Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

ein kleines demokratisches Forum für Leute, die gerne barfuß laufen





#1

Anschauung

in Poesieforum 09.07.2026 18:47
von André Uhres • Admin | 2.486 Beiträge | 1512 Punkte

Tarn deine Füße bei vornehmen Leuten,
wie auch die Armen sich vor ihnen scheuten,
aber bei Bettlern, da zeige sie gerne,
weil sie die Freude mithin auch bedeuten.


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#2

RE: Anschauung

in Poesieforum 09.07.2026 19:59
von Sven | 24 Beiträge | 51 Punkte

Zitat von André Uhres im Beitrag #1
Tarn deine Füße bei vornehmen Leuten,
wie auch die Armen sich vor ihnen scheuten,
aber bei Bettlern, da zeige sie gerne,
weil sie die Freude mithin auch bedeuten.


Fortsetzung :

Denn wer den Staub auf den Sohlen getragen,
lernte die Sprache der endlosen Fragen;
Gold kennt den Glanz, doch der Weg kennt die Wunde,
und beide verbergen sich selten in Tagen.

Doch zieh ohne Schuhe dem Morgen entgegen,
wenn Tau seine Perlen auf Wiesen mag legen;
die Erde begrüßt dich mit schweigendem Segen,
und jeder Schritt wird zu heimlichem Regen.

Barfuss zu gehen heisst, leise zu lauschen,
den Kieseln, den Gräsern, den Bächen, die rauschen;
der Boden erzählt dir von längst alten Zeiten,
die Winde beginnen, dein Herz zu berauschen.

Der Sand trägt die Wärme vergangener Stunden,
der Wald birgt die Kühle verborgener Runden;
der Lehm hält den Abdruck des wandernden Lebens,
als wären wir ewig mit ihm schon verbunden.

Die Dornen belehren, die Steine ermahnen,
nicht achtlos die eigenen Wege zu bahnen;
denn selbst eine Wunde, vom Pfade empfangen,
kann Güte und Achtsamkeit tief in uns ahnen.

Wer barfuss den Morgen im Taugras erfahren,
kennt Schätze, die niemals in Truhen verwahren;
die Erde erzählt mit unzähligen Stimmen
von Wegen, die länger als Jahresringe waren.

Barfuss erkennt man den Atem der Erde,
die schweigend wird jedermanns Gefährte;
sie spricht nicht in Worten, sie spricht durch Berührung,
als sei jeder Mensch der ersehnte Gelehrte.

Kein Leder vermag diese Nähe zu schenken,
kein Purpur die Seele so still zu beschenken,
die nackte Berührung von Sohle und Boden
lässt alle Gedanken zum Wesentlichen lenken.

Wer barfuss den Hügel im Sommer erklommen,
dem ist auch der Himmel viel näher gekommen;
die Lerchen begleiten die offenen Schritte,
als hätten sie selbst ihren Takt angenommen.

Im Regen zu gehen, den Schlamm zu verspüren,
heißt Demut und Freiheit zugleich zu berühren;
die Pfützen sind Spiegel, die lachend verraten,
wie leicht wir verlernen, unser Leben zu führen.

Der Frost lehrt Geduld und die Hitze Vertrauen,
auf Füsse, die tastend den nächsten Schritt bauen;
nicht immer sind Wege bequem oder eben,
doch wächst mit dem Gehen das mutige Schauen.

So trage den Staub wie ein leuchtendes Zeichen,
vor keinem Palaste soll Würde erweichen;
denn Füße, die ehrlich den Erdboden kennen,
müssen vor keinem Gewande verbleichen.

Vielleicht wirst du einst ohne Reichtum verweilen,
doch reich an den Wegen, die Herzen heilen;
wer barfuss gegangen mit offenen Sinnen,
dem werden die Sterne den Heimweg zeigen.

Und wenn dich am Abend die Felder empfangen,
die Schatten sich schweigend um Wiesen verhangen,
dann waschen der Wind und das silberne Gras
den Staub von den vielen vergangenen Gängen.

Die Erde behält deiner Schritte Erinnerung,
nicht als Besitz, nur als sanfte Berührung;
denn die Liebe zum Barfussgehen
bleibt länger bestehen als jegliche Zierung.

Drum schäme dich niemals mit nackten Füssen,
der Sohlen, die sogar Schnee aushalten müssen;
sie tragen dich treuer als Prunk und als Seide
und versagen auch nicht in reissenden Flüssen.

Barfuss zu leben heißt niemals nur gehen,
es heißt, diese Welt mit den Sohlen zu sehen;
den Himmel zu ahnen im Rauschen der Erde
und staunend das Wunder des Daseins verstehen.



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#3

RE: Anschauung

in Poesieforum 10.07.2026 05:40
von André Uhres • Admin | 2.486 Beiträge | 1512 Punkte

Nachahmer erkenne ich nur selten,
ihre Verse lass ich gerne gelten,
wie sie Dinge wundervoll vertiefen,
und uns führen durch die tollsten Welten!
Imaginatives lässt sich sehen,
Worte sich zu Worten dort gesellten,
Füße kann man auch natürlich finden,
auch die Hunde, die nach ihnen bellten.


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#4

RE: Anschauung

in Poesieforum 10.07.2026 09:52
von Lebenskünstler • Admin | 1.480 Beiträge | 1764 Punkte

Wow, ihr beide seid ein Traumpaar.

Ein Gedicht, begonnen mit einem Vierzeiler,
erweitert durch viele Verse.

so vergeht die Zeit im Zug
gleich wie im Flug.

Mit dem Reimen hab ich es momentan nicht so,
im Zug bin ich heute wohl der einzige Barfüsser




Grüßle vom Lebenskünstler
Sven und André Uhres haben sich bedankt!
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#5

RE: Anschauung

in Poesieforum 10.07.2026 17:22
von heinz | 111 Beiträge | 174 Punkte

Hallo zusammen
Was André begann mit wenigen Zeilen,
hat Sven entfaltet auf langen Meilen,
die Sohle spürt man durch jede Strophe,
und Frost und Hitze – sie sind keine Trofe.
Der Nachahmer, dem Verse gelten,
braucht keine Worte aus fernen Welten,
ein knappes Lob wiegt manchmal schwerer
als langes Lob vom größten Lehrer.
Und Lebenskünstler, allein im Zug,
barfuß und still – das reicht als Zeug,
denn wer den Boden unter sich spüret,
hat schon verstanden, was wirklich berühret.
Viele Grüße
Heinz



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