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Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

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Dieses Thema hat 5 Antworten
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 Barfuß und Leben
Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 593
Punkte: 248

08.11.2011 18:37
Demonstration in Basel Zitat · antworten

Die letzte Zeit habe ich nicht viel von mir hören lassen. Wen überrascht es. Bei den eher milden Temperaturen der letzten Wochen bin ich doch lieber unterwegs als daß ich aufschreibe, was ich gemacht habe. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Am Wochenende 29.10-30.10. 2011 war ich wieder einmal im Raum Basel unterwegs, und wieder einmal mit dem Velo. Als ich in Zofingen losradelte, war es alles andere als mild, so daß ich auf eine Trainingsjacke zurückgreifen mußte. Aber Handschuhe, Mütze, lange (Unter-)hosen, Socken und Schuhe? Ohne mich!

Es ging sogar. Hinter dem Hauensteinpaß war der Nebel vorbei, die Sonne kam durch. Aber bis es soweit war, daß ich mich auch der Jacke entledigen konnte, um im Träger-T-Shirt weiterzufahren, sollte es noch dauern, bis ich in Basel war. Ich war übrigens nicht der einzige Barfüßer: Zwischen Johanniterbrücke und Mittlerer Brücke befand sich im Rhein eine Sprungschanze für Wasserskifahrer. Vermutlich sollte es eine entsprechende Veranstaltung geben. Eine junge Frau war dabei, die Sprungschanze mit dem Besen zu reinigen. Sie war barfuß und trug einen Neoprenanzug. Ihre Schuhe standen am Ufer. Ursprünglich hatte ich vor, direkt von dort zur Claramatte zu fahren. Neugierig wie ich war, radelte ich auch noch ca. 200 m rheinabwärts zur Münsterfähre. Der Fährmann war diesmal fett beschuht. Also doch nichts mit mehr als 2 Barfüßern in Basel!

Was wollte ich überhaupt an der Claramatte? Ach ja! Von dort sollte eine Demonstration stattfinden. Ein Basler Pharma- und Chemiegigant hatte Riesengewinne kassiert, gleichzeitig sollen aber Stellen gestrichen werden. Die Gewerkschaft hatte zur Demonstration aufgerufen. Die Gewerkschafter regten sich einmal darüber auf, daß die obersten Bonzen dieses Unternehmens Millionenboni „verdienen“ (=abzocken), während die einfachen Büezer nicht einmal den Teuerungsausgleich erhalten. Nun bin ich sicher kein Büezer, und mit meinem Lohn als Entwicklungschemiker nage ich sicher nicht am Hungertuch (und würde es selbst dann nicht, wenn ich ein 4rad hätte und immer Schuhe tragen würde). Außerdem arbeite ich auch nicht in diesem Basler Unternehmen. Aber wenn schon in unser Firma ein Aushang am schwarzen Brett hing über die Demonstration, waren sollte ich nicht einmal bei dem Vorhaben, barfuß und in kurzen Hosen dem nebligen Mittelland zu entrinnen, an den Ort einer Demonstration fahren, wo ich ohnehin im Basler Raum weilen wollte. Am Velo hatte ich übrigens ein Schild „Schuhe? Nein danke!“ angeheftet.

Zunächst einmal betrachtete ich den Ort näher. Einige Leute mit Transparenten standen schon bereit. Nur wenige Polizisten waren zu sehen. Waren irgendwo bekannte Gesichter? Etwa gegenwärtige Mitarbeiter in der Firma, in der ich arbeitete? Oder ehemalige? Plötzlich sprach mich ein Mann an: „Hallo Michael!“ Es war tatsächlich ein ehemaliger Laborant. Eigentlich war er auch kein Mitarbeiter in unserer Firma, er war bei einer Ausleihfirma (Sklavenhändler) angestellt, die ihre Mitarbeiter an andere Unternehmen verleihen, wenn dort kurzfristig welche benötigt werden. Er hat für mich im Labor gearbeitet und ich war mit seiner Leistung sehr zufrieden. Ich fand es schade, daß er nur temporär bei uns arbeitete. Zuerst unterhielten wir uns über die geschäftliche Dinge und über die Demonstration. Meine nicht gerade übermäßig winterliche Aufmachung kam erst später zur Sprache.

Dann setzte sich der Demonstrationszug in Bewegung, und ich ging mit Philipp (so heißt mein ehemaliger Arbeitskollege) im Zug mit (genauer: ich schob mein Velo). Wir gingen zum Claraplatz, über die Mittlere Brücke, durch die Fußgängerzone, zum Barfüßerplatz, zum Theaterplatz). Vielfach marschierten wir auch über Tramgleise, so daß die Offtopic-Fahrzeuge warten mußten. Im Demonstrationszug waren übrigens keine Barfüßer, auch sah ich niemanden in kurzen Hosen. Wohl aber waren in der Stadt Leute in kurzen Hosen und auch eine Frau in Flipflops (und langen Hosen) auf dem Velo. Nur einmal fragte mich Philipp, ob es nicht zu kalt wäre. Ebenso machte er mich auf eine Scherbe aufmerksam. Als ich einmal auf dem Tramgleis ging, fragte mich ein anderer Demonstrationsteilnehmer, ob die Gleise wärmer seien. Waren sie nicht!

Mit nicht-malo-konformen Kameras ausgerüstete Menschen schienen sich für meine Barfüßigkeit zu interessieren, wenn ich die Schußrichtung der Kamera richtig interpretiere. Irgendwie paßt das auch. Einerseits die obersten Unternehmensbosse (die Ausbeuter), denen monatlich Millionenbeträge zuflattern, andererseits die kleinen Leute (die Ausgebeuteten), die sich (symbolisch betrachtet) nicht einmal Schuhe und warme Kleidung leisten können. Indirekt bin auch ich betroffen. Zwar nicht materiell. Aber die Tatsache, daß es vor schon einigen Jahren ein Personalchef auch nur wagte, mir das Barfußlaufen (und das Tragen von kurzen Hosen) in der Freizeit in der Zofinger Altstadt quasi zu verbieten, ist doch im Grunde genommen nichts anderes als ein Angriff der „Herrschenden“ auf die „Beherrschten“. Ein Schuh (und eine lange Hose) ist quasi auch ein Symbol für Unterdrückung, mit der man einem ein Stück (Fuß- bzw. Bein-)Freiheit raubt und somit die Lebensqualität erheblich einschränkt.

Am Barfüßerplatz sprach ein Passant, als ich vorbeischritt: „Man sieht es, hier ist der Barfüßerplatz!“ Am Theaterplatz, eingerahmt von Elisabethenkirche und „beweglichem Brunnen“ fand die Schlußkundgebung statt. Es redeten verschiedene Leute, auch sang ein Liedermacher. Auch begrüße mich ein Schichtführer-Stellvertreter aus unserer Firma. Er hatte das Papier am schwarzen Brett aufgehängt. Außer mir hatte er keinen Bekannten gesehen. Er fand es toll, daß ich nach Basel gekommen war, vor allem, daß ich das Velo genommen hatte. Auch meine Kleidung fand er passend, worauf ich entgegnete: „Wenn die Gewerkschaft zur Demonstration in Zofingen aufgerufen hätte, wäre ich nicht gekommen! Sicher hätte ich dann am nächsten Arbeitstag einen Termin beim Personalchef.“ Worauf er antwortete: „Bei dem sicher! Aber der ist ja bald weg!“ Irgendwie war die Situation friedlich, trotz mancher lautstarker Worte fand ich sie fast feierlich (Etwa weil ich selber nicht betroffen war?). Keine Leute, die Steine warfen, keine Polizisten hinter Schutzschilden, nichts. Also warf auch ich nicht mit Steinen! Wäre auch unverhältnismäßig gewesen, selbst wenn geeignete Zielscheiben vorhanden gewesen wären. Lediglich das Werfen mit Schuhen wäre verhältnismäßig gewesen, aber die hatte ich nicht dabei – kotz, würg („echte Barfüßigkeit“ hat halt ihren Preis)!

Die Kundgebung war zu Ende, Philipp verabschiedete sich von mir. Und ich schob mein Velo auf die Straße, denn ich hatte noch vor, weiter zu radeln in Richtung Hofstetten via Binningen, Therwil, Flüh. Ich hatte noch eine Wanderung vor mir.

Hier der Link zur Demonstration:
http://bazonline.ch/basel/stadt/Demonstr.../story/13332292

Auf dem Bild Nr. 7 bin ich zu sehen. Aber keine Angst! Ich habe noch zwei ganze Beine. Nichts wurde von einem Tram abgefahren, unter das ich hätte geraten können, weil ich unvorsichtig war.
Schöne Grüße
Michael aus Zofingen


Jay Offline




Beiträge: 702
Punkte: 695

08.11.2011 20:37
#2 RE: Demonstration in Basel Zitat · antworten

Hi Michael,

sicher freut es nicht nur mich, von dir wieder 'mal ein Lebenszeichen wahrzunehmen. Zum einen darf ich meinen Dank für den ansprechenden, lebendigen Bericht übermitteln & zum anderen auch meine Wertschätzung ausdrücken, daß du zu denjenigen gehörst, die wissen, wer im Unternehmen die tatsächlich realproduktive Arbeit leistet (zu denen gehörst du ja selbst) & wer nicht...

In den schon etwas zurückliegenden Tagen, als in USA das höchst erfreuliche Occupy Wallstreet-Movement losging, hatte ich intensive Kontakte mit guten Freunden in den USA. Dabei hatte ich auch angeregt, man solle sich auch um die Peripherie kümmern, die so nebenher [?] von den 1 % geschaffen wurde, die die 99 % der Nation unterjochen & zu Lakaien gemacht haben.

Es wird erfreulich sein, wenn das erste Bild in den Medien auftaucht, auf welchem eine Kiosk-Bruchbude erscheint, die einzig mit dem NSNSNS*-Schild suggerieren will, 'was Besseres zu sein (& dem Kunden die 'Sicherheit' geben will, daß dieser Laden nur mit "gehobenen" Kunden Geschäfte macht). Vielleicht ist sie in ihrer Marodität sogar gut getarnt, die restlos baufällige Bruchbude - & das Schild soll´s 'rausreißen. Nämlich die Befürchtung, daß der Schuppen grad' dann einstürzt, wenn jemand [Ordentlich Beschuhter etc. etc.] den Kopf durch die Luke steckt, um sich eine Zeitung zu kaufen (wirkt genickbrechend).

Idyllisch wär´s, wenn man dann in der Berichterstattung über die Demos z. B. eine BFige Person sehen würde, die das Schild bepinkelt. Besser noch: das Schild ist mit Graffiti übersprüht. Meine Empfehlung war, 2 kleine Nackte-Füßchen-Abdrücke aufzusprühen (man darf ruhig daran erinnern, daß die USA 'mal das BF-freundlichste Land der Welt waren & daß´s genug Leute gibt, die sich das nicht so einfach nehmen lassen). Darunter der Schriftzug:

CHANGE IT TO: NO MONEY, NO SERVICE & KISS MY BACKSIDE, YOU MOTHERFUCKER!

Freundliche (+ antiautoritäre + anarchistische) BF-Grüße, Jay (der 'was gegen Diskriminierung solventer Kunden hat. Ware gegen Geld = Geschäft, & Geschäft = Geschäft. DAS soll Amerika sein - & Amerika besinnt sich doch immer so wahnwitzig intensiv auf seine klassische Tradition als Nation der Geschäftemacher, egal was drumherum ist... Wirbelstürme ... Erdbeben ... fehlende Schuhe ... oder was auch immer?)
---------------
*) "No Shoes, No Shirt, No Service"


Leo Offline



Beiträge: 693
Punkte: 484

08.11.2011 20:49
#3 Korrekt gekleidet am Basler Barfüsserplatz Zitat · antworten

Hallo Michael,

Zitat von Michael aus Zofingen
Die letzte Zeit habe ich nicht viel von mir hören lassen. Wen überrascht es. Bei den eher milden Temperaturen der letzten Wochen bin ich doch lieber unterwegs als daß ich aufschreibe, was ich gemacht habe.



Wem sagst Du das…

Und wenn dann auch noch forums-historisch-politische Grundsatzdiskussionen in epischer Länge die letzten potentiellen Leser und Ko-Autoren vertreiben…

Zitat von Michael aus Zofingen
Am Barfüßerplatz sprach ein Passant, als ich vorbeischritt: „Man sieht es, hier ist der Barfüßerplatz!“



Vor längerer Zeit regte ein Passant sich dort mit deutschem Akzent ziemlich über meine Barfüßigkeit auf. Ich sagte dann nur trocken: “ICH bin hier als einziger korrekt gekleidet!” und zeigte auf das Straßenschild. Dann war schlagartig Ruhe!

Gruß

Leo


Jay Offline




Beiträge: 702
Punkte: 695

08.11.2011 21:01
#4 RE: Korrekt gekleidet am Basler Barfüsserplatz Zitat · antworten

Zitat von Leo
Und wenn dann auch noch forums-historisch-politische Grundsatzdiskussionen in epischer Länge die letzten potentiellen Leser und Ko-Autoren vertreiben…


Hi Leo,

dennoch darf ich in aller Hyperkürze daran erinnern, daß es Charles B. war, der (siehe "Internes") wissen wollte, wie sich das HBRF selbst definiert & somit das Thema angestoßen hat.

Ganz bestimmt nicht auf Forums-Grundsatzdiskussionen geil, schönen BF-Abend, Jay (hab' den heutigen 'Goldenen November' sehr genossen).

PS: Übrigens, der Hotel-Gasthof "Nagerl" in Freising/Marzling ist wieder BF zurückerobert (ich berichte demnächst noch genauer).


Leo Offline



Beiträge: 693
Punkte: 484

08.11.2011 21:18
#5 RE: Korrekt gekleidet am Basler Barfüsserplatz Zitat · antworten

Hallo,

Zitat von Jay

Zitat von Leo
Und wenn dann auch noch forums-historisch-politische Grundsatzdiskussionen in epischer Länge die letzten potentiellen Leser und Ko-Autoren vertreiben…



Hi Leo,

dennoch darf ich in aller Hyperkürze daran erinnern, daß es Charles B. war, der (siehe "Internes") wissen wollte, wie sich das HBRF selbst definiert & somit das Thema angestoßen hat.




Und das fand ich in Vorhersehung überempfindlicher Leserreaktionen genau wie manche Antwort eben (d/t)rollig...

In aller Kürze grüßt

Leo


Frank (CH) Offline



Beiträge: 10
Punkte: 4

10.11.2011 16:30
#6 RE: Demonstration in Basel Zitat · antworten


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