Du bist vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klick hier, um Dich kostenlos anzumelden Impressum 

Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

Ein kleines demokratisches Forum für Leute, die gerne und überall barfuß laufen oder dies gerne mal
ausprobieren möchten. Es wird aber darauf hingewiesen, daß sexistische
sowie beleidigende Beiträge kommentarlos gelöscht werden.

Dieses Forum wird gegenwärtig von Markus U., Dominik R., Engel & Kerstin gemanagt.
Wir sind jederzeit für Anregungen & Kritik empfänglich.







Forenübersicht | Suche | Registrieren | FAQ | Kurzehosenforum | Hippieforum | Bergforum | Le-Rib - Forum français

Login

Disclaimer - rechtliche Hinweise
Du kannst Dich hier anmelden
Dieses Thema hat 30 Antworten
und wurde 1.238 mal aufgerufen
Bei Antworten informieren
 Unser Forenstammtisch
Seiten 1 | 2
Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.943
Punkte: 794

27.07.2009 12:59
Generationengedanken Zitat · antworten

Hi zusammen,

es wurde schon viel darüber geschrieben, daß Barfüßigkeit unter anderem auch ein Ausdruck persönlicher Freiheit ist, zumal man gerade dann, wenn man einen barfüßigen Lebensstil einführen will, mit zahlreichen äußeren und inneren Widerständen zu kämpfen hat und je nach beruflicher und gesellschaftlicher Situation bisweilen zu schwerwiegenden Konzessionen gezwungen ist. Das ist vor allem bei mir selber der Fall, denn der barfüßige Empfang von Mandanten ist für mich genauso undenkbar wie barfüßige Auftritte vor Gericht oder die barfüßige Mitwirkung bei der Göttlichen Liturgie. Nun könnte ich mir zwar im Prinzip einen anderen Beruf suchen oder die Religion wechseln, aber ein solcher Aufwand kommt schon deshalb nicht in Betracht, weil er zu dem Wunsche, immer und überall ohne Einschränkung barfuß zu sein, in keinem Verhältnisse steht. Im Falle meiner Religionszugehörigkeit kommt hinzu, daß ich im Jahre 1998 deshalb in die Orthodoxe Kirche eingetreten bin, weil ich davon überzeugt bin, daß sie die Wahrheit lehrt und darüber hinaus auch noch den schönsten Ritus hat, denn die Göttliche Liturgie ist eine Augenweide, ein Ohrenschmaus und ein Nasengenuß. Einer Sekte oder einer fremden Religion beizutreten, nur weil man dort vielleicht ungestört barfuß sein könnte, wäre mit meinem Gewissen nicht zu vereinbaren.

Leider ist es für die meisten Menschen so selbstverständlich, daß man Schuhe (und möglichst auch Sokken) trägt, daß sie Barfüßigkeit als Provokation auffassen. Der herrschende Schuhzwang hat meiner Meinung nach damit zu tun, daß die wirtschaftlich und gesellschaftlich sehr mächtige und einflußreiche Generation der im Kriege oder kurz davor Geborenen in ihrer Kindheit, vor allem in der unmittelbaren Nachkriegszeit (zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Währungsreform von 1948) darunter zu leiden hatte, daß an Nahrung, Kleidung und Wohnraum großer Mangel herrschte. Wer aber als Kind unfreiwillig barfuß laufen mußte, sieht später Schuhe als eine solche Wohltat an, daß ihm jedes Verständnis dafür, daß jemand freiwillig und sogar im Winter darauf verzichtet, fehlt.

Ein wenig verwundert bin ich indessen über die Generation der über 50jährigen (also die Generation der Hippies, in deren Jugend lange Haare und nackte Füße weit verbreitet waren [wobei von denen allerdings keiner im Winter barfuß war]). Diese Generation lebt großenteils noch, hat aber mit Ausnahme weniger Exemplare wie z. B. Jay zugleich mit ihrer Jugend auch den Freiheitsdrang abgeschüttelt und die Lebensweise der von ihr einst so verachteten Spießer angenommen.

Was meine Generation, also die der über 40jährigen betrifft, so war diese in ihrer Mehrheit stets eher spießig- angepaßt und kaum je rebellisch, aber dennoch finden sich ausgerechnet in dieser erfreulich viele Individualisten und Nonkonformisten, die vielfach erst im Erwachsenenalter bewußt aus dem Spießertum ausgebrochen sind und deshalb wohl nicht von ungefähr die Mehrheit der in diesem Forum (wie auch schon im untergegangenen HBF) Schreibenden stellt.

Was jüngere Generationen betrifft, kenne ich mich damit nicht so gut aus, habe aber mit einer gewissen Ernüchterung festgestellt, daß diese dazu neigen, die Welt, wie sie ist, als gegeben hinzunehmen und anders als wir die gesellschaftlichen Zustände gar nicht mehr zu hinterfragen. Vielleicht liegt das auch daran, daß die wirtschaftliche Situation und die beruflichen Chancen der heutigen Jugend besonders unsicher sind und daß die jungen Leute deshalb tief im Herzen so verunsichert sind, daß sie manches durch zur Schau gestellte Oberflächlichkeit ("Spaßgesellschaft") verdrängen und ansonsten versuchen, sich anzupassen, anstatt zu "rappeln" und eine Gegenkultur aufzubauen, wie es angebracht wäre. Das unterscheidet sie von früheren Generationen, die immerhin (wenn auch bisweilen auf Abwegen) versucht haben, die Welt zu verändern.

Nachdenkliche barfüßige Sommergrüße,
Markus U.


Jörg 2 Offline




Beiträge: 938
Punkte: 927

27.07.2009 13:37
#2 RE: Generationengedanken Zitat · antworten

Hi,
eine sehr prägnant gemeißelte Analyse.
Interessant.
J.


Siegfried Hase Offline




Beiträge: 454
Punkte: 413

27.07.2009 18:06
#3 RE: Generationengedanken Zitat · antworten

Salut Markus!

Ein interessantes Statement

Etwas möchte ich den Gedanken noch erweitern:
Die Generation der heute 40 bis 60-jährigen war ja genau die Generation die aufbegehrte in ihrer Jugend! Die Jugendzeit dieser Generation (zu der auch ich gehöre) war schließlich geprägt von Geborgenheit, vom Alles haben und von Sicherheit. Also war das Ausbrechen aus diesen 'behüteten' Verhältnissen logisch.
Gehen wir eine Generation zurück, die Kriegsgeneration. Wie Du schreibst, war das Leben geprägt von Entbehrungen, Not, Hunger. Also war es ein 'Ausbrechen', wenn man sich am Wirtschaftswunder delektierte und Sicherheit, Alles haben und (politische) Geborgenheit schön fand. Eben die fünfziger und sechziger Jahre.
Heute sind die Zeiten (wirtschaftlich) doch recht unsicher, die Zukunft eines huetigen Abiturienten ist ungewiß und seine Rente noch viel ungewisser. Also ist es doch logisch, daß diese Generation sich wieder nach Geborgenheit, Sicherheit und (materiell) alles haben sehnt. Zudem sind die Eltern aus der Generation die dereinst aufbegehrte. Die Ehe ist in dieser Generation doch sehr oft kein Bund für's Leben, was zusätzlich Geborgenheit wegnimmt.

Grundsätzlich kann ich die heutige Jugend gut verstehen!

Da die meisten SchreiberInnen hier aus dieser Generation der heute 35 bis 60-jährigen stammen, tut uns allen auch ein Spiegel mal gut. WER hat eine klassische Familie nach dem Muster der 50iger/60iger Jahre (bzw. der 20iger/30iger Jahre)?
Ist es nicht genau die Existenz DIESES Forums (und des gelben nebenbei auch), welches BEWEIST, daß die 'Genberation der Aufbegehrer' eben dieses Aufbegehren nicht verlernt hat! Habt ihr IMMER das getan was euere Eltern taten, euch gekleidet wie die das wollten?

Markus: zieh die Schuhe an!

Schönen Gruß

Gerold


Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.943
Punkte: 794

28.07.2009 00:24
#4 RE: Generationengedanken Zitat · antworten

Zitat von Siegfried Hase
Salut Markus!

Ein interessantes Statement

Etwas möchte ich den Gedanken noch erweitern:
Die Generation der heute 40 bis 60-jährigen war ja genau die Generation die aufbegehrte in ihrer Jugend! Die Jugendzeit dieser Generation (zu der auch ich gehöre) war schließlich geprägt von Geborgenheit, vom Alles haben und von Sicherheit. Also war das Ausbrechen aus diesen 'behüteten' Verhältnissen logisch.


Hi Gerold,

ich habe absichtlich deutlich zwischen den heute 50 bis 60jährigen (Jay's Generation) und den 40 bis 50jährigen (meine eigene Generation) unterschieden. Beiden gemeinsam ist, von tragischen Schicksalen abgesehen, das Aufwachsen in relativ behüteten und materiell sorgenfreien Verhältnissen. Ich selbst bin im Jahre 1967 geboren und habe meine schönsten Kinderjahre in der Zeit, als Willy Brandt Bundeskanzler und Deutschland auf dem Gipfel seiner wirtschaftlichen Entwicklung angelangt war (danach begann der Abstieg), erleben dürfen.
Der Unterschied besteht darin, daß Jay's Generation in ihrer Jugend heftig gegen die spießbürgerliche Betulichkeit der 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts, die nach den Schrekken des Zweiten Weltkrieges eine pseudoheile Wohlstandswelt des Wirtschaftswunders darstellte, anbollerte. Hippies und Gammler, langhaarige und barfüßige Jugendliche waren damals auf der Straße ein alltäglicher Anblick und übten auf mich eine faszinierende Wirkung aus, vielleicht auch gerade deswegen, weil ich spürte, daß sie bei meinen 1939 und 1940 geborenen Eltern einen negativen Preis erzielten.
Gleichwohl habe ich mich lange Zeit ihren Vorgaben und Erwartungen gefügt, und erst als ich mein Studium im 200 km von meiner Heimat entfernten Gießen aufnahm, begann ich allmählich so zu werden, wie ich heute bin (das Barfußlaufen entwikkelte sich bei mir in der heutigen Ausprägung erst ab dem Jahre 2000, nachdem ich einen Internet- Anschluß bekommen und das HBF entdeckt hatte, war aber als Sehnsucht bereits angelegt). Im Gegensatz zu den 50 bis 60jährigen, die in der Pubertät aufbegehrte und sich danach leider mehrheitlich zum Spießertum bekehrte (Jay gehört zu den leider relativ wenigen Ausnahmen), war unsere Generation in der Jugend mehrheitlich relativ "brav", und ein gewisser Nonkonformismus prägte sich erst ab dem dritten Lebensjahrzehnt aus.

Zitat von Siegfried Hase
Gehen wir eine Generation zurück, die Kriegsgeneration. Wie Du schreibst, war das Leben geprägt von Entbehrungen, Not, Hunger. Also war es ein 'Ausbrechen', wenn man sich am Wirtschaftswunder delektierte und Sicherheit, Alles haben und (politische) Geborgenheit schön fand. Eben die fünfziger und sechziger Jahre.
Heute sind die Zeiten (wirtschaftlich) doch recht unsicher, die Zukunft eines huetigen Abiturienten ist ungewiß und seine Rente noch viel ungewisser. Also ist es doch logisch, daß diese Generation sich wieder nach Geborgenheit, Sicherheit und (materiell) alles haben sehnt. Zudem sind die Eltern aus der Generation die dereinst aufbegehrte. Die Ehe ist in dieser Generation doch sehr oft kein Bund für's Leben, was zusätzlich Geborgenheit wegnimmt.


Das stimmt. Während meine Eltern bis heute glücklich verheiratet sind, gehen heutzutage die meisten Ehen nach wenigen Jahren in die Brüche.

Zitat von Siegfried Hase
Grundsätzlich kann ich die heutige Jugend gut verstehen!

Da die meisten SchreiberInnen hier aus dieser Generation der heute 35 bis 60-jährigen stammen, tut uns allen auch ein Spiegel mal gut. WER hat eine klassische Familie nach dem Muster der 50iger/60iger Jahre (bzw. der 20iger/30iger Jahre)?


Ich habe lange Zeit vergeblich davon geträumt, bin aber inzwischen zu der Erkenntnis gekommen, daß gerade mein Nonkonformismus und mein Freiheitsdrang ("ich komme und gehe, esse und schlafe, wann ich will; ich laufe herum, wie ich will") den Aufbau einer stabilen Partnerschaft verhindert haben. Zudem hätte eine Partnerin in meiner Zweizimmerwohnung gar keinen Platz, weil die Wohnung komplett von mir besetzt ist. Des weiteren war mir immer bewußt, wie meine Eltern sich für mich und meine jüngere Schwester abmühten, und ich habe mich wohl unbewußt geweigert, für potentielle eigene Kinder die gleichen Opfer zu bringen. Heute bin ich froh, daß ich keine Kinder habe, da die heutige Welt für Kinder nicht lebenswert ist (die Kinder meiner Schwester haben es meiner Meinung nach viel schwerer, als wir es in unserer Kindheit hatten).

Zitat von Siegfried Hase
Ist es nicht genau die Existenz DIESES Forums (und des gelben nebenbei auch), welches BEWEIST, daß die 'Genberation der Aufbegehrer' eben dieses Aufbegehren nicht verlernt hat! Habt ihr IMMER das getan was euere Eltern taten, euch gekleidet wie die das wollten?


Zu meinen Eltern habe ich ein ambivalentes Verhältnis. Einerseits liebe ich sie über alles, bin ihnen dankbar für das, was sie mir ermöglichten und bewundere sie für das, was sie aus ihrem Leben gemacht und in ihrem Leben geschafft haben. Und doch wollte ich nie so sein wie sie, und sowohl meine Art, sich zu kleiden, als auch meine Haartracht erzielt bei ihnen einen äußerst negativen Preis. Vor zwanzig Jahren las ich mal irgendwo den Spruch: "Wir sind die Leute, vor denen unsere Eltern uns immer gewarnt haben!"

Nächtliche barfüßige Sommergrüße,
Markus U.


Jay Offline




Beiträge: 702
Punkte: 695

28.07.2009 07:16
#5 RE: Generationengedanken Zitat · antworten

Zitat von Markus U.
Hi zusammen,

es wurde schon viel darüber geschrieben, daß Barfüßigkeit unter anderem auch ein Ausdruck persönlicher Freiheit ist, zumal man gerade dann, wenn man einen barfüßigen Lebensstil einführen will, mit zahlreichen äußeren und inneren Widerständen zu kämpfen hat...

Hi Markus,

nun, äußere Widerstände ist natürlich klar, das hab' ich schon in der Frühkindheit im Alter von 1 Jahr gemerkt - oder, biografisch 'ernsthafter' ausgedrückt, am Tag, als ich erstmals voll BF, ohne jedwede Schuhe mitzunehmen, in die Schule ging (ich war damals 16 & meine Eltern verreist, denn sie hätten ein BFiges Ausrücken zur Schule niemals zugelassen)... aber 'innere' Widerstände gegen BF? Das könnte bei mir nur Winterkälte & insbesondere massiv 'rumliegende weiße Scheiße sein...
Zitat von Markus U.
...und je nach beruflicher und gesellschaftlicher Situation bisweilen zu schwerwiegenden Konzessionen gezwungen ist. Das ist vor allem bei mir selber der Fall, denn der barfüßige Empfang von Mandanten ist für mich genauso undenkbar wie barfüßige Auftritte vor Gericht...

Ersteres müßte eigentlich nicht sein, denn eine halbwegs vernünftige Klientel müßte, wenn sie bereits in mehreren Fällen die Erfahrung gemacht hat, daß sie von einem guten Anwalt vertreten wird, bereits hinreichend Vertrauen gefaßt haben, daß Erfolge in der Herbeiführung des gewünschten Prozeßresultates auch weiterhin sozusagen sicher sind, & alles andere interessiert schon überhaupt nicht mehr. Auch nicht, wenn der Anwalt seine von ihm Erfolge gewohnte Klientel plötzlich, überraschend & für alle weiteren Zeiten BF in der Kanzlei empfängt.

Was Letzteres anbelangt, so zeigt sich natürlich vor Gericht in völlig brutaler Sinnlosigkeit die Sinnlosigkeit dessen, was sich eben einfach so als 'eingefahrene gesellschaftliche Konventionen' bezeichnet. Als illustrierendes Beispiel sei erwähnt: Kein Gericht verlangt heute (oder hat jemals verlangt), daß sich "stärker in den Prozeß eingebundenes Personal", so insbesondere auch z. B. der Angeklagte & sein Verteidiger im Strafprozeß weiße Stoffhandschuhe anziehen (wie es für jeden Butler in feinen Häusern wohl weniger als Schutz des von ihm Angefaßten vor seinen "Fingertapsern", sondern vielmehr als Unterwürfigkeitsgeste Pflicht ist) - aber: bei Sünden unterlassener Fußpackungen (obwohl´s nichts anderes ist als das eben erwähnte Beispiel mit den Butler-Handverpackungen) könnten (& werden voraussichtlich) Eklat-Theater & Touble groß sein.
So fragte ich einst selbst - vor ca. 1 Jahr als Entlastungszeuge in einem Strafverfahren gegen Alt-HBF-, OHBF- & hiesiges Forum-User Dominik R. fungierend, bei RA Markus U. nach, ob durch meinen BFigen Zeugenauftritt nicht die Prozeßerfolgswahrscheinlichkeit (Freispruch) reduziert werden könnte - Markus U. hielt das in meinem Fall für in dieser Hinsicht unbedenklich, nicht aber beim Angeklagten & sich selbst. (Es wurde über den erfolgreichen Ausgang dieser Verhandlung - Freispruch mit Bravour - im heli-Forum ausführlich berichtet).
Zitat von Markus U.
...oder die barfüßige Mitwirkung bei der Göttlichen Liturgie. Nun könnte ich mir zwar im Prinzip einen anderen Beruf suchen oder die Religion wechseln, aber ein solcher Aufwand kommt schon deshalb nicht in Betracht, weil er zu dem Wunsche, immer und überall ohne Einschränkung barfuß zu sein, in keinem Verhältnisse steht.

Hier bin ich anders & wesentlich plumper. Solange nicht Mathematik & Naturgesetze ein [BF & Elektronikentwicklungsingenieur, durchaus auch in leitender Funktion] ausschließen, sehe ich überhaupt nicht ein, weshalb man das auch bei anderen Jobs oder 'ehrenamtlichen' Aktivitäten anders sehen sollte. Warum ist bei Feierlichkeiten einer Religionsgemeinschaft (sei sie groß oder klein) ein BFiges Mitglied des Celebration-Personnels eine 'Katastrophe' ? Nicht, weil als kausale Folge die Kirche einstürzt, sondern weil´s vom Menschen gemachte ideologische Katastrophen-Dogmen sind, wenn jemand "zu unpassender Gelegenheit" BF ist.
Dies ist meine grundlegende Auffassung zu BF & allem "Gesellschaftlichem". Damit hab' ich aber auch irgendwo Glück gehabt. Wäre mein Traumberuf [Chemiefacharbeiter einer konzentrierte Säuren & Laugen herstellenden Fabrik] gewesen, hätte 1 von beiden, BF oder der Job, kleinbeigeben müssen, da man in den Restpfützen solcher Flüssigkeiten nur in Spezialstiefeln & nicht BF 'rumwaten kann. Dann hätte ich Pech gehabt. Gleichwohl bin ich mir aber auch über die 'praktischen Konsequenzen' im Klaren, wäre ich bei Ex-Nazi-Richter Gerald Miosga (Name unverändert) am Amtsgericht meines Wohn/Firmensitzes als Angeklagter oder sonstwie Prozeßinvolvierter, womöglich auch als Zuschauer BF aufgetreten (extrem hohes Strafmaß + Ordnungsgeld wg. "Mißachtung der Würde des Gerichts", als Prozeßbeobachter: Räumung dieser Person aus dem Saal).
Zitat von Markus U.
Leider ist es für die meisten Menschen so selbstverständlich, daß man Schuhe (und möglichst auch Sokken) trägt, daß sie Barfüßigkeit als Provokation auffassen. Der herschende Schuhzwang hat meiner Meinung nach damit zu tun, daß die wirtschaftlich und gesellschaftlich sehr mächtige und einflußreiche Generation der im Kriege oder kurz davor geborenen Generation in ihrer Kindheit, vor allem in der unmittelbaren Nachkriegszeit (zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Währungsreform von 1948) darunter zu leiden hatte, daß an Nahrung, Kleidung und Wohnraum großer Mangel herrschte. Wer aber als Kind unfreiwillig barfuß laufen mußte, sieht später Schuhe als eine solche Wohltat an, daß ihm jedes Verständnis dafür, daß jemand freiwillig und sogar im Winter darauf verzichtet, fehlt.

Hier bin ich anderer Auffassung. Bestimmt mag es alles andere als ein genußvolles Vergnügen gewesen sein, nach Bombennächten & in den unmittelbaren Nachkriegsjahren BF in all' der flächig wahllos zerstreuten Mixtur aus Bauschutt, Scherben & sonstigen z. B. metallischen Trümmern 'rumzusteigen, aber der Mensch hat bestimmt zu allen Zeiten gewußt, wann & wo BF eine angenehme & Schuhe eine lästige Sache sind & unter welchen Umständen nicht. Dann äußern sich ja auch jene [Querulanten ob BF] nicht in dem Sinne, als würde hier jemand freiwillig hungern oder sonstigen Verzicht auf gewissen Annehmlichkeiten des Lebens üben, sondern ich hab's bei den von mir "durchlebten" Eklats wg. BF immer so erlebt: Kein Anstand, kein Benimm, eine Frechheit, ohne Schuhe & Socks 'rumzulaufen! So tönten 'konservative' Lehrer an "meinem" ehemaligen Gymnasium mit BF-Verbot, weil sie in schülerischem BF eine Geringschätzungskundgebung ihrer Person & der Qualität ihres Uhres Unterrichtes sahen, & in mindestens 1 Einzelfall ging das sogar 'rauf bis zur Uni! Sache war folgendes:

Diverse Hörsäle an der Technischen Unviversität München hatten im Interieur für die Hörer (nach oben ansteigend terassenförmig angeordnete Sitzreihen mit durchgezogener "Schreibbank") die Eigenart, daß diese vorn nicht mit der Schreibbank abschlossen (& somit den Blick auf Unterleib, Beine & Füße der Studenten nicht freigaben), sondern mit integrierten Klappsitzflächen, die man um 90° nach unten drückte & sich dann 'draufsetzte, die Vorlesungsmitschrift konnte nur auf dem Schoß ausgeführt werden.
Mathedozent Prof. Dr. Josef Heinhold hatte ich schon in der 1. Uni-Vorlesung meines Lebens entsprechend kennengelernt. Es raschelte irgendwo im Zuschauerraum. Sofort hielt er inne, signalisierte, daß er gewillt war, die Vorlesung abzubrechen & brüllte wütend in sein Umhängemikrofon: "Da hab' ich doch grad' ein Butterbrotpapier oder eine Kekspackung gehört! Merken Sie sich: In meiner Vorlesung wird nicht gegessen!" Tatsächlich hatte er dann jemand erspäht, der irgendwas mampfte. Herr Professor warteten mit der Vorlesungsfortsetzung, bis alles fertiggemampft & 'runtergeschluckt war.
15 Min. später hielt er wieder inne & blickte starr nach oben zu den Eingangstüren (für Studenten). Aus den Lautsprechern des riesigen, heillos überfüllten Hörsaales brüllte es mit 50 oder 100 Watt: "Hallo! Ja, SIE mein' ich! Sie machen sofort Ihren Glimmstengel aus!"
Das Gegenüber brüllte aus Leibeskräften (um gehört & verstanden werden zu können), daß auf den Gängen (im Unterschied zum Hörsaal) kein Rauchverbot sei.
"Das interessiert mich nicht!", kreischten Magnifizenz. "Sie seh' ich jetzt schon mehrere Minuten, und somit sind Sie Hörer meiner Vorlesung. Merken Sie sich: In meiner Vorlesung wird nicht geraucht!"

So kam, was kommen mußte. Es war in der Woche vor Weihnachten 1978 mit Frühlingstemperaturen um die Mittagszeit, außerdem war jenes Gebäude (Südtrakt, Ecke Gabelsberger-, Arcisstr.) stets restlos überheizt. Wahrscheinlich wg. der ständigen extremen Überüllung hatte ich dieses 1 Mal einen der (unbeliebten) vordersten Klappsitzplätze gewählt.
Erst nach ca. 10 Minuten Vorlesung sprachen mich Herr o. Prof. Dr. habil. elektroverstärkt an:
"Sie ziehen sich jetzt 'was an die Füße oder 'raus!"
[Ich, machte in dezenten, größtmöglich höflich-unterwürfigem Tonfall einen Versuch]: "Ich kann mich woanders hinsetzen, damit Sie es nicht sehen müssen..."
"Nein, Sie gehen!"

Das Problem löste sich später allerdings weniger dadurch, daß Maginifzenz immer zeitlich weit NACH den Studenten kamen (von der unteren, ihm vorbehaltenen Türe im Pult- & Tafelraum) & bei 100 & weit mehr Studenten unmöglich alle sichtverdeckenden Sitzreihen abschreiten & abchecken konnten, ob auch keine(r) BF sei, sondern so, daß meist nicht er selbst, sondern seine (viel jüngeren) Assistenten die Vorlesungen & Tutorübungen abhielten. Denen war das wurscht. Standen Signore Professore selbst an Tafel & Katheder, wählte ich einen Platz mit Sichtverdeckung, sodaß er mich erst nach der Vorlesung BF den Saal verlassen sehen konnte, zu spät, hihi... Mich via Lautsprecher vor einer Unzahl von Studenten zu fragen, ob ich fußverpackt erschienen sei, wäre einfach zu lächerlich gewesen...

Damit ließ es die Situation zur Nichtwinterszeit bewenden. Ich mache außerdem kein Hehl daraus, daß ich sämtliche Prüfungen, in denen ich von diesem Herrn gegenüberstehend beäugt wurde, nur beschuht abgeleistet habe.

Zitat von Markus U.
Ein wenig verwundert bin ich indessen über die Generation der über 50jährigen (also die Generation der Hippies, in deren Jugend lange Haare und nackte Füße weit verbreitet waren [wobei von denen allerdings keiner im Winter barfuß war]). Diese Generation lebt großenteils noch, hat aber mit Ausnahme weniger Exemplare wie z. B. Jay zugleich mit ihrer Jugend auch den Freiheitsdrang abgeschüttelt und die Lebensweise der von ihr einst so verachteten Spießer angenommen.

Was den Forumsgegenstand anbelangt, so ist die Tristesse sogar noch selektiv größer. Es gibt durchaus noch einige, die sogar noch bei ihrer langen Matte geblieben sind, aber BF "macht" so gut wie niemand mehr.
Zitat von Markus U.
Was meine Generation, also die der über 40jährigen betrifft, so war diese in ihrer Mehrheit stets eher spießig-angepaßt und kaum je rebellisch, aber dennoch finden sich ausgerechnet in dieser erfreulich viele Individualisten und Nonkonformisten, die vielfach erst im Erwachsenenalter bewußt aus dem Spießertum ausgebrochen sind und deshalb wohl nicht von ungefähr die Mehrheit der in diesem Forum (wie auch schon im untergegangenen HBF) Schreibenden stellt.

Mir ist hierbei - jedenfalls an meinem Wohnsitz - folgendes aufgefallen: In den frühen 80ern hat an einer höheren Schule tatsächlich niemand BF abituriert, weil alle auf LaKotz-Hemden, Schickimicki-Pullis & ebensolche Schuhe standen. Es kam jedoch bei den Geburtsjahrgängen der späten 60er wieder 'was nach, was an der einstigen Hippiekultur wieder stärkeres Interesse hatte. Man sieht das daran, daß auch in sämtlichen BF-Foren diese Generationen, die jetzt leicht über 40 sind, stärker vertreten sind als die Mitt40er.
Zitat von Markus U.
Was jüngere Generationen betrifft, kenne ich mich damit nicht so gut aus, habe aber mit einer gewissen Ernüchterung festgestellt, daß diese dazu neigen, die Welt, wie sie ist, als gegeben hinzunehmen und anders als wir die gesellschaftlichen Zustände gar nicht mehr zu hinterfragen. Vielleicht liegt das auch daran, daß die wirtschaftliche Situation und die beruflichen Chancen der heutigen Jugend besonders unsicher sind und daß die jungen Leute deshalb tief im Herzen so verunsichert sind, daß sie manches durch zur Schau gestellte Oberflächlichkeit ("Spaßgesellschaft") verdrängen und ansonsten versuchen, sich anzupassen, anstatt zu "rappeln" und eine Gegenkultur aufzubauen, wie es angebracht wäre. Das unterscheidet sie von früheren Generationen, die immerhin (wenn auch bisweilen auf Abwegen) versucht haben, die Welt zu verändern.

So mancher Lehrer, den ich vor eingen Jahren zum "Tag der offenen Tür zum 40jährigen Jubiläum meiner einstigen Penne" traf, sagt: Mir wird langsam schlecht, so fad' ist diese extreme Überanpassung der Schüler. 0 Kreativität.

Die Frage, die sich mir jetzt grad' stellt, ist, ob sie diesem Schicksal überhaupt entrinnen können. Für mich ist mathematisch-quantitativ erwiesen, daß viel weniger Arbeit & somit viel weniger Arbeitskräfte gebraucht werden, als vorhanden sind. Wer wählt sie aus? Machtträger, die anhand der 3 Olympiaden

* Kostüm-/Anzug- & Krawattenolympiade auf den Bewerberfotos;
* Zeugnisnotendurchschnittsolympiade;
* Lebenslauf-Kontinuitätsolympiade

sich die aussuchen, die sie WOLLEN.

Abschließend sage ich nur (& einstweilen nicht noch länger zu werden): Ich kenne in meinem Freundes-/Bekanntenkreis in D wie in USA niemand, der sich Ende 70er/frühe 80er wirklich freiwillig von seiner langen Matte, Hippieklamotten, gelegentlich auch BF, getrennt hat. & ich einnere mich an triumphales Getön entsprechender konversativer Kreise: Endlich kann man über solche Typen die Keule namens Arbeitslosigkeit schwingen!

Die von Markus U. erwähnte Generation scheint das fatalistischer denn je hinzunehmen.

Muß heute noch alles mögliche erledigen & gehe auf weitere Punkte später noch ein, einen angenehmen BF-Tag, Jay


Zausel Offline




Beiträge: 249
Punkte: 235

03.08.2009 15:15
#6 RE: Generationengedanken Zitat · antworten

Nun, ich bin mit meinen 61 Jahren als Baujahr 1948 noch ein "Original-68er".
Ja, ich habe mich noch mit der Polizei rumgeklopft und vor der TU Berlin in der Hardenbergstraße Barrikaden gebaut.
Unsere Demos vor dem Amerika-Haus waren legendär.
Aber ich schwelge schon wieder in Erinnerungen...

Nein, ich habe nicht vergessen, wie man etwas bewegen kan.
Ich habe auch nicht vérgessen, wie man grandios scheitern kann.

Der heutigen Jugend wünsche ich von ganzem Herzen den Drang, etwas zu bewegen - und im gleichen Maße die Bereitschaft, auch hinreißend zu scheitern.

Es gibt ein Gebet, das (fälschlicherweise) einem Pfarrer Oettinger zugeschrieben wird, und das zum ständigen Ritual in den Meetings der Anonymen Alkoholiker gehört:

"Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann - und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."

Ist das nicht herrlich?

Und so versuche ich heute noch, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Natürlich nur da, wo sinnvoll.

Und ich akzeptiere NICHT, daß mir aus sinnlosen Gründen aufgedrückt wird, daß ich ohne jeglichen sachlichen Grund mein Wohlbefinden, mein Wohlergehen und gar meine Gesundheit auf dem Altar des Wohlgefallens anderer opfern soll.

Allerdings gibt es leider auch "sachliche" Gründe, die mit Sachlichkeit im eigentlichen Sinn nichts zu tun haben: Wenn jemand eben das Mandat zur Gewaltausübung bzw. zur Direktion hat: Dem muß ich mich fügen - oder ganz ausweichen.

Wenn mich ein Ladenbesitzer nicht barfuß in sein Geschäft läßt, dann kann ich Schuhe anziehen oder den Laden meiden. Es sei denn, es gelingt mir, den Besitzer von meiner Haltung zu überzeugen.

Dann muß ich halt entscheiden, was mir was wert ist. Ein Vorgang, den ich täglich hunderte male erleben muß, ohne mir dessen ausdrücklich bewußt zu sein:
Ich muß entscheiden, ob mir die Kugel Eis in Anbetracht meines Appetits hier und jetzt einen Euro wert ist - oder eben nicht.
Ich muß entscheiden, ob mir das frische Brötchen einen Umweg von 10 Minuten wert ist - oder eben nicht.
Ich muß entscheiden, ob ein Streit um 100 Euro einen Prozeß samt erheblichem Risiko wert ist - oder eben nicht.

Und so muß ich halt auch entscheiden, was mir meine Barfüßigkeit ggf. wert ist.

Zitat von Jay
Gleichwohl bin ich mir aber auch über die \\\'praktischen Konsequenzen\\\' im Klaren, wäre ich bei Ex-Nazi-Richter Gerald Miosga (Name unverändert) am Amtsgericht meines Wohn/Firmensitzes als Angeklagter oder sonstwie Prozeßinvolvierter, womöglich auch als Zuschauer BF aufgetreten (extrem hohes Strafmaß + Ordnungsgeld wg. "Mißachtung der Würde des Gerichts", als Prozeßbeobachter: Räumung dieser Person aus dem Saal).

Das muß durchaus nicht so sein.

Da ich im Moment (hoffentlich nur vorübergehend) mehr Zeit habe als mir lieb ist, habe ich mich vor kurzem auf meine bereits früher ausgeübte Tätigkeit als Gerichtsreporter besonnen und diese wieder aufgenommen.

Als erstes mein Antrittsbesuch beim Amtgericht: Also erst mal den Gerichtsdirektor mit meiner Person und meiner Absicht bekanntgemacht, dann die relevanten Straf- und Jugendrichter. Natürlich (ganz wichtig!) die Pförtner.

Alles barfuß. Und es gab nicht einen einzigen Kommentar!!!

Dann die ersten Prozesse: Schwurgericht. Ich als Berichterstatter. Barfuß in kurzen Hosen. Die Vorsitzende des Schwurgerichts winkte mir fröhlich freundlich zur Begrüßung von weitem zu.
Am Donnerstag rief sie mich an, um mir mitzuteilen, wann der nächste Fall, der mich interessieren könnte, zur Verhandlung ansteht.

Klar - sie könnte mich auch rausschmeißen. Aber sie wird es nicht tun, denn ich habe dafür gesorgt, daß wir uns im Vorfeld kennengelernt haben. Und von daher weiß sie, daß seitens meiner Person keine Mißachtung vorliegt, sondern daß ich zwar ein wenig "anders" bin, aber doch mit vollem Ernst bei der Sache.

Grüße

Der Zausel

Die Dummen haben das Pulver nicht erfunden, aber sie schießen damit.


Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.943
Punkte: 794

03.08.2009 17:21
#7 RE: Generationengedanken Zitat · antworten

Zitat von Zausel
Nun, ich bin mit meinen 61 Jahren als Baujahr 1948 noch ein "Original-68er".
Ja, ich habe mich noch mit der Polizei rumgeklopft und vor der TU Berlin in der Hardenbergstraße Barrikaden gebaut.
Unsere Demos vor dem Amerika-Haus waren legendär.
Aber ich schwelge schon wieder in Erinnerungen...


Hi,

ich (Baujahr 1967) habe mich seinerzeit nicht mit der Polizei gekloppt, sondern in die Windeln gemacht, und sogar daran habe ich keine bewußte Erinnerung.
Im übrigen ist meine Einstellung zur "68er Generation", auch wenn mir manches an ihr gefällt, überwiegend ablehnend. Einerseits können wir ihr verdanken, daß der abgestandene, konservative Muff der Adenauer- Zeit ein Stückweit beseitigt wurde (wobei leider an den grundlegenden politischen Entscheidungen jener Zeit wie Westbindung, Wiederbewaffnung & Wehrpflicht, Befestigung der Teilung Deutschlands und der unvollkommenen "repräsentativen" Demokratie festgehalten wurde), andererseits bin ich ihr gram, weil sie alle Werte zertrampelt hat, so daß wir heute in einer wertlosen Gesellschaft, in der jeder gegen jeden kämpft, überleben (oder untergehen) müssen. Auch nehme ich den 68ern ihre Heuchelei übel, denn während sie seinerzeit gegen jede Autorität kämpften, schreiben sie uns jüngeren Generationen durchaus autoritär vor, was wir zu meinen, zu denken, zu fühlen und zu glauben haben (das Diktat der "political correctness"), und dagegen wehre ich mich! Vor allem in der Partei "Bündnis 90/ Die Grünen" sind derartige Tendenzen unübersehbar, und die Geschichte dieser Partei ist geradezu ein Lehrbuchbeispiel, wie die Teilhabe an der Macht korrumpiert. Waren die ersten Grünen eine fröhliche bunte Truppe, die Bewegung in das erstarrte, langweilige Drei- Parteien- Spektrum von CDU, SPD und FDP (die letztere als notorisches "Zünglein an der Waage") brachte und sich auch sonst hinsichtlich Kleidung und Haartracht herrlich unkonventionell aufführte (einige sollen auch barfuß zu Sitzungen erschienen sein), so sind sie heute angepaßt, miesepetrig, langweilig und unsympathisch. Im Jahre 1999 haben sie durch ihre Zustimmung zum Kriege gegen Serbien den Frieden verraten, und die menschenverachtenden "Hartz- Gesetze" wurden unter ihrer Mitwirkung ausgeheckt.

Zitat von Zausel
Nein, ich habe nicht vergessen, wie man etwas bewegen kann.
Ich habe auch nicht vergessen, wie man grandios scheitern kann.


Gescheitert ist der revolutionäre Teil der 68er Generation, also jene, die wirklich grundlegende Veränderungen anstrebten und dafür ihr Leben hingaben, indem sie für ihre Ziele starben oder lange Jahre in Gefängnissen einsaßen.

Zitat von Zausel
Der heutigen Jugend wünsche ich von ganzem Herzen den Drang, etwas zu bewegen - und im gleichen Maße die Bereitschaft, auch hinreißend zu scheitern.


Die Erfahrung des Scheiterns ist für den, der sie machen muß, immer tragisch, und ich verstehe nicht, was daran "hinreißend" sein soll.
Ich setze in die heutige Jugend keine großen Hoffnungen, weil sie, von wenigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen, weitgehend angepaßt und unpolitisch ist und nichts als Party machen, saufen und Spaß haben will.

Zitat von Zausel
Da ich im Moment (hoffentlich nur vorübergehend) mehr Zeit habe als mir lieb ist, habe ich mich vor kurzem auf meine bereits früher ausgeübte Tätigkeit als Gerichtsreporter besonnen und diese wieder aufgenommen.

Als erstes mein Antrittsbesuch beim Amtgericht: Also erst mal den Gerichtsdirektor mit meiner Person und meiner Absicht bekanntgemacht, dann die relevanten Straf- und Jugendrichter. Natürlich (ganz wichtig!) die Pförtner.

Alles barfuß. Und es gab nicht einen einzigen Kommentar!!!

Dann die ersten Prozesse: Schwurgericht. Ich als Berichterstatter. Barfuß in kurzen Hosen. Die Vorsitzende des Schwurgerichts winkte mir fröhlich freundlich zur Begrüßung von weitem zu.
Am Donnerstag rief sie mich an, um mir mitzuteilen, wann der nächste Fall, der mich interessieren könnte, zur Verhandlung ansteht.

Klar - sie könnte mich auch rausschmeißen. Aber sie wird es nicht tun, denn ich habe dafür gesorgt, daß wir uns im Vorfeld kennengelernt haben. Und von daher weiß sie, daß seitens meiner Person keine Mißachtung vorliegt, sondern daß ich zwar ein wenig "anders" bin, aber doch mit vollem Ernst bei der Sache.

Grüße

Der Zausel


Bei einem Gerichtsreporter ist Barfüßigkeit unbedenklich, wohingegen ich kurze Hosen gewagt finde. Vor einem Jahr habe ich an einem Prozeß teilgenommen, bei dem einige Zuschauer sowie zwei Zeugen, von denen allerdings nur einer vernommen wurde, barfuß waren. Da hätte ein barfüßiger Gerichtsreporter bestens gepaßt, war aber leider nicht vorhanden. Für mich selbst ist ein barfüßiger Auftritt vor Gericht freilich nicht denkbar, es sei denn, der Mandant bestünde darauf (was noch nicht vorgekommen ist). Der Grund dafür, nicht barfuß aufzutreten, hat nichts mit "sich trauen" zu tun, sondern damit, daß es vor Gericht nicht darum geht, mich zu produzieren, sondern für meinen Mandanten den größtmöglichen Erfolg herauszuholen. Daher trage ich vor Gericht Anzug, Robe und geschlossene Schuhe ohne Sokken (wobei die Sokkenlosigkeit unter den Hosenbeinen verborgen ist).

Barfüßige Sommergrüße,
Markus U.


Siegfried Hase Offline




Beiträge: 454
Punkte: 413

03.08.2009 17:35
#8 RE: Generationengedanken Zitat · antworten

Salut zusammen!

Von sich selbst auf andere zu schließen, ist nicht immer richtig, aber meistens auch nicht so falsch, wie ich doch so in meinem Leben fest´gestellt habe.

Verhält/Kleidet sich eine Person so, das wir es ungewohnt empfinden, dann reagieren wir darauf. WIE wir reagieren hängt von verschiedenen Faktoren ab. Haben wir gegen das Verhalten/Kleidung der Person eine Abscheu, werden wir gereizt und ablehnend reagieren, ist es für uns interessant, dann reagieren wir auch interessiert, ist es für uns neutral, reagieren wir gar nicht.

Als Gerichtsreporter im Sommer barfuß (und in kurzer Hose) einem Prozeß zu folgen ist nach allgemein heute gültigen Maßstäben nichts so besonderes, qarum also hätte die Richterin reagieren sollen?? Hättest Du Schuhe und eine 08/15 lange Hose angehabt, kombiniert mit einem T-Shirt mit (z. B.) "Deutschland verrecke"-Aufdruck, könnte es schon sein, daß die Richterin reagiert hätte, obwohl Du grundsätzlich dieses tragen dürftest.

Wenn Du - wird sich vielleicht automatisch ergeben - auch im Januar im obigen Outfit zum Prozeß erscheinst (und im November und Dezember auch wie vor), dann könnte ich mir eine interessierte Nachfrage vorstellen. Ordentlich begründet sehen das dann 98% der Mitmenschen ein und das Charakterbild wird eher positiv beeinflußt. Reagiert man abwehrend ("das geht Sie überhaupt nichts an, das darf ich und Ihnen bin ich keine Rechenschaft schuldig"), dann baut das Gegenüber auch eine Abwehrhaltung auf ("Soll der doch selbst nach seinen Terminen gucken, ICH rufe ihn nicht an, das muß ich nicht").

@Jay
Also diese Prinzipienreiterei an Äußerlichkeiten oder persönlichen Belangen die einen anderen eigentlich nichts angehen erlebt man äußerst elten! Und wenn man dann offen damit umgeht, ist von den verbleibenen 2 % nochmal mindestens die Hälfte zufrieden. An Schulen/Unis die barfuß ungern sehen/verboten haben könnte eine Möglichkeit sein Schuhe mitzunehmen, diese aber nicht anzuziehen. Und bei Aufforderung kann man sowas auch in's lächerliche ziehen ("Nein, anziehen werde ich sie nicht. Die sind nur zum angucken und dran riechen - wer will mal?")

Gerold


Zausel Offline




Beiträge: 249
Punkte: 235

03.08.2009 17:40
#9 RE: Generationengedanken Zitat · antworten

@Markus:

Was deine Einschätzung der '68er angeht, die von ihren Absichten (ich meine NICHT ihre Ziele!) weitestgehend abgerückt sind, gebe ich dir voll Recht.

Es sind wenige übriggeblieben, die sich ein Stück weit den Geist ihres "Aufbruchs" bewahrt haben.

Allerdings muß man, meine ich, konstatieren, daß es nach ihnen (in meinem Falle: UNS) keine Generation gab, die es irgendwie besser gemacht hätte. Sie haben erst gar nichts versucht, konnten also auch nicht sich selbst verraten.

Bezüglich der Jugend muß ich dir VEHEMENT widersprechen!!!

Was deine Einschätzung angeht, daß es ihr nur noch um Party und Saufen gehe, so ist die absolut daneben. Es sind einige, und es sind viel zu viele, die dieses Bild prägen. Aber es ist keineswegs auch nur annähernd die Mehheit.
Ich habe selbst eine Tochter, die soeben 18 Jahre alt geworden ist. Und ich beobachte sehr wohl, was an ihrer Schule, was in unserer kirchlichen Jugend, was in anderen Kirchengemeinden und was auch bei der "Jugend der Welt" abgeht. Da ist eine Ernsthaftigkeit im Spiel, da ist ein Verantwortungsbewußtsein angesagt, daß es manchmal für mich schon erschreckend ist.

An meinem vorigen Wohnort war ich Elternvorsitzender einer Musikschule mit über 1100 Schülern. Wenn ich dir erzähle, was Jugendliche dort in ihrer Freizeit mit unendlicher Mühe und Liebe auf die Beine gestellt haben, dann fällt dir die Kinnlade runter.

Die paar grölenden und saufenden Punks am Bahnhofsvorplatz fallen demgegenüber ÜBERHAUPT nicht ins Gewicht.

Es ist nur leider so, daß immer die lauten und schrillen Gestalten das Bild prägen und die Wahrnehmung bestimmen.

Und was das Auftreten vor Gericht angeht: Ja, darüber brauchen wir gar nicht zu reden. Wenn "Dienstkleidung" vorgeschrieben ist, dann ist sie es. Da kann man behutsam versuchen, Grenzen ein wenig zu verschieben - aber mehr auch nicht.

Und wenn selbst erlaubtes Verhalten sich zum Nachteil dessen auswirken würde, der mir sein Schicksal anvertraut hat, dann bin ich dem selbstverständlich mehr verpflichtet als dem Wohlergehen meiner Füße.

Wie weit ein Richter allerdings bei seiner persönlichen Vorstellung einer Kleiderordnung bei den sonstigen Personen (Kläger, Angeklagte, Zeugen, Besucher) gehen kann und darf, das auszuloten wäre gewiß einmal interessant. Denn ganz klar sind auch ihm da Grenzen gesetzt. Die Frage ist nur, wo.

Grüße

Der Zausel

Die Dummen haben das Pulver nicht erfunden, aber sie schießen damit.


Siegfried Hase Offline




Beiträge: 454
Punkte: 413

03.08.2009 18:01
#10 RE: Generationengedanken Zitat · antworten

Salut!

In Antwort auf:
Die paar grölenden und saufenden Punks am Bahnhofsvorplatz fallen demgegenüber ÜBERHAUPT nicht ins Gewicht.


Wofür müssen jetzt die Punks wieder mal herhalten??????????????

Gewiß, es gibt auch Alkoholiker unter den Punks, deshalb ist aber noch lange nicht jeder punk Alkoholiker!

In den bei weiten allermeisten Fällen, machen die Punks aber nix verbotenes und behenmen sich auch äußerst unauffällig. Nur des kleidungsstils oder der Frisur wegen hier gleich Vorurteile aufzubauen, das ist mal super fix - DANN verstehe ich auch JEDES Barfuß-Vorurteil. Wer sich einen Selbstversuch traut kann mit den menschlichen Punks mal ganz menschlich umgehen und mit ihnen reden!

Daß Kleider Leute machen habe ich zweimal höchst elbst bei den Hannoveranger Chaos-Tagen ausprobiert! Einziger Unterschied: T-Shirt (bzw. Hemd) und Jacke haben gewechselt. Einmal hätten die Bullen zu gerne für uns (wie waren zu zweit bei dem 'Versuch') die anderen Punks niedergetrampelt um uns einen Weg zum Bahnhof zu bahnen, das zweite mal (=umgezogen) waren wir seitens derselben Bullen dann sofort Kessel-Mitglieder!

Gerold


Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.943
Punkte: 794

04.08.2009 16:24
#11 RE: Generationengedanken Zitat · antworten

Zitat von Zausel
@Markus:

Was deine Einschätzung der '68er angeht, die von ihren Absichten (ich meine NICHT ihre Ziele!) weitestgehend abgerückt sind, gebe ich dir voll Recht.

Es sind wenige übriggeblieben, die sich ein Stück weit den Geist ihres "Aufbruchs" bewahrt haben.


Hi Zausel!

Meine Frage bezieht sich darauf, wie es kommt, daß eine Generation, die weitgehend noch am Leben ist, einfach "verschwindet" und sich im Alter ganz anders gibt, als sie sich in ihrer Jugend verhielt. Bei meinen Großeltern, die 1905, 1908 (Großmütter) und 1911 (Großväter) geboren wurden und zwischen 1967 (ältere Großmutter) und 1996 (jüngere Großmutter) starben, war es so, daß sie sich zeitlebens weitgehend gleich blieben und einfach still vor sich hinalterten; hält man Jugendbilder und Greisenbilder derselben Großelternperson nebeneinander, so kann man ohne große Mühe erkennen, daß derselbe Mensch in verschiedenen Lebensaltern abgebildet ist (bei Bildern, die meine Großeltern als Kleinkinder zeigen, ist das natürlich viel schwieriger). Auch bei meinen konservativen, 1939 und 1940 geborenen Eltern ist das noch so. Die Jugend dieser Menschen prägte weitgehend ihre weitere Lebenszeit bis ins hohe Alter. Erst bei der 68er Generation hat sich das geändert: Sie hat (mit den von Dir erwähnten wenigen Ausnahmen, zu denen vielleicht auch Du zählst) nicht nur die Falten, die das Alter mit sich bringt, im Gesicht gekriegt, sondern ihre Jugend ganz und gar abgeschüttelt, ist nicht mehr bunt (samt LH und BF), freiheitsliebend und von revolutionären Ideen erfüllt, sondern hausbakken, grau, langweilig, herrschsüchtig, starrsinnig und rechthaberisch. Vor allem in der Politik und da besonders in der grünen Partei ist dieser enttäuschende Menschenschlag zu finden. Der von Dir erwähnte "Geist des Aufbruchs" ist insgesamt in den Trümmern eines gigantischen Abbruches geistiger und sittlicher Werte untergegangen. So ward bei der großen "Befreiung" gleichsam das Kind mit dem Bade ausgeschüttet und viel Gutes unwiederbringlich vernichtet, während die Herrschaft des Kapitals und der Bonzen blieb und sich heute schlimmer austoben kann als je zuvor.

Zitat von Zausel
Allerdings muß man, meine ich, konstatieren, daß es nach ihnen (in meinem Falle: UNS) keine Generation gab, die es irgendwie besser gemacht hätte. Sie haben erst gar nichts versucht, konnten also auch nicht sich selbst verraten.


Es ist wahr, daß meine Jugend nicht besonders "wild" verlief und die meisten unseres Abiturjahrganges darauf aus waren, möglichst rasch ihr Studium oder eine Ausbildung (in sehr vielen Fällen in einer Bank) zu beginnen. Vielleicht hat das auch damit zu tun, daß die meisten von uns sehr behütet aufgewachsen sind und eine relativ sorgenfreie Kindheit und Jugendzeit verleben durften. Mein Nonkonformismus, der in meinem Herzen schon immer vorhanden war und während der Schulzeit von meinen Eltern gezügelt wurde, konnte sich erst so richtig entfalten, als ich mein Studium im 200 km entfernten Gießen begann und nicht mehr bei meinen Eltern wohnte. Auch anderen ging es so.
In meiner Generation hat sich eine nonkonformistische Einstellung vielfach erst im Erwachsenenalter ihre Bahn gebrochen. Es kann kein Zufall sein, daß meine Altersgruppe sowohl hier als auch schon früher im HBF die Mehrzahl der Schreibenden ausmacht. Auch bei den Berichten, wie unsere Altersgruppe zum Barfußlaufen kam, war es zumeist so, daß es eine allmähliche Entwicklung war, bei der man sich nach und nach immer mehr traute und sich über jeden neuen Fortschritt in Sachen BF freute. Auch bei mir war es so.

Zitat von Zausel
Bezüglich der Jugend muß ich dir VEHEMENT widersprechen!!!

Was deine Einschätzung angeht, daß es ihr nur noch um Party und Saufen gehe, so ist die absolut daneben. Es sind einige, und es sind viel zu viele, die dieses Bild prägen. Aber es ist keineswegs auch nur annähernd die Mehheit.
Ich habe selbst eine Tochter, die soeben 18 Jahre alt geworden ist. Und ich beobachte sehr wohl, was an ihrer Schule, was in unserer kirchlichen Jugend, was in anderen Kirchengemeinden und was auch bei der "Jugend der Welt" abgeht. Da ist eine Ernsthaftigkeit im Spiel, da ist ein Verantwortungsbewußtsein angesagt, daß es manchmal für mich schon erschreckend ist.


Da ich keine Kinder habe und somit das Leben und Weben der heutigen Jugend nicht hautnah mitkriege, resultiert meine Meinung über die heutige Jugend weitgehend aus Medienberichten sowie einigen unschönen eigenen Verhaltensbeobachtungen. Als ich kürzlich durch die Düsseldorfer Altstadt wandelte, krakeelte ein besoffener Jugendlicher lauthals: "Ey kumma, da is einer barfuß! Der da is barfuß, dat gibbet nich!! Der kann sich nich ma Schuhe leisten!!!" Nun bin ich zwar der Meinung, daß ein derartiges Gebrüll mehr Aufmerksamkeit erregt als der Anblick nackter Zehen unter einer bunten Schlaghose, aber es ist nicht dazu angetan, bei mir eine gute Meinung über die heutige Jugend zu erzeugen. Den Medien entnehme ich, daß das Interesse der Generation zwischen 18 und 30 Jahren an Politik ziemlich gering ausgeprägt sei und viele von ihnen nicht mal wählen gehen, während ich an den entsprechenden Sonntagen immer schon kurz nach 8.00 Uhr morgens wählen gehe und noch nie eine Wahl versäumt habe.

Zitat von Zausel
Und was das Auftreten vor Gericht angeht: Ja, darüber brauchen wir gar nicht zu reden. Wenn "Dienstkleidung" vorgeschrieben ist, dann ist sie es. Da kann man behutsam versuchen, Grenzen ein wenig zu verschieben - aber mehr auch nicht.


§ 20 BORA (Berufsordnung für Rechtsanwälte) lautet: "Der Rechtsanwalt trägt vor Gericht als Berufstracht die Robe, soweit das üblich ist. Eine Berufspflicht zum Erscheinen in Robe besteht beim Amtsgericht in Zivilsachen nicht."
Trotz dieser moderat formulierten Vorschrift wird vor Gericht von Anwälten nicht nur die schwarze Robe, sondern auch ein weißes Hemd und eine Krawatte erwartet. Es besteht allerdings eine gewisse Hoffnung, daß vielleicht die Krawatte allmählich außer Gebrauch kommen könnte. Vor kurzem hat ein Anwalt in Mannheim ein Urteil erstritten, dem zufolge er bei Gerichtsverhandlungen keine Krawatte zu tragen braucht. Gleichwohl werde ich zu Gerichtsverhandlungen vorerst weiterhin eine Krawatte tragen und mich mit dezenter Sokkenlosigkeit begnügen. Schließlich geht es nicht um mich, sondern um die Interessen des Mandanten. Und ob diesen gedient ist, wenn ich barfuß vor Gericht auftrete und statt des Rechtsfalles meine nackten Füße in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rükke, muß bezweifelt werden.

Zitat von Zausel
Wie weit ein Richter allerdings bei seiner persönlichen Vorstellung einer Kleiderordnung bei den sonstigen Personen (Kläger, Angeklagte, Zeugen, Besucher) gehen kann und darf, das auszuloten wäre gewiß einmal interessant. Denn ganz klar sind auch ihm da Grenzen gesetzt. Die Frage ist nur, wo.


Hier ist § 175 Abs. 1 GVG einschlägig. Dort heißt es:
"Der Zutritt zu öffentlichen Verhandlungen kann unerwachsenen und solche Personen versagt werden, die in einer der Würde des Gerichts nicht entsprechenden Weise erscheinen." Um diesen Tatbestand zu erfüllen, muß man es freilich "drauf anlegen", indem man etwa nur mit einer Badehose bekleidet oder in besonders drekkiger und zerrissener Kleidung erscheint. Ansonsten können die von Dir genannten Personen nur aus dem Sitzungszimmer entfernt werden, wenn sie den geordneten Ablauf der Verhandlung massiv stören, indem sie sich dort etwa entkleiden oder mit ihren Schuhen um sich werfen oder aufs Pult schlagen. In diesen Fällen sieht das Gesetz Ordnungsgeld bis zu 1.000,- € (in Worten: eintausend Euro) oder Ordnungshaft bis zu einer Woche vor, welche sogleich vollstreckt wird. Gegen den entsprechenden Beschluß kann der Betroffene zwar Beschwerde einlegen, aber diese hat keine aufschiebende Wirkung, so daß derjenige, gegen den Ordnungshaft wegen Ungebühr verhängt wird, auf jeden Fall erstmal "brummen" muß!

Barfüßige Sommergrüße,
Markus U.


Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.943
Punkte: 794

04.08.2009 16:56
#12 RE: Generationengedanken Zitat · antworten

Zitat von Siegfried Hase
In den bei weiten allermeisten Fällen, machen die Punks aber nix verbotenes und behenmen sich auch äußerst unauffällig. Nur des kleidungsstils oder der Frisur wegen hier gleich Vorurteile aufzubauen, das ist mal super fix - DANN verstehe ich auch JEDES Barfuß-Vorurteil. Wer sich einen Selbstversuch traut kann mit den menschlichen Punks mal ganz menschlich umgehen und mit ihnen reden!



Hi Gerold,

sicher verhalten sich die meisten Punks in der Regel friedlich, aber es ist schon so, daß sie häufig rudelweise auftreten und gewisse öffentliche Plätze regelrecht "besetzen", wohl wissend, daß etliche Bürger sich vor ihnen fürchten und deshalb einen großen Bogen um sie machen. Mich stören sie nicht besonders; nur sieht man leider selten welche barfuß, und manchmal haben Punks beim Anblick meiner nackten Füße schon besorgt ausgerufen: "Barfuß! Tut das denn nicht weh?" Dann antworte ich freundlich, daß ich es nicht machte, wenn es weh täte, und denke heimlich bei mir selber, daß sie, die doch so ganz anders als die Spießer sein wollen, genauso schuh- und sokkengläubig sind wie jene.

Zitat von Siegfried Hase
Daß Kleider Leute machen habe ich zweimal höchst elbst bei den Hannoveranger Chaos-Tagen ausprobiert! Einziger Unterschied: T-Shirt (bzw. Hemd) und Jacke haben gewechselt. Einmal hätten die Bullen zu gerne für uns (wie waren zu zweit bei dem \'Versuch\') die anderen Punks niedergetrampelt um uns einen Weg zum Bahnhof zu bahnen, das zweite mal (=umgezogen) waren wir seitens derselben Bullen dann sofort Kessel-Mitglieder!



Beim Stichwort "Chaos- Tage" hört für mich der Spaß uff, denn wenn ich mir vorstelle, daß eine fremde Menschenhorde (ob es sich um Punks oder sonst jemanden handelt, ist mir egal), einfach zu ihrem eigenen Vergnügen mein Auto demolierte oder die Fensterscheiben meiner Wohnung kaputtschmisse und vor die Haustür kackte, weil sie Chaos schön findet, machten mir "trampelnde Bullen" auch nichts mehr aus, sondern verschafften mir eher eine gewisse Genugtuung! Da kann ich nur froh sein, daß Hannover weit weg ist, und ansonsten fällt mir nichts mehr dazu ein.

Barfüßige Sommergrüße,
Markus U.


Siegfried Hase Offline




Beiträge: 454
Punkte: 413

04.08.2009 19:33
#13 RE: Generationengedanken Zitat · antworten

Salut Markus!

Fangen wir mal von hinten an:

Die Chaos-Tage wurden 1984 erstmals initiiert, weil die Hanoveraner Polizei eine Punker-Kartei anlegte. Also NUR weil jemand Punk war wurde er/sie registriert! Egal ab gesetzestreu oder was auch immer!!! Ich werde Dir als Rechtsanwalt nicht erklären brauchen, wie hart am Rande der Legalität so eine Kartei ist (sie wurde später von der Justiz für Unrecht erklärt).
Die Chaos-Tage wären NIE zu dem Event geworden, zu dem sie wurden, hätte sich die Polizei nicht derart aggressiv und dämlich verhalten. Zum Schluß fanden die Chaos-Tage nur noch im 'Second Life' statt, nur die Polizei hat das nicht geglaubt und ist mit einigen Hundertschaften aufmarschiert!!!!
Alles wäre nicht mal halb so interessant gewesen, hätte die Polizei zu jeder Zeit nach dem Motto gehandelt:"Ist uns doch egal, sollen die sich denn treffen, solange nix passiert machen wir auch nix". Doch genau das Gegenteil war der Fall! Gleich am Bahnhof wurde alles was nach Punk aussah gefilzt, zurück geschickt, Platzverweis erteilt, jene die's doch geschafft haben nach H 'einzudringen' wurden eingekesselt und nicht eben so behandelt, wie man sich das von einer freiheitlichen Demokratie vorstellt. Es war üblich allen die entsprechend aussahen mit Kabelbinder die Hände auf den Rücken zu fesseln, sie stundenlang in Mannschaftswagen 'schmoren' zu lassen, danach in Sammellagern bis zu 24 Stunden einzusperren. Selbstverständlich OHNE Versorgung von Trinken und Essen. Klo's gab's wenn überhaupt stets sehr wenige. Das sich unter diesen Umständen Menschen (ja Punks SIND Menschen) agegriffen fühlen und auch mal wehren sollte verständlich sein. In den (öffentlichen) Medien wurde zu über 90 % stets NUR die Darstellung der Polizei von den aggressiven, besoffenen, gewalttätigen Punks verbreitet. Das das nicht so war weiß JEDER der zu der Zeit in Hannover war. Viele Leute (Stinos) haben das auch so gesehen. Wenn aber 10 mal im Fernsehen nach einer Eskalation, die ihre Gründe im o. a. Gesamtzusammenhang hat, nur der 'geplünderte' Penny-Markt gezeigt wird, dann glaubt's der Rest der Welt irgendwann mal.

Darf ich zum 'rudelweisen Auftreten von Punks' mal bemerken, daß es so Wandervereine gibt, die als Horden in die Natur einfallen und z. B. als 'Schwarzwaldverein' alljährlich an Sommer- und Herbstsonntagen den Wald heimsuchen. Wäre ich ein Reh (und als Hase natürlich auch) fühlte ich mich durchaus bedroht!
Auch die Touristenhorden, die gerade in diesen Urlaubstagen wieder Deutsche Städte heimsuchen sind nicht jedermanns Sache. Warum stören da also z. B. fünf Punks die es sich auf der Parkbank am örtlichen Marktplatz bequem gemacht haben???
Und wenn die dich wegen Deiner Barfüßigkeit fragen, kann man auch ordentlich antworten. Wenn man Zeit hat, könnte man auch mit denen reden, so einfach mal zehn Minuten. Ganz normal. Ich halte es nicht für unmöglich, daß wenn Du das geschickt anstellst, der /die Ein- oder Andere auch ihre Schuhe und Socken auszieht um mal barfuß zu probieren. Klar, das wird denen am Anfang weh tun, weil sie wie alle anderen Dauerschuhträger auch sehr empfindliche Haut an den Füßen haben.
Was die Beschuhung überhaupt anbelangt, so wurde das halt mal einfach übernommen von den Normalos. Ohne Nachzudenken. Offensichtlich genügt es ja auch einem relativ aufgeklärten Menschen wie Dir, daß Du Dich fürchtest, nur weil diese Menschen eine andere Frisur haben und einen etwas anderen kleidungsstil pflegen als Du bzw. die meisten anderen Menschen. Wenn man nämlich so vorgeht, dann darf auch jeder Normalo um einen Barfüßer einen Bogen machen, weil - logisch - wer im November Barfuß durch die Stadt geht nicht ganz Dicht sein kann. Und genau wir barfüßer sind ja auch froh, wenn sich irgendwer vernünftig dafür interessiert warum wir das machen, ob es 'gut tut', ob es kalt ist, usw. Punks sind auch froh, wenn man mit ihnen vernünftig und menschlich umgeht.

Insofern ist die Punk-Szene 1 : 1 mit der Barfuß-Szene zu vergleichen. WIR Barfüßer fühlen uns vom Rest der Welt irgendwo mißverstanden bzw. halten den Rest der Welt für nicht ganz dicht und so sehen's auch die Punks. Auch sie fühlen sich vom Rest der Welt mißverstanden, bzw. können nicht verstehen, warum man das so und so macht ohne darüber nachzudenken ob's vielleicht auch anders ginge und anders sogar sinnvoller wäre.

Bitte, ich will Dich nicht Kränken oder an den Pranger stellen, aber in Deinem obigen Post ist einiges Unwissen und noch mehr Vorurteil und das könnte man vielleicht verbessern!

Einen Schönen Gruß in's Ruhrgebiet

Gerold




Engel Offline

Admin


Beiträge: 1.438
Punkte: 666

05.08.2009 08:10
#14 RE: Generationengedanken Zitat · antworten

Zitat von Siegfried Hase
Alles wäre nicht mal halb so interessant gewesen, hätte die Polizei zu jeder Zeit nach dem Motto gehandelt:"Ist uns doch egal, sollen die sich denn treffen, solange nix passiert machen wir auch nix".


Klar, soll die Polizei so auch reagieren, wenn das nächste mal ne Nazigruppierung ne Kundgebung macht? Was daraus entstehen kann haben wir ja vor ca 70 Jahren gesehn.

Zitat von Siegfried Hase
Doch genau das Gegenteil war der Fall! Gleich am Bahnhof wurde alles was nach Punk aussah gefilzt, zurück geschickt, Platzverweis erteilt, jene die's doch geschafft haben nach H 'einzudringen' wurden eingekesselt und nicht eben so behandelt, wie man sich das von einer freiheitlichen Demokratie vorstellt.


Und daran sind sie auch selbst schuld, wenn man sich Jahrelang als Bollwerk auf jeder Demo betätigt hat, egal um was es ging, kann es schon passieren, das die Obrigkeit nen falschen Eindruck bekommt.
Ich war in meiner Jugend selbst in der Punkszene unterwegs und hab das öfters selbst mit erlebt, u.a. auch in Nesselwang bei den Demos vom 2.-5. Mai 1985 gegen das Treffen der ehemaligen Mitglieder der 3. SS-Panzer-Division „Totenkopf" und am folgenden WE gegen das Treffen alter Kameraden, die in der 1. SS-Panzer-Division „Leibstandarte Adolf Hitler" und in der 12. SS-Panzer-Division „Hitlerjugend" gedient haben.
Klar waren dort massig andere Demonstranten anwesend, aber ganz vorne waren 5-6 Reihen Punks die sich mit der Poizei anlegten, welche doch nur das von Dir zitierte Versammlungsrecht der Gruppierungen verteidigte. Zusätzlich haben wir damals auch noch das Hotel "Krone" so sehr beschädigt, das es völlig neu saniert werden musste.
Und wer hat in Wackersdorf angefangen mit Steinen zu werfen, obwohl der ursprüngliche Gedanke ne Sitzblokade war?
Das waren auch wieder unsere friedliebenden Mitbürger mit den extravaganten Klamotten und Frisuren.
Also, Du siehst, man sollte nicht mit Steinen werfen, wenn man im Glashaus sitzt.


Zitat von Siegfried Hase
Es war üblich allen die entsprechend aussahen mit Kabelbinder die Hände auf den Rücken zu fesseln, sie stundenlang in Mannschaftswagen 'schmoren' zu lassen, danach in Sammellagern bis zu 24 Stunden einzusperren. Selbstverständlich OHNE Versorgung von Trinken und Essen. Klo's gab's wenn überhaupt stets sehr wenige. Das sich unter diesen Umständen Menschen (ja Punks SIND Menschen) agegriffen fühlen und auch mal wehren sollte verständlich sein.


Klar sind das unmenschliche Behandlungsmethoden gewesen, aber die mussten nicht nur die Punks erleben, sondern in noch verschärfter Form auch schon die Demonstranten gegen den Schah von Persien am 2. Juni 1967, als noch die Parole "Knüppel frei" gegolten hat.
Und mittlerweile hat sich da ja auch was geändert. Was aber auch dazu führte, das jetzt jeder nach eigenem Gusto den "Bullen" auf der Nase rumtanzen kann und Diese schon garnicht mehr ernst genommen werden.

Zitat von Siegfried Hase
In den (öffentlichen) Medien wurde zu über 90 % stets NUR die Darstellung der Polizei von den aggressiven, besoffenen, gewalttätigen Punks verbreitet. Das das nicht so war weiß JEDER der zu der Zeit in Hannover war. Viele Leute (Stinos) haben das auch so gesehen. Wenn aber 10 mal im Fernsehen nach einer Eskalation, die ihre Gründe im o. a. Gesamtzusammenhang hat, nur der 'geplünderte' Penny-Markt gezeigt wird, dann glaubt's der Rest der Welt irgendwann mal.


Und was hat ein geplünderter Penny mit ner Kundgebung zu tun? Das ist ja noch nicht mal "nur" Vandalismus, sondern schwerer Raub.

Zitat von Siegfried Hase
Darf ich zum 'rudelweisen Auftreten von Punks' mal bemerken, daß es so Wandervereine gibt, die als Horden in die Natur einfallen und z. B. als 'Schwarzwaldverein' alljährlich an Sommer- und Herbstsonntagen den Wald heimsuchen. Wäre ich ein Reh (und als Hase natürlich auch) fühlte ich mich durchaus bedroht!
Auch die Touristenhorden, die gerade in diesen Urlaubstagen wieder Deutsche Städte heimsuchen sind nicht jedermanns Sache. Warum stören da also z. B. fünf Punks die es sich auf der Parkbank am örtlichen Marktplatz bequem gemacht haben???


Weil der Schwarzwaldverein und die Touris nicht jeden anbetteln, grölen und Ihre Umgebung mit zerdepperten Flaschen übersähen (was schon alleine jedem BFler aufstossen müsste)was aber z.B. die von Dir genannten 5 (meist jedoch 20-25) Punks auf der Königsstrasse am Schlossplatz in Stuttgart und auch anderswo tun.

Das sollte jetzt kein Angriff auf die von Dir gelobte Punkszene sein, wie gesagt, ich war früher selbst in Dieser unterwegs. Ich habe sie aber mit zunehmendem Alter verlassen, da ich bemerkte, das die Szene, mitsamt ihren Einstellungen auch nicht das "neuerfunde Rad" ist.
Klar auch die Hippies haben seinerzeits "Anarchie" geschrien, wie die Punks auch, aber irgendwann mussten alle sich eingestehen, das eine so große Gesellschaft, wie sie die Menschheit nun mal ist, nicht in einer anarchischen Form überleben kann, dazu besitzt sie einfach zu viele verschiedene Facetten..

Gruß Engel


Manfred (Ten) ( gelöscht )
Beiträge:

05.08.2009 09:51
#15 RE: Generationengedanken Zitat · antworten

oh oh oh ...

"solange nix passiert machen wir auch nix".

Ja !!!

"Klar, soll die Polizei so auch reagieren, wenn das nächste mal ne Nazigruppierung ne Kundgebung macht? Was daraus entstehen kann haben wir ja vor ca 70 Jahren gesehn."

Was daraus entstehen kann, wenn der Staat/die Polizei selbst jeden rechtssstaatlichen Grundsatz verlässt ist Dir, lieber Engel, auch klar ? Auch das hatten wir bereits vor 70 Jahren !!!
Auch "Schutzhaft" und so...

"Und daran sind sie auch selbst schuld"

NUR weil sie so aussehen ? Das ist Grund genug ??? Hatten wir auch schon vor 70 Jahren! Oder müsste man nicht konkrete STRAFTATEN als Anlass für Restriktionen nehmen ?

und

"Klar sind das unmenschliche Behandlungsmethoden gewesen, aber die mussten nicht nur die Punks erleben, sondern in noch verschärfter Form auch schon die Demonstranten gegen den Schah von Persien am 2. Juni 1967, als noch die Parole "Knüppel frei" gegolten hat."

Und DAS rechtfertigt es ????? War ja schon früher so ?
In Freiburg wurde einer Frau, die zufällig in einen "Kessel" geriet bei einem epileptischen Anfall zunächst trotz massiver Proteste der Umstehenden weder die Kabelbinder abgenommen noch Hilfe gewährt !

Damit kein Missverständnis entsteht: Ich bin gewaltfrei links eingestellt (so lange auch der Staat seine eigenen Rechtsgrundsätze einhält !)

Aber was derzeit immer mehr in Mode kommt (siehe Freiburger Methoden, pauschal und vorbeugend Allgemeinverfügungen zu erlassen und harmlose Leute damit auch mit Restriktionen zu überziehen weil man NICHT FÄHIG ist die GELTENDEN Gesetze durchzusetzen) ist erstens ein Zeichen von Hilflosigkeit, zweitens eine Arroganz der Macht und drittens einer Demokratie unwürdig

Man braucht z. B. kein allgemeines Alkoholverbot in der Innenstadt - schon garnicht, wenn die Wirte im Aussenbereich davon ausgenommen sind - dann wird es zur puren Heuchelei (!), denn es gibt bereits genügend Handlungsspielraum, um gegen Randalierer/Schläger vorzugehen. Stattdessen werden harmlose Vierteletrinker auf dem Brunenrand jetzt auch kassiert...

Übrigens haben vor nicht allzulanger Zeit die BÜRGER vorgemacht wie es auch und besser geht: Als ein Naziaufmarsch in Freiburg geplant war haben BÜRGER das ganz gewaltfrei (!) verhindert, indem sie den Bahnhof und die umliegenden Strassen allein durch ihre Masse so blockiert haben, dass die Nazis garnicht zu ihrer Demo kamen und ziemlich bedeppert wieder abziehen mussten....

Andererseits, wenn eine Demo - geht sie mir auch noch so gegen denn Strich - legal ist, dann muss und werde ich sie hinnehmen. Auch DAS ist Demokratie ! Und hätten Demonstranten diesen besagten Aufmarsch mit Gewalt (!!!) verhindert, dann entspreche es auch meinem Demokratieverständnnis, dass die Polizei die Durchführung ermöglichen muss - völlig unabhängig vom Thema der Demo.


Siegfried Hase Offline




Beiträge: 454
Punkte: 413

05.08.2009 10:05
#16 RE: Generationengedanken Zitat · antworten

Salut engel!

Zu keiner Zeit habe ich behauptet, daß alles in der Punk-Szene richtig war und/oder ist. Aber soooo falsch ist und war sehr vieles dann auch wieder nicht!

Zitat von Engel

Klar, soll die Polizei so auch reagieren, wenn das nächste mal ne Nazigruppierung ne Kundgebung macht? Was daraus entstehen kann haben wir ja vor ca 70 Jahren gesehn.


Das ist einer der sehr wenigen Punkte, bei denen ich das anders sehe als das Gros der Punk-Szene. Ich meine, auch die Nazis sollen demonstrieren dürfen. Getreu dem Motte:"Stell' Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin" würde eine Nazi-Demo die unbeachtet bleibt den Nazis nix nützen!

Zitat von Engel
Und daran sind sie auch selbst schuld, wenn man sich Jahrelang als Bollwerk auf jeder Demo betätigt hat, egal um was es ging, kann es schon passieren, das die Obrigkeit nen falschen Eindruck bekommt


Hier möchte ich aber sagen, daß seitens der anderen Demo-Teilnehmer oft die Punks die 'Drecksarbeit' machen dürfen - da hat Normalo dann nix dagegen!

Zitat von Engel
Und was hat ein geplünderter Penny mit ner Kundgebung zu tun? Das ist ja noch nicht mal "nur" Vandalismus, sondern schwerer Raub.


Nicht ganz ungern mischen sich auch Autonome unter die Punks und 'misbrauchen' diese. Denn Automaten (ähm Autonome) sehen das mit dem Penny-Markt anders als Punks!!!! Für Punks gilt Raub = Raub. Auch beim penny-Markt. In den Medien kam das dann so rüber, daß die Punks die Scheiben eingeworfen haben, was meines Wissens nach nicht stimmte, leider haben dann aber auch ein paar Punks umsonst eingekauft.

Zitat von Engel
Weil der Schwarzwaldverein und die Touris nicht jeden anbetteln, grölen und Ihre Umgebung mit zerdepperten Flaschen übersähen (was schon alleine jedem BFler aufstossen müsste)was aber z.B. die von Dir genannten 5 (meist jedoch 20-25) Punks auf der Königsstrasse am Schlossplatz in Stuttgart und auch anderswo tun.



Na ja, 20 -25 Leute auf einem Haufen dürften selbst in Stuttgart die Ausnahme sein. Und was Flaschen im Wald anbelangt, kann ich gern mal an einem x-beliebigen Tag den Müll ordentlicher Wanderer Aufsammeln und Dir nach Hause bringen, keine Angst, wenn mein Kofferraum (VW Golf) voll ist, dann höre ich auf mit aufsammeln!!!!

Zum Schluß möchte ich noch bemerken, daß cih seit Jahren mich genau zur Hardcore-Szene zugehörig fühle. Diese ist definitiv ein Kind der Punk-Szene ist, aber ohne die 'üblichen' Punk-Attitüden wie Frisur und Kleidungsstil. Zudem versuchte und versucht man bei den Hardcores die Welt nach den bescheidenen Möglichkeiten der Einzelnen zum Bessern zu verändern Dabei spielt das freie Denken und der zuvorkommende und Sorgfältige Umgang miteinander DIE zentrale Rolle, wobei man aber jenseits von Religionen oder Systemen denkt und handelt, Gesetze aber möglichst pingelig genau einhält.

Schönen Gruß

Gerold


Jay Offline




Beiträge: 702
Punkte: 695

05.08.2009 10:32
#17 Zu Punks & BF Zitat · antworten

Hi Engel, hi Gerold,
von Punks bietet sich mir (jedesfalls in dieser Sache kein Detail-, geschweige denn Insiderwissen habend) folgendes Bild:

Historisch ist nach meiner Wahrnehmung die Punkszene Ende der 1970er entstanden, als die Rockmusik dann endgültig quasi restlos kommerzialisiert war. Die bekannteste Band waren die "Toten Hosen", deren Chef Blixa Bargeld auch gelegentlich sogar auf Plattencovers BF zu sehen war (der letzte Satzteil könnte falsch sein). Jedenfalls gab´s erst ab dieser Zeit die wirklich total kapuuten Jeans mit Riesenschlitzlöchern, kein Hippie hätte das in der Öffentlichkeit gemacht (will fast heißen: gewagt).

Punks sind meist ausgesprochen fett bestiefelt, es gibt sie aber auch BF (selbstverständlich auch combined mit evtl. farbiger Irokesenfrisur). Letztgenannte haben (möglicherweise stets) kräftige & sehr gesunde Füße, die keinen Zweifel daran lassen, daß ihre Besitzer alles andere als 1x- oder Selten-BFs sind. Oft scheinen sie Hammerzehen zu haben, was aber keine Siefelschädigung ist, sonderen in Wirklichkeit der noch aus Kindertagen erhalten gebliebene Zehengreiftrieb.

Punks scheinen sich in Rudeln wesentlich anders zu verhalten als als Einzelpersonen. Die wenigen Gespräche, sie sich zufallshalber mit Einzelnen (z. B. im Bahnabteil) ergaben, zeigten, daß sie eigentlich ganz normal, umgänglich & aufgeschlossen sind (hierbei ist mir nicht mehr in Erinnerung, inwieweit ich in diesen Fällen mit beschuhten oder BFigen Punks sprach).

Das andere Bild - in diesem Fall durch Rudel bewirkt - ergibt Bierseen & Glasscherbenmeere auf dem nördlichen Bahnhofsvorplatz "meiner" Kleinstadt (der südliche mündet auf den Park- & Ride-Riesenplatz zum Abstellen von 500...1000 4- & 2rädern, wo man kaum gesehen wird). Um die mache ich natürlich einen großen Bogen, auch weil Bier teils an den Füßen später klebt (allerdings weniger als Coca Cola) & auf bestimmten Steinfußböden den bekannten BF-Nässeglätteeffekt (aufgrund dessen Heimtücke das gefährlichste Unfallrisiko bei BF überhaupt) erzeugen kann.

Mehr vermag ich hierzu nicht zu sagen. Nur zwecks Streitprophylaxe @ Engel & Gerold: Bitte die Menschenwürde & Verschiedenartigkeit des jeweils anderen Beitragsautors akzeptieren!

Freundliche BF-Grüße von Jay (& Toleranz gehört ja auch zum BF-Sein mit dazu, wir akzeptieren ja auch, daß sich die Beschuhten im Grunde genommen selbst ständig bestrafen!)

PS: Ich bin den Punks durchaus irgendwo ein klein wenig dankbar. Das, was sie geschaffen haben, verlängert die praktische Brauchbarkeitsdauer meiner Jeans (vielleicht eine versteckte Punk-Restkomponente von mir, obwohl ich mich überhaupt nicht als Punk fühle oder charakterisieren würde): Ich lasse durchaus NICHT ZU GROSSE RISSE (außer am Gesäß) zu...


Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.943
Punkte: 794

05.08.2009 11:14
#18 RE: Zu Punks & BF Zitat · antworten

Zitat von Jay
Historisch ist nach meiner Wahrnehmung die Punkszene Ende der 1970er entstande, als die Rockmusik dann endgültig quasi restlos kommerzialisiert war. Die bekannteste Band waren die "Toten Hosen", deren Chef Blixa Bargeld auch gelegentlich sogar auf Plattencovers BF zu sehen war (der letzte Satzteil könnte falsch sein).


Hi Jay,

hier haste tatsächlich was durcheinandergeworfen: Der Chef der "Toten Hosen" nennt sich "Campino" und hat mit BF ebensowenig am Hut wie seine ganze Band. Blixa Bargeld ist dagegen der Chef der "Einstürzenden Neubauten"; außer ihm tritt auch der Gitarrist Alexander Hacke stets barfuß auf. Das Markenzeichen dieser beiden (die übrigen Bandmitglieder sind beschuht) scheint "Anzug und BF" zu sein, wobei Alexander Hacke aber auch schon mal das Jackett ablegt und dann im Unterhemd weitermacht.

Zitat von Jay
Jedenfalls gab´s erst ab dieser Zeit die wirklich total kapuuten Jeans mit Riesenschlitzlöchern, kein Hippie hätte das in der Öffentlichkeit gemacht (will fast heißen: gewagt).


Auch das hat durchaus einen gewissen Reiz, der aber wiederum nur in Verbindung mit BF zur Geltung kommt. In Verbindung mit fetten Schuhen oder Stiefeln ergibt sich ein gegenteiliger, nämlich nachteiliger Effekt.

Zitat von Jay
Punks sind meist ausgesprochen fett bestiefelt, es gibt sie aber auch BF (selbstverständlich auch combined mit evtl. farbiger Irokesenfrisur). Letztgenannte haben (möglicherweise stets) kräftige & sehr gesunde Füße, die keinen Zweifel daran lassen, daß ihre Besitzer alles andere als 1x- oder Selten-BFs sind. Oft scheinen sie Hammerzehen zu haben, was aber keine Siefelschädigung ist, sonderen in Wirklichkeit der noch aus Kindertagen erhalten gebliebene Zehengreiftrieb.


Ich habe auch schon barfüßige Punks gesehen, aber die sind wirklich äußerst selten.

Zitat von Jay
Punks scheinen sich in Rudeln wesentlich anders zu verhalten als als Einzelpersonen. Die wenigen Gespräche, sie sich zufallshalber mit Einzelnen (z. B. im Bahnabteil) ergaben, zeigten, daß sie eigentlich ganz normal, umgänglich & aufgeschlossen sind (hierbei ist mir nicht mehr in Erinnerung, inwieweit ich in diesen Fällen mit beschuhten oder BFigen Punks sprach).

Das andere Bild - in diesem Fall durch Rudel bewirkt - ergibt Bierseen & Glasscherbenmeere auf dem nördlichen Bahnhofsvorplatz "meiner" Kleinstadt (der südliche mündet auf den Park- & Ride-Riesenplatz zum Abstellen von 500...1000 4- & 2rädern, wo man kaum gesehen wird). Um die mache ich natürlich einen großen Bogen, auch weil Bier teils an den Füßen später klebt (allerdings weniger als Coca Cola) & auf bestimmten Steinfußböden den bekannten BF-Nässeglätteeffekt (aufgrund dessen Heimtücke das gefährlichste Unfallrisiko bei BF überhaupt) erzeugen kann.


Ich selbst habe mit der Punkszene nie Ärger oder so gehabt, und die wenigen Begegnungen und Gespräche mit Punks verliefen durchweg freundlich. Daß sie leider häufig Flaschen zerdeppern, was man auf dem Burgplatz in Düsseldorf immer wieder sehen kann, stört mich allerdings gewaltig, und nicht nur, weil wir Barfußläufer uns an den Scherben verletzen können. Auch Hundepfoten dürften nicht ganz unempfindlich gegen Glasscherben sein, und etliche Punks haben doch ganz augenfällig eine Affinität für Hunde!

@Gerold:
Mein Beitrag, der Deine Kritik erregt hatte, war überhaupt nicht unfreundlich gemeint gewesen. Ich muß freilich zugeben, daß ich meine Informationen über die Chaos- Tage und die dabei angerichteten Verwüstungen nicht aus "erster Hand", sondern überwiegend aus einer bekannten deutschen Tageszeitung hatte, und daß mein (geringes) Wissen über die Punkbewegung ansonsten von den Beobachtungen, die ich hin und wieder im Alltage mache, herrührt.

Barfüßige Sommergrüße,
Markus U.


Jay Offline




Beiträge: 702
Punkte: 695

05.08.2009 11:23
#19 RE: Zu Punks & BF Zitat · antworten

Hi Markus,
danke für die Richtigstellung; es waren in der Tat die "Einstürzenden Neubauten". Das Konglomerat aus unscharfen/durcheinandergebrachten Erinnerungen kam daher, weil mich der Punkrock musikalisch nie interessiert hat. Die BFigen Musiker fielen mir jedoch in einer Zeit wohltuend auf, in der auch die meisten übrigen Musiker in der Pop- & Rockszene verstärkt wieder in Schickimicki & hierzu adäquaten Tretern erschienen (wie in den äußerst BF-kargen 50ern & frühen 60ern).

Einen schönen BF-Tag noch, Jay


Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.943
Punkte: 794

05.08.2009 12:47
#20 RE: Generationengedanken Zitat · antworten

Zitat von Siegfried Hase
Ich meine, auch die Nazis sollen demonstrieren dürfen. Getreu dem Motte:"Stell\' Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin" würde eine Nazi-Demo die unbeachtet bleibt den Nazis nix nützen!


Hi Gerold,

das ist tatsächlich ein wesentlicher Gesichtspunkt, der mir einleuchtet. Im übrigen gehört es zu meinem Demokratieverständnis, daß das Recht auf freie Meinungsäußerung auch abweichenden, abwegigen und mißliebigen Meinungen zugute kommen muß. Grenzt man bestimmte Gruppen aus, dann sehe ich auch darin eine Entliberalisierung der Gesellschaft. Die "Antifa"- Bewegung lehne ich ab, weil sie keine sorgfältig durchdachte Auseinandersetzung mit rechtem Gedankengut vornimmt, sondern sich nur intolerant, verfolgungswütig und inquisitorisch geriert, was auf mich die Wirkung hat, daß mein von jeher starker Widerspruchsgeist aktiviert wird. Bei etlichen sogenannten Gegendemonstranten habe ich den Verdacht, daß sie nur auf Schlägereien aus sind, und "linke" Gewaltbereitschaft hat für mich keinen anderen Stellenwert als "rechte" (man beachte die Anführungszeichen!).

Zitat von Siegfried Hase
Zitat von Engel
Und was hat ein geplünderter Penny mit ner Kundgebung zu tun? Das ist ja noch nicht mal "nur" Vandalismus, sondern schwerer Raub.


Nicht ganz ungern mischen sich auch Autonome unter die Punks und \'misbrauchen\' diese. Denn Automaten (ähm Autonome) sehen das mit dem Penny-Markt anders als Punks!!!! Für Punks gilt Raub = Raub. Auch beim penny-Markt. In den Medien kam das dann so rüber, daß die Punks die Scheiben eingeworfen haben, was meines Wissens nach nicht stimmte, leider haben dann aber auch ein paar Punks umsonst eingekauft.


Dann muß man es den Punks zur Last legen, daß sie sich nicht genug von den Autonomen abgrenzen, was zur Folge hat, daß die Bevölkerung, die sich größtenteils mit den Interna der Szene nicht auskennt und folglich solche Unterscheidungen nicht vornehmen kann, die Autonomen kurzerhand unter die Punks rechnet oder zumindest beide Gruppen "zusammen in einen Topf wirft".

Zitat von Siegfried Hase
Zitat von Engel
Weil der Schwarzwaldverein und die Touris nicht jeden anbetteln, grölen und Ihre Umgebung mit zerdepperten Flaschen übersähen (was schon alleine jedem BFler aufstossen müsste)was aber z.B. die von Dir genannten 5 (meist jedoch 20-25) Punks auf der Königsstrasse am Schlossplatz in Stuttgart und auch anderswo tun.



Na ja, 20 -25 Leute auf einem Haufen dürften selbst in Stuttgart die Ausnahme sein.


Auf dem Burgplatz in Düsseldorf sind es mindestens ebensoviele, wenn nicht noch mehr. Meist sitzen sie jedoch nicht "auf einen Knubbel" alle zuzsammen, sondern verteilen sich auf mehrere Rudel von jeweils 5 bis 10 Personen über den ganzen Platz.

Zitat von Siegfried Hase
Zum Schluß möchte ich noch bemerken, daß cih seit Jahren mich genau zur Hardcore-Szene zugehörig fühle. Diese ist definitiv ein Kind der Punk-Szene ist, aber ohne die 'üblichen' Punk-Attitüden wie Frisur und Kleidungsstil. Zudem versuchte und versucht man bei den Hardcores die Welt nach den bescheidenen Möglichkeiten der Einzelnen zum Bessern zu verändern Dabei spielt das freie Denken und der zuvorkommende und Sorgfältige Umgang miteinander DIE zentrale Rolle, wobei man aber jenseits von Religionen oder Systemen denkt und handelt, Gesetze aber möglichst pingelig genau einhält.


Da sind mir die echten Punks bei allen Vorbehalten doch noch lieber, denn gerade die Aufgabe der genannten Attitüden bezüglich Kleidung und Haartracht (bezieht sich nicht speziell auf Punks, sondern genauso auf Hippies und andere) ist der erste und vielleicht wichtigste Schritt zur Verspießerung. Der typische Spießer nimmt nämlich zuallererst bezüglich Kleidung und Haartracht Anstoß, während alles andere nachrangig ist. Für mich gehören indessen Formen und Inhalte zusammen, denn die ersteren verleihen den letzteren Ausdruck und Sichtbarkeit und wirken somit sinnstiftend. Eine gewisse Kompromißbereitschaft kann zwar manchmal klug sein, aber eine gewisse äußere Abgrenzung zu den Spießern muß es geben (auch um nicht mit diesen in einen Topf geworfen zu werden). Totale Anpassung ist für mich gleichbedeutend mit Kapitulation.

Barfüßige Sommergrüße,
Markus U.


Seiten 1 | 2
 Sprung  
disconnected Foren-Chat Mitglieder Online 1
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen