Du bist vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klick hier, um Dich kostenlos anzumelden Impressum 

Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

Ein kleines demokratisches Forum für Leute, die gerne und überall barfuß laufen oder dies gerne mal
ausprobieren möchten. Es wird aber darauf hingewiesen, daß sexistische
sowie beleidigende Beiträge kommentarlos gelöscht werden.

Dieses Forum wird gegenwärtig von Markus U., Dominik R., Engel & Kerstin gemanagt.
Wir sind jederzeit für Anregungen & Kritik empfänglich.







Forenübersicht | Suche | Registrieren | FAQ | Kurzehosenforum | Hippieforum | Bergforum | Le-Rib - Forum français

Login

Disclaimer - rechtliche Hinweise
Du kannst Dich hier anmelden
Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 435 mal aufgerufen
Bei Antworten informieren
 Barfuß und Leben
Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 585
Punkte: 248

24.10.2014 19:21
Wieder ein Interview mit Schülern Zitat · antworten

Hallo,

Am letzten Samstag (18.10.2014) hatte ich wieder einmal ein Interview mit Schülern, diesmal von der Zofinger Kantonsschule. Das ist übrigens das 3. Mal, daß Schüler an einem Interview mit mir interessiert waren, letztes Jahr war es zwei Schülergruppen, vorletztes Jahr eine Gruppe.
Es begann schon einige Wochen früher, als ich mich auf dem Weg von der Arbeit nach Hause befand. Eine Schülerin auf dem Velo sprach mich an, ob ich mich für ein Interview bereithalten würde. Ich erklärte mich bereit und hinterließ meine Adresse. Der Grund wurde mir nicht gesagt, aber ich konnte ihn mir denken. Wochen später (ich hatte schon geglaubt, das ganze wäre in Vergessenheit geraten) kam es zur Terminabsprache, zum Glück zu keinem sehr kurzfristigen.
Der Treffpunkt war nämlich meine Wohnung, und die war auch lange nicht mehr sauber gemacht worden. Eigentlich geht es andere ja überhaupt nichts an, wie sauber meine Wohnung ist, genauso wenig wie es andere etwas angeht, wie oft ich meine Brille putze, wie oft ich zum Zahnarzt gehe usw. Trotzdem tat ich es. Ebenso habe ich mich extra rasiert, obwohl ich das eigentlich am Wochenende nicht mache. Und im Nachhinein wundere ich mich, was für ein bünzliger Füdlibürger ich bin, so richtig spießig, wie man außerhalb der Schweiz sagt. Was ich zum Interview anziehen würde, war (mir) klar: kein Jackett, keine Krawatte, kein weißes Oberhemd mit Kragen (stattdessen ein blaues Träger-T-Shirt ohne Kragen), keine lange schwarze Anzugshose (stattdessen eine kurze Hose, die die Bezeichnung kurz auch verdient), keine Schuhe, keine Sokken und vor allem: keine Mütze!

Die Schüler (1 Mädchen, 2 Junckx) kamen pünktlich um 10.30 Uhr an. Persönlich kannte ich sie nicht. Sie waren deutlich winterlicher als ich gekleidet, was aber weder sie, noch mich störte. Die erste Frage war, ob sie ihre Schuhe ausziehen müßten. Sie (die Schüler, nicht die Schuhe) durften selber entscheiden, und sie behielten ihre fetten Schuhe an (womit ich gerechnet habe). Und alle hatten ihre Fragen auf einem Zettel notiert (und ich Trottel hatte vergessen, mir die Antworten auf allfällige Fragen aufzuschreiben, also mußte ich wohl oder übel aus dem Kopf antworten).

Als erstes sagte das Mädchen (das übrigens deutlich mehr redete als die Junckx), das es im Internet gelesen habe, daß ich aus gesundheitlichen Gründen auch bei tiefen Temperaturen barfuß gehe und kurze Hosen trage und bat mich, das zu begründen. Ich erzählte von meinen Knie- und Rückenproblemen vor ca. 15 Jahren, und wie sie durch das Barfußlaufen weniger wurden. Ich gab als Grund dafür an, daß durch das weniger heftige Auftreten die Gelenke und die Bandscheiben geschont werden. Daß ich praktisch nie mehr erkältet bin, führte ich nicht speziell auf das Barfußgehen zurück, sondern darauf, daß ich mich generell nicht gerade übermäßig winterlich anziehe. Immerhin hatte ich schon weniger Erkältungen, seitdem ich nicht mehr im Elternhaus wohne und selber für die mir passende Temperatur konnte. Seitdem ich auch im Winter draußen kurze Hosen trug, wurde es mit den Erkältungen derart wenig, daß durch zusätzliches Barfußlaufen die Erkältungen nicht mehr weniger werden konnten.

Ziemlich früh wurde ich gefragt, ob ich mir schon überlegt hätte, statt barfuß mit „Barfußschuhen“ unterwegs zu sein. Meine Antwort war: „Das Wort „Barfußschuhe“ ist ein Widerspruch in sich. Entweder man ist barfuß oder man trägt Schuhe! Als ich mit barfuß anfing, habe ich von der Existenz von Fivefingers nichts gewußt. Und als ich von der Existenz erfuhr, hatte ich nicht das Bedürfnis, auf sogenannte Barfußschuhe umzusteigen. Sicher würden die Füße in den Gummidingern enorm schwitzen. Wozu soll ich mir für teures Geld Imitate kaufen, wenn ich das Original kostenlos bekomme. Außerdem spürt man den Boden nicht unter den Füßen mit den Fivefingers.“ Ich gab noch an, daß ich die Existenzberechtigung der Fivefingers nicht generell verteufele und es sicher auch Tätigkeiten gäbe, bei denen Fivefingers angenehmer als barfuß sind. Aber derartige Situationen wären bei mir selten. Denn in den meisten Fällen, in denen ich nicht barfuß sein kann oder darf, wäre das Tragen von Fivefingers genauso unpassend wie das Nichttragen von Schuhen, so etwa beim Aufenthalt im Chemielabor oder in Kombination mit Anzug und Krawatte. Und wenn ich tatsächlich mal in eine Situation käme, in denen barfuß nicht möglich ist, Fivefingers aber nicht, dann wäre es sicher das kleinere Übel, mal Flipflops, Sandalen oder Turnschuhe, von denen ich noch aus meiner Vorbarfußzeit etliche habe, zu tragen anstatt mein sauer verdientes Geld in Fivefingers zu investieren, die ich ohnehin kaum tragen würde.

Es folgten noch Fragen zu meiner Arbeit, zu meinen Angehörigen und wie diese reagieren würden auf meine eher ungewöhnliche Aufmachung. Ich sagte, daß es meine Arbeitskollegen nicht stört, wenn ich in der Freizeit barfuß bin und kurze Hosen trage, bis auf den ehemaligen Personalchef, aber der ist pensioniert (ich erzählte die Story, daß ich nach einer Verwarnung ein halbes Jahr nicht mehr in Zofingen eingekauft habe und stattdessen nach Reiden gefahren bin, über Wege ohne 4rad-Verkehr). Nahe Verwandte, die in der Nähe wohnen hätte ich nicht. Und meine Eltern würden das Barfußlaufen und Tragen von kurzen Hosen nur dort gut finden, wo andere (und mit „anderen“ wären mit mir „vergleichbare Leute“, gemeint, keine Frauen, Kinder, Leute beim Sport, Leute mit geringerem Einkommen) es auch tun, so nach dem Motto „ja nicht auffallen“. Seit Sommer 2008 hätte ich meine Eltern im Hamburger Raum nicht mehr gesehen, obwohl ich bereits zweimal ziemlich in der Nähe war, nämlich im Sommer 2009 auf meiner 5wöchigen Velotour, die mich bis nach Hamburg führte, und vor einem Jahr beim Klassentreffen sogar im Wohnort meiner Eltern, damals wäre ich sogar Luftlinie einen Kilometer vom Elternhaus mit dem Bus vorbeigefahren. Und meine Eltern wüßten bis heute nicht, daß ich in der Nähe war.

Es kamen noch weitere Fragen, zu meinen Hobbys (ich nannte selbstverständlich auch meine Liebe zu Offtopic-Fahrzeugen (ohne das Wort zu gebrauchen, toll, nicht?). Auch erzählte ich von meinem Fernsehauftritt in der Gesundheitssendung „Puls“ 2009 (den das Mädchen sogar gesehen hat!). Auf die Frage, wie die Allgemeinheit reagiert, meinte ich, daß es den meisten egal sei, von denjenigen, die mich ansprechen, sehen fast alle es positiv. Die Anzahl der negativen Kommentare, die ich mitbekomme, wären deutlich weniger als die positiven Meinungen. Und eher selten wäre es, daß Leute mich mit Steinen bewerfen (das Mädchen hatte davon gelesen, als mein ehemaliger Arbeitskollege (heute Journalist) davon im Zofinger Tagblatt schrieb.) oder sonst wie handgreiflich werden. In der Regel wären es in erster Linie Besoffene, Obdachlose und Leute mit Migrationshintergrund, die negativ reagieren. Ferner würden Leute aus bildungsfernen Schichten das Barfußgehen eher negativ sehen als etwa Akademiker. Ebenso wären Leute in streng katholischen und noch mehr in streng calvinistischen Teilen der Schweiz die Leute intoleranter gegenüber Dissidenten als in anderen Kantonen. Ich erzählte auch meinen wiederholten Ärger mit Polizisten, aber längst nicht alles. Auch erzählte ich nicht von den Vorkommnissen in Twann.

Zuletzt gab ich den Schülern auch noch Barfußflyer, kurze-Hosen-Flyer sowie einige Zeitungsartikel, unter anderem auch denjenigen, den ich selber für die Firmenzeitschrift verfaßt habe. Fast eine Stunde hatte ich den Besuch. Die Schüler schienen beeindruckt zu sein, daß doch einiges möglich ist, was man für unmöglich gehalten hat. Und ich war hinterher reif für eine Fahrt an die Aare, es war das vorletzte Mal in diesem Jahr, daß ich dort baden konnte (ich sage aber nie wie).

Mit freundlichen Grüßen
Michael aus Zofingen


Dieter (Bochum) Offline




Beiträge: 661

25.10.2014 12:12
#2 RE: Wieder ein Interview mit Schülern Zitat · antworten

Hallo Michael,

vielen Dank für Deine ausführlichen Dokumentationen!

Also, diese Interviews erwecken bei mir fast den Eindruck, als ob

Barfüßigkeit von der Allgemeinheit als genauso sensationell empfunden

wird wie ein Marsmensch oder ein Mensch mit zwei Köpfen.

Ob Barfüßigkeit wohl irgendwann noch einmal als natürlich, ästhetisch und

sympathisch empfunden wird? Scheinbar haben die meisten Menschen kein Auge

für natürliche Eleganz. Phänomenal.

LBFG Dieter (Bochum)


schurli_the_one Offline




Beiträge: 91

01.11.2014 20:08
#3 RE: Wieder ein Interview mit Schülern Zitat · antworten

Auch auf die Gefahr hin eine dumme Frage zu stellen, aber was sind Offtopic-Fahrzeuge?

Lg Georg


Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.905
Punkte: 794

02.11.2014 16:49
#4 RE: Wieder ein Interview mit Schülern Zitat · antworten

Zitat von schurli_the_one
Auch auf die Gefahr hin eine dumme Frage zu stellen, aber was sind Offtopic-Fahrzeuge?



Hi Georg,

das ist Michael's forumsspezifischer Ausdruck für Straßenbahnen (oder vielleicht sogar allgemein für Schienenfahrzeuge, so ganz genau weiß ich das auch nicht mehr).

Barfüßige, recht sommerliche Spätherbstgrüße bei Tageshöchsttemperaturen von über 20° C),
Markus U.


 Sprung  
disconnected Foren-Chat Mitglieder Online 1
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen