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Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

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Dieses Thema hat 12 Antworten
und wurde 443 mal aufgerufen
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 Barfuß und Leben
Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 670
Punkte: 248

26.11.2018 19:41
Rückfahrt aus Zürich Zitat · Antworten

Hallo,

am Sonntag den 18. November 2018 hatte ich die barfüßige Wanderung durch Zürich fast beendet, der Hauptbahnhof war zum Greifen nahe, während ich an einer roten Ampel wartete. Vor mir an der Ampel wartete auch ein ca. 65jähriger Mann. Er trug eine Lederhose, die gerade eben das Knie bedeckte, einen dicken Wollpullover, eine „Helmut-Schön-Mütze“ sowie Crocs ohne Sokken. Seine Waden waren mit Krampfadern (oder waren es Verletzungen? Im Licht der Straßenlampen konnte ich es nicht erkennen) übersät. Beim Überqueren der Straße merkte ich, daß der Mann stark hinkte und das Gehen ihm offensichtlich schwer fiel. Ich ging weiter zum Hauptbahnhof. Als ich durch die Haupthalle schritt und nach rechts zu „meinem“ Gleis abbiegen wollte, stellte ich fest, daß ich dort 4 korpulente Bahnpolizisten breitgemacht hatten. Also ging ich kurzentschlossen geradeaus auf einem Bahnsteig weiter, um dann durch die Unterführung zum von mir gewünschten Bahnsteig zu gelangen. Eine gewisse „Schadenfreude“ konnte ich mir nicht verkneifen.

Da der Regioexpreß nach Aarau, der um 18:38 Uhr abfahren sollte, in Zürich eingesetzt wurde, stand er schon jetzt am Bahnsteig und war noch ziemlich leer (was sich noch ändern sollte). Als ich das Oberdeck erreichte, wurde ich plötzlich von einem Ehepaar angesprochen. Beide arbeiteten früher in derselben Firma wie ich, er ist jetzt vorzeitig pensioniert, sie arbeitet in einer Berufsschule. Sie waren auf dem Weg nach Hause (Lenzburg). Ich setzte mich zu ihnen. Meine Aufmachung kommentierten sie (anfänglich) gar nicht. Wir sprachen überwiegend über Zustände in der Firma. Fast nebenbei erwähnten sie, daß sie an diesem Tag im Landesmuseum waren worauf ich antwortete, daß ich einen Tag eher dort war. Dann plötzlich sagte sie: „Michael, du bekommst Konkurrenz! Beat, siehst du dort?“ Weder Beat, noch ich begriffen, bis sie aus dem Fenster zeigte, wo gerade der Mann mit unlanger Lederhose und Crocs ohne Sokken der Zugtür entgegenhumpelte. Ich entgegnete: „FAST!“ Der Mann bestieg den Zug und setzte sich nicht weit von uns entfernt.

Plötzlich sprach Beat: „Diese verdammten Schroter haben wohl nichts Besseres zu tun als hier rumzuschleichen. 4 bewaffnete Wichtigtuer, nur um die Kontrolleure bei der Billetkontrolle zu begleiten. Das ist unverhältnismäßig. Findest du nicht auch, Margret?“ Ich sah die 4 Bahnpolizisten. Dann sagte Margret, mehr im Scherz: „Nein, die suchen Michael.“ Zwei der Bahnpolizisten stiegen ein, zwei blieben draußen. Sie gingen auf den Mann zu und fragten ihn: „Wieso sind Sie barfuß und ohne Hose unterwegs?“ Der Mann antwortete: „Ich trage doch Schuhe und eine Lederhose!“ Darauf der gewichtigere der Bahnpolizisten. „Ein normaler Mann trägt keine Lederhose außer beim Motorradfahren und beim Oktoberfest. An anderen Orten ist es unpassend. Ebenso sind nackte Beine und Füße bei erwachsenen Männern unanständig anderen Leuten gegenüber, allein schon wegen der Kinder. Bei Frauen und Kindern sieht das gut aus aber nicht bei Männern! Kommen Sie mit!“ Der Lederhosenmann sagte: „Gibt es eine Gesetzesgrundlage dafür, daß Sie einen Menschen dran hindern, von Zürich nach Aarau zu fahren? Gibt es eine Kleiderordnung für die Benutzung der Bahn?“ Darauf der Polizist: „Es gibt auch ungeschriebene Gesetze, und an die muß man sich ebenfalls halten. Sie können Ihre niederen Triebe dort ausleben, wo es niemanden stört. Hier aber ist es Exhibitionismus, und das ist eine Straftat! Mitkommen!“

Die Polizisten rissen den Mann vom Sitz. Durchs Fenster sah ich, wie der Mann aus dem Zug gestoßen wurde, während die dort warteten Polizisten ihm Handschellen anlegten. Dabei fiel die Helmut-Schön-Mütze auf den Bahnsteig. Einer der Polizisten trat mit seinen fetten Stiefeln mehrfach darauf, dann knallten die Türen zu und der Zug fuhr ab. Aus dem Innern des Wagens klang eine laute Stimme auf Hochdeutsch: „Die Schweiz ist ein Polizeistaat!“ Dann eine ebenso Stimme, die so klang, wie wenn ein Schweizer sich bemüht, hochdeutsch zu reden: „Halten Sie das Maul. Die Polizisten tun nur ihre Pflicht. Und hier in der Schweiz ist für halbnackte Männer und für vollverschleierte Frauen kein Platz!“ Dann die Gegenfrage: „Aber gegen vollverschleierte Männer und halbnackte Frauen haben Sie nichts?“ Gelächter! „Reden Sie keinen Stuß. Ich hab auch was gegen vollverschleierte Männer, ebenso hab ich was gegen Schwule, die gehören auf unbestimmte Zeit verwahrt, weil Homosexualität nicht therapierbar ist. Und wenn Sie das stört, hindert Sie niemand daran, die Schweiz zu verlassen!“ „Hans, hör auf!“ hörte ich eine Frauenstimme und schon blieb der Spießer ruhig.

Margret war blaß geworden, dann sprach sie: „Michael, da hast du aber Glück gehabt. Wenn dich die Tschugger gesehen hätten, hätten die dich auch gleich mitgenommen. Die kennen keinen Spaß.“ Darauf Beat: „Schweizer Bahnpolizisten sind keine richtigen Polizisten vorbei, früher waren sie nicht einmal mit Schußwaffen ausgerüstet. Im Grunde genommen sind es nur bessere Türsteher, die etwa vor Diskotheken stehen und den Auftrag haben, unerwünschte Leute von ihrem Nobelschuppen fernzuhalten. Vielleicht haben diese Männer früher vor Diskotheken gestanden und sich einerseits an jungen Frauen in Miniröcken, Hotpants und hochhackigen Riemchensandalen aufgegeilt, während sie andererseits Männer in kurzen Hosen und ohne Schuhe gar nicht reingelassen haben. Und wenn solche primitiven Menschen plötzlich eine Schußwaffe tragen dürfen, werden sie leicht größenwahnsinnig!“ Ich entgegnete: „Vor hundert Jahren ist das Schweizer Militär brutal gegen streikende Büezer vorgegangen, vor 50 Jahren hat die Zürcher Stadtpolizei faule langhaarige Studenten brutal niedergeknüppelt, und heute geht die Bahnpolizei zu viert gegen einzelne Fahrgäste vor, die einfach nur anders sind. Was hat sich geändert? Nichts! Im Grunde genommen wird nur das Bünzlitum verteidigt, das ja nicht verloren gehen darf.“ Beat sagte: „Michael, du hast es erfaßt. Bleib wie du bist. Laß dich nicht von arroganten Kalktöpfen - oder wie sagst du immer?“ „Kalkmützen!“ „Lass dich nicht von Kalkmützen und sonstigen Obrigkeitsvertretern kleinkriegen. Bleib barfuß, trag kurze Hosen, solange es DIR nicht zu kalt ist.“

Dann kam eine Schaffnerin vorbei, um die Fahrkarten zu kontrollieren. Sie interessierte sich nur für die Fahrkarten, nicht für meine Füße oder Hose. Bald erreichten wir Lenzburg, wo Margret, Beat und ich aussteigen mußten. Ich verabschiedete mich von ihnen in der Unterführung und ging dann zur S-Bahn, die mich nach Zofingen brachte. In Zofingen war es bewölkt (schon wieder oder immer noch?), das Thermometer zeigte 0°C, als ich nach Hause radelte. Trotz des Vorfalls mit den Bahnpolizisten, bei denen ich nicht betroffen war, hat mir der barfüßige und bekurzhoste Aufenthalt an beiden Wochenendtagen in Zürich und Umgebung sehr gefallen.

Schöne Grüße

Michael aus Zofingen


Lebenskünstler findet das Top
Lebenskünstler Offline

Admin


Beiträge: 711

26.11.2018 19:51
#2 RE: Rückfahrt aus Zürich Zitat · Antworten

Wenn ich das so lese, ist es wohl besser einen grossen Bogen um die schwarz Uniformierten zu machen.
Die schwarzen Sherifs im Münchener MVV waren in den frühen 80ern des letzten Jahrhunderts ebenso berüchtigt. Inzwischen ist es nicht mehr ganz so schlimm, doch für einen anständigen Fahrgast dennoch manchmal eine Zumutung.

Auf unseren letzten beiden Schweiz-Reisen - jeweils einen Monat barfuss nur mit Öffis - hatte wir glücklicherweise nie mit derart ungehobelten Menschen zu tun. Die Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe waren stets höflich. Mit Polizisten hatten wir keinen Kontakt. Mag sein dass sie uns einfach übersehen haben.

Gruss vom Gabriel


Dominik R. Offline

Admin


Beiträge: 1.598
Punkte: 708

11.12.2018 00:50
#3 RE: Rückfahrt aus Zürich - Solche Bahnpolizisten sorgen für weniger Sicherheit! Zitat · Antworten

Hallo Michael,
das ist echt der Hammer, was diese Uniformierten da leisten!
Bei solchen "Ordnungshütern" ist die Sicherheit in gefahr! Sie sind kein Schutz, sondern ohne sie wäre es besser und sicherer!
Gibt es irgendeine Stelle, wo man sich in der Schweiz hinwenden kann, bei übergriffigen ja was sind das eigentlich mehr oder weniger Sicherheitsbedienstete. (Ist ja keine echte Polizei).
Türstehermilieu???

Liebe Grüße,
Dominik


Dominik R. Offline

Admin


Beiträge: 1.598
Punkte: 708

11.12.2018 00:51
#4 RE: Rückfahrt aus Zürich - Solche Bahnpolizisten sorgen für weniger Sicherheit! Zitat · Antworten

Scheint ja eine ziemlich korrupte Führung zu sein:"Während Jahren fuhr die SBB mit der hoch subventionierten Bahnpolizei ansehnliche Betriebsgewinne ein. Obwohl dieser Bereich laut SBB eigentlich keine Gewinne machen durfte. Jede Personenkontrolle in einem Bahnhof war möglicherweise ein lukratives Geschäft. Doch die Kantone, die die Bahnpolizeirechnungen bezahlen mussten, bekamen davon nichts mit. Einer der Erfinder des Subventionskonstrukts war Peter Füglistaler, heute Chef des Bundesamts für Verkehr. Das zeigen umfangreiche Geschäftsunterlagen, die dem Beobachter vorliegen." Quelle: Wikipedia


Dieter (Bochum) Offline




Beiträge: 1.300

11.12.2018 01:53
#5 RE: Rückfahrt aus Zürich - Solche Bahnpolizisten sorgen für weniger Sicherheit! Zitat · Antworten

Hallo Michael,

Du hast mir mit Deinem Bericht, so ganz nebenbei, geholfen.

Warum?
Ich hatte hier früher ja schon darüber berichtet, dass ich, auch von Bahnbegleitern, beschimpft wurde, wenn ich barfuß in Sandalen war.
Viele Barfüßer vermuteten damals, dass ich Verfolgungswahn hätte und mir das nur eingebildet hätte, weil sie, wenn sie richtig barfuß sind, nicht beleidigt werden und dann könne ich, wenn ich nur barfuß in Sandalen sei, was im Sommer ja Millionen Männer sind, erst recht nicht beleidigt werden. Andernfalls müssten richtig Barfüßige doch noch eher beleidigt werden als Barfüßige in Sandalen. Aber sogar die richtig Barfüßigen würden ja nie beleidigt, meinten viele Barfüßer. Also könne sich wohl nur jemand einbilden, beleidigt zu werden, wenn er nur barfuß in Sandalen sei.
Gerne hätte ich erfahren, wie diejenigen, die mir meine Erlebnisse in Sandalen nicht glaubten, den Vorfall mit dem lederhosigen Clogsträger, der öffentlich als Exhibitionist beleidigt und aus dem Zug abgeführt wurde, in ihr Weltbild einordnen wollen.
Muss dieser abgeführte, angebliche Exhibitionist und freiwadige, lederhosige Clogsträger jetzt in psychiatrische Behandlung, weil er sich das auch alles nur eingebildet hat?
Nochmals Danke, Michael!
Du hast ja sogar schon öfter über ähnliche Vorfälle berichtet.
Mich würde auch interessieren, wie Montanara das psychologisch einordnet, dass einerseits ein Mann in Lederhose und Clogs als Exhibitionist abgeführt wird, andererseits aber richtige Barfüßer, die dreiviertel nackt sind, unbeachtet bleiben?
Für mich sieht das vergleichsweise so aus, als ob die Polizei Diebe fängt, aber Mörder ignoriert. Wie ist das psychologisch einzuordnen???
Vor Jahrzehnten ist sogar ein netter junger Mann in der Psychiatrie Warstein an Neuroleptika gestorben, der eingewiesen wurde, weil er barfuß war. Auch in Bochum wurden wiederholt Barfüßige wegen Fußexhibitionismus in die Psychiatrie eingewiesen.
Und andererseits wird so etwas von den harten Barfüßern hier vehement bestritten.
Ich kann diese Widersprüchlichkeit nicht einordnen.
Übrigens, selbst wenn dieser lederhosige Clogsträger in der Schweiz sich an seiner öffentlichen Freiwadigkeit (Mehr war es ja nicht. Es war ja gar keine Barfüßigkeit, wie die Bahnwächter behaupteten.) in seiner Phantasie erotisch befriedigte, geht das keinem was an.
Und das sieht ja keiner, was im Kopfkino abgeht, auch kein Kind.
Wir alle sollten sogar sehr dankbar dafür sein, wenn öffentliche Barfüßer und erst recht öffentliche Barfüßer in Sandalen sich an ihrer Sockenlosigkeit im Kopf befriedigen, anstatt, als voll Angezogene, über Frauen herzufallen, wie wir das immer in den Medien hören und lesen.
Das sollte Exhibitionisten und Kinder- oder Frauenschändern sogar von Ärzten und Psychologen als sozial verträgliche und gewaltfreie Ersatzbefriedigung dringend empfohlen werden. Diese Therapie habe ich schon in meiner Jugend empfohlen.
Seht Ihr das anders?

Liebe Grüße von Dieter aus Unna


Montanara Online




Beiträge: 260

11.12.2018 06:54
#6 RE: Rückfahrt aus Zürich - Solche Bahnpolizisten sorgen für weniger Sicherheit! Zitat · Antworten

Ich masse mir nicht an, psychologisch einzuordnen, warum der Clogsträger in Lederhosen angehalten wurde und der kurzhosige Barfüsser nicht. Warum? Wir kennen in dieser Geschichte nur die wie immer sehr drastische Schilderung von Michael, wichtig wäre es aber, auch die Gegenseite zu hören. Z.B. wissen wir nicht, ob es eventuell bereits eine Vorgeschichte auf dem Bahnhof gab, die das Verhalten der "Hilfssheriffs" zwar nicht unbedingt rechtfertigen, aber vielleicht immerhin erklären könnte. Ebenso verhält es sich mit den Leuten, die wegen barfuss inhaftiert wurden. Wir kennen nur eine Seite. Aus diesen Einzelfällen auf die Allgemeinheit zu schliessen halte ich für gefährlich. Besser erst nachfragen. In der Realität ist es ohnehin so, dass die allermeisten barfüssigen Menschen im Alltag unbehelligt bleiben. Auf Bahnhöfen, Flughäfen, in Museen, Kirchen, in der U-Bahn, an Konzerten..... Es kommt mir vor wie mit Nachrichten, man hört immer nur schlechte. Über die zahllosen guten Begebenheiten hört, sieht und liest man kaum je was. Sensationen verkaufen sich nun mal besser, ob in den Medien oder einem Forum.

Ich steige oft in Zürich um und sehe viel Bahnpolizei. Angehalten wurde ich trotz meiner Barfüsse noch nie, obwohl ich oft „schäbig“ aussehe, wenn ich von einer Wanderung zurückkomme. Ich bin im Gegenteil sogar froh, dass es gerade in Zürich viele Bahnpolizisten hat - sie vermitteln mir Sicherheit. Als durchaus selbstbewusste Frau, die sich wehren kann (und das auch schon erfolgreich getan hat!), fühle ich mich trotzdem besonders in den Unterführungen im Zürcher HB auch tagsüber nicht immer wohl, und auch bei den Zügen war ich schon froh, wenn Bahnpolizisten angetrunkene und pöbelnde Leute am Einsteigen gehindert haben.

Egal, wie sich der Vorfall tatsächlich abgespielt hat: es lohnt sich, seine Rechte zu kennen und sich zu wehren.
Hier ist beschrieben, wie man in der Schweiz vorgeht, wenn man sich durch die Polizei ungerecht behandelt fühlt:

www.beobachter.ch/gesetze-recht/recht-was-darf-die-polizei

Hier in Bezug auf Bern (aber auch allgemein anwendbar), sehr ausführlich und auch darüber, wie man sich gegen Übergriffe durch private Sicherheitsdienste wie Bahnpolizei wehren kann, samt Adressen und Anlaufstellen:

www.augenauf.ch/bs/archiv/wef03/deine_rechte.pdf

Daraus geht auch hervor, dass es gut gewesen wäre, freundlich (!), aber bestimmt einzuschreiten. Das wäre so oder so sinnvoller gewesen, als bloss online zu hetzen, und ermutigt zudem oft andere, es einem gleichzutun. Ich habe die Erfahrung jedenfalls gemacht, denn ich habe in ähnlichen Situationen schon ab und zu mal eingegriffen.


Dieter (Bochum) Offline




Beiträge: 1.300

11.12.2018 08:30
#7 RE: Rückfahrt aus Zürich - Solche Bahnpolizisten sorgen für weniger Sicherheit! Zitat · Antworten

Vielen Dank für Deinen durchaus sinnvollen Beitrag, Montanara!

Zwei Fragen möchte ich an Michael stellen:

1. Richtete sich das derart drastische Eingreifen der Bahnwächter wirklich nur gegen einen Mann, der nackte Waden hatte?
Bist Du 100% sicher, dass dieser Mann beispielsweise nicht vorher Fahrgäste anpöbelte, als Du nicht dabei warst?
Dieser Mann könnte vielleicht vorher wirklich exhibitionistisch aktiv gewesen sein, was Du nicht gesehen hast.

2. Ich finde Dich ja sehr sympathisch, was Du hier schreibst, Michael.
Aber ich habe schon ein paarmal gelesen, dass Du lieber abtauchst und Dich versteckst, anstatt Dich für andere Opfer solidarisch einzusetzen.
Ich empfinde das als ein bisschen egoistisch und willensschwach, Michael.
Wenn Du Dich wegduckst, wenn andere angegriffen werden, kannst Du auch nicht böse sein, wenn andere Dich nicht verteidigen, wenn Du angegriffen wirst.
Da muss ich Montanara völlig recht geben.
Ich würde dann hinterher noch gehemmter sein, wenn ich nicht für das Opfer Partei ergriffen hätte.
Bist Du da gar nicht sozial engagiert, Michael?
Da wäre ich aber ein bisschen enttäuscht von Dir und traurig, Michael.

Außerdem würde mich noch interessieren, wie der eine Herr, der Spießer in der Bahn, sich hinterher Dir gegenüber verhalten hat.
Ich vermute mal, dass der regelrecht ausgeflippt und ausgerastet ist, als er Dich sah. Denn der hat ja schon über die harmlosen nackten Waden des abgeführten Mannes geschimpft.

Liebe Grüße von Dieter aus Unna


Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 670
Punkte: 248

12.12.2018 05:43
#8 RE: Rückfahrt aus Zürich - Solche Bahnpolizisten sorgen für weniger Sicherheit! Zitat · Antworten

Zitat von Dieter (Bochum) im Beitrag #7
Zwei Fragen möchte ich an Michael stellen:

1. Richtete sich das derart drastische Eingreifen der Bahnwächter wirklich nur gegen einen Mann, der nackte Waden hatte?
Bist Du 100% sicher, dass dieser Mann beispielsweise nicht vorher Fahrgäste anpöbelte, als Du nicht dabei warst?
Dieser Mann könnte vielleicht vorher wirklich exhibitionistisch aktiv gewesen sein, was Du nicht gesehen hast.

2. Ich finde Dich ja sehr sympathisch, was Du hier schreibst, Michael.
Aber ich habe schon ein paarmal gelesen, dass Du lieber abtauchst und Dich versteckst, anstatt Dich für andere Opfer solidarisch einzusetzen.
Ich empfinde das als ein bisschen egoistisch und willensschwach, Michael.
Wenn Du Dich wegduckst, wenn andere angegriffen werden, kannst Du auch nicht böse sein, wenn andere Dich nicht verteidigen, wenn Du angegriffen wirst.
Da muss ich Montanara völlig recht geben.
Ich würde dann hinterher noch gehemmter sein, wenn ich nicht für das Opfer Partei ergriffen hätte.
Bist Du da gar nicht sozial engagiert, Michael?
Da wäre ich aber ein bisschen enttäuscht von Dir und traurig, Michael.

Außerdem würde mich noch interessieren, wie der eine Herr, der Spießer in der Bahn, sich hinterher Dir gegenüber verhalten hat.
Ich vermute mal, dass der regelrecht ausgeflippt und ausgerastet ist, als er Dich sah. Denn der hat ja schon über die harmlosen nackten Waden des abgeführten Mannes geschimpft.




Hallo Dieter,

den Mann hatte ich kurz vor dem Bahnhof auch schon gesehen, er hinkte und war deswegen langsamer als ich. Ob er auf dem weiteren Weg zum Zug Passanten angepöbelt hatte oder ob er sogar wegen früherer Vorfälle ein (möglicherweise sogar berechtigtes) Bahnhofverbot erhalten hat und nur deswegen so rabiat abgeführt wurde, kann ich nicht sagen.

Den Spießer im vollbesetzten Zug habe ich nicht gesehen, sondern nur gehört. Vermutlich sind wir auch nicht aneinander vorbei gegangen, zumindest hat sich keiner der Fahrgäste negativ zu meiner Aufmachung geäußert. Und wenn er ausgerastet ist, ohne daß ich es mitbekommen habe, dann ist es sein Problem, nicht meins. Vielleicht hat er auch nur deswegen so "rechtsradikal reagiert", wenn ein anderer es wagte, die Schweiz als Polizeistaat zu bezeichnen.

Den Bahnpolizisten bin ich auch nicht direkt begegnet. Ich habe sie nur aus Entfernung gesehen und bin dann nicht daran vorbeigegangen, sondern bin einen anderen (weder weiteren, noch kürzeren Weg, dafür auch weniger menschenreichen) Weg gegangen. Da konnte ich ja noch nicht wissen, daß die Bahnpolizisten dem Lederhosenträger Probleme machen würden. Nennst Du das egoistisch? Während der Mann im Zug abgeführt wurde, war ich zum einen zusammen mit ehemaligen Arbeitskollegen. Von weggeduckt kann hier keine Rede sein. Wenn ich allein gewesen wäre, und die Entfernung zwischen mir und der Kontrolle ähnlich gewesen wäre, wäre ich vermutlich auch nicht gegen die Polizisten eingeschritten. Einzig und allen, weil ich es nicht riskieren wollte, mit aussteigen zu müssen und den Zug ohne mich fahren zu lassen. Und diese ist vielleicht auch ein Grund, weshalb auch andere nicht gegen Polizisten eingreifen. Wer möchte schon einen Termin verpassen?

Gegen Polizisten einschreiten kann auch gerichtliche Folgen haben. Das blühte einem Mann, den es störte, daß die Basler Polizei Schwarze häufiger kontrolliert als Weiße:
https://www.bzbasel.ch/basel/basel-stadt...richt-132259460
https://www.bzbasel.ch/basel/basel-stadt...richt-132287019


Die von Dorothea vorgestellten Links schützen eine von der Polizei kontrollierte Person nur bedingt. Zwar kann die Polizei einen nicht monatelang ohne Einschaltung von Gerichten festhalten, jedoch hat man keine Handhabe gegen sie, wenn sie einem vor dem Betreten eines Zuges kontrollieren und man so die Weiterfahrt verpaßt.

Anderen Personen helfen kann auch in anderen Situationen gefährlich sein. Wenn man am Straßenrand ein Auto mit Autopanne sieht und anhält, kann es sein, daß die Panne nur vorgetäuscht ist. Es könnten sich Personen dahinter verbergen, die einen ausrauben wollten. Oder Polizisten im Zivil, die einem eine Buße abknüpfen, weil man im Halteverbot angehalten hat. Ein Sportlehrer überlegt sich auch vorher, ob er einer Schülerin, die beim Sport gestürzt ist hilft (und Gefahr läuft, wegen versuchter Vergewaltigung belangt zu werden) oder nicht hilft (und wegen unterlassener Hilfe belangt wird, was weniger streng geahndet wird. Nicht immer weiß der Lehrer, ob der Sturz echt war oder nur vorgetäuscht.

Nachdenkliche Grüße
Michael aus Zofingen


Montanara Online




Beiträge: 260

12.12.2018 07:12
#9 RE: Rückfahrt aus Zürich - Solche Bahnpolizisten sorgen für weniger Sicherheit! Zitat · Antworten

Du hast natürlich Recht, die von mir angengebenen Links schützen einem nur bedingt, wenn man in der Situation drin ist. Dennoch ist es besser, wenn man seine Rechte kennt und dies von Anfang an auch zu verstehen gibt, denn das kann gegenüber manchen Hilfssheriffs hilfreich sein. Man kann dieses Wissen je nach Situation hinterher gegen die Sicherheitskräfte verwenden, und das wissen die selber auch. Es ist immer noch besser zu handeln anstatt stumpf weiterzugehen aus Angst, den Zug zu verpassen. In der Schweiz ist das nun wirklich kaum ein Problem, denn dann fährt eben 30 Minuten später einer!

Die von Dir genannten Gründe, einer Person NICHT zu helfen, sind mir selbstverständlich bekannt. Selber einschreiten bringt nur was, wenn man sicher ist, Hilfe von der Umgebung zu bekommen oder dass man Rückzugsmöglichkeiten hat, damit man notfalls sofort wegrennen kann. Man muss sich und seine Fähigkeiten bzw. „Nicht-Fähigkeiten“ zudem genau kennen, besonders wenn man in Situationen, in denen Gewalt im Spiel ist, einschreitet. In all den von Dir genannten Lebenslagen KANN man mit Bedacht helfen, indem man z.B. beim Unfall in Distanz langsam vorbeifährt und aus dem Autofenster fragt, ob Hilfe nötig ist. Fühlt man sich unsicher, ruft man die Polizei (was wohl schon ab und zu dazu geführt hat, dass unsereins mal von PolizistInnen angesprochen wird, doch bleibt man höflich und erklärt freundlich (!!!), was Sache ist, hat man nichts zu befürchten. Eigene Erfahrung;-) ). Dito mit dem Menschen im Halteverbot: langsam vorbeifahren und nachfragen. Lehrer nehmen Klassenkameradinnen (!!) der Gestürzten zu Hilfe oder holen sich eine Kollegin, und gehen nie allein in eine Garderobe. Es gibt immer Möglichkeiten zu helfen, wenn man helfen WILL - man muss nur seine Kreativität nutzen, den Kopf einschalten und vor allem nicht blindlings drauflos handeln.
All die von Dir genannten Situationen können sehr einfach als Ausrede genutzt werden, um nicht helfen zu müssen. Stattdessen wird dann, oft aus einem Gefühl vermeintlicher Machtlosigkeit heraus, im Internet rumgepöbelt. Gedanken werden zu Worten, Worte zu Taten. Sehr gefährlich und einer freien, toleranten Gesellschaft - auf die gerade wir Barfüssigen eigentlich angewiesen sind - extrem abträglich. Erwarten wir Toleranz, müssen wir auch selber welche leisten. Indem wir alle Fakten einer Geschichte kennen, alle Seiten angehört haben, unsere Rechte und Pflichten kennen, und vor allem indem wir handeln anstatt nur zusehen. Von nichts kommt nichts. Ich werde mich weiterhin weigern, zu dieser stumpfen Masse zu gehören, die einfach nur die Hände in die Hosentasche steckt, wortlos weitergeht und dann hintenrum einseitige Geschichten verbreitet.

zivilcouragierte Grüsse
Dorothea


Lebenskünstler Offline

Admin


Beiträge: 711

12.12.2018 11:30
#10 RE: Rückfahrt aus Zürich - Solche Bahnpolizisten sorgen für weniger Sicherheit! Zitat · Antworten

Hallo zusammen,

im Nachhinein ist es immer einfach zu sagen, hätte ich, oder hätte ich nicht….


In dem Moment als die Bahnbediensteten den Zug betragen, wusste ja noch niemand warum. Als Kontrolleure der Kontrolleure.. oder weil sie eben tatsächlich jemanden suchten.

Nachdem der Herr mit der kurzen Lederhose aus dem Zug geholt wurde, was hätte Michael - oder ein anderer Fahrgast - tun können? Er war ja nicht in unmittelbarer Nähe, sondern im Zug. So wie ich das verstehe, hat sich die Szene draussen auf dem Bahnsteig abgespielt.

Die Art wie die Uniformträger verbal mit dem Fahrgast umgegangen sind, lässt darauf schließen dass sie womöglich auch vor körperlicher Gewalt nicht zurückgeschreckt hätten. Sowohl gegenüber dem mit Lederhose bekleideten Fahrgast, als auch gegenüber jemandem der diesem zu Hilfe eilt.

Dieter, was konkret hättest du denn in dem Fall gemacht? Wärest du das Risiko eingegangen, dass die Männer mit den weissen Kitteln kommen, und dich - zusammen mit dem anderen - in der Zwangsjacke abführen? Wenn du keinen Fürsprecher hast, können die dir sonst was unterstellen. Rein kommst du schneller als du gucken kannst. Mit dem wieder rauskommen ist das so eine Sache.

Was ich überhaupt nicht verstehen kann: wieso sind kurze Hosen bei Männern eine Form von Exhibitionismus? Wäre dem so, dann würde die Bekleidungsindustrie ja in einem zivilisierten Land keine kurzen Hosen für Erwachsene produzieren, und verkaufen.

Hier kann ich nur vermuten, dass es im Vorfeld etwas passiert war, was die "Ordnungshüter" zum Anlass nahmen sich über Beinbekleidung des Fahrgastes aufzuregen. Das heisst jetzt nicht zwangsläufig dass der Fahrgast etwas angestellt hatte. Manchmal reicht es schon, wenn man sich als Mann unwillkürlich in den Schritt fasst, z.B. weil die Hose nicht richtig sitzt. Schon interpretiert das jemand falsch. Dies ist dann der Beginn von mächtig viel Ärger.

Wir werden wohl nie erfahren, was genau sich abgespielt hatte.

Michael und willensschwach? Ne, also das kann man nun wirklich nicht von ihm behaupten.

liebe Grüsse
Gabriel


Montanara Online




Beiträge: 260

12.12.2018 14:07
#11 RE: Rückfahrt aus Zürich - Solche Bahnpolizisten sorgen für weniger Sicherheit! Zitat · Antworten

Klar ist es einfach, im Nachhinein „hätte ich“ zu sagen. Aber ich denke, es geht um eine Grundhaltung. Hilft man oder nicht? Wer die Grundhaltung „ich helfe“ hat, findet immer einen Weg, ebenso wie der, der den Weg „ich gehe dran vorbei“ wählt, seine Gründe hat. Warum ich lieber helfe, habe ich genügend dargelegt. Ich mache einfach, ebenso wie andere eher erstarren, aber dann vielleicht aus der Ruhe hinaus eine Initiative starten. Nur hinnehmen und sich beklagen ist viel einfacher als sich dafür einzusetzen, dass sich was ändert.

An Michaels Geschichte sind mir einfach zu viele Punkte, die wir nicht kennen.

Liebe Grüsse
Dorothea


Dieter (Bochum) Offline




Beiträge: 1.300

15.12.2018 12:50
#12 RE: Rückfahrt aus Zürich - Solche Bahnpolizisten sorgen für weniger Sicherheit! Zitat · Antworten

Hallo Michael,

entschuldige bitte, dass ich die falschen Worte wählte!

Leider erlebe ich soviel Gewalt, wie Du weißt, so dass ich

konfus bin und nicht mehr immer die richtigen Worte formulieren

kann.

Es ist nicht immer einfach mit der Sprache, aber unter Umständen

kommt das Mitgeteilte mal zu hart rüber.

Übrigens, wenn ich bei gegen andere Personen scheinbar zu Unrecht

übergriffige Polizisten oder auch Mitbürger vorgehe, mache ich das

nicht offen, sondern raffiniert, z.B. indem ich mich, wie zufällig,

mit meinem Rücken dazwischen schiebe. Es hilft.

Ja, Montanara, ich bin nicht blöde, wie ein wütender Stier, der

einfach Gegner blindlings über den Haufen rennen will.

Liebe Grüße von Dieter aus Unna


Montanara Online




Beiträge: 260

15.12.2018 23:44
#13 RE: Rückfahrt aus Zürich - Solche Bahnpolizisten sorgen für weniger Sicherheit! Zitat · Antworten

Dieter, wie kommst Du denn drauf, dass ich Dich für blöde halte?! Ich habe nie auch nur sowas gedacht!
Und formulieren kannst Du prima. Wir alle haben gelegentlich Mühe damit, die richtigen Worte zu finden. Man wird schnell falsch verstanden.

Den Trick mit dem sich Dazwischenschieben merke ich mir, der ist echt raffiniert und ich kann mir gut vorstellen, dass sowas in manchen Situationen gute Wirkung hat. Ich bin sonst eher direkt, wenn ich mich einschalte.

Liebe Grüsse
Dorothea


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