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Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

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Dieses Thema hat 17 Antworten
und wurde 1.383 mal aufgerufen
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 Barfuß und Leben
Leo Offline



Beiträge: 694
Punkte: 484

22.04.2015 05:24
Neuseeland: Vom Barfußparadies zu immer größerer „Gesundheits- und Sicherheits“-Hysterie Zitat · antworten

Hallo,

vor einem guten Monat landete ich im angeblichen Barfuß-Paradies Neuseeland – und zwar aufgrund meiner Venenprobleme (wie immer bei längeren Flügen, insbesondere über Nacht) fett bekompressionsstrumpft und beschuht. Erst nach über 20 Minuten Busfahrt vom Flughafen AKL ins Zentrum von Auckland sah ich den ersten Barfüßigen; trotz angenehm warmer Temperaturen waren fast alle anderen fett beschuht, einige leicht mit Flipflops. Später sah ich dann immerhin noch 2 weitere Barfüßer an der St-Patrick’s-Day-Parade, bevor ich mit Einsetzen des ersten Wolkenbruchs vom Nachtflug total übermüdet gegen 18h ins Bett ging.

Am nächsten Tag war die Eisenbahnwelt in Neuseeland dann noch in Ordnung: In der Schlange vor dem Einchecken stürzte sich zwar sogleich ein Mitarbeiter auf den großen Rucksack, den ich wie erwartet aufgeben mußte, aber BF war an diesem einen Tag noch gar kein Problem im Zug. Trotzdem war ich der einzige Barfüßige im Zug…

Anmerkung: Zugfahren beinhaltet in Neuseeland auch alle Nachteile des Fliegens: Man muß spätestens 25 Minuten vor der PLANmäßigen Abfahrt am Bahnhof sein, sein Gepäck aufgeben und dann ewig in einer langen Schlange warten (oder eine Stunde vor Abfahrt in einer kurzen und dann frühstücken), um endlich das ausgedruckte Online-Ticket ohne Wagen und Sitzplatz-Angabe in eine Bordkarte mit Wagen und Platz-Nummer umtauschen zu können. Unterwegshalte ziehen sich trotz Verspätung ewig in die Länge, weil die Aussteigenden zunächst am Gepäckwagen Schlange stehen, um ihr Gepäck abzuholen, dann die Einsteigenden am Gepäckwagen zur Abgabe ihres Gepäcks und dann noch einmal vor dem Schaffner am Bahnsteig, um ihre Bordkarte zu erhalten.

Das windige Wellington machte am Abend dann seinem Namen alle Ehre, immerhin ohne Regen bei ca 16 Grad. Im Hostel waren dann zwar noch einige andere barfuß, aber kaum hatte ich die Hostel-eigene Kneipe betreten, kam der erste unerwartete Hammer: Der Barkeeper stürzte sich mit entsetztem Blick auf mich: Ob ich denn keine Schuhe hätte, aus Gesundheits- und Sicherheitsgründen dürfe er mich barfuß nicht hereinlassen. Ich zog mit der üblichen Antwort ab: Dann müsse ich mein Geld eben woanders lassen.

Auf meinem ausgiebigen Spaziergang durch Wellington begegnete ich keinem einzigen anderen Barfüßigen mehr; und als Krönung kam dann auch noch tatsächlich die K-Frage (bei immer noch mindestens 15 Grad aber frischem Wind!). Immerhin sah ich zum Schluß im Supermarkt noch einen Barfüßer mit Skateboard.

Auf der Fähre von Wellington nach Picton war ich der zwar der einzige echte Barfüßer – aber zunächst mehr mit dem Wellengang beschäftigt. Auch hier mußte man vorher einchecken und das Gepäck aufgeben, was immerhin bis nach Christchurch möglich war und so das Schleppen vom Fähr-Terminal zum Bahnhof ersparte.
Am Bahnsteig mußten wir noch warten, bis der Zug gereinigt war. Als die Schaffnerin mich sah, stürzte sie sich mit entsetztem Blick auf mich, ob ich denn keine Schuhe hätte, ich müßte unbedingt welche haben. Schon in diesem frühen Stadium explodierte ich und zog schon verfrüht das sich später als richtig erweisende Fazit:

„Ich fliege für extrem viel Geld sehr weit und sehr beschwerlich in ein Land mit extrem hohen Preisen, oft schlechtem Wetter, häufigen Erdbeben, das zwar angeblich ein Paradies für Barfüßer darstellt – nur um dann noch mehr schikaniert zu werden als zu Hause! Nirgendwo in Europa, sogar in Spanien, wo Barfußlaufen als unzivilisiert gilt, habe ich jemals Schwierigkeiten gehabt, barfuß Zug zu fahren!“

Hintergrundinfo zu obigem verfrühten Fazit:

Preise: Hotel-/Motel-Zimmer ca. 100€, Hostel-Zimmer 40€ Hütte auf Campingplatz 30 bis 60€. Bootsfahrt 2h kostet 50€, Walbeobachtungsfahrt 3h 100€, Eintritt zu den Geysiren mit Kultur-Rahmenprogramm 35€. Bier-Reklame im Supermarkt: „Sie werden Ihren Augen nicht trauen – unsere unglaublich niedrigen Preise: 0,5l nur 3,50€“ (Billiger war aber Bier aus Deutschland und Österreich und Kaltenberg aus Weißrußland ab ca. 1,50€ für 0,5l.)

Wetter: Ich hatte oft Glück und sah so Mount Cook, den Milford Sound, Fox-Gletscher und (zumindest von weitem kurz vor Zuzug des Wolkenvorhangs) Franz-Josef-Gletscher, aber auch mal Pech, als mich ein Wolkenbruch ausgerechnet erwischte, als ich gerade 500m vor der nächsten Unterstell-Möglichkeit entfernt war. Ich sah sehr viele schöne Regenbögen, einmal sogar einen doppelten. Der häufigste Baum ist der Farn-Baum, der locker 5 Meter und höher wird und hier ideale Bedingungen vorfindet…

Erdbeben/Vulkanismus: Das Zentrum von Christchurch ist immer noch zerstört, statt Broschüren „Wie mache ich meine Wohnung diebstahlsicher?“ findet man ausliegen: „Wie mache ich mein Haus erdbebensicher?“, auch als Video-Spiel mit anschaulicher Auflösung, wo sich dann beim Erdbeben das nicht mit einem Ring an der Wand gesicherte Heißwasser aus dem Speicher ergießt, Herd und Kühlschrank umfallen…. (Die schließlich auf den Kopf fallende, vorher nicht auf dem Schrank angeklebte Vase war da noch das kleinste Problem.) Im Skotel, dem höchstgelegenen Hotel Neuseelands, war dann in einer Grafik statt der Notausgänge im Brandfall der zu erwartende Lavastrom rot eingezeichnet; man möge sich im Fall eines Ausbruchs doch bitte in die grün gekennzeichneten Bereiche begeben… Erst am nächsten Tag sah ich dann in einem Museum das Video des letzten Ausbruchs 2004 – mit Dank an die Quelle Skotel. Eine weitere Gefahr ist der plötzliche Bruch des Kratersees: In den 50er Jahren gab es mehr als 150 Tote als ein Zug die gerade einstürzende Brücke befuhr, der Neubau blieb beim letzten Mal aber (im Gegensatz zur Straßenbrücke) stehen. Da kapierte ich endlich was die Bemerkung im Auto-Atlas bedeutete: „Im Falle schlechter Bedingungen ist diese Straße geschlossen“ – nämlich dann wenn viele Sensoren das nächste Abrutschen des kompletten Sees ankündigen. Ich fühlte auch manchmal die Erde etwas wackeln. In einem Museum konnte man alle registrierten Erdbeben nachverfolgen: Ich hatte tatsächlich etliche Hunderte kleinere miterlebt…

Landschaft/Sehenswürdigkeiten: Nach Kenntnis der Norwegischen Fjorde und der (insbesondere Schweizer) Alpen waren meine Erwartungen dank der Reklame und der Beschreibungen u.a. an den Transalpin-Express sehr hoch und ich erwartete so etwas wie den Bernina-Express – aber angesichts des Anblicks schneebedeckter Berge nur weit in der Ferne, des höchsten Punktes von ca. 750m und dann Abtauchen im Tunnel talwärts war ich dann doch maßlos enttäuscht. Auch die Gletscher Fox und Franz-Josef sind klein im Vergleich zum Aletsch.

Doch zurück zum Thema: Der Frust nach der ersten Zugfahrt auf der Südinsel wurde am Abend noch gesteigert, als man mir in Christchurch barfuß den Zutritt zu einer Kneipe verweigerte, obwohl ich dort nur Bier zum Mitnehmen kaufen wollte. Auch die Motelbesitzer befragten mich erstaunt über meine Barfüßigkeit. Außer mir war sonst niemand barfuß auf der Straße – nur im (ziemlich großen, etwa sowie Real) Supermarkt war ich am Abend dann doch nicht der einzige – aber einige pubertierende Jugendliche auf dem Parkplatz machten abfällige Bemerkungen über das Barfußlaufen.

Auf den weiteren Eisenbahnfahrten wurde meine (möglichst unauffällige) Barfüßgkeit trotz ständiger Durchsagen „Fußbekleidung muß zu allen Zeiten getragen werden!“ weitgehend toleriert. Auf eine Mail-Umfrage der Bahn zur schlechtesten Erfahrung der Fahrt beschrieb ich wie die Schaffnerin mich quasi gleich angriff – und das obwohl in den Beförderungsbedingungen keine Rede von Schuhpflicht sei, sonst hätte ich den teuren Paß für den Zug erst gar nicht gekauft.

Zwischendurch mietete ich für 10 Tage ein Auto und fand mich auf dem platten Land weitab der nächsten Großstadt dann in einer anderen, noch heilen Welt wieder: Im Supermarkt waren plötzlich die Hälfte aller Kinder und auch etliche Erwachsene barfuß, und auch auf der Straße sah man im Gegensatz zu den Großstädten etliche andere Barfüßer. (Als ich beim Fragen nach dem Schalter der Autovermietung auf dem Flughafen Christchurch auf eine Angestellte zuging, starrte sie zunächst mit mürrisch-entsetztem Blick auf meine Füße, wurde dann aber zugleich freundlicher, als sie begriff, dass ich nicht barfuß einchecken wollte. Also auch bei anderen Fluggesellschaften ist barfuß wohl verboten, nicht nur bei Air New Zealand..)

Auf der Nordinsel benutze ich wieder den Zug, in dem nun aber auch im Gegensatz zum ersten Mal nach jedem Halt penetrant auf die Schuhflicht hingewiesen wurde. Hatte ich etwa einen schlafenden Hund geweckt? Ja, mittlerweile erhielt ich eine kurze, schnippische Antwort der Bahngesellschaft: Dank meines Hinweises werden sie „Gesundheit und Sicherheit“ demnächst etwas formaler gestalten (also wahrscheinlich die Schuhpflicht in ihre Regelungen aufnehmen).

Nach einer Woche Mietautorundfahrt über die Nordinsel blieb ich zum Schluß noch einige Tage in Auckland, wo ich das Technik-Museum „MOTAT“ besuchte. Ich müßte Schuhe anhaben! Aufgrund meines Protestes wurde ich an eine junge Managerin verwiesen. Meine Argumentation, wenn sie mich zwingen, Schuhe zu tragen, würden sie die Stolpergefahr erhöhen, und ich würde sie im Falle eines Sturzes verklagen, führte zu einer gewissen Verunsicherung. Ich hatte aber keine Lust, mich noch weiter an den zuständigen Sicherheitsbeauftragten verweisen zu lassen. Da mich das Thema Technik sehr interessierte, trug ich meine ca. 12€ (im Vergleich zum wenigen Gebotenen und im Quervergleich zum Deutschen Museum in München und zum Verkehrshaus der Schweiz in Luzern total überteuert) nicht woanders hin, sondern zog murrend meine Flipflops an. Begründung war übrigens: „Gesundheit und Sicherheit – wir sind ein arbeitendes Museum!“ Letzteres war übrigens ein Witz – keine einzige Vorführung! Meine Bemerkung, ich hätte schon viele technische Museen in Europa barfuß besucht rief großes Unverständnis hervor: „Und was ist mit Gesundheit und Sicherheit – das ist ein riesiges Thema hier!“

Ich habe dann etwas im Internet recherchiert: das Thema Arbeitsschutz läuft in den USA und Kanada unter dem Namen OSHA (https://www.osha.gov), in etwa „BERUFLICHE Sicherheit und Gesundheit“ – in Australien und Neuseeland unter „GESUNDHEIT UND SICHERHEIT“ und dann weiter klein im Untertitel: „im beruflichen Umfeld“. Das entsprechende Gesetz wird in Neuseeland gerade neugestaltet – in etwa nach dem australischen Vorbild. Als Beispiel dazu fand ich die Regelungen einer australischen Uni, die Sicherheit bietende Schuhe FÜR ALLE (also auch Besucher nicht nur Angestellte) in Bereichen mit Fußgefahren vorschrieb – wie z.B. explizit Bibliotheken! Flipflops und Sandalen mit Socken würden keine ausreichende Sicherheit bieten…

Das Air-New-Zealand-Flugzeug von Auckland nach Vancouver bestiegen dann zwar alle beschuht, aber unterwegs wurde Barfüigkeit dann doch toleriert.

Wer also noch die letzten Reste des Barfußparadieses Neuseelands erleben möchte, muß sich beeilen, sich per Mietwagen ins Hinterland begeben und Großstädte weitgehend und Züge ganz meiden, zumindest die Fernzüge von Kiwirail. Wenn die verschärfte Neufassung des Gesetzes zum Thema „Gesundheit und Sicherheit“ erst mal durch ist und nicht nur Bücher in Bibliotheken, sondern auch z.B. Konservendosen im Supermarkt als Fußgefahr identifiziert sein werden, wird das Barfußlaufen in Neuseeland wohl dasselbe Schicksal erfahren wie in Kalifornien.

Wer mental unsicher ist und sich beim Anblick anderer Barfüßiger sicherer fühlt, ist NOCH im neuseeländischen Hinterland gut aufgehoben. Wer aber als Barfußläufer über ein gesundes Selbstbewußtsein verfügt, ist sogar in Spanien besser dran: Für schuhvorschreibende Supermärkte gibt es immer Alternativen – für die nationale Eisenbahngesellschaft aber nicht. Und im Gegensatz zu neuseeländischen Zügen benutzte ich letzten Herbst oft spanische ohne jegliche Beanstandung.

Ernüchterndes Fazit: Manchmal muß man erst ganz weit wegfahren, um zu würdigen, wie gut man es zu Hause und in der Umgebung hat: Als Vielreisender kristallisiert sich als paradiesischstes Reiseziel mit toller Landschaft immer mehr die Schweiz heraus – trotz Euroverfall und hoher Preise, man spart ja den extrem teuren Flug ins vermeintliche Paradies und muß stattdessen nur die noch recht billige Jahresvignette fürs Auto oder einen Swisspass kaufen….


Gruß

Leo


Engel Offline

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22.04.2015 08:44
#2 RE: Neuseeland: Vom Barfußparadies zu immer größerer „Gesundheits- und Sicherheits“-Hysterie Zitat · antworten

Hi Leo

Super Bericht über Deinen "Ausflug" in eines meiner Lieblingsländer (jetzt mal von Deinen negativen Erfahrungen abgesehen). Erschreckend ist nur das sämtliche Medien immer noch berichten es sei BF-freundlich obwohl dem scheints nicht mehr so ist. Der Grund dafür könnte sein das die amerikanische Wirtschaft seit Jahren auf den neuseeländischen Markt drängt und diese Unternehmen sich vor Klagen schützen wollen. Und wenn man in so nem kleinen Land genug wirtschaftliche Macht besitzt kann man locker dafür sorgen das solche Gesetze wie von Dir angesprochen durchgewunken werden. Sieht man ja schon bei uns. Obwohl keiner es will bekommen wir TTIP, CETA und alles andere was unsere Politiker im Arsch von Obama bei ihren Exkursionen finden.
Ich werde dann doch wohl in Althengstett bleiben, hier dürfte ich noch Jahre vor solchen Dingen sicher sein

Gruß Engel




rot/kursiv geschriebene Beiträge beziehen sich auf meine Funktion als Admin / Mod und spiegeln nicht zwingend meine Meinung als normaler User wieder.


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Dominik R. Offline

Admin


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22.04.2015 14:53
#3 RE: Neuseeland: Vom Barfußparadies zu immer größerer „Gesundheits- und Sicherheits“-Hysterie Zitat · antworten

Hallo Leo! Hallo Hallo ihr Lieben!
Sicherheitswahn, ausgelöst durch skurpelose Versicherungen, die im Schadensfall nicht zahlen wollen und so die Hürden immer weiter erhöhen und der Stil & Etikette-Wahn haben, nun mit voller Wucht Neuseeland erreicht.

Im Turbokapitalismus auch Neoliberalismus gennant, gibt es nur noch die Freiheit für das Kapital (TTIP, CETA), die persöhnlichen Freiheitsrechte, die gerade dort (in der angloamerikanische Welt) früher hochgehalten wurden, sind schon seit einiger Zeit auf dem absteigenden Ast.


Zitat von Engel
Der Grund dafür könnte sein das die amerikanische Wirtschaft seit Jahren auf den neuseeländischen Markt drängt und diese Unternehmen sich vor Klagen schützen wollen. Und wenn man in so nem kleinen Land genug wirtschaftliche Macht besitzt kann man locker dafür sorgen das solche Gesetze wie von Dir angesprochen durchgewunken werden.



Nicht nur "...vor Klagen schützen......, sondern auch um Geschäfte zu machen. Die US Schuhindustrie mußte dazu nichmal irgendeinen (Werbe-)Text übersetzen. So konnte sie einfach das Land z.B. mit Nike, Reebok und ähnlichen Produkten überschwemmen.

Vielleicht ist es gut, dass in der BRD (und sonst in Europa) nur eine kleine nicht marktrelevante Anzahl von Menschen oft, überwiegend oder (fast) immer barfuß läuft. Würden genug Menschen barfußlaufen, um der Schuhindustrie spürbar den Profit zu schmälern, gäbe es mit Sichheit Anti-Barfuß-Kampagnen!(Sicherheit&Gesundheit......).

Es ist ausdrücklich erlaubt meine Beiträge hier, im gelben Forum:
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drtoivowillmann Offline



Beiträge: 354

22.04.2015 18:19
#4 Barfuss in Neuseeland Zitat · antworten

Freunde ohne Schuhe noch Latschen:

Was ich nicht verstehe: wenn ignorante Versicherungen meinen, barfuss zu reisen sei gefährlicher als beschuht, wieso resultiert das in einem Verbot?
Es genügt ja, wenn der Bar- oder Restaurant-Besitzer, das Museum, der gewählte Verkehrsbetrieb den Kunden einen Schrieb unterschreiben lässt, dass man trotz Hinweis auf eigene Gefahr weiter barfuss bleiben will.
Vielleich muss ich in Zukunft zu Fuss auch noch einen Sturzhelm tragen? Oder wie wär's mit einer 0-Dioptrienbrille für Normalsichtige, um die Augen vor Gefahren zu schützen?
Bald sind Moslem-Frauen in Burka nackter als wir Okzidentalen. Die sind übrigens trotz Burka hin und wieder barfuss.
Wer barfuss ist, schädigt oder gefährdet niemals andere. Hygiene? Dann müssten wir auch Handschuhe und Atemmasken tragen, den Hände und Atem sind die Krankheitsüberträger Nummer 1, niemals die Füsse. Und an den Schuhsohlen hängt erwiesenermassen der gleiche Dreck, wahrscheinlich sogar mehr als an nackten Fuüssen, die man ja ständig wäscht.

Wie wäre es, die freie Wahl von Kleidung, bzw. ihres Nicht-Tragens in die Carta der Menschenrechte aufzunehmen?

Grüsse: Toivo


Dominik R. Offline

Admin


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22.04.2015 23:31
#5 RE: Barfuss in Neuseeland Zitat · antworten

Zitat von drtoivowillmann
als an nackten Fuüssen, die man ja ständig wäscht.

Wie wäre es, die freie Wahl von Kleidung, bzw. ihres Nicht-Tragens in die Carta der Menschenrechte aufzunehmen?






Gute Idee!

Im Grundgesetzt wird jeder Person dieses Recht zugesichert. "freie Entfaltung".....

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MarcelHR Offline




Beiträge: 587
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23.04.2015 03:47
#6 RE: Barfuss in Neuseeland Zitat · antworten

Hallo Leo

Vielen herzlichen Dank für den tollen Bericht!
Ist ja doch alles etwas sehr ernüchternd.
Dabei steht dieses Land ziemlich hoch in meiner Skala von Ländern die ich gerne besuchen möchte.
Nun bin ich vorgewarnt.
Unübersichtlich an was unsere "zivilisierte" Welt kränkelt. Dem Wahn alles und jedes reglementieren zu müssen.
Tolleranz und Aktezptanz gehen immer mehr verloren. Sehr Schade!

Wie waren denn Deine weiteren Erlebnisse auf der Weiterreise.
Dein Tripp schloss ja nicht nur Neuseeland ein.

Barfuessgrüess
Marcel


Dieter (Bochum) Offline




Beiträge: 682

23.04.2015 11:19
#7 RE: Barfuss in Neuseeland Zitat · antworten

Hallo Leo,

Deine Reise nach Neuseeland hat auf jeden Fall Sinn.
Du hast immerhin dokumentiert, dass unsere Welt, scheinbar überall,
immer irrer und grausamer wird. Das betrifft letztlich auch alle Lebensbereiche
und ist oft sogar Existenz vernichtend.
Ich frage, wann endlich wachen die Menschen auf und wehren sich?
Ich halte es schon für ein irres Verbrechen, Menschen vorzuschreiben, dass sie
Schuhe und Strümpfe tragen sollen. Wehrt Euch dagegen!!!

LBFG Dieter (Bochum)


Markus U. Offline

Admin


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23.04.2015 14:54
#8 RE: Neuseeland: Vom Barfußparadies zu immer größerer „Gesundheits- und Sicherheits“-Hysterie Zitat · antworten

Zitat von Leo
Ernüchterndes Fazit: Manchmal muß man erst ganz weit wegfahren, um zu würdigen, wie gut man es zu Hause und in der Umgebung hat: Als Vielreisender kristallisiert sich als paradiesischstes Reiseziel mit toller Landschaft immer mehr die Schweiz heraus – trotz Euroverfall und hoher Preise, man spart ja den extrem teuren Flug ins vermeintliche Paradies und muß stattdessen nur die noch recht billige Jahresvignette fürs Auto oder einen Swisspass kaufen….



Hi Leo,

aus Deiner Nachricht schließe ich, daß man Berichten über angebliche Barfußparadiese keinen Glauben schenken sollte, weil sie im Zweifel nicht mehr der Wahrheit entsprechen. Es kommt auf die Gegenwart an; gewesene Barfußparadiese interessieren mich nicht. Ich bin zwar nicht so viel in der Welt herumgekommen wie Du, aber Deiner Beurteilung der Schweiz als besonders barfußfreundlichem Land kann ich mich anschließen, und wenn die Schweizer Berge mehr Eindruck machen als die im fernen Neuseeland, dann ist ja alles bestens.

@ Engel: Warst Du schon einmal in Neuseeland, daß Du es als "Lieblingsland" bezeichnest? Ich persönlich kann mit der anglophonen Welt nicht viel anfangen, zumal sie seit jeher ein Hort des Kapitalismus ist und man uns Deutschen dort ebenfalls seit jeher allermeist mit Ressentiments begegnet.

Barfüßige Frühlingsgrüße,
Markus U.


Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.955
Punkte: 794

23.04.2015 15:03
#9 RE: Barfuss in Neuseeland Zitat · antworten

Zitat von drtoivowillmann
[b]Wie wäre es, die freie Wahl von Kleidung, bzw. ihres Nicht-Tragens in die Carta der Menschenrechte aufzunehmen?



Hi Toivo,

Art. 2 Abs. 1 GG bestimmt:
"Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder gegen das Sittengesetz verstößt."

Nach einhelliger Auffassung beinhaltet dieses Grundrecht auch das Recht, sein Äußeres beliebig zu gestalten, also auch immer und überall barfuß zu laufen. Völlige Nacktheit in der Öffentlichkeit wird hingegen als Verstoß gegen das "Sittengesetz" betrachtet und gilt somit als "ungehörige Handlung" im Sinne von § 118 OWiG (Belästigung der Allgemeinheit).

Barfüßige Frühlingsgrüße,
Markus U.


drtoivowillmann Offline



Beiträge: 354

23.04.2015 17:13
#10 RE: Barfuss in Neuseeland Zitat · antworten

Das ist doch schon mal was. Danke! Toivo


drtoivowillmann Offline



Beiträge: 354

23.04.2015 17:17
#11 RE: Barfuss in Neuseeland Zitat · antworten

Zitat von MarcelHR im Beitrag #6
Hallo Leo

Unübersichtlich an was unsere "zivilisierte" Welt kränkelt. Dem Wahn alles und jedes reglementieren zu müssen.
Tolleranz und Aktezptanz gehen immer mehr verloren. Sehr Schade!

Barfuessgrüess
Marcel


Zivilisiert?

Was hat das mit zivilisiert zu tun?
Zivilisiert ist für mich gleichbedeutend mit "Law and Order".
Was hier geschieht, ist aber reine Willkür. Wilder, sprich unzivilisierter geht es also wohl nicht.

Grüsse: Toivo


Engel Offline

Admin


Beiträge: 1.438
Punkte: 666

23.04.2015 19:04
#12 RE: Neuseeland: Vom Barfußparadies zu immer größerer „Gesundheits- und Sicherheits“-Hysterie Zitat · antworten

Zitat von Markus U.
@ Engel: Warst Du schon einmal in Neuseeland, daß Du es als "Lieblingsland" bezeichnest? Ich persönlich kann mit der anglophonen Welt nicht viel anfangen, zumal sie seit jeher ein Hort des Kapitalismus ist und man uns Deutschen dort seit jeher allermeist mit Ressentiments begegnet.

Barfüßige Frühlingsgrüße,
Markus U.




Hi Markus
Ich war zwar schonmal in Neuseeland, aber nur für ca 40min und auch nur auf m Flughafen . Wir mussten damals auf unserem Weg nach Australien aus irgendeinem Grund (welcher das war ist mir entfallen) außerplanmäßig dort zwischenlanden.
Meine Affinität Neuseeland gegenüber besteht schon seit den 1980ern. Ich fand das Land schon immer faszinierend und auch (zu der Zeit) die Bevölkerung. Leider hat sich ja aber wohl seit der Zeit einiges geändert wie Leo's Bericht zu entnehmen ist.

Gruß Engel




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drtoivowillmann Offline



Beiträge: 354

25.04.2015 12:26
#13 RE: Barfuss in Neuseeland Zitat · antworten

Zitat von Markus U.

Zitat von drtoivowillmann
[b]Wie wäre es, die freie Wahl von Kleidung, bzw. ihres Nicht-Tragens in die Carta der Menschenrechte aufzunehmen?



Hi Toivo,

Art. 2 Abs. 1 GG bestimmt:
"Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder gegen das Sittengesetz verstößt."




Lieber Freund:

Da ist noch was: Gut, dass es das GG mit diesem Paragraphen gibt! Leider gilt es nur in Deutschland.
Also doch besser zusätzlich die o.g. Aufnahme in die Carta der Menschrenrechte!

Grüsse: Toivo


drtoivowillmann Offline



Beiträge: 354

25.04.2015 13:01
#14 RE: Barfuss in Neuseeland Zitat · antworten

Liebe Freunde:

Ich will Neuseeland nur zum Anlass nehmen. Was da unserem barfüssigen Kollegen passiert ist, kann uns auch anderswo zustossen.
In Neusee-land können wir als deutsche kaum etwas ausrichten. Aber dies ist ein Deutsches Forum, und wir können daher etwas hier in Deutschland tun, um es dann als Anregung an unsere barfüssigen Freunde im Ausland, Neuseeland eingeschlossen, weiter zu geben.
Wir können nämlich selbst aktiv werden statt nur über die ungerechte Welt zu heuelen:
* Ziviler Ungehorsam? Ja! Ist aber mit Unannehmlichkeiten verbunden, weil wir Gefahr laufen, rausgeschmissen zu werden bzw. unsere Reise zu unterbrechen, wenn man uns barfuss nicht einsteigen lässt.
* Vor Gericht Klagen, Beschwerden schreiben? Man kann aber den kürzeren ziehen. Vor Gericht wird's dann teuer.
* Manchmal aber sitzen wir selbst am längeren Hebel:
- Viele von uns haben ein Auto. Schild ins Auto: ich nehme grundsätzlich barfüssige Anhalter mit. Wer also barfuss nicht in den Zug oder Bus durfte, hat hier eine Alternative.
- Gibt es vielleicht unter uns einen Busunternehmer (oder vielleicht in Zukunft)? Schild in den Bus: barfüssige Fahrgäste willkommen!
- Wer hat selbst ein Restaurant oder zumindest eine Würstchenbude? Schild ins Fenster oder an die Tür: barfüssige Gäste kriegen 1 Bier, 1 Coca-Cola odere 1 Kaffee gratis.
- Geschäfts- oder Supermarktsinhaber? Barfüssige Kunden haben hier Freundschaftsrabatt.
Usw. Sportstudio, Kino, INTERNET-Café, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Wenn uns dann der Anwalt eines Konkurrenten einen Strich durch die Rechnung machen will, dann wirklich "blank" ziehen: Presse, selbst einen Anwalt nehmen. Unterschriften-Aktion usw. ...

Grüsse: Toivo


Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.955
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26.04.2015 16:44
#15 RE: Barfuss in Neuseeland Zitat · antworten

Zitat von drtoivowillmann
Viele von uns haben ein Auto. Schild ins Auto: ich nehme grundsätzlich barfüssige Anhalter mit. Wer also barfuss nicht in den Zug oder Bus durfte, hat hier eine Alternative.



Hi Toivo,

ein Schild habe ich zwar nicht im Auto, aber barfüßige Anhalter habe ich bisher stets mitgenommen (ist aber in 25 Jahren erst zwei- oder dreimal passiert; erstens waren die meisten Anhalter beschuht ["gestiefelte Kater" habe ich übrigens NIE mitgenommen], und zweitens sind Anhalter inzwischen eine "seltene Spezies" geworden).

Zitat von drtoivowillmann
Wenn uns dann der Anwalt eines Konkurrenten einen Strich durch die Rechnung machen will, dann wirklich "blank" ziehen: Presse, selbst einen Anwalt nehmen. Unterschriften-Aktion usw. ...



Sehr gerne; barfüßige Mandanten sind mir besonders willkommen (aber das werde ich nicht auf ein Schild schreiben: erstens pflege ich selbst meine Mandanten zwar [unauffällig] sokkenlos, aber nicht barfuß zu beraten [es sei denn, es würde ausdrücklich gewünscht], und zweitens kann ich es mir nicht leisten, auf das Geld schuhetragender Mandanten zu verzichten).

Barfüßige Frühlingsgrüße,
Markus U.


drtoivowillmann Offline



Beiträge: 354

27.04.2015 12:07
#16 RE: Barfuss in Neuseeland Zitat · antworten

Zitat von Markus U.
Sehr gerne; barfüßige Mandanten sind mir besonders willkommen (aber das werde ich nicht auf ein Schild schreiben: erstens pflege ich selbst meine Mandanten zwar [unauffällig] sokkenlos, aber nicht barfuß zu beraten [es sei denn, es würde ausdrücklich gewünscht], und zweitens kann ich es mir nicht leisten, auf das Geld schuhetragender Mandanten zu verzichten).



Das habe ich nicht verstanden: inwiefern läufst du Gefahr, schuhetragende Mandanten zu verlieren, wenn du auf einem Schild barfüssige willkommen heisst?
Haben wir wirklich so viel Angst vor der eigenen Courage?

Grüsse: Toivo


drtoivowillmann Offline



Beiträge: 354

29.04.2015 19:04
#17 RE: Barfuss in Neuseeland Zitat · antworten

Lieber Markus:

Ich möchte noch etwas deutlicher werden, denn ich glaube, wir reden aneinander vorbei.
* Natürlich musst du selber einem wildfremden neuen Mandanten, dessen Einstellung zum Thema Barfuß du nicht kennst, mit Schuhen, am besten blank geputzt, gegenübertreten. Ein Jäger (auch der, der nicht tötet sondern nur fotografiert) trägt auch nicht die Kleidung, die ihm gefällt, sondern tarnt sich, um nicht das Wild zu verscheuchen.
* Aber stell dir vor, wie unwahrscheinlich das auch sein mag, ein neuer Mandant, der dich nicht kennt, selbst Barfüßer, zieht nur deinetwegen Schuhe an, damit du, sein neuer Anwalt nicht meint, der neue Mandant missachte ihn. Wahrscheinlich wird nie jemand von euch beiden das Schweigen brechen und darüber sprechen.
Ein Schild an der Tür deiner Kanzlei: "Auch Mandanten, die gerne barfuß laufen, sind hier ohne Schuhe willkommen. In meiner Freizeit mache ich das auch. Grüsse: Ihr Anwalt"
könnte diese absurde Situation vermeiden helfen.

Grüsse: Toivo


Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.955
Punkte: 794

29.04.2015 22:27
#18 RE: Barfuss in Neuseeland Zitat · antworten

Hi Toivo,

laß gut sein! Ich bin mit meinem real existierenden Kanzleischilde ganz zufrieden, und in dem Orte, wo ich arbeite, habe ich in all den Jahren noch nie jemanden barfuß gehen sehen, und auch mit dem von Dir entworfenen, mit Recht als (äußerst) unwahrscheinlich bezeichnetem Falle, sollte er denn je tatsächlich eintreten, kann ich gut leben. Wenn ich im Büro nicht barfuß bin, dann ist das insofern für mich auch kein Thema. Im übrigen bin ich, wenn ich mich nicht gerade zum Tragen von Schuhen genötigt sehe, Barfußläufer und nicht Barfußpropagandist!

Barfüßige Frühlingsgrüße,
Markus U.


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