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 Barfuß und Leben
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Beiträge: 183
Punkte: 183

14.06.2009 14:32
Im Freisinger Dom Zitat · antworten

Archiv
Jay Verfasst am: 27.05.2009, 10:42

Hi,
für gestern hatte Michael aus Zofingen, der gerade in Bayern verweilt (Leo hatte ihm tags zuvor München gezeigt; Michael fuhr auch nach Penzberg, hatte sich aber vermutlich aufgrund seines geringen Interesses an BF-Parks dort nur kurz aufgehalten), den Wunsch geäußert, meinen Wohn/Firmensitz Freising & sogar meine Wenigkeit daselbst zu sehen. Der Wunsch fand Erfüllung, ich holte Michael mittags am Bahnhof ab & wir spulten das übliche Sightseeing-Programm ab (historische Altstadt, die hängenden Gartenanlagen von Weihenstephan etc. etc.). Für die größte Mittagshitze (es hatte 31°) war der Besuch des Freisinger Domes zweckmäßig & angesagt.

Wir aßen im Weihenstephaner "Bräustüberl" zu Mittag, unsere Hoffnung, den aus dem alten HBF bekannten Puma zufallshalber zu treffen (er arbeitet in der Nähe an den Uni-Instituten, das Treffen mit Michael war jedoch so kurzfristig & die Lunchtime derart unscharf anberaumt, daß ich ihn nicht informieren konnte), erfüllte sich nicht. Der Biergarten mit herrlichem Panoramablick auf das gesamte nördliche Freisinger Umland war leider wg. Umbau geschlossen & mit Baucontainern restlos verstellt (sodaß man aber auch gar nichts sehen konnte). Dies nötigte uns dazu, indoor zu speisen, wo vor allem Michael´s Hemdli von einigen der übrigen Gäste mit vielsagenden Blicken umso stärker bestaunt wurde.

Michael´s Hemdli ist echt der Hammer & völlig optimiert. Derlei könnte von meinem Vater oder meinen Großvätern in ihren Teenagertagen als Unterhemd getragen worden sein. Aus weißer Baumwolle, ist es mit ca. 5 mm breiten Bändchen an den Schultern aufgehängt & ist wirklich optimal, nicht zuwenig (es bedeckt eine sehr männliche, betont schlanke Brust) & nicht zuviel, ein hinreichend breiter Streifen unterhalb des Halses & eine ca. 10 cm hohe Zone oberhalb der Hüften geben halt schlicht & einfach den Blick auf einen Mann & seinen Bauchnabel frei. Für richtige Schweißabsonderung direkt in die Atmosphäre bei athletischer Activity & gleichzeitig dem Wunsch Rechnung tragend, nicht mit nacktem Oberkörper in gesellschaftliche Etablissements gehen zu müssen, eben völlig naturwissenschaftler- & ingenieurmäßig optimal!

Nach dem Lunch war dann die Besichtigung des Freisinger Domes an der Reihe. Dort wurde noch kräftig wiedererneuert, an den Marmorstufen der Treppe ins Mittel- & Hauptschiff pinselte ein Restaurateur die feine weiße Maserung sorgfältig mit irgendeiner Flüssigkeit ein. Wir fragten ihn vorsichtig: Können wir da durch, ohne Ihnen irgendwas zu verderben?
Kein Problem, wir stiegen ganz am Rande der Treppe ins eigentliche Innere der Kathedrale (um unser BF kümmerte sich der am Boden sitzende Kunstfachmann überhaupt nicht). Wir besichtigten alles im gesamten Hauptraum, auch die Seitenaltäre & -kapellen, selbstverständlich auch die größte Krypta Deutschlands. Damit fertig geworden, gingen wir durch eine Tür in den Bereich, der sich in die Wege zur Sakristei & zum Kreuzgang gabelte.
Dort befand sich auch eine Tür ins Freie, in deren Rahmen eine Gruppe aus 3 oder 4 ebenfalls handwerklichen, aber primitiver wirkenden Workers stand & sie wohl wg. der Hitze ständig aufdrückend offenhielt (einer von ihnen war relativ klein, hatte eine Art Malerkittel an, welcher jedoch seltsamerweise kaum oder nicht mit Farbklecksen übersät war & ein ausgeprochenes Vollmondgesicht).

Wir hatten sie zuerst gar nicht bemerkt.
Hinter unserem Rücken tönte es: "Hallo Sie! Ha´m Sie keine Schuhe?"

Ich drehte mich um, um zu sehen, wer da diese Zur-Rede-stellenden Sprechblasen 'rausließ & sagte in ruhigem, aber fest bestimmten Ton, um größtmögliche Überzeugungskraft bemüht: "Nein, das kann ich mir nicht mehr leisten."*

Das Mondgesicht druckste 'rum, suchte relativ undefiniert nach nach Worten a 'la [Das kann ja wohl nicht sein, was erzählen Sie da für einen Schmarn!]. Ich fuhr ihm über den Mund:
"Das Sozialamt zahlt´ s nicht mehr."

Im Mondgesicht machte sich eine Mischung aus Ärger & Ratlosigkeit breit: "Ach was!"

Ich hierauf, informierend: "In den Hartz IV-Sätzen ist´s auch nicht mehr enthalten."

An das, was das Mondgesicht jetzt replizierte, erinnere ich mich nicht mehr präzise, es war itgendetwas in der Richtung: Sie werden doch noch wohl von irgendwoher... [Schuhe bekommen]

Ich, ein wenig altväterlich, beruhigend & mit einem Hauch von Resignation über die verfallenden Sozialstandards unserer heutigen Gesellschaft:
"Das Arbeitsamt stellt auch keine zur Verfügung."

Das Mondgesicht wußte nun gar nicht mehr, wie es all' das bewerten solle. Seine danebenstehenden Kollegen, welche weder erkennbar "Mittag" machten noch irgendetwas arbeiteten, sondern Däumchen drehten, fingen nun auch an, 'rumzugrummeln über dieses [Zuviel an Freiheit, welches wir uns herausnahmen, was in einem Gotteshaus nicht angemessen sei]. Das Mondgesicht sah, daß es so nicht weiterkam, probierte es mit 'was anderem & wurde "polizeilicher":
"Wo kommen Sie her? Was wollen Sie hier?" (könnte auch gesagt haben: "Was suchen Sie hier?")

Ich, wieder harmlos informierend: "Hab' heute Sonderurlaub & vom Amt 1 Tag Ausgang bekommen. Wir möchten Kultur tanken" & fragte, mich betont höflich/kultiviert gebend: "Bitte, wo geht es denn zum Kreuzgang?"

Das Mondgesicht, gereizt & willig, die Debatte zu beenden: "Da geht´s lang! Aber auf zurück zu nehmen Sie einen anderen Weg!"

Wir gingen durch eine Tür in den Trakt, der sich zur Sakristei & in den Kreuzgang gabelte. Ich zeigte Michael das eine oder andere Grabdenkmal speziell von Freisinger Bsichöfen**, die durch ihre ausgeprägt soziale Ader & Wohltaten für die Armen legendär geworden waren. Wir besichtigten noch die integrierte Benediktuskirche mit ihren kunstvollen Farbmosaikglasfenstern, wofür wir sicherlich > 5 Minuten brauchten. Obwohl wir annahmen, daß sich unsere Gesprächspartner von vorhin woandershin begeben hätten (um z. B. irgendeine Arbeit aufnzunehmen), drückten wir die Tür zum ebenerwähnten Debattier-Ort ganz leise einen Spalt auf. Sie quatschten immer noch.

Darauf gefaßt, daß´s jetzt wieder Trouble geben würde, schlichen wir zunächst nahe an der Wand vorbei, um erst spätestmöglich gesehen zu werden & dem Gegner so wenig Reaktionszeit wie möglich zu gewähren. In Sichtweite gekommen, gingen wir zügig auf die Tür zum Hauptschiff des Domes zu & machten keine Anstalten, einen anderen Weg zu wählen als den, über welchen wir gekommen waren. Sofort war das Mondgesicht zur Stelle:
"Ich hab' doch gesagt, daß Sie einen anderen Weg wählen!"

Wir gingen flott weiter & ich sagte in sehr definitivem Ton, ohne mich im geringsten irritieren zu lassen: "Wir sind nicht von hier, kennen uns hier nicht aus & jetzt ist es*** sowieso schon passiert, auf die paar Sekunden kommt´s jetzt auch nicht mehr 'drauf an. Wir sind in wenigen Sekunden 'raus!"

Das folgende war nun nicht gänzlich unbrenzlig. Das Mondgesicht machte Anstalten, sich vor die Tür zu stellen & uns den Weg zu versperren. Michael, der bis dahin wenig oder kurze bestätigende/bekräftigende Statements gesprochen hatte, drückte die Tür auf, Entschlossenheit signalisierend, schlimmstenfalls durch das Mondgesicht hindurchzugehen & sagte barsch, laut, aber ohne wirklich zu schreien: "Beschweren Sie sich beim Papst!" - & durch waren wir, zügig in Richtung Orgel zum Hauptausgang strebend.

Jetzt war immer noch keine Ruhe. Die wutschnaubende Meute aus 3 oder 4 Gesichtern niederen Bildungsgrades verfolgte uns bis ins Kirchenschiff. Ich empfahl Michael, ostentativ Kniebeuge & Kreuzeichen zu machen (so hatte ich das jedenfalls in Kindestagen im Religionsunterricht gelernt), zumindest ich tat das dann. Die Meute war in Höhe des Sakristeigangs an der Treppe zum Hochaltar angekommen & glotzte nach uns.

"Und wenn Sie ein Kirchenschiff neu betreten & zum Altar schauen, machen Sie gefälligst ein Kreuzzeichen!" rief ich nach vorn. "Lernen Sie, wie man sich in einer Kirche benimmt!"

& draußen waren wir. Zum 1. Mal sah ich Michael richtig lachen, er lachte sich kaputt. Unsere Hoffnung, daß "sie" uns noch weiter verfolgen würden, um dann sehen zu dürfen, we wir in den in nächster Nähe stehenden größten aller 7er BMW einstiegen, erfüllte sich allerdings nicht.

Stil- & Etikette-Barfußgrüße, Jay
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*) diese Antwort war jedoch kein spontaner Einfalll, sondern ich hatte sie mir bereits zu Jahresbeginn für den nächsten Fall, in welchem es wg. BF Trouble gab, zurechtgelegt.

**) später wurde dann nach 1803 das Erzbistum München & Freising daraus.

***) gemeint war BF in der Kirche.


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