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Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

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Dieses Thema hat 4 Antworten
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 Barfuß und Leben
Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 589
Punkte: 248

22.09.2017 05:05
Stadtrundgang "Zofingen untendurch" Zitat · antworten

Hallo,
am letzten Mittwoch (20.9.2017) fand in Zofingen ein von der Caritas durchgeführter Stadtrundgang statt. Dieser beschäftigte sich mit dem Thema „Armut in der Schweiz“, betraf also Leute, die „unten durch“ waren.
http://www.caritas-aargau.ch/caritasag/a...urch-rundgaenge

Rechtzeitig traf ich mit dem Velo am Treffpunkt, dem Alten Postplatz in Zofingen ein. Es war ca. 14°C und sonnig, und entsprechend war ich auch gekleidet: blaues Träger-T-Shirt, kurze Hose und selbstverständlich barfuß (und ohne Mütze). Andere Teilnehmer (ca. 30) waren dagegen deutlich winterlicher gekleidet: alle fett beschuht, niemand bluttbeinig, alle mit Jacken oder dicken Pullovern. Drei Männer trugen sogar Mützen. Auch ein Arbeitskollege war unter den Teilnehmern.
Eine Caritas-Mitarbeiterin begrüßte uns und führte uns wenige Meter weiter zum Stadthaus. Früher war es das „Spittel“, in dem die armen Leute in der Frühzeit ihre Bleibe hatten, mehr schlecht als recht. Dann kam der Vergleich zu heute, ob es auch so sein könnte. Nach einigem Erzählen tauchte „zufällig“ eine „Sozialhilfeempfängerin“ auf und erzählte, wie es bei ihr war. Natürlich handelte es sich um keine echte Sozialhilfeempfängerin, sondern um eine Laienschauspielerin, das war auch so angekündigt. Diese Frau ist übrigens auch in der Bildmitte im Link zu sehen. Eine Frau, die zwar „unten durch“ war, aber noch rauchte, was sie auch zugab, daß das teuer war. Aber immerhin trug sie Schuhe, trotz „Armut“.

Sie entfernte sich wieder, und wir gingen über barfuß angenehm begehbares Kopfsteinpflaster zu einem Häuschen am inneren Mauerring. In diesen Häusern hausten früher in arbeitenden Bürger in feuchten Räumen, viele Personen mußten sich einen Raum teilen. Krankheiten waren eher die Regel als die Ausnahme. Wir gingen weiter in die Engelgasse, wo früher eine Weberei war. Als die Technisierung Einzug hielt, wurde der Betrieb unrentabel und der Besitzer mußte Konkurs anmelden. Es gab dann mehr Arbeitslose und Armut. Auch hier tauchten wieder zwei Schauspielerinnen auf. Als wir weitergingen, sagte die Caritas-Mitarbeiterin zu mir: „Jetzt wird es aber frisch!“ Ich antwortete: „Ich bin es gewöhnt.“

Die nächste Station war ein Haus, in dem früher ein Arzt wohnte, der bevorzugt arme Leute behandelte und dabei selber arm wurde, weil er manchmal vergaß, eine Rechnung zu schreiben (so etwas vergessen moderne Ärzte heute nie!“. Die nächste Station war die Kustorei, dort tauchte wieder eine Schauspielerin auf, die eine aufgrund von Burnout arbeitslos gewordene Chefverkäuferin mimte. Hinterher gingen wir noch weiter zu einem Kinderspielplatz vor den Toren der Altstadt. Es wurde thematisiert, daß für Kinder in der Altstadt weniger Platz sei als für Autos. Nun tauchte die erste Schauspielerin wieder auf und sagte, jeder sollte sich mit den anderen absprechen, alle sollten sich in einer Reihe aufstellen, die ärmsten nach links, die reichsten nach rechts. Da sagte mein Arbeitskollege: „Michael, wir müssen uns rechts hinstellen!“ Daß keine vernünftige Reihe zustande kam, überrascht nicht, welcher Schweizer redet schon gerne über das Geld, was er verdient – äh – bekommt. Dann ging die Schauspielerin auf die am „reichen“ Ende stehenden Personen zu und sagte: „ Man erkennt es sofort! Die Reichen fahren die dicksten Autos, essen das teuerste Essen, tragen die schönsten Schuhe…“ Ich zeigte auf meine Nicht-Schuhe und mein Arbeitskollege fing auch an zu schmunzeln.

Zum Abschluß gingen wir noch ins Kirchgemeindehaus, wo es einen Apero gab. Dort wurde ich von manchen Leuten angesprochen. Sie wunderten sich, daß ich das so leicht bekleidet aushalte. Ich wurde noch gefragt, wie lange ich das schon mache und ob es einen bestimmten Grund hätte. Ich antwortete, daß ich durch Verzicht auf fettes Schuhwerk in der Freizeit Knie- und Rückenbeschwerden losgeworden wäre und obendrein so gut wie nie erkältet sei. Vor Zahnschmerzen und Kurzsichtigkeit schütze es jedoch nicht. Weiterhin erzählte ich, daß ich deswegen schon öfters Ärger mit der Polizei bekommen hätte. Darauf antwortete ein Mann, daß die Zofinger Polizei nach neuen möglichen Einnahmequellen suchen müsse, da wegen des dichten Verkehrs es kaum noch möglich sei, die Geschwindigkeit zu überschreiten.

Im Großen und Ganzen hat mir der Rundgang gefallen. Und was bleibt von der Mär „barfuß = Armut“? Alle Schauspielerinnen, die arme Personen mimten, waren fett beschuht. Weil arme Leute auch fett beschuht sind? Oder trugen sie nur deswegen Schuhe, weil sie wenige kälteresistent waren als ich?

Bei einem ähnlichen Rundgang, der offensichtlich bei höher Temperatur stattfand, war es anders.
Man öffne mal den Link und klicke auf „Bilder“.
https://www.google.ch/search?source=hp&q...1.0.70n68yCYNh8
Erscheint da nicht ein Bild, das ähnlich aussieht wie das Bild im ersten Link, nur etwas größer? Und was sieht man dann? Die Frau ist tatsächlich barfuß, allerdings mit Einschränkungen im Sinne der „Ratinger Definition“.

Schöne Grüße
Michael aus Zofingen


drtoivowillmann Offline



Beiträge: 327

22.09.2017 08:04
#2 RE: Stadtrundgang "Zofingen untendurch" Zitat · antworten

Lieber Michael:

Und was bleibt von der Mär „barfuß = Armut“?
In der Tat eine Mär!
Wenn ich höre, wie einige Jouranlisten behaupten, es läge an ihrer "extremen Armut", wenn einige Indios in Südmexiko barfuss gehen, kriege ich das Kotzen. Mit solchen Behauptungen redet man diesen Menschen nur Miderwertigkeitsgefühle ein. Wer will den heutztage schon als "extrem arm" gelten? Noch nicht einmal Indios und schon kaufen sie sich Schuhe! Das früher barfüssige Guatemala ist deshalb auf diese Weise schon zu fast 100 % beschuht worden.
Ist man arm, nur wenn man kein oder fast kein Geld hat? Unsinn: alte Kulturen wissen ihren Alltag oft auch ohne Geld zu meistern. Arm ist, wer nicht genug zum Leben hat oder gerado so über die Runden kommt.
Das geht auch mit Geld auf dem Konto. Etwa in Deutschland gelten Ferseher, Computer und Smartphone als lebensnotwendig, auch wenn man absolut ohne glücklich sein kann.
Mittelamerikanische Indios gehen gut gekleidet, auch wenn sie barfuss sind, weil sie ihre Bekleidung, ganz ohne Geld selber machen. Die meisten sid gut genährt.
Wirklich arme Afrikaner higegen laufen in abgerissenen Sachen und Lumpen herum und zeigen oft Symptome von schwerem Hunger.

Das Bedürfnis Schuhe zu tragen, ist in polaren Regionen berechtigt, bei starken Minustemperaturen erfriert man sonst. Und selbst unsseren Barfuss-Grenzwert von "nur" -12° hält man ohne Erfrierungen nicht unbegrenzt lange aus.

Ansonsten sind Schuhe eine von unserer Gesellschaft anerzogene Pseudo-Notwendigkeit. Wer keine trägt, selbst, wenn das kein Hobby ist, ist noch lange nicht arm.

Barfüssiger Gruss: Toivo


André Uhres Offline




Beiträge: 598
Punkte: 3

23.09.2017 10:29
#3 RE: Stadtrundgang "Zofingen untendurch" Zitat · antworten

Hi Michael,

danke für den interessanten Bericht über einen etwas anderen Stadtrundgang. In meiner Stadt gab mir eine sehr gebildete Passantin einmal Geld für Schuhe. Ich sagte, dass ich gerne barfuß laufe und keine Schuhe kaufen möchte. Aber sie bestand darauf, dass ich das Geld trotzdem annehme! Das Märchen "barfuß=arm" scheint an manchen Orten sehr tief verwurzelt zu sein.

Liebe Grüße,
André


Dieter (Bochum) Offline




Beiträge: 675

23.09.2017 11:58
#4 RE: Stadtrundgang "Zofingen untendurch" Zitat · antworten

Hallo André und allesamt,

wenn viele Leute mir Geld schenken würden, säße ich jeden Tag barfuß vor dem Kölner Dom.

Vor Jahren ist sogar ein nicht barfüßiger Bettler am Kölner Dom zum Multimillionär geworden,

weil er speziell Japaner immer um 5 D-Mark anbettelte und ein Schild umhängen hatte, auf

welchem "I'm for peace" stand.

Wer kennt diesen Fall noch aus dem Fernsehen?

Liebe Grüße von Dieter


Bleifuß Offline



Beiträge: 102

24.09.2017 08:08
#5 RE: Stadtrundgang "Zofingen untendurch" Zitat · antworten

Zitat von Dieter (Bochum) im Beitrag #4
Vor Jahren ist sogar ein nicht barfüßiger Bettler am Kölner Dom zum Multimillionär geworden,
weil er speziell Japaner immer um 5 D-Mark anbettelte und ein Schild umhängen hatte, auf
welchem "I'm for peace" stand.


Es braucht 400k mal 5 Mark um 2M zusammenzubekommen. Wusste nicht dass es so viele japanische Touristen in Köln gibt ;-)

/B


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