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Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

Ein kleines demokratisches Forum für Leute, die gerne und überall barfuß laufen oder dies gerne mal
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Dieses Thema hat 15 Antworten
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Gerhard ( gelöscht )
Beiträge:

12.08.2010 22:30
Der Bächlepirat entert das hbrf Zitat · antworten

Ziemlich verwirrend für mich als Neuling in den diversen Barfuß-Foren. Ich stürze mich nun einfach mal ins Getümmel und gucke, was dabei raus kommt!

Wer und was bin ich?
Ich heiße Gerhard, bin Ende März 1950 geboren und leide unter einer unheilbaren Schuhallergie. Meine Winterstiefel landen normalerweise spätestens an meinem Geburtstag auf dem Dachboden, 2010 allerdings wars nach einem viel versprechenden Saisonstart Mitte März dann aber doch erst Ende April. Schnee genoss ich bis jetzt barfuss maximal 15 Minuten, länger traute ich mich noch nicht, da Erfrierungen bekanntlich nicht reversibel sind. Im Gegensatz zum „normalen Sterblichen“, der ständig über kalte Füsse klagt, neige ich selber zu extrem heißen Füßen. Ich halte es in Schuhen nicht aus! Zu warm, zu muffig, zu dumpf, zu eng! Erst unter 10 Grad Celsius schlüpfe ich wieder in Stiefel, aber auch nur, wenn meine Verweildauer outdoor eine viertel Stunde übersteigt. (6 x täglich den Saft einer halben Zitrone in warmem Wasser verdünnt getrunken machts möglich) Warmer Untergrund im Sommer ist auch schön – noch mehr genieße ich intensive Kältereize, wenn es regnet und schneit. Vor Oktober kommen mir keine Ledersärge an die Füße! Das bedeutet, dass sie jährlich über ein halbes Jahr lang von keinerlei Schuhwerk bedrängt werden, außer beim Stelzenlaufen und beim Holzhacken! Aber wie manage ich das im Alltag?

Als Barfüßer bin ich außerordentlich privilegiert, denn ich arbeite in 2 Künsten freiberuflich: als Kunstschmied und als Zauberkünstler. Weltweit (in den sog. Schwellenländern) arbeiten die Zeugschmiede aus Armut barfuss. Das ist eine reine Frage der Aufmerksamkeit und Konzentration – man darf sich bloß nicht hetzen lassen! Ich schmiede sogar im Winter barfuss in unserer ungeheizten Werkstatt, denn der Fussboden wird im Umkreis von einem Meter um die Esse herum derart warm, dass Schuhe nicht nötig sind! Die Werkstatt steht neben unserem Wohnhaus; der Weg durch Schnee und Matsch dauert keine Minute.

Kundengespräche:
Unsere Objekte verkaufen wir auf Kunsthandwerker- und Gartenmärkten; (z.B. Ende August in Maikammer), Kundengespräche am Marktstand führe ich prinzipiell barfuss, und ich bin mir sehr sicher, dass meine nackten Füße auf unsere Umsätze keinerlei Einfluss ausüben. Mein selbstbewusstes Auftreten überträgt sich auf meine Gesprächspartner und lässt Verlegenheit erst gar nicht aufkommen. Versicherungsverträge, Immobilien oder Autos würde ich so natürlich nicht verkaufen können, doch die Vermarktung von Kunst unterliegt zum Glück ganz anderen Gesetzmäßigkeiten.
(Lediglich auf dem Weihnachtsmarkt in Deidesheim werde ich Stiefel tragen – ich muss dort 12 Stunden lang im Freien ausharren)

Noch besser habe ich es in der Zauberei. Meine Kostüme kann ich gestalten, wie ich will, und wenn der Zauberer unter seinem riesigen Spitzhut und Umhang barfuss daher kommt, ist das doch die normalste Sache der Welt! Ich bin zur Zeit mit der Konzeption einer neuen Nummer beschäftigt, in der ich möglichst oft mal den einen, mal den anderen Fuß als dritte Hand gebrauchen will, so kann ich Tricks realisieren, die anders gar nicht möglich wären. Glücklicherweise könnten meine Füße optisch für die eines fünfundzwanzigjährigen durchgehen, das muss an der vielen frischen Luft liegen, die ich ihnen immer gegönnt habe.
Natürlich muss ich zum Zaubern meine Füße sorgfältig pflegen, denn die Zuschauer in den ersten Reihen vor einer Kleinkunstbühne haben meine Füße in Esstischhöhe genau unter ihren Nasen!

Biographie:
Barfuss laufen ist für mich keine Frage der Weltanschauung oder Inhalt eines Programms und schon gar kein Hobby, sondern ich habe mich aus meinen Bedürfnissen und deren Befriedigung heraus zwangsläufig zum Barfüßer entwickelt. Zu erst hat es mich schon erstaunt, dass es dafür sogar ein Internetforum gibt, aber da stehen doch sehr interessante Sachen drin. Und heutzutage, wo meiner Beobachtung nach gesellschaftliche Zwänge wieder strenger werden, braucht der Neueinsteiger zu so was „Unerhörtem“ schon den Rückhalt Gleichgesinnter.

Aber welche Umstände haben meine Entwicklung in jenem furchtbar engstirnigen, klein karierten Adenauer-Deutschland angestoßen?
Als unwillkommener Ehestifter, also versehentlich gezeugtes Produkt einer unglücklichen Beziehung, durfte ich vor allen Dingen kein Geld kosten. Schuhe (zu früh gefreut!) musste ich allerdings trotzdem tragen, denn was meine geizigen Eltern noch mehr fürchteten als die Geldausgabe war, was „die Leute“ wohl von uns denken könnten. Um die Kosten zu dämpfen, bekam ich Billigschuhe also zu erst einmal eine Nummer zu groß gekauft, damit sie so lange wie möglich passen sollten, um erst dann, wenn sie durchgelatscht und eine Nummer zu klein geworden sind, im Müll zu verschwinden. Muss ich noch mehr erzählen? Leider hat sich niemand Gedanken über ein sinnvolles Timing gemacht: Neue Schuhe wurden mir immer im Frühling zum Geburtstag gekauft, wenns warm wird, haben dann zwei Jahre überlebt, waren im Herbst derart hinüber, dass sie (mehrmals geflickt) zerschlissen und wasserdurchlässig den Winter über gerade noch irgend wie bis zum Frühjahr gehalten haben und wurden dann, wenn sie endlich viel zu klein waren, pünktlich vor dem Sommer durch ein neues (natürlich wieder zu großes) Paar ersetzt! Dumm gelaufen! Brütend heiße Sommer in neuem Fußkleid und eisig kalte Winter mit nassen Füßen in aufgeplatzten, viel zu engen Latschen nährten in mir schon im zarten Knabenalter den leisen Verdacht, dass die Bedeutung des Kulturgutes Schuh stark überschätzt wird, und je länger ich das Drama erlitt, desto klarer war mir schon mit 12 Jahren: wenn ich erst mal erwachsen bin, werde ich nie wieder Schuhe tragen!

In Schuhen, die eine Nummer zu groß sind, lässt sich schlurfen kaum vermeiden. Kopfnüsse von hinten und Ohrfeigen von vorne, begleitet von einem gebellten: „ Schlurf nicht“ erinnerten mich dann immer wieder daran, weit ausholend zu schreiten wie ein Storch durch den Salat. Ich bin mir vorgekommen wie ein Idiot! Wegen der Kosten durch die Schäden am Schuhwerk durch das Schlurfen hatte ich natürlich wahnsinnige Schuldkomplexe; mein Vater hat später das Geld aber gespart, indem er sie unter unflätigem Fluchen selber geklebt hat.
Glück im Unglück: Sie konnten mir die Mehrkosten nicht vom Taschengeld abziehen, weil ich sowieso keines bekommen habe.
(Nur kurz noch: Die Sache hatte auch verheerende psychische Folgen aufgrund meiner unbeholfenen Stolperei: Kinder können erbarmungslos sein. Ihr braucht bestimmt nicht allzu viel Fantasie, um euch vorzustellen, was auf dem Schulweg los war! Durch zu große Schuhe behindert war ich leichte Beute. Immer; wenn es neue Schuhe gab, haben Sie mich verprügelt, bis Blut geflossen ist. Der Kommentar meiner Eltern:
„Wehr dich halt!“ …und dann gabs zu Hause noch Senge für die Schäden an den Klamotten durch die Schulwegschlägereien. Die Beziehung zu meinen Schuhen war genau zerrüttet wie die zu meinen Eltern…so war Rebellion auf Dauer vorprogrammiert.
Wenn ich damals zufällig an eine Schusswaffe gekommen wäre, wäre ich sicher der erste Amokläufer in der BRD geworden.)

Doch so weit kam es nicht. Ich bin meinen Eltern bis heute dankbar dafür, dass sie mir eine höhere Schulbildung verboten haben, denn ich sollte die Volksschule so schnell wie möglich verlassen, um ab meinem 15. Lebensjahr die Familien-Haushaltskasse aufzustocken. Mit Abitur hätte ich womöglich Staatsanwalt, Chefarzt oder Oberfinanzdirektor werden müssen, da wäre Barfuß ja gar nicht gegangen! Der ganze Status, das viele Geld (das ich jüngst alles wieder verloren hätte) die Scheidung von der dritten Frau und der Ärger mit den drogensüchtigen Kindern ist doch kein Ersatz für das Glück, bei aufkeimender Lust spontan die Arbeit in die Ecke zu schmeißen, den ganzen Tag lang mit nackten Füßen durch die verregnete Stadt zu schlendern, die Zehen genüsslich in jede Schlammpfütze zu krallen oder bis zu den Knien im Marktplatzbrunnen zu kneippen!

Liebe Leser, ihr seht: Meine Karriere zum Barfüßer war unvermeidbar. Mein Glück ist mein Heimatort: Freiburg im Breisgau ist schon immer eine barfußfreundliche Stadt gewesen , in der sowohl Studentinnen als auch Touristinnen obligatorisch barfuss gingen, was da besonders attraktiv ist, weil durch ganz Freiburg kleine Bächlein (auf badisch: Bächle!) fließen, in denen man die Straßen entlang planschen kann. Gleichzeitig ist FR die wärmste Stadt Deutschlands mit solch milden Wintern, dass ich diese in den 70ern und 80ern nur in Flip-Flops genossen habe. Nasse, abgekühlte Füße waren mir inzwischen ein Bedürfnis, und auch meine damals ausgeübten Berufe (Schaufensterdekorateur, Schriftenmaler, Offset- und Siebdrucker, Plakatkleber) haben mich barfuss nicht eingeschränkt. Im Sommer habe ich richtig gut als Straßenzauberer verdient, ich hatte eine 10-Minuten-Nummer, die ich pro Stunde viermal spielen konnte. Ohne mir irgendwas dabei zu denken, bin ich ausschließlich barfuss aufgetreten, und wenns heiß war, in kurzen Hosen. In Freiburg, Zürich und München haben mir die Zuschauer mit Münzen meine Zylinderhüte kaputt geworfen, pro Show waren damals innerhalb von drei Minuten mehrere hundert Menschen zusammengelaufen, die sich in riesigen Kreisen um mich herum gruppierten. (Kurze Abschweifung: Man kann sich das heute überhaupt nicht mehr vorstellen – es funktioniert einfach nicht mehr. In den 80ern sind die Zuschauerkreise drastisch geschrumpft – nicht nur bei mir, auch andere Künstler haben das beobachtet, das war ein allgemeiner Trend.)
Doch weiter:
Das alles impliziert, dass ich als Barfüßer vollkommen anders konditioniert bin als der Neueinsteiger heutzutage. Ich war mir vom 22. Lebensjahr an „keiner Schuld“ bewusst, als ich meine Schuhe sukzessive immer seltener anzog, weil sie mir so unnötig erschienen wie ein Loch im Kopf. Nun bin ich insgesamt eher zierlich gebaut und habe ziemlich kleine Füße, ich nehme schon an, dass mir mein Erscheinungsbild da zugute kam. Als erfolgreicher Straßenkünstler habe ich ca. 15 Sommer lang täglich in hunderte strahlender Augenpaare geblickt, die meine barfüßigen Auftritte aufmerksam beobachtet haben – deshalb bin ich es natürlich gewohnt, dass mich alle anstarren, wenn ich mich barfuß in der Öffentlichkeit exhibitioniere. Wildfremde Menschen haben mich mit Applaus, Sympathie und Kleingeld überschüttet, mir Getränke spendiert oder mich sogar spontan ins Restaurant eingeladen (barfuss, ohne sich wegen meiner schwarzen Füße zu genieren), so dass barfuß laufen in der Stadt für mich ausschließlich mit positiven Gefühlen assoziiert ist. Und meine nackten Füße waren da höchstens mal peripher Thema, es ging immer um die Zauberei im Besonderen oder Straßenkunst im Allgemeinen und dann noch um den lieben Gott und die Welt. Ich habe keine Ahnung, ob Passanten hinter mir herglotzen, ich habe auch noch nie darauf geachtet.

Ich gehe inzwischen ausnahmslos überall hin. Kürzlich ist meine fast blinde Mutter (83) sehr krank geworden, ich habe sie zum Arzt gefahren, der sie sofort in eine Klinik überwies. Dort habe ich die Aufnahmeformalitäten erledigt und mit einer Reaktion gerechnet - von wegen Keimen und so. Kam aber kein Ton, obwohl ich meine Mutter noch ins Bett gebracht habe und zwei Stunden bei ihr geblieben bin. Als ich sie am Abend noch einmal besuchen wollte, stand die Diagnose fest: Magen-Darm-Infekt, Blasenentzündung, Sepsis!
Kopfhaube, Atemschutzmaske, Kittel bis zum Boden JA UM GOTTESWILLEN - HABEN SIE DENN GAR KEINE SCHUHE???
Äh..sorry…nö…
WARTEN SIE EINEN AUGENBLICK!
Nach dreißig Sekunden kam die Nachtschwester freudestrahlend wieder aus dem Stationszimmer geflitzt – mit Einwegüberschuhen, wie sie im OP über den Cloques getragen werden! Das Leben kann so einfach sein.
Der Arzt meiner Mutter ist auch meiner, der hat mich also schon gekannt. Auch er hatte damals bei meinem ersten Besuch nur geschmunzelt und sich vergewissert, dass ich Tetanusgeimpft sei.

Für mich ist barfuss so selbstverständlich, dass ich mir nie Gedanken gemacht habe, ob es jemanden stören könnte. Meine Jobs habe ich immer zuverlässig erledigt, meine Chefs haben anfangs immer spaßige Bemerkungen gemacht (z.B. „Bevor Sie rein kommen, verscheuchen Sie bitte die Ameisen aus Ihren Zehen“) aber nie hämisch, immer augenzwinkernd und wohlwollend. Wenn ich ausgehe, trage ich sportlich-elegante Kleidung, so dass ich barfuss auch in bessere Restaurants und ins Theater gehen kann. In Restaurants werde ich höflich und zuvorkommend bedient, ebenso in teueren Klamottenläden usw. (Zum Hosenkauf stets frische Socken mitnehmen wegen der Anprobe!) Ich werde nur selten angesprochen, und die Frage nach dem Warum? beantworte ich, wenn ich gerade in Eile bin, mit: „Das empfiehlt mir mein Arzt gegen Migräne – hilft wirklich!“
Das ist zwar erfunden, aber vielleicht stimmt es sogar.

Niemanden geniert es, sich mit mir in der Öffentlichkeit zu zeigen, ich fühle mich von allen ernst genommen und werde dauernd eingeladen, obwohl jede/r weiß, dass ich keine Schuhe tragen werde. Auf Hochzeiten und Beerdigungen habe ich bisher noch Kompromisse gemacht, werde das in Zukunft aber auch nicht mehr tun. Auf dem nächst besten Begräbnis werde ich eventuell mit schwarz lackierten Zehennägeln aufkreuzen… mal gucken, ob ich michr getraue…

Pöpeleien:
In 38 Jahren habe ich genau 2 blöde Bemerkungen registriert, so mit angewidert gerümpfter Nase, dass die Oberlippe die Schneidezähne frei gibt:
„HIER STINKTS NACH KÄÄÄSE…!“
„Dann sollten Sie mal die Socken wechseln!“ Brüllendes Gelächter im Publikum…

Und einmal in giftigem Ton von einer Frau wie eine Bulldogge:
„Das sieht ja eklig aus… man kann doch nicht ohne Schuhe auf die Straße gehen…“
„Warum nicht? Sie gehen ja auch ohne Gesichtsmaske raus!“

Gemecker irgendwelcher Dumpfbacken hinter meinem Rücken kann ich an den Fingern einer Hand abzählen. Sie kommen ausschließlich von Mitgliedern aus sozial benachteiligtem Milieu, mit denen ich sowieso nichts zu tun habe und provozieren bei mir noch nicht einmal mehr Pulsbeschleunigung

Gefahren:
Glassplitter machen kaum Probleme. Wenn sie nicht ganz frisch sind, sind sie von den Schuhträgern bald stumpf geschlurft, gut entgratet und ungefährlich geworden. Bleibt trotzdem mal einer stecken, lässt er sich meist mit den Fingernägeln rausziehen und wenn nicht, dann reicht ein Fußbad in sehr warmem Seifenwasser - der Splitter quillt dann von alleine heraus.

Hygiene:
Ich finde die Straßen in deutschen Städten nicht dreckig. Dass meine Sohlen abends kohlrabenschwarz sind, stört mich nicht, da das leicht wieder abgeht. Ich wasche mir die Füße mit einer guten Handwaschpaste für Handwerker und einer Schrubbelbürste, das Beste ist allerdings ein Spaziergang im Regen.
In der Schmiede werden meine Füße bis zu den Waden hoch so schwarz wie meine Seele, jedoch empfinde ich Ruß und Kohlenstaub nicht als Schmutz, ich habe dazu ein positives Verhältnis.
Ähnlich ist das mit Hunde-Urin. Man kann ruhig mitten rein stehen, denn das Zeug ist so gut wie steril. Es gibt keinen Grund zu virtuosem Stepptanz auf der Straße, um ihm auszuweichen. Damit macht ihr die Passanten höchstens noch auf euch aufmerksam, und das wollt ihr doch nicht, oder?
Straßentheaterfestival „Alles muss raus“ in Kaiserslautern. Eine der Darbietungen, welche mich besonders interessiert, ist bis auf den letzten Platz umzingelt. Doch ein geräumiger Stehplatz ist noch frei, genau in der Mitte vor der Spielstätte. Links und rechts drängeln sich die Schuhträger zwar bis dicht dran, aber jeder vermeidet peinlichst, mit den Schuhen den schwarzen Fleck zu berühren, der offensichtlich von unzähligen übereinender gelegten Duftmarken herrührt. Wissen ist Macht! Bewaffnet mit meiner Kenntnis um die Harmlosigkeit von Harnstoff stelle ich mich mitten auf den Fleck und rechne natürlich mit Irritationen seitens des Publikums. NIX! Die haben das gar nicht realisiert! So verfolgte ich die Show mit komfortabler Sicht von einem der besten Plätze aus dank meiner vorurteilslos positiven Einstellung zur Realität.


Von wegen empfindlich:
Füße sind im Gegenteil extrem widerstandsfähig, anders wäre die Menschheit wohl schon längst ausgestorben. Vor etwa vier Wochen habe ich intensiv über einen Zaubertrick gegrübelt, aber leider zu einem ganz falschen Zeitpunkt. Ich war nämlich gerade dabei, eine 30 kg schwere Schmiedearbeit einzuölen – wenn man barfuß ist, sollte man bei der Sache sein. Das Ding war glitschig und landete mit einer Kante auf meinem großen Zehennagel – unter dem es dann hervorgeblutet hat. Das war gut, denn deshalb schwoll der ganze Fuß nur minimal an.
Die Konsequenz: Am selben Abend hat es schon nicht mehr weh getan, am nächsten Tag war die Zehe sofort wieder voll beweglich und belastbar und außer einem inzwischen fast schon wieder verschwundenen Ödem erinnert nichts mehr an das Malheur. Wäre mir dasselbe Objekt auf einen Finger gefallen…

Wie sieht meine Zukunft ohne Schuhe aus?
Nach dem Studium der Forumsbeiträge über Barfußlaufen bei extremen Minustemperaturen bin ich jetzt entschlossen, auch zum Ganzjahresbarfüßer zu werden. Die notwendigen Bedingungen werde ich wohl erfüllen…

Ich verfolge die Diskussionen im Forum um die Glaubwürdigkeit extremer Winterbarfüßer aufmerksam, weil ich mir eigentlich nie wieder im Leben Schuhe anziehen will. Und ich habe mehrere Gründe zur Annahme, dass es funktionieren muss!
Wenn sich meine Hoffnungen erfüllen und ich umfassend informiert werde, kann sein, dass ich vielleicht nie wieder im Leben Schuhe anziehen muss!

Verreise für eine Woche und melde mich erst in 7 Tagen wieder zurück! Gruß Gerhard


Dominik R. Offline

Admin


Beiträge: 1.397
Punkte: 708

12.08.2010 23:36
#2 RE: Der Bächlepirat entert das hbrf Zitat · antworten

Hallo Gerhard,
herzlich willkommen hier!
Nachdem ich dich gestern schon drüben begrüßt habe freut es mich dich hier auch begrüßen zu dürfen.

Kann man von der Zauberei leben? Zusammen mit dem Verkauf und der Herstellung von Schmuck geht es, oder?

Soviel zuallererst als Frage.

Zu barfuß und Winter: Es hängt sehr davon ab wiesehr man an einer Stelle steht. Irgendwann wird es ohne Bewegung im Freien natürlich kalt.

Zum "klein karierten Adenauer-Deutschland" liegen mir sowohl die Fragen als auch meine Meinung auf der Zunge. Nachdem ein Moderatur (Markus U.) sich positiv und Manfred sich kritisch über "den Alten") geäußert haben, wäre das mal ein Thema für den sogenannten Stammtisch. (Die themenfreie Boarddiskussion).

Viele Grüße,
Dominik


Manfred (Ten) ( gelöscht )
Beiträge:

13.08.2010 07:59
#3 RE: Der Bächlepirat entert das hbrf Zitat · antworten

Zitat von Dominik R.
Zum "klein karierten Adenauer-Deutschland" liegen mir sowohl die Fragen als auch meine Meinung auf der Zunge. Nachdem ein Moderatur (Markus U.) sich positiv und Manfred sich kritisch...

Zitat von Markus: Hier halte ich es mit dem (ansonsten von mir wenig geschätzten) alten Adenauer...

Und meine Kritik bezog sich auf das genannte Adenauer-Zitat.

Ich hatte ja auch schon mal etwas zu dieser Zeit geschrieben, die zwar einerseits sehr eng und spiessig war, andererseit auch sehr viel freier und vor allem menschlicher war und in manchen Dingen angemessener und wesentlich unhysterischer reagierte. Und Politiker hatten noch Charisma.

Aber das sollte man dann wirklich im Stammtisch fortsetzen


Saalenixe-Halle ( gelöscht )
Beiträge:

13.08.2010 08:32
#4 RE: Der Bächlepirat entert das hbrf Zitat · antworten

Hallo Pirat,

bei deiner Vorstellung denk ich sofort an Mittelaltermärkte und Burgfeste, die ich ab und zu gern besuche (wenn der Eintritt sich im Rahmen hält.)

Zauberer und barfuss - das passt einfach; beim Kunstschmied hätte zumindest ich erst mal eine leichte Unsicherheit, ob etwas passieren Könnte. Wobei ich davon ausgehen, dass sich das in sehr kurzer Zeit gibt.

Jetzt wünsch ich dir erst mal einen erholsamen Urlaub.

lg Saalenixe


Jay Offline




Beiträge: 702
Punkte: 695

13.08.2010 10:46
#5 RE: Der Bächlepirat entert das hbrf Zitat · antworten

Hi Gerhard,

ein außerordentlich ansprechendes Intro - wobei´s, wenn das eine derartige Sache ist, überhaupt keine Rolle spielt, wenn das mit deinem Intro 'drüben textidentisch ist - Optimales läßt sich nur schwer weiter optimieren. Ein wahres Feuerwerk an Gedanken & unglaublich informativ.

Normal müßtest du dich hier eigentlich recht wohl fühlen. Auf einen gegenüber dem anderen Forum mit HBF-Willen bestehenden Unterschied darf ich verweisen: Schreib' hier (im HBRF) immer ganz FREI, geradeaus & DAS, was du wirklich denkst. Dies ist hier sozusagen die Speaker´s Corner der Barfüßer als eine Art Analogon zu jener Einrichtung in London´s Hyde Park (weiß nicht, ob´s das noch gibt, da sich die westlichen Demokratien immer mehr in autoritäre Obrigkeitsstaaten verwandeln).

Schreib' noch ein paar solche Sachen (mein persönliches Favourite Subject sind die sog. 'Bunten Geschichten' aus dem BFigen Alltagsleben') & das HBRF-Management verleiht dir sehr schnell in Erinnerung an das gute, altehrwürdige alte HBF (hast du es vielleicht als früherer passiver Mitleser gekannt?) den sog. Parsimony Red-State. Dann darf dich hier kein "Ordner" mit "Admin"-Armbinde vom virtuellen Rednerpult wegschubsen. Einschneidende sanktionierende Maßnahmen (wie temporäre Schreibsperren oder gar Ausweisung) gegen volletablierte Mitglieder dürfen hier z. B. nur nach Befragung & Feststellung, daß eine Communitymehrheit dafür ist, vorgenommen werden. Das HBRF ist als Forum vom BFigen Volk für´s BFige Volk gedacht. Seine Inhalts- & Zielsetzungsdefinition ist die gleiche wie drüben - die Admin (zumindest die jetzige, es wird in Kürze eine neue gewählt) hat nach den leidvollen Erfahrungen der Vergangenheit* wesentlich weniger Willkür- & Machtbefugnisse als früher & 'drüben'.

Auf noch viele weitere Beiträge dieser Art (& sie müssen natürlich nicht Gedanken zu sämtlichen Aspekten des BFigen Seins gleichzeitig enthalten) freut sich Jay. Herzlich willkommen im HBRF! Das Forumsmanagement (welches leider in den nächsten paar Tagen mit furchtbarem Zeitmangel geschlagen ist) grüßt...
--------------------
*) Sie haben dem Forum, welches früher 'mal 1 war, ungeheuere "Personalverluste" an unterhaltsamen, kurzweiligen & illustren Beitragsautoren beschert.


AllgaeuYeti Offline




Beiträge: 185
Punkte: 175

13.08.2010 12:02
#6 @ Saalenixe: Kunstschmied kontra Stahlindustrie Zitat · antworten

Zitat von Saalenixe-Halle
...
beim Kunstschmied hätte zumindest ich erst mal eine leichte Unsicherheit, ob etwas passieren Könnte. Wobei ich davon ausgehen, dass sich das in sehr kurzer Zeit gibt.
...


Hallo Renate/Saalenixe,

ich glaube zwischen einem Kunstschmied und der Stahlindustrie ist ein kleiner Unterschied in der Gewichtsklasse der Werkzeuge und Werkstücke. In einem Industriebetrieb wo Eisenbahnschienen und Stahlträger hergestellt werden, da möchte ich auch nicht ohne Sicherheitsschuhe reingehen.

Schöne Grüße,

Karl Heinz Haidlas


Saalenixe-Halle ( gelöscht )
Beiträge:

13.08.2010 12:16
#7 RE: @ Saalenixe: Kunstschmied kontra Stahlindustrie Zitat · antworten

Hallo Karl-Heinz,

also DEN Unterschied kenne ich grad noch...

Ich dachte da mehr an die Glut, in der das Werkstück liegt bevor es bearbeitet wird, an den Funkenflug beim drauf hämmern.
Könnt a bisserle heiss werden, wenn so ein Teil (auch wenn es eine Spange oder ähnliches für die mittelalterliche Kutte ist) auf die nackten Füsse fällt.





Foto: saalenixe - aufgenommen 01.05.2007 auf dem Schlossfest in Bernburg


lg Saalenixe


Manfred (Ten) ( gelöscht )
Beiträge:

13.08.2010 12:54
#8 RE: @ Saalenixe: Kunstschmied kontra Stahlindustrie Zitat · antworten

Zitat von Saalenixe-Halle
Hallo Karl-Heinz,

also DEN Unterschied kenne ich grad noch...


Na ja - ich denke beim Kunstschmied riechts in dem Fall ein wenig streng (wie bei mir nach dem Kontakt mit dem heissen Motorradauspuff), aber in der Industrie - bei einem schweren Stahlträger - brauchst du wahrscheinlich anschliessend keine Taucherflossen mehr...


kerstin Offline

Admina


Beiträge: 1.923
Punkte: 1.181

13.08.2010 20:30
#9 RE: Der Bächlepirat entert das hbrf Zitat · antworten

Du bist wohl der erste "Pirat", den man als "Geenterter" herzlich willkommen heißt ...

Hallo Gerhard,

erstmal herzlich willkommen hier in unserem Forum! Ich werde Dir auch noch eine Mail schreiben (wahrscheinlich erst am Wochenende), denn ich bin leider noch nicht dazugekommen. Derzeit komme ich schier zu nichts mehr. Herzlichen Dank auch für Deinen Brief - ebenso für Deinen ausführlichen und hervorragenden, sehr gut geschriebenen Beitrag!

Einen bekennenden "Schuhallergiker" haben wir hier auch in unserer Runde: Engel. Auch ich kann Schuhe nicht ausstehen - wie wohl alle in diesem Forum, doch leider muß ich diese aus "beruflichen" Gründen tragen (Sicherheitsschuhe!). Nun ja, vielleicht finde ich doch noch einen Barfußjob, wie ich ihn bereits jahrelang hatte.

Auch ich laufe fast das ganze Jahr über barfuß, und ich wiederhole mich zwar, doch ich werde es im kommenden Winter versuchen, möglichst vollständig bf zu bleiben. Im letzten Winter hatte ich ja bereits einige tolle Erfahrungen machen dürfen: barfuß Schnee schippen. Danach einen ausgedehnten BF-Spaziergang durch den Neuschnee. Das war herrlich! Meine Probleme im Winter waren bislang nur Wege, welche übermäßig mit Splitt gestreut wurden - so ein ekelhafter, spitzer Splitt. Das in Verbindung mit Kälte fand ich bislang höchst unangenehm. Nun gut, zum Glück dauert es noch ein wenig, bis es wieder soweit ist...

Auf jeden Fall wünsche ich Dir hier viel Spaß und Kurzweil. Du bist auch für das gesamte Forum aktiviert!

Viele Grüße,

Franz


Jörg 2 Offline




Beiträge: 938
Punkte: 927

14.08.2010 11:08
#10 RE: Der Bächlepirat entert das hbrf Zitat · antworten

Zitat von Gerhard
Ziemlich ...in den diversen ...Ich stürze mich ...gucke, was dabei raus kommt!

...



Uff...
J.


der Franke Offline



Beiträge: 33
Punkte: 33

17.08.2010 07:43
#11 RE: Der Bächlepirat entert das hbrf Zitat · antworten

Hallo
Sei auch von mir hier herzlich begrüßt. Auf gute Tipps und Kontakte.

Barfuß Gruß

Franke


Gerhard ( gelöscht )
Beiträge:

30.08.2010 00:23
#12 RE: Der Bächlepirat geht wieder von Bord Zitat · antworten

Liebe hbrf-ler, habe mir die beiden deutschen Foren aufmerksam zu Gemüte geführt und erahne so langsam die Unterschiede. Ich will und kann nur in einem Forum aktiv sein – habe ja „nebenher“ noch 2 Berufe, in denen ich weiter kommen will…deshalb muss ich eine Entscheidung treffen. Ich werde mich im klassischen, dem „Gelben“ Forum niederlassen, wobei ich kein Urteil darüber fällen will, welches der beiden Foren „das bessere“ wäre. Vielmehr erkenne ich die verschiedenen Absichten, mit denen sie betrieben werden und sehe, dass die Intensionen der guten, alten gelben Seiten eher mit meinen eigenen Ambitionen harmonieren als die des hbrf.

Ich bin ein Freund der Idee von einer sich immer weiter entwickelnden „Schwarmintelligenz“; d.h. zu einem bestimmten Thema tragen verschiedenste Individuen ihre Erfahrungen bei und bauen so eine sachlich fundierte, enzyklopädische Datenbank auf, auf die jeder Internet-Surfer zugriff hat. Dabei sollten idealerweise nicht Eitelkeiten und die Geltungssucht einzelner Autoren die Triebfeder sein; sondern die Lust am Dienst an der Schwarmintelligenz. Das Forum sollte nicht dem Ego des Autors dienen, sondern der Autor dem Zweck des Forums. Das sind Binsenweisheiten, doch mir scheint, diese müssten gelegentlich wieder in Erinnerung gerufen werden.

Meiner Beobachtung nach wird das „Gelbe“ in diesem Sinne verwaltet, das „Blaue“ erklärtermaßen nicht. Ein Forum, „…in dem kein Ordner mit Armbinde Beiträge löscht oder Mitglieder aussperrt und jeder einfach drauflos schreiben kann, wie ihm der Schnabel gewachsen ist…“ (Zitat sinngemäß: Jay) steht meiner Intension an der Mitarbeit entgegen und ist dem Thema unserer Foren sicher nicht dienlich. Ein Forum sollte uns NICHT bei der Kompensation unserer Minderwertigkeitskomplexe helfen.
Wenn ich mich nämlich stundenlang durch noch so brillant formuliertes Geschwurbel hindurch stöbern muss, um dann vielleicht irgendwann einmal zufällig auf einen mich persönlich interessierenden Beitrag zu stoßen, vergeht mir die Lust am Forum komplett, denn im Grunde brauche ich auf die Dauer ein Internetforum zum Barfußlaufen genau so wenig wie zum Nasebohren. Moderatoren jedoch, welche das Forum im Sinne des gestellten Themas sauber halten, sind mir persönlich lieb und teuer, denn sie sparen uns allen vielleicht Millionen von Stunden kostbarer Lebenszeit, in denen wir lieber barfuss draußen rumlaufen können als uns die Nächte am PC um die Ohren zu schlagen. Dann macht mir die Mitarbeit auch Spaß! Auf die Gefahr angesprochen, dass auch einmal ein Beitrag von mir selber im Nirwana verschwinden könnte, kann ich nur sagen: Davon wird weder die Welt untergehen, noch wird meine maßlose Arroganz ;-) einen nennenswerten Knacks erleiden.

Betrachtet jemand ein solches Forum jedoch als erweiterten Chat, ist das „Blaue“ für sie/ihn goldrichtig und hat damit seine volle Daseinsberechtigung.
In diesem Sinne wünsche ich allen hbrf-lern viel Spaß am Forum und am Barfußgehen.
Es verabschiedet sich höflich - euer Gerhard


barfuss2010 Offline



Beiträge: 3
Punkte: 3

30.08.2010 17:07
#13 RE: Der Bächlepirat entert das hbrf Zitat · antworten

Hallo Gerhard

Herzlich willkommen hier und danke für deine ausführlichste Vorstellung.

barfuss2010


Jörg 2 Offline




Beiträge: 938
Punkte: 927

30.08.2010 17:35
#14 RE: Der Bächlepirat geht wieder von Bord Zitat · antworten

Zitat von Gerhard

RE: Der Bächlepirat entert das hbrf
RE: Der Bächlepirat geht wieder von Bord




Uff...
J.


Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.943
Punkte: 794

31.08.2010 00:51
#15 Ein paar Worte zu dieser überraschenden Verabschiedung Zitat · antworten

Zitat von Gerhard
Ich bin ein Freund der Idee von einer sich immer weiter entwickelnden „Schwarmintelligenz“; d.h. zu einem bestimmten Thema tragen verschiedenste Individuen ihre Erfahrungen bei und bauen so eine sachlich fundierte, enzyklopädische Datenbank auf, auf die jeder Internet-Surfer zugriff hat. Dabei sollten idealerweise nicht Eitelkeiten und die Geltungssucht einzelner Autoren die Triebfeder sein; sondern die Lust am Dienst an der Schwarmintelligenz. Das Forum sollte nicht dem Ego des Autors dienen, sondern der Autor dem Zweck des Forums. Das sind Binsenweisheiten, doch mir scheint, diese müssten gelegentlich wieder in Erinnerung gerufen werden.



Das Wort "Schwarmintelligenz" habe ich bisher noch nirgendwo gehört oder gelesen, und ohne die netterweise dazu geschriebene Definition wüßte ich trotz meiner beiden Hochschulabschlüsse nix damit anzufangen. Da ich also bislang nicht wußte, was "Schwarmintelligenz" ist, hatte ich folglich, wenn ich begann, einen Beitrag zu schreiben, nie geprüft, ob dieser denn auch wirklich der "Schwarmintelligenz" diene, sondern ich habe "aus Spaß an der Freude" oder auch aus einem aktuellen Anlasse geschrieben; ich wollte berichten, was ich barfuß gehend erlebt habe; ich wollte Fragen stellen, meine Meinung äußern, anderen Beitragsautoren beipflichten oder widersprechen, interessante Diskussionen initiieren, mein Interesse an gemeinsamen Aktivitäten bekunden und manches mehr, und wer mich näher kennt, hat auch gewiß bemerkt, daß meine Beiträge zum Teil "mit Herzblut" geschrieben sind.

Zitat von Gerhard
Meiner Beobachtung nach wird das „Gelbe“ in diesem Sinne verwaltet, das „Blaue“ erklärtermaßen nicht. Ein Forum, „…in dem kein Ordner mit Armbinde Beiträge löscht oder Mitglieder aussperrt und jeder einfach drauflos schreiben kann, wie ihm der Schnabel gewachsen ist…“ (Zitat sinngemäß: Jay) steht meiner Intension an der Mitarbeit entgegen und ist dem Thema unserer Foren sicher nicht dienlich. [...] Moderatoren jedoch, welche das Forum im Sinne des gestellten Themas sauber halten, sind mir persönlich lieb und teuer, denn sie sparen uns allen vielleicht Millionen von Stunden kostbarer Lebenszeit, in denen wir lieber barfuss draußen rumlaufen können als uns die Nächte am PC um die Ohren zu schlagen. Dann macht mir die Mitarbeit auch Spaß! Auf die Gefahr angesprochen, dass auch einmal ein Beitrag von mir selber im Nirwana verschwinden könnte, kann ich nur sagen: Davon wird weder die Welt untergehen, noch wird meine maßlose Arroganz ;-) einen nennenswerten Knacks erleiden.



Diese Art von Untertanengeist, diese mir gänzlich unverständliche Sehnsucht nach der "starken Person" (um es mal geschlechtsneutral auszudrükken), welche die "braven Kinder" lobt und die "unartigen" (= unangepaßten mit dem unerwünschten Hange zum selbständigen Denken?) züchtigt, ist genau das, was die fortschreitende Entliberalisierung der Gesellschaft vorantreibt. Ein Kleingeist wie Du, der sich darnach sehnt, sich einem Zensor zu unterwerfen, und Schiß davor hat, selber für sich Deutungshoheit in Anspruch zu nehmen, sondern nach dem Zensor schreit, damit dieser ihm mitteilt, ob er "richtig" oder "falsch" liegt, ist hier vermutlich wirklich nicht richtig aufgehoben, denn hier ist die FREIHEIT zu Hause, und die Admins und Moderatoren übernehmen lediglich die Aufgabe der Abwehr von "Möpsen" und anderen Störenfrieden, welche von vornherein mit destruktiven Absichten herbeikommen. Solche Gestalten haben nämlich nix in einem Forum zu suchen, und sie aufzuspüren und rauszuschmeißen ist keine angenehme Aufgabe. Die Aufgabe der Administration ist keine herrschende, sondern eine dienende, und das Forum ist für die Beitragsautoren da und nicht umgekehrt. Ich gebe auch offen zu, daß es mich ärgerte, wenn Beiträge von mir gelöscht würden, denn dann hätte ich mir die Mühe des Schreibens umsonst gemacht.

Zitat von Gerhard
Betrachtet jemand ein solches Forum jedoch als erweiterten Chat, ist das „Blaue“ für sie/ihn goldrichtig und hat damit seine volle Daseinsberechtigung.
In diesem Sinne wünsche ich allen hbrf-lern viel Spaß am Forum und am Barfußgehen.
Es verabschiedet sich höflich - euer Gerhard



Nach Deiner ausführlichen Vorstellung hätte ich wohl gerne noch dies und das von Dir gelesen, aber man kann nun mal niemanden, der gehen will, festhalten, und so nehme ich Deinen Abschiedsgruß zur Kenntnis.
Indessen ist ein Forum freilich im Grunde nichts anderes als eine Art "erweiterter Chat", und bereits im alten HBF waren keineswegs nur geistvolle Beiträge von enzyklopädischem Wert zu finden; derart literarisch wertvolle Beiträge sind wohl in jedem Forum gewissermaßen die Klunker unter den Kieseln.

Barfüßige Grüße,
Markus U.


Saalenixe-Halle ( gelöscht )
Beiträge:

31.08.2010 06:51
#16 Gerhards Abschied Zitat · antworten

ein paar Nachgedanken zum Abschied von Gerhard findet ihr hier


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