Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

ein kleines demokratisches Forum für Leute, die gerne barfuß laufen





#1

Schuhe als Symbol der Macht?

in Allerlei kurioses 24.09.2025 20:46
von Michael aus Zofingen | 896 Beiträge | 693 Punkte

Hallo,

schon öfters wurde in diesem und anderen mehr oder weniger demokratischen Foren ein Zusammenhang zwischen barfuß und Armut diskutiert. Auch im Buch „Beerensommer" von Inge Barth-Grözinger ist dieses ein entscheidendes Thema. Die „offizielle" Kurzzusammenfassung kann man hier lesen.

In einer Rahmenhandlung sucht die 19jährige Berlinerin Anna (Johannes' Urenkelin) nach dem Krebstod ihrer Mutter das (fiktive) Dorf Grunbach im Schwarzwald auf um den das Erbe zu regeln mit entfernten Verwandten. Annas Mutter hatte den Schwarzwald fluchtartig verlassen, um ihr eigenes Leben zu leben. Beim Durchgehen des Tagebuchs und Gesprächen mit den Verwandten wird vieles klar, was Anna nicht wußte.

Friedrich wurde 1900 geboren, sein Vater, ein pleite gegangenen Geschäftsmann ertrinkt in der Enz, die Mutter sowie der jüngere Bruder und die Schwester kommen ins Armenhaus „Stadtmühle" in Grunbach.

Johannes wurde 1998 als unehelicher Sohn einer Frau (sie starb bei der Geburt) und eines italienischen Gastarbeiters geboren und kommt ins Armenhaus (zusammen mit seiner Großtante).

Weitere Bewohner des Armenhauses sind eine Säuferfamilie sowie eine ehemalige Hausbedienstete, die von ihrem Dienstherrn geschwängert wurde und dann mit Schimpf und Schande entlassen wurde. Durch Prostitution konnte sie das Armengeld aufbessern. Das Kind Gretl lebt auch im Armenhaus (wird später Friedrichs Haushälterin und lebt als hochbetagte Frau noch während der Rahmenhandlung).

Johannes, Friedrich und Geschwister sowie Gretl und Guste (Tochter aus der Säuferfamilie) verdienen durch Pflücken von Beeren Geld (die Söhne der Säuferfamilie durch kriminellere Dinge). Ein strenger Oberlehrer und "Rassenexperte" erkennt Johannes' Zeichentalent und fördert ihn, weil er in ihm einen besonderen Vertreter der "richtigen" Rasse zu sehen glaubt. So kann er eine Goldschmiedelehre beginnen.

Im 1. Weltkrieg wird Johannes noch eingezogen und verletzt, Friedrich ist noch zu jung.

Nach dem Krieg macht Friedrich (politisch rechtsstechend) Karriere in einem Sägewerk, Johannes wird Kommunist, der Oberlehrer stirbt, weil Deutschland den Krieg verloren hat, dessen Sohn wird Anhänger der Nazis.

Der schüchterne Johannes lernt eine Frau kennen, der Frauenheld Friedrich schwängert sie, heiratet jedoch die Tochter des Sägewerksbesitzers. Johannes heiratet trotzdem die Frau und nimmt das uneheliche Kind auf. Die Freundschaft der beiden Männer ist vorbei.

Beide Paare bekommen noch je ein Kind, beide Ehen sind aber unglücklich.

Friedrich schwängert noch Johannes' Tochter, die bei der Geburt von Annas Mutter selber stirbt (Somit ist Anna nicht nur Johannes' Urenkelin, sondern auch Friedrichs Enkelin). Friedrichs unehelicher Sohn fällt im Krieg, sein ehelicher Sohn begeht Selbstmord nach Spielschulden.

Friedrich stirbt 1965 und entschuldigt sich bei Johannes, Johannes stirbt 1985 (4 Jahre nach Annas Geburt, 15 Jahre vor Annas' Mutters Tod).

Ebenso kommt heraus, daß der Sohn des Oberlehrers nicht nur eine legitime Tochter hat, sondern auch noch einen Stiefsohn, der durch Vergewaltigung seiner Frau durch einen marokkanischen Soldaten der französischen Besatzer entstanden war. Nach Heimkehr des Oberlehrersohns aus der Kriegsgefangenschaft liebt es seinen Stiefsohn wie einen echten Sohn, während die Mutter wahnsinnig wird. Der Sohn dieser „halbpigmentierten“ Person verliebt sich übrigens in Anna.

Weitere Grausamkeiten:
Ein mongoloider junger Mann wird von den Nazischergen abgeholt und als „lebensunwertes Leben“ durch Giftspritze hingerichtet (offizielle Version: Lungenentzündung).
Die einzig vernünftige Tochter aus der Säuferfamilie geht in Stellung, verliert den Job aber währen der Wirtschaftskrise, wird „aufgrund ihrer Herkunft“ aber zwangssterilisiert.

Sicher ist es ein Roman, und Grunbach gibt es nicht wirklich. Wahrscheinlich hat der Bad Wildbacher Stadtteil Calmbach Pate gestanden, da der Zusammenfluß von großer und kleiner Enz erwähnt wird. Auch spielt die Enztalbahn eine Rolle, da Fahrten nach Neuenbürg und Pforzheim erwähnt wurden. Allerdings verkehrten damals noch rauchende Offtopic-Fahrzeuge, keine Stadtbahnzüge.

Einige Passagen im Text, die mit barfuß zusammenhängen:
(Gedanken von Friedrich nachdem seine alten Schuhe eingelaufen sind): Barfuß zu laufen – das war ein Zeichen der Armut, der schlimmen endgültigen Armut! Das hieß, daß er jetzt dazugehörte, daß er abgerutscht war zu den Ärmsten der Armen und daß sich die Schranken hinter ihm schlossen.“

(Friedrich nach einer Prügelei mit reichen Jugendlichen: „Dieser glänzende blank geputzte Schuh wurde in diesem Moment für ihn ein Symbol der Macht, der Herrschaft von denen über die anderen, die im Dreck lagen und Staub fressen mußten. Er hatte einmal zu denen gehört, damals. Jetzt gehörte er zu denjenigen, die wie Johannes im Dreck lagen und den Staub fraßen.“

(Johannes zu Gretl vor Friedrichs Beerdigung): „Gretl, versprich mir eines: Wenn ihr ihn ankleidet, dann ziehst du ihm Schuhe an.Hörst du, Gretl, die besten Schuhe die er hat. Legt ihn nicht ohne Schuhe in den Sarg!“

In dem Roman gibt es noch mehr Passagen, in denen Schuhe als Zeichen von Macht galten. Friedrich hat in seinem riesigen Haus auch einen riesigen Schuhschrank eingerichtet. Am Ende des Romans geht Friedrichs Unternehmen auch bankrott, all sein wieder erworbener Reichtum hat ihm nichts genützt.

Heute müssen arme Leute in Mitteleuropa nicht mehr barfuß gehen, aber die Grenzen zwischen arm und reich existieren nach wie vor. Auch wollen reiche Leute vielfach (nicht immer) unter sich bleiben.

Nachdenkliche Grüße
Michael aus Zofingen


Lebenskünstler hat sich bedankt!
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#2

Schuhe als Symbol der Macht?

in Allerlei kurioses 25.09.2025 21:22
von EinBonner | 263 Beiträge | 87 Punkte

Schuhe generell nicht, aber Stiefel können nach meinem Empfinden als Machtsymbole dienen. Man denke nur an »Knobelbecher« und »Springerstiefel«.

-- Ein Bonner


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#3

RE: Schuhe als Symbol der Macht?

in Allerlei kurioses 26.09.2025 09:55
von tiptoe | 611 Beiträge | 194 Punkte

Keine schuhe zu brauchen kann auch ein ausdruck der stärke sein. Wer auch ohne gut zurechtkommt, bekommt nicht nur mehr von der welt mit, sondern ist auch ein stück freier und unabhängiger.
(Lässt sich auf manch anderes ausdehnen, das viele für völlig unverzichtbar halten, aber in wahrheit gar nicht so wichtig ist. So lebe ich seit jeher ohne eigenes auto und schon lange ohne fernseher, allerdings konsumiere ich dafür diverse andere medien, so auch dieses hier.)


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#4

RE: Schuhe als Symbol der Macht?

in Allerlei kurioses 27.09.2025 05:54
von André Uhres • Admin | 2.390 Beiträge | 1267 Punkte

Zitat von tiptoe im Beitrag #3
Keine schuhe zu brauchen kann auch ein ausdruck der stärke sein


Im Gegenzug sind es die Schuhe, die uns schwächen!
Für mich sind Schuhe vor allem das Sinnbild des modernen Menschen und seiner Verletzlichkeit (Plantarfaszie, Sehnen, Knie, Rücken, ...).

Wo immer wir auch gehen
man kann auch allerorten
fast nur noch Leute sehen
die sind von diesen Sorten
für die die Welt des Schuhs
mehr Wert hat als der Fuß



Alles Liebe
André



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#5

RE: Schuhe als Symbol der Macht?

in Allerlei kurioses 27.09.2025 06:38
von André Uhres • Admin | 2.390 Beiträge | 1267 Punkte

Zitat von EinBonner im Beitrag #2
Stiefel können nach meinem Empfinden als Machtsymbole dienen


Was wäre denn ein Sinnbild
für den modernen Menschen?
Vielleicht wär es das Abbild
von etwas das mit kämpfen
zu tun hat denn die Welt
bekriegt sich wie ein Held

So kam ich auf den Stiefel
ein Liebling der Soldaten
Zwar hat der Schokoriegel
auch sehr sehr viele Arten
doch gibt es kaum 'nen Krieg
dem er verhilft zum Sieg



Alles Liebe
André



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