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 Barfuß und Leben
Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 608
Punkte: 248

05.01.2018 04:58
Wanderung im Kastanienwald unverletzt überstanden Zitat · antworten

Hallo,

am Freitag, den 29.12.2017 wollte ich meine letzte 9-Uhr-Tageskarte verfahren (seit dem letzten Fahrplanwechsel wird sie schweizweit nicht mehr angeboten). Ich nahm mir eine Reise ins Tessin vor. Morgens in Zofingen war es sonnig bei -2°C, als ich zum Bahnhof radelte, barfuß und in kurzen Hosen (und ohne Mütze). Zwei kleine, sehr winterlich vermummte Kinder versteckten sich auf dem Bahnsteig hinter einem Pfahl bzw. einem Schild und schielten in meine Richtung. Als ich in deren Richtung blickte, versteckten sie sich ganz. So sind halt Kinder! Ich konnte darüber nur schmunzeln.

Der Zug nach Luzern war ziemlich voll, so daß ich bis ziemlich nach hinten durchgehen mußte. In Luzern mußte ich umsteigen. Da der Luzerner Bahnhof ein Kopfbahnhof ist und der Anschlußzug nach Lugano nicht am selben Bahnsteig hielt, mußte ich ein ziemliches Stück über die kalten Wege gehen. In dem Gedränge fiel es nicht mal den Bahnpolizisten auf, daß ich barfuß war, zumindest folgten sie mir nicht. Ich stieg ziemlich vorn in den Neigezug ein, da war noch Platz (bis Arth-Goldau, dort füllte er sich).

Auf der Alpennordseite schien während der Fahrt sie Sonne, auf den Feldern lag vergleichsweise wenig Schnee (vermutlich kalter). Wie es in größerer Höhe aussah, kann ich nicht sagen, denn der Zug verschwand hinter Erstfeld im Gotthard-Basistunnel und kam erst kurz vor Biasca wieder ans Tageslicht. Dort lag wesentlich mehr Schnee als auf der Alpennordseite. Mit ca. 15 minütiger Verspätung traf der Zug in Lugano ein (nicht wegen Schnee, sondern wegen einer technischen Störung im Zug). So traurig war ich darüber nicht, weil das Postauto nach Montagnola nur alle Stunde fährt und die Wartezeit im Normalfall fast eine Stunde betragen hätte. Ich begab mich zur Postauto-Haltestelle, die sich (anders als die meisten Stadtbusse) auf der „falschen“ Seite des Bahnhofs befindet. Um nicht allzu lange zu stehen (und Gefahr zu laufen, daß ein Polizeiauto eine Minute vor dem Kraftomnibus an der Haltestelle anhält und die Beamten mich solange befragt, bis der Bus weg ist), drehte ich noch eine barfüßige Ehrenrunde durch die Straßen, die schnee- und eisfrei waren (einige Hofplätze waren vereist).

Die „Kraftpost“ kam pünktlich und brachte mich auf einer reizvollen Strecke zu meinem Ziel. An der Haltestelle „Montagnola Paese“ stieg ich aus und trat auch gleich meine Wanderung an. Das erste Stück führte über eine trockene, wenig befahrene Asphaltstraße Richtung Arasio, es war sonnig und ca. 6°C warm, barfuß und kurze Hosen also kein Problem aus witterungstechnischer Sicht. Dann aber folgte ein Waldweg durch einen Kastanienwald. Für „Nordlichter“: Es handelte sich nicht um die Roßkastanien (was in meiner norddeutschen Heimat die „normalen“ Kastanien waren, sondern um die „echten“ Kastanien (auch Eßkastanien oder Maronis genannt). Im Gegensatz zu Roßkastanien haben „echte“ Kastanien nicht nur keine schönen tannenbaumförmigen Blütenstände, sondern auch wesentlich stachligere Schalen. Wer barfuß drauftritt, spürt „echt“ den Unterschied. Sollte ich da durch? Die Mitnahme von Schuhen hatte ich „echt“ vergessen.

Ich ging in den Wald, denn ich hatte Glück. Die Wege waren total verschneit, so daß die meisten „Maroniigel“ unter der Schneedecke schlummerten. Die paar wenigen Maronis auf dem Schnee fielen auf. Beim Schnee handelte es sich in der Tat um „warmen“ Schnee im Sinne der Immenstädter Definition. Allerdings war er stark verharscht, was das Barfußgehen etwas weniger angenehm machte. Schön war auch die Aussicht auf den Luganer See. Nur wenige Wanderer kamen mir entgegen, alle grüßten freundlich auf Italienisch.

Südlich des „M. Croce“ verließ ich den Wald und erreichte den Ort Agra. Nun ging es auf verkehrsarmen Straßen weiter, vorbei an schönen Tessiner Häusern nach Bigogno. Den im Wanderbuch erwähnten Weg über Guasto nach Montagnola fand ich nicht, also folgte ich einem anderen Weg durch den Maroniwald nach Montagnola.

In Montagnola hatte auch Hermann Hesse längere Zeit gelebt. Ich schritt noch durch ein paar Straßen im malerischen Ort, aber nicht allzu lange, denn ich wollte weiter. Ganz davon abgesehen, daß die Gassen recht eng waren und durch Schnee noch weiter eingeengt und vergleichsweise viele störende Autos hier unterwegs waren. Daher folgte ich dem beschilderten „Hermann-Hesse-Weg“ in Richtung Gentilino. Der Wanderweg führte teilweise über verkehrsarme (schneefreie) Verkehrswege, teilweise über schmale Pfade mit festgetretenem Schnee führte (vermutlich lag fieser Schotter unter dem Schnee. Da macht das Barfußgehen Spaß.

Da ich zum einen jegliches Zeitgefühl verloren hatte (ich hatte nicht nur meine Schuhe, sondern auch meine Uhr „echt“ zu Hause gelassen), zum anderen nicht wußte, wann die Busse ab Montagnola bzw. Gentilino fahren (außer daß sie selten fahren), folgte ich der Wegweisung „Lago di Muzzano“ mit Hinweis auf eine Bahnstation. Ich wußte, daß die schmalspurige Ponte-Tresa-Bahn (FLP) alle 15 Minuten verkehrt, außerdem bevorzuge ich ohnehin die Benutzung schienengebundener Offtopic-Fahrzeuge. Auch dieser Wanderweg war barfuß recht gut begehbar, ebenso das letzte Stück auf der Straße. Auf der Straße überholte ich eine Gruppe aus 4 gut gekleideten Erwachsenen, die mich komisch ansahen. Nur noch wenige Meter, und ich erreichte ich die FLP-Haltestelle „Cappella Agnuzzo“. Und unweit davon der See, zu dem ein Trampelpfad durch den Schnee führte. Gemäß Anzeige sollte in 8 Minuten der nächste Zug nach Ponte Tresa, in 9 Minuten nach Lugano fahren. Warten? Nein. Da es noch nicht dunkel war (die Sonne schien milchig durch die Wolken), konnte ich mir noch einen Spaziergang an den See erlauben und mit dem übernächsten Zug 15 Minuten später abfahren. Aber das ist ein Kapitel für sich.

Schöne Grüße
Michael aus Zofingen


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