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Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

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Dieses Thema hat 7 Antworten
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Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 585
Punkte: 248

17.07.2010 00:02
Blaue (lange) Arbeitshosen für im Labor arbeitende Chemiker Zitat · antworten

Hallo Leute,

wie ich schon mehrfach in diesem (und anderen) Forum erwähnt habe, arbeite ich als Chemiker in einem Betrieb, wobei ich mich öfters im Labor aufhalte und manchmal auch selber im Labor arbeite. Somit galt für mich, daß ich am Arbeitsplatz immer geschlossene Schuhe und lange Hosen tragen muß. Während Laboranten im Labor eine blaue (lange) Arbeitshose tragen mußten, die von der Firma gestellt wurde und auch von der Firma in die Wäscherei gegeben wurde (jeder Laborant hatte insgesamt 3 Arbeitshosen), genügte für Chemiker eine private lange Hose. Laborkittel und Schutzbrille mußten alle gleichermaßen tragen, auch Personen, die nur kurz ins Labor gehen. Das führte dazu, daß sich Leute (egal ob Kunden oder Mitglieder der Geschäftsleitung) gewundert haben, daß manche Leute, die Laborarbeit taten, eine blaue „Uniformhose“ trugen, andere nicht. Daher kam jetzt eine Weisung heraus, daß auch Chemiker die blaue Hose tragen müssen, wenn sie im Labor arbeiten. Heute wurde gesagt, was unter „im Labor arbeiten“ verstanden wird. Wer nur für ein paar Minuten ins Labor geht, um Protokolle zu lesen, darf eine zivile Hose tragen. Wer aber selber eine Apparatur bedient oder auch nur eine Substanz abfüllt, dann muß man die Laborhose tragen. Die Laborhose kann man über einer normalen Hose tagen oder auch nicht.

Wenn also ein Chemiker im Büro sitzt und einen Anruf bekommt, er möge dafür sorgen, daß 100 g einer Substanz abgefüllt werden müssen und an den Kunden verschickt werden, dann kann er nicht mehr so einfach im „Zivil“ ins Labor gehen und die Substanz abfüllen, sondern muß entweder versuchen, einen Laboranten die Arbeit aufzubürden oder aber zur Stempeluhr säckeln, sich umziehen, wieder die Stempeluhr bedienen, ins Labor gehen usw. Und falls man wieder ins Büro will, kann man entweder das ganz umgekehrt machen oder aber auch die Büroarbeit in Arbeitshosen verbringen.

Heute habe ich die 3 blauen Arbeitshosen bekommen, und ab Montag gilt die Weisung. Einerseits weiß ich nie, wann genau ich im Labor bin. Andererseits arbeite ich auch gerne im Labor. Andauernd umziehen finde ich mühsam. Also nehme ich mir vor (solange nicht gerade Kunden anwesend sind) am Arbeitsplatz nur noch Arbeitshosen zu tragen, keine zivile lange Hose mehr. Also entweder gleich in Arbeitshosen von zu Hause losfahren oder aber morgens mich im Umkleideraum umziehen und abends wieder umgekehrt.

Wenn ich nur auf dem Weg zur Arbeit und wieder zurück eine private Hose trage, am Arbeitsplatz selbst aber nicht, dann muß die private Hose ja nicht „das beste Stück“ sein. Wenn man bedenkt, daß bei diesen sommerlichen Temperaturen einige Frauen aus dem Bürotrakt sehr bedeckungsarme Kleidung tragen, viele Fabrikationsmitarbeiter, die bei der Arbeit einen Blaumann tragen, auf dem Hin- und Rückweg aber kurze Hosen, dann dürfte doch auch nichts dagegen sprechen, wenn ich auf dem Weg zur Arbeit kurze Hosen trage. Immerhin gibt es einen Ingenieur, der im Hochsommer öfters in einer Turnhose mit dem Fahrrad zur Arbeit kommt, am Arbeitsplatz aber lange normale Hosen trägt (bei sehr großer Hitze trägt er manchmal nur eine Turnhose, Badeschlappen und eine Mütze). Auch gab es einen Verkaufsleiter, der am Arbeitsplatz immer einen korrekten Anzug trug, jedoch in der Mittagspause in kurzer Sportkleidung joggte (so lief er auch übers Firmengelände). Weiterhin gab es einen Betriebschemiker, der manchmal 50 km mit dem Rennvelo zur Arbeit fuhr und dann kurze Velohosen trug.

Wie lange wird es wohl dauern, bis ich Ärger bekomme? Sicher werden einige Mitarbeiter erstaunt wenn, wenn ich am Arbeitsplatz ständig eine blaue Arbeitshose statt privaten Stoffhose trage. Aber sicher wird man das Verhalten nicht so interpretieren, daß ich mich vor Büroarbeit drücken will und mich häufiger als nötig im Labor aufhalte. Sicher wäre es auch kein Argument, daß durch mein häufiges Tragen von Arbeitshosen die Firma unnötig Kosten hat, etwa durch mehr Verschleiß oder Waschkosten wie wenn ich nur sporadisch Arbeitshosen tragen würde.

Wäre es ein Grund, bei denjenigen Kadermitarbeitern, die öfters auf dem Weg zur Arbeit (oder bei sportlichen Betätigungen) in kurzen Hosen gesehen wurden, dieses durchgehen zu lassen, bei mir aber nicht mit der Begründung, ich hätte es sonst nicht getan? Oder aber weil bei anderen Mitarbeitern keine Gefahr besteht, daß sie bei Temperaturen unter 15°C nicht mehr in kurzen Hosen zur Arbeit kommen würden, bei mir schon? Oder könnten sich diejenigen Leute, die die Weisung über das Tragen von Arbeitshosen für im Labor arbeitende Chemiker herausgegeben haben, verarscht vorkommen, wenn ich derart kraß meine Kleidung am Arbeitsplatz (und auf dem Weg dorthin) ändere?

Einen Vorteil hätte das ganze für mich schon: Wenn ich nicht mehr die üblichen Diensthosen trage (und auch nicht mehr helles Oberhemd und Krawatte, denn das empfinde zumindest ich in Kombination mit einer blauen Arbeitshose unpassend), dann würde ich sicher Geld für die Reinigung sparen, auch hätte ich einen geringeren Verschleiß an Privatkleidung. Würde so etwas etwa als Argument der Spießer herhalten? Eines werde ich aber nicht tun: Ich werde nicht barfuß das Firmengelände betreten (weswegen dieser Beitrag auch nicht im Hauptbereich der Barfußforen erscheint), allenfalls in Sandalen, diese würde ich im Umkleideraum, in dem ich einen Spind habe gegen geschlossene Schuhe austauschen, nachdem ich die Arbeitshose angezogen habe, möglicherweise über meine kurze Hose (beim Tragen einer Arbeitshose über der Diensthose würde letztere leiden, außerdem wäre es ein Gefühl, wie wenn ich eine lange Hose und eine lange Unterhose trage, mitten im Sommer, so etwas macht nicht einmal ein bekannter Ratinger Anwalt).

Warten wir ab, was geschieht. Ich rechne nicht mit Konsequenzen, solange es noch Sommer ist. Und bis es Winter wird, ist sicher „Dr. Simpel“ pensioniert. Der Weg zwischen Laborgebäude und Fahrradstand führt nicht am Bürogebäude, in dem die hohen Tiere sitzen, vorbei. Im Grunde genommen bin ich froh, daß die Weisung jetzt, wo es sehr warm ist, herausgekommen ist. Wäre sie erst zum Jahreswechsel herausgekommen und ich würde erstmalig ab Januar konsequent bei der Arbeit lange blaue Arbeitshosen tragen und auf dem Weg dorthin diejenige Privathose, die ich am liebsten habe anziehen, dann hätte es sicher augenblicklich Konsequenzen.

Schöne Grüße
Michael aus Zofingen


Engel Offline

Admin


Beiträge: 1.438
Punkte: 666

17.07.2010 09:20
#2 RE: Blaue (lange) Arbeitshosen für im Labor arbeitende Chemiker Zitat · antworten

Hi Micha,
wie Du schon erwähnt hast, birgt die Angelegenheit doch einige Vorteile für Dich. Keine Reinigungskosten, kein Verschleiß von Privatkleidung, wenn Du Dir mal ne ätzende Substanz über die Hose leerst, wird das anstandslos repariert/ersetzt, Du kannst locker in kurzen Hosen zur Arbeit kommen, denn Du musst Dich dort ja eh umziehen.
Und wenn Du in der Arbeitshose Kunden empfängst, kann Dir das auch keiner Krumm nehmen, da Du ja zum tragen selbiger gezwungen wirst.
Was ich aber nicht verstehe, wieso müsst Ihr zum umziehen vorher abstempeln? Wenn mir mein Arbeitgeber aufzwingt meine Kleidung während der Arbeit zu wechseln, dann lass ich mir das aber schön bezahlen und denke überhaupt net dran abzustempeln.

Was Deine Kleidung auf dem Weg zur/von der Arbeit angeht, ist das ganz einfach, das geht Deine Firmenleitung nen alten Shice an, selbst wenn Du im Minirock und Stöckelschuhen zur Arbeit radelst, hat das die überhaupt net zu interessieren. Wenn die darauf Einfluss nehmen wollen, sollen sie Dir ne Stempeluhr an Deine Haustür basteln, damit Du Dich dort schon zur Arbeit anmelden kannst. In dem Fall würd ich aber zur Arbeit laufen, da das ja dann bezahlt wird.

Zum Schluss muss ich Dir aber auch noch nen kleinen Dämpfer mit auf den Weg geben.
Im Zuge der Extremzertifizierungen und aus versicherungstechnischen Gründen wirst Du wohl in den nächsten 1-2 Jahren auch dazu gezwungen werden im Labor Sicherheitsschuhe zu tragen. Ein Freund von mir, der 8 Monate im Jahr in Hongkong lebt erzählte mir jüngst, das es dort sogar schon Pumps mit Stahlkappen gebe, welche Sekretärinnen tragen, die öfters zwischen Büro und Produktion pendeln müssen. Im Internet hab ich aber diesbezüglich bis jetzt noch nichts gefunden. Werd mal meinen Kumpel fragen zwecks Quelle, dann reich ich das nach.

Gruß Engel

http://www.bbq-county.de/shop/index.php

http://www.mysaarbq.de/index.php?sid=5cb...6029bf3f8853c17


Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 585
Punkte: 248

17.07.2010 19:37
#3 RE: Blaue (lange) Arbeitshosen für im Labor arbeitende Chemiker Zitat · antworten

Hallo Engel,

bei uns in der Firma herrscht gleitende Arbeitszeit. Der Ausdruck „Stempeluhr“ ist zwar noch gebräuchlich, jedoch haben wir keine klassische Stempeluhr mehr, sondern ein elektronisches Zeiterfassungssystem. Jeder Mitarbeiter hat ein Kärtchen mit Magnetstreifen. Mit diesem Kärtchen kann der Mitarbeiter zum einen die Drehkreuze bedienen, um aufs Firmengelände zu gelangen. Dann gibt es in praktisch jedem Firmengebäude die eigentliche „Stempeluhr“. Erst wenn man dort sein Kärtchen hin hält, fängt die Arbeitszeit an zu laufen. Es funktioniert jedoch nur die „Uhr“ in dem Gebäude, in dem der jeweilige Mitarbeiter auch arbeitet. Man kann also nicht die dem Fahrradstand bzw. 4rad-Parkplatz nächste Uhr verwenden, um Zeit zu schinden. Theoretisch kann ein Mitarbeiter, der sich vor der Arbeit umziehen muß, erst die Uhr bedienen, aber wehe, er wird dabei erwischt! Leute, die in der Fabrikation arbeiten, bekommen eine genau festgelegte Zeitgutschrift fürs Umziehen/Duschen (ich glaube, es sind 30 Minuten pro Tag), egal, wie lange der Mitarbeiter tatsächlich braucht. Im Grunde genommen ist das fair. Ein Bürohengst, der keine Arbeitskleidung benötigt, wird bei 8 Stunden Arbeit eine Zeit von 8 Stunden angerechnet, ein Chemiearbeiter, der 8 h arbeitet, dagegen bekommt 8,5 h angerechnet, egal ob er sich quasi im Laufschritt umzieht oder ob er sich auch noch rasiert und ausgiebig duscht. Schließlich ist es nicht Aufgabe der Firma, die Zeit fürs Schminken und Rasieren zu bezahlen.

Solche Fälle hat es tatsächlich in Basel bei einem der Chemie- und Pharma-Giganten gegeben, und nicht einmal bei Arbeitern sondern bei Kadermännern und –frauen. Wenn etwa in Basel ein besonderes Theaterstück war, sind einige Mitarbeiter nicht zur für sie üblichen Feierabendzeit nach Hause gefahren, sondern haben SCHEINBAR (nicht anscheinend) länger gearbeitet, um direkt vom Arbeitsplatz ins Theater zu fahren. In Wirklichkeit haben sie aber nur solange gearbeitet, bis das letzte hohe Tier das Areal verlassen hat, um die verbleibende Zeit damit verbracht wurde, sich theaterkonform aufzurüsten.

Zum Thema Sicherheitsschuhe: Wenn ich ehrlich bin, wäre ich gar nicht einmal böse, wenn ich im Labor von der Firma gestellte Sicherheitsschuhe tragen müßte anstatt privater geschlossener Schuhe. Ist aus Sicht eines Barfüßers der Unterschied zwischen einem fetten Halbschuh und einem fetten Sicherheitsschuh nicht vernachlässigbar? Erst beim Tragen eines möglichst offenen Schuhs fühle ich mich wirklich wohler. Und selbstverständlich sind mir diejenigen „Schuhe“ am liebsten, die in ALLE Richtungen 100-prozentig offen sind und die Absatzhöhe Null haben. Genauso wie für mich der Unterschied zwischen einer langen Arbeitshose und einer langen Anzugshose oder einer langen Trainingshose oder einer langen Jeans vernachlässigbar ist. Lang ist lang und für mich der entscheidende Grund, das Tragen als unangenehm zu empfinden. Damit ich das Tragen einer Hose als angenehm empfinde, muß sich kürzer sein, VIEL kürzer. Ein weiterer Grund: Früher hat mein Vater (er ist gelernter Schuhmacher) im Familienkreis alle Schuhe gemacht, die er machen konnte, auch als er längst einen anderen Beruf ausführte. Zu diesen Schuhen gehörten auch Halbschuhe, von denen ich noch welche habe und benutze. Diese Schuhquelle ist nun versiegt, da mein Vater (mittlerweile 81) für die nicht mehr ordentlich funktionierenden Maschinen (sie stammen noch aus der Schuhmacherwerkstatt meines 1957 verstorbenen Großvaters und stehen jetzt im Keller meines Vaterhauses) keine Ersatzteile mehr bekommt. Wenn diese Halbschuhe aufgetragen sind, muß ich mir welche kaufen. Bisher habe ich (zumindest aus Sicht eines Schuhträgers, wenn nicht gar aus Sicht eines Gelegenheitsbarfüßers nicht allzu viel Geld in Schuhe investiert. Als ich noch ein Kind war, haben meine Gummistiefel) bezahlt. Aus eigener Tasche erwarb ich lediglich 2 Paar Wanderstiefel, ein paar Turnschuhe, 3 Paar normale Sandalen und ein paar Flipflops. Eigentlich nicht viel, wenn man bedenkt, daß ich mittlerweile 54 Jahre alt bin. Aber wenn ich schon früher das Barfußlaufen entdeckt hätte, wären es noch weniger Schuhe gewesen. Über diese Fehlinvestition ärgere ich mich noch heute.

Sollte es einen Sicherheitsschuhzwang geben, dann halten meine Halbschuhe aus väterlicher Produktion noch bis zu meiner Pensionierung. Und danach benötige ich kaum noch neue Schuhe, denn für die paar Male, an denen ich weder barfuß, noch in „fettärmeren“ Schuhen erscheinen kann, sind dann wirklich selten. Somit sehe ich einem allfälligen Sicherheitsschuhzwang am Arbeitsplatz gelassen entgegen.

Schöne Grüße
Michael aus Zofingen


Leo Offline



Beiträge: 692
Punkte: 484

18.07.2010 15:07
#4 RE: Blaue (lange) Arbeitshosen für im Labor arbeitende Chemiker Zitat · antworten

Hallo Michael,

Kannst Du nicht mit der Personalabteilung z.B. folgenden Kompromiß aushandeln:

1. Du kaufst Dir privat NORMAL kurze Hosen (d.h. wie im Handel z. Z. erhältlich und damit länger als bei Dir bisher üblich).

2. Du kommst und gehst in der normal-kurzen Hose und barfuss bis zum Spind (ist ja schließlich Deine unbezahlte Freizeit!).

3. Du ziehst die im Spind deponierte Dienstkleidung (Lobor- und Büro-geeignet!) an und bekommst eine entsprechende Zeitgutschrift.

Wir hatten beim THW übrigens sehr angenehme, weil im Zehenbereich sehr geräumige, Sicherheitsschuhe. Wenn Dir die Firma die auch stellt, mußt Du die Schuhindustrie nicht noch mit Deinem Geld unterstützen!

Gruß

Leo


Zausel Offline




Beiträge: 249
Punkte: 235

18.07.2010 16:06
#5 RE: Blaue (lange) Arbeitshosen für im Labor arbeitende Chemiker Zitat · antworten

Zitat von Leo
Hallo Michael, kannst Du nicht mit der Personalabteilung z.B. folgenden Kompromiß aushandeln...


Warum Kompromiß??? (mal abgesehen davon, daß es im Sinne des Arbeitsklimas manchmal ratsam sein kann, einen solchen anzustreben).

Sachlich sieht die Sache doch so aus:

1.) In seiner Freizeit kann Michael rumlaufen, wié er will. Da hat ihm (bis auf ganz wenige Ausnahmen) kein Arbeitgeber der Welt dreinzureden.

2.) Seine Freizeit endet da, wo seine Arbeit beginnt. Und das ist keineswegs am Firmentor. Auch auf dem Firmengelände kann er jederzeit rumlaufen, wie er will. Also auch bis zur Umkleide. Sofern es da auf dem Weg Hindernisse gibt (z.B. Sicherheitsbereiche), hat der Arbeitgeber dafür zu sorgen, daß diese umgangen werden. Anderenfalls zählt schon der Weg zur Arbeit als Arbeitszeit und muß entsprechend entlohnt werden.

3.) Ab Arbeitsbeginn hat der Arbeitgeber ein sog. Direktionsrecht. Dazu gehört auch, daß er bestimmte Kleidung vorschreiben kann. Aber auch dieses nicht rein wüllkürlich. Wenn er seiner Sekretärin z.B. Miniröcke vorschreibt, um ihr auf den Arsch glotzen zu können, so ist das unwirksam. Wenn er gar bestimmte Dienstkleidung vorschreibt (Uniform, Kittel mit Firmenaufdruck etc.) so muß er diese auch voll bezahlen. Nicht aber die Wäsche.

4. Zur Freizeit gehört auch die Pause. In dieser muß (es sei denn natürlich wieder in einem Sicherheitsbereich o.ä.) die vorgeschriebene Kleidung nicht getragen. Niemand muß also in Schlips und Kragen in die Kantine gehen.

Michael kann also ohne weiteres in kurzen Hosen bis zum Arbeitsbeginn zur Arbeit schlendern und abends natürlich genauso wieder heraus.

Ich hatte den Fall selbst: Mich habe sie mal mit einem Job als Sicherheitsmitarbeiter (hochtrabend "Security") am Arsch gekriegt. Also Uniform tragen.

Zur Arbeit gekommen bin ich in kurzen Hosen und barfuß. Zur Umkleide mußte ich durch unsere Metallwerkstatt, und da haben die dortigen Chefs natürlich sofort Zeter und Mordio geschrien: Ich dürfte dort NUR mit Schuhen hindurch.
Worauf sich unser oberster Boss für mich in die Bresche warf und denen nur zu deutlich zu verstehen gab, daß dieser Weg meine Freizeit sei und er gar nicht daran denke, mir vorzuschreiben, wie ich mich da zu kleiden habe. Wenn besagte Metaller damit ein Problem hätten, dann sei es an ihnen, dafür zu sorgen, daß mein Weg gefahrlos sei - oder sie müßten dann eben die Umkleide in einen anderen Bereich verlegen.

In der Mittagspause habe ich natürlich stets die verhasste Uniform ausgezogen und bin - wiederum in kurzen Hosen und barfuß - in die Kantine gegangen.

Das war einigen gaaaanz hohen Herrschaften in unserem Laden ein böser Dorn im Auge, aber sie konnten dagegen nichts machen.

Als wir dann eines Tages hohen politischen Besuch in Form einer Delegation aus Berlin erwarteten, wurde ich vorsorglich vom Dienst freigestellt. Man wollte nicht riskieren, daß ein kurz behoster Barfüßer einer Bundesministerin über den Weg schlurfte.

Was haben wir gelacht!

Grüße

Der Zausel

Die Dummen haben das Pulver nicht erfunden, aber sie schießen damit.


Jörg (FFB) Offline




Beiträge: 212
Punkte: 209

18.07.2010 22:11
#6 RE: Blaue (lange) Arbeitshosen für im Labor arbeitende Chemiker Zitat · antworten

Hmmm, mag sein, daß das alles im deutschen Arbeitsrecht steht, aber gilt das auch für die Schweiz? Immerhin ist Michael schweizer Staatsbürger, arbeitet in der Schweiz bei einem schweizer Unternehmen und dürfte daher mit hoher Wahrscheinlichkeit schweizer Arbeitsrecht unterliegen. Und ob das in den genannten Punkten mit dem deutschen übereinstimmt, sollte er zumindest vorher mal lieber überprüfen. Nur so meine bescheidene Empfehlung.

Ich habe mich übrigens köstlich darüber amüsiert, daß Du vom Dienst freigestellt wurdest, nur weil eine Ministerin zu Besuch war. Wenn ich das richtig interpretiere hattest Du dadurch quasi einen zusätzlichen Urlaubstag. Schade, daß wir bei uns keine Ministerbesuche, ja nicht mal Besuche lokaler Kommunalpolitiker bekommen.

Serfuß,
Jörg

__________________________________________________


Zausel Offline




Beiträge: 249
Punkte: 235

19.07.2010 12:57
#7 RE: Blaue (lange) Arbeitshosen für im Labor arbeitende Chemiker Zitat · antworten

Zitat von Jörg (FFB)
...aber gilt das auch für die Schweiz? Immerhin ist Michael schweizer Staatsbürger, arbeitet in der Schweiz bei einem schweizer Unternehmen und dürfte daher mit hoher Wahrscheinlichkeit schweizer Arbeitsrecht unterliegen. Und ob das in den genannten Punkten mit dem deutschen übereinstimmt, sollte er zumindest vorher mal lieber überprüfen.



Stimmt.

Ich vergaß.

Grüße

Der Zausel

Die Dummen haben das Pulver nicht erfunden, aber sie schießen damit.


Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 585
Punkte: 248

22.07.2010 19:50
#8 RE: Blaue (lange) Arbeitshosen für im Labor arbeitende Chemiker Zitat · antworten

Hallo Leo,

ungefragt mit der Personalabteilung aushandeln, daß man für den Arbeitsweg eine bestimmte Kleidung tragen darf wäre ähnlich, wie wenn man versucht, mit Behörden auszuhandeln, daß man barfuß sein Privatauto fahren darf. Wenn etwas nicht verboten ist, braucht man so etwas auch nicht aushandeln.

Im allgemeinen habe ich festgestellt, daß es in der Schweiz vieles recht lange dauert. Sollte ich also bei der Personalabteilung auftauchen, um die "Genehmigung" fürs das in kurzen Hosen und barfuß zur Arbeit kommen zu erreichen, lautet die Antwort sicher: "Das müssen wir uns erst mal überlegen." oder "Das müssen wir erst einmal mit der und der Abteilung abklären." So etwas dauert, und während dieser Zeit werde ich sicher nicht in der Aufmachung erscheinen, die ich am liebsten hätte.

Wenn ich eine Zeitgutschrift einfordern würde, kekäme ich sicher zur Antwort, ich wäre im mittleren Kader, und von Kadermitarbeitern könne man erwarten, daß man die Umziehzeit auf eigene Kappe nimmt. Ganz davon abgesehen, daß ich ohnehin alles andere als zu wenig Stunden auf dem Arbeitszeitkonto habe.

Um zum Spind zu gelangen, muß man über Werkstraßen, wo auch Chemikalien, Glasabfälle usw. transportiert werden. Der Umkleiderraum befindet sich im Keller des Entwicklungsgebäudes, auch dort werden eklige Sachen durchgeschleust. Mit anderen Worten: Dort würde ich nicht allzu gerne barfuß laufen.

Heute war der dritte Tag, an dem ich in Arbeitskleidung gearbeitet habe. Was tat ich? Am Montag radelte ich in kurzen Hosen zur Arbeit. Da ich recht viel Gepäck dabei hatte und die Schuhe, die ich für die Arbeit tragen wollte, nicht mehr in die Tasche paßten (wohl aber die Flipflops), trug ich noch fette Schuhe. Eine Extratasche wollte ich nicht mitnehmen. Dann ging ich vom Velostand durch das enge Drehkreuz aufs Firmengelände zum Gebäude und über die weniger benutzte Osttreppe in den Keller zum Umkleideraum, zog Arbeitskleidung an, ging über die Westtreppe ins Erdgeschoß zur nahen Stempeluhr, dann zum Büro usw. Nach Feierabend ging ich erst zur Stemeluhr, dann in den Keller, pfefferte die Arbeitskleidung in den Spind, ging in kurzen Hosen und mit Flipflops über die Osttreppe zum Ausgang, dann zum Velo. Dort verlud ich die Flipflops in die Packtasche und radelte barfuß davon. So kommt es, daß ich nur auf einem relativ kurzem Stück in Freizeitkleidung über das Firmengelände gehe. Zufälligerweise auch über Treppen und durch Türen, die mehr von einfachen Leuten benutzt werden. Wenn sich eine höheres Tier mal bequemt, in unser Gebäude zu kommen, dann benutzt es den kürzesten Weg vom Verwaltungsgebäude in unser Gebäude, und der führt durch den Westeingang.

Die anderen Tage radelte ich "unecht" barfuß zum Veloständer, zog dort die Flipflops an usw.

Reaktionen zu meinem "Sinneswandel": Als ich der Sekretärin begegnete in meinem Arbeitszeug, sagte sie: "Toll siehst du aus, die blaue Hose steht dir gut." Manche Mitarbeiter aus anderen Abteilungen haben gegrinst, als sie mich in Arbeitskleidung sahen. Den meisten war es aber völlig egal, wie ich am Arbeitsplatz erschien. In Freizeitkleidung begegnete ich nur wenig Firmenangehörigen. Gestern kam mir morgens (im Dunkeln) auf dem Gelände ein Chemieoperator entgegen, er hatte die Nachtschicht hinter sich und befand sich auf dem Heimweg, in kurzen Hosen und Sandalen (ohne Sokken). Heute nach Feierabend kam mir auf der Straße ein Projektmanager entgegen, auch er sagte nichts. Gegenwärtig sind etliche Mitarbeiter in den Ferien, darunter auch meine Büronachbarn. Ihnen steht das Tragen von Arbeitskleidung noch bevor, wenn sie im Labor arbeiten wollen/müssen.

Grundsätzlich kann die Firma etwa aus Sicherheitgründen auch denjenigen Mitarbeitern, die gerade nicht arbeiten, bestimmte Kleidung vorschreiben. Wenn ich also nur mal kurz ins Labor will, etwa weil ich was vergessen habe, muß ich zumindest das Tragen, was man von einem Besucher verlang, nämlich einen Einweg-Laborkittel und Schutzbrille. Bezüglich Schuhen steht in der Anzugordnung für Besucher übrigens nichts, vermutlich weil bei der Erstellung der Kleiderordnung keiner dran gedacht hat, daß Besucher ohne Schuhe kommen könnten. Da aber Besucher nie alleine durchs Labor gehen, würde sicher der Mitarbeiter, der ihn begleitet, auf richtige Beschuhung achten. Ich kann mir vorstellen, daß ich einen Anschiß bekäme, wenn ich in korrekter Arbeitskleidung eine Gruppe zwar beeinwegmantelter und beschutzbrillter, jedoch barfüßiger Besucher durch die Labors führen würde.

Im Sommer kommen manche Frauen aus dem Bürobereich in Flipflops zur Arbeit. Damit dürfen sie zwar nicht in Fabrikationsgebäude, wohl aber über alle Wege im Firmenareal. Wenn diese das dürfen, dann dürfen sie einem männlichen Mitarbeiter, der nur auf dem Weg zur Arbeit "aus Sicherheitsgründen" das Tragen von Flipflops untersagen.

Schöne Grüße
Michael aus Zofingen


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