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Barfuß vor dem "Wintereinbruch"
in Barfuß und Leben 26.03.2026 11:20von Michael aus Zofingen •
| 908 Beiträge | 716 Punkte
Hallo,
nach mehreren Schönwettertagen im Tessin sollte es am Wochenende 21./22.3. auch im Süden bewölkt sein, während es im Norden am Samstagvormittag noch sonnig und recht warm sein, dann Bewölkungszunahme, gefolgt vom Regen bis in den Vormittag des Sonntags, dann Bewölkungsauflockerung. Da meine Lebensmittelvorräte zur Neige gegangen waren, konnte ich am Samstag noch mit dem Velo zum barfüßigen Einkaufen fahren und danach zur Aare bei Ruppoldingen. Dort bin ich im Sommer häufiger zum Baden (bevor ich ein Generalabo besaß sogar deutlich häufiger) gefahren. An den drei folgenden Tagen sollte es wieder im Süden der Schweiz fast schon sommerlich sein, womit meine Reiseroute fast schon klar war.
Montag, 23.3.2026:
Route: Abfahrt in Zofingen 6:29, Interregio bis Luzern, Kupferzug bis Locarno über alte Gotthardstrecke, FART-Bus 1 bis Ascona Centro, Wanderung zum Strandbad und längerer Aufenthalt dort, Rückkehr durch die Altstadt zur Bushaltestelle. Abfahrt 17:14 mit FART-Bus 1 nach Locarno, S-Bahn bis Bellinzona, Intercity bis Luzern via Gotthard-Basistunnel, Interregio nach Zofingen, Ankunft 20:31.
Bemerkungen: Bei leichter Bewölkung losgefahren (2°C), praktisch den ganzen Tag sonnig (gegen 16 Uhr bezog es sich in Ascona, die Wolken lösten sich aber wieder auf), die Schneemengen im Raum Göschenen und im Raum Airolo waren deutlich geringer als die Woche zuvor, in Ascona warm (an Seeufer Aufenthalt in Badekleidung möglich), in Zofingen abends 8°C.
Ein paar Leute, die kurz im See badeten, darunter Agnes. Auch ich war kurz im Wasser. Keine barfüßigen Kinder (generell waren nur wenig Kinder dort) am Seeufer oder auf Spielplatz gesehen, jedoch einige Erwachsene.
Außerhalb des Strandes neben Sportlern auch andere Leute in kurzen Hosen und in der Stadt. An dieser Stelle möchte ich einen Velofahrer im Rentenalter erwähnen, den ich schon sehr oft gesehen habe, wenn ich mit dem Kupferzug, der um 7:18 Uhr in Luzern Richtung Locarno fährt, ins Tessin unterwegs bin. Der Mann besteigt samt Velo (kein Rennvelo oder Mountainbike) in Faido den Zug und steigt in Bellinzona wieder aus. Das ist an sich nichts besonderes. Da ich wegen der knappen Anschlußzeit in Locarno" immer in der Nähe der vordersten Tür sitze, sehe ich ihn immer am Bahnsteig warten. "Auffällig" ist höchstens, daß er bis in den Oktober hinein und auch wieder ab letzter Woche eine kurze Velohose trägt, dazu aber mehrere Schichten Oberbekleidung, Handschuhe und Mütze (im Winter trägt er eine lange Velohose). Je nach Überhitzungsgrad des Zuges entledigt er sich nicht nur der Jacke, sondern auch noch einzelner Pullover. Ob er konsequenterweise im Winter auch die lange Velohose im Zug auszieht, kann ich weder bestätigen, noch dementieren, denn nur selten befindet sich sein Sitzplatz in meiner Nähe (eigentlich nur dann, wenn sein bevorzugter Veloabstellplatz bereits von anderen Velos oder Koffern verstellt ist und er sich was anderes suchen muß. Für mich ist die Kombination kurze Hose, Schuhe, Handschuhe und Mütze nicht auffällig. Ich habe schon mehrfach die Kombination barfuß, lange Hose, Handschuhe und Mütze beobachtet, soll doch jeder die Kleidungsstücke so kombinieren, wie es ihm paßt. Mir wäre beispielsweise die Kombination Krawatte, kurze Hose, lange Unterhose unangenehm. Der Velofahrer ist auch bei den Schaffnern bekannt, öfters redet er auch mit ihnen, was ich mangels Italienischkenntnisse nicht verstehe. An diesem Tag hörte ich, wie die junge freundliche Schaffnerin (Muttersprache deutsch, sie konnte aber auch italienisch) den Mann an der Eingangstür hinter mir empfing: "Bongiorno, Renato!" Nun weiß ich auch seinen Namen.
Dienstag, 24.3.2026:
Route: planmäßige Abfahrt in Zofingen 6:29, Interregio bis Luzern (mit 13 Minuten Verspätung abgefahren und mit 17 Minuten Verspätung angekommen), Kupferzug (knapp erreicht) bis Locarno über alte Gotthardstrecke, FART-Bus 1 bis Ascona Centro, Wanderung zum Strandbad und längerer Aufenthalt dort, Rückkehr durch die Altstadt zur Bushaltestelle. Abfahrt 17:14 mit FART-Bus 1 nach Locarno, S-Bahn bis Bellinzona, Intercity bis Luzern via Gotthard-Basistunnel, Interregio nach Zofingen, Ankunft 20:31.
Bemerkungen: Bei leichter Bewölkung losgefahren (0°C), praktisch den ganzen Tag sonnig (gegen 16 Uhr nahm der Wind stark zu), in Ascona warm (an Seeufer Aufenthalt in Badekleidung möglich), in Zofingen abends 7°C (auf der Alpennordseite schien es zeitweise geregnet zu haben).
Ein paar Leute, die kurz im See badeten, Agnes war diesmal nicht da. Die Frau, die im Neoprenanzug (samt Taucherschuhen) trainierte, war diesmal auch da. Auch ich war kurz im Wasser. Keine barfüßigen Kinder am Seeufer oder auf Spielplatz gesehen, jedoch einige Erwachsene.
Da mein Zug von Zofingen Verspätung hatte, fand ich den Kupferzug bereits stärker besetzt vor als üblich, so daß ich in einem anderen Abteil zwischen zweiter und dritter Tür einen Sitzplatz fand. In Arth-Goldau stiegen etliche in den schnellen Zug von Zürich nach Lugano, andere kamen in meinen Zug, überwiegend Skifahrer, die bis Göschenen wollten, jedoch auch zwei ältere Frauen, die vor mir saßen. Aufgrund der Rückenlehne konnte ich sie nicht sehen, nur hören, wie sie sich so laut unterhielten, daß ich es verstehen konnte. Anfangs konnte ich es sogar nachvollziehen, was sie sagten. Sie meckerten nämlich über das Verhalten von Fahrgästen, die ihre Füße auf gegenüberliegende Sitzplätze legten oder mit Koffern Sitzplätze und Gänge blockierten. Ich vernahm auch, daß sie nach Ascona wollten und daß sie schon öfters in vielen eher luxuriösen Orten in der Schweiz und im Ausland waren. Speziell schien bei auf deren Reisen die Gastronomie das wichtigste zu sein. Sie bemängelten die unhöflichen und arroganten Kellner in St. Moritz und Zermatt, was ich nicht selber beurteilen kann, da ich um Einrichtungen dieser Art einen Bogen mache. Dann lästerten sie über die Arroganz gewisser Leistungssportler wie Marco Odermatt (Sport interessiert mich nicht, Wintersport erst recht nicht).
Völlig unterdurch waren die "Damen" bei mir jedoch ab Faido. Renato hatte den Zug bestiegen und ging an mir vorbei. Nach einiger Zeit hörte ich die eine Frau sagen: "Kurze Hosen und Handschuhe! Und nun sitzt er im Unterhemd herum." Am liebsten hätte ich den Schachteln gesagt, das er genau das richtige tut, um im warmen Zug einer Erkältung vorzubeugen. Ich ließ es aber bleiben. Renato trug übrigens kein Unterhemd sondern ein T-Shirt, das einen höheren Bedeckungsgrad aufwies als meines. Die junge Schaffnerin (dieselbe wie am Vortag) wechselte abermals ein paar freundliche Worte auf italienisch mit ihm. Als sie außer Hörweite war, sagte eine der Hexen: "Diese jungen Frauen wissen auch nicht mehr, was sich gehört. Wie kann man nur dazu herablassen so mit primitiven Menschen zu reden." Dann regte eine sich drüber auf, daß manche Männer im Sommer mit nacktem Oberkörper joggen, worauf die andere sich an Männern mit Bierbauch in engen T-Shirts störte. Schließlich störte sich noch eine der Frauen an das Verhalten in Nachbars Garten. Dort würden im Sommer Frauen im Bikini Tischtennis spielen, und das Wippen würde sie eklig finden.
Als sich der Kupferzug Locarno näherte, wollte ich mich zur vordersten Tür begeben, um ja den 2 Minuten später abfahrenden Omnibus nicht zu verpassen. Da vor mir jemand Gepäck von den Ablagen beförderte, mußte ich neben den Sitzplätzen der Damen warten. Jetzt sah ich, daß eine von ihnen einen Kropf hatte und auch die andere alles andere als untergewichtig waren. Vermutlich schämten sie sich ihres Körpers und waren neidisch auf solche Leute, die "Idealfigur" haben und empört gegenüber solchen, die auch ohne Idealfigur ihren Kleidungsstil eher der Witterung als der Meinung der Füdlibürger anpassen. Erst jetzt schienen sie mich bemerkt zu haben. Die ohne Kropf schrie: "Können Sie nicht lange Hosen, Schuhe und ein richtiges Hemd anziehen! So fährt man nicht mit dem Zug." Darauf antwortete ich: "Ich besitze auch Anzug und Krawatte, und ich ziehe sie auch an, wenn ich es nötig finde. Aber Bahnfahren mit Menschen, die lautstark im Proletenton über andere Leute lästern, die niemandem einen Schaden zufügen, gehört definitiv nicht dazu." Während sie mir nachrief: "Unverschämter Kerl, ich rufe die Polizei!" ging ich am Schaffner (in Bellinzona war Personalwechsel) vorbei zu "meiner" Tür. Während der Zug langsam in den Kopfbahnhof einrollte, sah und hörte ich, wie die Damen mit dem Schaffner (ein älterer Mann, er sprach hochdeutsch mit italienischem Akzent) über mein Fehlverhalten diskutierten. Ich verstand es nicht mehr, da sich nun die Tür öffnete und ich zum Bus säckeln konnte. Die Damen kamen schließlich auch vom Perron, erreichten aber den Bus nicht mehr.
Schadenfreude ist die schönste Freude.
Mittwoch, 25.3.2026:
Route: Abfahrt in Zofingen 6:29, Interregio bis Luzern, Kupferzug bis Locarno über alte Gotthardstrecke, FART-Bus 1 bis Ascona Centro, Wanderung zum Strandbad und längerer Aufenthalt dort, Rückkehr durch die Altstadt zur Bushaltestelle. Abfahrt 16:14 mit FART-Bus 1 nach Locarno, S-Bahn bis Bellinzona, Intercity bis Luzern via Gotthard-Basistunnel, Interregio nach Zofingen, Ankunft 19:31.
Bemerkungen: Bei leichter Bewölkung losgefahren (5°C), praktisch bis 15 Uhr sonnig, in Ascona warm (vermutlich noch 2°C wärmer als am Tag zuvor, an Seeufer Aufenthalt in Badekleidung möglich), danach plötzlicher Wolkenaufzug und Wind, nördlich des Gotthardtunnels nasse Straßen, in Zofingen abends 3°C bei starkem Regen.
Ein paar Leute, die kurz im See badeten. Auch ich war kurz im Wasser. Agnes und die Frau im Neoprenanzug waren nicht da. Deutlich mehr Kinder waren am Seeufer und auf dem Spielplatz als an den Tagen zuvor. Ich glaube nicht, das das Wetter schuld ist, sondern die Tatsache, daß Mittwoch war. In der Schweiz haben Schüler auch nachmittags Unterricht, mittwochs jedoch in der Regel nicht. Diesmal auch barfüßige Kinder, und zwar solche, die italienisch sprachen.
Heute morgen lag wenig Schnee in Zofingen. Die nächsten Tage soll es hier kalt bleiben. Im Süden ist es laut Wetterbericht heute und morgen unangenehm windig, am Wochenende soll es dort wieder angenehmer werden.
Meine 133. bis 135. Barfußreise mit dem Generalabo waren beendet.
Schöne Grüße
Michael aus Zofingen
RE: Barfuß vor dem "Wintereinbruch"
in Barfuß und Leben 26.03.2026 11:30von heinz •
| 42 Beiträge | 65 Punkte
Hallo Michael
Wieder ein Bericht voller kleiner Mosaiksteinchen, die zusammen ein sehr lebendiges Bild ergeben. Die Woche hatte offensichtlich einiges zu bieten, nicht nur wettertechnisch.
Schön, dass du nun auch Renatos Namen kennst. Solche Figuren, die man immer wieder sieht ohne je ein Wort gewechselt zu haben, bekommen durch einen Namen plötzlich mehr Kontur. Seine Schichtenmethode im Zug hat etwas Pragmatisches, das mir sympathisch ist. Jeder regelt seine Körpertemperatur eben auf seine Weise.
Die beiden Damen im Kupferzug sind ein eigenes Kapitel. Was du beschreibst, ist dieses typische Muster: Wer lautstark über die Manieren anderer herzieht, merkt oft nicht, wie ungnädig das Licht dabei auf einen selbst fällt. Schuhwerk und Hemd als Maßstab für Würde, während man gleichzeitig die Schaffnerin für ihre Freundlichkeit gegenüber „primitiven Menschen" rügt – das sagt mehr über das eigene Weltbild als über die Beurteilten. Dass du am Ende kurz und trocken geantwortet hast, ohne dich lang aufzuhalten, war genau richtig. Mehr hätte die Sache nur aufgebläht.
Ob sie tatsächlich die Polizei gerufen haben, darf man wohl bezweifeln. Und den Bus haben sie auch verpasst. Du musst das gar nicht kommentieren, das Leben hat das für dich erledigt.
Der Mittwoch mit den vielen Kindern und deiner Beobachtung zum Schulfreien erklärt sich gut. Solche Details zeigen, wie genau du das Umfeld wahrnimmst, nicht nur die Witterung, sondern auch die sozialen Rhythmen dahinter.
Ich hoffe, das Wochenende bringt wieder ruhigere Fahrten, sowohl was den Wind im Süden als auch was die Sitznachbarn betrifft.
Viele Grüße
Heinz
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