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Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

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Dieses Thema hat 4 Antworten
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 Barfuß und Leben
Leo Offline



Beiträge: 693
Punkte: 484

17.11.2009 21:28
Mit Markus U. auf Nostalgietrip durch Düsseldorf Zitat · antworten

Hallo,

am Sonntag nutzte ich das Mauerfall-Spezial der DB zu einem Blitzbesuch in Düsseldorf. Markus U. holte mich am Bahnsteig ab und wir gingen auf den Bahnhofsvorplatz. Angesichts des Regens entschlossen wir uns zu Plan B, und ich kaufte mir sofort eine Tageskarte - im Gegensatz zu den üblichen Vorurteilen übrigens 0,30€ (ab 13.12.09: 0,10€) teurer als in München.

Es folgte ein Nostalgietrip mit der Rheinbahn quer durch die Stadt. Als erstes fuhren wir mit der Straßenbahn 704 Richtung Polizeipräsidium. Vor lauter Erzählen vergaß ich total den alten Einstiegspunkt auf meinem alten Schulweg in den offenen Beiwagen der damaligen Linie 26 (heute 709) am Weichenkontakt an der Mintropstr. zu würdigen. (Die Bahn mußte damals auf Schrittgeschwindigkeit bremsen, um dann beim Beschleunigen “mit Strom” die Weiche nach rechts zu stellen.) Auch die unechten Palmen (aber echte Yuccas) am Stresemannplatz blieben zu nächst unbeachtet.

In Abweichung vom meinem alten Schulweg (d.h. einer von 6 möglichen Varianten, deren Optimierung bei mir schon frühen Fahrplan-Gebrauch hervorrief) stiegen wir dann aber nicht am Graf-Adolf-Platz aus, sondern fuhren bis zur Schleife am Polizeipräsidium, von wo es mit der Linie 726 weiterging: Vorbei am Martinus-Krankenhaus (an das ich eher schlechte Erinnerungen habe), der Haltestelle “Fährstr.”, eine vor dem Südfriedhof (von wo ich im offenen Beiwagen der alten 26 immer zum Schwimmen nach Neuß fuhr - dass schrieb sich damals noch tatsächlich so), der alten Martinskirche (wohin ich öfters meine Eltern zur Abendmesse begleitete), dem Park am Alten Friedhof (in dem ich mich als Schulkind austobte), der eigentlichen Pfarrkirche St. Bonifatius, der alten Volksschule, meiner alten Wohnung von hinten, dem alten Kirmesplatz, dem Konditor (wo ich den Sonntagskuchen kaufte) der Sparkasse (wo ich mein erstes Geld sparte), und schließlich auf meiner alten abendlichen Radrunde ein Stück auf dem Deich entlang (wo früher die alte Straßenbahn ihre Endstelle Volmerswerth hatte).

Nun ging es ca. einen km zu Fuß zur heutigen Endstation der Straßenbahnlinie 712, mit der wir bis zum Jan-Wellem-Platz fuhren: Am Garten meiner (längst verstorbenen) Tante vorbei (in dem ich oft herumtollte), am Haus eines Kollegen meiner Mutter, an einem Supermarkt (wo wir oft einkauften), an der Eisdiele vorbei (mit deren leckeren Eis ich leider schon in jungen Jahren u.a. die Basis für meine Figur legte), unserer alten Wohnung (und aller Geschäfte in unmittelbarere Nachbarschaft), am Bilker Bf. (wo ich zu Schul-, Studien und Assistenten-Zeiten in die verschiedensten Richtungen ein- oder umstieg), am Schuhhaus Ebert (wo mir Schuhe verpaßt wurden), am Orthopädie-Schuhhaus Stiel (wo meine Mutter zu meiner Langeweile oft ausgiebig einkaufte), an der Peterskirche (einer weiteren Sonntags-Option), am Stern-Verlag (wo ich viel Geld für Bücher ließ), am früher nächstgelegenen Aldi (wo ich mir nach dem Einkaufen oft einen lahmen Arm auf dem Heimweg holte), am Fernmeldeamt (wo ich als Fräulein vom Amt jobbte und ein Praktikum machte), am Wilhelm-Marx-Haus (wo ich gerne Paternoster fuhr).

Bevor wir uns den traurigen Überresten des Straßenbahn-Verkehrs an dem ehemals wichtigsten Knotenpunkt Jan-Wellem-Platz zuwandten, erregte noch der im Aufbau befindliche Weihnachtsmarkt meine Aufmerksamkeit:



Im Gegensatz zu sonst, bekam ich diesmal leide keine Poffertjes! (http://de.wikipedia.org/wiki/Poffertjes )

An der Alten Endstation der Fern-Straßenbahnlinien K und D war sogar noch Betrieb:



Ansonsten sah es gegenüber früher recht trostlos aus:



In Richtung Hbf wurde der Rückbau der ehemals viergleisigen Strecke dagegen wesentlich geschickter mit diesmal echten Palmen kaschiert:



Hier stehen wir mitten auf dem stillgelegten, aber nicht entfernten Gleis:






Ab dem Abzweig der alten Strecke Richtung Hbf an der ehemaligen Haltestelle Martin-Luther-Platz



war die Strecke in Richtung Benrath auch früher zweigleisig. Auf der Fahrt dorthin kamen wir wieder an einigen für mich markanten Punkten vorbei: Entlang der Berliner Allee (worüber uns mein Fahrlehrer mit Wonne im Berufsverkehr jagte), vorbei an der ehemaligen Arbeitsstelle meiner Mutter, dem Ort des Wellenbads an der Grünstr., 2 weiteren potentiellen Anfangshaltestellen meines Schulwegs, der in Bau befindlichen Abzweigung der U79 zur Uni.

Zwischen Karolingerplatz und Holthausen starrte ein Mädchen mit bösem Blick und offen stehendem Mund auf unsere nackten Füße. Die offenbar ihrer Mutter wiederholt in einer slawischen Sprache vorgetragene Nachricht unserer Schuhlosigkeit stieß bei dieser aber nur auf wenig Interesse.

In Benrath stiegen wir aus, gingen aber im Gegensatz zu früher dann nicht ins Schwimmbad, sondern suchten uns etwas zu essen. Die Bürgersteige waren in der kleinen Fußgängerzone mit dem übertrieben Namen “Hauptstraße” schon hochgeklappt, und für einige Passanten waren wir nach deren eigenem Bekunden so: “Barfuß! DIE Attraktion von Benrath!”

Die Essenssuche war leider erfolglos, immerhin konnten wir ein Eis als erste Hilfe auftreiben. Fahrplanmäßig ergab sich nun ein weitere Nostalgiefahrt mit dem Bus nach Holthausen und weiter nach Oberkassel:

Vorbei an der Wohnung meiner ehemaligen Schwägerin, durchs ehemalig ländliche Itter und Himmelgeist (wo damals einige Schulfreunde wohnten), am ehemaligen Altenheim Flehe (wo meine Oma ihre letzten 4 Jahre liegend verbrachte) an den Städtischen Krankenanstalten, später Uniklinik, (an die ich auch eher unangenehme Erinnerungen habe), dem Straßenbahn-Betriebshof Steinberg, dem Bilker Bf. (s.o.), über die Kniebrücke (die ich beim Bau sehr oft ablichtete und wo ich am Eröffnungs-Tag einem Busfahrer bei seiner ersten und meiner ca. 4. Fahrt den Weg weisen mußte), an der uralten Wohnung vorbei (in der ich die ersten 6 Lebensjahre verbrachte, in denen ich angeblich noch gerne Fisch aß) zum Belsenplatz.

Die letzte Straßenbahnfahrt des Tages (zumindest für mich) führte uns schließlich (vorbei an Kindergarten, diversen Ärzten) dann über die Oberkasseler Brücke in die Altstadt. Im ersten Laden gab es keinen Nichtraucher-Bereich. Unter Protest verließen wir diesen deshalb und kehrten stattdessen im http://www.hausbrauerei-zum-schluessel.de/ ein. (Anscheinend sind die Bayrischen Nichtraucherschutz-Gesetze sogar in der aufgeweichten Form doch gar nicht so schlecht…)

Nach einem Rheinischen Sauerbraten und diversen Alt vom Faß begaben wir uns an das Nordende der Kö:



Nach langer trister Trockenzeit, siehe z.B.

http://www.duesseldorf.de/umweltamt/down..._broschuere.pdf

auf S. 5, läuft das Wasser hier aus dem Triton-Brunnen jetzt wieder wie früher:



Da es endlich nicht mehr regnete, gingen wir über die Kö und die Graf-Adolf-Str. zum Stresemannplatz, wo wir den falschen Palmen = echten Yuccas etwas mehr Aufmerksamkeit zollten als am Mittag:



Mit diesem gar nicht winterlichen Eindruck



yerließ ich mit nur 2 Minuten Verspätung fast pünktlich meine alte Heimat. Der 10-Minuten-Anschluß in München war natürlich illusorisch, aber ich mußte sogar noch rennen, um den 38-Minuten Anschluß zur BOB in Richtung meiner neuen Heimat Holzkirchen zu erreichen.

Gruß

Leo


Jay Offline




Beiträge: 702
Punkte: 695

18.11.2009 00:56
#2 RE: Mit Markus U. auf Nostalgietrip durch Düsseldorf Zitat · antworten

Hi Leo,

meinen Dank & meine Anerkennung für diesen meiner persönlichen Meinung nach - da die Bildauswahl ein spezielles Highlight darstellt - bisher besten Reisebericht von dir, der hier erschienen ist. Ich hätte nie gedacht, daß das herbstliche Düsseldorf so schön & stimmungsvoll ist (hätte eher novembertriste Grau in Grau-Fotos erwartet).

Könnte aber auch 'was für sich haben, wenn man in der für den Monat typischen Wettertristesse kompensatorisch BF läuft. Ist BF eigentlich ein Antidepressivum? Ich glaube schon. Immerhin erreicht ja die Temperatur gegenwärtig in "meiner" Gegend fast +10°; morgen werde ich - obwohl´s mir eigentlich zu kalt ist -, wohl doch wieder voll BF in mein Frühstücksstammcafe in einer großen Einkaufsmall fahren, um im all' dem längst "hergerichteten" Weihnachtszauber meine nackten Füßchenspuren zu hinterlassen, die vom warmem Regen künden (sie sind meist nach wenigen Minuten wieder verschwunden, teils weil dieses leicht schmutzige Wasser aus unerfindlichen Gründen schnell verdunstet, teils weil natürlich jede Menge Leute - jetzt so gut wie durchgehend voll fett beschuht, schließlich ist ja November, auch wenn´s Frühlingstemperaturen hat - 'drüberlaufen).

Mir fällt grad' keine passende Grußformel ein. Einfach ein dickes BFiges Merci für die Sache, Jay


Saalenixe-Halle ( gelöscht )
Beiträge:

18.11.2009 07:38
#3 RE: Mit Markus U. auf Nostalgietrip durch Düsseldorf Zitat · antworten

Ein Reisebericht, der mich bewegt und sowohl durch die ausführlichen Schilderungen, als auch die dazu passenden Bilder. Er weckt Erinnerungen an eine sehr kurze, aber ereignisreiche Zeit. Interessant, daß der VRR mittlerweide den MVV überholt hat, was die Preise angeht. Mein Eindruck damals (1999) war daß es sich an Rhein und Ruhr deutlich billiger Tram und SBahn fahren läßt.

Nachdem jetzt wieder etliche Plätze und Ortsteile aus Düsseldorf vor meinem geistigen Auge vorbeigezogen sind, würde es mich reizen, auch mal wieder in diese Richtung "auf Wanderschaft" zu gehen. Hab jaa schließlich nen guten Freund am Niederrhen, der würde sich bestimmt freuen

BF könnte tatsächlich wie ein leichtes Antidepressivum wirken. Schon alleine durch den Kontakt zwischen (den Nerven) der fußsohle und den verschiedenartigsten Untergründen.

Schönen Tag aus dem ebenfalls sehr warmen Halle
eure Saalenixe



Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.943
Punkte: 794

18.11.2009 13:35
#4 RE: Mit Markus U. auf Nostalgietrip durch Düsseldorf Zitat · antworten

Hi Jay, hi Saalenixe,

ich glaube auch, daß Barfußlaufen im tristen November ein Antidepressivum ist, zumal es im November für etliche Zeitgenossen völlig undenkbar und gänzlich außerhalb ihres Vorstellungsvermögens ist und daher noch mehr als im Sommer den Reiz des Außergewöhnlichen hat. So hat es denn an manchen überraschten Reaktionen nicht gefehlt, die von der bekannten K- Frage über spontane Heiterkeitsausbrüche sehr junger Damen (die meisten pubertierenden Mädchen haben nun mal von jeher die Eigenschaft, ständig zu kichern oder "sich zu beömmeln", wie man bei uns sagt) bis zu einem Ausruf in der Benrather Fußgängerzone "Die zwei sind die Attraktion von Benrath!" reichten.
Leider war das regnerische Wetter für ausgiebige Spaziergänge nicht geeignet, weshalb wir, wie Leo schon ausgeführt hat, den öffentlichen Personennahverkehr um so ausgiebiger nutzten. Nun kenne ich zwar das gesamte Düsseldorfer Straßenbahnnetz (einschließlich der alten Fernlinien nach Krefeld und Duisburg), das Busliniennetz hingegen so gut wie überhaupt nicht, so daß ich infolge der Rundfahrt mit Leo Straßen und Plätze, an denen ich noch nie gewesen war, zu sehen bekam (Leo's frühere Wege durch Düsseldorf sind nun mal ganz anders beschaffen als meine).

Im übrigen kann sich jeder, der mal in die Gegend kommt, zwecks eines Treffens gerne bei mir melden.

Spätherbstliche Barfußgrüße,
Markus U.


Augusto Offline




Beiträge: 101
Punkte: 99

22.11.2009 11:08
#5 RE: Mit Markus U. auf Nostalgietrip durch Düsseldorf Zitat · antworten

Hi Leo,

Vielen Dank für diesen wunderbaren Beitrag!

Augusto


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