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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Barfuß und Leben
Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 589
Punkte: 248

24.11.2011 05:39
„Les Grangettes“ und Umgebung Zitat · antworten

Sonntag, 20.11.2011: Ich hatte ich mir ein Railaway-Angebot besorgt. Dieses beinhaltete die Bahnfahrt zum Bahnhof Veytaux-Chillon und den Eintritt ins Schloß Chillon, wobei ich speziell für dieses Angebot einen 10 SFr-Gutschein, den ich erhalten hatte, weil ich im Oktober das Ballenberg-Angebot benutzt hatte, einlösen konnte. Oder mit anderen Worten: Bei einem Eintrittspreis von 12 SFr ins Schloß würde sich dieser quasi auf 2 SFr reduzieren. Ich hatte ohnehin vor, nach dem Schloßbesuch noch ein Stück zu wandern, denn das für die Genfer-See-Region angekündigte schöne Wetter war eigentlich zu schade, um den ganzen Tag sich hinter den dicken Mauern des Schlosses aufzuhalten. Vom verhinderten Schloßbesuch habe ich ja schon berichtet, vom Rest möchte ich jetzt erzählen:

Ich radelte morgens zum Bahnhof Zofingen, barfuß, in kurzen Hosen, aber mit Jacke, denn die brauchte ich bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Um 6.32 Uhr fuhr der Zug ab nach Lausanne. Hier hatte ich 46 Minuten Aufenthalt, denn die Züge, die in Veytaux-Chillon halten (S1), verkehren nur alle Stunde. Die S3, die dazwischen verkehrt, hält nicht zwischen Montreux und Villeneuve. Mich sollte es nicht stören. Bei diesem schönen Wetter (hier gab es keinen Nebel) hatte ich gerade Zeit, um barfuß vom Bahnhof Lausanne hinunter nach Ouchy am Seeufer zu wandern und wieder zurück. Teilweise führte der Weg durch Parks, wo ich über das nasse Gras wanderte. Im Grunde genommen folgte ich dem Weg der Metro, die in grauer Vorzeit als Standseilbahn, dann als Zahnradbahn und seit nicht allzu langer Zeit als „richtige“ Metro mit Streckenverlängerung nach Norden verkehrt.

Um 9.01 Uhr verließ die S1 pünktlich Lausanne, um 9.35 Uhr würde sie in Veytaux-Chillon ankommen, also 25 Minuten vor Öffnung der Kasse. Lieber 25 Minuten auf Einlass warten als 35 Minuten nach Kassenöffnung am Bahnhof sein, damit mir diese Zeit hinterher zum Wandern nicht fehlt. In Pully stiegen übrigens zwei Mountainbikefahrer mit ihren 2rädern in die S-Bahn, einer von denen trug eine kurze Hose und Sockenlosigkeitvortäuschsocken, aber auch eine Mütze, die er im Zug nicht abnahm. In Vevey stiegen sie wieder aus. Pünktlich kam der Zug am Bahnhof Veytaux-Chillon an, von hier waren es etwa 5 Minuten bis zum Schloß. Ich ging langsam, einige Japaner hielten sich schon in Schloßnähe auf, vielleicht waren sie mit dem Taxi oder zu Fuß von Montreux angereist. Aus allen möglichen Perspektiven versuchten sie das Schloß zu fotografieren, aber auch die anderen Leute. Auch ich griff zu meiner nicht-malo-konformen Kamera, ging noch zur Holzbrücke über die Bahnlinie, sah vorbeifahrende Trolleybusse (die vorher anstelle dieser Busse verkehrenden Offtopic-Fahrzeuge habe ich leider nicht mehr erlebt). Mir kam das Warten auf Einlaß nicht lange vor. Es bildete sich auch keine Schlange lange vor Kassenöffnung. Die Dame, die nachher die Kasse bediente, öffnete die Holztore zur Brücke. Vermutlich hat sie mich zu diesem Zeitpunkt schon gesehen, wie ich fotografierte und dabei auch mich gelegentlich auf erhöhte Dinge wie einzelne Steine stellte. Im Nachhinein fällt mir ein, daß dieses vielleicht mit der Grund für meinen Nicht-Einlaß war. Die Dame hatte Zeit, vor ihrer eigentlichen Arbeit mich zu mustern. Vielleicht kotze es sie auch an, daß sie an diesem schönen Sonntag arbeiten mußte und es ihr im Grunde genommen nicht paßte daß andere Leute arbeitsfrei haben. Immerhin war ich der einzige ohne Schuhe und der einzige in kurzen Hosen (noch mit Jacke), der sich in der Nähe des Schlosses aufhielt (einige bekurzhoste Jogger rannten nur vorbei) und mit meiner Kleidung kam der Ausdruck von „Freiheit“ besonders zur Geltung, und die gönnte sie mir nicht. Vielleicht hätte man mich eingelassen, wenn ich mich nicht längere Zeit vor Kassenöffnung sichtbar aufgehalten hätte, sondern mich unauffällig in eine Schlange eingereiht hätte, die sich möglicherweise gebildet hätte, wenn gerade eine S-Bahn, ein Trolleybus oder gar ein Reisebus eine Reihe von Leuten ausgespuckt hätte. Denn wenn man aus dem Kassenhäuschen selbst einen Menschen erstmalig sieht, dann sieht man nur den Oberkörper. Man hätte also weder meinen nackten Füße, noch meine nackten Beine gesehen. Und ich vermute mal, wenn man erst die Eintrittskarte hat, dann ist die Hemmschwelle, einen nachher wieder rauszuschmeißen, größer. Auch vermute ich mal, daß Leute, die mit Bargeld an der Kasse bezahlen, weniger leicht abgewiesen werden als solche, die einen Gutschein einlösen oder ein Dauerticket für Museen haben. Im ersten Fall würde dem Museum Geld entgehen, worauf speziell in der Schweiz geachtet wird, daß es nicht passiert, während in den anderen Fällen ja bereits bezahlt wurde und dem Museum kein finanzieller Schaden beim Nichteinlaß entsteht.

Als ich nun abgewiesen wurde, verspürte ich einerseits einen Haß auf die spießige „Dame“ an der Kasse, andererseits hatte ich nun mehr Zeit zum Wandern. In der Sonne war es so warm, daß ich die Jacke im Rucksack verstauen „durfte“. Ich wanderte zuerst am Ufer des Genfer Sees in südliche Richtung, dann durch das hübsche Städtchen Villeneuve, um dann einem Wanderweg ins Naturschutzgebiet „Les Grangettes“ zu folgen:
http://www.artenschutz.ch/grangettes.htm

Zuerst ein asphaltierter Weg, dann folgte ein schmaler Fußweg völlig belaubt, teilweise matschig (an schattigen Stellen war noch Rauhreif und der Boden gefroren), und falls dort Baumfrüchte lagen, dann waren es Eicheln, keine Bucheckern und keine Maronis. Ein Barfußpfad, wie er im Buche steht. Leute, die mir entgegenkamen, lächelten. Leider endete dieser Weg irgendwo, es ging auf Asphalt weiter. Dann zweigte der Wanderweg vom Asphaltweg ab in Richtung Campingplatz. Ich hatte noch gar nicht das Gelände betreten, schaute, ob irgendwo der Wanderweg am Campingplatz vorbeiführte, als ein Campingplatzwächter in Richtung Schranke schritt und mir unfreundliche Worte auf Französisch zurief, die ich nicht verstand, wohl aber kam das Wort „privee“ vor. Vermutlich wollte der Mann Geld, wenn ich dort weitergehe. Ich ließ den Mann stehen, während er mir noch einiges hinter schrie, worauf ich nur sagte (nicht schrie, aber bei mir sind die Grenzen ja fließend): „Bünzli!“

Ich wanderte weiter, kam an den „Grand Canal“, folgte diesem bis zum Mündung in den See, wo ich auf den Wanderweg, der über den Campingplatz führte, wieder stieß. Von hier aus sah ich auch das „verwunschene“ Schloß Chillon, das so winzig wirkte im Vergleich zu den Bergen dahinter. Ich wanderte am Kanal zurück, überquerte ihn auf einer schmalen Brücke, holte ältere Leute ein. Sie grüßten freundlich auf Französisch, unterhielten sich aber auf Schweizerdeutsch (und nicht über mich). Danach überquerte ich den „Alten Rotten“ als mir plötzlich ein Polizeifahrzeug entgegen kam. Die Gendarmen hielten an, wollten meine Ausweise sehen. Als sie merkten, daß ich kein Französisch sprach, wechselten sie auf Hochdeutsch. Sie wollten wissen, wo ich hin wollte usw. Während lange Zeit keine Worte gefallen waren, holten uns die älteren Leute ein. Sie lächelten mir zu, grüßten die Gendarmen freundlich auf Französisch, die Beamten grüßten zurück. Und nach wenigen Metern sprachen sie zueinander auf Schweizerdeutsch: „Als ob die Schroter nichts wichtigeres zu tun haben!“ Vermutlich haben das die Beamten nicht verstanden. Die Polizisten haben sich diesmal höflich verhalten, gegen diese beiden Beamte empfinde ich weder Haß, noch Verachtung. Vermutlich hat mich dieser Campingplatzfritze verpfiffen. Denn das barfüßige und bekurzhoste Wandern in einem Naturschutzgebiet bei warmen ca. 11°C ist sicher nichts schlimmes, auch wenn es November ist.

Kurze Zeit später erreichte ich den „richtigen“ Rotten, überquerte ihn auf einer Brücke, wobei ich die Kantonsgrenze Waadtland-Wallis überschritt. Ohne daß ich in diesem Augenblick daran dachte; hier in der Nähe befindet sich der Miniatureisenbahnpark
Swiss Vapeur Parc

Dieser hatte auch geschlossen, trotzdem wurden hier Offtopic-Fahrzeuge geklaut:
http://www.suedostschweiz.ch/boulevard/m...-parc-gestohlen

Nein, ich war es nicht! Ich folgte dem Rotten, teilweise direkt am Ufer durchs Gras anstatt über den Weg aus rauhem Asphalt, bis zur Brücke zwischen Vouvry und Chessel. Das letzte Wegstück lag bereits im Schatten, da hier die Berge dicht am Wasser sind. Auffällig war der Schornstein auf dem Berg. Und nicht weit von hier fuhren auch Züge in Richtung St. Gingolph bzw. kamen von dort. Am anderen Rottenufer (also auf Waadtländer Seite) wanderte ich wieder zurück. Vom Rottensteg wanderte ich über andere Wege zurück nach Villeneuve, jedoch benutzte ich auch diesmal wieder den Barfußpfad. Die Sonne hatte sich endgültig hinter den Bergen verabschiedet, es wurde kühler. Etliche Leute, speziell Kinder, trugen Handschuhe und Mützen. Ich spürte meine Füße, wenn ich über rauhen Asphalt ging. Und ich spürte sie auch, als ich über das Steinpflaster im Städtchen Villeneuve ging. Ein Blick auf Uhr und Fahrplan: Ich könnte in wenigen Minuten von hier abfahren, müßte aber für eine Station eine Fahrkarte lösen (oder schwarz fahren), dann wäre ich ein Stunde eher als geplant in Zofingen.

Ich tat es nicht, sondern wanderte in Richtung Chillon. Mittlerweile war es dunkel, und ich mußte die Jacke überziehen. Jetzt stand ich vor der Wahl, hier längere Zeit auf die S-Bahn zu warten oder aber weiter gehen bis Montreux. Ich tat letzteres, und ich tat es gerne, denn teilweise waren hier am Seeufer Rasenflächen, die herrlich kühl waren. So erreichte ich Montreux, fuhr mit der Rolltreppe hinauf zum Bahnhof. Hier erreichte ich einen Fernzug nach Lausanne, dort hatte ich Anschluß an einen Zug nach Olten, von dort nach Zofingen. So erreichte ich meine Heimatstadt zum gleichen Zeitpunkt, wie wenn ich in Veytaux-Chillon lange auf die S-Bahn gewartet hätte.

Auch wenn mir das Schloß vorenthalten blieb, so habe ich doch ein schönes Barfußparadies entdeckt, von dem ich vorher nichts wußte und in das ich normalerweise auch gar nicht gekommen wäre. Somit hat sich die Fahrt doch noch gelohnt. Da ich den 10-SFr-Gutschein nur im Zusammenhang mit dem Railaway-Angebot nach Chillon einlösen konnte, nicht aber bei Bahnfahrten alleine, habe ich bei einem Eintrittspreis von 12 SFr nur 2 Sfr mehr bezahlt, wie wenn ich nur eine entsprechende Bahnfahrkarte gelöst hätte. Somit kann man sagen, daß ich quasi für eine Wanderung im Bereich Chillon 2 SFr bezahlt habe. Und das dürfte bei meinem „fürstlichen“ (um Karl Heinz zu zitieren) Gehalt als Entwicklungschemiker in einem füdlibürgergehumanresourcten Unternehmen im Schweizer Mittelland doch drin liegen!


Schöne Grüße
Michael aus Zofingen


Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.923
Punkte: 794

25.11.2011 07:34
#2 RE: „Les Grangettes“ und Umgebung Zitat · antworten

Hi Michael,

mit Spießern oder "Füdlibürgern", die uns wegen unserer nackten Füße Schwierigkeiten bereiten, müssen wir leider immer wieder rechnen. Das Argument, daß wir es durch unsere barfüßige Lebensweise wem oder was gegenüber (in Deinem Falle gegenüber den Kulturgütern der Schweiz) angeblich an Respekt fehlen lassen, fällt auf diejenigen, die es gebrauchen, zurück, denn SIE sind schleßlich diejenigen, die es solchen Menschen (barfüßigen oder anderen), die nicht in ihr kleinkariertes Raster passen, an Respekt fehlen lassen. Durch Deine ungewöhnliche Erscheinung (nebst den nackten Füßen sind das die ultrakurzen Hosen und die sonstige "nicht übermäßig winterliche Bekleidung") offenbarst Du eine großartige innere Freiheit, die jenen unbegreiflich ist, und weil diese innere Freiheit ihnen zugleich unerreichbar erscheint (wer sie nicht hat, der muß sie sich erkämpfen, was wiederum eine gewisse Anstrengung erfordert, die nicht jeder auf sich zu nehmen bereit ist), ist es für sie am einfachsten, Dir Schwierigkeiten zu bereiten, sei es, daß sie Dir wie die Pförtnerin von Schloß Chillon den Einlaß verwehren oder Dir die Polizei auf den Hals hetzen (die ihrerseits nicht erfreut ist, daß sie sich mit Dir abgeben muß, statt sich ihrer eigentlichen Aufgabe, für Sicherheit und Ordnung zu sorgen, zu widmen).
Das Schloß Chillon war Deines Besuches einfach nicht wert, ebenso wie ein gewisses gastronomisches Etablissement am Spitzingsee im Sommer dieses Jahres Leo's und meiner als nicht würdig erwiesen erwiesen hat.

Barfüßige Herbstgrüße,
Markus U.


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