Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

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#1

Zug verpasst? Nicht wenn man barfuß durch den Bahnhof spurtet

in Barfuß und Leben 14.03.2026 20:04
von Lebenskünstler • Admin | 1.457 Beiträge | 1661 Punkte

Dieses Jahr hat der Teufel gemacht, eigentlich schon ab Herbst vergangenen Jahres. Seit November bin nur noch am herumhetzen. Von hier nach da, und im Wochentakt quer durch Deutschland, von Ost nach Süd, weiter ins Rheinland und zurück, und das mit der Schneckenbahn. Das alleine wäre ja noch kein Grund zum klagen, wer Deutschland-Ticket hat will es nicht anders, als mit Regiozügen zocken. Gebaut wird auch immer irgendwo, einen Anschlusszug unter 15 Minuten Umsteigezeit zu erwischen ist eher Glückssache.

Nun kommt zu allem Überfluss noch die Baustelle München 41 dazu, der Bahnhof wird runderneuert, was für die Leute mit erheblichen Einschränkungen verbunden ist. Bisher war es schon eine Glückssache, vom Starnberger Flügelbahnhof in die Haupthalle, Umstiegszeit acht Minuten Richtung Nürnberg war gerade eben so zu schaffen.

Nun ist der Durchgang gesperrt, man muss aussenherum im Slalom gehen, auch mit flottem Schritt sind die acht Minuten eine echte Herausforderung. Glücklicherweise ist die Umleitung überdacht, und somit nicht mit Split bestreut. Also barfuss rüber, im Zickzack an herumstehenden Reisenden vorbei. Gerade noch mal erwischt, auch weil ein Zugbegleiter mich heraneilen sehen hat, und wartete. Mit Schuhen, und erst recht mit Schlappen – keine Chance, weil der Boden im Münchner Hbf. ziemlich glatt und damit rutschig ist.

Ihr meint, das sei nicht mehr steigerungsfähig? Oh doch.... mit der BRB (früher BOB) war ich aus dem Oberland unterwegs nach München, die DB-App informierte dass der Zug „in der Haupthalle“ eintrifft. Das wäre ja für mich passend, weil der Weg zum Anschluss dann deutlich kürzer ist. Doch zu früh gefreut. Der Zug sollte auf Gleis 7 eintreffen. Gleis 7 ? Hä

Bei mir schrillten alle Alarmglocken, und zwar ziemlich laut. Gleis 7 ist der Holzkirchner Flügelbahnhof, etwa doppelt so weit von den Hauptgleisen entfernt wie der Starnberger.
In Holzkirchen hatte es ziemlich viel Split, und ich deshalb Latschen an. Also runter mit den Dingern, ganz vorne im Zug in Position und nach Freigabe der Tür sofort losgespurtet. Wer schon mal an diesem Flügelbahnhof ein- oder ausgestiegen ist, ahnt schon dass das für einen alten Dackel der heuer 65 wird aussichtslos ist, den Anschluss mit nach wie vor acht Minuten zu erwischen. Na ja, wäre auch kein Drama, dreissig Minuten später fährt ein Bummerl.

Doch geht net, gibt‘s net. Nicht für jemanden der mal als Jungspund Sportler war. Mit Rucksack auf dem Buckel rennt es sich schlecht, also im flotten Gang mit von früheren Sportskollegen gefürchteten Siebenmeilenschritt immer geradeaus. Mein Papa sagte mal beim Training: wenn er vier Schritte macht, würde ich drei machen. Immer den Blick auf der Uhr, in der Haupthalle endlich angekommen waren es noch drei Minuten bis Abfahrt. Dumm nur, dass mein Zug am anderen Ende, am vorletzten Gleis, wartete.

Tief durchatmen, und die letzten Kräfte bündeln zum Endspurt. Geschafft! Sieben Minuten von Gleis sieben bis Gleis 24. Mit Schuhen hätt ich das nicht geschafft.

Und eines muss man dem Trupp von München 41 lassen: Humor haben sie ....




Grüßle vom Lebenskünstler
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#2

RE: Zug verpasst? Nicht wenn man barfuß durch den Bahnhof spurtet

in Barfuß und Leben 16.03.2026 10:56
von Michael aus Zofingen | 908 Beiträge | 716 Punkte

Hallo Lebenskünstler,

barfuß von einem Zug zum anderen hetzen (oder zu einem anderen Offtopic-Fahrzeug oder umgekehrt) ist für mich auch fast schon an der Tagesordnung. In der Regel verlasse ich mich darauf, daß die Anschlüsse, die mir der SBB-Fahrplan raussucht, auch einhaltbar ist, einerseits bezüglich Pünktlichkeit, andererseits auch bezüglich meiner Beweglichkeit. Für Rollstuhlfahrer, Leute mit Kinderwagen, Leute mit schweren E-Bikes, Leute mit mehreren Rollkoffern oder Skiern (und möglicherweise auch Barfüßern bei stark gesplitteten Wegen) sind die Übergangszeiten teilweise zu knapp. Daher bemühe ich mich, soweit die Sitzplatzbelegung es erlaubt und mir die "Ausgangslage" (in doppelter Bedeutung) des Zielbahnhofs bekannt ist, mir einerseits einen Platz in der Nähe einer Tür zu suchen und diese Tür möglichst nahe der Treppe zu stehen kommt, damit ich einen möglichst kurzen Weg zum nächsten Zug, Bus, Tram, Schiff oder meinem Velo habe. Ich gehöre jedoch nicht zu den Leuten, die bereits 5 Minuten, bevor der Zug in Pasing hält, bereits aufstehen und die Tür blockieren, obwohl sie erst am Münchner Hauptbahnhof aussteigen wollen. Wenn ich möglichst früh bei der Treppe (oder Rampe) bin, muß ich mein Tempo nicht den lahmarschigen Fahrgästen anpassen, die im Schneckentempo nebeneinander sich wischphonlesend fortbewegen und andere Leute daran hindern, ein Tram zu erreichen, das pünktlich 3 Minuten nach Ankunft des Zuges abfährt.

Ferner hat man mehr Chancen, im Anschlußfahrzeug einen "guten" Sitzplatz zu bekommen. Wenn ich etwa von Zofingen nach Ascona über die Gotthard-Bergstrecke will, steige ich in Zofingen möglichst hinten ein. Dann bin ich im Kopfbahnhof Luzern auch hinten und habe via Unterführung einen kürzeren (und weniger vollen) Weg zum "richtigen" Ende des Kupferzugs als durch die Haupthalle. Im Kupferzug sitze ich möglichst vorne. Dann habe ich in Locarno den kürzesten Weg zum Bus nach Ascona. Dieser fährt nur 2 Minuten nach Ankunft des Kupferzuges und ist "offiziell" nicht erreichbar (erst der Bus 15 Minuten später). Oftmals erwische ich ihn noch, nicht aber die anderen Fahrgäste, die sich blind auf die Anzeigen im Wischphon verlassen.

Fairerweise muß ich sagen, daß in der Schweiz zumindest an kleineren Bahnhöfen die Übergangswege zu Bussen recht kurz sind (und nicht selten gut beschildert). Wenn etwa ein Bahnhofsgebäude an einer Stichstraße ca. 400 m von einer Hauptstraße entfernt liegt, dann macht der Bus eine Schleife zum Bahnhof, während in Deutschland nicht selten sich die Bushaltestelle am Ende der Stichstraße liegt und umsteigende Fahrgäste 400 Meter säckeln müssen. Die Schleife führt zwar zur Verlängerung der Busfahrt, jedoch nicht zur Verlängerung der Gesamtreisezeit. Und sicher fahren bei kurzen Umsteigewegen mehr Leute mit öffentlichen Verkehrsmitteln statt mit dem 4rad als bei längeren Umsteigwegen.

Schöne Grüße
Michael aus Zofingen


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Lebenskünstler hat sich bedankt!
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#3

RE: Zug verpasst? Nicht wenn man barfuß durch den Bahnhof spurtet

in Barfuß und Leben 17.03.2026 10:21
von heinz | 42 Beiträge | 65 Punkte

Hallo Lebenskünstler

Da kann ich nur staunen. Dein Bericht liest sich wie ein actionreicher Thriller durch die Münchner Bahnhofslandschaft. Man spürt richtig, wie sehr du auf jede Minute, jeden Schritt und jede Umleitung achten musstest. Die Kombination aus Baustelle, Umleitungen, Split und kurzen Umsteigezeiten klingt nach einem echten Hindernisparcours – für die meisten schon stressig mit Schuhen, für dich barfuß zusätzlich ein ganz eigener Erfahrungslevel.

Besonders beeindruckend finde ich, wie du die alten sportlichen Reflexe abrufst, die Routen im Kopf durchplanst und trotzdem noch den Humor behältst. Diese Mischung aus Präzision, Körpergefühl und Situationsbewusstsein ist außergewöhnlich. Der „Siebenmeilenschritt“ mit Rucksack auf dem Rücken – da sieht man förmlich, wie jeder Muskel mitarbeitet, während du dich zwischen den Gleisen durchschlängelst.

Dass der Trupp von München 41 dabei Humor gezeigt hat, passt ins Bild: Eine Baustelle ist ja für alle stressig, und wer dann noch Schabernack versteht, macht die ganze Hatz etwas erträglicher.

Dein Beitrag zeigt wieder einmal, dass man mit guten Augen für Details, körperlicher Fitness und klarer Strategie auch die kompliziertesten ÖV-Hindernisparcours meistern kann – barfuß oder nicht. Und es macht Lust, selbst mal zu testen, wie viel Beweglichkeit und Timing im Alltag wirklich ausmachen.

Viele Grüße
Heinz



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