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Der Winter hat die Schweiz fest im Griff. Die ganze letzte Woche habe ich fette Schuhe auf dem Weg mit dem Velo zur Arbeit anziehen müssen (1 km). Barfuß oder auch nur in Sandalen wäre es mir zu kalt gewesen. Kam noch hinzu, daß die Blase, die ich mir letzten Sonntag beim Wandern mit Schuhen geholt hatte, ziemlich wässerte. Ein Pflaster half nichts, da es nicht klebte. Ich half mir damit, daß ich etwas Küchenpapier um den kleinen Zeh wickelte, um zu verhindern, daß die Sokken, die ich bei der Arbeit trage, nicht an der Wund festklebten.
Am Donnerstag und Freitag war es wenigstens nach der Arbeit nicht so kalt, daß ich nach dem Ausziehen der Arbeitskleidung und –schuhe nicht in Turnschuhen, sondern in Flipflops das Firmengelände verließ. Beim Fortradeln beförderte ich die Flipflops in die Packtasche und radelte barfuß nach Hause. Da mein Velo den ganzen Tag in der Kälte gestanden hatte, hatte ich Handschuhe angezogen, um die Bremse besser im Griff zu haben. Es sieht halt komisch aus, barfuß und gleichzeitig behandschuht – ungefähr genauso komisch wie barhändig und gleichzeitig fett beschuht. Aber ich kenne mindestens einen, der barfuß läuft und gleichzeitig Handschuhe trägt (sowie Mütze und lange Hosen). Dann ist es sicher auch möglich, barfuß und mit Handschuhen (sowie in kurzen Hosen und ohne Mütze) Velo zu fahren. Der Kombinationsphantasie sind keine Grenzen gesetzt!
Heute mußte ich wieder einkaufen, und zwar bei Migros (am späten Vormittag) und bei Coop (am frühen Nachmittag). Zwar liegen beide Läden in derselben Straße direkt gegenüber, aber mit einer Velotour wäre die Menge nicht zu bewältigen gewesen. Heute radelte ich bei -8°C barfuß und in kurzen Hosen zum Einkaufen, während ich vor einer Woche „nur“ kurze Hosen trug. „Ganz“ barfuß war ich übrigens auch nicht, denn das Küchentuch, was ich mir gestern um die wunde Stelle gewickelt hatte, war mit der Wunde verklebt. Also schnitt ich mit der Schere das überstehende Papier ab, aber eine Ellipse, Länge 21 Millimeter, Breite 12 Millimeter blieb drauf. Aber wegen diesem bißchen Papier bin ich sicher kein fetter Schuhträger.
Das Wetter sorgte dafür, daß ich mir vorher überlegte, wie ich unnötiges Stehen auf kaltem Boden verhindern konnte: Velo möglichst nach beim Eingang abstellen, mit den Packtaschen in den Vorraum gehen, dort das Schlüsselbund aus der Tasche kramen und den richtigen Schlüssel suchen, zum Velo zurückgehen und abschließen. In den Läden starrten mich einige Kinder an, mehr als vor einer Woche, als ich zwar in kurzen Hosen, jedoch in Turnschuhen einkaufen war. Als ich bei Coop im Vorraum war, wurde ich von einem Mann angesprochen (Alter schwer zu schätzen, da seine Vermummung kaum was vom Gesicht freigab): „Ich frage mich immer, wie man es so bei der Kälte aushalten kann,“ Ich antwortete: „Mehr als einen Kilometer auf dem Velo halte ich so auch nicht aus.“ In der Zwischenzeit kam eine Frau herein, bückte sich und fuhr mit den Händen an meinem Bein hoch, von den Knöcheln bis zu den Hosensäumen. Es ging alles so schnell, daß ich nicht erkenne konnte, wie alt die Frau war, ob Schweizerin oder Ausländerin, schließlich hab ich mich ja auch mit dem Mann unterhalten. Eines war sicher: Ihre Hände fühlten sich kalt auf meinen Beinen an. Der Mann schien es auch nicht mitbekommen zu haben, er sprach: „Wir haben Sie kürzlich am Bahnhof gesehen. Wir alle haben vor Kälte geschlottert, und Sie liefen so herum, Gibt es da ein Rezept?“ Ich antwortete: „Vielleicht habe ich ein Frostschutzmittel im Blut.“ Er sprach noch: „Alle Achtung, und gute Heimfahrt!“ Dann ging er hinaus, und ich radelte auch nach Hause.
Das Polizeifahrzeug, was mir entgegen kam, führte bei mir auch nicht zu einem Verlust der guten Laune. Der Schroter blickte zwar dumm aus der Wäsche. Da er aber alleine war, befürchtete ich auch keine Kontrolle in der Kälte (Schweizer Polizisten kontrollieren nur, wenn sie in der Überzahl sind), die mir vermutlich nicht gut bekommen wäre. Ich bin doch froh, daß ich endlich mal wieder barfuß aus dem Haus kam. Ansonsten besteht die Gefahr, daß ich mich derart an Schuhe gewöhne, daß ich nicht mehr barfuß laufen mag. Und das wäre doch eine Tragödie sondergleichen. Aber wenigstens konnte ich bei der Kälte, auch bei -15°C, konsequent in kurzen Hosen zur Arbeit fahren, und ohne Mütze.
Demnächst soll das Wetter umschlagen. Zwar sind noch keine hochsommerlichen Temperaturen in Sicht, aber immerhin soll ab nächster Woche warmer Schnee vom Himmel fallen.
Schöne Grüße Michael aus Zofingen
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