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Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

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Dieses Thema hat 27 Antworten
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 Barfuß und Leben
Seiten 1 | 2
Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.943
Punkte: 794

18.05.2017 12:55
Jay geht nicht mehr barfuß oder: barfuß und körperliche Integrität Zitat · antworten

Hi zusammen,

im Zusammenhange mit dem Schicksal eines meiner engsten persönlichen Freunde (und mit dessen ausdrücklicher Billigung) möchte ich Folgendes zur Diskussion stellen:

Wie Ihr wißt, ist Jay, der als früherer Admin wesentlich zum Aufbau und Gelingen dieses Forums beigetragen und es mit zahlreichen guten Beiträgen bereichert hat, schwer an Darmkrebs erkrankt, was bedeutet, daß - sehr wahrscheinlich - in diesen Tagen ein künstlicher Darmausgang gelegt werden muß.

Das würde den Verlust der körperlichen Integrität bedeuten, und aus Trauer darüber hat Jay sich schon vor einigen Wochen entschlossen, nicht mehr barfuß, sondern nur noch mit Schuhen und Sokken zu gehen. Sollte der Verlust der körperlichen Integrität dauerhaft sein, wird Jay nie mehr draußen barfuß gehen und auch allen Barfußtreffen, seien sie klein oder groß, fernbleiben.

Ich respektiere und verstehe diese Entscheidung, möchte aber über dieses Einzelschicksal, welches mir sehr nahegeht, hinaus die Frage stellen:

Ist es stimmig, passend oder schicklich, wenn Menschen, deren körperliche Integrität aufgehoben ist, weil sie an einer Behinderung oder einem Gebrechen, für das es keine Heilung gibt, leiden, die also blind, taub oder stumm sind, im Rollstuhl sitzen oder sich nur mit Rollator fortbewegen können, denen Gliedmaßen fehlen oder die halt einen künstlichen Darmausgang haben, in der Öffentlichkeit barfuß gehen? Daß sie das Recht dazu haben, wenn sie das unbedingt wollen, und daß man ihnen die Teilnahme an Barfußtreffen unbedingt ermöglichen oder gestatten muß, versteht sich von selbst, aber die Frage nach der Schicklichkeit ist eine andere. Und wo fängt die Beeinträchigung, die das Barfußgehen in der Öffentlichkeit unschicklich oder unpassend erscheinen lassen könnte, überhaupt an?

Barfüßige, nachdenkliche und betrübte Frühlingsgrüße,
Markus U.


drtoivowillmann Offline



Beiträge: 339

18.05.2017 15:24
#2 RE: Jay geht nicht mehr barfuß oder: barfuß und körperliche Integrität Zitat · antworten

Lieber Markus U.:

Deine Frage ging ja nicht an Jay, sonder war allgemein, allumfassend.
Ja, gilt denn nicht heute, das Kranke und Behinderte, soweit sie rein körperlich in der Lage sind und ihr Tun nicht ihre Gesundheit oder Heilung beeinträchtigt,
an buchtstäblich allem ganz normal teilnehmen können, dürfen und sollen und voll willkommen sind, was nicht Kranke aucht tun?
So zumindest sehe ich es in entsprechenden Werbespots fast tagtäglich im Fernsehen: Zauberwort Integrierung!

Ist Krankheit oder Versehrtheit etwas, weswegen man sich schämen muss? Mitnichten!
Hast du nicht selbst irgendwann einmal gesagt, dass du tust, was du willst und nicht danach fragst, was die anderen denken?
Also barfuss immer, egal, ob man gesund oder krank ist!!!

Was haben bloss früher die armen Leute getan, die sich Schuhe nicht leisten konnten, wenn sie krank oder behindert wurden?

Grüsse: Toivo


UlliDO Offline



Beiträge: 79
Punkte: 40

18.05.2017 15:41
#3 RE: Jay geht nicht mehr barfuß oder: barfuß und körperliche Integrität Zitat · antworten

Hallo Markus,
äußerst übel was man da über Jay erfährt. Nun weiß ich allerdings überhaupt nichts über die Schwere der Krankheit bei Jay aber diese Art Krebs ist doch heute eigentlich recht gut behandelbar.

Aber um auf deine Fragestellung einzugehen; ich habe absolutes Verständnis für Jay’s Entscheidung. Es geht dabei eigentlich nicht um das Barfußlaufen sondern um alles was den Spass am Leben ausmacht. Bei einer derartigen Diagnose fällt man in ein Loch und die Lebensfreude ist nicht mehr vorhanden. In einer solchen Situation hat man zu überhaupt nichts mehr Lust, zumindest wär das bei mir der Fall.

Erst gestern habe ich etwas gesehen was mich ziemlich berührte und mich zum Grübeln brachte. Ich sah beim Spülen aus dem Küchenfenster und da kamen 3 Jungs, etwa um die 15 Jahre alt entlang gelaufen. Es war ja ziemlich warm und alle drei hatten kurze Hose bzw. ¾-Hosen an. Alle trugen zwar Schuhe, einschließich Socken nur bei einem dieser Jungs fiel mir etwas auf. Sein linkes Bein sah auf den ersten Blick etwas merkwürdig aus und als ich richtig hinsah stellte ich fest das es gar kein Bein war sondern eine Protese. Ich war erschrocken und fasziniert zugleich. Hatte dieser Junge sein Bein durch einen Unfall oder vielleicht Krebs verloren? Keine Ahnung, aber ich glaube nicht das ihn seine „aufgehobene physische Integrität“ auch nur einen Deut scherte. Liegt aber vermutlich in diesem Fall auch am Alter. Jüngere Menschen gehen mit so etwas anders um als Ältere.


drtoivowillmann Offline



Beiträge: 339

18.05.2017 15:51
#4 RE: Jay geht nicht mehr barfuß oder: barfuß und körperliche Integrität Zitat · antworten

Lieber Markus:

Da ist noch etwas, was dann eher Jay betrifft:
Kein Mensch wird je darüber belogen: von Geburt an sagt man uns, dass wir sterben werden.
Viele erwischt es unverhofft: bei einem Unfall oder im Schlaf, ein Herzanfall irgendwo. Da ist man dann tot und hat keine Zeit mehr zum Nachdenken.

Aber wenn der Tod vorher an unsere Tür klopft und sich uns vorstellt: ich habe noch keinen gesehen, der dabei nicht zusammengeklappt wäre, auch die Mutigsten sind keine Ausnahme!
Nach so einem Erlebnis, selbst, wenn die moderne Medizin uns noch unverhofft eine 2. Chance gibt und wir noch einmal davonkommen: die Menschen sind danach nicht mehr die gleichen, sie verändern sich, jeder auf seine Art.

Weiter will ich mich da nicht einmischen.

Grüsse: Toivo


Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.943
Punkte: 794

18.05.2017 19:59
#5 RE: Jay geht nicht mehr barfuß oder: barfuß und körperliche Integrität Zitat · antworten

Hi UlliDO,

gerade rief Jay mich ein letztes Mal vor seiner Operation, die morgen stattfinden soll und vor der er verständlicherweise sehr große Angst hat, an und er bittet mich, Dir seine große Hochachtung vor Deinem Beitrage auszudrükken und Dir mitzuteilen, daß er (wie ich übrigens auch) immer viel von Deinen Beiträgen gehalten hat. Du hast genau verstanden, was er empfindet.

Auch soll ich Grüße an alle, die ihn schätzen, ausrichten.

Tiefbewegte und etwas beklommene Grüße,
Markus U.


André Uhres Offline




Beiträge: 631
Punkte: 3

19.05.2017 02:24
#6 RE: Jay geht nicht mehr barfuß oder: barfuß und körperliche Integrität Zitat · antworten

Hi Markus,

ich hoffe sehr, dass Jays Operation gut verläuft!

Zu deiner Frage passt wohl diese kleine Erfahrung, die Cédric gerade im französischen Barfußforum erzählt hat, ich übersetze sie hier auf Deutsch:

"Am vergangenen Donnerstag hatte ich meine Zertifizierung, das ist eine Art Prüfung, deren Ergebnis darüber entscheidet, ob ich mit meinem Blindenhund 'Oufti' weiter machen kann oder nicht.
Ich hatte um 10 Uhr einen Termin auf dem Place St Lambert in Lüttich. Als die beiden Prüferinnen mir entgegenkamen, sagte eine von ihnen lachend zu mir, sie hätte Ausschau nach den nackten Füßen gehalten, wodurch sie mir eine Idee gab. Ich war in Flip-Flops und fragte, ob sie nichts dagegen hätten, wenn ich meine Zertifizierung barfuß absolvieren würde, und Joëlle und Valérie sagten mir, es sei überhaupt kein Problem. So ging ich durch die Straßen von Lüttich in direktem Kontakt mit dem Boden, das ist bei mir sehr selten während eines 'ernsten Termins'. Ich habe jede Sekunde genossen! Ich bat die beiden lediglich aufzupassen, ob keine 'große' Gefahr auf meinem Weg wäre, und am Ende waren sie angenehm überrascht, wie sauber die Stadt Lüttich ist. Ich würde nicht sagen, dass ich sie davon überzeugt hätte, dass barfuß gehen das Paradies ist, aber zumindest kann ich mit ihrer Unterstützung rechnen, und das ist schon ein großer Sieg! Es gibt wohl nicht viel sehbehinderte oder blinde Menschen, die lieber barfuß gehen.
Kurz gesagt, es fühlt sich gut an, so wahrgenommen und akzeptiert zu werden, wie man tatsächlich ist!

Es ist wahr, dass es nicht einfach ist, barfuß zu gehen, ohne etwas zu sehen, aber es gibt mir so viel! Ich habe eine bessere Balance, eine bessere Haltung und vor allem, ich erkenne besser den Boden, auf dem ich stehe. Es ist klar, dass ich nicht wirklich schnell gehen kann, dennoch komme ich gut und sicher voran. Und seit Jahren habe ich mich nicht mehr ernsthaft verletzt, ich rechne nicht die kleinen Kratzer, die ich immer noch von Zeit zu Zeit abkriege, aber das ist nichts im Vergleich zu dem Glück, das ich empfinde, wenn ich den Boden unter den Füßen spüre."

Liebe Grüße,
André

PS: "Wie viele wissen, sehe ich nicht viel, und ich verliere langsam aber sicher den kleinen Rest an Sehvermögen, den ich seit meiner Geburt habe. In den letzten Monaten fühlte ich, dass der Abbau immer gewichtiger wird. Seit zehn Tagen verdunkelt sich der Mittelpunkt meines Sehvermögens und die Wahrnehmung von Formen und Farben wird immer mühsamer. Ich habe einen Hass gegen das Leben, ich möchte schreien, aber ich weiß, dass es nichts ändern wird. Das Problem ist, selbst wenn ich vermutete, dass es eines Tages passieren musste, wollte ich immer glauben, ich würde nie damit konfrontiert werden. Und dann ist es auch so, dass ich mich jedes mal erneut anpassen muss, wenn ich einen deutlichen Rückgang spüre. Dann sage ich mir, dass es schlimmere Dinge gibt als mein Schicksal, damit ich die Pille ein wenig leichter schlucken kann, aber es funktioniert nicht wirklich... Ich verlange nicht, bedauert zu werden, das ändert nichts, ich hatte nur das Bedürfnis, ein wenig mit dem Leben zu schimpfen."

PS2: "Obwohl diese Zeit schwierig ist, verspreche ich, alles zu tun um mutig zu bleiben. Und ich bin nicht bereit, euch zu verlassen, ganz im Gegenteil! "


Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 593
Punkte: 248

19.05.2017 06:10
#7 RE: Jay geht nicht mehr barfuß oder: barfuß und körperliche Integrität Zitat · antworten

Zitat von Markus U. im Beitrag #1

Ich respektiere und verstehe diese Entscheidung, möchte aber über dieses Einzelschicksal, welches mir sehr nahegeht, hinaus die Frage stellen:

Ist es stimmig, passend oder schicklich, wenn Menschen, deren körperliche Integrität aufgehoben ist, weil sie an einer Behinderung oder einem Gebrechen, für das es keine Heilung gibt, leiden, die also blind, taub oder stumm sind, im Rollstuhl sitzen oder sich nur mit Rollator fortbewegen können, denen Gliedmaßen fehlen oder die halt einen künstlichen Darmausgang haben, in der Öffentlichkeit barfuß gehen? Daß sie das Recht dazu haben, wenn sie das unbedingt wollen, und daß man ihnen die Teilnahme an Barfußtreffen unbedingt ermöglichen oder gestatten muß, versteht sich von selbst, aber die Frage nach der Schicklichkeit ist eine andere. Und wo fängt die Beeinträchigung, die das Barfußgehen in der Öffentlichkeit unschicklich oder unpassend erscheinen lassen könnte, überhaupt an?


Hallo Markus,

es gibt Leute, die meinen, daß barfuß in der Öffentlichkeit generell "unschicklich" ist. Zu diesen Leuten gehören wir als Barfüßer nicht. Würden wir als Barfüßer der Meinung sein, daß barfuß nur bei "gesunden" Leuten in der Öffentlichkeit schicklich ist, bei "kranken" und "Gebrechlichen" jedoch nicht, dann wären wir genauso verlogen, wenn nicht gar noch verlogener als diejenigen Spießer, die generell der Meinung sind: "Barfuß in der ÖFENTLICHKEIT. Sowas tut MAN nicht!"

Leider beobachtet man allgemein, daß viele Leute etwa das Tragen von bedeckungsarmer Kleidung (z.B kurze Hosen, Miniröcke, Bikini, ärmellose Oberbekleidung, Sandalen - und barfuß würde ja auch unter "bedeckungsarm" fallen) nur denjenigen Leuten zugestehen, die "frei von Makeln" sind (wenn sie sich selber nicht trauen) bzw. "nicht mehr Makel als sie selber" haben (wenn sie sich gerade noch trauen). Und unter "Makel" werden nicht nur Rollstühle, amputierte Gliedmaßen usw. empfunden, sondern auch Dinge wie "zu alt", "zu dick", "falsches Geschlecht". Und das finde ich bedenklich.

Und wieso sind manchmal Leute, die selber gerne "weniger bedeckt" bekleidet sind, intoleranter gegenüber leicht bekleideten Personen mit "unpassender" Figur (oder auch Leuten, die "noch weniger" anhaben als "Leute mit angepaßter Kleidung". Ich vermute, daß es eine gewisse Angst ist. Wenn etwa in einem Betrieb kein strenger Dresscode existiert und im Sommer kommen ein paar Männer in kurzen Hosen, dann sagt keiner was. Wenn dann plötzlich ein 60jähriger übergewichtiger Mitarbeiter mit Krampfadern oder/und Beinprothese auch noch in kurzen Hosen zur Arbeit erscheint, gibt es plötzlich ein Kurze-Hosen-Verbot, und zwar für alle Männer. Und möglicherweise könnte ein gehbehinderter Mensch, der barfuß ist, dazu beitragen, daß andere Leute glauben, das Humpeln wäre ein Folge des Barfußlaufens und müsse darum "aus Sicherheitsgründen" verboten werden.

In der Zofinger Badeanstalt wurde mal ein einbeiniger Mann vom Platz verwiesen, "aus Sicherheitsgründen". Reingekommen war er (in Begleitung von einem Menschen ohne Behinderung) ohne Probleme, da man unter seiner langen Hose seine Prothese nicht erkennen konnte. Stellen denn einbeinige Menschen im Schwimmbad ein größeres Sicherheitsproblem da als kleine Kinder, die gar nicht schwimmen können und während der Zeit, wenn die Eltern im Wasser sind, von Großeltern überwacht werden, die ebenfalls nicht schwimmen können? Der "Sicherheitsgrund" war nur ein Scheinargument. In Wirklichkeit wollten man den gesunden Badegästen den Anblick eines einbeinigen Mannes nicht zumuten.

Nachdenkliche Grüße
Michael aus Zofingen


Dieter (Bochum) Offline




Beiträge: 681

19.05.2017 18:06
#8 RE: Jay geht nicht mehr barfuß oder: barfuß und körperliche Integrität Zitat · antworten

Liebe Barfußfreunde,

viele von Euch kennen mich ja jetzt schon lange und wissen noch,
was ich, besonders in meiner Zeit des "Rotters" und "Freiers", oft
lesen musste.

Gibt es vielleicht auch mal so etwas wie Nachdenklichkeit, wenn jetzt
auch mal Andere Leid erfahren, so dass man dadurch vielleicht auch meinen
Leidensweg besser respektieren lernen kann, oder wird meine Frage jetzt
eher wieder als unangenehm und takt- und pietätlos empfunden?
Ich meine, wir sollten mal Nachdenken lernen und nicht wieder wütend reagieren,
wenn das Schicksal mit dem Zaunpfahl winkt und die Augen öffnen will.
Das ist doch für Christenmenschen eine Selbstverständlichkeit.

Liebe Barfußgrüße von Dieter aus Unna (der immer weniger zu Lachen hat)


Andi53 Offline




Beiträge: 52

20.05.2017 08:20
#9 RE: Jay geht nicht mehr barfuß oder: barfuß und körperliche Integrität Zitat · antworten

Liebe Freunde,
vorab, ich würde mich nicht als Christenmenschen bezeichnen, wenn wir hier schon solche Etiketten verteilen, eher als Atheist. Das hat aber nichts mit mangelnden Respekt vor religiösen Gefühlen und schon gar nichts mit fehlenden Respekt vor fremden Leid zu tun. So denke ich das auch diese Diskussion nicht respektlos ist. Ich kenne auch keinen der Beteiligten persönlich, wünsche aber dennoch von ganzen Herzen, das dunkele Wolken wieder verziehen mögen, genauso wie die Gewitterwolken, die uns gestern hier den Tag beinahe zur Nacht gemacht haben. Heute ist hier wieder strahlender Sonnenschein.
Wie wir alle auf Schicksalsschläge reagieren, und dazu zähle ich schwere Krankheiten, ist wohl etwas sehr individuelles. Es gibt Menschen, die ziehen sich zurück, andere werden da erst Recht aktiv, beginnen irgendetwas neues und versuchen damit gegen ihr Leiden anzukämpfen. Ich könnte mir also vorstellen, das jemand, der schon immer gern barfuß gehen würde, das im Angesicht einer schweren Krankheitsdiagnose gerade tun würde. Nochmals, das ist keinesfalls als Wertung zu verstehen, und ich weiß nicht mal richtig, wie ich selbst reagieren würde. Es ist einfach eine Feststellung, und außerdem bin ich überzeugt, das sich bei jedem auch Rückzug sehr schnell wieder in Aktivität umwandeln kann, natürlich gilt das aber ehrlicherweise auch umgekehrt.

Ich wollte aber eigentlich kurz meine Meinung zur "Schicklichkeit" von Barfußgehen beschreiben, denn davon sind ja wohl fast alle Betroffen, vielleicht bis auf eine Minderheit, die es auch geben mag, und denen die Meinung der Mitmenschen tatsächlich völlig egal ist. Ich selbst gehe barfuß, wenn ich ein gutes Gefühl dabei habe. Um dieses gute Gefühl zu haben, sollte ich möglichst viel barfuß unterwegs sein, da das einen gewissen Trainingseffekt bringt. Aber wenn ich von vorneherein weiß, das sich dieses gute Gefühl nicht einstellt, tue ich es nicht. Das kann durchaus eine körperliche Unpässlichkeit sein, aber auch örtliche und klimatische Bedingungen oder auch, das ich mich in einer bestimmten Umgebung oder Gesellschaft so nicht wohl fühle. Klassisches Beispiel für letzteres im Theater oder auch in einem Sternerestaurant.
Das ist aber mein authentisches Gefühl, also das eines Mannes der Generation Ü60. Wer jetzt jünger oder noch älter ist, sich in irgendeiner Form gehandicapt fühlt, untrainiert, von mir aus auch stark übergewichtig, sollte genauso ein Gefühl dafür entwickeln was für ihn "schicklich" ist, das kann wesentlich freizügiger oder auch restriktiver sein. Irgendwie ist es wohl eine Voraussetzung, das wir mit uns da selbst im Reinen sind, das uns auch andere akzeptieren. Dann stellt sich diese Frage der "Schicklichkeit" vielleicht gar nicht mehr, immer vorausgesetzt wir bewegen uns in dem von der Gesellschaft vorgegebenen gesetzlichen Rahmen.
Liebe Grüße und nochmals alles Gute an alle, denen es im Moment nicht so gut geht,
Andi


Dieter (Bochum) Offline




Beiträge: 681

20.05.2017 13:09
#10 RE: Jay geht nicht mehr barfuß oder: barfuß und körperliche Integrität Zitat · antworten

Hallo Andi und allesamt,

Du hast vernünftig geschrieben, Andi. Es ist so und es überzeugt.
Es ist einfach logisch. Jetzt verstehen viele Leute vielleicht
besser, warum ich, zurecht, lebenslang qualvolle Hemmungen habe,
mich öffentlich ungeniert und frei barfuß sehen zu lassen, obwohl
es für mich ein unbedingtes Grundbedürfnis ist, wie das Atmen, der
Schlaf und das Essen und Trinken.
Es ist eben nicht egal, was die Leute von einem Barfüßer denken.
Bei Feindseligkeit, weil man beispielsweise als behinderter Barfüßer
strafend angesehen und als Irrer beschimpft und verspottet und von
aggressiven und intoleranten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
als zu vergasender Auschwitz-Krüppel bezeichnet wird, kann kein Barfuß-
Genuss aufkommen.
Dann erstarrt man und verkrampft sich innerlich. Jeder Betroffene.
Absolut jeder.
Weil ich dies zu vermitteln versuchte, bin ich hier
als "Rotter" niedergemacht worden. Z.B. ein Zausel meinte, Sinn gemäß,
wer sich als Barfüßer beleidigt fühle, sei paranoid.
Jetzt stellt sich auch für Andere die Frage, ob es wirklich immer möglich
ist, unbefangen öffentlich barfuß sein zu können. Auch Zausel und Co. werden
diese Erfahrung früher oder später machen. Vielleicht werden sie sich dann
mal bei mir entschuldigen. Ich litt unnütz zusätzlich darunter.
Ich meine, intelligente, erwachsene Menschen urteilen nicht so wie Zausel.
Einige haben vielleicht bisher zu wenige schlechte Lebenserfahrungen und
vermögen nicht differenziert und objektiv zu urteilen, obwohl sie Akademiker
sind und ich als dummer Nicht-Abiturient und Nicht-Akademiker angesehen werde,
wie oft, Sinn gemäß, von einigen geschrieben wurde.
Wir müssen lernfähig sein und uns im Leid läutern lassen.

Liebe Barfußgrüße von Dieter aus Unna


kerstin Offline

Admina


Beiträge: 1.923
Punkte: 1.181

21.05.2017 10:53
#11 RE: Jay geht nicht mehr barfuß oder: barfuß und körperliche Integrität Zitat · antworten

Hi Markus,

heute habe ich endlich Zeit, etwas zu schreiben. Mir geht das Schicksal von Jay auch sehr nahe, und ich hoffe und wünsche ihm, daß es mit der Operation doch nicht so wird, wie man denkt. Ein künstlicher Ausgang ist nicht schön, doch er lebt, was sehr wichtig ist. Er ist auch mein engster persönlicher Freund und kann es irgendwie verstehen, daß er das, was ihm immer Spaß und Freude machte, nicht mehr ausüben möchte: das Barfußlaufen. Mir ging das während meiner schweren Depressionen nicht anders. Gut, das kann man nicht vergleichen mit dem, was der arme Jay durchmachen muß. Ich will ihn auch wieder anrufen, doch das wird wohl diesen Monat nichts werden, da ich mein Handy erst wieder aufladen muß. Dies ist mir derzeit aus finanziellen Gründen nicht möglich.

Ohne Jay wäre dieses Forum nicht zu dem geworden, was es heute ist. Das Gestalten des Forums war mein Werk, aber Jay hatte u.a. die vielen schönen Beiträge aus dem Forum von Helianthe portiert, damit sie nicht verloren sind. Dies sind wertvolle Beiträge, die ich hier nicht missen möchte. Schade, daß Jay nicht mehr an Treffen teilnehmen möchte. Es ist doch völlig unwichtig, ob er er nun barfuß oder beschuht erscheinen würde. Es geht hier um das Treffen von Freunden, und da ist m.E. Barfuß völlig nebensächlich. Ich selbst sah Jay das letzte Mal in der Münchner Klinik, wo ich operiert wurde, doch leider war ich an diesem Tag nicht gut drauf.

Was Dein letzter Passus betrifft, meine ich, daß es trotz Gebrechen stimmig wäre, was das Barfußlaufen betrifft. Ich meine, das Thema Schicklichkeit ist hier fehl am Platze, denn jeder Mensch hat das Recht, das zu tun, was er möchte - es sei denn, es wäre sittenwidrig oder so. Das kann man aber beim Barfußlaufen nicht behaupten. Ein jeder Mensch besitzt eine Würde, die unantastbar ist, und wenn man sich bei irgendwelchen Aktivitäten wohl fühlt, warum denn nicht!? Darum finde ich Deinen letzten Satz "Und wo fängt die Beeinträchigung, die das Barfußgehen in der Öffentlichkeit unschicklich oder unpassend erscheinen lassen könnte, überhaupt an?" völlig stimmig. Jedenfalls wünsche ich Jay die Kraft, dies alles durchzustehen und daß er wieder gesund wird.

Nachdenkliche Grüße

Kerstin






Non est ad astra mollis e terris via


Andi53 Offline




Beiträge: 52

21.05.2017 11:25
#12 RE: Jay geht nicht mehr barfuß oder: barfuß und körperliche Integrität Zitat · antworten

Lieber Dieter,
nur eine kurze Bemerkung zugegeben an eigentlichen Thema etwas vorbei: Es gibt nun mal Menschen, denen ist die Reaktion ihrer Mitmenschen völlig gleichgültig. Die sollten dann aber andere, denen das nicht gleichgültig ist, also Menschen wie du oder ich, keinesfalls als paranoid bezeichnen, das ist tatsächlich eine Dummheit. Aber genausowenig kann man diesen Menschen generell mangelnde Intelligenz vorwerfen. Pauschalisieren hilft niemanden weiter, auch nicht agitieren, Menschen sind eigentlich wie sie sind.
Wenn du wegen deiner Barfüßigkeit besonders angegriffen wirst ist es für dich natürlich schwierig, das kann ich nachvollziehen. Ich selbst lebe in einer Kleinstadt und fühle mich zwar gelegentlich etwas belächelt, aber bisher nicht angegriffen. Und erwarte das eigentlich auch nicht. Ohne jetzt aber zu wissen warum die Reaktionen unserer lieben Mitmenschen so verschieden sein können.
LG Andi


Dieter (Bochum) Offline




Beiträge: 681

21.05.2017 14:31
#13 RE: Jay geht nicht mehr barfuß oder: barfuß und körperliche Integrität Zitat · antworten

Hallo Andi,

auch ich bin der Meinung, dass jeder Greis und jede Greisin und alle Behinderten,
natürlich auch Einbeinige, öffentlich barfuß sein dürfen.

Ich halte Barfüßigkeit für den Normalzustand der Menschen, zumindest an wärmeren Tagen.
Es ist genauso normal wie nackte Hände, bei jedem Menschen.
Natürlich sehen hübsche Menschen besonders ansehnlich aus, meistens auch barfuß.
Aber auch nicht schöne Menschen dürfen selbstverständlich barköpfig, barhändig und
barfüßig sein. Ganz nackt oder barbrüstig finde ich nicht so toll, zumindest nicht
bei mir.

Gestern war ich vom Kurpark in Unna-Königsborn aus barfuß zur S-Bahn Unna West gegangen,
wo ich gleich von "asozialen" Schulkindern umringt wurde (das passiert mir sehr oft),
die auf der abgelegenen S-Bahnstation frühreifen Geschlechtsverkehr ausführten.
(Die Station wird, besonders am Wochenende, oft dafür missbraucht.)
Die Kinder kamen zu mir und stellten mir allerhand intime Fragen, auf die ich aber
selbstverständlich nicht einging. Ich wurde aber wegen meiner Barfüßigkeit nicht verspottet.
Wie selten wurde ich auch den ganzen Tag barfuß in Ruhe gelassen, auch als ich mit der S-Bahn
fuhr und durch Massen und weiträumig durch Unna und dann nach Hause ging.
Den ganzen Tag begegneten mir, wie an jedem Wochenende, frühreife Kinder, die teilweise
öffentlich Intimverkehr hatten. Ich ignorierte das selbstverständlich, und die fragten nur,
ob ich nicht mal in Scherben treten würde, was ich verneinte.
Man darf ja mit solchen frühreifen Kindern nicht zu viel sprechen, denn dann könnte man hinterher
als pädophil verleumdet werden. Da muss man verdammt aufpassen.
Die kommenden Tage, vielleicht morgen, werde ich mal barfuß durch Melle in Niedersachsen wandern.
Ich begegne auch in Unna jetzt öfter Barfüßigen, zurzeit jüngeren Leuten. Zeitweise sind aber
besonders ältere Männer barfuß unterwegs. Alte Frauen gehen jedoch meist nur vor ihrer Haustür
barfuß.
Abschließend möchte ich, vielleicht zum eigentlichen Thema passend, auch noch erwähnen, dass
ich eine metabolische Azidose habe, die meinen Körper vergiftet.
Sollte ich deshalb nicht mehr barfuß sein?

Liebe Grüße von Dieter aus Unna


MarcelHR Offline




Beiträge: 587
Punkte: 228

25.05.2017 03:26
#14 RE: Jay geht nicht mehr barfuß oder: barfuß und körperliche Integrität Zitat · antworten

Zitat von Markus U. im Beitrag #1

Ich respektiere und verstehe diese Entscheidung, möchte aber über dieses Einzelschicksal, welches mir sehr nahegeht, hinaus die Frage stellen:

Ist es stimmig, passend oder schicklich, wenn Menschen, deren körperliche Integrität aufgehoben ist, weil sie an einer Behinderung oder einem Gebrechen, für das es keine Heilung gibt, leiden, die also blind, taub oder stumm sind, im Rollstuhl sitzen oder sich nur mit Rollator fortbewegen können, denen Gliedmaßen fehlen oder die halt einen künstlichen Darmausgang haben, in der Öffentlichkeit barfuß gehen? Daß sie das Recht dazu haben, wenn sie das unbedingt wollen, und daß man ihnen die Teilnahme an Barfußtreffen unbedingt ermöglichen oder gestatten muß, versteht sich von selbst, aber die Frage nach der Schicklichkeit ist eine andere. Und wo fängt die Beeinträchigung, die das Barfußgehen in der Öffentlichkeit unschicklich oder unpassend erscheinen lassen könnte, überhaupt an?
Markus U.


Hallo Barfüsser

Ist ja schon wieder eine Weile vergangen. Ich hoffe die OP von Jay verlief gut und ich wünsche ihm viel Kraft die weiterhin sehr schwieirge Zeit zu überstehen.

Und nun zur Frage von Markus.

Ich persönlich habe Mühe Jays Entscheidung nicht mehr barfuss zu gehen zu verstehen. Selbstverständlich akzeptiere ich diese, keine Frage. Aber die Begründung dies quasi als Folge seiner Krankheit zu tun ist mir zu undurchsichtig. Viel zu weit hergeholt und gibt mir das Gefühl, dass da andere Gründe dahinter stecken.
Die gehen mich überhaupt nichts an und es ist die alleinige Entscheidung von Jay barfuss zu gehen oder nicht. Darum möchte ich auch nicht weiter darauf eingehen.
Schade, sehr schade, ist es trotzdem. Sowieso bedaure ich schon seit langem Jays ausgesprochen wertvollen Beiträge hier im Forum. Doch auch das, ein anderes Thema.

Ja, man braucht wohl viel Mut, mindestens ein gutes Selbstvertrauen, oder Verzweifung..., Dinge in der Öffentlichkeit zu tun von denen man weiss, es ist nicht unbedingt schicklich. Barfuss in der Öffentlichkeit zu sein gehört wohl dazu.
Was ich damit ausdrücken möchte, auch ohne irgendwelches optisch erkennbares Gebrechen ist es für den grössten Teil der Bevölkerung wohl unschicklich wenn wir uns mit unseren nackten Füssen unter ihnen bewegen.
Noch unverständlicher wird es für unsere Mitmenschen dann, wenn man auch mit Schuhen "optisch" nicht ins Bild passt.
Markt man ja schon wie Menschen mit Beieinträchtigungen, welcher Art auch immer, angeschaut wenn nicht gar angestarrt werden.

Meine Hochachtung deshalb vor Menschen wie Cédric, wie von André im Beitrag beschrieben, die trotz äusserst beschränkter Sehkraft barfuss gehen. So etwas braucht eine gesunde Portion Selbstvertrauen.
Ich selbst kenne ebenfals jemand der kaum sieht und trotzdem immer wieder barfuss geht. Je nachdem halt ob er es für sich vertreten kann oder nicht.
Die Schicklichkeit interessiert ihn nicht.

Es muss jeder für sich selbst entscheiden ob es für ihn selbst Schicklich ist oder nicht. Andi hat das gut für sich beschrieben.
Ich persönlich zeihe in solchen Situationen jedoch meine Barfüssigkeit vor und verzichte gerne, wenn ich dafür Schuhe anziehen soll.

Jeder Mensch muss für sich selber die Entscheidung treffen wie er von der Öffentlichleit wahrgenommen werden möchte.
Man merkt ja auch einigen Beiträgen an, über das gesamte Forum gesprochen, wie sehr ihnen wichtig ist wie sie wahrgenommen werden.
Manche beschreiben gar detailiert jede Reaktion auf ihre Barfüssigkeit von den Mitmenschen.
Mir persönlich fällt diese kaum mal auf. Was mir immer wieder bewusst wird wenn ich in Berlin unterwegs bin. Habe da einen lieben Freund der ebenfalls gerne barfuss geht und ziemlich penibel auf die Reaktionen achtet. Tue ich auch. Aber bloss dann, wenn ich mich beginne unwohl zu fühlen. Morgens früh im Bahnhof wenn das Jungvolk Nachhause geht und ich zur Arbeit und gelegentlich Kommentare hören muss über mein fehlendes Schuhwerk.

Wie schwierig muss dies für Menschen sein die sowieso schon "auffallen". Und sei es "nur" deshalb, weil sie missgebildete Füsse haben...
Darum meine Hochachtung allen gegenüber die sich drüber hinwegsetzen und das tun was sie gerne tun möchten. Barfuss sein!

Frühlingshafte Barfussgrüsse
Marcel


Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.943
Punkte: 794

29.05.2017 13:05
#15 RE: Jay geht nicht mehr barfuß oder: barfuß und körperliche Integrität Zitat · antworten

Hi Marcel,

vielen Dank für Deinen Beitrag, der mich - wie schon etliche frühere Beiträge - zum Nachdenken angeregt hat. Was Jay's Operation betrifft, ist diese "planmäßig" verlaufen; es gab also keine Komplikationen. Trotzdem ist Jay unglücklich und bezeichnet die Operation als "Umbau zum Krüppel".

Indessen kann ich Jay gut verstehen, denn wenn ich in den vergangenen Jahren verletzt war (einmal an der linken Hand, einmal am linken Fuß, jeweils infolge von Stürzen), mochte ich auch nicht barfuß sein. Als die Hand bandagiert war, trug ich geschlossene Schuhe, und als mein Fuß verstaucht war, waren mir sogar Flipflops peinlich (mehr Schuh ging leider nicht, weil mein geschwollener Fuß nicht reinpaßte). Sowohl bei Jay als auch bei mir ist barfuß dermaßen mit Lebensfreude assoziiert, daß wir nicht barfuß sein mögen, wenn diese aufgehoben ist, wobei ein entscheidender Unterschied darin besteht, daß meine Verletzungen jeweils nach ein paar Tagen verheilt waren, während Jay's körperliche Integrität vielleicht dauernd aufgehoben ist. Hinzu kommt, daß Jay in der letzten Zeit verständlicherweise viel geweint hat und die Tränen bisweilen auch in der Öffentlichkeit nicht zurückhalten konnte, und weinend barfuß zu gehen, ist seiner Meinung nach nicht stimmig und paßt nicht zusammen - und für mich ist es auch nicht "der wahre Jakob".

Freilich gibt es keine allgemeingültige Regel, nach der die Barfüßigkeit von Menschen, deren körperliche Integrität aufgehoben oder sichtlich beeinträchtigt ist, generell nicht stimmig, unschicklich oder unpassend wäre. Letztlich muß das jeder für sich entscheiden und es respektieren, wenn sich ein anderer in einer vergleichbaren Situation anders entscheidet.

Von daher teile ich auch die Hochachtung für Cédric, der trotz seiner schweren Sehbehinderung unverdrossen barfuß geht und sogar das traditionelle Barfußtreffen in Lüttich (bei dem ich nicht zugegen war) erfolgreich geleitet hat.

Du beschreibst ganz richtig, daß es vielen Menschen wichtig ist, wie sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Mir gefällt es natürlich nicht, wenn ein Vater seinem Sohne auf die Frage, warum ich barfuß gehe, erklärt, ich sei ein Gammler, oder eine Mutter ihrer kleinen Tochter auf die gleiche Frage sinngemäß antwortet, daß ich obdachlos sei ("Der arme Mann hat kein Zuhause", hab' ich tatsächlich so erlebt), aber letztlich ist es mir egal, was irgendwelche Passanten denken, wil ich in erster Linie für mich selbst barfuß gehe. Andererseits kann es aber gerade deshalb auch sein, daß ich die Frage, ob barfuß in der Öffentlichkeit angebracht erscheint, bei aufgehobener körperlicher Integrität für mich anders beantworte; so kann ich mir zumindest momentan nicht vorstellen, im Rollstuhl, wenn von "Barfußlaufen" gar nicht die Rede sein kann, barfuß sein zu wollen.

Gebe Gott, daß ich nicht in eine solche Situation kommen möge!

Barfüßige Frühlingsgrüße,
Markus U.


Dieter (Bochum) Offline




Beiträge: 681

29.05.2017 17:55
#16 RE: Jay geht nicht mehr barfuß oder: barfuß und körperliche Integrität Zitat · antworten

Hallo,

ich kenne viele Rollstuhl-Fahrer, auch solche, die in
Behinderten-Heimen leben, die im Sommer sogar barfuß
von Pflegekräften im Rollstuhl herum gefahren werden.
Das ist zwar kein ästhetischer, attraktiver und
sympathischer Anblick, aber selbstverständlich
dürfen auch Behinderte barfuß sein, wenn sie schwitzen.
Das geht niemandem etwas an, und wer sich davor ekelt,
kann das taktvoll übersehen oder wegsehen.
Hier wurde mir sehr oft vorgehalten, dass ich barfuß
gehe, um zu gefallen und anerkannt zu sein, und jetzt
zeigt sich, viele empfinden ja ebenso, obwohl sie mich
deshalb immer getadelt haben.
Guck mal einer an... Jetzt kommt es raus...

Liebe Barfuß-Grüße von Dieter aus Unna


André Uhres Offline




Beiträge: 631
Punkte: 3

29.05.2017 18:52
#17 RE: Jay geht nicht mehr barfuß oder: barfuß und körperliche Integrität Zitat · antworten

Ich finde, jeder soll und darf barfuß sein, wenn er das Gefühl hat, dass es ihm gut tut. Das ist auch so bei Cédric, von daher kann bei ihm von Beharrlichkeit eigentlich keine Rede sein, eher von Nutznießung und Spaß. Einen Vorteil scheint er aber zu haben: er schert sich wohl einen Dreck um die Blicke der Leute .


drtoivowillmann Offline



Beiträge: 339

30.05.2017 11:47
#18 RE: Jay geht nicht mehr barfuß oder: barfuß und körperliche Integrität Zitat · antworten

Zitat von Dieter (Bochum) im Beitrag #16
Hallo,

ich kenne viele Rollstuhl-Fahrer, auch solche, die in
Behinderten-Heimen leben, die im Sommer sogar barfuß
von Pflegekräften im Rollstuhl herum gefahren werden.
Das ist zwar kein ästhetischer, attraktiver und
sympathischer Anblick, aber selbstverständlich
dürfen auch Behinderte barfuß sein, wenn sie schwitzen.
Das geht niemandem etwas an, und wer sich davor ekelt,
kann das taktvoll übersehen oder wegsehen.

Liebe Barfuß-Grüße von Dieter aus Unna


Bravo, bravo!!!

Gruss: Toivo


Dominik R. Offline

Admin


Beiträge: 1.397
Punkte: 708

30.05.2017 22:11
#19 RE: Jay geht nicht mehr barfuß oder: barfuß und körperliche Integrität Zitat · antworten

Hallo,
ich glaube Jay zu verstehen, zum Barfußlaufe gehört zumindest ein Stück Lebensfreude, er befürchtet die nach diesem Eingriff überhaupt nicht mehr zu haben.
Und das ist weitaus schlimmer, als die Aussage nicht mehr barfuß laufen zu wollen.
Da sind wir als Freune gefragt.

LG,
Dominik


André Uhres Offline




Beiträge: 631
Punkte: 3

30.05.2017 23:48
#20 RE: Jay geht nicht mehr barfuß oder: barfuß und körperliche Integrität Zitat · antworten

Sollte Jay es tatsächlich schaffen, wieder in Schuhen zu gehen, bewundere ich ihn meinerseits dafür und hoffe sehr, dass er dadurch möglichst ein Stück Lebensqualität für sich zurück gewinnt, oder zumindest sein Schicksal mildert.


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