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Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

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Dieses Thema hat 9 Antworten
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Jörg 2 Offline




Beiträge: 938
Punkte: 927

18.10.2009 13:58
Ulrich Conrad auf RBB TV - Gedanken zur Bf-Promotion Zitat · antworten

Hallo,

hier ein paar Gedanken zur Bf-Promotion

Akademischer Freak als Werbeträger?
Im gelben Forum wird auf den RBB-Beitrag (s.u.) hingewiesen. Die anschließende Diskussion thematisiert Ulrichs Statements dann noch einmal mit verschieden Schwerpunkten. Was mir an vielen TV- und Rundfunkbeiträgen dieser Art auffält ist so ein gewisser akademischer Zug. Es wird stets schön brav auf die Vorzüge des Barfusslaufens hingewiesen, es werden Vorurteile thematisiert und Aspekte erläutert.
Bei Jugendlichen (oft in selbstgedrehten Webvideos) überwiegt eher der spielerische Aspekt, das Unkonventionelle und das Entdecken neuer Erlebniswelten.
Wenn ich das so für mich analysiere, erscheint da eine ziemliche Kluft zwischen jugendlichem und erwachsenen Ansatz.

Was können wir von der Fitness-Welle lernen?

Vergeichen wir das mit den Promotions der Fitnesswelle: da wird eher auf Lifestyle, auf Chic, Wellness, sexy und trendy abgestellt - und zwar durchaus erfolgreich. - Erfolgreicher als die "Bf-Bewegung".
Was ist der Grund?
Der Erfolg der Fitnesswelle gründet sich ja nicht in den dahinter stehenden, kommerziellen Aspekten. Der Erwerb irgendwelcher Fitness-Konsumgüter wird von den Leuten ja eher in Kauf genommen, um trendy und fit zu sein.
Der Erfolg des heutigen Fitnessmarketings geht viel mehr a) auf aktuelles Trend- und Modebewusstsein b) auf stylische Gruppenidentifikation und c) auf den versprochenen gesundheitlichen Zugewinn zurück. Anders gesagt: verkauft wird nicht nur das Produkt, sondern vor allem ein Gefühl. - Na prima, das passt doch zum Barfusslaufen!

Fazit und Wertung

Die "Bf-Propagandisten" treten meines Erachtens zu sehr als Individualisten auf. Oft gelingt es bei solchen Auftritten nicht, den Ruf des verkrachten Extrem-Aktivisten abzuschütteln. (Dieser Eindruck wird durchaus auch durch Beiträge über Extremsportler wie Martl Jung u.ä.) bestätigt. Hierdurch nehmen vielen Betrachter eher vom Gedanken an eigene Bf-Aktivitäten Abstand: "...was ein Glück, so extrem wie der bin ich ja doch nicht!"
Wenn es das Ziel einer Interessengruppe ist, Bf mehr in der Gesellschaft zu etablieren, muss es gelingen, es überzeugend als sinnvolle und lohnenswerte Beschäftigung darzustellen, aus der JEDER etwas Persönliches gewinnen kann.

Die Medienbeiträge unserer Aktivisten sind meines Erachtens durchaus lobenswert, weil schon Mut dazu gehört, sich überhaupt so in der Öffentlichkeit zu präsentieren und über einen persönlichen "Way of live" zu sprechen. Im Hinblick auf eine noch professionellere Öffentlichkeitsarbeit scheinen mir aber viele Beiträge verbesserungsfähig.
Kurz: das "Bf-Marketing" steckt gegensätzlicher Weise noch in den Kinderschuhen. Wir sollten uns Modelle effektiver Öffentlichkeits- und Medienarbeit vergegenwärtigen und - vor allem im Vorfeld solcher Medienauftritte - eine Strategie entwickeln.

Es geht auch anders
Ein positives Beispiel ist für mich Lorenz' Öffentlichkeitsarbeit. Alle seine Beiträge sind so deutlich von lebensbejahender Struktur, dass jeder Hauch von Dünkel, Egozentrik, Freakstyle oder dröger Gesundheitsapostelei sofort verfliegt. Ein Grund liegt hier sicher in eigener Abgeklärtheit, Lebensreife, ausgeglichenen Familienverhältnissen und ganzheitlicher Lebensphilosophie. Ich sage dies nicht, um ihm zu schmeicheln oder andere Personenkreise herabzusetzen, sondern weil dies Signale sind, auf welche potentielle Kooperationspartner und natürlich ein öffentliches Publikum extrem sensibel reagieren.

Dennoch: etwas Pfeffer würzt die Sache...
Will sagen: all zu viel Abgeklärtheit und Aufgeräumtheit birgt auch wieder die Gefahr von Langeweile. Es ist, vor allem in Zusammenarbeit mit Redaktionen, oft ein schmaler Grad, sich einerseits selbst als engagierten Vorreiter einer gesunden Bewegung zu zeigen, andererseits die Sache als potentiellen Trend schmackhaft zu machen. Beispiel: der Deutsche Jagdschutzverband lebt seit langem in schlimmstem Zwiespalt ("Tiermörder" versus "Naturpfleger"). Mit Hilfe professioneller Werbestrategien behauptet er sich allerdings höchst erfolgreich in der Öffentlichkeit, so diskussionswürdig sein Terrain auch sein mag.

Raus aus der Egozentrik
Wenn Bf noch mehr aus der Ecke der Freaks heraus in öffentliche Anerkennung geholt werden soll, müssen seine Repräsentanten das auch offen sichtlich verkörpern.
Es muss nun nicht alles jung und stylisch wie aus dem Modekatalog aussehen. Ein Publikum hat sehr gesundes Gespür für Kunstprodukte oder das Bild: "Das ist einer von uns!". Aber ein paar Anleihen an erfolgreiches Fitnessmarketing sind schon hilfreich. Wir müssen lernen, einem Lebens-, Verhaltens- oder Gesundheitsmodell immer auch
a) etwas Exemplarisches für alle
b) etwas Ideales und für jeden Erstrebenswertes
zu verleihen.

Mit Vorausblick zum verkörperten Ideal
Wer sich 250 Euro für stylische Fitnessklamotten abringt, wird es potentiell auch irgendwann akzeptieren, dass es sich lohnt, die Anfangsphase des Barfusslaufens zu überwinden, bis sich das Gefühl der schuhlosen Freiheit einstellt. Hat schon je einmal einer unserer Bf-Medienapostel einfach fasziniert festgestellt: "Es ist mir gelungen, barfuss so sicher und bequem wie in Turnschuhen zu laufen, nur eben mit dem Gefühl völliger Freiheit!"
Das ist ein Lebensgefühl, in das sich jeder, - auch der verklemmte Barfussfreund - insgeheim hineinversetzen kann. Aha, es gibt also eine Anfangsphase, und wenn ich die durchstehe, habe ich ein Stück Freiheit, die ich mit jedem Schritt buchstäblich genießen kann. Und einen regelrechten "Suchtfaktor" soll es auch geben!
Sind das nicht Aspekte, welche im Nu große Bevölkerungsteile überzeugen könnten, es noch heute zu versuchen?

Generationenfragen
Unsere Gesellschaft zerfällt immer mehr in Blöcke (arm und reich, jung und alt). Für die Jugend überwiegt das Motiv der Identifikation und Sozialisation mit Ihresgleichen und ihren Idolen. Hier ist Bf als "trendy" gut positionierbar. Es kann aber auch als Ausdruck jugendlicher Selbstbestimmung und körperorientierter Lust am Sinnlichen aufgenommen werden. Gleichwohl gibt es auch immer mehr junge Menschen, die zunehmend von Rückzug, Rausch und Hoffnungslosigkeit geprägt sind. Auch hier kann Bf über den Weg der sinnlichen Selbsterfahrung zur Selbstfindung und zu mehr Einklang mit der Welt führen. Ein weites Feld, und eine Aufgabe gegenüber der Jugend!

Dem gegenüber begegnen mir immer mehr Bilder von barfüßigen Senioren, die entspannt an sonnigen Stränden oder Almwiesen herumschlendern. Will sagen: die Sozialforscher haben schon lang die rüstigen Senioren als Gruppe entdeckt, die sich jetzt noch einmal Lässigkeit und Wellness genehmigt.

Die Medienbranche macht es vor
Ein gutes Publikationsbeispiel für die Konsequenz aus diesen Erkenntnissen sind zahlreiche Zeitschriften, die wir wöchentlich im Handel vorfinden. Sie sind hinsichtlich Thema und Aufbereitung genau nach den Kriterien angelegt, welche Sozialforscher für unsere Gesellschaft als relevant erkannt haben. "Landlust" thematisiert Naturverbundenheit mit behaglichem Wohnen, natürlicher Kleidung und sinnlichem Empfinden. Kürzlich ein großes Titelbild mit barfüßigen Kindern auf der Stange, im Text das Unterthema "Barfußwetter". Ein anderes Beispiel ist die (kostenlose) Apothekenumschau, die in fast jeder Ausgabe das Thema Fußgesundheit aufgreift. Der Grund liegt hier natürlich in der Vielfalt an Fußpflegeprodukten, die in der Apotheke natürlich käuflich erworben werden können. Aber auch dahinter steht ja die Erkenntnis, dass weite Teile der Gesellschaft - warum auch immer - vernachlässigte Füße haben und sich insgeheim freuen würden, ihren Füßen wieder zu mehr Freiheit und Ansehnlichkeit zu verhelfen. So gesehen ist die Apotheken-Umschau eine ideale (und finanzkräftige!) Werbeplattform für Themen der Fußgesundheit und Wellness...

Schlussbemerkung
So gesehen wäre es schön, aber auch dringend an der Zeit, wenn die Repräsentanten der "Bf-Bewegung" weg kommen von der bisweilen (auch durch Medien stilisierten) Schrulligkeit und individualistischen Alleingängen, hin zu einer offenen, allgemeingültigen Thematisierung natürlichen Barfusslaufens im Sinne einer gesunden Beschäftigung, die für jeden einen Zugewinn bietet und das Leben unschätzbar bereichert.

J.
________________________
[c] dieses Beitrags: alle Rechte beim Autor (Zitat und Verlinkung für HBF und HBRF frei]


Links:
Thread bei HBF: hier...

Beitrag im RBB: http://www.rbb-online.de/heimatjournal/index.html

http://www.landlust.de/

Apotheken-Umschau Thema Barfuß"


Manfred (Ten) ( gelöscht )
Beiträge:

18.10.2009 17:26
#2 RE: Ulrich Conrad auf RBB TV - Gedanken zur Bf-Promotion Zitat · antworten

Hallo Jörg,
danke für deine interessanten Betrachtungen.

Nun, die Motivation unter den Barfüssern für eben dieses sind ja ebenso vielfältig wie die Anzahl der Personen, die "es" tun. Von "Ich mach' es einfach ganz selbstverständlich, weil es mir Spass macht und anderen nicht schadet" (zu dieser Kategorie zähle ich mich) über Gesundheitsapostel über Freaks bis hin zu "Protest"-Barfüssern, die es der Welt mal zeigen wollen.

Zu deiner Krtik der "schrulligen" Barfüsser in den Medien:
Hhier noch mal der Link auf mieine beiden letzten Sendungen - nicht zur Angabe, nur weil ich Deine (Eure) Beurteilung in speziell dieser Hinsicht dazu hören möchte.
Natürlich ist bf im Schnee nicht gerade weit verbreitet, aber ich hoffe doch, daß das nicht als "schrullig" rüberkommt...

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/708238?inPopup=true
und
http://www.tv-suedbaden.de/default.aspx?...showNews=150440

Übrigens wird es in Kürze in Teningen einen von mir gegründeten eingetragenen Barfüsser-Verein geben, der auch von der Gemeinde mitgetragen wird.
Die Gemeinde möchte den gemeinnützig haben, weshalb der von mir angedachte Name "Die Füssiker" wohl eher nicht in Frage kommt.
Über Ideen von Eurer Seite wäre ich dankbar...


Charles B. ( gelöscht )
Beiträge:

18.10.2009 18:25
#3 besten Dank Zitat · antworten

Zitat von Jörg 2
[c] dieses Beitrags: alle Rechte beim Autor (Zitat und Verlinkung für HBF und HBRF frei]


Hi Jörg,

vielen Dank für die interessanten Thesen und die exklusive Freigabe für's gelbe HBF, die ich hier gleich in Anspruch genommen habe.

Könnte 'ne spannende Diskussion werden. Ich melde mich später nochmal.

cheers

Charles


Jörg 2 Offline




Beiträge: 938
Punkte: 927

18.10.2009 19:39
#4 RE: Ulrich Conrad auf RBB TV - Gedanken zur Bf-Promotion Zitat · antworten

Zitat von Manfred (Ten)
Nun, die Motivation unter den Barfüssern für eben dieses sind ja ebenso vielfältig wie die Anzahl der Personen, die "es" tun. ... über Freaks bis hin zu "Protest"-Barfüssern, die es der Welt mal zeigen wollen...."



Hallo Manfred,
nun zählst du mit einer Ärztin als Ehefrau, wohnhaft in einem bürgerlichen Eigenheim und in einem Alter, in welchem man die Flausen schon aus dem Kopf hat, für mich eher zu der Kategorie wie Lorenz.

Ich will auch keineswegs den Individualisten, der sich in den Medien zu seinem Weg bekennt, herabsetzen. Persönliche Geschichten sind nach wie vor extrem gefragt in den Medien. Wenn es aber darum geht, den Zuschauer aus seiner Rolle als Beobachter ("Voyeur") herauszuholen, bedarf es der Motivation zum Selbermachen. Für dich hat sich der Weg zum Verein angeboten, das lag nahe.

In unserer (konsum-geprägten) Gesellschaft kommt Motivation häufig davon, dass einem die Idee vermittelt wird, dass "man/frau" das jetzt macht, um "in" zu sein. Diese Motivation kommt von der Verkörperung einer Idee, eines Ideals. Günstig ist es dann, wenn die gezeigte Person dieses Ideal eben gut verkörpert. Ein extremes, aber dennoch überzeugendes Beispiel ist sicher Martl Jung. Da kann man sagen: alle Achtung, harte Sache, aber - es hat was.
Das meine ich.

Nun muß man Ulrich Conrads Wirken ja nicht nur an dem TV-Auftritt messen, denn er weist ja treffend auf seine Initiative hin, die sicher zu den aktivsten in Deutschland überhaupt gehören dürfte. Insoweit geht es mir nicht um sein Interview, sondern um Beispiele für Medienauftrtte überhaupt.

Gruss
J.


Jörg 2 Offline




Beiträge: 938
Punkte: 927

18.10.2009 19:40
#5 RE: besten Dank Zitat · antworten

@ Charles

Yeah!
J.


Lorenz_PZ Offline



Beiträge: 39
Punkte: 39

19.10.2009 00:09
#6 RE: Ulrich Conrad auf RBB TV - Gedanken zur Bf-Promotion Zitat · antworten

Hallo Jörg,

Zitat von Jörg 2

Es geht auch anders
Ein positives Beispiel ist für mich Lorenz' Öffentlichkeitsarbeit. Alle seine Beiträge sind so deutlich von lebensbejahender Struktur, dass jeder Hauch von Dünkel, Egozentrik, Freakstyle oder dröger Gesundheitsapostelei sofort verfliegt. Ein Grund liegt hier sicher in eigener Abgeklärtheit, Lebensreife, ausgeglichenen Familienverhältnissen und ganzheitlicher Lebensphilosophie. Ich sage dies nicht, um ihm zu schmeicheln oder andere Personenkreise herabzusetzen, sondern weil dies Signale sind, auf welche potentielle Kooperationspartner und natürlich ein öffentliches Publikum extrem sensibel reagieren.

Dennoch: etwas Pfeffer würzt die Sache...
Will sagen: all zu viel Abgeklärtheit und Aufgeräumtheit birgt auch wieder die Gefahr von Langeweile. .....


Erst mal vielen Dank für die positive Bewertung meines Beitrags, der natürlich auch seine Grenzen hat. Es war von mir aus ein Experiment, der Versuch, etwas anzubieten, was der kommerzielle Fitness-Ansatz nicht hergibt. Viele Leute haben eine drängende Sehnsucht nach Authenzität und Intensität des Erlebens, die der angebotene Fitness-Drill nicht so recht erfüllt.

Die Barfußaktivitäten als freundliches Angebot zu formulieren und keinesfalls als Ideologie aufzudrängen, war gewiss ein wesentlicher Faktor für öffentliche Akzeptanz. Doch ein anderer wichtiger Faktor wäre das Feuer der Jugend -- und das steht mir eben nicht mehr zur Verfügung. An dieser Stelle freut mich riesig der Elan von Eddie und Sigrid Soeffker, die ihr Barfußwanderbuch mit schier unerschöpflichem Elan, Medienarbeit und tollen Aktionen bekannt machen. Und die damit auch zeigen, dass es den barfüßigen Spaß am Leben auch jenseits der Fußwaschanlagen der Barfußparks gibt!

Ich vertrete also die Großelterngeneration, Eddie und Sigrid wirklich vorbildlich die Elterngeneration, und jetzt fehlen uns als dritte im Bunde noch die Jugendlichen. Und auch hier sieht man etwas Besonders im Landkreis Weilheim-Schongau, in dem die Soeffkers und ich leben. Das ist die Akrobatik-Sportgruppe Vaganti, eine der besten in Deutschland in diesem typischen Barfußsport. Alle Kinder und Jugendlichen in Weilheim wollen bei den kultigen Shows mitmachen, doch nur wenige sind für diesen Sport geeignet, bei dem jeder Fehler, den man macht, auch die anderen gefährdet. Und da wird eine andere, künstlerisch-kreative Dimension eröffnet, die sich in der kommerziellen Fitnesswelle nicht findet. Choreografien, selbstgeschneiderte Kostüme gehören dazu, aber die Füße bleiben frei! Hier ist eine kleine Bilderserie von der Nachwuchsgruppe, die nicht nur während des Auftritts ohne Schuhe war :-)

http://www.symbioseweb.de/streetlife/wm_2008/

Da wir somit an einem Ort drei Generationen haben, denen das "Leben auf freiem Fuß" wichtig ist, werden die nackten Füße so schnell nicht aussterben!

Barfüßige Grüße von Lorenz

_____________________________________________________

Die ganze Welt ist Barfußpark!


Manfred (Ten) ( gelöscht )
Beiträge:

19.10.2009 09:05
#7 RE: Ulrich Conrad auf RBB TV - Gedanken zur Bf-Promotion Zitat · antworten

Zitat von Jörg 2
Hallo Manfred,
nun zählst du ... in einem Alter, in welchem man die Flausen schon aus dem Kopf hat...

Oooh - du kennst mich nicht wirklich ! ;-)))


Zitat von Jörg 2
Persönliche Geschichten sind nach wie vor extrem gefragt in den Medien. Wenn es aber darum geht, den Zuschauer aus seiner Rolle als Beobachter ("Voyeur") herauszuholen, bedarf es der Motivation zum Selbermachen. Für dich hat sich der Weg zum Verein angeboten, das lag nahe.

In unserer (konsum-geprägten) Gesellschaft kommt Motivation häufig davon, dass einem die Idee vermittelt wird, dass "man/frau" das jetzt macht, um "in" zu sein.


Nun, natürlich bin ich "in meinem Alter" nicht der, der der Jugend vermitteln kann, daß das "cool" ist, das könn(t)en andere, z. B. aus dem Showbiz, besser. Nur - ob die authentisch sind ???

Aber meine Motivation ist auch keineswegs, irgendjemanden dazu zu bringen, es als "in" zu empfinden und es deshalb (!) zu machen. Ich bin einfach nur dafür offen, andere (bei Interesse !) daran teilhaben zu lassen, indem ich sie neugierig mache und anrege es einfach mal auszuprobieren. Nicht mehr und nicht weniger! Und das war auch die Motivation für meine Medienauftritte. Ich habe die Intention zur Sendung auch vorher sehr genau hinterfragt und deshalb solche mit dem Hintergrund der reinen Sensations- und Quotengeilheit (z. B. "barfuß im Anzug in die Oper und die Reaktionen der anderen aufzeichnen"!)- bei denen ich mich lediglich zum Affen gemacht hätte, strikt abgelehnt. Und das waren stets die Privaten, die da solcherart auf mich zukamen - wen wunderts ?!

Die Idee und der Wunsch nach der Vereinsgründung stammt übrigens nicht von mir, sondern von unserem neuen Bürgermeister - ich selbst sehe da eher einen Widerspruch zwischen der Freiheit des Barfüssers und der Bürokratie eines eingetragenen Vereins.
Das Ganze hat aber einen (sehr erfreulichen!) Hintergrund, über den ich derzeit noch nicht in der Öffentlichkeit reden soll - ihr werdet aber demnächst ganz bestimmt mehr darüber hier lesen.

Hier noch eine kleine Geschichte zur Jugend, die ich an anderer Stelle schon veröffentlicht hatte und die vielleicht gerade auch an diese Stelle passt (auch zu lesen in Georgs "Barfusspräsenz - guckst du hier http://praesenz.barfuss.server3.tibit.de/):

In der Straßenbahn

Ein Pulk von sieben Schülern und Schülerinnen stürzt in die Bahn und lässt sich in meiner Nähe wieder. Nach kurzer Zeit fällt einem von ihnen auf dass ich barfuss bin. Prompt setzt ein Getuschel und Kichern ein. Schließlich fasst sich eine Schülerin ein Herz und spricht mich an: „Sie! Sie haben keine Schuhe an.“
Ich entgegne nur kurz und trocken: „Ich weiß!“
Erstaunte Pause. Dann die Frage „Warum machen sie das?“
Auf meine Antwort, dass ich nie Schuhe trage erst mal ungläubiges Staunen.
- Nun muss ich einfügen, dass gerade am Vortag ein Bildbericht über einen barfüssigen Fernsehauftritt von mir in der ARD in der hiesigen Lokalzeitung abgedruckt war, den ich bei mir hatte und den Kids zeigte.
Daraufhin entwickelte sich ein lebhaftes Gespräch – die Clique rückte ganz nahe um mich herum und fanden das plötzlich „voll cool“. (Das ganze gipfelte in der Frage „sind sie berühmt ???“)
Ich konnte aber in der nun folgenden Unterhaltung offensichtlich sehr einprägsam vermitteln, dass ich mir damit die persönliche Freiheit nehme, meine Bedürfnisse auszuleben und mich von der Meinung anderer unabhängig mache. Und dass sich das auf das gesamte Selbstbewusstsein auswirkt (hier brachte ich das Beispiel vom „Gruppenzwang“ teure Markenschuhen zu tragen, was zu deutlich betroffenen Gesichtern führte.
Es setzte nun eine lebhafte Diskussion darüber ein, ob man es wagen könnte morgen barfuss in der Schule zu erscheinen (!!!)
Ich habe dann zu bedenken gegeben, daß, wenn sie es alle zusammen beschliessen und es nicht jeder Einzelne aus einem persönlichen Bedürfnis heraus macht, sie sich dann doch wieder genau dem gleichen Gruppenzwang unterwerfen, nur eben mit umgekehrten Vorzeichen.
Eins der der Kids warf dann noch das „Argument Käsefüsse“ in die Runde, und dass man das doch niemandem zumuten könne. Darauf hielt ich ihm entgegen, dass er die „Stinkefüße“ doch gerade in seinen Schuhen im Feucht-Warmen erbrütet, und dass ich mir meine Füße jeden Abend schrubbe, ob er das wohl auch mache ? Daraufhin kam - mit betretenem Gesicht - ein zaghaftes „Nein“, worauf die anderen in wildes Gelächter ausbrachen, auf ihn zeigten und im Chor „Käsefüße! Käsefüße!“ riefen.

Ich habe jedenfalls ganz offensichtlich sehr nachdenkliche Schüler hinterlassen und ich bin mir sicher, dass sie in diesem Moment einprägsam zwei Sachen gelernt haben:

Es gibt Dinge die ganz anders sind als sie auf den ersten Blick zu sein scheinen.
Und man kann das, z. B. durch nachfragen, klären (ich war eben nicht der verwirrte Mensch, der seine Schuhe vergessen hatte),
Und es ist überaus „cool“ wenn man selbstbewusst seine Bedürfnisse wahrnimmt und zu ihnen steht.
Ich habe an diesem Abend die Bahn äußerst beschwingt verlassen. ...



Jörg 2 Offline




Beiträge: 938
Punkte: 927

19.10.2009 11:28
#8 RE: Ulrich Conrad auf RBB TV - Gedanken zur Bf-Promotion Zitat · antworten

Zitat von Lorenz_PZ

Die Barfußaktivitäten als freundliches Angebot zu formulieren und keinesfalls als Ideologie aufzudrängen, war gewiss ein wesentlicher Faktor für öffentliche Akzeptanz. ... und jetzt fehlen uns als dritte im Bunde noch die Jugendlichen.



Hallo Lorenz,

sehr treffend! Dein Konzept ist deswegen erfolgreich, weil es hinreichend ausgereift ist, und weil du es selbst stimmig verkörperst. Es ging mir in meinem Beitrag auch nicht darum, über einzelne Medienauftritte zu urteilen.
Alleredings ist es auch nicht mein Ziel, dass wir uns den Ausläufern der Fitnesswelle anbiedern, wie dies teilweise im HBF evt. gedeutet wurde. Meiner Darstellung liegt die Sicht zugrunde, dass man Menschen nur dort abholen kann, wo sie stehen. Und viele sind eben durch die Gewohnheiten und Medien unserer Zeit geprägt.
Jedenfalls stimme ich denen zu, die auf persönliche und sachliche Überzeugungskraft setzen! Im Übrigen ist ja die "Einheit in der Vielheit" auch etwas, das uns zugute kommt.
Ich sehe die Sache als Medienschaffender nun aber immer auch etwas aus Sicht der Redaktionsgewohnheiten. Und da ist es oft angesagt, einfach nur die freakige Aktion zu bringen. Ganz häufig überlässt man sowas dann den journalistischen Newcomern, damit sie mal einen Knochen hingeworfen kriegen.
Meine Anregung geht dahin, sich nicht von solchen Tendenzen vereinnahmen zu lassen, sondern eigene Konzepte zu finden.
Die Sicht von SaarSeminar ist natürlich sehr elementar und in sich stimmig. Andererseits ist die Stimmigkeit der eigenen Position eben keine Garantie dafür, dass man andere Durchschnittsmenschen auch erreicht. Sätze wie "Genau durch solche Werbung wird das Bewusstsein unterwandert" sprechen mir aus der Seele. Nur ist unsere heutige Gesellschaft leider planmäßig von Politik und Medien darauf konditioniert (*), dieses Bewusstsein auszuschalten und durch Dressur zu ersetzen.

Die Gruppe "Vaganti" bewundere ich immer wieder auf den Fotos und bedauere, sowas nicht in erreichbarer Nähe zu haben. Ich habe hier mal eine pädagogische Gruppe geleitet und wurde dann diffamiert, weil es "unzüchtig" sei, wenn Kinder beim Kindertanz barfuß auf dem Parkett tanzen...

Soviel für heut,
Gruss
J.

* Literatur: "Thomas Wieczorek "Die verblödete Republik - Wie uns Medien, Wirtschaft und Politik für dumm verkaufen", Knaur, 315 Seiten, 8,95 €


Lorenz_PZ Offline



Beiträge: 39
Punkte: 39

22.10.2009 11:50
#9 RE: Ulrich Conrad auf RBB TV - Gedanken zur Bf-Promotion Zitat · antworten

Hallo Jörg,

Zitat von Jörg 2

....Sätze wie "Genau durch solche Werbung wird das Bewusstsein unterwandert" sprechen mir aus der Seele. Nur ist unsere heutige Gesellschaft leider planmäßig von Politik und Medien darauf konditioniert (*), dieses Bewusstsein auszuschalten und durch Dressur zu ersetzen.


Die Süddeutsche Zeitung gab vor ein paar Jahren an, 60% der Einnahmen von den Anzeigenkunden und 40% von den Abonnenten zu bekommen. Die Medien kriegen also sehr viel Geld für Werbung, daraus folgt eine starke Ausrichtung am Nutzen der Werbekunden. Sie dürfen aber den Nutzen des Lesers bzw. Zuschauers nicht aus dem Auge verlieren, denn die Zielgruppe muss auch bei der Stange bleiben. Also müssen auch mal nützliche Informationen gegeben werden.

Die ausführliche Berichterstattung über Barfußpfade und Barfußwandern der letzten Jahre zeugt von dieser Hinwendung zum Leser, dem man einen Aspekt von Lebensqualität nahebringt, obwohl er wirtschaftlich kaum von Belang ist. Viele Barfußpfadbesucher haben mir schon berichtet, dass sie sich solche Artikel aus der Zeitung ausgeschnitten haben und nun das schöne Wetter für diesen Freizeittipp nutzen.

Meist hatte ich es dabei mit sehr aufgeschlossenen Journalistinnen und Journalisten zu tun, die auch oftmals selber die Schuhe auszogen und barfuß mitwanderten. Eddie Soeffker berichtet mir von Medienleuten, die so begeistert waren, dass sie sogar selbstständig Barfußwanderungen nach seinem Buch unternommen haben. Einige haben schon mehrere Sendungen dazu gemacht. Und mit diesen Leuten aus der Medienwelt kann man sehr gut zusammenarbeiten und muss sich nicht ausgenutzt und missbraucht fühlen.

Zitat von Jörg 2

Die Gruppe "Vaganti" bewundere ich immer wieder auf den Fotos und bedauere, sowas nicht in erreichbarer Nähe zu haben. Ich habe hier mal eine pädagogische Gruppe geleitet und wurde dann diffamiert, weil es "unzüchtig" sei, wenn Kinder beim Kindertanz barfuß auf dem Parkett tanzen...


Abgesehen, dass es in Oberbayern nach wie vor als mormal gilt, wenn Kinder barfuß laufen, war ein wesentlicher Faktor für den Erfolg der Vaganti, dass die Initiative aus der jungen Generation heraus kam. Da waren zwei Mädels mit ihren Eltern an einem Urlaubsort, wo es als Animationsprogramm ein Zirkusprojekt gab. Diese Idee haben sie mit nach Hause in ihren Turnverein gebracht und weiterentwickelt. Heute sind sie knapp 30 Jahre alt und Kulturpreisträgerinnen der Stadt Weilheim.

Vor einigen Jahren hat mal eine Gruppe 15-jähriger Gymnasiastinnen mein Fühlpfadkonzept übernommen, um bei einem Schuljübiläum einen Sinnespark im Klassenzimmer aufzubauen. Die kamen kurz vorher auf mich zu, weil sie noch ein paar Materialien aus meinem Grundstock ausleihen wollten. Der Impuls, dass junge Leute barfuß laufen, kann m.E. nur aus ihren eigenen Reihen kommen. Von oben herab verordnen kann man das nicht, man kann nur die Augen aufmachen, wo so etwas in Gang kommt und unaufdringlich Unterstützung leisten.

Mach's gut und unbeschuht, Lorenz

_____________________________________________________

Die ganze Welt ist Barfußpark!


Jörg 2 Offline




Beiträge: 938
Punkte: 927

22.10.2009 15:17
#10 RE: Ulrich Conrad auf RBB TV - Gedanken zur Bf-Promotion Zitat · antworten

Hallo Lorenz,
volle Zustimmung, ich könnte es nicht besser formulieren. Vielleicht haben wir in einigen Jahren mehr Barfussvereine und die Sache konsolidiert sich noch weiter. Gestalten wir`s mit!

Unvermindert
J.


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