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Dieses Thema hat 2 Antworten
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Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 585
Punkte: 248

10.01.2010 19:15
Armut in der Schweiz Zitat · antworten

Lorenz hat im GELBEN Hauptforum einen Bericht verfaßt, der auf einen Zusammenhang zwischen Barfußfeindlichkeit und Armut in den USA hinweist. Auch in der Schweiz gibt es mehr arme Leute als man denkt. In der Schweiz gilt man als „arm“, wenn Einkommen oder Vermögen nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Oder mit anderen Worten: Wer Anspruch auf Sozialhilfe hat, gilt als „arm“. Im Gegensatz zu den USA sind in der Schweiz die Sozialleistungen so hoch, daß man sowohl genügend Geld fürs Essen, als auch für Schuhe hat. Wirklich am Hungertuch nagen somit nur Leute, die das Geld vom Sozialamt zweckentfremdet verbrauchen (versaufen, verhaschen, verspielbanken), die illegal in der Schweiz leben (sans papiers) und diejenigen, die aus (meist unberechtigter) Angst, von einem selbstherrlichen Beamtenbüffel auf dem Sozialamt zusammengestaucht zu werden, gar nicht erst aufs Sozialamt gehen.

Früher wurden arme Leute ins Armenhaus eingesperrt, ein Kontakt zur Außenwelt bestand nicht. Der Schweizer Schriftsteller Friedrich Glauser schrieb mal in einem Krimi, in dem er den Wachtmeister Studer sagen ließ: „Hier versteckt man die Armut hinter DICKEN Mauern!“ Die Mitmenschen sollten nicht mitbekommen, daß es Armut gibt. Diese Zeiten sind zwar schon lange vorbei, aber auch heute ist es einem Schweizer peinlich, wenn andere mitbekommen, daß es einem schlechter geht als früher. Es soll schon vorgekommen sein, daß ein Mann, der seinen Job verloren hat, jeden Morgen die Wohnung verläßt, damit nicht einmal Frau und Kinder etwas mitbekommen sollen. Auch Nachbarn sollen die Arbeitslosigkeit nicht mitbekommen, sie könnten dieses dem Vermieter verpetzen. Und der kündigt ihnen die Wohnung, weil er Angst hat, daß er die Miete nicht mehr bekommt.

Woran erkennt man äußerlich, daß es einem Schweizer schlechter geht als vorher? Laufen sie barfuß? Nein! Einer, der den „neuen Armen“ nicht kennt, wird kaum was merken. Einem spießigen Nachbarn, der die meiste Zeit am Fenster steht, wird aber auffallen, daß einer, der sonst immer alle 2 Jahre ein neues 4rad kauft, nach 3 Jahren immer noch denselben Karren fährt. Und wenn ein Mann nach 2 Jahren immer noch denselben Anzug und seine Frau nach einem Jahr immer noch dasselbe Kleid trägt, ist das ein verdächtiges Zeichen dafür, daß es den Leuten dreckig geht.

Schweizer sind halt bünzlig. Armut, Gebrechen usw. zeigt man nicht. Es ist sogar schon mal eine Behörde dazu verdonnert worden, die Fenster der Flure mit Vorhängen zu versehen, damit man von der Straße nicht erkennen kann, wer mit dem Arbeits- oder Sozialamt zu tun hat. In Zofingen wurde mal eine Gruppen von Behinderten, die mit den Betreuern in der Altstadt waren, als gerade Kinderfest war, von der Stadtpolizei aus der Altstadt weggewiesen, weil man den Kindern an diesem Festtag den Anblick von Behinderten nicht zumuten könne.

Und wenn in der Schweiz tatsächlich mal einer barfuß ist? Wenn der Barfüßer teure Kleidung trägt oder ein teures 4rad fährt, dann wird er kaum für arm gehalten. Daher wird geglaubt, er hätte auch Geld, um die Rechnung zu bezahlen. Wenn man aber zerlumpte oder sehr wenig Kleidung trägt, dann wird man eher für arm oder auf andere Weise hilfsbedürftig gehalten.

In der Schweiz bin ich eigentlich nie blöd angemacht worden, weil man Angst hatte, ich könne etwas nicht bezahlen. Nur wenn es nichts (mehr) zu bezahlen gab, bekam ich Ärger und man hat Anstrengungen unternommen, um noch mehr aus mir herauszupressen, etwa bei einer Führerscheinkontrolle, als ich meines Vaters Auto fuhr, zusätzliche Kontrolle meines Velos, als ich barfuß und in kurzen Hosen unterwegs war, Kontrolle des Heizkostenzählers, weil man mir den geringen Wärmeverbrauch nicht glaubte, Vorwurf eines weiblichen Kontrolleurs in der Zürcher S-Bahn, mein Billett könnte unehrlich erworben sein.

Aber soll ich mich dem Druck der ewiggestrigen Füdlibürger beugen, nur um nicht als arm zu gelten? Nein!

Schöne Grüße
Michael aus Zofingen


MarcelHR Online




Beiträge: 585
Punkte: 228

11.01.2010 11:47
#2 RE: Armut in der Schweiz Zitat · antworten

Hallo Michael

Zitat
Aber soll ich mich dem Druck der ewiggestrigen Füdlibürger beugen, nur um nicht als arm zu gelten? Nein!


Richtig, beug Dich nicht!
Es gibt sie wohl überall auf der Welt, Menschen die einem nicht gönnen, dass man sein eigenes Leben so lebt, so weit es eben möglich ist, wie es einem zu sagt. Viele sind ja so phantasielos und können sich so viel nicht vorstellen. Nicht vorstellen, dass man z.B. tagtäglich ohne Schuhe unterwegs sein kann, einfach aus Lebensfreude und nicht aus Armut.

Barfuessgruess
Marcel


Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.905
Punkte: 794

11.01.2010 16:40
#3 RE: Armut in Deutschland Zitat · antworten

Zitat von Michael aus Zofingen
Lorenz hat im GELBEN Hauptforum einen Bericht verfaßt, der auf einen Zusammenhang zwischen Barfußfeindlichkeit und Armut in den USA hinweist. Auch in der Schweiz gibt es mehr arme Leute als man denkt. In der Schweiz gilt man als „arm“, wenn Einkommen oder Vermögen nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Oder mit anderen Worten: Wer Anspruch auf Sozialhilfe hat, gilt als „arm“.
[...]
Woran erkennt man äußerlich, daß es einem Schweizer schlechter geht als vorher? Laufen sie barfuß? Nein! Einer, der den „neuen Armen“ nicht kennt, wird kaum was merken.
[...]
Und wenn in der Schweiz tatsächlich mal einer barfuß ist? Wenn der Barfüßer teure Kleidung trägt oder ein teures 4rad fährt, dann wird er kaum für arm gehalten. Daher wird geglaubt, er hätte auch Geld, um die Rechnung zu bezahlen. Wenn man aber zerlumpte oder sehr wenig Kleidung trägt, dann wird man eher für arm oder auf andere Weise hilfsbedürftig gehalten.



Hi Michael,

vieles von dem, was Du über Armut in der Schweiz schreibst, trifft auch auf Deutschland zu. Mir ist nichts von Leuten bekannt, die hierzulande aus Armut barfuß laufen. Auch in Deutschland kann man die "normalen" Armen, die zwar noch eine Wohnung, aber nicht mehr genug zum Essen haben und sich ihre Nahrung bei einer "Tafel" oder in einem besonderen Laden für Bedürftige holen, äußerlich kaum erkennen; zumindest ist fehlendes Schuhwerk kein Erkennungszeichen. Sogar Menschen, die obdachlos und damit wirklich arg notleidend sind, sind allermeist fett beschuht und besockt und tragen auch sonst sehr viel Kleidung am Leibe (was in diesem außergewöhnlich strengen Winter wohl auch überlebensnotwendig ist).
Die Assoziation von barfuß und Armut scheint ein altes Klischee aus früheren Jahrhunderten zu sein, das sich besonders zäh gehalten hat, oder hat auch vielleicht damit zu tun, daß auch heute noch in den Ländern der Ditten Welt viele arme Menschen barfuß laufen.
Ich wurde noch nie wegen meiner Barfüßigkeit für arm gehalten, habe allerdings auch immer darauf geachtet, daß meine Kleidung weder schmutzig noch abgerissen war, und in allzu spärlicher Kleidung fühle ich mich - unabhängig von der Temperatur - ebenfalls nicht wohl. Daß ich aus einem Restaurant gewiesen wurde, nur weil ich barfuß war, ist mir bisher nur einmal vor einigen Jahren in Garching passiert, und das war nicht einmal ein besonders edler Laden. Ich vermute jedoch, daß hierbei nicht Zweifel an meiner Zahlungsbereitschaft, sondern irgendwelche aberwitzigen Hygienevorstellungen ("barfuß im Nahrungsmittelbereich ist unhygienisch") ausschlaggebend waren, und in Belgien blieb mir einmal der Rauswurf aus einem Restaurant nur deshalb erspart, weil meine Barfüßigkeit "zu spät" bemerkt worden war und ich mein Essen bereits auf dem Tisch stehen hatte (die Bedienung war indessen mit einem Werbeschild ("Mosselen natuur") nach draußen gelaufen, welches sie absichtlich so plazierte, daß meine nackten Füße von draußen nicht zu sehen waren, damit potentielle Gäste nicht abgeschreckt würden).

Insgesamt kann man sagen, daß Deutschland im großen und ganzen ein nicht gerade barfußfreundliches, aber doch immerhin barfußtolerantes Land ist.

Barfüßige Wintergrüße,
Markus U.

Barfüßige Wintergrüße


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