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Dieses Thema hat 8 Antworten
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 Barfuß und Leben
Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 589
Punkte: 248

15.09.2015 05:27
Das „dikke Ende“ nach der Reise in die Ostschweiz Zitat · antworten

Hallo,

am 14. August 2015 hatte ich alle Strecken der Appenzeller Bahnen befahren (ich habe darüber berichtet) und war nun auf dem Rückweg. Auf dem Tiefbahnsteig des Zürcher Hauptbahnhofs bestieg ich eine gerammelt volle doppelstöckige S-Bahn Richtung Baden (nicht die „normale“ Strecke via Dietikon, sondern die etwas längere via Regensdorf). Erstmalig an diesem Tag fand ich keinen Sitzplatz, und ich mußte aufpassen, daß mir keiner der anderen Fahrgäste auf meine nackten Füße trat. Die meisten Leute waren nämlich mit ihren „Wischdingern“ beschäftigt und achteten nicht darauf, was um sie passierte. In Oerlikon verließen viele Leute den Zug, so daß ich einen Sitzplatz im Obergeschoß ergattern konnte. Und in Regensdorf verließen wieder etliche Leute die S-Bahn, so daß ich von meinem Sitzplatz am Fenster niemanden sehen konnte.

Kurz bevor der Zug die Haltestelle Buchs-Dällikon erreichte, erschien ein ca. 35jähriger Mann und setzte sich mir gegenüber, jedoch nicht ans Fenster. Er trug klobige Schuhe, eine etwas abgewetzte lange Hose, eine ebensolche Jacke sowie eine Baseballmütze (mit Schirm nach vorne), also alles Kleidungsstücke, die ich nicht gerne trage, wenn nicht gar hasse. Sein Gesicht war klein, schwammig, kugelrund und blaß, ähnelte fast einem Mondgesicht. Aber anders als das „Mondgesicht“ im Freisinger Dom, welchem 4rad-Jay und ich begegnet sind (Insider wissen, wovon ich rede) ähnelte dieses Gesicht nicht einem aufgehenden, fast orange leuchtenden Vollmond über dem Horizont, sondern einem hoch am Himmel stehenden Vollmond hinter einem Dunstschleier. Von der Form her schien der Bauch des Mannes „der größere Bruder“ vom Kopf zu sein. Der Mann schnaufte tief und töggelte mit seinen Wurstfingern auf seinem Handy. Mit seinen klobigen Schuhen kam er meinen Füßen verdächtig nahe, und einmal kam er damit sogar an mein Schienbein (nach Absicht sah es nicht aus). Ich bin kein Mediziner, jedoch glaubte ich zu erkennen, daß die Figur des Mannes eher „medizinisch bedingt“ ist und nicht einfach auf „zu viel Essen, zu wenig Bewegung“ zurückzuführen ist. Trotzdem fand ich es eine Unverfrorenheit, daß sich der Mann sich im leeren Zug ausgerechnet so hinsetzte, daß mir das Verlassen des Sitzplatzes erschwert war.

Nebenbei bemerkt schaute nach der nächsten Haltestelle auch noch ein gut gekleideter Herr im unauffälligen Anzug vorbei, kehrte dann aber um. Ob er lediglich seinen „Stammplatz“ suchte, ihn jedoch besetzt fand oder ob es sich von meiner Barfüßigkeit bzw. Kurzhosigkeit (oder von der Erscheinung des anderen Fahrgastes) angewidert fühlte, kann ich nicht sagen. Auf jedem Fall erhob ich mich, nachdem im Lautsprecher die nächste Haltestelle angekündigt wurde, von meinem Platz und ging die Treppe runter in Richtung Tür. Ich stieg jedoch nicht aus, sondern ging durch den Zug und dann wieder eine Treppe hinauf ins Obergeschoß. Auch hier war es leer. Es kam lediglich ein Mann vorbei, den ich nicht näher betrachtete (sicher ist nur, daß er fett beschuht und belanghost war).

Kurz vor Otelfingen kam tatsächlich wieder dieser übergewichtige Mann und setzte sich in eine ähnlich (für mich) ungünstige Position. Das war aber sehr verdächtig. Wollte er mir etwas antun? War er ein Fußfetischist? Oder hatte er einfach Angst, alleine im Abteil zu sein und in mir glaubte er einen zu erkennen, der ihm körperlich nicht gefährlich werden könnte? Mir wurde es mulmig, und ich erhob mich, um ein Aussteigen in Würenlos vorzutäuschen. Wieder stieg ich nicht aus, sondern ich setzte mich im Untergeschoß in Türnähe und in die Nähe eines „normal“ aussehenden Ehepaares. So würde ich das die letzten 2 Stationen noch durchstehen.

Aber es kam anders. In Wettingen stiegen zwei Mitarbeiter der Bahnpolizei (von der Figur her Schwergewichtsboxer) in den Zug und forderten mich unhöflich auf, auszusteigen. Ich tat es mit den Worten (auf Hochdeutsch mit unverkennbar hanseatischem Unterton): „Gehen Sie mit allen unbescholtenen Fahrgästen so unhöflich um? Oder handelt es sich um eine Taktik der SBB, Fahrgäste zu vergraulen, um so schwächer frequentierte Strecken ausdünnen zu können?“ Auf dem Bahnsteig mußte ich erst meinen Ausweis vorweisen. Beide starrten immer auf meine Körperteile unterhalb der (weder nassen, noch dreckigen) Hosensäume. Die Miene des kontrollierenden Bahnpolizisten verzog sich, als ich meine Schweizer Identitätskarte vorwies. „Sie sind also Schweizer, obwohl Sie kein Schweizerdeutsch sprechen? Woher kommen Sie und wo wollen Sie hin?“ Ich antwortete: „Ich habe einen Tagesauflug in die Ostschweiz gemacht und fahre nun zurück über Baden und Olten nach Zofingen.“ Dann mußte ich meine Fahrkarte zeigen, was ich auch tat. Sofort sagte der Mann: „Sie haben eine 9-Uhr-Tageskarte, haben aber schon um 8.50 Uhr abgestempelt. Das kostet ein erhöhtes Beförderungsentgelt. Ich zeigte dem Mann die Bescheinigung der Schaffnerin, daß ich erst um 9.02 Uhr in Zofingen abgefahren bin und erzählte, was am Morgen passiert war. Der Mann: „Sie können ja auch vor Zofingen eingestiegen sein. Hat denn die Mitarbeiterin gesehen, daß Sie in Zofingen eingestiegen sind?“ Ich antwortete: „Der Stempelaufdruck auf dem Billet lautet „ZF“ wie Zofingen!“ Somit konnten mir die Polizisten auch nichts bzl. Schwarzfahren anhängen.

Dann sagte der Mann: „Sie tragen kurze Hosen, und das in Ihrem Alter. Dadurch fühlen sich sicher andere Fahrgäste sexuell belästigt, vor allem Leute aus anderen Kulturen.“ Das ging mir zu weit: „Soll ich mich als Schweizer im eigenen Land den Kulturen der Einwanderer anpassen. Sollen etwa Schweizer Frauen ein Kopftuch tragen? Und was kurze Hosen anbelangt. Heute trugen sogar männliche Bedienstete der Appenzeller Bahnen und der Frauenfeld-Wil-Bahn im Dienst kurze Hosen. Darf ich das als Fahrgast nicht? In den Beförderungsbedingungen steht nichts von einem Kurze-Hosen-Verbot.“ Der Polizist: „Welche Kleidung die Bediensteten von Privatbahnen tragen, geht uns nichts an. Hier sind wir in den SBB. Ein Kurze-Hosen-Verbot in den SBB würde alle Personen betreffen, auch junge Frauen, und das wollen wir nicht. Wir haben nur Probleme mit Männern über 20 in kurzen Hosen.“

Was mich wunderte war, daß meine nackten Füße nicht thematisiert wurden, dann aber hörte ich den anderen Polizisten etwas ausrufen: „Mann, beim nächsten Mal ziehen Sie gefälligst Socken an. Und nehmen die Hosenklammer ab, nachdem Sie das Velo abgestellt haben.“ Dieser Polizist meinte nicht mich, sondern einen ca. 70jährigen kleinwüchsigen und mageren Mann, der in brauner langer Hose, einem Jackett, das schon über 30 Jahre alt sein dürfte, einer über die Ohren gezogenen Mütze ohne Trottel – äh – Troddel und Pantoffeln ohne Socken über den Bahnsteig ging, das eine Bein nachziehend. Am „kettenseitigen“ Bein trug er eine Fahrradklammer, in der Hand eine Plastiktüte.“ Ich sprach zu den Polizisten: „Wenn es Sie stört, daß Menschen ohne Socken und mit Metall am Körper mit der Bahn fahren, dann können Sie ja auch gleich die Dame, die am Geländer steht, ermahnen. Sie trägt auch offene Schuhe ohne Strümpfe und Ketten an den Fuß- und Armgelenken sowie Piercings. Außerdem stellen ihre hohen Absätze eine Gefahr für andere Fahrgäste dar. Dagegen ist eine Hosenklammer doch völlig harmlos.“ „Mischen Sie sich nicht ein!“, herrschte mich der Polizist an. „Es ist sehr wohl ein Unterschied, ob eine attraktive Frau keine Strümpfe trägt oder ein alter Mann. Und wenn ein Mann keine Strümpfe trägt, dann soll er wenigstens geschlossene Schuhe tragen. Und vor allem keine Pantoffeln, dann doch lieber gleich ganz barfuß.“

Allmählich platzte mir der Kragen: „Egal ob attraktive Frau oder 100jähriger Mann: Sowohl beim Tragen von kurzen Hosen, als auch vom Nichttragen von Schuhen oder Socken im öffentlichen Verkehr wird NIEMANDEM ein Schaden zugefügt, auch entsteht kein Sachschaden. Ebenso ist es egal, ob man keine Kopfbedeckung auf dem Grind trägt oder ob man Hut oder Mütze trägt. Und in welche Richtung der Mützenschirm zeigt, spielt auch keine Rolle. Ich sage ja auch nichts gegen übergewichtige Personen im öffentlichen Verkehr, obwohl diese teilweise dazu beitragen, daß die Krankenkassenkosten ins Unermeßliche steigen. Denn längst nicht jede Übergewichtigkeit ist selbst verschuldet. Ich habe auch Verständnis dafür, daß solche Leute weniger schnell vorankommen. Ich finde es aber eine Unverfrorenheit, wenn fettleibige Personen ihre scheinbare Macht ausnutzen, indem sie gezielt die Wege und Treppen derart blockieren, daß andere nicht vorbei kommen. Das ist genauso inakzeptabel wie wenn man im Zugabteil als erstes alle Plätze in der Nähe mit Gepäckstücken blockiert.“ Plötzlich hörte ich eine andere Stimme: „Überlegen Sie sich genau was Sie sagen!“ Vor mir standen die „kugelige“ Person, die mir die Fahrt in der S-Bahn zur Hölle gemacht haben und der gut gekleidete Mann. Letzterer hatte mich angesprochen, und beide zückten ihre Polizeiausweise. Vermutlich war das Verhalten des „Dikken“ mir gegenüber reine Provokation, und der gut, aber unauffällig gekleidete Zivilpolizist hat mich beobachtet und die Meldungen dem fett beranzten Kollegen weitergegeben.

Während dieser Zeit hatte der Uniformierte, der mit mir am meisten gesprochen hat, eine Verbindung mit der Zentrale aufgenommen. Vermutlich sind auf dieser S-Bahn-Strecke schon öfters Personen überfallen worden, und nun suchte man nach möglichen Tätern. Vielleicht waren die Polizisten davon derart frustriert, daß sie ihren Frust an harmlosen Personen wie mir bzw. dem „Mann mit der Hosenklammer“ ausließen. Solche Personen, bei denen man nicht damit rechnet, daß sie in nächster Minute ein Messer zücken. Das Gespräch mit der Zentrale zog sich in die Länge. Es schien beendet zu sein, als gerade ein Zug Richtung Baden einrollte. Da sprach der Polizist ins Gerät: „Moment noch!“ Als der Zug abfuhr, sprach der Polizist: „Ok, hat sich erledigt.“

Dann sprach der gut gekleidete Zivilpolizist (vermutlich der ranghöchste): „Bei Ihnen konnten wir nichts verbotenes nachweisen. Aber ich rate Ihnen, beim nächsten Mal Schuhe und vor allem eine lange Hose anzuziehen. Aus dem Alter für kurze Hosen und unbedeckte Füße sind Sie raus. Und es stimmt nicht, daß Sie niemandem einen Schaden zufügen. Andere Fahrgäste können sich angeekelt fühlen und die Bahn deswegen meiden. Und vor allem belasten Sie die Polizei mit Arbeit, die sie sinnvoller nutzen könnte. Zwar gibt es keine Kleiderordnung in der Bahn, aber wir können Sie wegen Störung des Bahnverkehrs zur Kasse bitten oder zumindest unsere Umtriebe in Rechnung stellen.“

Dann entfernten sie sich. Keine Entschuldigung, kein „Auf Wiedersehen“ (darauf lege ich tatsächlich keinen Wert), nichts. Ich wartete am Bahnhof der einwohnerreichsten Gemeinde im Kanton Aargau überhaupt, die kein Stadtrecht besitzt, bis der nächste Zug ins benachbarte Baden fuhr. Dort stieg ich um in einen Zug Richtung Olten, dort in einen nach Zofingen. Ein schöner Tag in der Ostschweiz mit einem „dikken Ende“ in Wettingen. Ich bin davon überzeugt, daß es reine Schikane war, daß man extra solange gewartet hatte, bis der vorangegangene Zug abgefahren war. Und dabei gibt es auch in der Schweiz, die sich „demokratischer Rechtstaat“ nennt, ein Schikaneverbot. Das, was sich diese intoleranten „Ordnungshüter“ mir und dem „Hosenklammerträger“ gegenüber erlaubt haben, war ein Paradebeispiel dafür, wie die Menschenrechte mit Stiefeln getreten werden. Aber wie will ich das beweisen. Ich habe mich später schriftlich bei der Bahnpolizei über das unverhältnismäßige Vorgehen der beteiligten Personen in der S-Bahn und am Wettinger Bahnhof beschwert, bisher keine Antwort. Aber beim nächsten Mal Schuhe und lange Hosen in der Bahn tragen? NEIN, außer wenn ich geschäftlich unterwegs bin oder wenn es MIR zu kalt ist. Aber das entscheide ich, nicht etwa irgendein massiv überbezahlter und unterbeschäftigter Mitarbeiter der (in meinen Augen völlig überflüssigen) Bahnpolizei, bei der es sich in Wirklichkeit nur um „bessere“ Türsteher handelt, „besser“ nur deswegen, weil sie seit einiger Zeit mit „richtigen“ Schußwaffen ausgerüstet sind.

Nachdenkliche Grüße

Michael aus Zofingen


Dieter (Bochum) Offline




Beiträge: 675

16.09.2015 11:48
#2 RE: Das „dikke Ende“ nach der Reise in die Ostschweiz Zitat · antworten

Hallo Michael,

vielen Dank für Deine wieder ausführlichen Beiträge!

Kann es sein, dass diese Bahnpolizisten geistig verwirrt
oder charakterlich entartet sind? Solche verrückten Typen
gibt es ja noch nicht einmal in Deutschland.

LBFG Dieter (Bochum)


Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.923
Punkte: 794

16.09.2015 13:28
#3 RE: Das „dikke Ende“ nach der Reise in die Ostschweiz Zitat · antworten

Hi Michael,

da hatte ich mich mit Dir (nachträglich) über einen schönen Ausflug mit "Barfußimpressionen" gefreut, und nun muß ich das "dikke Ende" zur Kenntnis nehmen. Daß Dir aber auch immer wieder solches Ungemach widerfährt!

Zitat von Michael aus Zofingen
Kurz bevor der Zug die Haltestelle Buchs-Dällikon erreichte, erschien ein ca. 35jähriger Mann und setzte sich mir gegenüber, jedoch nicht ans Fenster. Er trug klobige Schuhe, eine etwas abgewetzte lange Hose, eine ebensolche Jacke sowie eine Baseballmütze (mit Schirm nach vorne), also alles Kleidungsstücke, die ich nicht gerne trage, wenn nicht gar hasse. Sein Gesicht war klein, schwammig, kugelrund und blaß, ähnelte fast einem Mondgesicht. Aber anders als das „Mondgesicht“ im Freisinger Dom, welchem 4rad-Jay und ich begegnet sind (Insider wissen, wovon ich rede) ähnelte dieses Gesicht nicht einem aufgehenden, fast orange leuchtenden Vollmond über dem Horizont, sondern einem hoch am Himmel stehenden Vollmond hinter einem Dunstschleier. Von der Form her schien der Bauch des Mannes „der größere Bruder“ vom Kopf zu sein. Der Mann schnaufte tief und töggelte mit seinen Wurstfingern auf seinem Handy. Mit seinen klobigen Schuhen kam er meinen Füßen verdächtig nahe, und einmal kam er damit sogar an mein Schienbein (nach Absicht sah es nicht aus). Ich bin kein Mediziner, jedoch glaubte ich zu erkennen, daß die Figur des Mannes eher „medizinisch bedingt“ ist und nicht einfach auf „zu viel Essen, zu wenig Bewegung“ zurückzuführen ist. Trotzdem fand ich es eine Unverfrorenheit, daß sich der Mann sich im leeren Zug ausgerechnet so hinsetzte, daß mir das Verlassen des Sitzplatzes erschwert war.

Nebenbei bemerkt schaute nach der nächsten Haltestelle auch noch ein gut gekleideter Herr im unauffälligen Anzug vorbei, kehrte dann aber um. Ob er lediglich seinen „Stammplatz“ suchte, ihn jedoch besetzt fand oder ob es sich von meiner Barfüßigkeit bzw. Kurzhosigkeit (oder von der Erscheinung des anderen Fahrgastes) angewidert fühlte, kann ich nicht sagen. Auf jedem Fall erhob ich mich, nachdem im Lautsprecher die nächste Haltestelle angekündigt wurde, von meinem Platz und ging die Treppe runter in Richtung Tür. Ich stieg jedoch nicht aus, sondern ging durch den Zug und dann wieder eine Treppe hinauf ins Obergeschoß. Auch hier war es leer. Es kam lediglich ein Mann vorbei, den ich nicht näher betrachtete (sicher ist nur, daß er fett beschuht und belanghost war).



Ich hätte es wahrscheinlich ebenso gemacht, denn wenn sich in einem öffentlichen Verkehrsmittel Leute, die mir von ihrer Erscheinung her unsympathisch sind (um es mal zurückhaltend zu formulieren), in meine Nähe setzen, pflege ich, sofern das Verkehrsmittel nicht "gerappelt voll" ist, einen möglichst weit entfernten anderen Platz zu suchen.

Zitat von Michael aus Zofingen
Kurz vor Otelfingen kam tatsächlich wieder dieser übergewichtige Mann und setzte sich in eine ähnlich (für mich) ungünstige Position. Das war aber sehr verdächtig. Wollte er mir etwas antun? War er ein Fußfetischist? Oder hatte er einfach Angst, alleine im Abteil zu sein und in mir glaubte er einen zu erkennen, der ihm körperlich nicht gefährlich werden könnte? Mir wurde es mulmig, und ich erhob mich, um ein Aussteigen in Würenlos vorzutäuschen. Wieder stieg ich nicht aus, sondern ich setzte mich im Untergeschoß in Türnähe und in die Nähe eines „normal“ aussehenden Ehepaares. So würde ich das die letzten 2 Stationen noch durchstehen.

Aber es kam anders. In Wettingen stiegen zwei Mitarbeiter der Bahnpolizei (von der Figur her Schwergewichtsboxer) in den Zug und forderten mich unhöflich auf, auszusteigen.



Diese Begebenheit verstehe ich nicht ganz. Erstens konnte der dikke Scherge (hier scheint mir dieser Ausdruck angebracht) nicht wissen, daß Du nicht tatsächlich in Würenlos ausgestiegen bist (ich nehme an, daß Du das "Aussteigen" derart vorgetäuscht hast, daß Du an der nächstliegenden Tür ausgestiegen und an einer anderen Tür wieder eingestiegen bist), und zweitens hattest Du Dich wiederum "versteckt", so daß die zugestiegenen Bahnpolizisten nicht wissen konnten, ob und wo sie Dich finden könnten. Oder hat der Zug in Wettingen so lange gehalten, bis die Polizisten Dich gefunden und "hinauskomplimentiert" hatten?

Was mir ebenfalls (auch schon bei früheren Berichten) aufgefallen ist, ist, daß Polizeikontrollen in Schweizer Zügen anscheinend nicht im fahrenden Zuge, sondern an einer Station vorgenommen und die Betreffenden dazu aus den Zügen herausgeholt werden. In Deutschland habe ich das noch nie erlebt, und als ich selber mal vor etlichen Jahren eine von mir als schikanös empfundene Kontrolle durch die Bundespolizei in einem ICE zwischen Ulm und Augsburg erleiden mußte, wurde diese in dem fahrenden Zuge durchgeführt, so daß ich wenigstens keinen Zeitverlust erlitten hatte.

Zitat von Michael aus Zofingen
Dann sagte der Mann: „Sie tragen kurze Hosen, und das in Ihrem Alter. Dadurch fühlen sich sicher andere Fahrgäste sexuell belästigt, vor allem Leute aus anderen Kulturen.“ Das ging mir zu weit: „Soll ich mich als Schweizer im eigenen Land den Kulturen der Einwanderer anpassen. Sollen etwa Schweizer Frauen ein Kopftuch tragen? Und was kurze Hosen anbelangt. Heute trugen sogar männliche Bedienstete der Appenzeller Bahnen und der Frauenfeld-Wil-Bahn im Dienst kurze Hosen. Darf ich das als Fahrgast nicht? In den Beförderungsbedingungen steht nichts von einem Kurze-Hosen-Verbot.“ Der Polizist: „Welche Kleidung die Bediensteten von Privatbahnen tragen, geht uns nichts an. Hier sind wir in den SBB. Ein Kurze-Hosen-Verbot in den SBB würde alle Personen betreffen, auch junge Frauen, und das wollen wir nicht. Wir haben nur Probleme mit Männern über 20 in kurzen Hosen.“



Diese Argumentation seitens der Polizei ("zu alt, um noch in kurzen Hosen herumzulaufen") hattest Du ebenfalls schon in früheren Beiträgen erwähnt. Gelten kurze Hosen bei älteren Männern in der Schweiz als unschicklich? Und warum werden kurze Hosen (als ursprünglich männliche Kleidungsstükke) bei jungen Frauen als unproblematisch angesehen, obwohl sie bei diesen wohl eher sexuell aufreizend wirken könnten?

Zitat von Michael aus Zofingen
Was mich wunderte war, daß meine nackten Füße nicht thematisiert wurden, dann aber hörte ich den anderen Polizisten etwas ausrufen: „Mann, beim nächsten Mal ziehen Sie gefälligst Socken an. Und nehmen die Hosenklammer ab, nachdem Sie das Velo abgestellt haben.“ Dieser Polizist meinte nicht mich, sondern einen ca. 70jährigen kleinwüchsigen und mageren Mann, der in brauner langer Hose, einem Jackett, das schon über 30 Jahre alt sein dürfte, einer über die Ohren gezogenen Mütze ohne Trottel – äh – Troddel und Pantoffeln ohne Socken über den Bahnsteig ging, das eine Bein nachziehend. Am „kettenseitigen“ Bein trug er eine Fahrradklammer, in der Hand eine Plastiktüte.“ Ich sprach zu den Polizisten: „Wenn es Sie stört, daß Menschen ohne Socken und mit Metall am Körper mit der Bahn fahren, dann können Sie ja auch gleich die Dame, die am Geländer steht, ermahnen. Sie trägt auch offene Schuhe ohne Strümpfe und Ketten an den Fuß- und Armgelenken sowie Piercings. Außerdem stellen ihre hohen Absätze eine Gefahr für andere Fahrgäste dar. Dagegen ist eine Hosenklammer doch völlig harmlos.“ „Mischen Sie sich nicht ein!“, herrschte mich der Polizist an. „Es ist sehr wohl ein Unterschied, ob eine attraktive Frau keine Strümpfe trägt oder ein alter Mann. Und wenn ein Mann keine Strümpfe trägt, dann soll er wenigstens geschlossene Schuhe tragen. Und vor allem keine Pantoffeln, dann doch lieber gleich ganz barfuß.“



Es ehrt Dich zwar, daß Du Dich für andere einsetzt; ich habe aber Bedenken, ob das clever ist, wenn die Polizei Dich selbst gerade "in der Mangel" hat, und wenn Dir dann noch "der Kragen platzt", bringst Du Dein Gegenüber nur noch mehr gegen Dich auf, so daß es infolge dessen zu echter Schikane kommen kann. Ich selbst pflege mich bei meinen (seltenen) Kontakten mit der Polizei lieber "kooperativ" zu verhalten, damit diese beschwichtigt wird und möglichst rasch aus meinem Gesichtskreise verschwindet.

Zitat von Michael aus Zofingen
Dann sprach der gut gekleidete Zivilpolizist (vermutlich der ranghöchste): „Bei Ihnen konnten wir nichts verbotenes nachweisen. Aber ich rate Ihnen, beim nächsten Mal Schuhe und vor allem eine lange Hose anzuziehen. Aus dem Alter für kurze Hosen und unbedeckte Füße sind Sie raus. Und es stimmt nicht, daß Sie niemandem einen Schaden zufügen. Andere Fahrgäste können sich angeekelt fühlen und die Bahn deswegen meiden. Und vor allem belasten Sie die Polizei mit Arbeit, die sie sinnvoller nutzen könnte. Zwar gibt es keine Kleiderordnung in der Bahn, aber wir können Sie wegen Störung des Bahnverkehrs zur Kasse bitten oder zumindest unsere Umtriebe in Rechnung stellen.“



Bei der Lektüre dieser Passage mußte ich unwillkürlich lachen, denn sooft wir uns getroffen haben, habe ich Deine Gegenwart immer als angenehm empfunden, während ich von dem dikken Zivilpolizisten, der Dich in dem Zuge "belästigt" hat, derart beekelt gewesen wäre, daß ich mir, wenn er sich in meine Nähe gesetzt hätte, sogleich einen anderen Platz in einem anderen Wagen gesucht hätte.

Zitat von Michael aus Zofingen
Ich bin davon überzeugt, daß es reine Schikane war, daß man extra solange gewartet hatte, bis der vorangegangene Zug abgefahren war. Und dabei gibt es auch in der Schweiz, die sich „demokratischer Rechtstaat“ nennt, ein Schikaneverbot. Das, was sich diese intoleranten „Ordnungshüter“ mir und dem „Hosenklammerträger“ gegenüber erlaubt haben, war ein Paradebeispiel dafür, wie die Menschenrechte mit Stiefeln getreten werden. Aber wie will ich das beweisen. Ich habe mich später schriftlich bei der Bahnpolizei über das unverhältnismäßige Vorgehen der beteiligten Personen in der S-Bahn und am Wettinger Bahnhof beschwert, bisher keine Antwort.



Klar, die haben Dir "eins ausgewischt", indem sie Dich absichtlich den nächsten Zug nach Baden haben versäumen lassen. Ich vermute freilich stark, daß das zum Teil auch daran liegt, daß Du die Situation hast eskalieren lassen, obwohl Du natürlich im Recht warst und Deine Aufregung insofern verständlich ist. Gleichwohl bin ich erfreut, daß es Menschen wie Dich gibt, die auf ihren Rechten bestehen und sich so der womöglich auch in der Schweiz um sich greifenden Entliberalisierung der Gesellschaft (obwohl die Schweiz uns Deutschen in Sachen Demokratie, Patriotismus und Bewahrung des Eigenen weit voraus ist) entgegenstemmen.

Barfüßige solidarische Herbstgrüße,
Markus U.


Engel Offline

Admin


Beiträge: 1.438
Punkte: 666

16.09.2015 14:58
#4 RE: Das „dikke Ende“ nach der Reise in die Ostschweiz Zitat · antworten

Hi Micha
Ich musste mich erst mal informieren, da ich anfangs dachte die Beamten der SBB sind sowas wie ne Privatpolizei ähnlich nem Securitydienst. Dem ist aber scheints nicht so. Doch die 1-jährige Ausbildung scheint mir doch n gefundenes Fressen für Menschen zu sein die gerne ihre Macht ausüben wollen. Damit wäre auch das Verhalten der Beamten zu erklären. In D muss man schon mittlere Reife und ne 3-jährige Ausbildung haben um "Bulle" zu werden. In der 1-jährigen Ausbildung der Hilfscops dürfte ne psychologische Schulung wohl nur angekratzt, wenn überhaupt vorhanden sein. Da kann sich sicher jeder depp qualifizieren. Schon allein die Boraussetzung einer "körperlich robusten" Erscheinung deutet darauf hin das es sich dabei wohl nur um, wuie Du sagst "bessere Türsteher" handelt.

Und nein, das nächste mal solltest Du keine Schuhe und lange Hosen tragen sondern ein Handy oder Diktiergerät einstecken . Das Gespräch aufnehmen und als Beweis der Beschwerde hinzufügen.

Ein Bekannter von mir hatte mal in Frankreich n ähnliches Problem mit Hilfsbullen. Er hatte kein Gespräch aufgenommen, hat aber sein Handy raus geholt und den Typen gesagt er hätte das gerade aufgenommen. Einer der Beamten schlug ihm das Handy aus der Hand und sackte es ein. Daraufhin meinte mein Bekannter nur das wäre sinnlos weil er das Gespräch sofort auf seine "Cloud" hochgeladen hätte. Dann wollte er von allen die Namen haben. Die 4 Hilfscops tuschelten kurz miteinander und dann entschuldigte sich einer im Namen aller bei ihm und ein Zweiter füllte sogar einen Schadensbericht aus weil das Handy wohl etwas ramponiert wurde. Er bekam es später anstandslos ersetzt. Bevor er das gemacht hat stand er wohl echt kurz vor einer unrechtmässigen Verhaftung.
Seit dem Vorfall hat er stets sein Handy in der Tasche in der Hand wenn er auch nur nen Bullen sieht

Gruß Engel




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André Uhres Offline




Beiträge: 598
Punkte: 3

19.09.2015 05:38
#5 RE: Das „dikke Ende“ nach der Reise in die Ostschweiz Zitat · antworten

Das beste bei der Polizei ist wohl die Aussage: "Und wenn ein Mann keine Strümpfe trägt, dann soll er wenigstens geschlossene Schuhe tragen. Und vor allem keine Pantoffeln, dann doch lieber gleich ganz barfuß."

André


Dieter (Bochum) Offline




Beiträge: 675

20.09.2015 14:45
#6 RE: Das „dikke Ende“ nach der Reise in die Ostschweiz Zitat · antworten

Hallo,

ich glaube, die Polizisten halten Michael für einen Sündenbock und Prügelknaben.

Das hat weniger mit barfuß zu tun als vielmehr mit persönlicher Antipathie.

Michael wirkt verletzlich. Die Polizisten sehen ihn als eine Art Opferlamm,

an dem sie ihren Frust und ihre Aggressionen straflos abreagieren können.

LBFG Dieter (Bochum)


drtoivowillmann Offline



Beiträge: 327

21.09.2015 17:02
#7 RE: Das „dikke Ende“ nach der Reise in die Ostschweiz Zitat · antworten

"Die Polizisten sehen ihn als eine Art Opferlamm, an dem sie ihren Frust und ihre Aggressionen straflos abreagieren können."

Was sind das denn für Bullen? Ich denke, Polizisten sind Staatsdiener, und die Schweiz ist ein Rechtsstaat. Oder bin ich mal wieder im Unrecht mit meinen Vermutungen?

Vielleicht sollten wir Barfüssiger nicht nur für Flüchtlinge (ausgezeichnet gute Idee, voll dafür) sondern auch für unsere eigenen Rechte europaweit auf die Strasse gehen...

Barfüssiger Gruß: Toivo


Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.923
Punkte: 794

14.10.2015 14:17
#8 Kurze Hosen in der Schweiz Zitat · antworten

Hi Michael,

da ich weder kurze Hosen trage noch in der Schweiz lebe (bei meinen kurzen Aufenthalten in der Schweiz hatte ich jeweils stets lange Hosen an), habe ich mal zwischenzeitlich die Gelegenheit genutzt, mich bei jemandem, der diesbezüglich kompetent ist, zu erkundigen, ob Männer über 50 Jahren in der Schweiz Schwierigkeiten bekommen, wenn sie barfuß gehen UND dazu kurze Hosen tragen. Die Antwort war verneinend.

Es muß wohl daran liegen, daß Du mit Deiner leicht vornübergeneigten Haltung de Eindruck erweckst, als ob Du frörest, so daß die Polizei sichergehen muß, daß kein Unglücksfall (abgängige hilflose Person oder so) vorliegt. Daß Du Dich in Schuhen und langen Hosen nicht wohlfühlst, kann man ja nur wissen, wenn man Dich kennt. Du indessen fühlst Dich (was aufgrund Deiner Erfahrungen verständlich ist, was man aber auch nicht ohne weiteres wissen kann) bei Ansprache durch die Polizei sofort belästigt und bringst das irgendwie auch "rüber", so daß die Polizei ihrerseits "alle Register zieht" (und dabei, wie mir scheint, gelegentlich die Grenzen der Verhältnismäßigkeit überschreitet), um Dich zu ärgern. Einen Rat habe ich für Dich freilich nicht, weil die Beziehung zwischen Dir und der Polizei nun mal heillos zerrüttet ist. Vielleicht hast Du zusätzlich noch deswegen einen schweren Stand, weil man Dir ob Deines ausgeprägt norddeutschen Akzentes Deine Herkunft sofort anmerkt, und Deutsche sind in der Schweiz als Reisegäste, aber nicht als Zuwanderer willkommen, und auch als Inhaber eines Schweizer Passes kannst Du Deine deutsche Herkunft nicht verleugnen.

Sokkenlose Herbstgrüße aus dem Büro,
Markus U.


Dieter (Bochum) Offline




Beiträge: 675

14.10.2015 16:04
#9 RE: Kurze Hosen in der Schweiz Zitat · antworten

Hallo Michael,

gerne bin ich bereit, Dich bei Deinen Reisen zu begleiten.

Wenn Du von Polizisten angemacht wirst, bin ich dann sofort zur Stelle.

Was hältst Du davon, Michael?

LBFG Dieter (Bochum)


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