse daran, daß der Fluß auch noch nutzbar ist, ohne auf fette Wasserschuhe, Neoprenanzug und sonstige einengende Dinge zurückgreifen zu müssen, um keine Schnitt- und sonstige Verletzungen zu erleiden. Um 8 Uhr war Besammlung vor dem Pontoniershaus in Aarburg, ich radelte dorthin, selbstverständlich barfuß, in kurzen Hosen und nur mit einem Träger-T-Shirt bekleidet (es war morgens knapp 10°C, ich rechnete aber tagsüber mit Temperaturen über 20°C und kaum Wolken. Ich begegnete auch gleich dem Alt-Präsidenten des Pontoniersvereins. Er erkannte mich noch, obwohl es schon mehrere Jahre zurücklag, als ich einmal das "Emmentalfloß", das auf der Aare unterwegs war, mit dem Velo am Ufer begleitete. Ich hatte übrigens davon im alten Barfußforum berichtet. Der damalige Präsident (er heißt übrigens Christian) war einer von der Floßbesatzung. Er hatte übrigens auch meine Beiträge gelesen, und ihm war die Wortwahl "die FETT BESCHUHTEN Männer" bis jetzt in Erinnerung geblieben. Er war auch der erste, dem ich an diesem Tag je einen Barfuß- und einen kurze-Hosen-Flyer übergab.

Es dauerte einige Zeit, bis es wirklich los ging. Wir mußten uns zu einem Foto aufstellen, das vor der prächtigen Kulisse der Aarburger Festung und der davorgelagerten doppeltürmigen Kirche aufgenommen wurde. Dann kam es zu einer Einteilung. Die "Spezialisten" (z.B. Taucher" gingen selbständig dorthin, wo sie hin sollten, sie wußten, was zu tun war. Die nicht organisierten wurden in vier Gruppen eingeteilt, die verschiedene Uferbereiche absuchen sollten. Eingeteilt? Nein, man konnte wählen. Ich wählte den Abschnitt, in dem ich mich am meisten aufhalte, den ich am besten kannte, unter anderem auch auf in Bezug auf Bodenbeschaffung. Ich wollte wegen meines nicht vorhandenen Schuhwerks ja nicht zum Hemmschuh der Gruppe werden. Auch ansonsten blieb der Umgang recht locker. Die einzigen, denen ein "Dreßcode" aufgebrummt wurde, waren diejenigen, die sich auf dem Wasser befanden, und zwar in Form einer Schwimmweste. Den "Landratten" wurde nichts vorgeschrieben, keine Krawatte, keine lange Hose, keine Mütze, keine Schuhe. Was will ich mehr! Der Führer unser Gruppe stellte sich als "Alain" vor, erst später registrierte ich, daß es sich dabei um den heutigen Präsidenten des Pontoniervereins handelte. Alain hatte mich übrigens zwei Tage vorher vom Boot gesehen, wie ich den Strandbereich von Unrat befreit hatte, er fand es toll. Er erzählte auch noch, daß er einen Biber gesehen hatte, diese Nager machen sich in der Aare wieder breit.

Zunächst gingen wir entlang der Aare zum Kraftwerk Ruppoldingen. Anfangs war der Weg asphaltiert, hier war ich schneller als die Gruppe. Dann kam einigermaßen angenehm begehbarer Weg bis zur Wiggerbrücke, dann wurde er weniger angenehm. Um nicht die Gruppe zu behindern (in der Gruppe befanden sich auch zwei Teenager, vermutlich die Töchter des Alt-Präsidenten, die den Bollerwagen mit Material zogen), wechselte ich auf den "Highway" mit herrlich barfuß begehbarem Humus, ab und zu mußte ich allerdings über abgebrochene Äste steigen. Wir überschritten die Aare am Stauwehr, gingen noch ca. 300 m flußaufwärts, dann begann die Arbeit. Mittlerweile war es so warm geworden, daß im mit dem T-Shirt hoffnungslos overdressed war, also zog ich es aus.

Beim Einsammeln konnte man sich relativ selbständig bewegen, selbstverständlich sammelte ich dort, wo meine Bekleidung von Vorteil war. So konnte ich auch durchs Wasser warten, ohne mir nasse Schuhe oder Hosensäume zu holen. Dort, wo Dornen waren, waren die fett beschuhten Teilnehmer eindeutig im Vorteil. Im ganzen haben wir uns ideal ergänzt. Wenn etwa einer eine Böschung hochgestiegen ist, wo er keinen Abfallsack mitnehmen konnte, dann hat ohne Zögern ein andere den Abfallsack bereitgehalten. Das funktionierte auch unter Leuten, die sich vorher nie gesehen hatten, wir hatten nur ein Ziel, die Aare zu entrümpeln. Auch kleine Kinder waren mit ihren Eltern dabei. Zwar waren die Kinder nicht unbedingt eine große Hilfe, aber allein das Dabeisein trägt sicher auch dazu bei, daß die Kinder nicht zu Umweltsündern werden. Auf einem Felssporn fanden wir sogar ein Sofa, das wohl als Sitzplatz benutzt wurde von denjenigen, die die Aussicht "genießen" wollten. Dieses wurde auch wegtransportiert, es war nicht mehr weit bis zum Endpunkt unseres Abschnittes am Pontonierhaus..

Während sich manche jüngeren Teilnehmer zur Ruhe setzten, war ich kaum zu bremsen. Ich sammelte noch weiter Glasscherben, Kronenkorken, Zigarettenkippen ein. Schließlich wollte ich ja auch den nur kurzen Uferbereich der Stadt Aarburg, die die Abfallcontainer gesponsort hatte, von Unrat befreien und nicht nur die Ufer die auf dem Gebiet der Stadt Olten lagen. unterstützen. Ich fand unter anderem auch eine Patrone auf dem Rasen vor dem Ufer. Dann merkte ich, daß ich nicht mehr der einzige Barfüßer war. Eine von den weiblichen Teenagern hatte sich ihrer fetten Schuhe und ihrer langen Hose entledigt und sagte: "Barfuß ist doch schön!", was ich nur bestätigen konnte. So kam ich mit mehreren jungen Leuten ins Gespräch. Einige hatten mich schon häufiger gesehen, sogar im Winter in alles andere als übermäßig winterlicher Kleidung. Auch hatte mich der andere weibliche Teenager im Fernsehen gesehen (diese junge Dame hat übrigens später auch ihre lange Hose durch eine kurze ersetzt, jedoch ihre fetten Schuhe nur durch Flipflops, anstatt sie ersatzlos zu streichen). Sie fragte mich auch, ob ich mich schon öfters verletzt hatte und ob barfuß mehr im Winter oder im Sommer Spaß macht. Ich verwies auf die Übergangszeit. Flyer wurde ich hier reichlich los. Dann ging ich wieder an die Arbeit.

Gegen 13 Uhr gab es Mittagessen in einem Holzhaus an der Wiggermündung. Ich schob mein Velo dorthin. Auch die junge Barfüßerin ging dorthin, immer noch barfuß. Dort angekommen, sagte sie zu mir: "Es piekst zwar etwas, aber barfuß ist schön!" Das Mittagessen (eine Suppe, vielleicht etwas zu warm für das heiße Wetter, aber wirklich köstlich) wurde von einer Aarburger Metzgerei gesponort, das Bier von einer Brauerei aus Rheinfelden und ein alkoholfreies Getränk vom im benachbarten Rothrist ansässigen Hersteller. Ich kam auch noch mit dem ehemaligen Präsidenten ins Gespräch. Christian fand es gut, daß auch ich mich spontan an der Aktion beteiligt hatte. Er fragte noch, ob ich mich verletzt habe, aber bis auf einer Schramme oberhalb des Knöchels durch einen Dornbusch hatte ich nichts abbekommen. Kurz bevor ich weiterfuhr, verließ auch der barfüßige weibliche Teenager das Gelände, etwa 2 Minuten später folgte ein junger Mann, ebenfalls barfuß. Ein erfreuliches Ergebnis? Vielleicht. Aber viel erfreulicher, wenn auch offtopic, ist, daß die Aarelandschaft wieder einmal von Unrat befreit wurde, der Lohn für unsere Arbeit lag im Abfallcontainer an der "Wog". Die Landschaft ist wirklich schützenswert! Ein Geschenk der Natur? Nein! Eine LEIHGABE der Natur!


Schöne Grüße
Michael aus Zofingen


Leo Offline



Beiträge: 693
Punkte: 484

12.04.2011 21:36
#2 RE: Aareputzete Zitat · antworten

Hallo Michael,

schöner Bericht über einen scher(b/g)enfreien Tag!

Gruß

Leo

P.S. Nicht nur hier hinterläßt Deine Wortwahl also einen bleibenden Eindruck...


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