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Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

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 Barfuß und Leben
Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.905
Punkte: 794

30.11.2009 18:21
Markus U. - frühe Sehnsucht und späte Befreiung Zitat · antworten

Hi zusammen,

das ist meine persönliche Barfußchronik.
Schon als Kind fand ich Barfußlaufen wundervoll und Schuhe und Strümpfe als lästig und einengend. Allerdings war ich meistenteils nur dann barfuß, wenn ich es "durfte", also am Strand, im Freibad, auf sommerlichen Wiesen und des Sommers auch zu Hause. Im Winter herrschte hingegen untertags strikte Sokkenpflicht (nachts im Bette waren wir ganzjährig barfuß), und im Sommer waren allermeist Sandalen, die in der Regel sokkenlos getragen wurden, verpflichtend. Daher war ich auch so gut wie nie echt barfuß, denn auch die Wege zu den Stellen, an denen Barfüßigkeit erlaubt war, wurden in Sandalen zurückgelegt. Dort angekommen, wurden die Sandalen ausgezogen und beim Verlassen wieder angelegt. Allerdings lief ich hin und wieder heimlich barfuß. Barfuß zur Schule zu gehen, war für mich undenkbar, obwohl mir aus meiner Schulzeit (ich ging in Ratingen zur Schule) kein Barfußverbot bekannt war. Als ich 1977 von der Grundschule aufs Gymnasium wechselte, war das barfüßige Erscheinen unter den Schülern der Oberstufe im Sommer recht verbreitet, während es in der Mittelstufe kaum und in der Unterstufe gar nicht vorkam. Als der letzte Jahrgang, in dem das Barfußlaufen im Sommer verbreitet war, 1980 die Schule mit dem Abitur verließ, war auch das Barfußlaufen in der Schule nahezu und in unserer eigenen Oberstufenzeit (Abi- Jahrgang 1986) ganz ausgestorben, denn auch von denen, die nach uns kamen, machte es keiner mehr. Die meisten von uns trugen an den Füßen Turnschuhe und Sokken, wohingegen ich selbst im Sommer sokkenlos in Sandalen und im Winter mit Halbschuhen oder Winterstiefeln und "selbstverständlich" besockt war. In der Oberstufe änderte sich das Bild freilich ein wenig zum Besseren, denn durch das Aufkommen von Espadrillos sowie der Schuhe mit Lederschnürsenkeln, die sokkenlos getragen wurden, verbreitete sich bei undserem Jahrgang immerhin die Sokkenlosigkeit. Auch Loafers wurden von einigen sokkenlos getragen.

Als ich mit dem Studium in Gießen begann, änderte sich zunächst nicht viel an meinen Fußbekleidungsgewohnheiten, allerdings dehnte ich die sokkenlose Jahreszeit, die zunächst Mitte April begann und Mitte Oktober endete, nach und nach immer mehr aus, bis ich schließlich ganzjährig keine Sokken mehr trug. Barfuß ging ich zu jener Zeit allerdings immer noch eher selten und auch nur im Sommer. Daß ich zu jener Zeit so selten barfuß ging, hatte vor allem damit zu tun, daß ich zum Barfußlaufen eine sehr ambivalente Einstellung hatte: Einerseits fand ich es äußerst genüßlich und hätte es am liebsten immer und überall praktiziert; andererseits sah ich aber so gut wie niemanden in alltäglichen Situationen barfuß laufen und hielt meine diesbezügliche Affinität für eine Makke, die zu verdrängen und zu bekämpfen sei. Außerdem glaubte ich, daß es im Winter sowieso nicht möglich sei, draußen barfuß zu laufen. Zwar hatte ich mich schon als Kind insgeheim mit der Frage beschäftigt, ob man im Winter draußen barfuß gehen könne, und barfüßige Märchengestalten wie "das Mädchen mit den Schwefelhölzern" oder auch das Christkind, welches ich mir als eine holde barfüßige Mädchengestalt vorstellte, übten eine starke Faszination auf mich aus, die ich wohlweislich aufs allerstrengste für mich behielt, doch weil ich "im richtigen Leben" im Winter niemanden draußen barfuß gehen sah, schloß ich daraus, daß das nicht möglich sei.

Die Befreiung kam schließlich im Herbst des Jahres 2000 in Gestalt des alten, leider untergegangenen Parsimony- Forums "Hobby? Barfuß!" Im September 2000 hatte ich einen Internet- Anschluß bekommen und fand, da ich schon immer sehr wißbegierig war, großen Gefallen am Stöbern im Internet. Anfang Oktober 2000 fiel mir die alte Frage, ob es wohl möglich sei, im Winter draußen barfuß zu gehen, wieder ein, und so tippte ich einfach das Wort "barfuß" in die Suchmaschine und stieß so auf das HBF. In den ersten beiden Wochen las ich nur eifrig darin, doch eines Abends faßte ich mir Ende Oktober 2000 ein Herz und schrieb meinen ersten Beitrag. Damals war das noch sehr einfach, denn es gab noch keine Stammposter- Registrierung, und jedermann konnte jederzeit schreiben, was er wollte (wobei Beiträge, die auf einen sexuellen Aspekt abzielten, gemäß Forumsüberschrift schon damals unerwünscht waren und alsbald gelöscht wurden). Um das, wovon ich las, auch in die Praxis umzusetzen, verabredete ich mich mit einigen im Forum registrierten Barfußläufern, die nicht allzu weit weg wohnten, zu gemeinsamen Barfußaktivitäten, die ich mich alleine nicht getraut hätte, und berichtete im Forum darüber. Doch schon bald begann ich mitten im Winter 2000/ 2001, auch alleine barfuß rauszugehen und mir mehr und mehr Freiheiten zu erobern, was freilich nicht ohne empfindliche Rückschläge abging (so zog ich mir im Januar 2001 bei -6° C am Feldberg im Schwarzwald schmerzhafte Frostblasen an allen zehn Zehen zu und mußte infolgedessen vier Wochen lang außer in der Badewanne durchgehend Sokken tragen).
Nun ist es ja so, daß alles Neue spannend und aufregend ist; sogar der erste barfüßige Gang zum Müllkasten und der erste barfüßige Einkauf im Supermarkt sind da ein Abenteuer und dementsprechend auch einen Bericht im Forum wert: "Heute hab' ich mich wieder was Neues getraut und meinen inneren Schweinehund überwunden!" Nach und nach wird der barfüßige Alltag indessen zur Routine, und auch Reaktionen der Umwelt, die man anfänglich sehr genau registriert, nimmt man als routinierter Barfußläufer nur noch wahr, wenn sie sehr ausgeprägt sind.

Heute bin ich fast in meiner gesamten Freizeit barfuß, also daheim, beim Einkaufen und sonstigen Besorgungen sowie bei Spaziergängen und Ausflügen und meistens auch beim Autofahren. Im Büro, bei Gericht sowie in der Kirche bin ich dagegen immer sokkenlos in Schuhen, wobei diese in der Kirche zumindest vorne geschlossen sein müssen (also Loafers oder Sabots), während ich im Sommer im Büro auch schon mal Sandalen und sogar edle Leder- Flipflops trage. Im Winter trage ich dagegen im Büro nur Sabots oder Loafers, desgleichen vor Gericht, wobei ich sorgfältig darauf achte, daß die Sokkenlosigkeit nicht auffällt. Sokken trage ich nur noch, wenn ich so krank bin, daß ich das Bett hüten muß, sowie bei Beerdigungen. Da erscheinen sie mir angemessen, denn da Barfußlaufen für mich auch etwas mit Lebensfreude zu tun hat, unterstreicht das Anlegen von Sokken für mich die völlige Abwesenheit jeglicher Lebensfreude.

Am liebsten wäre ich immer und überall barfuß, aber leider läßt es mein Beruf nicht zu. Aber wer weiß, ob ich mir nicht doch noch den einen oder anderen barfüßigen Freiraum erobern kann.

Barfüßige Spätherbstgrüße,
Markus U.


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