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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Barfuß und Leben
Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 593
Punkte: 248

14.11.2016 05:35
Aufgefallen Zitat · antworten

Hallo!

Am gestrigen Sonntag unternahm ich (seit langem wieder einmal) eine Wanderung direkt von meiner Wohnungstür aus, und zwar erst entlang der Wigger bis Reiden, dann durch ein Industriegebiet zum Bahnhof Brittnau-Wikon, durch den Ortskern von Brittnau und dann noch ein Stück über teilweise geschotterte Waldwege nach Strengelbach und schließlich zurück nach Hause. Es war wolkiges Wetter bei ca. +4°C, der angekündigte Regen war nicht gekommen. Auch wenn bei derartigen Temperaturen (noch dazu im November) bereits viele Fußgänger mit Handschuhen, fetten Wollmützen, Wintermänteln usw. unterwegs waren, war es für mich kein Grund, mich barfuß, in kurzen Hosen, und vor allem ohne Mütze in Bewegung zu setzen. Einzig eine Trainingsjacke deutete drauf hin, daß auch für mich der Sommer vorbei war.

Und prompt fiel ich einer ca. 55jährigen Frau mit Hund auf! Und das nur ca. 400 Meter von meiner Wohnung entfernt. Als sie mir entgegen kam, rief sie: „Das gibt es doch nicht!“ Ich dachte schon, daß es sich auf meine Barfüßigkeit oder Kurzhosigkeit bezog, aber ich wurde eines Besseren belehrt. „Wo ist denn Ihr Velo?“ Ich sagte: „Ich gehe auch manchmal zu Fuß!“ Sie antwortete: „Dann ist es ja gut! Ich dachte schon, da würde mir jemand anders entgegen kommen!“ Sie wünschte mir noch einen guten Tag, und jeder ging weiter seines Weges.

Vermutlich hätte die Frau nicht auf einen „normal“ gekleideten (und bewischphonten) Fußgänger reagiert, der sonst immer mit dem Velo unterwegs ist. Aber wenn einer öfters mit leichter Kleidung auf dem Velo auffällt, dann fällt es noch mehr auf, wenn plötzlich das Velo fehlt. Peinlich ist mir das übrigens nicht. Mir wäre es wesentlich unangenehmer, wenn ich mal andere Kleidung trage und jemand sagt: „Wassssssss! Heute fett beschuht?“ oder: „Heute militant belanghost?“ oder noch schlimmer: „Wasssss! Mit Mütze?“

In der Tat bin ich in unmittelbarer Nähe meiner Wohnung fiel häufiger barfuß und bekurzhost mit dem Velo anzutreffen als zu Fuß (speziell im Sommer). Denn das Velo benutze ich nicht nur für Velotouren, sondern auch auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Baden an die Aare, zum Bahnhof, wenn ich mit Offtopic-Fahrzeugen verreisen will oder auch nur, um zum Startpunkt einer barfüßigen Wanderung zu radeln. Da ich kein 4rad besitze und nicht alles zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erledigen möchte (ich bin doch kein Krösus), bleibt mir nichts anderes übrig, als das Velo zu benutzen.

Aber ich stehe dazu, das Velo mal nicht zu benutzen. Ganz im Gegensatz zu meinem Vater, der in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts immer das Auto benutzte (ohne Hut, dafür häufig mit Pudelmütze), auch wenn er nur zum Bäcker wollte. Er wollte halt nicht auffallen! Als gelernter Schuhmacher (und später Bauarbeiter) kam barfuß für ihn ohnehin nicht in Betracht. Und kurze Hosen trug er nur, wenn andere Erwachsene es auch taten. Und das Auto benutzte er, damit niemand Bemerkungen machte wie: „Auto kaputt? Führerschein losgeworden? Hast du gesoffen? Hast du kein Geld mehr fürs Benzin?“ Denn damals war (zumindest in Arbeiterkreisen in Norddeutschland) ein Auto etwas, mit dem man angeben konnte. Und Alkohol am Steuer wurde noch als Kavalierdelikt gesehen. Wer auf Alkohol verzichtete, wenn er noch fahren wollte, galt als „Weichei“. Die Zeiten sind zum Glück vorbei. Heute fährt auch mein Vater Velo, obwohl er ein Auto besitzt. Selbstverständlich immer fett beschuht, und auch immer belanghost, weil er die heute modernen unlangen Hosen nicht mag (da sind sich meine Vater und ich AUSNAHMSWEISE einig) und in den echten kurzen Hosen auffallen würde (was er auch nicht mag).

Viele Leute, denen ich auf der Wanderung begegnete, grüßten freundlich. In Strengelbach kam mir eine Familie mit einem Knaben entgegen. Der Junge sagte immer: „Blutt!“, bis die Mutter ihn verbesserte: „Bluttfues!“. Wenige hundert Meter weiter wartete ein etwas älterer Junge mit einem Skatebord an einer Haltestelle auf den Omnibus, er (der Junge, nicht der Bus) war trotz der Kälte barknöchlig und beturnschuht und trug eine unlange Hose unlange Hose (sowie die „obligatorische“ Baseballmütze). Kurz vor meiner Wohnung begegnete ich einer größeren Gruppe Kinder, die sich Richtung Innenstadt begaben. Diese Kinder waren deutlich winterlicher gekleidet als der Junge an der Bushaltestelle. Ein dunkelhäutiges Mädchen stellte mir (im besten Schweizerdeutsch) die berühmt-berüchtigte K-Frage. Dann folgte die Frage, ob ich zu Hause Schuhe habe, was ich (wahrheitsgemäß) bejahte. Dann fragte es: „Und wieso sind Sie dann barfuß?“ „Weil das gesünder ist als die Füße unnötig in Schuhe zu zwängen!“ Und damit war auch das erklärt. Ob das Mädchen (bzw. die anderen Kinder) das begriffen haben, kann ich nicht sagen, denn mein Weg führte in eine Seitenstraße.

Ob bald „richtiger“ Winter kommt? Ich hoffe es nicht, zumindest will ich kein Pflotschwetter, keine mit Streusalz oder Splitt verseuchten Wege (dann rostet mein Velo und Plattfüße sind vorprogrammiert), und auch kein Dauerfrost um -20°C bei starkem Ostwind. Aber gegen eine Wanderung durch frisch gefallenen WARMEN Schnee habe ich nichts einzuwenden, im Gegenteil!

Schöne Grüße
Michael aus Zofingen


Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.943
Punkte: 794

14.11.2016 13:08
#2 RE: Aufgefallen Zitat · antworten

Hi Michael,

das ist mal wieder so ein richtig schöner Bericht aus dem "barfüßigen Alltagsleben"!

Zitat von Michael aus Zofingen
Und prompt fiel ich einer ca. 55jährigen Frau mit Hund auf! Und das nur ca. 400 Meter von meiner Wohnung entfernt. Als sie mir entgegen kam, rief sie: „Das gibt es doch nicht!“ Ich dachte schon, daß es sich auf meine Barfüßigkeit oder Kurzhosigkeit bezog, aber ich wurde eines Besseren belehrt. „Wo ist denn Ihr Velo?“ Ich sagte: „Ich gehe auch manchmal zu Fuß!“ Sie antwortete: „Dann ist es ja gut! Ich dachte schon, da würde mir jemand anders entgegen kommen!“ Sie wünschte mir noch einen guten Tag, und jeder ging weiter seines Weges.



Nun ja, inzwischen dürftest Du in dem kleinen Zofingen so stadtbekannt sein, daß sich von den Einwohnern niemand mehr über Deine Erscheinung wundert.

Zitat von Michael aus Zofingen
Vermutlich hätte die Frau nicht auf einen „normal“ gekleideten (und bewischphonten) Fußgänger reagiert, der sonst immer mit dem Velo unterwegs ist. Aber wenn einer öfters mit leichter Kleidung auf dem Velo auffällt, dann fällt es noch mehr auf, wenn plötzlich das Velo fehlt. Peinlich ist mir das übrigens nicht. Mir wäre es wesentlich unangenehmer, wenn ich mal andere Kleidung trage und jemand sagt: „Wassssssss! Heute fett beschuht?“ oder: „Heute militant belanghost?“ oder noch schlimmer: „Wasssss! Mit Mütze?“



Soweit ich weiß, bist Du doch im Dienst fett beschuht und mit langen Hosen versehen. Und daß Du jemals irgendwo mit einer Mütze anzutreffen wärest, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen!

Zitat von Michael aus Zofingen
In der Tat bin ich in unmittelbarer Nähe meiner Wohnung fiel häufiger barfuß und bekurzhost mit dem Velo anzutreffen als zu Fuß (speziell im Sommer). Denn das Velo benutze ich nicht nur für Velotouren, sondern auch auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Baden an die Aare, zum Bahnhof, wenn ich mit Offtopic-Fahrzeugen verreisen will oder auch nur, um zum Startpunkt einer barfüßigen Wanderung zu radeln. Da ich kein 4rad besitze und nicht alles zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erledigen möchte (ich bin doch kein Krösus), bleibt mir nichts anderes übrig, als das Velo zu benutzen.



Hier unterscheiden wir uns total: Was ich ohne größeren Aufwand zu Fuß erledigen kann, erledige ich zu Fuß (barfuß und mit langen Hosen). Für Fahrten zum Supermarkt und außerorts (zur Arbeit und zur Kirche) nehme ich zumeist das 4rad. Manchmal benutze ich auch öffentliche Vekehrsmittel, wobei eine gewisse Zurückhaltung durch die nicht gerade günstigen Preise diktiert wird. Mein Velo oder Fahrrad rostet hingegen schon seit Jahren im Keller vor sich hin. Kurze Wege, bei denen es auf die Zeit nicht ankommt, kann ich auch zu Fuß sehr gut erledigen (finde ich angenehmer, als mich auf unbequemem Sitz abzustrampeln), und längere Strekken lassen sich mit dem Auto wesentlich schneller und vor allem bequemer zurücklegen (man sitzt wesentlich angenehmer und ist nicht den Unbilde des Wetters ausgesetzt). Öffentliche Verkehrsmittel haben den Vorteil, daß man nicht selbst steuern muß, und daß sie, wenn es sich um Straßenbahnen handelt, teilweise unabhängig vom Autoverkehr sind (auf eigenem Bahnköper oder unterirdisch). Andererseits sind sie sehr teuer, und man ist vom Fahrplan abhängig, der manchmal eher einem Wunschzettel gleicht.

Zitat von Michael aus Zofingen
Aber ich stehe dazu, das Velo mal nicht zu benutzen. Ganz im Gegensatz zu meinem Vater, der in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts immer das Auto benutzte (ohne Hut, dafür häufig mit Pudelmütze), auch wenn er nur zum Bäcker wollte. Er wollte halt nicht auffallen! Als gelernter Schuhmacher (und später Bauarbeiter) kam barfuß für ihn ohnehin nicht in Betracht. Und kurze Hosen trug er nur, wenn andere Erwachsene es auch taten. Und das Auto benutzte er, damit niemand Bemerkungen machte wie: „Auto kaputt? Führerschein losgeworden? Hast du gesoffen? Hast du kein Geld mehr fürs Benzin?“ Denn damals war (zumindest in Arbeiterkreisen in Norddeutschland) ein Auto etwas, mit dem man angeben konnte. Und Alkohol am Steuer wurde noch als Kavalierdelikt gesehen. Wer auf Alkohol verzichtete, wenn er noch fahren wollte, galt als „Weichei“. Die Zeiten sind zum Glück vorbei. Heute fährt auch mein Vater Velo, obwohl er ein Auto besitzt. Selbstverständlich immer fett beschuht, und auch immer belanghost, weil er die heute modernen unlangen Hosen nicht mag (da sind sich meine Vater und ich AUSNAHMSWEISE einig) und in den echten kurzen Hosen auffallen würde (was er auch nicht mag).



Solche Überlegungen sind mir fremd, denn mein Auto (sowohl das Vorhandensein eines solchen als auch sein Zustand) geht andere Leute nichts an. Wenn es mal in die Werkstatt muß, dann bin ich halt kurzzeitig ohne Auto. Und wenn ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln verreise (was ohne Bahncard 50 deutlich seltener als zuvor der Fall ist - sowohl das Reisen insgesamt als auch der mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegte Anteil), dann steht mein Auto eben friedlich auf dem Parkplatz und verbraucht kein Benzin.

Zitat von Michael us Zofinen
Wenige hundert Meter weiter wartete ein etwas älterer Junge mit einem Skatebord an einer Haltestelle auf den Omnibus, er (der Junge, nicht der Bus) war trotz der Kälte barknöchlig und beturnschuht und trug eine unlange Hose unlange Hose (sowie die „obligatorische“ Baseballmütze).



"Barknöchelig" - das ist wieder ein neues Wort. Ich vermute mal, daß der Junge Sokkenlosigkeitsvortäuschsokken in seinen Turnschuhen trug.

Zitat von Michael aus Zofingen
Ob bald „richtiger“ Winter kommt? Ich hoffe es nicht, zumindest will ich kein Pflotschwetter, keine mit Streusalz oder Splitt verseuchten Wege (dann rostet mein Velo und Plattfüße sind vorprogrammiert), und auch kein Dauerfrost um -20°C bei starkem Ostwind. Aber gegen eine Wanderung durch frisch gefallenen WARMEN Schnee habe ich nichts einzuwenden, im Gegenteil!



Ich kann Frost nicht brauchen, denn dann muß ich heizen (heuer war es bisher noch nicht nötig, aber ich fürchte, daß es das bald wieder sein wird - wie jeden Winter samt Spätherbst und Vorfrühling [ich heize grundsätzlich nur vom 01. November bis 31. März, und dann nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich]). Und wenn Schnee fällt, dann muß ich den wegräumen - das zwar nur jedes siebte Mal, weil es sieben Parteien im Hause gibt, aber jeder muß es einen Tag lang machen, sobald die Reihe an ihn kommt, wenn "Frau Holle ihre Drecksmaschine anwirft". Ich bin zwar momentan an vierter Stelle, aber ich lege eben auch keinen Wert darauf, in der Reihenfolge vorzurükken!

Barfüßige Spätherbstgrüße,
Markus U.


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