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Dieses Thema hat 8 Antworten
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eisbaer55 Offline



Beiträge: 87

10.03.2020 10:45
Aktuelles Interview mit einem Arzt aus Bergamo Zitat · Antworten

Meine Lieben,

hier die Übersetzung eines Interviews mit einem Spitalsarzt aus Bergamo, gestern erschienen im "Corriere de la sera" - es geht dort unten mittlerweile zu wie in Kriegszeiten, mangels Behandlungsmöglichkeiten wird ausgewählt wer die Chance erhält weiterzuleben. Einen Absatz hab ich eigenmächtig fett dargestellt, aber jeder wie er möchte:

Interview mit Christian Salaroli, Narkosearzt in Bergamo aus ‘Corriere de la sera’ vom 9.3.2020, großer Teil übersetzt von Eva-Maria Michels

„In der Notaufnahme wurde ein Raum mit zwanzig Betten geöffnet, der nur für Massenveranstaltungen genutzt wird. Wir nennen es Pemaf oder Notfallplan für den Maxi-Zufluss. Hier wird die Triage oder die Wahl getroffen. "

Es ist kein einfaches Gespräch mit Christian Salaroli, 48 Jahre alt, Ehefrau, zwei Kinder, Ärztlicher Direktor, Anästhesist und Beatmungsbeutel des Papa Giovanni XXIII-Krankenhauses in Bergamo, eines der am stärksten gestressten dieser Wochen, nur sieben Kilometer vom Alzano-Cluster entfernt Lombard, einer der mysteriösesten und hartnäckigsten dieser Epidemie.

Es ist nicht wegen des Themas, mit dem es sich befasst, es ist nicht wegen der Emotionen, die durch es fließen, die wir trocknen müssen, auch wenn es viel darüber aussagt, was passiert, wo wir wirklich kämpfen.

«Es wird nach Alter und Gesundheitszustand entschieden. Wie in allen Kriegssituationen. Ich sage es nicht, aber die Handbücher, die wir studiert haben."

Sie treffen also wirklich eine Auswahl ?

Selbstverständlich. In diese Einheit werden nur Personen aufgenommen, die wegen der COVID19 Lungenentzündung mit respiratorischer Insuffizienz haben. Die anderen : ab nach Hause !

Was geschieht dann ?

Sie bekommen nicht-invasive Beatmung. Das ist die erste Etappe.

Was sind die folgenden ?

Früh morgens kommt der Narkosearzt zusammen mit dem Pflegepersonal der Notaufnahme. Seine Meinung ist entscheidend. Weshalb ist seine Entscheidung so wichtig ? Neben dem Alter und dem allgemeinen Zustand bewertet er die Fähigkeit des Patienten, einen Eingriff zur invasiven Beatmung zu überleben.

Was heisst das genau ?

Die Infektion, die der Coronavirus verursacht, ist eine interstitielle Pneumonie. Eine sehr aggressive Form, die die Versorgung des Blutes mit Sauerstoff brutal behindert. Die am stärksten angegriffenen Patienten leiden unter Sauerstoffmangel : Sie haben nicht mehr genug Sauerstoff im Organismus.

Wann wird die Wahl getroffen ?

Sofort nach dem Besuch des Narkosearztes. Wir müssen diese Wahl treffen. Maximal ein oder zwei Tage nach der Aufnahme. Die nicht-invasive Beatmnung ist nur ein Zwischenschritt. Leider gibt es ein Missverhältnis zwischen den Krankenhausmitteln, den zur Verfügung stehenden Betten auf der Intensivstation und der Anzahl der Kranken in einem kritischen Zustand. Wir können nicht jeden intubieren, [d. h das Beatmungsschlauch wird nach einem Einschnitt in die Luftröhre direkt an diese angeschlossen, invasive Beatmung].

Was geschieht in diesem Moment ?

Diejenigen, für die wir entschieden haben, dass die Pflege fortgeführt wird, werden sofort intubiert. Wir legen sie auf den Bauch, um die Belüftung der unteren Lunge zu erleichtern.

Bezüglich der Entscheidung, gibt es eine schriftliche Regel ?

Aktuell, im Gegensatz zu dem, was ich lese, nein. In der Realität, auch wenn es schrecklich klingt, dies zu sagen, begutachten wir sehr genau die Kranken, die auch schwere kardio-respiratorische Krankheiten haben und die Personen mit schweren Herzkranzproblemen, weil sie sehr schlecht einen akuten Sauerstoffmangel vertragen und wenig Chancen haben, die kritische Phase zu überleben.

Und dann ?

Wenn jemand zwischen 80 und 95 Jahre alt ist und grosse Atemprobleme hat, führen wir in der Regel die Behandlung nicht fort. Das gleiche gilt, wenn eine mit dem Virus infizierte Person eine Insuffizienz in drei oder mehr lebenswichtigen Organen aufweist. Diese Personen haben statistisch gesehen keine Chancen, das kritische Stadium der Infektion zu überleben. Diese Personen werden bereits als tot angesehen.

Sie schicken sie also weg ?

Das auch, das ist ein schrecklicher Satz, aber die Antwort lautet ja. Wir haben nicht die Möglichkeiten das zu versuchen, was man gewöhlich ein Wunder nennt. Auch das ist die traurige Realität.

Normalerweise ist das nicht der Fall ?

Nein. In normalen Zeiten gibt es auch eine Beurteilung, um zu wissen, ob ein Mensch einen Hauch einer Überlebenschance bei einem Eingriff hat. Aber jetzt haben wir es mit einer ganz anderen Anzahl von Fällen zu tun.

Und Sie als Ärzte, ertragen Sie diese Situation gut ?

Einige von uns gehen daran kaputt. Vor allem die Jüngsten, die ganz Jungen, die gerade erst ihre Arbeit begonnen haben und nun plötzlich von jetzt auf nichts über die Frage nach dem Leben und dem Tod eines Menschen entscheiden müssen.

Und Sie ?

Bis jetzt schaffe ich es noch, nachts zu schlafen. Weil ich weiß, dass die Auswahl auf der Hypothese beruht, dass einige Fälle, fast immer die Jüngeren, bessere Überlebenschancen haben als andere. Wenigstens das tröstet.

Was denken Sie von den letzten Entscheidungen, die die Regierung getroffen hat ?

Eine Quarantäne, um den Virus auf bestimmte Zonen zu begrenzen, ist eine gute Idee. Aber es ist eine Maßnahme, die mit zwei Wochen Verspätung kommt. Das wichtigste ist eh woanders.

Das heißt ?

Bleibt zu Hause, bleibt zu Hause, bleibt zu Hause. Ich kann es nicht genug wiederholen. Ich sehe zu viele Leute, die auf der Strasse spazieren gehen als sei nichts. Sie haben nicht die geringste Idee davon, was sich in den Krankenhäusern abspielt und Sie wollen es nicht wissen. Bleiben Sie zu Hause.

Fehlt Ihnen Personal ?

Ja. Wir arbeiten fast 24h und sind erschöpft. Körperlich aber auch emotional. Ich habe Krankenschwestern weinen sehen, die 30 Jahre Berufserfahrung haben, Ärzte erleiden einen Nervenzusammenbruch. Keiner kann sich vorstellen, was gegenwärtig in den Krankenhäusern geschieht. Aus diesem Grunde habe ich dieses Interview akzeptiert.

Gibt es noch ein Recht auf Behandlung ?

Gegenwärtig ist es dadurch bedroht, dass man nicht gleichzeitig eine gewöhnliche Situation und eine Ausnahmesituation managen kann. Die Standardbehandlungen können sich verzögern und das kann schlimme Folgen haben.

Können Sie ein Beispiel geben ?

Normalerweise wird ein Anruf wegen eines Herzinfaktes innerhalb von Minuten geregelt. Heute muss man eine Stunde und länger warten.

Haben Sie eine Erklärung für all dies ?

Ich bevorzuge es, nicht danach zu suchen. Ich sage mir, dass es so ist wie die Kriegschirurgie. Man rettet nur noch diejenigen, die eine Chance haben. Genau dies geschieht gegenwärtig.
+++


André Uhres Offline

Admin


Beiträge: 1.222
Punkte: 3

10.03.2020 12:49
#2 RE: Aktuelles Interview mit einem Arzt aus Bergamo Zitat · Antworten

Danke Wolfgang für das Teilen des aufschlussreichen Interviews!
Ich habe auch eine deutsche Zusammenfassung davon gefunden: https://www.rainews.it/tgr/tagesschau/ar...5d03a95cfa.html

Liebe Grüße
André


Leo Offline



Beiträge: 718
Punkte: 484

10.03.2020 12:55
#3 Wir sind im Krieg, bleibt zu Hause! Zitat · Antworten

Das ist die etwas freie übersetzte Kernbotschaft, hier im Original:

https://www.corriere.it/cronache/20_marz...941af0f23.shtml

Nebenbotschaft:

Der Tod auf der Warteliste ereilt jetzt auch viele Leute mit anderen Krankheiten :"Normalerweise wird ein Anruf wegen eines Herzinfaktes innerhalb von Minuten geregelt. Heute muss man eine Stunde und länger warten."


Montanara Offline




Beiträge: 240

10.03.2020 16:57
#4 RE: Wir sind im Krieg, bleibt zu Hause! Zitat · Antworten

Zuhause bleiben ist gut und recht - aber wie ist das mit der Erwerbsarbeit zu vereinbaren, wie mit der Ausbildung oder Schule, wo Präsenzpflicht herrscht? Sollen nun alle mit dem Auto zur Arbeit oder in die Uni oder Schule pendeln?
Und:
https://www.zdf.de/nachrichten/politik/c...renzer-100.html


Lebenskünstler Offline

Admin


Beiträge: 671

10.03.2020 17:08
#5 RE: Wir sind im Krieg, bleibt zu Hause! Zitat · Antworten

Soweit mir bekannt sind auch etliche Schulen und Universitäten geschlossen. Mit der Präsenzpflicht - zumindest für die Studierenden - das liesse sich auch anders regeln, z.b. über virtuellen Unterricht.

Zur Erwerbsarbeit: was empfehlen Gesundheitsämter bei personalintensiven Industriebetrieben? Damit meine ich nicht nur die grossen Automobilbauer - da kommen locker mehrere zig-Tausend Mitarbeiter an einem Standort zusammen, teilweise dicht gedrängt wie die Hühner auf der Stange bzw der Fertigungsstrasse.


Leo Offline



Beiträge: 718
Punkte: 484

10.03.2020 18:42
#6 RE: Wir sind im Krieg, bleibt zu Hause! Zitat · Antworten

Im Tessin mieteten Firmen in großem Stil Hotelzimmer an – für Angestellte, die normalerweise täglich Pendeln:

https://milano.corriere.it/notizie/crona...f48cf812d.shtml

Und selbstverständlich hat die Wirtschaft Vorrang, siehe Artikel ganz unten:

Wer nicht positiv getestet ist oder offiziell unter Quarantäne steht, darf nach wie vor über die Grenze zur Arbeit pendeln.

Ansonsten:

https://www.rainews.it/tgr/tagesschau/ar...e269aea303.html


„Thomas Widmann, Gesundheitslandesrat, sagt in der Anrufsendung von Rai Südtirol heute auf dieselbe Frage: "Es ist logisch, dass Bürger ab und zu gerne nach draußen gehen, eine Wanderung machen. Das ist zulässig. Aber man muss dann die Regeln beachten. Abstand halten, Hände waschen, nicht in überfüllte Lokale gehen." (Was Widmann in der Anrufsendung sonst noch so gesagt hat, lesen Sie hier).

Der Chef der Zivilschutzbehörde Rudolf Pollinger gibt auf die Frage "Darf ich noch auf den Berg?" dagegen folgende Antwort: "Wenn wir die Bestimmungen des Dekretes genau auslegen, dann sind Bewegungen außerhalb des Hauses nur dann erlaubt, wenn ich an die Arbeit muss, zum Arzt oder zum Einkaufen. Alle übrigen Bewegungen sind eingeschränkt." Und das gilt laut Pollinger "im gesamten Staatsgebiet, in allen Gemeinden".“


https://www.rainews.it/tgr/tagesschau/ar...b1c48b865a.html

In den 14h-Nachrichten von RAI24 wurden in einem fast leeren Bahnhof zwei Frauen auf der Reise in einen lange gebuchten Wochend-Trip gezeigt, die diese Erklärung wohl entsprechend ausgefüllt hatten… Nach Ende des Films gab es einen vorwurfsvollen Kommentar des Sprechers: „Manche habe wohl immer noch nicht verstanden!“

„Eigenverantwortung angesagt
Die Polizei appelliert also an die Eigenverantwortung der, von nicht notwendigen Bewegungen außerhalb der eigenen vier Wände abzusehen. Was aber, wenn jemand in seiner Eigenerklärung angibt, dass er auf den Berg will, weil seine Kinder unbedingt mal an die frische Luft müssen? Auch hier rät Carli zu Augenmaß und Hausverstand“

Zitat
„Zur Erwerbsarbeit: was empfehlen Gesundheitsämter bei personalintensiven Industriebetrieben? Damit meine ich nicht nur die grossen Automobilbauer - da kommen locker mehrere zig-Tausend Mitarbeiter an einem Standort zusammen, teilweise dicht gedrängt wie die Hühner auf der Stange bzw der Fertigungsstrasse.“



Im Fernsehen wurde eine KLEINE Firma im Tessin gezeigt, bei der die Angestellten einen möglicht große Abstand voneinander einhalten.


Montanara Offline




Beiträge: 240

10.03.2020 19:24
#7 RE: Wir sind im Krieg, bleibt zu Hause! Zitat · Antworten

Tessin ist nicht Italien. Und bei vielen Arbeiten ist Abstand halten schlichtweg illusorisch. In der Schule beispielsweise....das ist absolut praxisfern!
Virtueller Unterricht hatte ich aufgrund verunfallter Dozenten. Das kommt an Tiefe längst nicht an Präsenzveranstaltungen ran, und die Prüfungen werden so oder so stattfinden - mit einem ENORMEN Mehraufwand für unereins!


Lebenskünstler Offline

Admin


Beiträge: 671

10.03.2020 20:16
#8 RE: Wir sind im Krieg, bleibt zu Hause! Zitat · Antworten

Dass es für Lehrerinnen und Lehrer alles andere als einfach ist, virtuellen Unterricht anzubieten, ist klar. Es fehlt der direkte, unmittelbare Kontakt. Als jemand der sein BWL-Studium bei einer Fernakademie absolviert hat, kenne ich das zumindest aus Sicht der Studierenden.

Die komplett geschlossenen Schulen und Universitäten sind da, wo bereits bestätigte Fälle aufgetreten sind. Als vorbeugende Massnahme: ...ich weiss nicht ob das nicht eher die Hysterie noch fördert.

Unsere Politiker rufen ja immer auch zu Telearbeit auf. Ich weiss nicht wie das gehen soll, bei manchen Berufen. In der Packstube eines mittelständischen Unternehmens wohl kaum. Oder in der Altenpflege, beim Bäcker... Oder... oder... oder...


Lebenskünstler Offline

Admin


Beiträge: 671

10.03.2020 21:57
#9 RE: Wir sind im Krieg, bleibt zu Hause! Zitat · Antworten

noch eine Empfehlung zum weiter lesen - hier führt der Faden der Diskussion ein Eigenleben:

https://518190.forumromanum.com/member/f...rede_ueber.html


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