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Dieses Thema hat 2 Antworten
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 Barfuß und Leben
Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 585
Punkte: 248

12.03.2013 05:38
Erste Barfüßer 2013 in der Schweiz Zitat · antworten

Alle reden von einem erneuten Wintereinbruch, in Berlin soll ja bereits wieder Schnee liegen. Soweit sind wir hier in der Schweiz noch nicht. Und in der letzten Woche hatten wir ein paar Vorfrühlingstage, genauer: von Donnerstag bis Sonntag. Gerade richtig, um mal wieder eine Velotour in den Raum Basel zu unternehmen, unter Verzicht auf fettes Schuhwerk, versteht sich. Wegen der Steuererklärung mußte ich ohnehin noch eine deutsche Poststelle aufsuchen, warum nicht das notwendige mit dem angenehmen verknüpfen.

Letzten Samstag gegen 8.30 Uhr radelte ich los. Es war noch neblig und derart frisch, daß ich eine Jacke benötigte. Aber barfuß und in kurzen Hosen war möglich, auch auf die Mitnahme der berühmt-berüchtigten „Notschuhe“ habe ich verzichtet. Hinter dem Hauensteinpaß war der Nebel vorbei. Und als ich vor Sissach an einer Bahnschranke dem „Läufelfingerli“ den Vortritt gewährte, nutzte ich die Zeit, um die mir lästig gewordene Jacke in der Packtasche zu verstauen. Dann ging es im T-Shirt weiter. Nicht nur mir war es mit Jacke zu warm geworden, auch einer Frau. Sie trug ärmellose Oberbekleidung und hatte ihre Jacke um die Hüften geknotet. Andere Leute dagegen trugen noch dicke Winterkleidung einschließlich fetter Wollmützen. Auch sah ich einige Jogger und Rennvelofahrer in kurzen Hosen, fast ausschließlich Männer.

Ab Muttenz hatte ich das Glück, eine Wettfahrt mit einem Tram zu machen. natürlich erreichte das Tram eine höhere Endgeschwindigkeit als ich auf dem Velo, aber ich mußte ja nicht an jeder Haltestelle Leute einsammeln. Manche Leute im Tram machten Handbewegungen, wie wenn sie Sportler beim Velorennen, Laufen usw. anfeuern, eine Frau mit aufgedunsenem Gesicht dagegen machte eine Handbewegung in Richtung Kopf, die eigentlich Autofahrern vorbehalten ist. Dieses wiederholte sich jedes Mal, wenn mich das Offtopic-Fahrzeug auf freier Strecke überholte bzw. wenn ich an der Haltestelle am wartenden Tram vorbeifuhr. An der Haltestelle „Bankverein“ stieg die „liebenswerte Dame“ aus. Während ich an der Ampel wartete (ich wollte nach links abbiegen in Richtung Barfüßerplatz ) sprach sie mich an: „Barfuß, so was unappetitliches!“ Darauf entgegnete ich: „Das sollen Sie doch auch nicht essen! Sie dürfen ruhig eine Schuhsohle verzehren wie Charly Chaplin, das ist gut für die Kaumuskulatur!“ Ich ließ die Frau stehen, da die Ampel frei Fahrt zeigte.

Ich fuhr weiter nach Kleinhüningen, wo ich die Grenze nach Deutschland passierte. Ich folgte weiter denjenigen Straßen der Großen Kreisstadt Weil am Rhein, in die eiserne Schienen gelegt sind und auf denen später mal grüne Trams von und nach Basel verkehren werden. Im „Kaufring“, in die Poststelle von Weil untergebracht ist, erledigte ich das, was ich wollte. Niemand nahm dort an meinen nicht vorhandenen Schuhen bzw. meinen kurzen Hosen Anstoß. In der Kaufring war auch ein anderer Mann in kurzen Hosen einkaufen, allerdings mit fetten Schuhen und Socken. Auf einer Strecke von ca. 100 Meter hielten sich gleich 4 Bettler auf, mehr als ich an diesem Tag im benachbarten und wesentlich größeren Basel gesehen habe. Alle Bettler verzogen die Miene, als ich nacktfüßig mein Velo an ihnen vorbeischob.

Ich verließ die Stadt und folgte dem Fluß Wiese bis zum Wehr in Lörrach, dann fuhr ich weiter in Richtung Fußgängerzone, wo ich mein Velo schob. Ich vernahm Worte wie „Sommer“ und „Klimaerwärmung“. Über Riehen radelte ich wieder nach Basel, wo ich mein Velo durch die Altstadt bis zur „Heuwaage“ schob. Hier begegnete ich einer Arbeitskollegin, die ein Grinsen nicht verkneifen konnte. Dann radelte ich weiter zu einem Park am Allschwilerplatz, wo ich eine Pause machte. Und was sah ich dort? Zwei kleine dunkelhaarige Kinder, die auf dem Rasen Federball spielten, und zwar barfuß (in Worten: BARFUSS). Die ersten Barfüßer, denen ich im Jahr 2013 begegnet bin. Der Junge spielte sogar mit nacktem Oberkörper, so richtig yetimäßig (seine Hose war dagegen nicht yetikonform, da VIEL ZU LANG). Auch das Mädchen trug nur recht dünne Oberbekleidung und eine lange Hose. Beim Sitzen auf der Bank wurde es mir auch im T-Shirt zu warm. Nach einiger Zeit gingen die beiden zu ihren Velos, zogen sich dicke Wollpullover und Jacken sowie Socken und Schuhe an, anschließend auch noch ihre Helme auf. Als sie an mir vorbeiradelten, rief das Mädchen zum vorne fahrenden Jungen: „Wart mal!“ Dann fragte es mich, und zwar auf Hochdeutsch, das zwar gut war, man jedoch anhörte, daß es nicht die Muttersprache war: „Läufst du gerne barfuß?“ Ich bejahte. Dann sagte sie: „Ich auch. Aber Mami sagt immer, das ist noch zu kalt.“ Ich entgegnete: „Vielleicht ist es ihr zu kalt. Aber euch ist es sicher nicht zu kalt. Sonst hättet ihr beim Federballspielen doch die Schuhe anbehalten. Und mir ist es auch nicht zu kalt.“ Dann rief der Junge ungeduldig: „Komm, wir müssen nach Hause, wir sind schon spät!“

Ein positives Erlebnis. Und daß die Kinder bei Velofahren Schuhe trugen (zumindest beim Mädchenrad ist mir aufgefallen, daß die Pedalen nicht barfußfreundlich waren, sondern gezinkt), tut der Sache echt keinen Abbruch. Dann verschwand die Sonne hinter Wolken, und so blieb es. In der Entfernung waren die Wolken sogar recht dick, so daß Regen nicht auszuschließen war. Ich zog mein T-Shirt wieder an und begab mich, vorbei am christomäßig verpackten Spalentor zum Barfüßerplatz, schob mein Velo in Richtung Münsterbalkon, von wo ich auf das Kleinbasler Ufer, auf den Rhein und auf die Münsterfähre blicken konnte. Die Kinder im Park blieben die einzigen Barfüßer, denn auch der Fährmann, er öfters barfuß seinen Dienst antritt, war fett beschuht (bei diejenigen Lesern, bei denen der „Ferima“ bereits unterdurch war, wird er jetzt wohl „noch unterdurcher“ sein). Ein Mädchen in der Stadt sagte zur Mutter: „Mami, der Mann! GAAAAAANZ BLUTT!“ Das entspricht zwar nicht ganz der Wahrheit, aber wer seitenlange Differenzierungen bzl. „laufen“ und „gehen“ gewohnt ist, kann über solche Peanuts-Patzer nur schmunzeln.


Anschließend fuhr ich zurück nach Zofingen. Es bleib vergleichsweise warm, aber bedeckt. Der Regen holte mich nicht ein. Es war ein schöner Vorfrühlingstag, ideal zu Velofahren. Nach Schuhen und langen Hosen hatte ich keinerlei Verlangen, das überlasse ich denjenigen, die das gerne tragen. Auch der nachfolgende Sonntag war recht warm, jedoch etwas unsicherer. Deswegen radelte ich lediglich bis zur Aare. Zum Schwimmen war es (zumindest mir, den Enten, Schwänen und Kormoranen dagegen nicht) zu kalt, aber mal kurz ins Wasser (und noch viel schneller wieder raus) war schon drin.

Schöne Grüße
Michael aus Zofingen


Leo Offline



Beiträge: 692
Punkte: 484

12.03.2013 21:40
#2 Tram-Bauarbeiten in Kleinhüningen Zitat · antworten

Hallo Michael,

Zitat von Michael aus Zofingen
Ich folgte weiter denjenigen Straßen der Großen Kreisstadt Weil am Rhein, in die eiserne Schienen gelegt sind und auf denen später mal grüne Trams von und nach Basel verkehren werden.



Warum die grüne Schildkröte? Weil irgendwann mal BVB- und nicht BLT-Trams nach Weil fahren werden?

Ich war vor ein paar Wochen nach ca. 2 Jahren auch mal wieder in Kleinhüngingen, wo die Bauarbeiten zu meiner Verwunderung immer noch andauern



Gruß

Leo


Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.905
Punkte: 794

14.03.2013 12:25
#3 RE: Erste Barfüßer 2013 in der Schweiz Zitat · antworten

Zitat von Michael aus Zofingen
Manche Leute im Tram machten Handbewegungen, wie wenn sie Sportler beim Velorennen, Laufen usw. anfeuern, eine Frau mit aufgedunsenem Gesicht dagegen machte eine Handbewegung in Richtung Kopf, die eigentlich Autofahrern vorbehalten ist. Dieses wiederholte sich jedes Mal, wenn mich das Offtopic-Fahrzeug auf freier Strecke überholte bzw. wenn ich an der Haltestelle am wartenden Tram vorbeifuhr. An der Haltestelle „Bankverein“ stieg die „liebenswerte Dame“ aus. Während ich an der Ampel wartete (ich wollte nach links abbiegen in Richtung Barfüßerplatz ) sprach sie mich an: „Barfuß, so was unappetitliches!“ Darauf entgegnete ich: „Das sollen Sie doch auch nicht essen! Sie dürfen ruhig eine Schuhsohle verzehren wie Charly Chaplin, das ist gut für die Kaumuskulatur!“ Ich ließ die Frau stehen, da die Ampel frei Fahrt zeigte.



Hi Michael,

diese Antwort ist köstlich! Muß ich mir unbedingt für den Fall, daß jemand mich derart "anpflaumt", merken!

Zitat von Michael aus Zofingen
Auf einer Strecke von ca. 100 Meter hielten sich gleich 4 Bettler auf, mehr als ich an diesem Tag im benachbarten und wesentlich größeren Basel gesehen habe. Alle Bettler verzogen die Miene, als ich nacktfüßig mein Velo an ihnen vorbeischob.



Außer ein paar Roma- Kindern habe ich hierzulsnde noch keine barfüßigen Bettler gesehen. Die meisten waen fett beschuht und besockt, und in Mannheim war mal einer unecht barfuß, indem er seine Schuhe als Sitzgelegenheit benutzte.

Zitat von Michael aus Zofingen
Die Kinder im Park blieben die einzigen Barfüßer, denn auch der Fährmann, er öfters barfuß seinen Dienst antritt, war fett beschuht (bei diejenigen Lesern, bei denen der „Ferima“ bereits unterdurch war, wird er jetzt wohl „noch unterdurcher“ sein).



Ich war zwar bisher nur ein einziges Mal in Basel, allerdings im Hochsommer bei sehr warmem und sonnigem Wetter, und sogar da war der "Ferima" fett beschuht gewesen. Anscheinend ist er irgendwie vom Barfußlaufen abgekommen, oder sein Chefe hat es ihm verboten, die Fähre barfuß zu steuern.

Zitat von Michael aus Zofingen
Ein Mädchen in der Stadt sagte zur Mutter: „Mami, der Mann! GAAAAAANZ BLUTT!“ Das entspricht zwar nicht ganz der Wahrheit, aber wer seitenlange Differenzierungen bzl. „laufen“ und „gehen“ gewohnt ist, kann über solche Peanuts-Patzer nur schmunzeln.



Anscheinend kommt es öfter vor, daß Kinder aus unerfindlichen Gründen beim Anblick nackter Füße derart übertreiben. Auch ich war bereits mehrere Male den Äußerungen von Kindern zufolge "ganz nakkich", und das, obwohl zwischen Dir und mir hinsichtlich der Hosenlänge ein deutlicher Unterschied besteht.

Danke übrigens für den tollen Bericht!

Barfüßige Frühlingsgrüße,
Markus U.


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