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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Barfuß und Leben
Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 589
Punkte: 248

10.11.2011 19:01
Warmer November in Luzern Zitat · antworten

Samstag, 5.11.2011: Ein Herbsttag, aber es war ca. +15°C, als ich gegen 11:30 Uhr Luzern mit dem Velo erreichte. Ich hatte eine Polizeikontrolle hinter mir, und nur weil irgendwelche Spießerbirnen partout nicht begreifen konnten/wollten, daß es bei 15°C im November ebenso möglich ist, in Träger-T-Shirt, kurzen Hosen und ohne lästiges Schuhwerk draußen aufzuhalten wie im Sommer bei 15°C und das man lange nicht auf Handschuhe und Mütze zurückgreifen muß, nur weil man es im November halt so tut. Ich berichtete ja bereits darüber.

Ich radelte durch den Torbogen des „Nölleturmes“ bis zur Spreuerbrücke, von da ab schob ich mein Velo. In die engen Gassen der Luzerner Altstadt drang kein Sonnenlicht, daher war es hier noch kühler. Viele Leute waren auch in dicke Winterjacken verhüllt, trugen Stiefel, und einige kleine Kinder sogar Handschuhe und Mützen. Andererseits schoben auch ein paar Rennvelofahrer in kurzen Velohosen und kurzärmeliger Oberbekleidung (aber mit Helm und Schuhen) ihre 2räder durch die Gassen. Manche Kinder starrten sowohl die Rennradfahrer, als auch mich an. Ein Knabe auf dem Kinderrad, der seine Eltern, die selber zu Fuß unterwegs waren, fragte: „Papi, wieso darf der Mann ohne Helm Velo fahren und ich nicht?“ In der Tat ist ein Helm beim Velofahren wichtiger als lange Hosen und Schuhe, aber ein Obligatorium wird es hoffentlich nicht geben (meine Abneigung gegen Kopfbedeckungen beschränkt sich halt nicht auf Hüte und Mützen, sondern schließt auch Helme, Perücken, Stirnbänder, Kapuzen usw. mit ein).

Ich überquerte die Reuß, schob das Velo an der Jesuitenkirche vorbei, worauf ein Mann zu seiner Frau sagte: „Wie im Hochsommer!“ Von den vielen japanischen Touristen sahen mich auch einige erstaunt an. Aber im großen und ganzen war sahen es die Leute positiv, viele lächelten. Ich schob mein Velo über die Kapellbrücke. Diese Brücke mit dem angebauten Wasserturm ist wirklich schön, alle Sinne werden beim Überschreiten dieses historischen Bauwerks beansprucht:
- die Augen wegen der vielen Bilder auf der Brücke (das kriegen die meisten Leute, außer diejenigen, die lieber auf den Monitor des Handys schauen)
- die Ohren, wenn die hölzernen Balken unter jedem Schritt knarren (das bekommen schon weniger Leute mit, weil sie sich mit Walkman-Musik volldröhnen)
- die Nase, denn das Holz hat wirklich einen angenehmen Geruch (das bekamen noch weniger Leute mit, denn eine verschnupfte Nase haben zu dieser Jahreszeit viele)
- der Tastsinn, wenn man baren Fußes über das angenehme Holz der Brücke wandelt (aber das erfährt nur eine privilegierte Minderheit, die sich den Luxus gönnt, die Füße nicht in fettem Schuhwerk von der Umwelt hermetisch abzuschirmen)

Weiter schob ich mein Velo am Seeufer entlang bis zum Lido. Während der Badesaison ist dieses Gelände nur bei Errichtung einer Eintrittsgebühr erreichbar, jetzt aber war es für jedermann zugänglich, auch für die, die den Eintritt nicht bezahlen können (oder wollen). Auf dem Kinderspielplatz des Lidos spielten zwar etliche winterlich vermummte Kinder, der Sandstrand war aber leer. Ein paar ältere Leute saßen auf den Bänken, und ich setzte mich im Sand in die Sonne. Zwei Mütter mit zusammen fünf Kindern kamen über den Plattenweg, alle trugen dicke Jacken, Stiefel und fast alle auch Mützen. Ein Knabe sagte: „Der Mann ist barfuß, dürfen wir auch barfuß laufen?“ Sie durften! Zwei Jungen entledigten sich sofort ihrer Stiefel und Jacken, ein Mädchen folgte zögerlich. Ein anderes Mädchen entledigte sich auch ihre Schuhe und Socken, trug aber noch lange Zeit die Winterjacke. Währenddessen watete ich ein wenig durch das Wasser, es war recht kalt. Aber die Luft war so warm, daß ich mir das T-Shirt auszog. Die Knaben krempelten sich die Hosenbeine hoch und gingen auch ins Wasser. Sehr professionell geschah das Umkrempeln nicht, denn bei einem rutschte das Hosenbein wieder runter, das gab nasse Hosensäume!

Prompt zogen sie auch noch die Hosen aus und trauten sich in der Unterhose weiter ins Wasser. Zwischenzeitlich zog sogar das Mädchen mit der hohen Affinität zur Winterjacke letztere aus und krempelte sich die Hosenbeine hoch. Im Gegensatz zu den Knaben trauten sich die Mädchen nur kurz mit den Füßen ins Wasser, dann rannten sie kreischend wieder raus. Der kleinste Knabe, der noch in der Karre geschoben wurde, erlaubte sich wie die Mütter keine Anzugserleichterung. Ich ging auch weiter ins Wasser. Eine Badehose hatte ich leider nicht dabei (und eine Unterhose nicht unter meiner kurzen Hose, ursprünglich handelte es sich bei der kurzen Hose um eine lange Trainingshose mit Gummizug, dürfte ca. 35 Jahre alt sein, im ursprünglichen Zustand nie getragen, vor etwa 2 Monaten habe ich das total versprödete Gummiband durch eine Kordel ersetzt und die Beine auf tragbare Länge zurechtgestutzt). Ich schritt am Badesteg entlang, um an dessen Ende die Leiter hinaufzusteigen. Das Wasser wurde immer tiefer. Ich hatte die Wahl zwischen Umkehren und nassen Hosensäumen. Als Nicht-Ratinger entschied ich mich für nasse Hosensäume.

Die beiden Knaben zogen nachher noch ihre Wollpullover aus und waren somit leichter gekleidet als ich, da ihre Unterhosen aus dünnerem Stoff bestanden als meine kurze Hose. Ich erlaubte mir keine weitere Anzugserleichterung, einmal am Tag Kontakt mit der Polizei (und einen Anschiß von übereifrigen 2c-Wächtern in Foren) wollte ich nicht haben. Als das lange bejackte Mädchen auch noch ihre Hose ausziehen wollte, sagte die Mutter: „Du nicht, du hast Husten!“ Nach einiger Zeit mußten sich die Kinder wieder dick einpacken, es ging weiter. Zwischenzeitlich bewölkte sich der Himmel, es war windig, auch ich verließ den Lido, nachdem ich mich ebenfalls wieder dick in mein Träger-T-Shirt eingehüllt hatte. Wieder schob ich mein Velo entlang am See und durch die Fußgängerzone, diesmal gab es ein paar blödere Sprüche, fast nur von Jugendlichen.

Dann schwang ich mich aufs Velo und radelte in Richtung Heimat, aber nicht auf dem direkten Weg. Erst folgte ich der Reuß, um sie bei Perlen zu verlassen Richtung Eschenbach. Kurz vor Hochdorf überholte mich ein 4rad. Der Beifahrer wunk mir zu. Nach hundert Metern hielt der Wagen an, der Beifahrer stieg aus. Es war kein Polizist in Zivil, sondern ein Laborant, der in der Nähe (in Rothenburg) wohnt (und jeden Tag von dort nach Zofingen zur Arbeit fährt). Er sprach: „Das ist ja ein prächtiges Wetter heute, 16°C, richtig zum Velofahren. Du bist wohl der einzige, der die richtige Kleidung trägt!“ Mittlerweile schien tatsächlich wieder die Sonne. Ich erzählte ihm von der Begebenheit mit den Polizisten. ER meinte: „Da hat dich sicher irgendein alter Opa angeschwärzt. Er selber traut sich nicht in Sommerkleidung auf die Straße, wenn andere es auch nicht tun. Nun sah er dich und ist neidisch. Und wenn er selber keine leichte Kleidung tragen kann, gönnt er dir es auch nicht!“

Ich radelte weiter über Beinwil und Boniswil durchs Seetal (und parallel zur Seetalbahn), dann ging es über Velo Wege nach Lenzburg. In der Altstadt sagte ein Mann: „So warm ist es wirklich nicht!“ In Hunzenswil spielten zwei Mädchen auf der Straße. Eines sagte: „Brrrrr! Ist das nicht zu kalt?“ Bald wurde es dunkel, und auch kühler. Wenn mir dann jemand die K-Frage gestellt hätte, wäre mein Antwort vermutlich eine Lüge gewesen. Denn im T-Shirt was es auch mir bald zu kalt (ein Verlangen nach langer Hose und Schuhen hatte ich aber noch lange nicht. Aber die letzte halbe Stunde hielt ich durch. Um 18 Uhr war ich zu Hause.

Schöne Grüße
Michael aus Zofingen


Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.923
Punkte: 794

14.11.2011 14:46
#2 RE: Warmer November in Luzern Zitat · antworten

Zitat von Michael aus Zofingen
Eine Badehose hatte ich leider nicht dabei (und eine Unterhose nicht unter meiner kurzen Hose, ursprünglich handelte es sich bei der kurzen Hose um eine lange Trainingshose mit Gummizug, dürfte ca. 35 Jahre alt sein, im ursprünglichen Zustand nie getragen, vor etwa 2 Monaten habe ich das total versprödete Gummiband durch eine Kordel ersetzt und die Beine auf tragbare Länge zurechtgestutzt). [...} Ich erlaubte mir keine weitere Anzugserleichterung, einmal am Tag Kontakt mit der Polizei (und einen Anschiß von übereifrigen 2c-Wächtern in Foren) wollte ich nicht haben.



Hi Michael,

auf Deine Kontakte mit der Polizei habe ich keinen Einfluß, aber einen "Anschiß von übereifrigen 2c- Wächtern in Foren" wirst Du in unserem Forum gewiß nicht kriegen, weil wir erstens keine "Regel 2c" haben und zweitens Deine stets sehr spannenden Berichte zu schätzen wissen. Mir gefällt übrigens besonders Deine feinsinnige Ironie, welche die besondere "würze" Deines Schreibstils ausmacht.

Barfüßige Herbstgrüße,
Markus U.


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