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Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

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Dieses Thema hat 5 Antworten
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 Barfuß und Leben
Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 601
Punkte: 248

27.12.2009 20:35
Barfuß in Basel am Stephanstag Zitat · antworten

Hallo Barfüßer,
Weihnachten ist nun vorbei. Am Heiligabend war es trübe, am 1. Weihnachtstag war das Wetter so, daß ich barfuß mit dem Velo nach Aarau und zurückfahren konnte. Und am gestrigen Stephanstag? Da gab es Sonne pur, aber höhere Temperaturen waren nicht zu erwarten. Was lag da näher, als in eine größere Stadt zu fahren?

Als ich bei Temperaturen um -2°C zum Zofinger Bahnhof radelte, um mir eine City-Card zu besorgen und um 6.14 Uhr mit dem Zug Richtung Basel (mit Umsteigen in Olten) fahren wollte, war von „Sonne pur“ noch nichts zu spüren, höchstens von „Sterne pur“ (ohne Mondgesicht). Als ich den Bahnhof SBB in Basel verließ, rannte ein Bahnbediensteter hinter mir her und rief: „Hallo, ist alles in Ordnung?“ „Ja“, antwortete ich, „barfuß laufen ist gesund!“ „Ich weiß, daß das gesund ist!“ Dann ging er beruhigt ins Bahnhofsgebäude zurück.

Ich aber begab mich zur Tramhaltestelle. Auf dem Nachbarbahnsteig standen laut redend 3 Jugendliche, die vermutlich die Nacht durchzecht hatten und auf ein Tram warteten. Als sie mich sahen, verstummten sie zunächst, dann wurde ich zum Thema. Einer zückte sein Handy, sie kamen zu mir rüber, fragten mich, warum ich das täte, wobei einer das Handy immer auf mich gerichtet hielt. Hat er etwa auch meine Worte aufgenommen? Allzu lange dauerte das Gespräch nicht, denn dann kam der „Achter“, mit dem sie fahren wollten. Und kurze Zeit später rollte auch der „Elfer“ ein, den ich bestieg.

Es war immer noch dunkel, aber am Osthorizont zeigte sich bereits ein heller Schimmer. Die Scheiben der parkierten 4räder waren noch immer vereist. Mit dem Elfer fuhr ich bis zur Endhaltestelle an der französischen Grenze, blieb aber im Wagen sitzen, um wieder zurück zu fahren. Dann passierte das, was nur mir passieren kann: An der Haltestelle „Schifflände“, die sich unmittelbar neben der Polizeistation befindet, warteten bereits zwei BEWAFFNETE „Ordnungshüter“ auf mich. Sie bestiegen den Wagen, gingen am Sitzplatz eines älteren Mannes mit zerlumptem Mantel, weit über die Ohren gezogener Wollmütze und roter „Knollnase“, unterm Sitz eine umgestürzte und teilweise ausgelaufene Bierdose, vorbei und zwangen mich, das Tram zu verlassen. Hatte mich der Tramchauffeur verpfiffen? Oder bedeutet die Videoüberwachung der Verkehrsmittel, daß die Polizei selbst (und nicht (nur) die Verkehrsbetriebe) die Fahrzeuge überwachen? Ich mußte draußen in der Kälte den Ausweis vorweisen. Wieder die übliche Leier, warum ich barfuß laufe und kurze Hosen trage, woher ich komme und was ich in Basel zu suchen hätte. Ich beantwortete die Fragen kurz und knapp, da ich weder allzu lange in der Kälte stehen wollte, noch den Rest des Tages auf der Polizeistation. Vermutlich dauerte das ganze keine 5 Minuten, so daß ich mit dem nächsten Tram weiterfahren konnte.

Nach einer Rundreise durchs Bruderholz verließ ich das Tram am Barfüßerplatz. Zufällig befand sich hier eine Gruppe von Polizisten. Sie schienen völlig überrascht zu sein, als ich barfuß und bekurzhost aus dem Tram sprang. Ich wollte mit dem „Dreier“ weiterfahren, dessen Abfahrstelle sich etwa 50 Meter weiter befindet. Ich erreichte dieses Tram, die Polizeimeute am Barfüßerplatz zurücklassend.

Später stieg ich wieder am Barfüßerplatz aus, um meine erste längere Strecke zu (bar)fuß zurückzulegen. Zuerst ging ich zum Münsterplatz, um von dort zur Mittleren Brücke zu gehen. Auf einer abschüssigen Straße, auf der „normale“ 4räder nicht fahren dürfen, überholte mich eine mit 3 Polizeischergen besetzte Bullenschleuder und hielt vor mir an. Einer der Polizisten herrschte mich an: „Wollen Sie nichts Warmes anziehen?“ „Ich will nicht und ich brauch es nicht, das ist gesund“ sagte ich kurz und knapp. „Sind Sie Arzt?“, schrie der Bulle. „Nein, aber Doktor der Chemie! Und daher weiß ich: solange ich mich bewege, passiert mir nichts. Gefahr besteht höchstens, wenn ich unnötig lange aufgehalten werde.“ „Dann laufen Sie!“ schrie dieser schäbige Ordnungshüter. Meine Wut gegenüber dem Basler Polizeiwesen, mit dem ich ohnehin noch ein Hühnchen zu rupfen habe, steigerte sich erneut. Da jedoch etliche Leute in der Stadt waren, verzichtete ich darauf, den Beamten zwar beleidigende, jedoch nicht völlig unberechtigte Worte nachzurufen.

Unmittelbar danach kam mir ein Ehepaar mit dick vermummten Kindern entgegen. Einer der Knaben rief erstaunt: „Der ist ja barfuß, wie im Sommer!“ Die Eltern lachten nur, vermutlich hielten sie es für einen Weihnachtsgag.

Ich überquerte die Mittlere Brücke und ging am Rheinufer entlang. Wieder überholte mich dieselbe Bullenschleuder und fuhr langsam bis hinter die Wettsteinbrücke. So weit ging ich aber nicht, sondern ich stieg die Treppe hinauf zur Brücke, um diese zu überqueren. Die Bullen bemühten sich gar nicht erst, mit ihrem 4rad die Treppe hochzufahren.

Mein weiterer Weg führte am Rheinufer zum Kraftwerk Birfelden, dann ging es am anderen Rheinufer bis zur Wiesenmündung, wo sich eine Tram-Endhaltestelle in der Nähe befindet. Die Reaktionen der Leute, die am Rheinufer entlang gingen, waren durchwegs positiv bzl. meiner Aufmachung. Als ein Kind große Glotzaugen machte, sagte der Vater: „Der will sicher baden.“ Hinzufügen möchte ich noch, daß sogar der Münsterfährmann fett beschuht war.

Ich unternahm noch weitere Barfußwanderungen, nämlich von der BLT-Haltestelle Bottmingen vorbei am Predigerhof und der „Batterie“ zur Tramhaltestelle Bruderholz, kurz vor Einbruch der Dunkelheit eine durch Basels Altstadtstraßen, bereits im Dunkeln eine vom S-Bahnhof Muttenz zur Tramhaltestelle Muttenz Dorf und zu guter Letzt noch eine vom Barfüßerplatz Richtung Freiestraße, dann durch diese durch und durch andere Straßenzüge zurück zum Barfüßerplatz. Je später es wurde, desto erschrockener wurden die Reaktionen der Erwachsenen bzw. lästernder die der Jugendlichen.

Um 21.15 Uhr fuhr mein Zug nach Zofingen. Bei -1°C radelte ich nach Hause. Ein schöner Tag war zu Ende gegangen. Ich war den ganzen Tag barfuß, auch wenn ich mehr Zeit in Offtopic-Fahrzeugen verbracht habe. Die Beeinträchtigung durch Obrigkeitsschergen fiel vom Zeitverlust kaum ins Gewicht. Da frage ich mich, ob der zeitliche und finanzielle Aufwand überhaupt gerechtfertigt ist, der Basler Polizei und den Verkehrsbetrieben einen Denkzettel zu verpassen.

Schöne Grüße
Michael aus Zofingen


Siegfried Hase Offline




Beiträge: 454
Punkte: 413

28.12.2009 14:42
#2 RE: Barfuß in Basel am Stephanstag Zitat · antworten

Salut Michael!

Na, siehst Du! Wenn man den (fehl geleiteten) Uniformierten nicht gar zu 'feindselig' gegeüber tritt, dann halten sich so Kontrollen auch in Grenzen.

Es sind zwar nicht meine (und auch nicht Deine) Steuergelder, doch was am Stephanstag so viel Polizei in Basel soll, das erschließt sich mir mal gar nicht. Weiter erschließt sich mir das gehäufte Auftreten derselben nicht. Aber, wie gesagt, es sind weder meine noch Deine Steuergelder und um 'ihre' Kantonspolizei sollen sich die Basler mal schön selber kümmern....

Gerold


Leo Offline



Beiträge: 694
Punkte: 484

28.12.2009 20:53
#3 RE: Barfuß in Basel am Stephanstag Zitat · antworten

Zitat von Michael aus Zofingen
... verließ ich das Tram am Barfüßerplatz. Zufällig befand sich hier eine Gruppe von Polizisten. Sie schienen völlig überrascht zu sein, als ich barfuß und bekurzhost aus dem Tram sprang. Ich wollte mit dem „Dreier“ weiterfahren, dessen Abfahrstelle sich etwa 50 Meter weiter befindet. Ich erreichte dieses Tram, die Polizeimeute am Barfüßerplatz zurücklassend.

Später stieg ich wieder am Barfüßerplatz aus, um meine erste längere Strecke zu (bar)fuß zurückzulegen.




Hallo Michael,

wenn ich in Basel bin, treibe ich mich besonders gern und ausgiebig auf dem Barfüßerplatz rum. Und bei der kleinsten dummen Bemerkung oder einem nur leicht schrägen Blick zeige ich triumphierend auf das nächste Straßenschild und stelle laut fest: "ICH bin hier korrekt gekleidet - im Gegensatz zu Ihnen!"

Den Spaß hätte ich mir auch mit der Polizeimeute erlaubt!

Auch Polizisten verstehen durchaus Spaß:

Ich hatte es bei ca. -10 Grad gerade die 500m zum Bahnhof geschafft und sitze in der S-Bahn nach München, wo ich in Richtung wärmerer Gefilde aufbrechen wollte. Ein Polizist auf dem Weg zum Dienst weiß nicht so recht, was er von mir halten soll: "Sie haben aber schon noch ein paar Schuhe dabei, für alle Fälle?" Ich darauf: "Ja, keine Sorge! Und Sie haben aber schon noch eine Mütze dabei für alle Fälle, bevor Ihnen noch die Ohren abfrieren?" Er zieht triumphierend seine Wollmütze aus der Tasche: "Na, dann kann uns ja beiden nichts passieren!" Nach kurze Schmunzeln beiderseits war dann die Diskussion beendet.

Gruß

Leo


Saalenixe-Halle ( gelöscht )
Beiträge:

28.12.2009 23:33
#4 RE: Barfuß in Basel am Stephanstag Zitat · antworten

Hallo Leo,

auch so läßt sich ein Wortwechsel gestalten. Leider ist es so, daß nicht an jedem Barfüsserplatz auch Barfüsser anzutreffen sind. In Leipzig z.B. gibt es ein Lokal, den Barfüsser, da hab ich im Hochsommer 2009 - bei um die 30 Grad im Schatten, keinen einzigen Barfüsser im Biergarten sitzen sehen! Schade drum.

Hallo Michael, ich find es toll wie zielstrebig du dein Leben auslebst, so wie es dir behagt. Ich geb es zu - mich frischts schon wenn ich deine Bilder mit der "kurzen" ansehe. Alle Hochachtung! Was die Polizei in Basel und anderswo betrifft. Des sind halt auch nur Menschen, die erst mal von der breiten Allgemeinheit ausgehen uns sich nicht vorstellen können, daß es Zeitgenossen gibt die sich völlig unwohl in Schuhen und zuviel Stoff auf der Haut fühlen. Da überwiegt wohl das Erlernte, und die Angst etwas falsch zu machen, gar einen in ihren Augen "hilflosen" oder "verirrten" Menschen sich selbst zu überlassen.

lg Saalenixe


Leo Offline



Beiträge: 694
Punkte: 484

29.12.2009 21:18
#5 Barfusz im Barfußgäßchen Leipzig? Zitat · antworten

Zitat von Saalenixe-Halle
Leider ist es so, daß nicht an jedem Barfüsserplatz auch Barfüsser anzutreffen sind. In Leipzig z.B. gibt es ein Lokal, den Barfüsser, da hab ich im Hochsommer 2009 - bei um die 30 Grad im Schatten, keinen einzigen Barfüsser im Biergarten sitzen sehen!




Hallo Saalenixe,

meinst Du das hier:

http://www.barfusz.de/


Der Name kommt wohl von der Straße her:

http://web2.cylex.de/stadtplan/leipzig-0...%E4%DFchen.html

http://www.leipziginfo.de/essen-trinken/...rfussgaesschen/

Auch in Leipzig habe ich den Scherz schon probiert - das kommt aber nicht so gut an, wie in Basel. Ich vermute mal, weil "Barfüßerplatz" in Basel als Verkehrsknotenpunkt auch unter Touristen viel bekannter ist, als der Name eines kleinen "Gäßchens" in Leipzig, durch das man vielleicht eher zufällig bummelt.

Aber auch hier scheint Lorenz' Beobachtung zu stimmen, daß die Leute sich lieber alles andere ausziehen, als die Schuhe:

http://www.bild.de/BILD/news/leserreport...er-strasse.html


(Was man beim Googlen so alles findet, wenn schon nicht den Barfüßer!)

Gruß

Leo


Saalenixe-Halle ( gelöscht )
Beiträge:

29.12.2009 22:25
#6 RE: Barfusz im Barfußgäßchen Leipzig? Zitat · antworten

ich muß zugeben, daß ich nie in dieser Straße gelandet wäre wenn der Markt nicht eine einzige riesige große Baugrube gewesen wäre. So bin ich halt heuer im Sommer um den Bauzaun herum.

Allerdings war es ein wirklich heisser Tag, und wär ich nicht zwecks Bewerbung in der Stadt gewesen hätt ich garantiert weder lange Hose, noch (flache) Halbschuhe angehabt. Doch was macht Frau nicht alles, um die Erwartungen möglicher Arbeitgeber nicht zu enttäuschen...... hatte ja in dem Fall noch nicht mal nen Rucksack dabei, in den ich im Anschluß an das Gespräch meine überflüssigen Sachen verstauen konnte.

lg Saalenixe

ps: außer Spesen nix gewesen bei dem Termin...


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