Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

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#1

Mit Kraftomnibussen die Alpen überquert

in Barfuß und Leben 15.09.2025 08:02
von Michael aus Zofingen | 893 Beiträge | 685 Punkte

Hallo,

am Freitag, den 12.9.2025 sollte in der Schweiz weitestgehend, jedoch nicht ganz trocken werden. Ich radelte barfuß im Dunkeln bei trübem Himmel und 11°C in Richtung Zofinger Bahnhof, um eine S-Bahn um 5:39 Uhr nach Olten zu bekommen. Noch bevor ich den Bahnhof erreichte, setzte Regen ein. In Olten rollte bald darauf ein Intercity Richtung St. Gallen ein, in Zürich stieg ich aus. Ich begab mich zum Intercity nach Chur, der zwischendurch nur in Sargans und Landquart hielt. Der Regen wurde immer heftiger,, in Höhe Ziegelbrücke hatte der Zug jedoch die Front überholt.

In Chur mußte ich barfuß den Bahnsteig wechseln, um mit dem nächsten schmalspurigen Regioexpreß nach Disentis zu fahren. Je weiter sich der rote Zug durch die (Vorder-)Rheinschlucht Richtung Westen schlängelte, desto klarer wurde der Himmel. Es reisten auch viele Leute mit fetten Wanderschuhen mit, einige trugen zwar kurze Hosen, jedoch Jacken oder langärmelige Pullover. Ein Zeichen dafür, daß der Hochsommer vorbei ist, jedoch der tiefste Winter noch nicht eingesetzt hat. Am Endbahnhof Disentis stieg ich aus, jedoch würde der Anschluß erst 50 Minuten später erfolgen. Für Schweizer Verhältnisse fast schon unzumutbar.

Wegen des sonnigen Wetters entschied ich mich, durch den Ort zu gehen statt am Bahnhof zu warten. Zunächst stieg ich den Weg hinauf zum Benediktinerkoster, das im Vergleich zum Ort überdimensioniert wirkt. Für einen Besuch des riesigen Gebäudes war die Zeit doch zu knapp. Also schritt ich meist barfuß meist über gepflasterte Wege hinunter Richtung Westen, kam an der Pfarrkirche Sankt Johannes Baptist vorbei zum westlichen Tunnelmund, wo die Matterhorn-Gotthard-Bahn im Boden verschwand. Durch den Ortskern schritt ich nun ostwärts, kam vorbei am riesigen Parkplatz für Klosterbesucher, die per 4rad anreisen und ging bis etwa in Höhe der St. Placiduskirche. Über einen beschilderten Wanderweg schritt ich zurück zum Bahnhof.

Gerade rollte mein Omnibus der Linie 140 ein und spuckte jedoch Menge Fahrgäste aus. Auch warteten schon etliche Personen, um einsteigen zu können. Die meisten Leute waren in Wanderkleidung. Alle hatten Platz im Bus. Der Bus bewegte sich hinauf zum Lukmanierpaß. Es ist das zweite Mal, daß ich über diesen Paß fahre, alles kam mir jedoch neu vor. Kein Wunder, denn das letzte Mal war vor über 20 Jahren, als ich mit meinen Eltern dort längs fuhr. Außerdem sieht man vom Bus als Fahrgast mehr von der Landschaft als wenn man sich als Fahrer im 4rad auf den Verkehr konzentrieren muß, noch dazu in einem Auto, das einem nicht gehört und man selber nur sehr selten Auto fährt. Anschließend ging es wieder hinunter durch das Bleniotal. Erst ab Olivone wird das Tal dichter besiedelt. Noch dichter besiedelt wurde es ab Acquarossa. Hier stürmten Schüler unseren sowie zwei weitere Busse an der Haltestelle vor der Schule. Nicht alle fanden einen Platz, manche machten Lärm, bis schließlich der Chauffeur einschritt. Weiter ging es bis Biasca. Früher konnte man diese Strecke mit der Schmalspurbahn zurücklegen.

In Biasca, wo es sonnig und deutlich wärmer war als in Disentis, hielt der Bus an einer provisorischen Haltestelle vor dem Bahnhof. Zur Weiterfahrt nach Bellinzona stieg ich in eine wartende Kraftpost der Linie 221, ich hätte auch 17 Minuten auf eine S-Bahn warten können und wäre ungefähr zur gleichen Zeit in der Tessiner Hauptstadt gewesen. In Bellinzona war es sonnig, jedoch schien es kurze Zeit vorher einen Gewitterschauer gegeben zu haben. Jedenfalls waren die Straßen naß, und es war angenehm, barfuß über den Asphalt zu gehen. Viel Zeit hatte ich jedoch nicht, denn um 12:56 Uhr fuhr bereits mein doppelstöckiges Postauto der Linie 171 über die San Bernadino-Route zurück nach Graubünden.

Dieser Bus füllte sich schnell unter anderem mit einer Schulklasse aus Schiers. Ich fuhr nicht das erste Mal die San Bernadino-Route, jedoch erstmalig mit einem Expreßbus, der nur selten hielt und Schnellstraßen benutzte. Der Chauffeur erklärte während der Fahrt allgemeines etwa übers Hochwasser im Misox auf Hochdeutsch. Die Schulklasse dagegen begrüßte er im Bündner Dialekt. Je höher der Bus hinaufstieg, desto mehr nahm die Bewölkung zu, nördlich des San Bernadino dagegen wieder ab. Nachdem der Bus am Bahnhof Thusis gehalten hatte, fuhr er über die Schnellstraße Richtung Chur. Wegen eines Staus bei Reichenau, hatte er erhebliche Verspätung. Der Lehrer sagte den Schülern, sie sollten sich beeilen, um den Anschluß zu erreichen.

Gleiches galt für mich. Meine S-Bahn (Thurbo-Zug) nach Landquart fuhr in 5 Minuten um 15:31 Uhr, und ich mußte ein ziemliches Stück aus der Postautostation zum Kurzbahnsteig säckeln. Die Schulklasse, die dazu Gepäck aus dem Kofferraum des Busses ausladen mußte, erreichte diesen Zug nicht, möglicherweise wollte sie aber erst 22 Minuten später mit der Rhätischen S-Bahn nach Schiers ohne Umsteigen fahren. Ich wechselte in Landquart den Bahnsteig, um mit einem Regioexpreß nach Scuol zu fahren. Je näher man dem Vereinatunnel kam, desto bedeckter wurde der Himmel, hinter der Tunnel dagegen war die Bewölkung aufgelockert. Der Zug fuhr ostwärts durchs Engadin bis zur Endstation. Der Bushof vor dem Bahnhof war verweist, jedoch rollten kurz darauf etliche Busse aus allen möglichen Orten an, spuckten Passagiere aus, nahmen neue auf und schwärmten dann praktisch gleichzeitig wieder aus.

Mit dem nächsten Gegenzug fuhr ich zurück durchs Engadin, jedoch nicht nach Landquart, sondern nach Pontresina. Mit demselben Zug fuhr ich zurück, jedoch nur bis Samedan. Hier hatte ich sofort Anschluß Richtung Chur. Dieser Interregio befuhr die Albulastrecke. Nördlich des Tunnels lagen wieder tiefe Wolken, jedoch wurde es dunkel, und von der schönen Strecke war nicht mehr viel zu sehen. In Chur bestand Anschluß an einen Intercity nach Zürich HB am selben Bahnsteig gegenüber, in Zürich bestand Anschluß an einen Intercity nach Bern am selben Bahnsteig gegenüber. Ich fuhr damit bis Olten, wo ich in einen Regioexpreß umstieg. Um 23:13 Uhr war ich in Zofingen. Bei bewölktem Wetter radelte ich barfuß nach Hause.

Meine 43. Barfußreise mit dem Generalabo war beendet.

Schöne Grüße
Michael aus Zofingen


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