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Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

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Dieses Thema hat 5 Antworten
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drtoivowillmann Offline



Beiträge: 354

06.12.2017 09:56
Wo leben wir denn? Zitat · antworten

Freunde.

Das vorliegende Thema berührt uns insofern, als auch wir für uns das Recht in Anspruch nehmen, durch unser öffentliches Barfusslaufen ein von der Mehrheit abweichendes Verhalten an den Tag zu legen.

Gestern sah ich eine folge der Krimi-Serie "In Anderen Umständen". Auch wenn Fernsehkrimis frei erfundene Krminalfälle erzählen, so ist doch für moderne deutsche Krimis typisch, dass sie nebenbei gegenwärtige gesellschaftliche Zustände mit fast jornalistischer Präzision beschreiben und oft auch kritisieren.

Was ich gestern sah, brachte mich zur Weissglut:
Die Komissarin ist ledige Mutter eines Sohnes im sog. "Teen-Alter". Er hat in der Schule mit den Mitschülern Probleme weil er ein "Asperger" ist. Das ist eine mildere Form von Autismus. Aspergers sind immerhin ansprechbar und nur etwas tolpatschig im Umgang mit den Mitschülern.
Im Kindesalter werden solche Personen von den Mitschülern gnadenlos gehänselt, sogar fertiggemacht.

Der Sohn der Komissarin war bis ans Geniale grenzend intelligent und somit durchaus in der Lage, dem Unterricht zu folgen.
Diesmal hatte er, wen wundert's, wieder einmal Krach mit einem Mitschüler, bekam aber von den Lehrern die Alleinschuld.
Er musste eine demütigende Untersuchung einer Schulpsychologin über sich ergehen lassen. Dabei ging es darum, ob er von der Schule flog oder nicht.
Zum Glück war das Ergebnis "Nein!" Trotzdem wurden Sohn und Mutter zu einer Verhaltenstherapie verdonnert.
Der Sohn fragte seine Mutter sogar mit weinerlicher Stimme, ob sie ihn noch liebe, wo er doch anders sei als die anderen. So weit ist es gekommen!

* Jeder Mensch ist, ohne Ausnahme, anders als alle anderen. Das nennt man Individualität. Wer wagt es da, Gott zu spielen und zu entscheiden, welche Individualität noch ok und welche als pervers oder krank anzusehen ist? (Wir reden hier nicht von angeborener Straffälligkeit, die es ja auch gibt!)

* Wer kein Mörder ist und kein Dieb, keine Notzuchtsverbrechen begeht, seine Pflichten tut und seine Steuern zahlt, ist mitnichten seinen Mitmenschen eine Rechenschaft darüber schuldig, wie er sich sonst verhält.
Die freie Entfaltung der Persönlichkeitist ein bei uns garantiertes Grundrecht. Sie wegtherapieren zu wollen, ist ein Verbrechen, selbst, wenn es hier und gang und gebe ist.

* Überhaupt diese Therapien, damit man sich besser anpassen kann: wieso muss der Abweichler lernen, sich anzupassen?
Ist nicht eher die gar nicht schweigsame Mehrheit, die mehr Toleranz und Respekt vor dem Anderen und Andersartigen erlernen muss?

Der II Weltkrieg und der "Holocaust" wird gerne Adolf Hitler allein angelastet. Dabei hat der nur seine Mitmenschen gut studiert und sich einfach der Mechanismen der Massenpsychologie bedient, um ein ganzes Volk zu seinen Komplizen zu machen.
Die damaligen Greuel und Verbrechen sollten Motivation genug sein, Intoleranz und Respektlosigkeit und nicht die Abweichler in unserer Gesellschaft auszurotten.

Es ist schwer, ein ganzes Volk verändern zu wollen. Aber ein Schritt in die richtige Richtung ist der Mut, selbst anders zu sein, egal was all die anderen sagen und die Bereitschaft, gegebenenfalls deswegen unangenehmes über sich ergehen zu lassen, um danach den legalen Kampf gegen das erlittene Unrecht aufzunehmen.

Barfüssiger Gruss: Toivo


André Uhres Offline




Beiträge: 652
Punkte: 3

06.12.2017 10:45
#2 RE: Wo leben wir denn? Zitat · antworten

Lieber Toivo,

in diesem Krimi ist das Verhalten der Lehrer in der Tat äußerst empörend und unentschuldbar. Wie du sagst, es ist in unseren sogenannten "Rechtsstaaten" gang und gebe, Minderheiten im Namen des Rechts zu zerstören. Von Gerechtigkeit kann da wohl überhaupt keine Rede sein, und der Vergleich mit Hitler-Deutschland erscheint mir überaus angebracht. Ob ein "legaler" Kampf gegen diese Missstände aber Aussicht auf Erfolg hat?

Liebe Grüße
André


drtoivowillmann Offline



Beiträge: 354

06.12.2017 10:54
#3 RE: Wo leben wir denn? Zitat · antworten

Liebern André:

Strafanzeige, Zivil-Klage, sobald eindeutig Gesetz verletzt wurde. Ob es klappt oder nicht, halt probieren!
Ansonsten schriftliche Beschwerden, sobald der Gegner aus einer Firma oder einer Behörde kommt.
Ansonsten in aller Form zurechtweisen: "Was bildet ihr euch eigentlich ein? ..."

Barfüssiger Gruss: Toivo


Bleifuß Offline



Beiträge: 124

06.12.2017 21:03
#4 RE: Wo leben wir denn? Zitat · antworten

Zitat von drtoivowillmann im Beitrag #1

* Überhaupt diese Therapien, damit man sich besser anpassen kann: wieso muss der Abweichler lernen, sich anzupassen?
Ist nicht eher die gar nicht schweigsame Mehrheit, die mehr Toleranz und Respekt vor dem Anderen und Andersartigen erlernen muss?



Anpassung ist nötig, um miteinander auszukommen, die eigene Freiheit geht nur so weit wie sie die Anderen nicht einschränkt. Das ist auch eine Art von Respekt. Was man nicht haben muss ist die Überangepasstheit und der vorauseilende Gehorsam. Man darf sich was trauen, und wenn es wirklich falsch war, dann lässt man's dann bleiben.

/B


Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 601
Punkte: 248

07.12.2017 06:03
#5 RE: Wo leben wir denn? Zitat · antworten

Zitat von Bleifuß im Beitrag #4


Anpassung ist nötig, um miteinander auszukommen, die eigene Freiheit geht nur so weit wie sie die Anderen nicht einschränkt. Das ist auch eine Art von Respekt. Was man nicht haben muss ist die Überangepasstheit und der vorauseilende Gehorsam. Man darf sich was trauen, und wenn es wirklich falsch war, dann lässt man's dann bleiben.



Hallo Bleifuß,

so etwas ähnliches soll ja auch Rosa Luxemburg gesagt haben. Nur wo schränkt die eigene Freiheit die des anderen ein? Zweifellos dann, wenn jeder die Farben einer Ampel auf seine Art interpretiert, dann sind bei dem heutigen Verkehr Unfälle vorprogrammiert. Dafür gibt es ja auch die Straßenverkehrsordnung.
Wenn jemand mit dem Zug fährt und die Beine auf den gegenüberliegenden Sitz legt sowie die Nachbarsitze mit Gepäckstücken vollstopft, während andere Leute keinen Sitzplatz haben, dann schränkt er die Freiheit anderer ein. Aber würde er auch die Freiheit anderer einschränken, wenn er sich den letzten Fensterplatz auf der rechten Zugseite (weil rechts die Landschaft schöner ist) mit Blick nach vorn bzl. Fahrtrichtung aussucht, während andere, die es auch wollen, dann genötigt sind, auf der "häßlichen" Seite zu sitzen oder "rückwärts" zu fahren?

Schränkt jemand die Freiheit des anderen ein, wenn im Zug die Mehrheit der Männer lange Hosen, fette Schuhe und keine Krawatte trägt sowie die Nägel nicht lackiert hat, wenn er selber barfuß ist oder eine kurze Hose (oder einen Rock)trägt oder eine Krawatte (oder Fliege) trägt oder lackierte Nägel hat? Von der Andersartigkeit an sich geht ja keine Gefahr aus, aber wenn jemand Angst vor dem Ungewöhnlichen hat, dann ist er während der Zugfahrt schlechterer Laune als sonst.

Und wie sieht es mit einem Gehbehinderten aus? Solche Personen können auch die Freiheit anderer einschränken, etwa dadurch, daß sie an Engpässen nicht schnell vorankommen und andere nicht vorbei. Das kann dazu führen, daß andere deswegen den Anschluß verpassen. Oder schränken Rentner die Freiheit der Berufstätigen ein, wenn sie ausgerechnet dann einkaufen oder zum Friseur gehen, während die Mehrheit der Berufstätigen nicht am Arbeitsplatz ist?

Ich habe den Eindruck, daß in der heutigen Zeit auch in sogenannten Rechtstaaten (oder gerade dort?) immer mehr Verbote ausgesprochen werden, wo es zu Spannungen kommen. Aber merkwürdigerweise werden nicht die Dinge verboten (bzw. geahndet, soweit sie nicht schon verboten sind), die potentielle Täter tun könnten, sondern die "Taten" der potentiellen Opfer werden verboten.

Nachdenkliche Grüße
Michael aus Zofingen


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Bleifuß Offline



Beiträge: 124

07.12.2017 07:54
#6 RE: Wo leben wir denn? Zitat · antworten

Hi!

Zitat von Michael aus Zofingen im Beitrag #5
Von der Andersartigkeit an sich geht ja keine Gefahr aus, aber wenn jemand Angst vor dem Ungewöhnlichen hat, dann ist er während der Zugfahrt schlechterer Laune als sonst.


Generell funktioniert die Interessenabwägung in der deutschen Gesellschaft ganz gut. Das ist alles ein Kompromiss, und zudem im Wandel begriffen. Und nicht hin zu mehr Einschränkungen, im Gegenteil. Ihr seht es z.B. bei Lars Dewald (siehe „Allerlei Kurioses“), was heutzutage alles möglich ist. Da muss man nicht in Kulturpessimissmus verfallen.

Also, Mut haben und was machen, man eckt sehr viel seltener an als man denkt. Keinen vorauseilenden Gehorsam leisten. Und nicht immer Fälle konstruieren, wo es Probleme geben könnte.

/B


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