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Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

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Dieses Thema hat 12 Antworten
und wurde 284 mal aufgerufen
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 Allerlei kurioses
Lebenskünstler Offline

Admin


Beiträge: 558

11.07.2019 12:40
aus Kindermund Zitat · Antworten

Der Samstag neigte sich dem Ende zu. Wir waren müde, und hatten Hunger. Der kleine Landgasthof, wo wir übernachteten, lockte mit gut bürgerlicher Küche. Gerade recht für unseren Appetit. Wir betraten den rustikal eingerichteten Gastraum. Bereits bei der Anmeldung am frühen Nachmittag hatte ich bemerkt, dass zu den Wirtsleuten ein Kind gehörte. Ein Dreirad stand in einer Ecke herum, und unter einer Sitzbank lag ein Ball mit dem Logo des FC-Größenwahn. Recht ungewöhnlich in einem kleinen thüringischen Dorf nahe der ehemaligen Zonengrenze. Was solls... das Kind kann ja sicher nichts dafür ;-)

Wir waren noch gar nicht richtig in der guten Stube, da fragte uns eine helle Kinderstimme: Wo habt ihr denn eure Schuhe? Vor uns stand ein kleines Mädchen, vielleicht drei oder höchstens vier Jahre jung, in buntem Kleid und barfuss. Was lag somit näher als selber zu fragen: Wo hast denn DU deine Schuhe? Sie schaute erst mal an sich herunter, auf die nackten Füße, und lachte uns dann an.
Was für sie als Kind die natürlichste Sache der Welt war, hat sie bei uns Alten erst mal hinterfragt.

Warum?
das fragt euch Gabriel


Dieter aus Köln findet das Top
Jay Offline




Beiträge: 788
Punkte: 695

12.07.2019 03:55
#2 RE: aus Kindermund Zitat · Antworten

Zitat von Lebenskünstler
Was für sie als Kind die natürlichste Sache der Welt war, hat sie bei uns Alten erst mal hinterfragt.

Warum?
das fragt euch Gabriel


Hi Gabriel,

die Antwort auf diese Frage dürfte simpel sein: Weil die kleine Sie in der sehr exorbitanten Mehrheit der Fälle, nicht auszuschließenderweise sogar tatsächlich niemals erlebt hat, daß Erwachsene unten unverpackt sind. Naja, ihre Eltern müßte sie de facto BF im Nachthemd erlebt haben - aber in sehr vielen anderen Lebenssituationen nicht.

In großer Sorge bin ich jetzt, daß das fast schon als beckmesserische Kritik 'rüberkommt, aber...

Zitat von Lebenskünstler
Was lag somit näher als selber zu fragen: Wo hast denn DU deine Schuhe?


Genau diese Frage zu stellen hätte ich unbedingt vermieden. Zwar bin ich absolut kein Experte für Kindererziehung [& froh / erleichtert, keine Kinder in diese Welt (mit)gesetzt zu haben, wofür ich mir von meiner Mutter, die sich auch von mir so vehement Enkel-Kids gewünscht hat, einiges anhören mußte, derweil hätte sie damit sowieso nur Katastrophen wie mich selbst bekommen], aber: Niemals etwas machen, was Schuld- oder Schamgefühle wg. fehlender Schuhe in dem Kind erzeugen könnte! (ich begründe weiter unten ausführlich, warum).

Daher hätte ich auf die Frage: Wo habt ihr denn eure Schuhe? wie folgt reagiert:

"& du machst es auch. Gefällt´s dir? Schön, nicht? Ja, das machen auch Erwachsene! Sie froh, daß du bei deinen Eltern [BF] darfst, & danke es ihnen..."

Dann hätte ich noch mit den Wirtsleuten ein nettes Gespräch versucht & einen ordentlichen Happen bestellt... (ohne mich im geringsten 'einschleimen' zu wollen).

Begründung:
In seinen letzten Lebensmonaten versuchte ich mit Markus U. das im Vergleich zu [Früher] massiv aufgekommene Phänomen zu ergründen, daß´s a) praktisch überhaupt keine BFigen Kids mehr gibt & b) das, kaum ward' man BF gesehen, aus Kindermund sofort einsetzende ["ICH WILL AAAUUUCH, ICH WILL AAAUUUCH, jetzt, sofort!"] heute völlig fehlt. Der eigentliche Kern der folgenden Theorie stammt von Markus U.
Die Gehirnsoftware, die "sich" bei einem Lebewesen anlegt, ist zunächst sehr fundamental. Wir vermuten nun, daß bereits in einem sehr frühen Stadium elterlicherseits dahingehend eingegriffen wird, daß die SCHAM-Erziehung auch (& womöglich sogar betont) auf [Ganz Unten] ausgedehnt wird; schließlich sind Kids, kaum können sie 'mal laufen, mühelos dazu zu bekommen, daß sie das nicht splitternackt in der elterlichen Wohnung tun. Markus U. sprach von einer "permanenten Dauerberieselung", die ggf. auch für das Kid sehr 'nervig' intensiviert wird, solange, bis das Kleine der Schuh- & Strumpflosigkeit sicher & zuverlässig entsagt!

JohnK von der Barfußinitiative Berlin berichtete einmal im alten HBF (1. Quartal 2007, Titel: "Vielleicht stinken ja ihre Füße...") von einer Berliner Kindergärtnerin, die mehr oder weniger den ganzen Tag nur darauf verwendete, die Kids von den "Stinkefüßen" wegzuerziehen, natürlich auch noch unter Appell der von den Eltern längst angelegten Sauberkeitserziehung...

Irgendsowas ist da im Busch...

Hoffen wir, daß die Eltern-Wirtsleute in der thüringischen Provinz auch weiterhin ihrem Nachwuchs das (wahrscheinlich selbst endeckte) Stück Lebensfreude gönnen!

Todernste BF-Grüße von Jay, der froh ist, eine teilweise antiautoritäre Erziehung verabreicht bekommen zu haben.


André Uhres findet das Top
André Uhres Offline




Beiträge: 1.037
Punkte: 3

12.07.2019 07:56
#3 RE: aus Kindermund Zitat · Antworten

Lieber Jay,

vielen Dank für deine ausführliche und spannende Replik, es ist mir immer wieder eine Freude, dich zu lesen!

Deine Antwort auf die Frage 'warum?' finde ich top, sie leuchtete mir sofort ein. Auch das, was du dem Kind geantwortet hättest finde ich wirklich prima. Jeder reagiert halt anders, und die Antwort von Gabriel finde ich ebenso gut. Dabei kommt es natürlich auf den Ton an, und der war bei Gabriel wohl eher schelmisch als todernst...

Auch widerlegt das nachfolgende Lachen der Kleinen jede Kritik. Ich denke, sie hat ohne weiteres begriffen, dass niemand Schuhe [er-]tragen muss, und auch Erwachsene fröhlich sein dürfen!

Liebe Grüße
André


Montanara Offline




Beiträge: 153

12.07.2019 08:07
#4 RE: aus Kindermund Zitat · Antworten

Das sehe ich auch so. Mir gefällt Gabriels Frage, ich hätte sie auch gestellt - ebenfalls mit einem Lachen auf den Lippen. Ich finde es als Mutter und Lehrperson sehr wichtig, Kinder zum selber Denken anzuregen, und genau das tut Gabriels Frage. Eine solche Frage, richtig gestellt, kann sogar den von Jay beschriebenen Mechanismus aufdecken, weil ein Kind auf die Weise lernt zu hinterfragen! Nicht nur, was es selber tut, sondern auch, was sein Umfeld tut......und ist es nicht genau das, was die Welt braucht - selber denkende Menschen?!


Lebenskünstler Offline

Admin


Beiträge: 558

17.07.2019 15:44
#5 RE: aus Kindermund Zitat · Antworten

Zitat
Naja, ihre Eltern müßte sie de facto BF im Nachthemd erlebt haben - aber in sehr vielen anderen Lebenssituationen nicht.


Komische Logik. In der Gastwirtschaft hatte zumindest der Vater Schuhe an (von seiner Frau in der Küche konnte ich nichts sehen) doch alles in allem hat er mir einen recht lockeren Eindruck gemacht. Warum sollte der Wirt in der Freizeit nicht die Schuhe weglassen?

(Auch glaube ich nicht dass ein Mann heutzutage ein Nachthemd trägt)

Sicher ist: das Mädel wird erwachsene Menschen wohl überwiegend in Schuhen wahrgenommen haben. Es ist durchaus üblich, nicht nur in Dörfern, dass Eltern ihren Nachwuchs zumindest zeitweise barfuss laufen lassen. Nicht nur weil es in jedem Elternratgeber steht, dass dies für die Entwicklung eines gesunden Fußes äußerst wichtig ist.

Zitat
Niemals etwas machen, was Schuld- oder Schamgefühle wg. fehlender Schuhe in dem Kind erzeugen könnte!


Ach herrje... du machst du dir viel zu viele Gedanken, über das was wäre wenn und warum weshalb was alles sein könnte. Schuldgefühle wegen barfuss... ?? Sicher nicht bei der Kleinen.

Sicher kannst du versuchen nach pseudowissenschaftlichen psychologischen Gesichtspunkten jegliche Situation zu analysieren und zu zerpflücken. Mag sein dass dabei auch deine eigenen sehr persönlichen Erlebnisse eine Rolle spielen.

Kinder sind von Natur aus neugierig, unbeschwert – das sehe ich auch bei unserem Nachbarsjungen (inzwischen kurz vor der Einschulung) . Dass Erwachsene so unbedacht sind einem Kind zu sagen, barfuss sei etwas wofür man sich schämen müsste, ist mir noch nicht untergekommen.

Kinder haben fast in allen Kulturen absolute Freiheiten, ob du jetzt nach Italien, in die Türkei, nach Frankreich oder nach Japan schaust... die Denkweise ist die, dass die Kleinen ihre Kindheit genießen sollen, der Ernst des Lebens beginnt noch früh genug.

liebe Grüsse, heute aus dem Voralpenland
Gabriel


erikuwe findet das Top
Jay Offline




Beiträge: 788
Punkte: 695

18.07.2019 08:26
#6 RE: aus Kindermund Zitat · Antworten

Hi Gabriel,

diesmal sollte es mir gelingen, konkretisierend sehr schnell Konvergenz herzustellen. Vielleicht vorab noch kurz zum Gebrauch des Wortes "Nachthemd": Ich bin mir nicht sicher, ob das Wort "Pyjama" auch bei der Dame des Hauses (& Muttter) Verwendung findet; irgendwie kommt es mir so vor, wie wenn dieses englische Wort Bezeichnung nur für das ist, was der Herr als Schlafanzug (ein ganz offizielles deutsches Wort) trägt. "Damen-Pyjama" oder -Schlafanzug glaube ich in den früheren QUELLE- & Neckermann-Katalogen noch nie gelesen zu haben.
Mein Geschreibsel ist der ständige Kampf gegen die Textlänge. So konnte ich das Wort "Nachthemd" auf beide Geschlechter beziehen, während ich nicht weiß, was man bei Platzhalter [XX] einsetzt, geschlechtsdifferenziert zu schreiben: Der Herr / Vater im Pyjama, die Dame / Mutter im XX... wäre länger gewesen. Huch, ja, aber ich bin tatsächlich so ein totaler mathematischer Flachmann, zu einer anderen Denke gar nicht fähig.
Mehr steckte nicht dahinter.

Zitat von Lebenskünstler
Ach herrje... du machst du dir viel zu viele Gedanken, über das was wäre wenn und warum weshalb was alles sein könnte. Schuldgefühle wegen barfuss... ?? Sicher nicht bei der Kleinen.


Tja, Gabriel, wären da nicht solche Beobachtungen wie seit etwa 2010: Kaum BFige Kids mehr, statt dessen (siehe hier irgendwo im Archiv: "Neuer Trend") Kids auf der Straße in Socks, & das praktisch völlige Fehlen von "Ich will auch, ich will auch, jetzt, sofort!", kaum ward' man BF gesehen.

Irgendeinen Grund muß das haben, weil das einfach zuu signifikant ist, wie ich auch mit Leo bei seinem kürzlichen Besuch bei mir besprach. Wie anders sollte das gehen als durch elterliches Einwirken auf die kindliche Gehirnsoftware? Natürlich bildete die kleine Gastwirtstochter aus der thüringischen Provinz eine Ausnahme.
Als meine Schwester anfing, Medizin zu studieren (wie wohnten damals noch bei unseren Eltern, ich war grad' in den ersten Berufsjahren) schmökerte ich hin & wieder in ihren Büchern (ein verdammt hartes Studium!), darunter war auch ein "Grundlagen der Pädiatrie¹ & Kinderpsychologie". Bei letzterem fand sich eine gewisse Darstellung (ich kann´s nur technisch ausdrücken) wie sich die Gehirnsoftware beim Kind (durch elterliches Zutun) im Gesundfall anlegen sollte:
x Schaffung eines sog. Urvertrauens, & zwar bei sich selbst. Auf unsere kleine Gastwirtstochter übertragen heißt das: Eigenwahrnehmung, daß man zuverlässige Sinnesorgane für Bild, Ton, Tastsinn für [Unangenehm] wie [Angenehm] etc. etc. besitzt & daß man sich kein X für ein U vormachen läßt, wenn z. B. Erwachsene behaupten wollen, Schuhe seien angenehmer als [Unten Ohne].

x Mit der Anlage sog. Schuld- & auch Scham²gefühle in einem bereits sehr frühen Stadium des kindlichen Gehirnsoftware-Selbstaufbaus (auch Windows spielt sich ja bei der Installation auf dem PC zunächst sehr 'fundamental' drauf) ist das so eine Sache. Primärziel ist zunächst 'mal, den sicherlich berechtigten & sinnvollen Horror vor vollen Windeln zu erzeugen & das dann auch darauf auszudehnen, bestrebt zu sein, immer irgendeine Bekleidung am Leib zu haben. Funktioniert wie die wilde Sau & ist hochwirksam! Schließlich sind Kids mühelos dazu zu bekommen, in der elterlichen Wohung nicht nackt 'rumzulaufen.

Mit den heutigen zuhauf' BF-phobischen Kids könnte es sich also so verhalten, daß elterlicherseits bereits diese allererste, sehr fundumentale Scham- & Ekel-Sphäre benutzt wird, um den Horror vor [Unten unverpackt] oder womöglich sogar vor [Unten entblößt] (das drückt die angestrebte Horrordimension fast besser aus!) aufzubauen. Daher meine Sorge, daß in Sachen BF besser alles unterlassen werden sollte, was an die kindliche Schuld- & Scham-Psychosphere anklopfen könnte.

Das war auch schon alles. Auch wenn das jetzt wieder sehr fundamental-analytisch zerfleddernd war, aber auf mehr wollte ich gar nicht hinaus.

Letztes Statement: Im alten HBF vertrat ich die These, es müsse einen fundamentalen kindlichen Urtrieb geben, unten frei zu sein. Ist offenbar falsch, denn sowas ist nicht kaputtzubekommen.

Pessimistische Worst Case-Analytikergrüße (& das muß ich von Berufs wegen sein!), Jay
----------------
¹ Kinderheilkunde

² besagtes medizinisches Lehrbuch enthielt übrigens einen Verweis auf diese ganz besondere Fundamentalität dieser allerersten Schuld- & Scham-Sphäre: Der Sündenfall in der Bibel. Als Adam & Eva aus dem Paradies 'rausgebeamt wurden (oder das Paradies durch 'was anderes ersatz-gebeamt wurde), "sahen sie an sich herunter & sie erkannten, daß sie nackt waren".


Montanara Offline




Beiträge: 153

18.07.2019 09:25
#7 RE: aus Kindermund Zitat · Antworten

Wie will man bei Kindern Urvertrauen schaffen, wenn man selber keins hat?! Ich habe jahrelang Eltern darin beraten, ihre Kinder zu tragen anstatt zu schieben, da der Mensch ein Tragling ist. Viele Eltern haben heutzutage Mühe, ihren Nachwuchs so nah an sich zu haben. Klar, wo sie selber keine Nähe erfahren haben!
Erziehung ist ein Spiegel der Zeit. Ich erlebe unsere Zeit als eher sinnfeindlich, bezw. Sinnlichkeit hat nur in ganz bestimmten Nischen Platz. Klar, dass da kein Platz für barfuss ist.
Alle Eltern möchten das Beste für ihre Kinder. Wenn sie nicht wissen, wie gesund barfuss wirklich ist, wie sollen sie es weitergeben? Oder aber sie wissen es, haben aber das Gefühl, den Nachwuchs in eine Aussenseiterrolle zu manöverieren? Und da man das Beste für sein Kind will, lässt man es dann eben nicht zu, weil man selber nicht weiss, wie man mit der Aussenseiterrolle klarkommt. Ist wie auf dem Spielplatz: das Kind klettert zuoberst auf den Kletterturm. Fast alle Eltern schreien „Pass auf,“, weil sie Angst um ihr Kind haben. Folge: Das Kind wird unsicher und fällt womöglich. Man sieht kaum Eltern, welche rufen „toll gemacht!“, und wenn man es selber tut, wird man noch schief angeschaut (selber mehrfach erfahren). Heute regiert in der Erziehung sehr oft die Angst - schon mal von Helikoptereltern gehört? Die tun das alles aus Überängstlichkeit. Die haben selber kein Urvertrauen....
Nicht die Kinder, sondern die Eltern müssten also umprogrammiert werden! Und das ist sehr schwer. Schau nur, wie fast alle Menschen Mühe haben, sich im Alltag barfuss zu zeigen.....
Und, bei meinen eigenen Kindern erfahren: der Gruppendruck. Viele Kinder möchten barfuss sein, sie tun es aber nicht, selbst wenn Eltern da sind, welche zu barfuss ermutigen. Erscheinen sie barfuss z.B. in der Schule, zeigen alle anderen auf sie. Ab einem gewissen Alter aber ist es für die Kinder sehr wichtig, dazuzugehören! Also werden die Schuhe anbehalten, zumindest nach aussen.


Lebenskünstler Offline

Admin


Beiträge: 558

18.07.2019 09:43
#8 RE: aus Kindermund Zitat · Antworten

Zitat
² besagtes medizinisches Lehrbuch enthielt übrigens einen Verweis auf diese ganz besondere Fundamentalität dieser allerersten Schuld- & Scham-Sphäre: Der Sündenfall in der Bibel. Als Adam & Eva aus dem Paradies 'rausgebeamt wurden (oder das Paradies durch 'was anderes ersatz-gebeamt wurde), "sahen sie an sich herunter & sie erkannten, daß sie nackt waren".



Vielleicht solltest du erwähnen, aus welchem Fachgebiet dieses "medizinische" Lehrbuch stammt.

Es macht für mich einen grossen Unterschied, ob es sich um wissenschaftlich nachprüfbare Fakten wie beispielsweise in der Neurologie handelt, oder pseudowissenschasftliche wie die Psychologie, das nicht selten einer Gehirnwäsche gleicht.

ein hastiger Gruss von Gabriel,
unterwegs zum Bahnhof um mit jemandem dem es nicht so gut geht wie mir einen Ausflug zu unternehmen


André Uhres Offline




Beiträge: 1.037
Punkte: 3

18.07.2019 11:39
#9 RE: aus Kindermund Zitat · Antworten

Bei der Vetreibung aus dem Paradies waren die ersten Menschen nicht mehr nackt, denn sie bekamen vorher schon Angst, nackt von Gott gesehen zu werden. Sie suchten sich zu verstecken, weil sie Gott gegenüber ungehorsam gehandelt waren. Je mehr Verbotenes einer tut, umso mehr [ver-]kleidet er sich, damit er nicht erkannt werde. Wer heute barfuß durchs Leben geht, ist wahrscheinlich unschuldig


Jay Offline




Beiträge: 788
Punkte: 695

18.07.2019 15:09
#10 RE: aus Kindermund Zitat · Antworten

Zitat von Lebenskünstler
Vielleicht solltest du erwähnen, aus welchem Fachgebiet dieses "medizinische" Lehrbuch stammt.


Doch, Gabriel, das war tatsächlich ein medizinisches Lehrbuch "Grundlagen der Pädiatrie & Kinderpsychologie" für angehende Ärzte, vielleicht sogar ein Standardwerk. Ich gebe es allerdings unscharf & stark verzerrt wieder, a) weil das schon nicht für gewöhnliche Sterbliche geschrieben wurde, b) weil die Erinnerungen weit zurückliegen. Jedoch kam da irgendein Kapitel vor, wie sich die 'Psyche' ab dem Säuglings- oder Kleinkindesalter normalerweise entwickelt bzw. von den Eltern "entwickelt werden sollte", & da war dieses Urvertrauen der 1. & wichtigste Baustein, der in der Gehirnsoftware anzulegen sei (kann das nur technisch ausdrücken). Das folgende Kapitel befaßte sich dann mit der 2. fundamentalen Psycho-Sphere vorwiegend im Hinblick darauf, wenn´s mit dem [Sauber Werden] aus psychologischen Gründen Probleme gab (organische konnte man ja leicht abklären), zusätzlich dann kombiniert mit dem [Schuld & Scham]. Die extreme 'Fundamentalität' dieses weiteren Basis-Gehirnsoftware-Bausteins wurde dann sogar in einer beiläufigen kurzen Fußnote mit dem Bibelzitat 'unterstrichen' (diese Erinnerung könnte aber auch tatsächlich falsch sein, ich meine aber, es war so).

Zitat von Montanara
Wie will man bei Kindern Urvertrauen schaffen, wenn man selber keins hat?! Ich habe jahrelang Eltern darin beraten, ihre Kinder zu tragen anstatt zu schieben, da der Mensch ein Tragling ist. Viele Eltern haben heutzutage Mühe, ihren Nachwuchs so nah an sich zu haben. Klar, wo sie selber keine Nähe erfahren haben!
Erziehung ist ein Spiegel der Zeit. Ich erlebe unsere Zeit als eher sinnfeindlich, bezw. Sinnlichkeit hat nur in ganz bestimmten Nischen Platz. Klar, dass da kein Platz für barfuss ist.
Alle Eltern möchten das Beste für ihre Kinder. Wenn sie nicht wissen, wie gesund barfuss wirklich ist, wie sollen sie es weitergeben? Oder aber sie wissen es, haben aber das Gefühl, den Nachwuchs in eine Aussenseiterrolle zu manöverieren? Und da man das Beste für sein Kind will, lässt man es dann eben nicht zu, weil man selber nicht weiss, wie man mit der Aussenseiterrolle klarkommt. Ist wie auf dem Spielplatz: das Kind klettert zuoberst auf den Kletterturm. Fast alle Eltern schreien „Pass auf,“, weil sie Angst um ihr Kind haben. Folge: Das Kind wird unsicher und fällt womöglich. Man sieht kaum Eltern, welche rufen „toll gemacht!“, und wenn man es selber tut, wird man noch schief angeschaut (selber mehrfach erfahren). Heute regiert in der Erziehung sehr oft die Angst - schon mal von Helikoptereltern gehört? Die tun das alles aus Überängstlichkeit. Die haben selber kein Urvertrauen....
Nicht die Kinder, sondern die Eltern müssten also umprogrammiert werden! Und das ist sehr schwer. Schau nur, wie fast alle Menschen Mühe haben, sich im Alltag barfuss zu zeigen.....
Und, bei meinen eigenen Kindern erfahren: der Gruppendruck. Viele Kinder möchten barfuss sein, sie tun es aber nicht, selbst wenn Eltern da sind, welche zu barfuss ermutigen. Erscheinen sie barfuss z.B. in der Schule, zeigen alle anderen auf sie. Ab einem gewissen Alter aber ist es für die Kinder sehr wichtig, dazuzugehören! Also werden die Schuhe anbehalten, zumindest nach aussen.


Dieser Beitrag, den ich nur aus Gründen optischer Compactness & nicht aus Herabwürdigung in Kleindruck zitiere, hat ein TOP verdient! Ein Meer an Informationen, aus dem ich - um nicht wieder ein Buch zu schreiben - 3 Punkte in Stichworten herausgreife:
x Menschliche Nähe - offenbar dasselbe wie auch menschliche "Wärme" & Zuneigung - was ist das eigentlich? Ich kenne das überhaupt nicht, habe so etwas von meinen Eltern nie erfahren.
x Die Angst um´s Kind ist in Wirklichkeit die Angst um ein Familienprestige-Besitzobjekt. Als der Elitesohn mit 16 aus der Klavier- & Orgelstunde 'rausflog, teils weil ich ganz andere Sachen übte als ich sollte, nämlich z. B. Boogie-Woogie-Riffs & Rock´n Roll, schließlich versetzte dann BF diesem Individual-Musikunterricht den Todesstoß¹, konnte ich mir erstaunlich schnell konziliante Ruhe verschaffen (der Familien-Haussegen hing zunächst irrwitzig schief, Mann, was das ein Affentheater!), indem ich verbindlich erklärte, es sei weiterhin absolut sicher gewährleistet, daß die bekannten Renommierstücke der klassischen Klavierliteratur, so Sachen wie Frederic Chopin´s Minutenwalzer (blitzsauber in deutlich < 1 Minute) oder dessen Polonaise in As-Dur & div. anderes mehr dargeboten werden konnten - schließlich ist Klassik nur eine einfachere Unter-Teilmenge des viel schwierigeren Jazz- & Rock-Tasteninstrumentenspiels.
Generalstichwort: Die Angst, nicht angepaßt zu sein - bei sich selbst & beim eigenen Kind!

& (mich ebenfalls noch auf die von Montanara gebrachten Geankengeänge beziehend):
x Wie sich alles umdreht! Früher - in der 1. Hälfe der 1970er Jahre - waren Kinder, die BF in die Schule kamen, die absoluten Klassenstars!

Zitat von André Uhres
Je mehr Verbotenes einer tut, umso mehr [ver-]kleidet er sich, damit er nicht erkannt werde. Wer heute barfuß durchs Leben geht, ist wahrscheinlich unschuldig.


Zum einen wurde im alten HBF von einem User namens FrankX (CH) nachgewiesen, daß die allermeisten Straftaten von Herren in Nadelstreifen & adäquater Beschuhung begangen wurden & werden; der 2. Satz findet auf mich keine Anwendung. Ich hab' BF auch schon voll offiziell 1 Straftat begangen: nämlich als ich einfach mein eigenes wg. "entehrendem" Parken auf einer riesigen Denkmals-Flächenverschwendungszone, irgendeinem bayerischen Herzog oder König in München zugedacht (es wurde niemand behindert & Feuerwehranfahrtszone war auch nicht) abgeschlepptes 4rad stahl. Ich wußte überhaupt nicht, daß man das nicht darf & daß das §130 StGB, Verwahrungsbruch, ist (dabei erlöschen nach einem komplizierten juristischen Konstrukt² sogar vorübergehend die Eigentumsrechte am eigenen Fahrzeug, wird bestraft wie Einbruchdiebstahl, kam mit 90 Tagessätzen grad' noch um einen Eintrag im Vorstrafenregister davon). Ich möchte das hier aber nicht breittreten, v. a. auch, weil in Sachen BF nichts Besonderes passierte.

Sommernachmittägliche BF-Grüße mit Kreislaufstörungen, Jay (melde mich für heute & morgen ab, egal, was passiert).
-------------------
¹ der Lehrer reagierte übrigens erstaunlich unsensationell 'drauf, sprach nur in ganz normaler Lautstärke: "Geübt werden Sie sowieso nichts haben" & in bezug auf mein BF: "Das lasse ich mir nicht bieten" - & wies mir die Tür.

² könnte nur Markus U. erklären


Montanara Offline




Beiträge: 153

18.07.2019 23:20
#11 RE: aus Kindermund Zitat · Antworten

Nein, die Angst ums Kind ist keine Angst ums Familien-Prestige-Besitzobjekt. Das ist eine ganz, ganz tiefe elementare Angst um die eigenen Kinder. Das kann man kaum erklären. Ehe ich Kinder hatte, konnte ich mir sowas nicht vorstellen. Aber seit ich Schwanger war, fühlte ich das ganz tief in mir drin. Es gibt etwas, was wertvoller als das eigene Leben zu sein scheint, und das ist jenes der eigenen Kinder. Ich würde ohne zu Zögern mein Leben für sie hergeben. Mir ist mein Familienprestige absolut egal.
Die Crux ist es, dass Kinder haben auch Loslassen bedeutet, und zwar vom Moment der Geburt an. Das ist manchmal sehr, sehr schwer und gelingt nicht allen Eltern in allen Belangen.
Man darf wirklich nie vergessen, dass Eltern fast immer das Beste für ihre Kinder wollen und so handeln, wie sie meinen, es wäre das Beste. Das lässt einen Dinge, die einem als Kind widerfahren sind, sehr oft in einem ganz anderen Licht erscheinen.

Was Nähe und Zuneigung ist? Haben Dir Deine Eltern nie gesagt, dass sie Dich gern haben? Haben sie Dich nie in den Arm genommen, getröstet, wenn es Dir nicht gut ging? Haben sie nicht mit Dir zusammen gelacht und geweint?
Mag sein, dass sie vieles davon nicht getan haben, aber ich bin mir sicher, die liebten Dich von Herzen und taten, was sie für das Beste hielten - was vielleicht nicht das war, was Du gebraucht hättest.....

Und warum es heute nicht mehr wie in den Siebzigern ist, dazu hat Gabriel anderswo wunderbar geantwortet.


Lebenskünstler Offline

Admin


Beiträge: 558

19.07.2019 06:41
#12 RE: aus Kindermund Zitat · Antworten

Zitat
Montanara schrieb:

Mag sein, dass sie vieles davon nicht getan haben, aber ich bin mir sicher, die liebten Dich von Herzen und taten, was sie für das Beste hielten - was vielleicht nicht das war, was Du gebraucht hättest.....



Du brinst es auf den Punkt, Dorothea.

Dazu fällt mir spontan ein Gespräch ein, was ich Anfang dieses Jahres mit einem jungen Mann geführt hatte. Dieser junge Mann, der mit seinen jetzt 26 Jahren schon die halbe Welt gesehen hat, sagte (fast) wörtlich zu mir: was wissen Eltern schon, was ein Junge braucht....

noch verschlafene, doch keinesfalls müde Morgengrüsse
Gabriel


tiptoe Offline




Beiträge: 251

19.07.2019 15:31
#13 Mutige Kinder und Eltern Zitat · Antworten

Ich habe selbst keine kinder, von daher kenne ich nur die kinderperspektive, nicht jene der eltern mit der erwähnten elementaren angst. Von daher mit vorbehalt, aber ich denke, die gesündeste art, kinder aufwachsen zu lassen, ist: Vorleben und den kindern stets einen gewissen entscheidungsspielraum lassen.
Auf das forenthema bezogen: Wenn zuhause alle ganz natürlich barfuß gehen und schuhe nur etwas sind, das bei kaltem wetter oder sonstigen widrigkeiten zum rausgehen angezogen wird, dann empfinden die kinder das als normal (schließlich haben sie keinen anderen "normalfall" erlebt, mit dem sie es vergleichen könnten). Irgendwann besuchen sie andere, die es vielleicht anders machen, das ist aber auch eine wichtige lektion im leben: Unterschiedliche leute tun die dinge des lebens unterschiedlich und das ist auch völlig in ordnung.
Wenn eltern ihre kinder barfuß gehen lassen, weil sie mal gelesen haben, das sei gesund, sich selber diesen spaß aber nicht gönnen, finde ich das immerhin besser, als ihnen schuhe vorzuschreiben, aber dennoch etwas seltsam, denn ein wichtiger teil der nähe und zuneigung ist doch wohl das gemeinsame (wieder)erleben der kindheit.
Was den entscheidungsspielraum angeht, ist die frage "ist es warm genug zum barfußgehen" eine, bei der die kinder schon früh selbst entscheiden lernen können, denn ob es ihnen dann zu kalt ist, merken sie selbst schnell genug. War zumindest bei mir als kind so: Wenn es unbequem wird, entscheide ich mich um und bin nicht etwa hart gegen mich selbst (solche sportliche ideologie kommt, wenn, dann erst deutlich später). Wenn es kalt ist und die kinder trotzdem barfuß gehen möchten, haben sie entweder einen erstaunlich guten kreislauf oder die eltern tun gut daran, doch noch ein paar schuhe für alle fälle im gepäck dabeizuhaben.
Dass kinder im grundschulalter eher vorsichtig sind und sicher nicht so leichtsinnig, dass sie sich selbst schaden, habe ich selbst schon bei wanderungen mit anderen familien erlebt, ein heißer tag in den bergen, ein schneefeld war zu überqueren, ringsum almwiesen, alle barfuß, die kinder haben sorgfältig die schneefelder gemieden, über die ich locker gegangen bin. So ein verhalten ist vielleicht "überängstlich", bedeutet aber, dass ein kind (wenn das verallgemeinert werden kann) sicher nicht das risiko einer erfrierung eingeht, nur um später damit angeben zu können, überall barfuß gegangen zu sein.
Das bedeutet, die eltern müssen in diesem fall nicht noch zusätzlich überängstlich werden.


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