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Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

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Dieses Thema hat 9 Antworten
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 Barfuß und Leben
Saalenixe-Halle ( gelöscht )
Beiträge:

15.08.2010 20:02
Barfuss auf der Pirsch Zitat · antworten

.

Ihr habt richtig gelesen: heute war ich barfuss auf der Jagd. Keine Sorge, möglicherweise mitlesende Langohren, auf Hasen hatte ich es nicht abgesehen. Dennoch, wenn man so abgebrannt ist wie ich bleibt nichts Anderes, als im Wald nach Essbarem zu suchen.

Bereits vor einigen Wochen hatte ich mir abgewöhnt, auf kurzen Strecken – zu denen gehören auch meine längeren Wochenendspaziergänge mit dem treuesten meiner anwesenden Gefährten – Sandalen oder sonstige Fußbekleidung als Sicherheit mitzunehmen. Besonders seit den letzten beiden Urlauben, jeweils eine Woche, sind die Sohlen zunehmend robuster geworden. Kleine Steinchen pieksen zwar, doch im Großen und Ganzen lässt es sich ganz gut laufen so. Und um das Spüren von so manchem Stachel bin ich ganz froh, die Hoffnung auf derartiges Gefühl in den Füssen gab es vor sechs Jahren nicht.

Bei dem feuchtwarmen Wetter müssten sie ja schießen – die Pilze aus dem Boden. Das Gebiet, wo wir am Wochenende immer unterwegs sind, kenne ich schon aus Jugendtagen. Es war eines der bevorzugten Reviere von meinen Eltern und uns drei Kindern. Damals strömten wir sternförmig aus, jeder von uns (2 Brüder und ich mittendrin) wollte möglichst viel nach Hause schleppen, sehr zum Leidwesen unserer Mutter die nicht immer von dem zu putzenden Pilzberg begeistert war.

Über einen Feldweg, mit wenig Kies und viel Erde, die der Sohle schmeichelt, ging es in die Wälder ums Feilenmoos.

Weicher Sandboden ist hier, ideal für das Wachstum eines Mischwaldes aus Kiefern, Lärchen und Laubbäumen. Darunter verschiedenste Moose, eines weichere als das andere, und eine hervorragend Tarnung besonders für die Maronen, die sich gerne dazwischen verstecken. Ihr braunen Kappen übersieht man leicht, wenn man nur oberflächlich darüber blickt.

Hasso hat inzwischen auch eingesehen, dass es wenig Sinn macht wie ein Ochse zu ziehen, seit er einmal zurück musste ins Auto. Ist auch gut so, denn ein barfüssiger Spaziergang im Wald erfordert auch ohne Suche nach was zum Futtern die ganze Aufmerksamkeit. Es ist nicht nur das Totholz, schnell ist man unglücklich auf einen Stecken getreten. Vor allem sind es die überall rankenden Brombeertriebe. Während ich mit Schuhen einfach weiter gehen würde, und dabei vielleicht die Pflanze mitsamt den Wurzeln ausreißen würde, heißt es jetzt: zwei Schritte vor, und einen zurück. Fast wie in meinem bisherigen Leben, immerhin schon fast ein halbes Jahrhundert lang.

Die ersten Lärchenröhrlinge stehen mitten auf dem Weg, bevor ich sie mit dem Stiel aus dem Boden drehe mache ich ein Foto. Schon wieder.. nein kein Lärchenröhrling, sondern meine Gedanken die abschweifen. Ja hört das denn nie auf, noch nicht mal beim Schwammerlsuchen kann ich abschalten. Wie sollte ich denn, war es doch auch so ein Wald wie dieser der mein logisches Denkvermögen vorübergehend etwas gedämpft hatte. Bis auf den Umstand, dass dort deutlich mehr Buchen standen war die Landschaft ähnlich.

Überleben in der Natur, da hätte ich gewiss keine Probleme. Neben bekannten und weniger häufig vorkommenden Pilzen sind mir die meisten Wildgemüse geläufig, von denen sich unsere Vorfahren in schweren Zeiten, z.B. während und nach den Kriegen, ernährt hatten. Und genau daran musste ich im Wald hinterm Manchinger Flughafen denken, wo ich heute auf der Pirsch war. Langsam, Hasso – nicht so schnell, das tut ja weh mit dem Gestrüpp. Das fetzt mir die Haut an den Waden auf, wenn ich nicht aufpasse.

So ein Biest aber auch. Kannste nicht wen anders beißen? Eine Bremse bezahlte ihre Gier nach meinem Blut mit ihrem Leben. Mein geübter Blick suchte den Waldboden ab. Etwa fünfzig Meter vor mir, direkt an einem abgestorbenen Baumstamm sah ich zwei hellbraune Hügelchen, auf die Ferne sahen sie beinahe aus wie kleine Sandhügel. Das mussten wir uns näher ansehen. Ganz vorsichtig, mein Junge – auch wenn mein Hund sonst manchmal schwerhörig ist, diesmal folgte er meinem Wunsch.

Was wir vorfanden, erfreut das Herz eines jeden Schwammerlsuchers: Zwei schöne große fette Hennen, in den Pilzbüchern allgemein als Krauseglucken beschrieben. Mit dem Messer, das ich bisher nicht benötigt hatte, stach ich tief in das Moos und trennte die Pilzkörper direkt an der Bodenoberfläche von ihrem unterirdischen Geflecht. Das reichte – der Stoffbeutel war voll. Für die nächsten beiden Tage brauche ich mir zumindest mal keine Sorgen um das Abendessen zu machen.

Sorgen mache ich mir eher, dass ich manchmal wie ein Schlafwandler barfuss durchs Leben laufe.

Lg Saalenixe


Jörg 2 Offline




Beiträge: 938
Punkte: 927

15.08.2010 21:19
#2 RE: Barfuss auf der Pirsch Zitat · antworten

Das klingt ja vollmundig. Wärst du nicht so weit weg, hätte ich mich jetzt für ein Pilzessen eingeladen. Jedenfalls ein netter Beitrag.
J.


Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.923
Punkte: 794

15.08.2010 22:35
#3 RE: Barfuss auf der Pirsch Zitat · antworten

Hi Renate,

toller Beitrag. Von Pilzen versteh' ich leider nix, weshalb ich mir nur auf dem Wochenmarkt oder im Supermarkt hin und wieder welche hole. Barfuß durch den Wald zu gehen, ist freilich ein tolles Gefühl - nur von Brombeerranken muß man sich fernhalten.

Barfüßige Sommergrüße,
Markus U.


Saalenixe-Halle ( gelöscht )
Beiträge:

16.08.2010 19:37
#4 RE: Barfuss auf der Pirsch Zitat · antworten

Leider hab ich ausser Pilzen auch was anderes eingefangen, wie sich erst heute herausgestellt hat. Kleiner Trost - Schuhe hat das Biest nicht an - doch eins ist klar: der Zeck muß weg. Und zwar heute noch.

Barfüssige Waldspaziergänge lasse ich mir aber nicht vermiesen von solchen Tierchen.

lg Saalenixe


Jörg 2 Offline




Beiträge: 938
Punkte: 927

16.08.2010 20:30
#5 RE: Barfuss auf der Pirsch Zitat · antworten

Oooh, lass die Zecke selbst untersuchen! Und zwar ans (auf Zeckenerreger) spezialisierte Labor Laser in Köln http://www.labor-koeln.de/

Kost ein paar Euro, aber dann hast du zum frühest möglichen Zeitpunkt Klarheit.
Bedenke: bei Borreliose und FSME ist es so: wenn die Krankheitszeichen da sind, ist die Krankheit schon hoffnungslos im ganzen Körper verteilt und die Gefahr irreversibler Schäden sowie chronischen Verlaufes ist hoch.

Links und Infotelefon:

www.bfbd.de

Kannst mich bei Rückfragen auch gerne ansprechen.
Gruss
J.


Engel Offline

Admin


Beiträge: 1.438
Punkte: 666

18.08.2010 05:21
#6 RE: Barfuss auf der Pirsch Zitat · antworten

Schöner Bericht.

Jetzt hab ich richtig Lust auch mal wieder in die Pilze zu gehen. Ich glaub das hab ich schon seit 3 Jahren net mehr gemacht.
Leider sind die für Pilze geeigneten Wälder bei uns dünn gesäht, wegen der hier gepflegten Monokultur von Nadelhözern. Somit ist die Vielfalt der Sorten recht gering.

Gruß Engel

http://www.bbq-county.de/shop/index.php

http://www.mysaarbq.de/index.php?sid=5cb...6029bf3f8853c17


Saalenixe-Halle ( gelöscht )
Beiträge:

18.08.2010 06:44
#7 RE: Barfuss auf der Pirsch Zitat · antworten

Hallo Engel,

so genau weiss ich zwar nicht wo du wohnst, doch entgegen der allgemeinen Auffassung wachsen Speisepilze nicht nur in Mischwäldern. Die Maronen und Steinpilze lieben eh den Nadelwald mehr, und an den Rändern und auf Lichtungen gibt es so allerhand anderes. Für dich als Grillmeister interessant sind sicher die Parasole (recht häufig an Waldrändern zu finden, er mag es auch trocken) und Reizker (der mag es sonnig, gerne auch feuchte Böden. Sowas auf dem Grill - lecker. (Besonders die großen Schirme des Parasol)

lg Saalenixe


Engel Offline

Admin


Beiträge: 1.438
Punkte: 666

19.08.2010 09:35
#8 RE: Barfuss auf der Pirsch Zitat · antworten

Hi Nixe,
ich weis das auch Nadelwälder reizvolle Pilze zu bieten haben, aber wie erwähnt ist die Vielfalt dort wesentlich geringer.
Ich wohne im Schlehen- und Heckengäu an der Nordgrenze des Schwarzwaldes. Hier ist eigentlich alles so steril "kultiviert", das Pilze u.ä. am Waldrand fast keine Chance haben.

Ich habe schon immer sehr gerne Pilze gesammelt, aber seit meinem 5ten Lebensjahr hab ich keinen mehr gegessen, weill ich mich da mal an Pilzen regelrecht überfressen hatte.
Erst seit ich im letzten Jahr richtig mit der Grillerei angefangen hab und es sehr viele gute Pilzgerichte für den Grill gibt, esse ich wieder Pilze, und das mit Begeisterung.

Gruß Engel

http://www.bbq-county.de/shop/index.php

http://www.mysaarbq.de/index.php?sid=5cb...6029bf3f8853c17


Saalenixe-Halle ( gelöscht )
Beiträge:

07.09.2010 04:35
#9 RE: Barfuss auf der Pirsch Zitat · antworten

.


Und so sahen die Schwammerl aus, nachdem sie in die Pfanne gehauen wurden:







Huch – was is das denn? Ne fette Henne bestimmt nicht.

Oh oh, da hab ich doch glatt die Bilder vertauscht. Die stammen bestimmt nicht aus den Wäldern im Feilenmoos – eher schon im Buchenmischwald weit weit weg in St. Irgendwo.

http://menschenwuerdig-leben.spiogent.com/


Guy Offline




Beiträge: 18
Punkte: 18

07.09.2010 11:06
#10 RE: Barfuss auf der Pirsch Zitat · antworten

Hallo Saalenixe, willkommen im Club der Barfusspirscher. Bei mir gings fast umgekehrt: ich habe im Wald das Barfusslaufen angefangen und wage mich nur seit kurzem auch im Dorf oder in der Stadt herumzugehen. Im Gegenteil zu dem was man denken kann ist der Boden im Wald meistens ganz angenehm, die festeren Wege mit Kies oder Schotter sind eigentlich viel schlimmer. Hier im Mittelmeerraum, ist der Wald sehr buschig gegenueber den noerdlichn Waeldern mit wenig Unterwald (ich kenne deutsche Waelder von meiner frueheren Jaegerzeit), mann kann also nicht ueberall gehen und es gibt reichlich "Rovi" also diese langen dornigen Pflanzen die immer wieder uns, wie Stacheldraht, den Weg sperren, besonders am Waldrand. Die sind nichteinmal so schlimm fuer die Fusssohlen, nein, sehr schlimm sind sie fuer den Rest des Koerpers, besonders wenn man gerne nackt oder fast nackt pirscht, wie ich es gerne tue: man kommt ganz schoen zerkrazt nach hause. Bei meinem letzten Ausflug, vor ein Paar Wochen, deckte ich etwa 4 Km in knapp mehr als einer halben Stunde, weil ich vom Anfang bis zum Ende von einer Wolke Viehbremsen verfolg wurde. Ich bin also fast gerannt und paddelte mit den Armen wie ein Ventilator um die Vieher entfernt zu halten. Das ist typisch vom spaeten Sommer ... dann ist es viel besser bei Nacht, wenn dich nur die Muecken plagen. Ich liebe es viel mehr im Winter zu wandern ... ueberhaupt kein Ungeziefer zu fuerchten. Zecken sind hier nur im Fruehling ein echtes Problem: im Maerz machte ich einen wunderschoenen Spaziergang und legte mich irgendwann nackt im Gras auf dem Bauch ... wahrscheinlich gerade auf der Jahresversammlung eines oertlichen Zeckenvereins: am naechsten Tag fand ich 8 Stueck auf mich fest eingebissen und es folgten eine Woche Behandlung mit Antibiotiker und 40 Tage Furcht wegen der viralen FSE. Im winter lege ich mich gerne hin und blicke ins sternige Himmel.
Pilze habe ich auch einmal gefunden ... das bloede ist, dass man beim kleiderlosen Pirschen keine Taschen hat, so konnte ich nur so viele Pfifferlinge sammeln wie ich in meinen Haenden tragen konnte. Leider ist es mir soweit noch nicht gelungen eien Freund, bzw. eine Freundin zu ueberreden mit mir einen solche Ausflug im Wald, bei Nacht, zu machen.


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