Du bist vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klick hier, um Dich kostenlos anzumelden Impressum 

Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

Ein kleines demokratisches Forum für Leute, die gerne und überall barfuß laufen oder dies gerne mal
ausprobieren möchten. Es wird aber darauf hingewiesen, daß sexistische
sowie beleidigende Beiträge kommentarlos gelöscht werden.

Dieses Forum wird gegenwärtig von Markus U., Dominik R., Engel & Kerstin gemanagt.
Wir sind jederzeit für Anregungen & Kritik empfänglich.







Forenübersicht | Suche | Registrieren | FAQ | Kurzehosenforum | Hippieforum | Bergforum | Le-Rib - Forum français

Login

Disclaimer - rechtliche Hinweise
Du kannst Dich hier anmelden
Dieses Thema hat 12 Antworten
und wurde 1.958 mal aufgerufen
Bei Antworten informieren
 Barfuß und Leben
Jörg 2 Offline




Beiträge: 938
Punkte: 927

29.11.2009 15:33
1969 - Meine erste „Barfußbefreiung“ Zitat · antworten

Bis zum 12. Lebensjahr war Barfußlaufen für mich nichts Besonderes, das heißt: es fand einfach statt oder eben nicht, ganz so, wie sich in einer Kindheit Dinge einfach abspielen, gewollt oder nicht gewollt, oder schon bald wieder vergessen sind.

Dann erinnere ich mich noch, als ich mit zwölf Jahren im Haus der Großmutter spielte, es war knallheiß und sie hatte eine Wasserwanne zum Planschen auf dem Rasen aufgestellt. Ich lief mit mehr oder weniger geschlossenen Schuhen herum, bis mich meine Mutter ermunterte, doch die Schuhe auszuziehen und barfuß zu laufen. Ich widersetzte mich, soviel Körperlichkeit war mir, zum Zeitpunkt der aufkeimenden Pubertät, peinlich und irgendwie indiskret. Aber den Keim zur Befreiung hatte die Mutter trotzdem gesetzt, denn auf einmal stand der Gedanke im Raum, dass es zumindest die Möglichkeit der „Befreiung“ gab, und es war nun einzig allein meine Entscheidung, was passieren würde. Sollte ich die Anregung der Mutter als elterliche Weisung verstehen, dagegen aufbegehren und mich widersetzen? Was ginge meine Mutter schließlich meine (zumindest teilweise) Nacktheit an? Solle sie sich doch um ihre eigenen Dinge kümmern!
- Oder sollte ich ihre Worte als großzügiges Gewährenlassen verstehen, das mir einen Freiraum für eigene Entdeckungen eröffnen könnte?

Die Mutter verschwand. Unter dem Vorsprung eines Balkons, im Schatten, im Schutz eines davor gestellten Brennholzstapels, hinter einem herabhängenden Sacktuch, hinter allerlei abgestellten Gartengeräten, in einer staubigen, dunklen Ecke entledigte ich mich meiner Schuhe und Strümpfe. Machte erste Gehversuche, als ob ich der erste Mensch auf dem Mond sei. Immerhin, es war 1969, das Jahr der Mondlandung. Einige Stunden später fand ich mich völlig unbefangen spielend im Garten wieder, war barfuß den steinigen, langen Hang bis hinab zum Bach gekraxelt und wieder zurück, hatte den lieben langen Sommernachmittag so verbracht, wie die Natur mich erschaffen hatte, ohne das es auch nur irgendjemanden gestört oder mich irgendjemand bemerkt hatte.

Als ich des Abends wieder von der Mutter angesprochen wurde, wie denn mein Tag gewesen sei, äußerte ich nur „nichts Besonderes“, schamhaft natürlich, denn ich hatte begonnen, mir ein Terrain zu erobern, das für meine Begriffe nur mit mir etwas zu tun hatte, mit niemandem sonst. So wurde die erste wirklich bewusste Barfußerfahrung eine eher verstohlene Angelegenheit, mit der knisternden Aura dessen, was wirklich nur mich persönlich betraf.
Aber das war noch nicht die eigentliche Befreiung, noch lange nicht der Klick, der fürs ganze Leben bestimmend werden sollte. Der kam ein Jahr später…

Wieder war es Sommer, und ich hatte eine Einladung zu Verwandten nach Essen-Werden bekommen. Sie waren Mitarbeiter in der dortigen Jugendherberge, die etwas oberhalb des Ruhrtales auf einem bewaldeten Hügel liegt. Hier durfte ich die Sommerferien, sozusagen als familiärer Gast, verbringen. Es war schon ein hübsches Abenteuer, so ein großes Haus mit vielen jungen Gästen kennen zu lernen. Ich durfte auch einige Hilfsdienste im Hause übernehmen und kam mir ganz toll dabei vor. Meine Unterbringung erfolgte in einem kleinen Seitenzimmer, in welchem auch zwei Zivildienstleistende wohnten. Das Zimmer lag par terre, ein Fenster führte nach außen in den bewaldeten, großen Garten. Die Anwesenheit der Zivis war mir zunächst unangenehm, sie waren ja so um die 18 Jahre, und für sie war ich sicher unreifes Gemüse. Auch machten sie Sachen, die mir ganz fremd und unheimlich vorkamen. So schliefen sie etwa nachts nur mit Boxershorts bekleidet und mit nacktem Oberkörper. Also, so etwas hatte ich ja noch NIE getan!

Nun gab es in der Jugendherberge nur ein Problem: abends war relativ zeitig das Haus abgeschlossen und die Gäste waren zur Hausruhe verpflichtet. Doch einerseits war ich kein gewöhnlicher Gast, und zweitens trieb mich etwas, die warmen Sommernächte im Freien sein zu wollen. Ich kundschaftete also aus, wie ich das Zimmer durchs Fenster nach außen verlassen könnte und so auf eigene Streifzüge gehen zu können. Hierzu nutzte ich ein paar Tage, an welchen die Zivis Heimaturlaub hatten. Zunächst kletterte ich im Pyjama aus meinem Etagenbett. Doch – im Pyjama würde ich unmöglich draußen herumlaufen können, oder etwa doch? Dann öffnete ich das Fenster und überwand etwas umständlich die Schwelle nach außen. Hier lag der Boden etwas tiefer als innen der Zimmerboden, so dass schon ein kleiner Sprung nötig war, um den Unterschied zu überwinden. Da stand ich nun, barfuß, im Pyjama, mit einer dreiviertel langen Hose und einem luftigen Oberteil bekleidet. Ich war draußen. Was jetzt?

Zunächst beabsichtigte ich, nur mal die nächsten Ecken rechts und links der Außenmauer auszukundschaften. Doch nach den Ecken folgten neue Ecken, kamen Plattenwege und Pfade durch den parkähnlichen Garten, kamen Wiesen und Sträucher, kamen…

Schon bald war ich richtig unterwegs in dem riesigen Areal, das allerdings von einem Zaun begrenzt war. Nun wurde mir klar: wenn du weiter willst, musst du das Portal der Grundstückseinfahrt erreichen. Ich traf es in tiefer Dämmerung, doch menschenleer an. Die Grillen zirpten, und die duftende, warme Sommernacht wehte milde Luftwallungen empor. Ich war auf einer kleinen Landstraße. Verstohlen, unsicher, kein Mensch, kein Auto weit und breit. Unter den Füßen spürte ich den noch warmen Asphalt. Was tun, wenn jetzt ein Auto käme? Was würde passieren, wenn jetzt einer einen Zwölfjährigen im Pyjama nachts barfuß auf der Straße anträfe?
Ich war hin und hergerissen, aber etwas zog mich immer weiter: die Lust meiner nackten Füße zum Weiterlaufen. So kam ich bis zu einem Waldrand, wo jedoch von Ferne erste Straßenlaternen sichtbar waren. Das sollte genügen fürs Erste, ich kehrte um.
Aufgewühlt kehrte ich an mein Ausstiegsfenster zurück, ebenso aufgewühlt verbrachte ich die Nacht; was mag nun das größere Ereignis gewesen sein: die Entdeckung einer neuen Umgebung allein durch mich, - oder die Entdeckung einer neuen Körperlichkeit am Beginn eines neuen Lebensabschnittes?
Die nächsten Nächte, so beschloss ich, sollten dergestalt vertieft werden. In der folgenden Nacht probierte ich es erneut, ging gleich zielstrebiger auf die Landstraße, von dort weiter über die befestigten Feldwege, hin und her, überall, wo es mich hinzog und meinen Sohlen Spaß machte, zu laufen. Doch eine gewisse Verstohlenheit verfolgte mich gleichsam, hatte ich mich doch heimlich vom Haus entfernt, ohne dass jemand von mir wusste. Was würde sein, wenn mir hier, nachts in der Fremde, etwas zustieße?

Dann, am Folgetag, wurde alles noch ein wenig anders. Denn die Zivis waren schneller wieder zurückgekehrt, als ich dachte. Vielmehr war die Zeit des freien Wochenendes für mich höchst überraschend wie im Fluge vergangen; nun würde ich mich wieder mit meinem Zimmernachbarn arrangieren müssen.
Dennoch trugen die Zivis in gewisser Weise für mich zur Einzigartigkeit jener Sommertage und –nächte bei. Der Grund war ihre Musik, die mir damals ebenso neu wie befremdlich war, barg sie doch so offensichtlich unverblümt Sachverhalte wie Liebe und offen gelebte Sexualität in sich, so dass ich allen Grund hatte, meine Position zu den Dingen erstmalig auszuloten…
Da drangen Percy Sledge („When a man loves a woman“), Brigitte Bardot („Je t’aime“), Titel wie „California Dreamin“ aus den Kassettenrecordern. Draußen schrubbten Jugendliche der anwesenden Schulklassen „Let it be“ von den Beatles auf der Gitarre.

Dann, eines Abends, traf ich die Zivis wieder im Zimmer, wieder nackt und in Boxershorts. Jetzt wollte auch ich mich nicht lumpen lassen, zog meine Badehose an, tat es ihnen gleich, und dann spielten wir so Karten. Irgendwie gelang es mir, ihnen klarzumachen, dass ich abends noch etwas „Auslauf“ benötige und mir das Fenster als Ausgang erobert hatte. Sie nahmen es mit Gelassenheit zur Kenntnis, war ich doch eh ein Verwandter vom Chef. Von da an war es akzeptiert, dass ich mich abends öfter durchs Fenster „verabschiedete“. Und zwar, wie die größeren Jungs auch in ihrer Freizeit herumliefen, nur mit Boxershorts und barfuß. Bald lief ich auch lustvoll die langen, gefliesten Gänge der Jugendherberge entlang, die Linolböden und Natursteinböden in allen Trakten des weitläufigen Anwesens.

Wenn ich so durch den späten Abend und die Nacht pirschte, hatte ich das Gefühl, dass in mir Elemente des Urmenschen erwachten. Viel wendiger als mit Schuhen und Kleidern konnte ich lautlos und flink im Gelände umherschleichen. Von Mal zu Mal ging ich selbstverständlicher über den Asphalt der Landstraße und genoss es, wenn auf der Höhe der warme Sommerwind meinen Körper umspülte.

Das war der Durchbruch, sozusagen das Schlüsselerlebnis, das mich zum Gefühl der Ganzkörperlichkeit beim Barfußlaufen brachte, das den sprichwörtlichen „Suchtfaktor“ aufkommen ließ und mich den Rest des Lebens nie ganz verlassen hat.
Noch heute denke ich an jene Tage und Nächte am Rande der Jugendherberge zurück, und gehe die alten Wege im Geiste nach. Wenn ich heute, natürlich vor allem im Sommer, barfuß unterwegs bin, ist es daher auch immer eine Erinnerung und Zeitreise in eine Phase der Jugend, welche die Hinwendung vom Ich zum Selbst, zur Ganzheitlichkeit und eigenen Körperlichkeit mit sich brachte. So gesehen ist Barfußlaufen für mich das Eintauchen in die schönsten Zeiten der Kindheit und Jugendzeit; es ist das Ankommen auf der Erde, so, wie ich mich als Mensch von Natur aus auf ihr bewegen will, - fühlend, mit schwingendem Gang und nichts anderes als ein Teil von ihr.

J.
____________
(c) Alle Rechte beim Autor


kerstin Offline

Admina


Beiträge: 1.923
Punkte: 1.181

04.12.2009 21:08
#2 RE: 1969 - Meine erste „Barfußbefreiung“ - bei mir viiiel später... Zitat · antworten

Hi Jörg,

danke für diesen herrlichen und erlebnisnahen Beitrag! Auch ich hatte so meine Erlebnisse in meiner Kindheit, an welche ich mich immer wieder sehr gerne erinnere - oft mit etwas Wehmut.

Zitat von Jörg 2
Bis zum 12. Lebensjahr war Barfußlaufen für mich nichts Besonderes, das heißt: es fand einfach statt oder eben nicht, ganz so, wie sich in einer Kindheit Dinge einfach abspielen, gewollt oder nicht gewollt, oder schon bald wieder vergessen sind.

Dann erinnere ich mich noch, als ich mit zwölf Jahren im Haus der Großmutter spielte, es war knallheiß und sie hatte eine Wasserwanne zum Planschen auf dem Rasen aufgestellt. Ich lief mit mehr oder weniger geschlossenen Schuhen herum, bis mich meine Mutter ermunterte, doch die Schuhe auszuziehen und barfuß zu laufen. Ich widersetzte mich, soviel Körperlichkeit war mir, zum Zeitpunkt der aufkeimenden Pubertät, peinlich und irgendwie indiskret. Aber den Keim zur Befreiung hatte die Mutter trotzdem gesetzt, denn auf einmal stand der Gedanke im Raum, dass es zumindest die Möglichkeit der „Befreiung“ gab, und es war nun einzig allein meine Entscheidung, was passieren würde. Sollte ich die Anregung der Mutter als elterliche Weisung verstehen, dagegen aufbegehren und mich widersetzen? Was ginge meine Mutter schließlich meine (zumindest teilweise) Nacktheit an? Solle sie sich doch um ihre eigenen Dinge kümmern! - Oder sollte ich ihre Worte als großzügiges Gewährenlassen verstehen, das mir einen Freiraum für eigene Entdeckungen eröffnen könnte?



Das mit der Wanne im Garten hatte ich auch erlebt. Meine Oma hatte eine schöne große Zinkwanne, welche sie im Sommer in den Garten hinausstellte und diesen mit Wasser füllte. Ich badete immer wahnsinnig gerne darin. Meine Oma hatte damals einen Garten, da hätte sich die Mainau fast verstecken können. Mittendrin planschte ich in der Wanne. Zu gerne denke ich noch an diese Zeit zurück. Wenn mein damaliger Schulfreund kam, und ich saß in der Wanne, war es meiner Oma nicht zu viel, eine zweite Wanne in den Garten zu stellen, damit mein Freund auch planschen konnte. So manche Wasserschlacht hatten wir damals gemacht, bis das Wasser fast alles draußen war. Na ja, die Blumen profitzierten davon .

BF bin ich damals leider nicht gelaufen. Weiß ich, ob dies daran lag, daß ich mich schämte, obwohl ich heute feststellen muß, daß es absolut keinen Grund gab und gibt, sich wegen BF zu schämen. Vielleicht lag es auch daran, daß einem seit der Kindheit suggeriert wurde, daß man Schuhe tragen muß, weil es sich eben so gehört. Das ist ein sehr fragwürdiger Grund pro "Schuhfuß". Andererseits wäre es damals bestimmt nicht schlimm gewesen, daheim bf zu laufen. Wir hatten einen sehr großen Garten rund um das ganze Haus mit großen Wiesen. War schon seltsam...

Zitat von Jörg 2
Die Mutter verschwand. Unter dem Vorsprung eines Balkons, im Schatten, im Schutz eines davor gestellten Brennholzstapels, hinter einem herabhängenden Sacktuch, hinter allerlei abgestellten Gartengeräten, in einer staubigen, dunklen Ecke entledigte ich mich meiner Schuhe und Strümpfe. Machte erste Gehversuche, als ob ich der erste Mensch auf dem Mond sei. Immerhin, es war 1969, das Jahr der Mondlandung. Einige Stunden später fand ich mich völlig unbefangen spielend im Garten wieder, war barfuß den steinigen, langen Hang bis hinab zum Bach gekraxelt und wieder zurück, hatte den lieben langen Sommernachmittag so verbracht, wie die Natur mich erschaffen hatte, ohne das es auch nur irgendjemanden gestört oder mich irgendjemand bemerkt hatte.



Hier hatte ich schon ziemliche Hemmungen. Ich kann mich auch noch sehr gut daran erinnern, als mein Cousin mit seinen Eltern - meine Taufpaten - uns besuchte. Ich war so ca. 8 Jahre jung, mein Cousin war etwa vier Jahre älter als ich. Wir spielten beide sehr viel in unserem Garten. Es war Sommer, und Albert, so hieß mein Cousin, zog alles aus und dafür eine Badehose an. So wollte ich es ihm nachmachen, denn irgendwie war er auch mein Vorbild, obwohl ich ein Mädchen war, doch reichte es nicht aus, daß ich wie er bf war. Auch eine Badehose hatte ich keine, so daß ich in meinem Slip herumrannte.

Zitat von Jörg 2
Als ich des Abends wieder von der Mutter angesprochen wurde, wie denn mein Tag gewesen sei, äußerte ich nur „nichts Besonderes“, schamhaft natürlich, denn ich hatte begonnen, mir ein Terrain zu erobern, das für meine Begriffe nur mit mir etwas zu tun hatte, mit niemandem sonst. So wurde die erste wirklich bewusste Barfußerfahrung eine eher verstohlene Angelegenheit, mit der knisternden Aura dessen, was wirklich nur mich persönlich betraf. Aber das war noch nicht die eigentliche Befreiung, noch lange nicht der Klick, der fürs ganze Leben bestimmend werden sollte. Der kam ein Jahr später…


Als Kind hatte ich leider mit BF nichts am Hut. Allerdings gab es eine Begebenheit, welche eine gewisse Heiterkeit und Skurrilität. Es war Sommer, und ich verspürte einen gewissen Drang, BF mal auszuprobieren. Hier kam es mir entgegen, daß unsere Wohnung im Parterre bzw. Tiefparterre lag (das Haus stand am Hang, so daß sich der hintere Teil der Wohnung zu etwa einem Drittel in Erdboden befand). Ich hatte ein Kleidchen an. Dann zog ich mir die Hausschuhchen aus - solch häßlichgraue knöchelhohe Filzlatschen, welche mit einem Reißverschluß über dem Spann versehen waren. So war übrigens die ganze Familie nebst Oma und Opa ausgestattet . Ich zog also diese Latschen aus und schwang mich bf aus dem Fenster. Ich schlich hinters Haus, wo die Fenster unserer Küche waren. Es war eine große Wohnküche, wo sich meine Mutter und mein Vater ständig aufhielten. Als ich dann an den Fenstern vorbei wollte, sah mich mein Vater. Schnell eilte ich wieder zu meinem Fenster, aus welchem ich gestiegen bin. Schwupps die Latschen auf die Füße gesteckt ging ich zu meinen Eltern in die Küche. Mein Vater meinte, er hätte genau gesehen, daß ich draußen bf war. Ich stritt das ab, wobei sich scheints eine hübsche Rotfärbung in meinem Gesicht bildete. Mein Vater meinte dann, er hätte doch meine "weißen" Füße gesehen. Der muß farbenblind gewesen sein, denn meine Mutter stärkte mir den Rücken: "Die hat doch keine weißen Füße" . So war das dann auch geklärt

Zitat von Jörg 2
Wieder war es Sommer, und ich hatte eine Einladung zu Verwandten nach Essen-Werden bekommen. Sie waren Mitarbeiter in der dortigen Jugendherberge, die etwas oberhalb des Ruhrtales auf einem bewaldeten Hügel liegt. Hier durfte ich die Sommerferien, sozusagen als familiärer Gast, verbringen. Es war schon ein hübsches Abenteuer, so ein großes Haus mit vielen jungen Gästen kennen zu lernen. Ich durfte auch einige Hilfsdienste im Hause übernehmen und kam mir ganz toll dabei vor. Meine Unterbringung erfolgte in einem kleinen Seitenzimmer, in welchem auch zwei Zivildienstleistende wohnten. Das Zimmer lag par terre, ein Fenster führte nach außen in den bewaldeten, großen Garten. Die Anwesenheit der Zivis war mir zunächst unangenehm, sie waren ja so um die 18 Jahre, und für sie war ich sicher unreifes Gemüse. Auch machten sie Sachen, die mir ganz fremd und unheimlich vorkamen. So schliefen sie etwa nachts nur mit Boxershorts bekleidet und mit nacktem Oberkörper. Also, so etwas hatte ich ja noch NIE getan!


So etwas war in meiner Kindheit auch undenkbar. Gut, in einer Jugendherberge war ich noch nie, auch nicht in einem Schullandheim oder so. Allerdings war ich einige Male im Sommer in einem Waldheim. Mit acht Jahren war es das erste Mal, und mir gefiel es dort überhaupt nicht. In den Jahren danach ging ich mit einen Schulfreund in ein anderes Waldheim. Dort war es echt cool. Wir hatten einen schönen großen Garten, wo wir zusammen Tischtennis spielten, Federball - vor allem wir Mädchen oder sonstigen Blödsinn machten. Wir hatten einen Jugendbetreuer, der von den jüngeren unter uns mit "Onkel" angesprochen wurde. In diesem Garten war es herrlich, seine Schuhe auszuziehen und bf herumtollen zu dürfen. Mit meinem "Onkel", der auf den Namen Axel hörte, machte ich immer Ringkampf, doch ich war immer unterlegen . Mit ihm ging es auch oft ins Bad, wobei er sich meistens die Schuhe auszog und als einzigster von uns bf quer durch die Stadt lief. Leider hatte es ihm keiner nachgemacht - auch ich nicht!

Zitat von Jörg 2
Nun gab es in der Jugendherberge nur ein Problem: abends war relativ zeitig das Haus abgeschlossen und die Gäste waren zur Hausruhe verpflichtet. Doch einerseits war ich kein gewöhnlicher Gast, und zweitens trieb mich etwas, die warmen Sommernächte im Freien sein zu wollen. Ich kundschaftete also aus, wie ich das Zimmer durchs Fenster nach außen verlassen könnte und so auf eigene Streifzüge gehen zu können. Hierzu nutzte ich ein paar Tage, an welchen die Zivis Heimaturlaub hatten. Zunächst kletterte ich im Pyjama aus meinem Etagenbett. Doch – im Pyjama würde ich unmöglich draußen herumlaufen können, oder etwa doch? Dann öffnete ich das Fenster und überwand etwas umständlich die Schwelle nach außen. Hier lag der Boden etwas tiefer als innen der Zimmerboden, so dass schon ein kleiner Sprung nötig war, um den Unterschied zu überwinden. Da stand ich nun, barfuß, im Pyjama, mit einer dreiviertel langen Hose und einem luftigen Oberteil bekleidet. Ich war draußen. Was jetzt?

Zunächst beabsichtigte ich, nur mal die nächsten Ecken rechts und links der Außenmauer auszukundschaften. Doch nach den Ecken folgten neue Ecken, kamen Plattenwege und Pfade durch den parkähnlichen Garten, kamen Wiesen und Sträucher, kamen…



Das kann ich mir schon recht spannend vorstellen. So etwas machte ich auch ganz gerne, wenn ich abends mal nicht schlafen konnte. Da ich das Zimmer nur für mich alleine hatte, war es kein Problem, dieses durch das Fenster zu verlassen. Bekleidet mit einer kurzen Sporthose oder Röckchen - sonst nichts - sprang ich dann um das Haus herum oder ging nebenan in den Park. In dem Park gibt es einen Brunnen. Dort stieg ich dann immer hoch und setzte mich oben hin, wobei ich dann meine nackten Füße ins Wasser hängen ließ. Sehr gerne planschte ich im Wasser herum.

Zitat
Schon bald war ich richtig unterwegs in dem riesigen Areal, das allerdings von einem Zaun begrenzt war. Nun wurde mir klar: wenn du weiter willst, musst du das Portal der Grundstückseinfahrt erreichen. Ich traf es in tiefer Dämmerung, doch menschenleer an. Die Grillen zirpten, und die duftende, warme Sommernacht wehte milde Luftwallungen empor. Ich war auf einer kleinen Landstraße. Verstohlen, unsicher, kein Mensch, kein Auto weit und breit. Unter den Füßen spürte ich den noch warmen Asphalt. Was tun, wenn jetzt ein Auto käme? Was würde passieren, wenn jetzt einer einen Zwölfjährigen im Pyjama nachts barfuß auf der Straße anträfe?
Ich war hin und hergerissen, aber etwas zog mich immer weiter: die Lust meiner nackten Füße zum Weiterlaufen. So kam ich bis zu einem Waldrand, wo jedoch von Ferne erste Straßenlaternen sichtbar waren. Das sollte genügen fürs Erste, ich kehrte um.


Was ich damals auch sehr gerne machte: wenn es Sommer und richtig warm war, war es etwas herrliches, bei einem Gewitterregen draußen bf zu laufen. Dies machte mir damals sogar Spaß - allerdings auch "geheim". Es konnte wie aus Kübeln schütten, ich bin mit meinem Pyjama draußen schön herumgelaufen. Neben meinem Zimmerfenster war oberhalb meines Fensters ein Balkon. Aus der Regenrinne dieses Balkons schoß das Wasser so richtig heraus und ergoß sich auf dem Boden. Ich stand dann tatsächlich im Pijama unter dieser Regenrinne und "duschte" - ganz ohne "Schauma Shampoo" . Wenn das meine Eltern gesehen hätten! Eijeijei! Klitschnaß stieg ich dann wieder durch das Fenster in mein Zimmer und hinterließ dann in meinem Zimmer eine entsprechende Spur. Ich holte dann Handtücher usw. und putzte dann das Wasser auf. Die nassen Klamotten verstaute ich dann in der Waschmaschine. Meine Mutter muß sich dann immer wieder gewundert haben, wo die nassen Klamotten herkamen bzw. warum die Klamotten so naß waren. Wenn sie mich fragte, meinte ich dann ganz einfach, ich hätte die Klamotten schon eingeweicht, weil sie so schmutzig waren. Das hatte sie mir bestimmt geglaubt ...

Zitat
Aufgewühlt kehrte ich an mein Ausstiegsfenster zurück, ebenso aufgewühlt verbrachte ich die Nacht; was mag nun das größere Ereignis gewesen sein: die Entdeckung einer neuen Umgebung allein durch mich, - oder die Entdeckung einer neuen Körperlichkeit am Beginn eines neuen Lebensabschnittes?
Die nächsten Nächte, so beschloss ich, sollten dergestalt vertieft werden. In der folgenden Nacht probierte ich es erneut, ging gleich zielstrebiger auf die Landstraße, von dort weiter über die befestigten Feldwege, hin und her, überall, wo es mich hinzog und meinen Sohlen Spaß machte, zu laufen. Doch eine gewisse Verstohlenheit verfolgte mich gleichsam, hatte ich mich doch heimlich vom Haus entfernt, ohne dass jemand von mir wusste. Was würde sein, wenn mir hier, nachts in der Fremde, etwas zustieße?



Stimmt, doch ich hatte mir nie Gedanken darüber gemacht. Ich bin auch sehr oft aus dem Fenster "gefüchtet". Meine zweite Leidenschaft war, nach starkem Regen im Garten in der nassen Erde herumzuspringen, so daß ich wirklich von oben bis unten voller Schlamm eingesaut war. Sehr oft schimpfte mich meine Mutter aus, denn schließlich war sie es, die diese stark verschmutzten Klamotten waschen mußte. Sie hatte ja eine Waschmaschine, doch dies war ihr egal. Dennoch hatte ich es immer wieder getan. Es war einfach herrlich. Ein bißchen ist sogar heute noch davon übriggeblieben, denn ich laufe auch heute noch sehr gerne durch Schlamm, so daß dieser schön durch die Zehen durchspritzt. Wo ich nämlich sehr gerne mal hin möchte, ist an der Nordsee im Watt wandern. Das muß wirklich ein ganz besonderes Erlebnis sein.

Zitat
Dann, am Folgetag, wurde alles noch ein wenig anders. Denn die Zivis waren schneller wieder zurückgekehrt, als ich dachte. Vielmehr war die Zeit des freien Wochenendes für mich höchst überraschend wie im Fluge vergangen; nun würde ich mich wieder mit meinem Zimmernachbarn arrangieren müssen.
Dennoch trugen die Zivis in gewisser Weise für mich zur Einzigartigkeit jener Sommertage und –nächte bei. Der Grund war ihre Musik, die mir damals ebenso neu wie befremdlich war, barg sie doch so offensichtlich unverblümt Sachverhalte wie Liebe und offen gelebte Sexualität in sich, so dass ich allen Grund hatte, meine Position zu den Dingen erstmalig auszuloten…
Da drangen Percy Sledge („When a man loves a woman“), Brigitte Bardot („Je t’aime“), Titel wie „California Dreamin“ aus den Kassettenrecordern. Draußen schrubbten Jugendliche der anwesenden Schulklassen „Let it be“ von den Beatles auf der Gitarre.



Mit den Beatles bin ich sozusagen groß geworden. Mit der Musikrichtung in richtung Hardrock konnte ich anfangs nicht viel anfangen. Dennoch wuchs meine Begeisterung sehr schnell, vor allem, als ich mit Freunden zusammen Deep Purple live in der Böblinger Sporthalle miterleben durfte. "Child in time", "Fools", "Fireball" usw. kannte ich mit der Zeit auswendig. Auch andere Bands wie Grand Funk Railroad - und vor allem Alice Cooper live in der Böblinger Sporthalle! Hmm, nun bin ich zu sehr in meine Erinnerungen abgedriftet.

Es stimmt schon: die schöne Zeit verrinnt wie im Fluge, doch darauf warten muß man eine Ewigkeit . So war das damals auch in "meinem" Waldheim. Ich fühlte mich sehr wohl dort, nur die blöde Mittagsruhe auf so komische Pritschen gefiel mir als besonders lebhaftes Kind überhaupt nicht. Ich war jedesmal froh, wenn dieser "Mist" vorbei war und es dann wieder in den Garten oder in den nahegelegenen Wald ging. Diese vier Wochen vergingen wie im Fluge.

Zitat
Dann, eines Abends, traf ich die Zivis wieder im Zimmer, wieder nackt und in Boxershorts. Jetzt wollte auch ich mich nicht lumpen lassen, zog meine Badehose an, tat es ihnen gleich, und dann spielten wir so Karten. Irgendwie gelang es mir, ihnen klarzumachen, dass ich abends noch etwas „Auslauf“ benötige und mir das Fenster als Ausgang erobert hatte. Sie nahmen es mit Gelassenheit zur Kenntnis, war ich doch eh ein Verwandter vom Chef. Von da an war es akzeptiert, dass ich mich abends öfter durchs Fenster „verabschiedete“. Und zwar, wie die größeren Jungs auch in ihrer Freizeit herumliefen, nur mit Boxershorts und barfuß. Bald lief ich auch lustvoll die langen, gefliesten Gänge der Jugendherberge entlang, die Linolböden und Natursteinböden in allen Trakten des weitläufigen Anwesens.

Wenn ich so durch den späten Abend und die Nacht pirschte, hatte ich das Gefühl, dass in mir Elemente des Urmenschen erwachten. Viel wendiger als mit Schuhen und Kleidern konnte ich lautlos und flink im Gelände umherschleichen. Von Mal zu Mal ging ich selbstverständlicher über den Asphalt der Landstraße und genoss es, wenn auf der Höhe der warme Sommerwind meinen Körper umspülte.



Dies hatte ich das letzte Mal in meinem Urlaub in Kroatien erlebt. Ich fuhr damals mit meinem Freund per Auto nach Kroatien und per Fähre auf die Insel Rab. Je nach Stimmungslage setzte ich mich abends ins Auto und fuhr alleine ohne meinen Kumpel auf die andere Seite der Insel. Dort war es menschenleer. Oben stellte ich dann mein Auto ab, entkleidete mich bis auf meinem Bikini und kraxelte dann zum Ufer herunter. Ich legte mich dann auf einen Felsen und schloß die Augen. Ich hörte nur die Wellen, wie sie gegen die aus dem Meer ragenden und zerklüfteten Felsen schlugen. Herrlich war es, wie die Meeresbrise meinen Körper umfaßte, die milde Luft ihn umspielte. Ich bin dabei sogar schon mal eingeschlafen, allerdings nicht so lange. Auf einen harten Felsen liegt es sich doch nicht gerade so bequem. Ich hätte wohl meine Matratze von meinem Bett aus dem Hotel mitnehmen sollen, doch die unten an der Rezeption hätten bestimmt etwas verwirrt aus der Wäsche geschaut .

Zitat
Das war der Durchbruch, sozusagen das Schlüsselerlebnis, das mich zum Gefühl der Ganzkörperlichkeit beim Barfußlaufen brachte, das den sprichwörtlichen „Suchtfaktor“ aufkommen ließ und mich den Rest des Lebens nie ganz verlassen hat.
Noch heute denke ich an jene Tage und Nächte am Rande der Jugendherberge zurück, und gehe die alten Wege im Geiste nach. Wenn ich heute, natürlich vor allem im Sommer, barfuß unterwegs bin, ist es daher auch immer eine Erinnerung und Zeitreise in eine Phase der Jugend, welche die Hinwendung vom Ich zum Selbst, zur Ganzheitlichkeit und eigenen Körperlichkeit mit sich brachte. So gesehen ist Barfußlaufen für mich das Eintauchen in die schönsten Zeiten der Kindheit und Jugendzeit; es ist das Ankommen auf der Erde, so, wie ich mich als Mensch von Natur aus auf ihr bewegen will, - fühlend, mit schwingendem Gang und nichts anderes als ein Teil von ihr.



Mein barfüßiger Durchbruch kam eines Nachts, als ich mit Espadrillos an den Füßen meine Zeitungstour machte. Irgendwann löste sich die Sohle des einen Espadrillos auf, und der Latschen baumelte wie Onkel Dagobert's Gamaschen an meinem Knöchel. Nun hatte ich keine andere Wahl, als meine Tour bf weiterzumachen. Wirklich furchtbar ! Ich hätte ja die Variante wählen können: den kaputten Latschen zu entsorgen und den zweiten anbehalten. So wäre ich zumindest halb bf gewesen . Nee, ich machte es noch viel raffinierter: ich entsorgte auch den kompletten Latschen. Es gab ja zum Glück Bushaltestellen, bei welchen es auch Abfalleimer gab. Dort disapperarten dann meine Latschen - und ein neues Lebensgefühl kehrte bei mir ein. Seitdem laufe ich nur noch bf - außer bei sehr starkem Frost. Dieses Jahr will ich dies noch toppen, indem ich bf durch den ganzen Winter - wird es denn einer - komme.

J.
____________
(c) Alle Rechte beim Autor


Viele Grüße - und jetzt habe ich es endlich geschafft,

Kerstin


Jörg 2 Offline




Beiträge: 938
Punkte: 927

05.12.2009 11:32
#3 RE: 1969 - Meine erste „Barfußbefreiung“ - bei mir viiiel später... Zitat · antworten

Hallo Kerstin,

danke für deine kreative und reflektierende Antwort. Ja, das scheint doch bei vielen Menschen zu sein, dass Barfußlaufen auch Erinnerungen an die Kindheit freisetzt. Bestimmt habe ich auch noch so alte Fotos, aber ich gefalle mir auf denen nicht.
Lieber sind mir die Bilder, welche sich in den Gedanken eingeprägt haben.
Ich überlege gerade, wie es mit meiner Bf-Entwicklung dann weiterging. Mal sehen, das wird dann sicher der Gegenstand eines neuen Beitrages...

Gestern war hier wieder Ethnoparty, gut besucht, und nahezu alle Gäste zogen freudig ihre Schuhe aus und tanzten barfuß. Sogar ein Pärchen so um die 30 war dort, und sie tanzte mit Stiefeln und er war gleich barfuß bei der Sache.
Ich habe es auch schon beobachtet, dass Frauen ihre mitgebrachten Männer (oder Begleiter) erstmal mit ein paar Bier abfüllen müssen, ehe sie soweit sind, die Schuhe auszuziehen. Szenen waren das, zum Schießen, aber eben auch menschlich...

Soo, jetzt ist mein Frühstückskaffee zuende und ich werde mal in den tag eintauchen...

Greez
J.


Manfred (Ten) ( gelöscht )
Beiträge:

05.12.2009 12:49
#4 RE: 1969 - Meine erste „Barfußbefreiung“ - bei mir viiiel später... Zitat · antworten

Zitat von Jörg 2
Hallo Kerstin,

danke für deine kreative und reflektierende Antwort. Ja, das scheint doch bei vielen Menschen zu sein, dass Barfußlaufen auch Erinnerungen an die Kindheit freisetzt. .Greez

J.

Danke für die schönen Beiträge !
Ja ja... Kindheit... seufz...
(War ich wirklich auch mal Kind ??? Ach, tlw. bin ich es ja noch heute !!!)

Und, Jörg: "Bestimmt habe ich auch noch so alte Fotos, aber ich gefalle mir auf denen nicht"

Wenn ich nicht so überaus charmant und das ganz gegen meine Natur wäre würde ich jetzt sagen: "Das Foto kann schliesslich nicht besser werden als das Original - aber im Zeitalter von Photoshop stimmt das ja auch nicht mehr.

Aber was willst du eigentlich ? Ich finde, diese schwarze Nase, die langen Ohren und das rote Halstuch stehen dir doch gut !
;-))

Übrigens - was mein Foto angeht: Ich bin der in der Mitte !


Jörg 2 Offline




Beiträge: 938
Punkte: 927

05.12.2009 14:38
#5 RE: 1969 - Meine erste „Barfußbefreiung“ - bei mir viiiel später... Zitat · antworten

Yeah!
J.


Jörg (FFB) Offline




Beiträge: 212
Punkte: 209

05.12.2009 18:50
#6 RE: 1969 - Meine erste „Barfußbefreiung“ Zitat · antworten

Hallo Namensvetter,

was für ein wunder- und stimmungsvoller Beitrag! Beim Lesen wurde ich gleich mehrmals an meine eigene Kindheit und frühe Jugendzeit erinnert; nicht von Deinen Erlebnissen her, sondern von den Gefühlen, die Du zwischen den Zeilen sehr gut vermittelst. Und die Beatles - ja; obwohl Jahrgang 67 habe ich starke Erinnerungen an die Fab 4, was einfach damit zusammen hängt, daß die Ermordung John Lennons in meine Pubertät fiel und die Radiosender monatelang Beatles-Lieder spielten. Es war der Anfang der zunächst nur musikalischen Emanzipation von meinen Eltern...

Für meine eigene Barfüßigkeit kann ich mich aber an kein Schlüsselerlebnis erinnern, vermutlich liegt das bei mir in früherer Kindheit, an die ich keine Erinnerung mehr habe. Auf jeden Fall sorgte die Erziehung (nicht nur die direkte meiner Eltern, sondern wohl auch die subtilere des gesamten sozialen Umfeldes: Schule, Freundeskreis, Nachbarschaft etc.) dafür, daß ich spätestens ab der frühen Pubertät barfuß nur noch im und ums Haus war; der Drang zum Barfußlaufen blieb aber immer latent da. Den ersten noch zaghaften Schub zu mehr Barfüßigkeit jenseits der eigenen Wände brachte mein Studium, das mich vor 20 Jahren in eine fremde Stadt brachte, den 2. Schub erlebte ich dann 5 Jahre später in Bayern mit Beginn meiner beruflichen Tätigkeit und der damit verbundenen finanziellen Unabhängigkeit sowie steigendem Selbstbewusstsein und den 3. und stärksten Schub brachte dann das HBF und die Entdeckung der deutschen "Barfuß-Community" vor 11 Jahren.

Serfuß,
Jörg

__________________________________________________


Jörg 2 Offline




Beiträge: 938
Punkte: 927

05.12.2009 22:14
#7 RE: 1969 - Meine erste „Barfußbefreiung“ Zitat · antworten

Zitat von Jörg (FFB)
Und die Beatles - ja; obwohl Jahrgang 67 habe ich starke Erinnerungen an die Fab 4...

Den ersten noch zaghaften Schub zu mehr Barfüßigkeit jenseits der eigenen Wände brachte mein Studium, das mich vor 20 Jahren in eine fremde Stadt brachte,...



Hi Jörg FFB,
jaja, die Musik der alten Zeit. Ich habe noch vieles im Ohr, besonders aus der Zeit, aber die Titel fallen mir nicht immer ein. Da war noch so ein Ding mit einer Hammondorgel zu Beginn, so richtig melancholisch im Stil der 60er und 70er....

Studium/Ortsveränderung als Chance für persönlichen Neubeginn: das ist ein ganz besonderes Fass. Dazu habe ich mir einen neuen Beitrag überlegt, der aber noch in meinem Kopf schwärt...

Liebe Grüße aus RLP
J.


Manfred (Ten) ( gelöscht )
Beiträge:

06.12.2009 07:32
#8 RE: 1969 - Meine erste „Barfußbefreiung“ Zitat · antworten

Zitat von Jörg 2
aber die Titel fallen mir nicht immer ein. Da war noch so ein Ding mit einer Hammondorgel zu Beginn, so richtig melancholisch im Stil der 60er und 70er.... J.

"in-a-gadda-da-vida" - Iron Butterfly ?

http://www.youtube.com/watch?v=2bQZ6l_cq5Y

jaja, der Alzheimer...
Ich mache mir immer Zettel (die ich dann nicht mehr wiederfinde)


Jörg 2 Offline




Beiträge: 938
Punkte: 927

06.12.2009 10:34
#9 RE: 1969 - Meine erste „Barfußbefreiung“ Zitat · antworten

Zitat von Manfred (Ten)
olisch im Stil der 60er und 70er.... J. ..."in-a-gadda-da-vida" - Iron Butterfly ?

http://www.youtube.com/watch?v=2bQZ6l_cq5Y

jaja, der Alzheimer...
Ich mache mir immer Zettel (die ich dann nicht mehr wiederfinde)



Hi,
nee nee, dat war es nicht, ganz langsam, fast religiöser Beginn, dann kommt da später so'n Typ mit Gesang, so ganz emotional und nicht so rockig. Fängt an wie Bach's "Air" (eigentlich "Aria").

Alzheimer: ich weiß nicht, was die Leute gegen Alzheimer haben. Ich werde mein Recht auf Alzheimer jedenfalls einfordern! Das Meiste kannst du heutzutage doch sowieso vergessen. Und mit Alzheimer kann ich endlich ungestraft herumalbern und herumgranteln, wie es mir beliebt und auch barfuß im Nachthemd auf die Straße laufen. Damit bin ich dann wieder in der Kindheit angekommen, - wir gehen eben alle an unsere Ursprünge zurück...

J.


Bildzitat: de.toonpool.com


Jörg (FFB) Offline




Beiträge: 212
Punkte: 209

06.12.2009 13:03
#10 RE: 1969 - Meine erste „Barfußbefreiung“ Zitat · antworten

Zitat von Jörg 2
Hi,
nee nee, dat war es nicht, ganz langsam, fast religiöser Beginn, dann kommt da später so'n Typ mit Gesang, so ganz emotional und nicht so rockig. Fängt an wie Bach's "Air" (eigentlich "Aria").


Hmmm, Orgel und Musik der 60er und 70er, da wäre ja eigentlich Jay der richtige, der spielt Orgel und ist rund 10 Jahre älter als ich. Aber raten darf man ja mal - wie wär's mit Procul Harum's "Whiter Shade of Pale"?

http://www.youtube.com/watch?v=PbWULu5_nXI

Serfuß,
Jörg

__________________________________________________


Jörg 2 Offline




Beiträge: 938
Punkte: 927

06.12.2009 15:34
#11 RE: 1969 - Meine erste „Barfußbefreiung“ Zitat · antworten

Hach, ja, dat iss et!

Das haben die Jungs damals in den Jugendherberge bis zum Erbrechen gedudelt, seh ich zum ersten Mal das Video. Haste aber gut analysiert, meine Beschreibung!
Dank, Dank, jetzt sind meine Memories wieder mal hinreichend bedient...

LG
J.


Leo Offline



Beiträge: 693
Punkte: 484

08.12.2009 18:41
#12 RE: 1969 - Meine erste „Barfußbefreiung“ Zitat · antworten

Hallo,

Ende 1967 war ich gerade in der Quarta, wie es damals noch hieß...

1969 in der JH wurde dagegen folgendes eher gedudelt:

http://www.youtube.com/watch?v=sHiMDB19Dyc

Das Thema interessierte mich mit damals 15 naturgemäß sehr:

http://de.wikipedia.org/wiki/Je_t%E2%80%...A6_moi_non_plus

Damals bereute ich das erste Mal, Latein statt Französisch als 2. Fremdsprache gewählt zu haben... Internet gab es nicht, und so war die Extase der Französisch-Parallelklasse für uns nicht aus erster Hand nachzuvollziehen.


Das 2. Mal war dann, als ich mich läppische 5km von meiner Wohnung am Studienort Aachen mit dem Fahrrad verfuhr, vom 3 Ländereck den falschen Abhang erwischte und im rein französisch-sprachigen Teils Belgiens landete, wo ich mich nicht verständigen konnte.

Als damaliger Diplom-Student hatte ich aber noch Zeit, nebenbei Französisch zu lernen - trotz bei den Romanisten erlangtem Phonetik-Schein aber viel schlechter als Englisch...

Die Latein-Vokabeln wie Impedanz oder Frequenz, für mein Fachgebiet habe ich dann im Elektrotechnik-Studium gelernt; Caesars Kriegs-Vokabular aus der Schulzeit war da kaum hilfreich... Anfangs war ich sehr dagegen, aber bei fremdsprachigen Artikeln mußte man impedance, impédance, impedanza oder frequency, fréquence, frequenza nicht extra lernen - aber im Gegensatz zu сопротивление oder частота...

Heute im Bologna-verschulten Bachelor-Master-System gibt es aber keine Gelegenheit mehr, solche Fehler der Sprach-Wahl fürs nützliche Leben zu korrigieren...

BF war damals an unserer Schule total unüblich, weshalb meine Füße noch ca. 30 Jahre auf ihre Bereiung warten mußten.


Gruß

Leo


Dominik R. Offline

Admin


Beiträge: 1.397
Punkte: 708

22.09.2014 01:46
#13 RE: 1969 - Meine erste „Barfußbefreiung“ - bei mir viiiel später... Zitat · antworten

Zitat von kerstin


Mit den Beatles bin ich sozusagen groß geworden. Mit der Musikrichtung in richtung Hardrock konnte ich anfangs nicht viel anfangen. Dennoch wuchs meine Begeisterung sehr schnell, vor allem, als ich mit Freunden zusammen Deep Purple live in der Böblinger Sporthalle miterleben durfte. "Child in time", "Fools", "Fireball" usw. kannte ich mit der Zeit auswendig. Auch andere Bands wie Grand Funk Railroad - und vor allem Alice Cooper live in der Böblinger Sporthalle! Hmm, nun bin ich zu sehr in meine Erinnerungen abgedriftet.



Hi Kerstin!

Deep Purple in Böblingen, das war aber nicht 1972, oder?

Hier ein Beitrag der Landesscau:

http://www.youtube.com/watch?v=ZMAtVenmJaU

Zum beömmeln: "internationale Hippie Gammel Uniform die die Masse erwartet"

Aber da hat er Recht: "...in purpurem Schein entläd sich die höllische Ekstase......" Genau so muß es sein!


Und noch ein schönes Fundstück aus dem FB dass ich euch nicht vorenthalten will:



Liebe Grüße,
Dominik

Es ist ausdrücklich erlaubt meine Beiträge hier, im gelben Forum:
http://www.hobby-barfuss.de/
zu zitieren und umgekehrt.








 Sprung  
disconnected Foren-Chat Mitglieder Online 1
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen