Hallo,
am Sonntag, den 24.8.2025 wollte ich mal eine Schiffahrt im Zürichsee einschließlich Obersee unternehmen. Während ich den Zürichsee während meiner Vor-GA-Zeit schon mal dank ZVV-Tageskarte durchfahren hatte, war der Obersee Neuland, da hier Karten des Zürcher Verkehrsverbund nicht mehr gelten. Da das erste Schiff erst um 9:20 Uhr ab der Schiffsstation Bürkliplatz in Zürich abfuhr, unternahm ich einen kleinen Umweg. Ich radelte barfuß bei klarem Himmel und 10°C in Richtung Zofinger Bahnhof, um einen Regioexpreß um 7:13 Uhr nach Luzern zu bekommen. In Luzern wechselte ich in einen Interregio nach Zürich HB, der lediglich in Zug hielt. Danach wechselte ich in die Tunnelstation am Hauptbahnhof, um mit der S-Bahn Richtung Pfäffikon zu fahren. Mit der S-Bahn fuhr ich aber nur bis Stadelhofen.
Hier säckelte ich zur Schiffstation am Bürkliplatz. Es war ziemlich voll in der Stadt, und auch am Anleger warteten schon etliche Leute. Dann drängten die Leute auf das wartende Schiff "Limmat" der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft. Das Schiff war aber bei weitem nicht überfüllt. Trotzdem konnten es viele Leute, speziell Ostasiaten, nicht lassen, Fotos von sich zu machen, und zwar bevorzugt so, daß sie anderen Fahrgästen die Sicht wegnahmen. Sicher sind Schiffe an einem schönen Wochenende (und speziell nachmittags) voller als an einem normalen Wochentag, wenn Erwachsene arbeiten müssen und Kinder in der Schule sind. Chinesische, japanische und indische Touristen dagegen stören einen immer.
Das Schiff bediente erst einige Stationen am Nordufer des Zürichsees, wechselte dann auf die Südseite, an allen Stationen stiegen Leute zu und kaum welche aus. Es hielt auch an der Insel Ufenau, wo erstmalig etliche Leute ausstiegen (was mir auch schon bei früheren Fahrten aufgefallen war), darunter auch ich. Ist die Insel denn so interessant? Die Wege dort sind barfuß nicht gut begehbar, aber ich wollte hier als einziger lediglich umsteigen, da 5 Minuten später das Schiff Säntis eine Rundfahrt durch den Obersee durchführen würde. Das Schiff legte an, ein unbemützter Mitarbeiter (der Gesichtsform nach südeuropäisch) bereitete sich vor, den Steg vom Schiff auf den Anleger zu schieben. In fast akzentfreiem Schweizerdeutsch fragte er barsch, bevor die Leute ausstiegen: "Wollen Sie mitfahren?"
"Ja!"
"Wo sind Ihre Schuhe?"
"Ich habe keine dabei!"
"Wo wollen Sie denn hin?"
"Erst durch den Obersee wieder bis hier, dann weiter nach Zürich."
"Das geht nicht ohne Schuhe. Wie sind Sie überhaupt hierher gekommen?"
"Mit dem Schiff!"
Jetzt verließ ein Rudel Menschen das Schiff, viele davon trugen Flipflops, was den bünzligen Schiffer wohl nicht störte. Ich ging darauf auf das Schiff zu, während der Steuermann von oben rief: "Was ist denn hier los?" Darauf der Spießer: "Er hat keine Schuhe dabei! Kann er so überhaupt mitfahren?" "Ach was solls!" So kam ich doch aufs Schiff. Als der Bünzli die Fahrkarten kontrollierte (gegen mein Generalabo hatte er nichts), sagte er: "Hören Sie! Sie können überall aussteigen, aber nach Zürich kommen Sie niemals. Zum Dresscode gehören Schuhe." "Ich bin aber in Zürich eingestiegen, und niemand hat etwas gesagt." Dann entfernte er sich. Vermutlich war dieser kleingeistige Mensch hoffnungslos überfordert. Oder war er frustriert, weil er arbeiten mußte? Wieso soll ausgerechnet Zürich für Barfüßer problematisch sein? Das Schiff befuhr die Strecke Altendorf, Lachen, Schmerikon und über Lachen, Altendorf und Pfäffikon nach Ufenau (und weiter ohne mich bis Rapperswil). In Ufenau stieg ich mit etlichen anderen Personen aus, während der Schiffer ein grimmiges Gesicht machte.
Am Anleger warteten schon etliche Leute auf die Weiterfahrt nach Zürich mit dem Raddampfer "Stadt Zürich". Im Gedränge fiel den Schiffern sicher nicht auf, daß ich barfuß war. Das Schiff war ziemlich voll, aber nicht übervoll. Einige Leute hatten sich ihrer mehr oder weniger fetten Schuhe entledigt und hielten sich barfuß oder sockig auf dem Schiff mit dem hölzernem Boden auf. Der Dampfer bediente erst die nördlichen Anleger, wechselte dann aber rüber nach Wädenswil und hielt noch in Oberrieden und Thalwil, bevor er in Zürich um ca. 16:20 anlegte.
In der Stadt war es schwierig, voranzukommen. Viele ausländische Touristen machten auch hier Fotos und blockierten sogar Velowege, während E-Trottinetts mit hoher Geschwindigkeit mal auf dem Trottoir, mal auf dem Veloweg kurvten, wo gerade am meisten Platz war. Ich hatte schon Angst um meine Zehen. Trotzdem gelang es mir, unverletzt den Bahnhof Stadelhofen zu erreichen. Es war 16:42 Uhr, als die S-Bahn nach Rapperswil ohne Halt bis Uster startete. In Rüti wechselte ich in eine bereitstehende S-Bahn durchs Tösstal nach Winterthur, einige barfüßige Kinder in der Kinderkarre reisten mit. In Grüze hetzte ich zum anderen Bahnsteig, um mit einer S-Bahn bis Wil zu fahren. Ich hatte fast eine halbe Stunde Zeit, um durch die Stadt zu gehen, bevor mich die Frauenfeld-Wil-Bahn nach Frauenfeld brachte.
Mit dem Interregio ging es weiter bis Winterthur, mit der S-Bahn über Stadelhofen bis Aarau. Hier hatte ich bald Anschluß an eine S-Bahn, die mich ohne weiteres Umsteigen nach Zofingen brachte. Um 21:44 Uhr war ich dort. Bei trocknem Wetter radelte ich barfuß nach Hause. Während des ganzes Tages war es meistens bewölkt bei ca. 20°C gewesen.
Meine 38. Barfußreise mit dem Generalabo war beendet.
Schöne Grüße
Michael aus Zofingen