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 Barfuß und Leben
Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 585
Punkte: 248

03.12.2011 20:44
Weihnachtsmarkt in Zofingen Zitat · antworten

Ich erinnere mich noch, daß es vor genau einem Jahr richtig kalt war und Schnee in der Zofinger Altstadt lag. Nun aber hatten wir gegen Einbruch der Dämmerung +6°C, grauen Himmel, starken Wind, aber noch keinen Regen. Und dieses Wochenende ist in Zofingen Weihnachtsmarkt. Also radelte ich zum Zofinger Bahnhof, stellte dort mein Velo ab und begab mich in die Altstadt. Selbstverständlich verzichtete ich auf das Tragen fetter Schuhe und langer Hosen. Auch meine Jacke würde bei anderen als Sommerjacke durchgehen. Irgendwie fiel mir ein, daß ich mal am 17.3.2009 irgend ein unangenehmes Gespräch mit einem unangenehmen Menschen hatte und am 20.11.2009 auch noch mal bei diesem Menschen erscheinen mußte, um ein dämliches Papier zu unterzeichnen, das mir das Tragen „unpassender Kleidung“ auf dem Stadtgebiet von Zofingen verbietet, unter Androhung von Repressalien. Aber ist so ein Wisch nicht verjährt? Ferner ist diese unangenehme Person nicht mehr in der damaligen Position, sondern sie hat einem Nachfolger Platz gemacht, um am Ende des Jahres in den verdienten Ruhestand zu gehen (wobei sich das „verdient“ mehr auf andere bezieht als auf die Person selbst).

Die Altstadt von Zofingen ist klein, aber fein. Also kann der dortige Weihnachtsmarkt auch nicht allzu groß sein. Auch wenn mich das, was es dort zu kaufen gibt, nicht im geringsten interessiert, so ist es doch immer schön, zwischen den Altstadthäusern zu flanieren. Der Turm der Stadtkirche war diesmal speziell beleuchtet, mit Sternen usw. Und in der Luft lag der Duft von Glühwein, Maronis, Bratwürsten usw. Und es erklang kitschige Weihnachtsmusik. Und die Leute? Etliche trugen Hüte oder Mützen und Handschuhe, aber längst nicht alle. Außer mir waren alle Menschen fett beschuht, und außer mir war kein Mensch bluttbeinig. Gerade einmal wurde mir die K-Frage gestellt.

Viele Erwachsene schienen meine nicht gerade übermäßig winterliche Aufmachung zu bemerken, wohl aber Kinder. Ein Mädchen sprach: „Der ist ja blutt!“ Darauf die Mutter: „Nein, bluttfues!“ Meistens beschränkten sich die Kinder auf das Machen großer Glotzaugen. Einmal hörte ich eine Männerstimme: „Man merkt den Klimawandel!“ Und ich vernahm eine giftige Altweiberstimme: „Kein Wunder, daß die Leute andauernd krank sind und die Krankenkassenprämien steigen!“ Ich bin mir nicht einmal sicher, ob es mir galt oder ob diese Frau sich mit jemanden unterhalten hatte und sich das ganze möglicherweise um Kettenraucher, Säufer oder Drögeler handelte.

Während der Wind nicht in die Gassen der Altstadt drang, wehte es hinter der Kirche stärker, aber nicht direkt an der Kirchenmauer selbst. So kam es, daß unmittelbar neben dem Kirchenschiff Laubhaufen lagen. Es machte Spaße, barfuß durch das Laub zu gehen. Leute, die das sahen, lächelten. Diese Laubhaufen bestanden wirklich nur aus Blättern, keine Bucheckern dazwischen und keine Maronis. Toll, nicht?

Tierisch ging es auch zu in der Stadt. Und die Tiere waren ausnahmslos barfuß (b.z.H.). Da waren zum einen natürlich die Hunde, dann die Esel vom Samichlaus, aber auch ein paar Schafe (keine schwarzen), die in einem Gehege sich von Kindern streicheln lassen mußten. Als ich in die Nähe des Geheges kam, steckte eines der Schafe den Kopf durch die Gitterstäbe und leckte an meinen Beinen. Mittlerweile setzte Regen ein. Ich verließ die Schafsäckel und begab mich in Richtung Bahnhof. Dabei benutzte ich die „neue“ Unterführung zum Bahnsteig, um dann über den Bahnsteig zur „alten“ Unterführung zu gehen, die direkt auf den Velounterstand zuführt. Während ich die Treppe zur Unterführung ging, sah ich, wie dort ein Mann kniete, dem äußeren Anschein nach jemand aus dem ehemaligen Jugoslawien oder so. Er hielt seine Hände offen, denn einen Hut hatte er nicht dabei. Seine Augen waren leer. Obwohl er fette Stiefel, eine lange Hose und einen dicken Mantel trug, schien ihm die Kälte deutlich mehr auszumachen als mir.

Ich ging zum Velo, als plötzlich ein 4rad zwischen Velostand und Unterführung fuhr. Völlig verdrängt hatte ich, daß es auch die noch gibt, die Polizei. Zwei Beamte sprangen aus dem Auto und entfernten sich im Laufschritt von letzterem. Nein, nicht in meine Richtung, sondern in die Unterführung. Ich blickte denen nach und sah, wie sich der Bettler langsam erhob, um sich humpelnd in Richtung Altstadt zu entfernen. Aber er kam nicht weit, denn auch von dort kamen zwei Uniformierte. Ich sah noch, wie ein älteres Ehepaar die Treppe vom Bahnsteig runter kam und stehen blieb, worauf der eine Beamte sie anherrschte: „Bitte gehen Sie weiter!“ In mir kam eine Wut auf. Ist denn die Zofinger Regionalpolizei (es war die Regionalpolizei, zumindest stand es auf dem abgestellten Polizeiauto (hätte jemand anders sein 4rad so abgestellt, hätten dieselben Beamten garantiert eine Buße verhängt)) nicht besseres zu tun, als 4 (in Worten: VIER) überbezahlte Beamte loszuschicken, um die Stadt von Bettlern, die keiner Fliege was zuleide tun (ja nicht einmal tun können, selbst wenn sie wollten). Auf solche Art von „Citypflege“ kann ich gut und gerne verzichten.

Mich ließ die Zofinger Regionalpolizei übrigens in Ruhe (nicht aber Polizisten außerhalb Zofingens), obwohl meine Aufmachung auch nicht gerade weihnachtsmarktkonform war. Um genauer zu sein: Sie hat mich schon lange nicht mehr belästigt, nachdem ich mich mal über dessen Chef beim Zofinger Stadtrat beschwert hatte.

Schöne Grüße
Michael aus Zofingen


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