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#1

Barfuß mit Kraftstellwagen in die Ostschweiz

in Barfuß und Leben 01.08.2025 10:48
von Michael aus Zofingen | 894 Beiträge | 688 Punkte

Hallo,

nach meiner barfüßigen Tour mit S-Bahnen wollte ich diesmal zumindest für die Hinfahrt Kraftstellwagen benutzen. Manche Leute bezeichnen dieses Art von Offtopic-Fahrzeug auch Kraftomnibus, Kraftbus, Motoromnibus, Motorbus, Autoomnibus, Autobus, Automobilomnibus, automobiler Omnibus (letzteres z.B. Thomas Mann in "Tod in Venedig") oder schlicht und einfach Bus. Wer mehr darüber erfahren will kann hier weiterlesen, denn zumindest im uralten Gelben Forum wäre längst der Offtopic(fahrzeug)-Hammer gefallen (leider habe ich beim Googlen nicht die Original, sondern nur die verstromkabelsalatete Version gefunden.

Bei der Routenplanung gab ich hier zunächst Winterthur als Ziel ein, dann die Strecke von Winterthur nach St. Gallen, und schließlich noch weiter nach Trogen, wobei ich nur Busse als zulässige Verkehrsmittel wählte.

Der Donnerstag, der 31.7.2025 sollte in der Schweiz wettermäßig weitestgehend häufig bewölkt mit wenigen Schauern werden. Ich radelte barfuß im Dunkeln bei bedecktem Himmel und 13°C in Richtung Zofinger Bahnhof, um jedoch nicht zum Bahnsteig, sondern zum Bussteig zu gehen. Hier sollte um 5:21 Uhr ein Offtopic-Fahrzeug der Linie 601 vom Aargau Verkehr abfahren. Dieser Stellwagen brachte mich über Küngoldingen bis zum Bahnhof Aarburg-Oftringen, was gerade einer S-Bahnhaltestelle ab Zofingen entspricht. 10 Minuten später fuhr ein Omnibus der Linie 508 vom Busbetrieb Olten_Gösgen-Gäu (BOGG) von hier ab zum Bahnhof Olten, was einer weiteren S-Bahnhaltestelle entspricht (oder eine Interregio-Station ab Zofingen). Nun hatte ich 18 Minuten Wartezeit, während der ich barfuß den Bahnhof abschritt.

In den Barfußforen wurde schon öfters das barfüßige Benutzen von öffentlichen Toiletten diskutiert. Das fiel mir ein, während ich in Olten auf einen Anschluß wartete. Aber weniger wegen "barfuß", sondern wegen "wo" und "wann". Kraftomnibusse haben in der Regel (ebenso wie Straßenbahnen und Hamburger S-Bahnen) keine Toilette. Normale Bushaltestellen liegen auch meist dort, wo keine Toiletten in der Nähe sind, andererseits aber auch nicht dort, wo man sich ungestört draußen erleichtern kann. An größeren Bahnhöfen sind Toiletten oft gebührenpflichtig, und manche dieser funktionieren nicht mehr mit Münzen, sondern mit pre-paid Karten oder Wischphon. Bleibt höchstens die Hoffnung, daß die Übergangszeit lang genug ist und gerade ein Zug längeren Aufenthalt an einem Bahnhof hat. In Olten war das gerade der Fall mit einer Kopf machenden S-Bahn, aber mein Verlangen nach Erleichterung war noch nicht der Fall.

Ein BOGG-Bus der Linie 501 brachte mich darauf nach Schönenwerd, aber nur bis zur Haltestelle Tannheim (für einen Umstieg am Bahnhof wäre es zu knapp gewesen). Ich überquerte barfuß die Straße zur gegenüberliegenden Haltestelle, wo mich ein automobiler Omnibus der Linie 1 vom Busbetrieb Aarau (BBA) zum Bahnhof Aarau brachte. Ein Postauto der Linie135 nach Frick stand schon bereit und brachte mich via Staffelegg zum Bahnhof Frick, wo 23 Minuten
Wartezeit hatte. Die Toilette war gebührenpflichtig, eine kopfmachende S-Bahn war nicht dort, also warten. Eine Kraftpost der Linie 137 brachte mich zum Bahnhof Brugg, wo ich barfuß die Gleise unterqueren mußte, um weiterzufahren. 9 Minuten Übergangszeit mußten ausreichen, um einen kopfmachenden doppelstöckigen lokbespannten Zug der S-Bahn Zürich "geschäftlich" zu nutzen.

Ein Postomnibus der Linie 362 brachte mich bis zur Haltestelle Gebensdorf Cherne, wo sofort hinterher mich ein Autobus der Linie 1 vom Regionalverkehr Baden Wettingen (RVBW) einrollte und mich bis zum Bahnhof Baden brachte. Hier hatte ich ausreichend Zeit, um barfuß hinunter zum Limmatufer zu gehen, einen Steg mit Gittereisen zu überqueren und gleich wieder zurück und dann über eine andere Treppe wieder hoch in die Stadt und zur Postautostation am Bahnhof zu schlendern. Ein Poststellwagen der Linie 354 brachte mich zum Bahnhof Kaiserstuhl. Hier fand ich eine gebührenfreie Toilette vor, was ich auch ausnutzte. 15 Minuten später brachte mich ein Postautobus der Linie 510 zum Flughafen Zürich-Kloten. Diese Verkehrsdrehscheibe habe ich schon öfters benutzt, wenige Male geschäftlich beim Umstieg vom Zug (oder 4rad eines Arbeitskollegen) zum Flieger (bzw. umgekehrt), vom Zug zum Tram (oder umgekehrt), sogar mit dem Velo war ich schon dort vorbeigefahren. Aber nie hatte ich dort einen Linienbus benutzt. Und nun stieg ich hier einfach um von Bus zu Bus. Es war ein Kraftbus der Linie 765 der Verkehrsbetriebe Glattal (VBG).

Dieses Offtopic-Fahrzeug brachte mich zum Bahnhof Bassersdorf, wo ich 17 Minuten Übergangszeit hatte. Mittlerweile war es ca. 12 Uhr. Dann brachte mich ein Autobus der Linie 660 vom Stadtbus Winterthur zum Winterthurer Hauptbahnhof. Nach 22 Minuten Aufenthalt nahm mich ein Postauto der Linie 680 mit zum Bahnhof Elgg und weiter als Linie 681 nach Hagenbuch Dorf. So kam ich in den Genuß, zweimal durch das malerische Städtchen Elgg zu fahren. Hier hatte ich 30 Minuten Aufenthalt, und so sehenswert ist das Dorf wirklich nicht. Eine Toilette war nicht vorhanden, aber immerhin war das Dorf derart klein, daß ich es barfuß durchqueren konnte und ein Gebüsch fand. Mittlerweile war es recht warm geworden, aber am Horizont waren dunkle Wolken sichtbar.

Die Postbuslinie 834 brachte mich zum Bahnhof Frauenfeld. Unterwegs setzte heftiger Regen ein, aber unmittelbar nach Erreichen der Thurgauer Hauptstadt hörte er wieder auf. 25 Minuten Aufenthalt hatte ich, ich ging zunächst in die Stadtkirche St. Nikolaus und weiter zurück durch die Altstadt und eine Einkaufspassage zurück zum Bahnhof. Die Straßen waren naß und teilweise glitschig. Ein kleines Mädchen betrachtete meine Füße. Ich glaubte, es überlegte sich, die Flipflops auszuziehen und barfuß weiterzugehen, tat es schließlich aber doch nicht. Als ich in der Passage eine Treppe runterging, stolperte eine mir entgegenkommende Frau. Möglicherweise hat sie meine nackten Füße gesehen und dabei vergessen, dorthin zu sehen, wo sie lang ging. Genaueres kann ich nicht sagen, weil ich selber nicht stolpern wollte.

Ein Postauto der Linie 838 brachte mich zum Bahnhof Weinfelden. Hier hatte ich 34 Minuten Aufenthalt und Zeit, durch die hübsche Altstadt zu gehen. Ich besichtigte auch die Stadtkirche mit dem dikken Turm. Da sowohl am bahnhof, als auch in der Stadt nur gebührenpflichtige Toiletten vorhanden waren, benutze ich die in einem kopfmachenden Thurbo-Zug. Mit einem Bus der Linie 722 von Wil mobil fuhr ich weiter nach Wil. Ich stieg jedoch nicht am Bahnhof Wil aus, sondern an der Haltestelle Hof zu Wil am Fuße der Altstadt. Kurze Zeit später brachte mit ein Postbus der Linie 726 nach Zuzwil Industrie. Dieser Bus hatte wegen Bauarbeiten Verspätung, so daß ich im Laufschritt in das Anschluß-Pastauto der Linie727 nach Gossau säckeln mußte.

Ich verließ diesen Stellwagen nach an der Herisauer Straße in Gossau, wo Anschluß an den Regiobus der Linie 151 nach St. Gallen bestand. Am Hauptbahnhof stieg ich aus und ging barfuß zur Abfahrstelle des Bahnersatzbusses nach Trogen. Dieser verkehrte wegen Bauarbeiten bei der Trogener Bahn. Um 19:15 Uhr erreichte der Bus Trogen, hier war mein Ziel. Die Toilette war gesperrt, also fuhr ich mit dem Bus 15 Minuten später zurück nach St. Gallen, während ein Gewitter einsetzte. Der nicht überdachte Bereich zwischen Bus und Bahnhof war sehr kurz. Ich rannte zum Bahnsteig, wo gerade mein Intercity einrollte. Als erstes suchte ich die Toilette auf. Um 19:58 Uhr fuhr der Zug los und brachte mich nach Olten, wobei er nur in Winterthur, Zürich Flughafen, Zürich HB und Aarau hielt. 10 Minuten später brachte mich ein Interregio ohne Zwischenhalt nach Zofingen, wo ich um 21:56 Uhr ankam. Ca. 2 km vor dem Zofinger Bahnhof wurde das einzige Mal meine Fahrkarte kontrolliert (am Tag zuvor in den S-Bahnen) kein einziges Mal. Bei trocknem Wetter radelte ich barfuß im Dunkeln nach Hause.

Meine 30. Barfußreise mit dem Generalabo war beendet. Auch mit Kraftstellwagen kommt man in der Schweiz ziemlich weit. Es war wahrscheinlich nicht das letzte Mal, daß ich eine Busreise durch die Schweiz mache.

Schöne Grüße
Michael aus Zofingen


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