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 Barfuß und Leben
Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 670
Punkte: 248

26.11.2018 05:01
Zürich nach dem Museumsbesuch Zitat · Antworten

Hallo,
ich hatte den barfüßigen Besuch im Zürcher Landesmuseum hinter mir. Überraschenderweise hatte sich der Hochnebel während meines Museumsbesuches fast aufgelöst, die Sonne kam durch, aber es blies weiterhin ein kalter Ostwind. Also kein Grund, mit dem nächsten Zug nach Hause zu fahren, sondern noch durch die schöne Stadt zu gehen. Durch verschiedene Altstadtstraßen mit Kopfsteinpflaster (ob darunter der Strand lag, wie ich auch im Museum irgendwo gelesen hatte?) vorbei an Peters- und Fraumünsterkirche ging ich in Richtung Quaibrücke, überquerte sie und folgte dann der Seeuferpromenade in Richtung Tiefenbrunnen.

Wie unterschiedlich doch der Vermummungsgrad der Leute war! Manche (speziell Kinder) waren bereits wie im tiefsten Winter gekleidet mit Thermojacken, Moonboots und fetten Wollmützen. Andererseits waren aber auch einige Frauen in Leggings und Flipflops unterwegs. Auch Träger von unlangen Hosen waren noch zu sehen, nicht nur Jogger, Velofahrer oder sonstige Sportler, sondern auch einige Jugendliche mit Mützen und Stiefeln. Und Barfüßer? Noch nicht, aber nicht mehr lange. Erst mußte ich noch die Promenade weitergehen, die nicht überall ideal barfuß begehbar war. Dann wurde es schlagartig besser, weil ich alternativ direkt am Ufer über Sandsteinplatten gehen kann, wie im Elbsandsteingebirge. Dann kam ich zu der Stelle, wo man über runde Platten einen Teich überschreiten konnte, selbstverständlich ging ich auch dort. Eine Mutter und ihre kleine Tochter gingen auch hinüber, also mußte ich hinterher schleichen. Beide hatten mich nicht gehört, da ich mangels Schuhen leiser war als andere. Erst am Ufer konnte ich sie überholen. Als das Mädchen meine nackten Füße erblickte, sagte es: „Barfuß! Der erkältet sich doch.“ Darauf die Mutter: „Nein, der erkältet sich nicht. Das ist gesund für die Durchblutung.“ Das hätte sie vielleicht lieber nicht sagen sollen, denn prompt sagte das Mädchen: „Gesund? Wenn das gesund ist, dann will ich auch barfuß!“ Wenn ich langsamer gegangen wäre, hätte ich vielleicht noch mitbekommen, was die Mutter darauf gesagt hatte.

Wie hätte das „gesundheitsbewußte“ Mädchen wohl reagiert hätte, wenn es das mitbekommen hätte, was wenige hundert Meter weiter geschah? Nachdem ich am Schiffsanleger und Restaurant Zürichhorn vorbei war, befand ich mich auf dem Gelände des Freibads Tiefenbrunnen. Da waren doch tatsächlich zwei Männer, nur mit Badehose bekleidet, aus dem Wasser gekommen. Schnell zogen sie einen Bademantel über wegen des scharfen Windes. Das wollte ich mir aber nicht antun. Zum einen hatte ich weder Badehose, noch Handtuch dabei. Und im 2zeh-Outfit wollte ich bei dem Publikumsverkehr auch nicht rein. So beschränkte ich mich damit, lediglich soweit ins Wasser zu gehen, daß ich gerade eben keine nassen Hosensäume bekam. Dann begab ich mich zur Terrasse, die in der Sonne lag und im Windschatten. Hier konnte ich mich meiner Jacke entledigen (aber das T-Shirt mußte ich anbehalten, so warm war es auch wieder nicht).

Es schwamm auch eine Gruppe von Leuten vorbei, die jedoch Froschanzüge trugen. Auf zwei Stand-up-Paddler (ein Mann und eine Frau) waren noch auf dem Wasser. Auf sie trugen Neoprenanzüge, aber immerhin war die Frau barfuß. Ich blieb solange auf der Terrasse, bis die Sonne hinter den am gegenüberliegenden Seeufer liegenden Bergen verschwand, dann ging ich am Seeufer zurück zur Quaibrücke und dann weiter zum Großmünster, das ich betrat (keine negative Reaktion wegen barfuß oder kurzer Hose). Dann wanderte ich einige Straßen bergauf und gelangte so zur Bergstation der Polybahn (die um diese Uhrzeit nicht mehr verkehrte).
https://de.wikipedia.org/wiki/Polybahn

Hier hatte ich einen schönen Ausblick auf die Stadt, während es dämmerte. Ich schritt Treppen hinunter Richtung Central, wo es beim dortigen „Tramdurrenand“ und dem regen 4radverkehr gar nicht ganz ungefährlich war, zum Niederdorf zu gelangen, wann gibt es endlich eine Unterführung für Fußgänger? Im Niederdorf wimmelte es mittlerweile von vielen Leuten, manche starrten mich ungläubig an, wie ich barfuß und in kurzen Hosen übers Kopfsteinpflaster schritt. Ich begab mich zum Bahnhof Stadelhofen, wo ich eine Treppe hinaufschritt. Oben lungerten Besoffene herum, ich hörte auch Glas klirren und vernahm eine lallende Stimme: „Geiler Siech!“ Ich vermute mal, daß das Glas aus Unachtsamkeit zu Bruch ging und nicht, weil sich die Leute dran aufgeilen wollten, wenn ich mir die Füße zerschnitt. Ich ging eine andere Treppe wieder hinunter in Richtung Quaibrücke, die ich überquerte. Da ich bis zur Abfahrt meines Zuges noch etwas Zeit hatte, ging ich nicht direkt zum Hauptbahnhof, sondern noch ein Stück am „anderen“ Zürichseeufer entlang, also nicht Richtung Tiefenbrunnen, sondern Richtung Wollishofen. Hier hatte ich einen schönen Ausblick auf die hell erleuchtete Silhouette der Stadt, auch fuhr gerade ein Schiff über den See, um am Bürkliplatz anzulegen. Zürich ist auch im Dunkeln schön. Da es aber windig war, konnte ich nicht länger am See verweilen, sondern wanderte zurück, um dann durch die Bahnhofstraße zum Hauptbahnhof zu gehen. Ab und zu überholte mich ein Tram oder kam mir entgegen, und auch hier wurde mir wieder die alberne K-Frage gestellt.

Den Interregio um 18:08 Uhr erreichte ich knapp. Der Zug war gerammelt voll, so daß ich nur einen Stehplatz bekam. Aber bis Lenzburg ging es recht schnell. Meine Fahrkarte wurde an diesem Tag kein einziges Mal kontrolliert. Meine S-Bahn nach Zofingen wartete bereits. In Safenwil betrat eine ca. 40jährige schwarzhäutige Frau den Zug, während sie in einer mir völlig fremden Sprache auf dem Handy telefonierte und sich mir schräg gegenübersetzte. Erst als sie ihr Telefonat beendet hatte, hatte sie mich und meine Aufmachung registriert. Sie streifte sich ihre Sandalen von den sokkenlosen Füßen (ansonsten war sie winterlich gekleidet) und sagte auf Englisch: „Barefoot, cool!“ Schon klingelte ihr Wischphon, und sie telefonierte erneut, und zwar sehr temperamentvoll. Ich verstand zwar kein Wort, aber die ganze Zeit war sie am Lächeln. Es war ein freundliches, natürliches Lächeln, was ich sonst nur von Kindern kenne. Dabei bewegte sie rhythmisch ihre Beine, ihre Füße und ihre Zehen, als ob sie im Sitzen tanzen würde. Sie telefonierte, bis der Zug Zofingen einrollte. Während ich mich mit Jacke und Rucksack beschäftigte, ging sie, die Sandalen in der Hand tragend, zur Tür, so stieg sie auch aus. Aber nach wenigen Schritten schlüpfte sie doch wieder in die Sandalen. Das Thermometer auf einem Fabrikdach zeigte +2°C. Da ist es sicher keine Schande, wenn es barfuß zu kalt ist. Sokkenlos in Sandalen schafft bei den Temperaturen ja auch nicht jeder und ist daher bewundernswert. Ich hörte von irgendwo Geglotter und eine männliche Stimme, konnte aber nicht herausfinden, woher: „Der N…..in ist es wohl zu kalt ohne Schuhe, soll die doch zurück in die Wüste.“ Die Frau ließ sich von dem fremdenfeindlichen Gewäsch nicht beirren, vielleicht verstand sie das auch für mich nicht deutlich verständliche Schweizerdeutsch nicht. Verstand sie überhaupt deutsch? Zügig ging sie auf die Treppe zu und hinunter, ich etwa im Abstand von 5 Metern hinterher. In der Unterführung trennten sich unsere Wege, sie wollte Richtung Altstadt, ich Richtung Veloständer. Die Frau drehte sich noch nach mir um und sagte lächelnd: „Bye bye!“, was ich auch auf Englisch erwiderte. Ob Es war sternenklar, als ich nach Hause radelte.

Das Züricherlebnis verfolgte mich noch im Schlaf. In der folgenden Nacht träumte ich, daß ich zusammen mit der dunkelhäutigen Frau in der Züricher Bahnhofstraße auf der Flucht war, verfolgt von begummiknüppelten Polizisten in der Uniform der 68er Jahre und von der Schweizer Armee von 1918, angeführt von General Wille. Am Bürkliplatz wollten wir mit dem Schiff weiter, aber kein Schiff fuhr, da der Zürichsee zugefroren war (das geschieht in Wirklichkeit nur selten). Also liefen wir barfuß übers Eis, die Polizisten liefen am Ufer Richtung Tiefenbrunnen, die Soldaten am anderen Ufer Richtung Wollishofen. Komischerweise war das Eis nicht kalt, sondern „angenehm kühl“ wie Tau an einem Morgen im Mai unter den nackten Füßen. Ab und zu rutschten wir aus, aber es schmerzte nicht, sondern fühlte sich an, wie wenn man auf einer Gummimatte stürzte. Und immer lächelte sie, ihr schien das Stürzen Spaß zu machen. Auch war das Wetter alles andere als winterlich, es war sogar sommerlich warm. Als wir Rapperswil erreichten, sahen wir, daß das Ufer „uniformfrei“ war, also gingen wir an Land. Den Grund für die Verfolgung durch die Obrigkeit hatte ich nicht registriert, bis die Frau mich anlächelte und sagte (das einzige, was sie gesagt hatte): „Two toes, it’s cool, man!“ Schweißgebadet wachte ich auf. Was für einen Quatsch habe ich da mal wieder zurechtgeträumt.

Schöne Grüße

Michael aus Zofingen


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