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Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

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Dieses Thema hat 5 Antworten
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 Barfuß und Leben
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11.06.2009 01:45
Barfuss im Flieger Zitat · antworten
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MarcelHR Verfasst am: 30.04.2009, 10:44

Hallo Barfüsser

Fliege oft und dies natürlich immer barfuss.
Die Sprüche beim Zoll und der Gepäckkontrolle bin ich mir mittlerweile gewohnt, manche sind gar recht witzig.

Doch letzten Montag gabs das erste mal eine seltsame Aussage im Flieger selbst.
Ich sass angeschnallt da, steige jeweils als fast Letzter ein.
Eine der Flugbegeliterinnen kam.

Haben sie keine Schuhe? ihre Frage.
Nein, lautete meine wahrheitsgemässe Antwort.
Bei Start und Landung müssen Schuhe getragen werden, meinte nun sie.
Ich reagierte nicht. Hatte ja gesagt, dass ich gar keine dabei habe und folglich auch keine anziehen kann.
Nach fünf Sekunden geht sie weg, ohne weiteres Wort.
Das wars, denn wir starteten und landeten auch ohne dass ich Schuhe trug.

Dass man die Schuhe zu Start und Landung anbehält, sofern man welche trägt, macht ja Sinn, damit sie nicht umherfliegen oder was auch immer.

War übrigens Air Berlin, mit der ich viel fliege.

Barfuessgruess
Marcel
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Barfuss das ganze Jahr, nur gesellschaftliche Zwänge oder massive Kälte, in Verbindung mit Feuchtigkeit, lassen mich etwas an die immer sockenlosen Füsse ziehen.

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11.06.2009 01:47
#2 RE: Barfuss im Flieger Zitat · antworten
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Jay Verfasst am: 01.05.2009, 08:14

Hi Marcel,

den genannten Beobachtungen kann ich - in den goldenen Zeiten meiner früheren beruflichen Karriere nicht selten als Business Class Passenger - voll zustimmen. Schon früher, lange bevor ich von der Existenz eines HBFs überhaupt wußte, fiel mir (Oktober 1994) dieser seltsame Ausrutscher von AA oder UA "Can we let this one boarding...?" (gemeint war ich in Plastik-Bade"klapperl" & Tennissocks, Fall wurde hier vor kurzem erwähnt) auf, später bekam dann im alten HBF Delta Airlines (nach deren Pleite von Northwest AL übernommen) den Titel als Anti-BF-psychopatischste Airline zugesprochen.

Aus Kostengründen flog ich Interkontinentalstrecken (von Europa nach USA oder Fernost) meist mit europäischen Airlines, oft mit KLM, die bei einem Fluggast - egal ob BF oder nicht - nur 1 interessierte: Er hat gezahlt.

Zugegeben: Ich glaube, es hat bis heute keinen einzigen Fall gegeben, in denen ich von München nach Silicon Valley, Tokyo, Taipei oder Manila nicht doch 1 Paar Minimalschuhe mithatte. Jedoch waren diese nicht im Handgepäck & somit schon nach dem Check In am Flugschalter (wo der große Reisekoffer sonstwohin verschwand) unerreichbar.

Natürlich gab´s in der Business Class Sitznachbarn, die ob Jeans, T-Shiert & BF schon reichlich pikiert dreinschauten. Sollten sie von irgendeiner Wahrnehmungsdimension her meckern, hätte ich bei [Optisch] gessagt: "Dann schaun´s weg. Ich kann mir auch nicht die häßlichen, mir u. U. absolut nicht gefallenden Fassaden irgendwelcher Städte aussuchen, wenn ich dort mit Taxi oder Straßenbahn umherkurven muß. Bilder in Kunstausstellungen, die mir nicht gefallen, stier` ich auch nicht lange an."

[Akustisch] geht nicht, da ich im Flieger keine Walkmans, MP3-Player etc. benutze (deren Mini-Kopfhörersound u. U. auch den Nachbarn noch in den Ohren sticht). [Tastsinn] geht auch nicht, da es nicht meine Art ist, benachbarte Fluggäste zu begrabschen oder zu tätscheln.

[Geruch] wird psychotendenziell gerne herangezogen, um irgendeinen Anti-BF-Aufhänger gemäß dem bekannten Käsearomaklischee zu haben. Wirklich zuverlässig körpergeruchsneutral zu sein, ist für einen BF unbedingt anzuraten (da man alles hiervon abweichende leicht in die Füße geschoben bekommen könnte), noch besser ist als Eigenduftnote der bekannte Aprilfrische-Geruch bestimmter Waschmittel & Weichspüler¹ zu empfehlen, welcher zu Schweiß & Käsigem "diametral²" entgegengesetzt ist wie [Süß] zu [Sauer]. Dagegen riecht dann ein Träger der Kombination [Seidenhemd + Wollsakko] beim Liften des Anzugjacketts gar nicht so ganz selten schon etwas "abgestanden" & schafft Freude für die Sinne...

Formell läßt sich sagen, daß die Beschaffenheit von Flugpassagieren in den Bestimmungen der IATA³ geregelt ist. Da stehen überwiegend so Sachen drin, daß man bei dir radioaktive Stoffe, leicht entflammbare Substanzen oder Nitroglyzerin-Flakons im Gepäck nicht sehen will, wohingegen ein Fußverpackungs-Requirement an den Fluggast nirgendswo zu finden ist.

Wenn schon jemand zusätzlich zu BIM! [Fasten Seat Belts] zusätzlich [Get Shoes on] fordert, wenn gestartet/gelandet wird oder Luftlöcher/sonstige starke Turbulenzen durchflogen werden, muß dieser dann für´s Fliegen apriori stahlkappenbewehrte Sicherheitsshuhe verlangen (Gegenstände könnten 'runterfallen & auf die Zehen aufschlagen). Bei wirklichen Havarien nutzen Schuhe nicht das Geringste, & wenn man dann problemlos per Notrutschen dem Flieger entgleiten will, kommt sowieso das Schuhauszieh-Kommando. Die ohnehin sinnlosen Treter bleiben an Bord & gehen mitsamt dem Flieger einer ungewissen Zukunft entgegen...

Schon der Hammer, was manche Leute so alles an Ballast an Bord mitschleppen.

Grüße in die Schweiz & in melancholischer Erinnerung an die verblichene Swissair, einer restlos BF-unproblematischen Airline, Jay
--------------
¹ Könnte man genau diese bekannte Duftnote "april-ultrafrischer" Wäsche (welche sich nach dem Waschen leider schnell verliert) als Deospray herausbringen, hätte soetwas vermutlich beträchtliche Marktchancen. Ich würde es sofort kaufen; weiß der Teufel, welcher chemische Bestandteil in den Waschmitteln selektiv dafür verantwortlich ist.

² Die "Psychodimensionen" der Geruchswahrnehmung sind in den 1930er Jahren vom französischen Parfum- & Kosmetikakonzern L' Oreal erstmals systematisch & weitreichend untersucht worden.

³ International Air Travel Agency (Internationale Luftfahrt-Reiseverkehrsbehörde, wohlgemerkt eine US-amerikanische Sache).

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11.06.2009 01:52
#3 RE: Barfuss im Flieger Zitat · antworten
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MarcelHR Verfasst am: 01.05.2009, 12:42

Hallo Jay

Vielen Dank für Deine Worte.
Nun bin ich mehr als gewappnet für den nächsten Flug.

Ausser dummem Gegucke, und mal nem gelegentlichen harmlosen Spruch, hatte ich gar keine Erlebnisse, punkto meiner Barfüssigkeit, im Flieger. Doch wer weiss...

Der Trauer um die Swissair schliesse ich mich an.
Diesen Monat werden es Maschinen der Swiss und von EasyJet sein die ich mit meinen nackten Füssen beehre.

Barfuessgrüess vom Boden
Marcel
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11.06.2009 01:56
#4  Barfuß im Flieger in Verbindung zu meinem Urlaub in Tunesien Zitat · antworten

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Kerstin Verfasst am: 01.05.2009, 14:57

Hi Marcel,

hatte gestern bereits mit der Antwort begonnen, doch es kam mir etwas dazwischen, dehalb vollende ich es heute:

Als ich vor mittlerweile rd. sechs Jahren einen zweiwöchigen Urlaub in Tunesien antrat, war auch ich barfuß. Sicher hatte ich am Airport Stuttgart so manch standardisierten Spruch zu hören bekommen, und einige Leute fanden es cool, daß ich barfuß in den Urlaub fliegen wollte. Beim einchecken gab es keine Problemne, denn die waren mit meinem Handgepäck und Reisepaß beschäftigt. Meine Tasche wurde durchleuchtet, als die Beamtin "stop" sagte, da man auf dem Monitor etwas pistolenförmiges sah. Natürlich ist die Tasche in meinem Beisein geöffnet worden, als sich dann herausstellte, daß die "Pistole" mein Haarföhn war. So wurde ich auch noch am Körper abgetastet, als man mir dann sagte, daß es ganz praktisch sei, barfuß zu laufen. Also bis dahin war alles bene.

Nun kam das "schönste", nämlich die blöde Warterei. Ich saß auf einen Stuhl und wartete wie alle anderen Passagiere. Natürlich war ich die einzige, die auf jegliches Schuhwerk verzichtete. Es war auch mein allererster Urlaub auf nackten Sohlen - eine ganz andere und neue Erfahrung. Gut, zur Sicherheit hatte ich aber ein paar Ballerinas im Reisegepäck, welches nun gerade in den Rumpf des Flugzeugs verladen wurde. Meine Absicht aber war, gänzlich auf jegliches Schuhwerk zu verzichten, denn auch Ballerinas sind für mich genauso wie Schuhe Fremdkörper an meinen Füßen. Dann wurde unser Flug aufgerufen.

Nun stiegen wir in das Flugzeug. Ich stieg mit einer Gruppe hinten ein. Ich flog im Übrigen mit der "Condor". Jeder Passagier wurde von einer Stewardeß - heute "FlugbegleiterInnen" - begrüßt. Meine nackten Füße blieben zunächst unentdeckt. Als ich dann meinen Platz erreichte - zum Glück am Fenster, setzte ich mich. Ein Mann - etwa anfang sechzig - saß neben mir und betrachtete immer wieder meine nackten Füße. Wir kamen ins Gespräch, und er meinte, daß es schon ziemlich gewagt wäre, ganz ohne Schuhe zu verreisen. Andererseits bewunderte er mich sogar. Inzwischen machte es "Ding dong", und ein Display forderte uns auf, die Gurte anzuschnallen: "fasten seat belts". Nun folgten die Anweisungen der Flugbegleiterinnen und einem Begleiter - sozusagen der "Hahn im Korb". Wir alle hofften natürlich, daß es nicht zur Anwendung dieser Anweisungen käme. Wir rollten zum Start und mußten noch einen Moment warten. Dann ging es los und drückte einen ganz ordentlich in den Sitz. Beim hochsteigen erfreute sich mein Magen ob des Druckes, aber es war nicht so tragisch

Als wir dann nach ca. zwei Stunden Monastir erreichten und schließlich landeten, kam die übliche tourimäßig alberne Klatscherei. Mein Gott, ich klatsche doch auch nicht, wenn ich mit der Stadtbahn vom Stuttgarter Schloßplatz nach Möhringen fahre. Seltsames Getue, aber wenn's den Leuten Spaß macht - bitte! Ich hätte ja sogar mit Händen und Füßen klatschen können

Nun hatte uns die Erde wieder. Es war ca. 20:00 Uhr und schon dunkel. Beim Aussteigen meinte ich, daß ich in einer Waschküche stand. So dämpfig, trotzdem frau hier direkt am Meer war. Nun wurde man auf Französisch, dürftigem englisch und noch dürftigerem deutsch zu den jeweiligen Shuttles verwiesen. Negativ fiel es mir auf, daß wir unser Gepäck von der Gepäckausgabe selbst zum Bus schleppen durften. Kein Kavalier in der Nähe, der einem armen Mädchen geholfen hätte. Nun gut, ich hatte nur eine größere Sporttasche dabei sowie mein Handgepäck mit dem Föhn. Wir fuhren dann los. Unser Weg führte uns sogleich nach Sousse, wo ich schließlich im Hotel "Tour Khalef" eincheckte. Mit relativ gutem Deutsch meinte der Rezeptionist, daß es ja toll wäre, barfuß zu laufen. Bislang hatte ich gute Erfahrungen bzgl. bf gemacht. Allerdings meinte man morgens im Hotelrestaurant, daß es sich nicht schicke, barfuß zu Tisch zu gehen. Man warf mich nicht aus dem Speisesaal, doch glaube ich, daß die mich absichtlich länger als die anderen stilistisch "korrekt" befußkleideten Leute warten ließen. So nahm ich mir vor, künftig in meine Ballerinas zu schlüpfen. Nun gut.

Ich lernte dort einen netten Mann kennen. Er kam aus Belgien und konnte außer flämisch, französisch und ein paar Brocken englisch keine weitere Sprache sprechen. Ich wandte mein verstaubtes französisch und englisch an, und wir verstanden uns sehr gut. Er lief auch sehr gerne barfuß, aber nicht überall wie ich. So hatten wir einmal Lust, Tennis spielen zu gehen. Hier gab es das erste Problem: der Platzwärter bestand auf festes Schuhwerk, ich aber nicht. Da er im Gegensatz zu mir das Hausrecht bzw. Platzrecht besaß, konnten wir das Tennisspielen knicken. Stattdessen spielten wir Squash. Hier hatte man nichts gegen meine Barfüßigkeit. Allerdings war dies ein extrem schweißtreibendes Unternehmen, denn die Luft "stand" in unserem Court. Wir waren dort auch die einzigen, die sich dort so verausgabten. Andere weilten in dieser Zeit lieber am Stande und im Wasser. Na ja, jeden das seine...
Es war eine besondere Erfahrung für mich, da ich Squash das erste mal bf spielte. War aber genial. Die erfrischende Dusche nachher im Hotel aber auch, dies natürlich auch bf

Natürlich wollte ich in meinen zwei Wochen so einiges unternehmen, denn mir war die Zeit einfach zu schade, nur am Strande in der Sonne zu liegen und die Zeit somit sinnlos zu verbraten. Ich wollte etwas erleben! Schließlich kommt man ja nicht jedes Wochenende nach Tunesien. So begab ich mich am nächsten Tag zu barfuß nach Port El Kantaoui - etwa fünf bis sechs Kilometer von Sousse gelegen. Dort gibt es einen sehr schönen Yachthafen. Unvorstellbar, wieviel Dekadenz ihre "Bötchen" dort liegen hatte. Sehr schön war die Promenade dort um dem Hafen. Sehr viele kleine Läden mit Souvenirs, viele Restaurantes und Cafés, und etwas ganz besonderes befand sich auf dem Wasser: ein Schiff, umgebaut in ein Restaurant. Dieses Schiff wurde vor dem Abwracken verschont, weil ein findiger Unternehmer daraus eine Gaststätte zauberte. Genial. Ich kehrte dort ein und nahm dort eine Kleinigkeit zu mir: ein Krabbencocktail. Das war zwar nicht der große Renner, aber ich ließ nichts verkommen. Da in Port El Kantaoui natürlich auch Leute "gehobenem" Lebensstiles zugegen waren - viele sogar deutschsprachig, trafen mich natürlich auch einige eher verächtliche Blicke. Wie kann man denn nur barfuß laufen!? Ich merkte, daß es hier ziemlich verpönt war. Jüngere Passanten, welche mir begegneten, stellten mir Fragen wie "Schuhe vergessen" oder derartigen Schrott. Im Hintergrund hörte ich jemand sagen, daß ich "armes Mädel" mir wohl keine Schuhe leisten könnte. Ich wollte auf dieses Geschwätz reagieren, doch andererseits dachte ich, daß mir so etwas zu blöde wäre und ich mich nicht auf die Ebene dieser Quatschköppe herabbegeben wollte. Manche Leute assoziieren BF mit Armut, doch daß es Leute gibt, für die BF eine Lebenseinstellung ist, das wird wohl von den meisten Leuten übersehen oder gar ignoriert. Bei den meisten Menschen muß in deren DNA ein sogenanntes "Deichmann - Gen" installiert sein. Man sollte deren Festplatte mal einer gründlichen Reinigung unterziehen mit anschließendem Virenscan. Nun gut...
***************************************************
Sehr oft spazierte ich zusammen mit meiner Urlaubsfreund am Strande entlang in die City von Sousse, besonders gerne abends. Herrlich, wie das Wasser unsere Füße umspielte. Hier gab es sogar erstaunlich viele Leute der Gattung Homo sapiens planipes, doch am Strand sollten diese auch nicht allzu selten vorkommen. Oft bin ich durch die Souks gegangen. Viele Leute drängten sich dort durch, und ich konnte froh sein, daß mir keiner auf die Füße herumtrampelte. Barfuß traf ich dort einige Händler an, doch die meisten hatten irgendwelche Latschen an den Füßen. Als ich dann einen Korb auf einer Stufe stehen sah, schaute ich - neugierig wie ich war - hinein. Das hätte ich besser nicht tun sollen, denn darin befanden sich eine Menge kleiner Landschildkröten. Mir, die Schildkröten ganz besonders ans Herz gewachsen sind, gab dieser Anblick einen extrem schmerzhaften Stich ins Herz, zumal ich nicht wußte, jedoch aber ahnen konnte, welches Schicksal diesen Geschöpfen bevorstand. Ich verschwand sogleich von dieser Stelle mit Tränen in den Augen. Was für eine Bestie ist doch der Mensch!

Wo ich sehr gerne mit meinem flämischen Urlaubsfreund einkehrte, war ein kleines Restaurant an der Hauptstraße in Sousse. Zum einen gab es dort lecker Essen und einen traumhaften frisch gepreßten Osaft. Meistens aßen wir "Ojja", einen Eintopf mit Fleisch, Wurst, gerührtem Ei und so manch andere Ingredienzien. Es war sehr pikant gewürzt. Daneben konnte man auch das Nationalgericht "Cous Cous" essen, was auch sehr gut schmeckte, aber meinem "Ojja" gab ich dennoch den Vorzug. Danach ging es zurück ins Hotel. Nachts gingen wir beide in eine Discothek. Dort kam ich entgegen aller Erwartungen bf hinein. Allerdings gab es drinnen beinahe eine schlagfeste Auseinandersetzung, weil einer im offensichtlich stark angetrunkenen Zustand randalierte - wegen meiner Barfüßigkeit!? Zum Glück entschärfte sich die Lage, denn dieser Knabe wurde von den Security-Leuten aus der Diskothek hinausbugsiert, wobei dieser lautstark protestierte.

Nach einigen kleinen Unternehmungen kam das Wochenende. Ich war an der Hotelbar, um dort ein kühles Mineralwasser zu trinken - mit Eis! Ein verhängnisvoller Fehler. Das Leitungswasser dort ist mit Kolibakterien verseucht, und was das bedeutet, brauche ich sicher nicht näher erläutern. So ereilte mich dann "Montezuma's Rache", und dies ganz gewaltig. Mir war es übel, mußte ständig aufs Klo und hielt mich zumeist in meinem Zimmer auf. Am liebsten wäre ich abgereist, obwohl ich noch sehr gerne weitere Ziele ansteuern wollte: Tunis, Sidi Bou Said - ein Künstlerort, die Ruinen von Kathago besichtigen, einen Ausflug in die Wüste per Kamel usw. Nun war ich in meinem Hotelzimmer gefesselt und verließ mein Zimmer nur zum frühstücken und abendessen sowie auch zu manchen abendlichen Veranstaltungen.

Jeden Abend gab es auf unserer recht großen Hotelterrasse Veranstaltungen. Hier trat auch ein Fakir auf, welcher auf Glasscherben lief. Diese wurden live vor dem Publikum aus leeren Flaschen produziert, um irgendwelchen Manipulationsversuchen entgegenzuwirken. Das Flaschenpfand war hin. Er legte sich auf ein Nagelbrett und legte sich ein weiteres Nagelbrett auf dem Bauch. Auf dieses ließ er vornehmlich junge weibliche Zuschauer stehen. Ich saß neben meinem Urlaubsfreund, wobei ich außer dem Fakir die einzige BFerin war. Der Fakir sah mich und wollte mich sogar in seine Aufführungen integrieren, doch ich verzichtete dankend. Bin ich Fakirin (gibt's so etwas?) oder was Ich wollte mich dort auch nicht interessant machen, nur weil ich eben bf war. Der Höhepunkt waren dann glühende Kohlen, über welche er ging.

Bedingt durch meine blöde Erkrankung passierte dort dann nicht besonderes bzw. erwähnenswertes mehr. Irgendwie war ich dann froh, wieder daheim zu sein. Der Rückflug erwies sich genauso unproblematisch als der Hinflug, nur daß ich diesmal des öfteren die Bordtoiletten benutzen mußte. Daheim angekommen war ich erstmal ein paar Tage mit hohem Fieber im Bette gelegen.

Fazit: mein erster BF - Urlaub war einerseits sehr erfolgreich, denn ich hatte nie Probleme mit meiner BFigkeit. Meine anderen schwerwiegenden Probleme mußte ich mir durch meine eigene Unzulänglichkeit selbst zuschreiben. Auf jeden Fall war das eine Lehre für mich, und im nächsten Urlaub trinke ich eben meine Getränke ohne Eis, es sei denn, ich weiß sicher, daß das Eis aus Mineralwasser besteht.

Nun wurde dies ein richtiger Roman, wobei ich eigentlich nur über das barfüßige Fliegen schreiben wollte. Den Bericht wollte ich damals ins HBF schreiben, doch ich unterließ es schließlich doch, da mein Urlaub für mich ein völlig fehlgeschlagenes Unternehmen und eine herbe Enttäuschung war. Nun sah ich die Gelegenheit, ihn doch ins Forum zu setzen. Auf jeden Fall war das mein erster und bislang einziger BF - Flug, welcher trotz anfänglicher geringen Zweifel voll positiv stattfand. Mein nächster Urlaub wird auf jeden Fall auch BF sein, und im Gepäck wird sich maximal nur ein paar Ballerinas oder so befinden.

Barfüßige Maigrüße bei schönem Wetter

Kerstin


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11.06.2009 01:58
#5 RE: Barfuß im Flieger in Verbindung zu meinem Urlaub in Tunesien Zitat · antworten

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Manfred (Ten) Verfasst am: 01.05.2009, 16:02

Zitat von Kerstin
Als wir dann nach ca. zwei Stunden Monastir erreichten und schließlich landeten, kam die übliche tourimäßig alberne Klatscherei...


Diese (für mich überraschende) Klatscherei hat mich damals bei meinen ersten Flügen auch sehr verunsichert, weil ich mich fragte, ob eine heile Landung gar etwas Besonderes, Beklatschenswertes und nicht der Normalfall ist. (Eigentlich ist das doch eine Beleidigung für die Piloten !!!)

Zitat von Kerstin
Im Hintergrund hörte ich jemand sagen, daß ich "armes Würstchen" mir keine Schuhe leisten könnte.[/quote]
Ja, ich reagiere darauf auch schon mal betont herablassend mit der Bemerkung, dass ich in der komfortablen Position bin, dass ich es mir - im Gegensatz zu den armen Würstchen, die sich nach anderen richten müssen, um ihr Einkommen zu bekommen - LEISTEN kann, MEIN Leben zu leben (Allerdings ist mein Gesamteindruck auch niemals so, dass ich nach "Notlage" aussehe.)
Stets mit durchschlagendem Erfolg, wie man den Gesichtern entnehmen konnte


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11.06.2009 01:59
#6 RE: Barfuß im Flieger in Verbindung zu meinem Urlaub in Tunesien Zitat · antworten

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MarcelHR Verfasst am: 02.05.2009, 08:13

Hallo Kerstin

Ein wunderbarer Bericht.
Schön, dass Deinen ersten BF-Urlaub noch so gut in Erinnerung hast und Du Dich entschlossen hast, dass wir alle daran teilhaben dürfen.

Die Klatscherei nach der Landung finde ich auch daneben. Schliesslich machen die Piloten "nur" ihren Job und ich erwarte, wie von mir und allen anderen auch, dass dieser gut ausgeführt wird.

Zitat
Diese (für mich überraschende) Klatscherei hat mich damals bei meinen ersten Flügen auch sehr verunsichert, weil ich mich fragte, ob eine heile Landung gar etwas Besonderes, Beklatschenswertes und nicht der Normalfall ist. (Eigentlich ist das doch eine Beleidigung für die Piloten !!!)


Da hast Du recht Manfred. Ich beteilige mich nie an dieser, für mich, Unsitte.

Barfuessgrüess
Marcel
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