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Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

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Dieses Thema hat 9 Antworten
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 Barfuß und Leben
Zalesski Offline




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29.04.2023 21:07
Meine bescheidenen Freunde Thread geschlossen

Ich habe versprochen, von meinen bescheidenen Freunden aus der ehemaligen Sowjetunion zu erzählen. Allerdings haben alle Barfüßigen diese Eigenschaft, denn ihre Bescheidenheit in der Fußbekleidung maximal ist, weiter geht es einfach nicht... Und ist Bescheidenheit immer eine Tugend? Und doch werde ich von diesen drei Männern erzählen. Eigentlich nicht drei, sondern vier, wobei ich den vierten persönlich nicht kenne, aber gerne unter meinen Freunden sehen möchte.

Ruslan Pissarew ist jedem Journalisten bekannt, der sich im russischsprachigen Raum mit dem Thema "Barfuß" zu beschäftigen beginnt. Seine Gruppe „Barfußlaufen-Fans" https://vk.com/bosykom im „WKontakte"-Netzwerk (eine verbesserte Version von Facebook, deren Erfinder, der sich entschlossen weigerte, mit den russischen Nachrichtendiensten zusammenzuarbeiten, gezwungen war, sein Lebenswerk zu verkaufen und das Land zu verlassen) besteht seit 2011 . Ruslan und ich wissen keine Staatsgeheimnisse und können unserer geliebten Heimat keinen Schaden zufügen, also nutzen wir dieses in der Ukraine verbotene Werkzeug (genauso ist in Russland Facebook verboten) weiter. Ich habe immer Ruslans Fähigkeit bewundert, im Ozean des „Barfußnets" sowohl inhaltlich als auch ästhetisch das wirklich Beste auszuwählen, Materialien, die in ihrer Gesamtheit, ohne den Leser mit überflüssigen Informationen zu belasten, eine echte Motivationsbombe darstellen: Läuft barfuß, liebe Damen und Herren, macht mit, macht´s nach, macht´s besser...

Aber Ruslans Persönlichkeit blieb mir lange Zeit ein Rätsel. Ich habe jahrelang versucht, Ruslan, der in Odessa bis jetzt noch nie war, in meine Heimatstadt zu locken, um ihn richtig kennenzulernen. Wer möchte nicht am Schwarzen Meer mal entspannen? Aber mein Wunsch ging erst im letzten Vorkriegssommer, am 30. August 2021, in Erfüllung.

Wir kamen zur gleichen Zeit in Odessa an, ich - mit einem internationalen Fernbus von Frankfurt, Ruslan – auf einem schwierigen Umweg von Donezk.

Im Gelben Forum war einmal verlinkt, noch 2012, also vor der Besetzung von Donezk durch die Russen, ein lustiges Motivationsvideo aus dieser schönen modernen Stadt https://www.youtube.com/watch?v=_SNcLyc108Q. Man hat damals vergeblich nach seiner Herkunft gesucht. Es wurden verschiedene, manchmal völlig fantastische Vermutungen geäußert, in welchem Land so viele Barfußgänger gleichzeitig in einem Einkaufszentrum zu sehen sind. Als ich 2020 beim planmäßigen Lesen des Forums auf diese Diskussion gestoßen war, habe ich mich zurückgehalten – aus Befürchtung viel Ärger wegen eines nach oben gebrachten Zweigs der Baumstruktur auszulösen.

Ruslan hat sich später ein paar mal mit einigen Veranstaltern und Teilnehmern dieses witzigen Flashmobs getroffen, um mit ihnen barfuß über sie Stadt zu laufen, aber damals dachte niemand daran, über diese gemeinsamen Spaziergänge Berichte zu schreiben und die Fotobeweise zu sammeln. Nach der Besetzung 2014 zogen diese Leute meist in die freie Ukraine und änderten den Titel ihres Videos. "Menschen in Donezk gehen barfuß" war nur ein Witz, und der neue Name "Menschen in der DNR gehen barfuß" enthielt auch eine Anspielung auf Armut, zu der die Bewohner der separatistischen sogenannten Donezker Volksrepublik verurteilt werden.

Während des Spaziergangs durch das Stadtzentrum von Odessa vom Ende der Puschkinskaja-Straße, wo Ruslan in der Nähe vom Hauptbahnhof eine Wohnung gemietet hat, und weiter in Richtung Park „Shewtschenko" auf den Pantelejmonovskaja- und Leontovitsch-Straßen, dann durch den Park, wo wir die gefallenen Helden des Zweiten Weltkriegs, die auf der sogenannten „Allee von Ruhm" begraben sind, ehrten, den Blick auf den Hafen bewunderten und zuletzt zum Strand „Langéron" hinuntergingen, waren Ruslan und ich trotz der dreißig Grad Hitze die einzigen Barfußläufer. Hoffentlich fällt euch nicht ein, die ungleichmäßige Bräune von Ruslans Füßen zu kritisieren - es reicht aus, einen Tag im Frühling in Sandalen zu verbringen, damit deren Muster den ganzen Sommer über erhalten bleibt.







Aber wieso sind alle Menschen im Park und in der Stadt beschuht, wenn sie am Strand in der Regel barfuß sind? Dieser Frage wollten wir nachgehen.

Da wir beide keine Trinker sind, haben wir auf... ein Abendessen gewettet: Wenn die erste barfüßige Frau, der wir auf dem Weg vom Strand begegnen, eine Brünette ist, werde ich Ruslan zum Abendessen einladen, und wenn sie blond ist, dann wird er mich einladen. Meine Intuition funktionierte, aber Ruslan hatte schärfere Augen, denn er bemerkte als erster eine etwas extravagante blonde Dame unbestimmten Alters mit einem romantischen Chaos auf dem Kopf, die genüsslich die asphaltierte Straße hochging, von ein beschuhten grauhaarigen Mann begleitet, dessen Gesichtsausdruck keinen Zweifel daran ließ, dass er die Ehre seiner Dame vor jeglichen Angriffen schützen würde. Ruslan konnte diese Frau lange nicht vergessen, und ich habe ein köstliches Abendessen in einem Café am Meer genossen, für das er zahlte. Um meinen Freund zu trösten, griff ich gleichzeitig zwei Blondinen an, die sich als Larissa (links) und Eleanor vorstellten. Sie legten auf unsere Bitte gerne ihre Schuhe weit weg, damit sie ins Bild nicht kommen, weigerten sich jedoch, unbeschuht durch den Park zu gehen, obwohl sie keine klaren Gründe für ihre Widerspenstigkeit nannten und nur Banalitäten wiederholten, dass es dort oben dreckig und hier unten sauber ist.



Ruslan, der Regen sehr mag und gerne im Nassen spazieren geht, ließ es sich nicht nehmen, sich unter den Wasserstrahlen des Springbrunnens zu erfrischen.



Ein ganz junges barfüßiges Mädchen machte das Gleiche in der Nähe. „Ich kann nicht verstehen, warum man glaubt, dass jemand, der sich angezogen hat, Schuhe anziehen muss. Das muss so überhaupt nicht sein", kommentierte Ruslan das weitere Verhalten von ihr und ihrer Familie.

Und doch ist es uns gelungen, eine Gleichgesinnte auf „Langéron" zu finden. „Die Schuhe immer noch nicht an!" - mit diesem freudigen Ausruf von Ruslan könnte man das Foto unten betiteln, auf dem von rechts nach links zu sehen sind: ihr Ehemann, ihre Freundin, sie selbst, die einzige barfüßige unter den Erwachsenen, in einem rosa Kleid, dann ihr Taufpate, und etwas vorne, in einem orangefarbenen Kleid und ebenfalls barfuß, läuft ihre Tochter Ksjuscha.



Lernt also kennen: die 26-jährige Nastja (Anastasia) Scheremeta, wohnhaft in der Stadt Ladischin (Region Winniza), durch die ich regelmäßig auf dem Hin- und Rückweg von Deutschland nach Odessa fahre. Wenn ich nur an der Bushaltestelle aussteigen und sie in ihrer Heimatstadt filmen könnte! Auf die Frage, wie viel Zeit sie prozentmäßig barfuß verbringt, außer natürlich in der Nacht, wenn meines Wissens niemand freiwillig Schuhe trägt, antwortete Nastja etwas verlegen: „Im Sommer fast immer." Ich hielt es für übertreiben und stellte, eher zum Spaß, die weitere Frage: „Wie, auch bei der Arbeit?" Der Witz stellte sich jedoch als wahr heraus, denn Nastja arbeitet – als was würdet ihr denken? – als Masseurin, hat eine eigene Praxis und kann dort so viel barfuß laufen wie sie will.




Nastja hat auch in Odessa versucht, ohne Flip-Flops durch die Stadt zu laufen. Aber daran hatte sie trotz Erwartung wenig Spaß, da es zu viel Dreck in Odessa im Vergleich zu der ruhigen eher ländlichen Ladischin gibt. Obwohl die Weggefährten sie beeilten, wollte Nastja nicht so schnell sich von uns zu trennen. Zum Glück kam sie auf die Idee, mir gleich über ihr Smartphone eine Freundschaftsanfrage auf Facebook zu schicken. Dort fand ich dieses Foto, das jemand aus ihrer Familie am Vortag am selben Ort aufgenommen hatte.



Und hier ist das, was ich mir kurz vor Ruslans Abreise zu seinem nächsten Urlaubsziel, nach Charkiw, auf einer Bank auf dem Sennaja-Platz, in der Nähe des Bahnhofs, als Stichpunkte für einen Artikel, der auf der Website „Barfuß in Russland" erscheinen sollte, schnell notiert habe:

„Ruslan ist 37 Jahre alt, er wurde 1984 geboren.

Einige Erinnerungen aus seiner frühen Kindheit prägten Ruslans ganzes weiteres Leben ein. Zum Beispiel seine positive Überraschung, als er im Kindergarten, wo es üblich war, vor dem Zubettgehen nach einem Tagesspaziergang die Kinder ihre Füße waschen zu lassen, wobei sie im Vorraum die Schuhe ausziehen und ein paar Schritte barfuß laufen mussten, das machte noch bevor er das Haus betrat und zum ersten Mal den kalten, scharfen Herbstboden unter den Fußsohlen spürte. Man wies ihn damals zurecht, dass es im Herbst nicht nötig sei, die Schuhe auszuziehen. Ruslan erinnert sich auch, wie stark neidisch er war, als ein älteres Kind seine Schuhe ausziehen und barfuß Fahrrad fahren durfte und Ruslan, der dasselbe tun wollte, von seinen Eltern eine Rüge bekommen hat. Sein späterer Wunsch, das Verbotene zu versuchen, stammt wahrscheinlich von diesem Neid.

In der 5. Klasse sah Ruslan im Fernsehen eine Sendung über die Abhärtung der Kinder in einem Kindergarten. Als seine Eltern nicht zu Hause waren, lief er einmal barfuß und halb nackt in den Schnee, rieb sich mit Schnee ein. „Es war furchtbar kalt gewesen“, erinnert sich Ruslan.

Damals, in den 90er Jahren, gab es viele arme Leute, und einige Kinder sind vielleicht wegen der Armut barfuß gegangen.

Später unternahm Ruslan regelmäßig heimliche barfüßige Spaziergänge. Der Vater war dagegen: "Unsittlich, man sieht wie ein Bettler aus." Auch der Mutter hat er auf jeden Fall nichts verraten.

Ruslan hat ein Mathematikstudium an der Universität Donezk gemacht und einen Job bei einer Firma gefunden, das Software, hauptsächlich auf der Basis von Linux, für andere Firmen erstellt, die Websites hosten.

Im vorletzten Studienjahr hat Ruslan drei Wochen in einer Studentenpension am Asowschen Meer komplett barfuß verbracht. In den ersten Tagen waren seine Mitbewohner echt überrascht. Er war in ihren Augen auch deshalb komisch, weil er sich nicht an ihrem Trinkgelage beteiligte. „Das ist Ihr Hobby, und das ist meins", erklärte Ruslan ihnen. Am Ende hörten die Freunde einfach auf, auf seine Barfüßigkeit zu achten.

Ruslan ist kein 24/7-Barfußläufer. Dass es solche gibt, hat er genauso wie ich von Igor Resun erfahren. Im Winter läuft er normalerweise nicht barfuß, geht aber manchmal beim ersten Schnee raus und macht kurze Spaziergänge. Bevor Ruslan heute in den Zug einsteigt, wird er keine Schuhe anziehen und auch keine im Zug tragen. Dass er die Bettwäsche möglicherweise schmutzig macht oder die Leute beim Anblick schmutziger Füße unzufrieden sind, kümmert ihn nicht, zumal er nur wenige Nachbarn in seinem Abteil hat und die Toiletten im schnellen Zug, der Odessa mit Charkiw verbindet, ziemlich sauber sind.

Ruslan ging normalerweise in Schuhen zur Arbeit. Aber die Kollegen wussten von seinem Hobby, niemand hatte etwas dagegen. Jetzt, während der Pandemie, macht er hauptsächlich Fernarbeit und kann also viel Zeit ohne Schuhe verbringen. Aber wegen der Besatzung läuft er seit 2014 in der Stadt selten barfuß, um allermöglichen bewaffneten Leuten nicht aufzufallen. Seine Landsleute sind zur Zeit nervös, fühlen sich enttäuscht, machen sich Sorgen um die Zukunft. Selbst die Prorussischen sehen, dass sich ihre Erwartungen nicht bewährt haben.

Ruslan sucht sich keine barfüßige Freundin und ist bereit, sein Hobby aufzugeben, wenn die zukünftige Frau dagegen ist."

Ruslan und ich haben einige uns beiden bekannten Websites und Foren über den Barfuß-Lebensstil besprochen. Es stellte sich heraus, dass Ruslan viel mehr zur technischen Unterstützung der Barfußbewegung in der ehemaligen Sowjetunion beitragen könnte als er jetzt tut, und zwar völlig kostenlos. Hätte sich Resun rechtzeitig an ihn gewandt, hätte er das Ergebnis von 15 Jahren Arbeit nicht verloren und seine Website nicht neu gründen müssen. Ruslan selbst wagte es nicht, seine professionellen Dienste von Anfang an anzubieten. Erst auf eine direkte Bitte von Resun und mir schaffte er es, einige Materialien der verschwundenen Website aus einem mysteriösen Archiv, von dem solche Laien wie ich und Resun keine Ahnung haben, zu holen...

Wir haben unter anderem über die ebenso verschwundene, aber diesmal vermutlich auf Wunsch ihres Schöpfers, deutsche Website „Barfußzone" gesprochen. Damals konnte ich Ruslan nicht antworten, wohin Franco Spatz hingekommen war. Seine für alle Internetnutzer offene Telefonnummer ist nicht mehr gültig, auch auf E-Mails antwortet Franco nicht. Es scheint, dass dieser Mann ein neues Leben begonnen hat.

Jetzt, nach einem kurzen Abstecher nach Essen Mitte März und Gesprächen mit Francos Nachbarn, bin ich kompetent genug, um Ruslans Fragen beantworten zu können. Ich weiß, in welchen Stadtteil Franco Spatz mit seiner Mutter gezogen ist und was das wichtigste äußere Zeichen seines neuen Lebens ist. Was seine Barfüßigkeit betrifft, kann ich zwar nichts sagen, aber die ältere Frau, die nebenan wohnt, ist überzeugt, dass Alkohol in seinem neuen Leben keinen Platz hat, weil eben diese Sucht die Probleme verursacht hat, die Franco schließlich gezwungen haben, seinen Wohnort zu wechseln.

Franco Spatz, der im Gelben Forum angemeldet war und dort regelmäßig, zuletzt am 5. November 2014, über seine Website informiert hat, war aber nie besonders gesprächig. Was er möglicherweise hier im Blauen Forum alles geschrieben hat, habe ich noch nicht gelesen. Im Gelben hat dieser bescheidene Mann fast nichts über sich selbst erzählt, meist berichtete er über seine Website, in der wahrscheinlich sein ganzes Leben steckte. Über ihn erfährt man also meistens von den anderen Leuten. Seine Nachbarin erzählte mir begeistert vom Besuch der Fernsehmacher, die ihn in der vertrauten Umgebung filmen wollten. Die lackierten Fußnägel, dieses Detail, das der älteren Frau immer besonders auffiel, steht meiner Meinung nach in keinem Widerspruch mit dem Attribut Bescheidenheit, das ich ihm oben zuschrieb. Ich frage mich, wo sieht jetzt der 52-jährige ehemalige Webmaster den Sinn seines Lebens? Und was ist mit den Fotos passiert, viele von denen ohne Namen des Urhebers und ohne Quellenangabe um die Welt verkehren?

Der von Natur aus sehr introvertierter Ruslan redet auch nicht gerne viel über sich. Viel mehr Spaß hat er daran, die Gleichgesinnten mit frischen Informationen aus dem Internet, aus allen seinen so tief versteckten Ecken und Winkeln, dass nicht jeder dort hinkommt, zu versorgen. „Ich bin ein sehr langweiliger Mensch", erinnere ich mich an Ruslans Behauptung. Ach, Ruslan, Ruslan, wieso schätzt du dich so nicht...

Ruslan hat sich nie gescheut, seine proukrainische Position im Internet zum Ausdruck zu bringen. Durch ihn fand ich 2014 im WKontakte-Netzwerk eine Gruppe der Donezker ukrainischen Patrioten (mein verstorbener Vater stammte aus dem Donbass, daher gilt mein besonderes Interesse dieser Region), und einige Zeit lang waren wir beide dort aktiv. Aus familiären Gründen lebte Ruslan die ganze Zeit in Donezk und ging mit seiner Aktivität im Internet viel Risiko ein. Umso größere Sorgen machte ich mir um ihn, als der große Krieg 2022 begann, bis er sich endlich meldete und mir mitteilte, dass er am 21. März den Donbass verlassen hat.

Später, kurz vor Neujahr 2023, gedanklich auf diese Ereignisse zurückkommend, schrieb er in seiner Gruppe: „Der Krieg erwischte den Autor in Mariupol, wo er fast einen Monat lang ohne Heizung, Wasser und Strom unter ständigem russischem Beschuss überleben musste. Nach der Explosion einer relativ kleinen Fliegerbombe einige zehn Meter von seinem Wohnhaus entfernt flog schließlich das gesamte damals noch vorhandene Glas heraus und man musste bei minus 11 in den Keller ziehen. Dann erfolgte eine Evakuierung durch das von den Russen besetzte Gebiet mit mehreren Durchsuchungen, wobei er sich etwa 15-mal nackt ausziehen musste, von Mariupol über Berdjansk und weiter nach Saporoschje, in die Freiheit. Ich hatte also Glück, am Leben zu bleiben und aus der Hölle der "russischen Welt" herauszukommen. Das Jahr hätte ja viel schlimmer sein können. Allerdings ist Krieg nichts Gutes, und wir sollten uns wünschen, dass er so schnell wie möglich endet, damit im neuen Jahr so wenige Menschen wie möglich, sowohl in der Ukraine als auch in Russland, darunter leiden müssen."

Ruslan kehrte fast sofort nach der Evakuierung Anfang April zu seiner Barfuß-Gruppe im Internet zurück. Am 17. Juli erschien dort die erste Nachricht aus Lwiw, wo sich Ruslan endgültig niedergelassen hat. Zum Glück arbeitet er immer noch in seinem Beruf – für eine Fernarbeit als Programmierer braucht man doch nur einen sicheren Ort mit Strom und Internet. „Es gibt keine Wohnungsprobleme. Im Gegenteil, es gibt überraschend wenige Stromausfälle, da die Leitung, an der das Haus angeschlossen ist, viel seltener als der Durchschnitt wegen der Raketenangriffe abgeschaltet wird. Ich kann nichts Interessantes auch über meine Arbeit sagen. Meine eigenen Bedürfnisse sind gering, also spende ich viel Geld für die Armee, für Krankenhäuser usw. So gut ich kann, bringe ich den Sieg näher", schrieb mir Ruslan kurz vor Neujahr.

Und das Barfußlaufen kam auch nicht zu kurz. Im Sommer 2022 organisierte Ruslan in seiner Gruppe einen sogenannten „Barfuß-Marathon". Vierzehn Tage lang, vom 6. bis zum 20. August, berichtete er über sein Barfußleben, was er an jedem Tag gemacht hat, wo er barfuß war, was er dabei fühlte, und forderte andere auf, in den Kommentaren zu seinen Posten ihre eigenen Barfuß-Erfahrungen zu teilen. Genauso wie in den vorigen Jahren fand auch in diesem Jahr ein Wettbewerb um das beste Barfußfoto statt, das später als Avatar der Gruppe dienen sollte. Obwohl die Aktivität in der Gruppe im Vergleich zu den vorigen Jahren etwas nachgelassen hat, gelang es Ruslan, sowohl die Kommentare zu sammeln als auch den Gewinner des Wettbewerbs zu ermitteln.

Leider sind auf Ruslans Selfies nur seine Füße zu sehen, keiner der Einwohner von Lwiw hat sich zum „Barfuß-Marathon" angemeldet , sodass Ruslan ihn alleine absolvieren musste. Ein Freundeskreis für ein Barfußtreffen lässt sich nicht so schnell und so leicht bilden… Die Situation wurde durch einen Straßenfotografen gerettet, der Passanten anbietet, sich mit dem legendären Spider-Man aus dem amerikanischen Kultfilm fotografieren zu lassen, sonst wäre Ruslan in diesem wahnsinnig schwierigen Jahr ganz ohne Sommerfotos geblieben.



Ich war glücklich, mit Videos und Fotos dieses jungen Akrobatenpaars aus Slawjansk, Aleksej und Alona, deren Kunst ich am 29. Juli auf der Zeil, der Haupteinkaufsstraße und der wichtigsten Fußgängerzone von Frankfurt, genoss, zu Ruslans wunderbarer Gruppe beizutragen. Hier sind nur zwei davon:





„Wie üblich habe ich den ersten Schnee mit einem Barfußspaziergang empfangen", teilte mir Ruslan vor einigen Monaten mit. Hier ist ein Einzelbild aus dem am 7. Februar in seiner Gruppe erschienen Video „Erster Schnee im Jahr 2023", das seine Worte bestätigt.


Zalesski Offline




Beiträge: 23
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29.04.2023 21:22
#2 RE: Meine bescheidenen Freunde Thread geschlossen

Mein nächster Barfuß-Kollege, mit dem ich vor mehr als zwei Jahren ein Interview auf der Website "Barfuß in Russland" veröffentlicht habe,





lebt in Moskau und ist vielen Menschen in Russland aufgrund seines Talents bekannt. Was für eins, möchte ich nicht einmal andeuten, denn aus Bescheidenheit verbietet er es kategorisch, dieses Thema in einem Interview anzusprechen und seinen richtigen Nachnamen zu nennen. Aber ein echtes Talent ist in allem talentiert. Sogar in einer harmlosen Schwäche, Fotos von barfüßigen Frauen zu sammeln sowie neue zu erstellen. Ich werde die Bedeutung dieses Hobbys, das niemandem schadet, für ihn und für mich nicht übertreiben, aber ich will es auch nicht verteufeln. Diese Tätigkeit nimmt vielleicht 1% seiner Zeit und seines genialen Kopfes in Anspruch. Aber es war der Anlass für meine Bekanntschaft mit ihm. Ohne seine Aktivität im Internet in diesem Bereich https://www.flickr.com/photos/196144003@N08/ hätte ich ihn nie kennengelernt und hätte nichts von anderen Aspekten seiner Persönlichkeit gewusst, auch als Barfußgänger, worauf eigentlich mein Beitrag auf der Website "Barefoot in Russia" https://newrbfeet.ru/sergej-shark-moskva...vybor-kazhdogo/ beschränkt war.

In Anführungszeichen zitiere ich fast den gesamten Text dieses Interviews.

„– Sergej, dein Nachname klingt ukrainisch, gibt es eine Erklärung dafür?

– Mein Vater stammt aus dem Kuban-Gebiet, wo viele Menschen mit ukrainischen Wurzeln leben. Er kam 1975 nach Moskau und dort heiratete. Ich bin 1977 geboren. 1993 ging mein Vater wieder nach Krasnodar (die Hauptstadt des Kuban-Gebiets), genauer gesagt in die Großregion Krasnodar, nach Sotschi. Er war Sicherheitsbeamter, man versprach ihm das Wohnungsproblem zu lösen (unsere Familie musste in Moskau bei den Eltern meiner Mutter wohnen). Meine Schwester und ich sind Studenten der Kubaner Staatsuniversität geworden, beide Anwälte. Deswegen leben jetzt meine Mutter und meine Schwester mit Kindern in Krasnodar, und ich bin nach meinem Studium nach Moskau zurückgekehrt. Der Vater starb 2010 – gerade als er und die Mutter zu Besuch kamen. Er war erst 58."

Die Einwohner vom Kuban-Gebiet sind die Nachkommen der Ukrainer, Saporoschje-Kosaken, die im 18. Jahrhundert von der russischen Kaiserin Katharina II. an den Fluß Kuban umgesiedelt wurden, damit es niemanden gibt, der sich für die Ukraine einsetzen könnte. Jetzt sprechen sie alle Russisch und betrachten sich selbst als Russen, die Spuren der ukrainischen Herkunft lassen sich nur in den Nachnamen und in der Folklore finden. Das gleiche Ergebnis will Putin im 21. Jahrhundert im Osten und Süden der heutigen Ukraine erreichen.

Da ich verstehe, wie groß der Propagandadruck ist, unter welchem Sergej steht, erwarte ich nicht, dass er mir in allem zustimmt. Seine Gleichgültigkeit gegenüber der Politik im Allgemeinen genügt mir jedoch, dass der Krieg unsere Freundschaft nicht überschattet.

„– Wo und als was arbeitest du?

– Ich habe nur ein Jahr als Jurist gearbeitet. Derzeit arbeite ich in einer Sicherheitseinheit im Bereich Zivilschutz und Schutz vor Notfällen im Energiesektor.

– Hast du eine Familie?

– Geschieden, ein Wochenendpapa... Der Sohn ist elf, Tochter ist dreizehn. Gerheiratet habe ich 2003.

– Laufen die Kinder auch barfuß?

– Meine Tochter machte mir ja nach... Aber sie war zu klein, ich weiß nicht, ob solche Bilder veröffentlicht werden können. Und mein Sohn ist auch manchmal barfuß mit mir gelaufen.





– Das darfst nur du als Vater entscheiden... Wie hat alles bei dir angefangen und wie hat es sich im Laufe der Zeit entwickelt?

– Alles begann Mitte der 80er Jahre in Krasnodar. Ich habe einen Teil des Sommers in dieser Stadt verbracht, ich habe dort nämlich viele Verwandte... Und während man in Moskau äußerst selten barfüßige Kinder auf der Straße sehen konnte, war das für Krasnodar damals durchaus üblich. Aber für mich war es ein Schock. Braungebrannte zehnjährige Mädchen und Jungen gingen barfuß aus dem Haus und liefen sowohl auf Gras als auch über den heißen Asphalt (und der Asphalt in Krasnodar war damals anders als heute - rau, uneben, mit Steinen und Schotter durchsetzt). Den ganzen Mut gefasst, zog ich ein paar Mal meine Sandalen aus, aber barfuß auf so einem Untergrund zu laufen war für meine verwöhnten Großstadtfüße eine echte Qual...

Die Jahre vergingen und das Schicksal brachte mich erneut nach Krasnodar, diesmal als Student (in Moskau bin ich bei den Aufnahmeprüfungen durchgefallen). In dieser Zeit (Mitte der neunziger Jahre) waren gerade sehr aktiv die Anhänger des kurz davor verstorbenen Naturheilers und Mystikers Porfirij Iwanow (1898 – 1983). Ich traf oft barfüßige Männer und Frauen auf der Straße, und das machte einen unvergesslichen Eindruck auf mich.

Stellt euch vor, es ist +7 draußen, und an der Bushaltestelle steht eine Tante von etwa fünfzig Jahren, mit einer Einkaufstasche (Brot, Milch), sie trägt ein altes, ausgeblichenes, aber gepflegtes Kleid, offene Haare mit grauen Strähnen und... ist barfuß. An den durchgetretenen, strapazierten Füßen konnte man deutlich erkennen, dass diese Menschen nicht erst seit gestern barfuß laufen... Es hat mich so getroffen, dass ich mir überlegte – ob ich das auch kann? Keine Angst vor Seitenblicken und Geflüster hinter meinem Rücken haben?

Eines späten Abends ging ich spazieren und zog meine Schuhe aus. Die Empfindungen waren unbeschreiblich. Der noch warmer, den ganzen Tag von der Sonne erhitzter Asphalt (im Sommer ist es im Kuban sehr heiß), die raue Oberfläche - all diese Erinnerungen sind noch frisch, als wäre es gestern gewesen.
Das einzige, was ich bedauere, ist dass ich nicht auf diese Leute zugekommen bin und sie nicht kennengelernt habe. Es ist auch kein einziges Foto geblieben – ich hatte einfach nichts, womit ich diese Leute auf der Straße fotografieren konnte. Smartphone gab es damals keine, digitale Kameras auch keine, und die Idee, eine „Seifendose" jeden Tag bei sich tragen, war mir damals fremd.

Nach dem Studium kehrte ich nach Moskau zurück. Ich habe oft die Straße „Alter Arbat" besucht, wo sich barfüßige Informellen aufhielten (jetzt sind sie nicht da, aber vorher gab es sehr viele). Es war verlockend, mich ihnen anzuschließen, aber jedes Mal klickte dabei ein unsichtbarer Schalter im Kopf: „So, mitten in der Stadt, was werden die Leute denken?!"

Aber eines Tages, als ich im Wald spazieren ging, zog ich einfach meine Turnschuhe aus und kehrte barfuß nach Hause zurück. Nächstes Mal, als ich das Haus verlassen wollte, beschloss ich, meine Schuhe überhaupt nicht mitzunehmen, und eine Woche später war ich barfuß im Stadtzenrum (ich wohne in Butowo, einer Siedlung südlich vom Autobahnring, der Moskau umgibt). Der nächste Test war die U-Bahn. So habe ich mich allmählich an das Barfußlaufen gewöhnt und seit ca. 2005 ziehe ich Schuhe nur noch zur Arbeit und bei den ersten Schneefällen an.









Übrigens hat sich meine Ex-Frau oft darüber beschwert, dass ich keine Schuhe anhabe... Wahrscheinlich war dies einer der Gründe für unsere zahlreichen Konflikte und schließlich für unsere Scheidung. Jetzt habe ich eine feste Freundin, sie unterstützt mich voll und ganz und zieht manchmal aus Solidarität ihre Schuhe aus.



– Auf vielen Fotos bist du viel leichter angezogen als andere Menschen, ist das kein Zufall? Härtest du gezielt nicht nur deine Füße, sondern den ganzen Körper ab?

– Du hast völlig Recht. Etwa zwei Jahre, nachdem ich angefangen hatte, barfuß zu laufen, begann ich auch, mit leichter Kleidung zu experimentieren. Damals konnte ich bei -10 problemlos in einem T-Shirt laufen, aber jetzt habe ich aufgrund meines Alters Angst vor solchen Experimenten. Ich glaube, ich habe mich schon im Winter 2010 - 2011 normal angezogen, obwohl ich auch jetzt bei Nulltemperatur ungefähr eine Stunde in einem leichten Hemd ohne Folgen laufen kann.

– Hast du das alles gemacht, um deine Gesundheit zu stärken, oder wegen Stileinheit, damit deine Barfüßigkeit weniger auffällt?

– Wahrscheinlich ging es mir eher um den Stil, da ich mich nicht besonders um die Abhärtung gekümmert habe. Ich hatte nur das Gefühl, dass ich die Kälte gut vertrage, das ist alles. Übrigens gibt es in Moskau eine große Gruppe von Barfuß-Begeisterten „Naturschule der Gesundheit“ https://vk.com/club2881573, angeführt von Anton Nikitin, darunter scheinen viele Eisschwimmer zu sein. Meiner Meinung nach, sollte die Abhärtung vor allem Spaß machen. Macht das Barfußlaufen Spaß – dann los. Zieht man vor, im Eisloch zu schwimmen – bitte sehr. Aber wenn man unter dem Einfluss irgendwelcher Lehren und Sekten barfuß läuft, wie die Anhänger von Porfirij Iwanow, halte ich es für eine Wahn.

– Unter den Barfußfans gibt es solche, die sich verpflichtet fühlen, zu den baren Füßen leichte Kleidung zu tragen, anders schämen sie sich. Wenn barfuß, dann unbedingt ein T-Shirt, keine Oberbekleidung etc. Was kannst du dazu sagen?

– Weißt du, dieser Meinung würde ich zustimmen. Es ist seltsam, einen Mann in einer Daunenjacke und einer warmen Mütze ohne Schuhe zu sehen. Wenn er aber zu den baren Füßen zum Beispiel eine leichte Jacke und ein Bandana tragen würde, wäre das ein ganz anderer Look. Aber das ist nur meine persönliche Meinung.

– Auf einem Foto kann man dich neben einem Motorrad sehen.



Fährst du etwa mit dem Motorrad zur Arbeit? Hast du jemals versucht, barfuß Motorrad zu fahren?

– Da die Straßen der Hauptstadt mit Verkehr überfüllt sind, fahre ich selten Motorrad. Ja, es ist besser Motorrad beschuht zu fahren, sonst besteht die Gefahr, sich an einem heißen Schalldämpfer zu verbrennen, und es ist äußerst unbequem, den Gang mit bloßem Fuß zu wechseln. Ich habe versucht, barfuß zu fahren, aber es verursacht viele Probleme. Lange Strecken zu machen habe ich mich nicht getraut, maximal 20 km und zurück.

– Hast du darüber nachgedacht, einen Job zu finden, bei dem du deinen Traum von 100 % -igen Barfüßigkeit erfüllen kannst? Was hast du versucht zu tun, um diesen Traum umzusetzen?

– Der Traum bleibt im Moment erst mal ein Traum. Angesichts der jüngsten Trends des Übergangs von manchen Arbeitgebern zu Fernarbeit nehmen die Möglichkeiten, eine „Barfuß"-Arbeit zu finden, jedoch deutlich zu. Manchmal, wenn ich auf der Post bin, ertappe ich mich dabei, dass ich darüber nachdenke, sobald ich in Rente gehe, Postbote zu werden und barfuß Zeitungen auszutragen.

– Welche Ausnahmen musst du neben der Arbeit noch machen?

– In der Regel geht es dabei um staatliche Einrichtungen. Ich zähle mich nicht zu den „ideologischen" Barfüßern, und ich werde mich nicht mit irgendeinem Wachmann vehement streiten oder Beschwerden über ihn schreiben, weil er sich weigert, mich barfuß zu irgendeiner Dienststelle reinzulassen. Ich gehe für einen bestimmten Zweck zu einer Behörde und, wenn es Gründe gibt, Probleme zu erwarten, falls ich das Gebäude barfuß betrete, nehme ich auf jeden leichte Schuhe mit. Ich löse mein Problem, bekomme eine Bescheinigung oder eine Beratung, verlasse das Gebäude, ziehe meine Schuhe aus und gehe weiter und genieße das Leben. Ich habe keine Kraft und Lust, meine Zeit, Nerven und Gesundheit für sinnlose Auseinandersetzungen zu verschwenden.

So habe ich zum Beispiel kürzlich bei einem Besuch bei der Polizei Schuhe angezogen, als ich meinen Waffenschein erneuern sollte. Ein paar Mal war ich jedoch im MFZ (Multifunktionales Zentrum für die Erbringung staatlicher und kommunaler Dienstleistungen) barfuß, niemand sagte etwas, die Hauptsache die Gesichtsmaske war an. In Cafés, Restaurants, Museen, Kinos, Theatern, Zügen und sogar Flugzeugen gab es keine Probleme mit Barfuß (für Notfälle trage ich Flip-Flops mit).







– Was bedeutet das Barfußlaufen für dich? Was für angenehme Empfindungen gibt es dir?

– Das Barfußlaufen empfinde ich als einen Bestandteil meines Lebens und freue mich auf jeden neuen Frühling. Erstens ist es für mich die Freiheit von der Bewegungseinschränkung durch Schuhe. Zweitens die angenehmen Empfindungen durch den Kontakt der Füße mit dem Boden, was auch immer es sein mag - Asphalt, Fliesen, Erde, Gras, Sand usw. Drittens, nachdem ich angefangen habe, barfuß zu gehen, wurde ich praktisch nicht mehr krank, in den letzten fünfzehn Jahren war ich nie krankgeschrieben...

– Welchen Platz haben barfüßige Frauen in deinem Leben? Deine Fotos lassen schließen, dass du viele Barfüßerinnen kennst, während viele von uns davon träumen, mindestens eine kennenzulernen.























– Wenn ich auf der Straße eine barfüßige Frau treffe (besonders ohne Schuhe in den Händen), bleibt mein Herz stehen. Aber ich habe nie viel davon geträumt, barfüßige Mädchen kennenzulernen. Ich handelte praktisch und den Umständen entsprechend - wenn die Situation günstig war und das Mädchen allein war, lernte ich sie kennen.
Meiner Meinung nach ist es für einen Mann viel einfacher, seine Schuhe auszuziehen, und ein Mädchen, das sich entscheidet, auf öffentlichen Plätzen barfuß zu gehen, muss ziemlich viel Mut und innere Emanzipation (und teilweise Gleichgültigkeit) mitbringen.

Ich erinnere mich an ein junges informelles barfüßiges Mädchen, dass ich 2015 in der U-Bahn getroffen habe, gerade im Stadtzentrum, auf dem Platz „Lubjanka". Das Mädchen trug ein Bandana, eine Lederjacke und ein langes Jeanskleid, eine dünne Stofftasche über der Schulter und anscheinend keine Schuhe. Sie benahm sich so natürlich, dass ich mich über sie freute. Da ich geschäftlich in Eile war, traute ich mich nicht heran...

– Was kannst du über die auf deinen Fotos abgebildeten Frauen sagen?

– Fast keine von ihnen ist eine bewusste Barfüßerin, eher situative, je nach Stimmung (weil ich in der Nähe bin, zuzweit schämt man sich doch anscheinend nicht so stark), aber trotzdem ist es immer schön, wenn ein Mädchen sich an dir Beispiel nimmt und ihre Schuhe auszieht.
Vielleicht wird mir jemand widersprechen, aber ich will eine vorsichtige Beobachtung teilen. Es gibt nur wenige echte, überzeugte Barfüßerinnen auf der Welt (abgesehen vom Barfußlaufen in armen Ländern, wo die Füße nur deshalb nackt sind, weil ihre Besitzerinnen einfach kein Geld für Schuhe haben).







Persönlich habe ich nur zwei Arten echte Barfüßerinnen erlebt - informelle Frauen (meistens Hippies) und begeisterte für eines gesunden Lebensstils (hauptsächlich Iwanows Anhängerinnen). Mit anderen Worten, haben diese Mädchen (Frauen) ein gewisses Maß an "Verrücktheit", und dies ist für das Barfußlaufen ganz normal.
Auf meinem Weg tauchten auch barfüßige Außenseiterinnen auf, aber das ist ein ganz besonderes Thema. Oftmals, sobald sich die Gelegenheit bot, sich irgendwelche Hausschuhe anzuziehen, nutzten diese unfreiwillig barfüßigen Damen sie sofort.
Alle anderen ziehen in den allermeisten Fällen die Schuhe aus, entweder wenn die anderen das tun oder wenn es warm ist und die Schuhe an den Füßen reiben... Aber das finde ich auch nicht schlimm.
Im Web bin ich immer wieder auf Anzeigen gestoßen wie diese da: „Ich würde gerne ein barfüßiges Mädchen treffen." Demjenigen, der dies geschrieben hat, möchte ich sagen: „Mein Lieber, du wirst für ein barfüßiges Mädchen kaum interessant sein, wenn du dich nur für ihre Barfüßigkeit interessierst. Lerne ein gewöhnliches Mädchen kennen, und wenn sie dich mag, wird sie nicht zögern, ihre Schuhe für dich auszuziehen... "

Die nächste Frage wollte ich nicht so sehr Sergej selbst stellen, sondern den Originalen seiner Fotos, die ich trotz Sergejs Einladung, Moskau zu besuchen, wegen der politischen Situation anscheinend nie live sehen werde: Welchen Platz hat die Bekanntschaft mit Sergej in ihrem Leben? Was gibt ihnen Spaziergänge mit ihm und diese „Fotoshootings"? Aus Taktgefühl zögert Sergej, Informationen darüber zu teilen, wie er diese Damen kennengelernt hat und wie sich ihre Beziehung entwickelt hat. Ich kann davon ausgehen, dass seine „Models" in der Regel Frauen mit einem schwierigen, gebrochenen Schicksal sind, dass sie leidenschaftliche Fans seines Talents sind und dass Sergej, der hinter seiner brutalen Erscheinung eine edle, sensible Seele verbirgt,





immer bereit ist, ihnen zuzuhören und mitzufühlen.



„- Was hat sich in deinem Leben verändert, seit du barfuß läufst? Was hast du gewonnen und was verloren (körperlich, geistig und sozial)? Hast du jemanden deiner alten Freunde verloren, weil du Barfußläufer geworden bist? Hast du neue bekommen?

- In meinem Leben hat sich fast nichts geändert, alle, die für mich wichtig sind, sind mit mir geblieben. Einige ermutigen, einige sind neutral, halten es für eine harmlose Exzentrizität, einige achten überhaupt nicht darauf, aber es gibt sicherlich nichts Negatives. Barfüßigkeit ist eine persönliche Entscheidung, die die Rechte und Freiheiten anderer nicht beeinträchtigt, daher bin ich froh, dass ich nichts wegen meinem Hobby verloren habe! Und natürlich habe ich neue interessante Freunde gefunden!









– Warst du schon einmal im Ausland?

– Ja, in Ägypten, Jordanien und der Türkei.

– Bist du dort auch barfuß gelaufen? Übrigens, wann war das?

- In Ägypten - 2008 (noch beschuht), in Jordanien - 2013, in der Türkei - 2018.

– Zu welcher Jahreszeit?

– In Jordanien im Winter, in den anderen Ländern im Sommer.

– Wow! Wie gehst du denn mit heißen Oberflächen um? Ich - nicht so gut, ziehe Kälte vor.

– Ich habe harte Fußsohlen, daher kann ich problemlos sowohl auf heißen als auch kalten Oberflächen laufen.

– Aber ganz am Anfang deines Barfußlebens, 2005, waren sie noch nicht so?

– Sagen wir einfach, dass sie mit der Zeit fester und härter wurden. Ich war neugierig, wie sehr sich die Füße verändern können, wenn man ständig barfuß läuft, und habe mich zu einem Selbstexperiment entschlossen. In einem Forum behauptetet man, dass die Füße durch den Barfuß-Lebensstil nicht rau werden. Nur für meine Füße hat Asphalt als Peeling überhaupt nicht funktioniert, und am Ende der Barfußsaison konnten an meinen Fersen Messer geschärft werden. Aber ich schere mich nicht darum.

– Wann beginnt denn und wann endet deine Barfußsaison?

– Ich starte ungefähr Mitte April und mache Schluss mit dem ersten Schnee. Das heißt, meine Barfußsaison dauert ungefähr sechs Monate. Am Ende der Saison ist das Aussehen manchmal sehr unästhetisch. Außerdem wird nur die Ferse rau und platzt, die Finger und der Rest der Sohle bleiben normal.

– Tust du auch irgendetwas, damit es ästhetisch aussieht? Benutzt du zum Beispiel irgendwelche Cremes? Oder tust du nichts und wartest darauf, dass sich das Aussehen deiner Fersen über den Winter von selbst verbessert?

– Gezielt mache ich nichts. Im Winter verschwindet die Hornschicht von selbst, ich ergreife keine „Wiederbelebungsmaßnahmen", um die Haut meiner Füße in den ursprünglichen Zustand zu bringen. ich lasse alles auf dem natürlichen Weg gehen."

Das letzte Fragment deutet auf die Diskussion hin, die auf allen Barfußseiten und Foren in jeder Sprache irgendwann aufkommt, nämlich ob Barfußlaufen zu einer Verdickung der Hornschicht führt. Die meisten Menschen, die keine persönliche Erfahrung eines massiven Barfußlaufens haben, sind überzeugt: Ja, natürlich, wie könnte es anders sein – genauso wie die Muskelmasse durch Muskeltraining wächst. Und je dicker die Hornschicht wird, desto mehr nimmt die Empfindlichkeit der Fußsohlen ab, sodass man irgendwann auf jedem Untergrund schmerzfrei gehen kann. Diese Vorstellung wird in der Belletristik und in der Publizistik fest verankert.

Ich erinnere mich an einen Satz aus einem der frühen Artikel (ca. 2006) über Luzia Falkenberg: "Im Lauf der Jahre wuchs die Hornhaut unter den Fersen und Ballen, machte Luzia unempfindlich gegen äußere EInflüsse." Dieser Satz entspricht der Realität nicht. Ich weiß, wovon ich rede, weil ich 2017 mit Fr. Falkenberg-Lehner persönlich gesprochen habe. Menschen, die sich bewusst entscheiden, auf Schuhe zu verzichten, stellen aufgrund eigener Erfahrung fest und lernen von ihren Hobbykollegen, dass dies nichts weiter als ein weit verbreitetes Vorurteil ist. Oder manchmal ein Wunschdenken. Eine dicke Hornschicht kann man nicht antrainieren, und die Schmerztoleranz entwickelt sich hauptsächlich im mentalen Bereich. Eine übermäßige Verhornung findet gerade an Stellen, wo die Haut unter dem Druck von Schuhen steht, oder sie dient als Ausgleich bei einigen Verformungen (wie z. B. ein schwaches Quergewölbe bei Spreizfuß). Vielleicht gibt es noch andere Fälle, aber mit Barfußlaufen hat das alles absolut nichts zu tun. Im Gegenteil, das Letzte wirkt diesem Prozess etwas entgegen („Asphalt als Peeling").

Aber Achtung! Bei manchen Menschen ist die Hornschicht in der Lage, auf Strapazen der Barfüßigkeit mit dem Verdicken zu reagieren. Dementsprechend kann die Festigkeit und Schmerztoleranz der Sohlen bei ihnen leicht zunehmen. Wenn jemand nur zu warmen Jahreszeiten barfuß läuft, dann sind diese Veränderungen saisonbedingt. Wissenschaftliche Studien wurden hier jedoch nicht durchgeführt, da deren praktische Nutzen schwer zu beweisen ist. Anscheinend gibt es sehr wenige solcher Leute. Zu ihnen zählt zum Beispiel ein Mitglied des Gelben Forums, alwaysbarefoot, der sehr stolz auf seine Leistungen als Barfußläufer war, insbesondere auf die Fähigkeit, wegen einer beträchtlichen Dicke der Hornschicht, die er glaubte im proportionalen Verhältnis zur Gesamtdauer des Barfußlaufens zu sein, fast auf jedem schwierigen Untergrund zu gehen. Und das bedeutete für ihn, dass derjenige, der die Hornschicht nicht ausreichend aufgebaut hat, beim Barfußlaufen nicht fleißig oder nicht konsequent genug war. Natürlich hat er mit diesen Verallgemeinerungen viele Menschen verletzt, sogar den Barfuß-Engel Sabrina Fox. Und dann fühlte er sich selbst gekränkt, als jemand vermutet hat, er habe nicht so viel Freude am Barfußlaufen wie Menschen mit einer nicht so dicken Hornschicht.

Ein anderes Forumsmitglied, kaesefuss, teilte oft seine Zweifel, ob er die überschüssige Hornschicht entfernen sollte, die die Sohlen unästhetisch macht. Möglicherweise hat er auf dasselbe Problem wie Sergej gestoßen.

Im Gelben Forum wurde auch von einem Barfußläufer berichtet, der in einer Fernsehsendung seine „Sommer"-Fußsohlen zeigte, die ungefähr so aussahen wie die von Sergej auf diesem Foto.



Diesem Mann wurde von den meisten Teilnehmern der Diskussion vorgehalten, dass er damit ein verbreitetes Vorurteil unterstützt, das entmutigt barfuß zu gehen, weil die Füße dadurch vermeintlich hässlich werden. Sonst ist mir nichts zu diesem Thema im Forum aufgefallen! Drei Fälle für mehrere hundert Teilnehmer. Vielleicht sollte man diese Zahl malnehmen, weil nicht alle sich in Diskussionen zu Wort melden. Wie dem auch sei, gibt es sehr, sehr wenige solche Leute - ein paar Prozent. Ich bin froh, dass ich und Sergej, dessen innere Feinheit das genaue Gegenteil der Rauheit seiner Fersen ist, diese Diskussionen vermieden haben und dass er niemandem etwas vorwirft. Sein Beispiel ist ein weiteres Argument für diejenigen, die immer noch daran zweifeln, dass es Menschen wie ihn gibt! In Bezug sowohl auf die Fersen als auch auf die Seele.


Zalesski Offline




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29.04.2023 21:45
#3 RE: Meine bescheidenen Freunde Thread geschlossen

Aber der bescheidenste unter meinen bescheidenen Freunden ist der 46-jährige Victor aus Chişinău, dessen Namen und Beruf ich nicht nennen und dessen Gesicht nicht zeigen darf. Ich stehe mit ihm im Kontakt seit 2019, als meine Fotos mit Ivanna im Netzwerk erschienen. Er sagte, er habe auch eine Freundin, mit der er barfuß laufe, und schickte mir ein paar Fotos von ihr. Von Chişinău nach Odessa ist ein Katzensprung. Ich habe ihm zweimal, sowohl 2019 als auch 2021, angeboten, allein oder mit diesem Mädchen nach Odessa zu kommen. Vergeblich.

Nicht nur weil Victor verheiratet ist und seine Frau nichts von seiner Leidenschaft weiß oder weil sein kreativer Beruf ihm wenig Zeit lässt (er macht ab und zu Geschäftsreisen nach Rumänien, wo man die gleiche Sprache spricht wie in seiner Heimat, die ich immer bereut habe, nicht zu können, da ich in Moldawien geboren wurde und bis zu meinem sechsten Lebensjahr dort lebte und diese Sprache, deren einzelne Wörter sich in meine Kindheitserinnerung eingeprägt haben, immer gemocht habe; außerdem verbringt Victor seinen Urlaub einmal im Jahr in Bulgarien, anscheinend immer am selben Ort, bleibt aber ansonsten in seiner Heimatstadt): „Ich würde gerne mit dir und mit barfüßigen Mädchen an unbekannten Orten spazieren gehen, aber im Moment scheu ich mich vor überfüllten Orten. Ich könnte mir im Prinzip einen Bart wachsen lassen und einen Hut aufsetzen und überall barfuß laufen... Aber ich bin jetzt nur in Wäldern und Parks barfuß. Für mehrere Stunden, besonders nach Regen, wenn Matsch und feuchte Erde schön an nackten Sohlen kleben."

Während dieser Spaziergänge erstellt Victor Videos und lädt sie auf seinen YouTube-Kanal hoch https://www.youtube.com/user/candideangel/videos. „Ich habe mich selbst gefilmt, weil ich den Anblick von schmutzigen und mit Schlamm beklebten Barfußsohlen sehr mag... Und in meinem Fall wird das von der anmutigen Form begünstigt..." Stylistisch ähnliche Fotoserien von Barfuss-Steve, der sich als Fotograf und Filmemacher vorgestellt hat, wurden vor einigen Jahren im Gelben Forum veröffentlicht und sehr positiv bewertet .

Da Victor nur die Füße aufnimmt, ist für die meisten Zuschauer nicht klar, ob sie einem Mann oder einer Frau gehören. Ob die riesige Anzahl an Abonnenten damit zusammenhängt? Victor kümmert das überhaupt nicht. Es scheint, dass er nicht allzu sehr daran interessiert ist, den möglichen Irrtum zu verhindern. Er ist sehr stolz auf die äußerliche Form seiner Füße: „Viele Frauen haben mir gesagt, dass meine Füße schöner sind als die mancher Frauen." Nun, ich denke, dem können wir ruhig zustimmen.

Nach jedem neuen Barfußspaziergang im Freien erfreut mich Victor, oder besser gesagt, er glaubt mich zu erfreuen mit vielen Fotos seiner Füße, obwohl ich ihm immer wieder sage, dass ich ihm aufs Wort glaube und mich ohne Fotobeweise über seine Spaziergänge freue.

Vielleicht verlängert er so die seltenen Glücksmomente, die er sich seiner Meinung nach nicht leisten kann: „Oh, wenn du wüsstest, wie ich diese Freiheit gerne in vollen Zügen spüren möchte, so dass ich barfuß überall gehen kann, wo immer ich Lust habe, und nicht vom Urteil anderer abhängen muss und absolut verrückt sein darf", „Wie glücklich bist du, dass du es dir leisten kannst, barfuß zu gehen, wo immer du willst. Und du hast so viele schöne Barfüßerinnen getroffen", „Ich wünsche mir deine Freiheit zu haben..." Diese völlige Freiheit genießt er anscheinend nur im seinem bulgarischen Urlaub: „Ich gehe überall hin und nur barfuß."
Das Foto unten wurde gerade dort aufgenommen.


André Uhres Offline

Admin


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02.05.2023 08:58
#4 RE: Meine bescheidenen Freunde Thread geschlossen

Zitat von Zalesski im Beitrag #1
Ruslan Pissarew ist jedem Journalisten bekannt, der sich im russischsprachigen Raum mit dem Thema "Barfuß" zu beschäftigen beginnt.


Ich habe den Bericht über Ruslan gelesen und sehr genossen, ein faszinierender Mann!


Lebenskünstler Offline

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04.05.2023 17:58
#5 Sergej - ein Mensch wie du und ich Thread geschlossen

Das gefällt mir so an deinen Beiträgen. Du triffst Menschen, interviewst sie und im Gespräch stellt sich heraus: es sind Menschen wie du und ich, mit ihrem Alltag, ihren kleinen und auch manchmal grossen Sorgen.

Keine Exoten, mit beiden Beinen im Leben stehend.

Ein Teil der Geschichte von Sergej könnte auch meine sein.Besonders das mit der Partnerin die seinen Lebensstil nicht mochte.

Doch nun hat er ja seine Gefährtin gefunden.

Grüssle von Gabriel


Montanara Offline




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05.05.2023 00:17
#6 RE: Sergej - ein Mensch wie du und ich Thread geschlossen

Ich unterschreibe fett bei Gabriel.

Liebe Grüsse
Dorothea


André Uhres Offline

Admin


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05.05.2023 12:58
#7 RE: Meine bescheidenen Freunde Thread geschlossen

Sergej hat mich auch sehr beeindruck!



An den durchgetretenen, strapazierten Füßen konnte man deutlich erkennen, dass diese Menschen nicht erst seit gestern barfuß laufen... Es hat mich so getroffen, dass ich mir überlegte – ob ich das auch kann? Keine Angst vor Seitenblicken und Geflüster hinter meinem Rücken haben?

– Das Barfußlaufen empfinde ich als einen Bestandteil meines Lebens und freue mich auf jeden neuen Frühling. Erstens ist es für mich die Freiheit von der Bewegungseinschränkung durch Schuhe. Zweitens die angenehmen Empfindungen durch den Kontakt der Füße mit dem Boden, was auch immer es sein mag - Asphalt, Fliesen, Erde, Gras, Sand usw. Drittens, nachdem ich angefangen habe, barfuß zu gehen, wurde ich praktisch nicht mehr krank, in den letzten fünfzehn Jahren war ich nie krankgeschrieben...

Sein Beispiel ist ein weiteres Argument für diejenigen, die immer noch daran zweifeln, dass es Menschen wie ihn gibt! In Bezug sowohl auf die Fersen als auch auf die Seele.


eisbaer55 Offline




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05.05.2023 13:44
#8 RE: Meine bescheidenen Freunde Thread geschlossen

Vielen Dank für Deinen Beitrag, lieber Zalesski!
Insbesondere für die Rückschau auf Mitglieder/Beiträge im Gelben Forum. Ich erinnere mich noch gut an dieses "mimimimi" ja nur nicht stabile Sohlen zu zeigen um niemanden zu verschrecken, als Vollzeitbarfüsser musste man ganz still sein, das Herausarbeiten von Unterschieden im Trainingszustand von Sohlen/Muskeln/Knochen war verpönt, man wurde beschuldigt die Barfüsser in Klassen zu unterteilen ... etliche betroffene Teilnehmer haben sich verabschiedet und auch mir ist es irgendwann zu dumm geworden, Nachrufe der Art "Reisende soll man nicht aufhalten" waren üblich. Vielleicht war das mit ein Grund für den Niedergang des Gelben Forums, das am Ende nur eine Sammlung von "politisch korrekt weichgespülten" Beiträgen war, die polarisierenden, manchmal übertreibenden Beiträge, die durchaus zu Recht heftig kritisiert wurden, gabs nicht mehr, die Originale unter den Foristi weg, kein Salz mehr und kein Fleisch.
Kein Wunder, daß sich dann niemand mehr gefunden hat, das Forum weiterzuführen.
Ja, ein wenig Bitterkeit hab ich da auch reingeschrieben: Ich war ein paar Jahre lang wirklich gerne mit Leib und Seele dabei.
Naja was soll's, hier gehts ja weiter :)
Nostalgische Grüße aus Wien
Wolfgang


Montanara Offline




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05.05.2023 20:33
#9 RE: Meine bescheidenen Freunde Thread geschlossen

Na ja, ist wie so Manches eine Interpretationssache.
Es kommt es drauf an, wie man die Sohlen zeigt und auf ihren Trainingszustand hinweist. Das kann man so machen wie Zalesski, sodass es sachlich daherkommt und nicht anstössig ist. Oder man kann es demonstrativ - offensichtlich, provokativ und mit arrogantem Unterton oder wie auch immer tun, was dann das Gesindel anzieht, was wir im Gelben unter keinen Umständen haben wollten.
Genau der arrogante, provokative Unterton ist es, was mich an Deinen Beiträgen immer gestört hat und mich dazu bringt, hier einige Dinge richtigzustellen. Sorry, Zalesski, gehört nicht wirklich hierher, aber ich mag es nicht, wenn jemand Tatsachen derart verzerrt darstellt. Genau solche Beiträge wie Deine zeigen die Vielfalt des Barfusslaufens auf und zeigen viel Lebensfreude. Ich möchte mich aber gegen die auf mich zielenden Worte wehren dürfen.
Zurück zum provokativ-arroganten Unterton. Vielleicht war es nicht so gemeint, aber ich bekam immer wieder PMs anderer User, die sich an Deinen Beiträgen störten und sich herabgesetzt fühlten. Du scheinst die Weisheit für Dich gepachtet zu haben und andere Ansichten und Lebenseinstellungen werden von oben herab angeschaut. Menschen, die nicht zu 170% barfuss leben, sind nur "halbe" Barfüsser, um es überspitzt zu illustrieren. Warum hat Dein eigenes Forum kaum Mitglieder gefunden? Genau deswegen. Nur Deine Wahrheit zählt und andere haben nur minderwertigen Charakter. Zu Beginn waren einige sehr interessante Leute da, und die haben sich genau deswegen verabschiedet. Aber Dich selbstkrisch fragen, ob das eigene Handeln dazu geführt hat? Dein Beitrag zeigt mir, dass Du nach wie vor die Schuld immer bei den anderen, jedoch nie bei Dir selber suchst. Dir ging es darum bestätigt zu werden, nie darum, in andere Welten einzutauchen.
Ich habe hingegen jeden Weggang von Mitgliedern wie Dir beinhe schon persönlich genommen und mich immer wieder und wieder hinterfragt. Zu sehr. Meine Mitstreiter haben mich gottseidank immer wieder heruntergeholt und geerdet. Es ging darum, die Regeln konsequent durchzusetzen. Und das verträgt sich nicht mit usern, die sich nicht daran halten wollten. Dabei waren wir immer offen. So haben wir deinetwegen die Regel eingeführt, dass man im Hauptforum nicht mehr über Minimalschuhe schreiben durfte. Schon vergessen?
Du kannst das Schliessen des Gelben Forums gerne so interpretieren. Du hättest Dich durchaus auch melden und übernehmen können. Fakt ist, dass sich kaum wer gern exponiert und von Menschen wie Dir was auf den Deckel kriegt. Das braucht ein dickes Fell, vor allem das vergebliche Vermitteln kann sehr frustrierend sein. Dazu kommt die veraltete Software und die Unmöglichkeit, das Ganze auf eine andere Plattform zu ziehen. Das hat viele davon abgehalten. Und die meisten möchten einfach nicht so viel Zeit investieren. Du wirst mir das zwar nicht glauben, aber vielleicht andere, die hier mitlesen. Ich habe es von innen her erlebt und durchgemacht, und ich bin traurig, dass es gekommen ist. Ich habe viel Herzblut investiert.
Dass Deine These, das Gelbe habe wegen der politischen Korrektheit usw. keine Leute gefunden, die übernehmen wollten, kann ich leicht widerlegen. Im neuen Barfuss-Lifestyle-Forum von Tobi sind fast alle Stammgäste des Gelben Forums aktiv, darunter drei ehemalige Admins. Die Lust, im Forum mit Gleichgesinnten zu schreiben, ist nach wie vor ungebrochen. Der Admin dort legt grossen Wert auf respektvollen Umgang. Dieser Admin zensiert sogar und neulich wurde ein User, der sich nicht annähernd so provokativ verhalten hat wie Du, ohne mit der Wimper zu zucken gesperrt. Meine Intervention hat bewirkt, dass er wieder zugelassen ist. Dass trotz dieses restriktiven Moderierstils die Community so aktiv ist und das Gelbe dort weiterexistiert, zeigt, dass Deine Interpretation nicht stimmen kann. Es ist der Faktor Zeit - nieand will diese aufbringen (ich selber geniesse es, nicht mehr moderieren zu müssen und daher auch mehr Zeit zu haben). Tobi schon - aber nur auf einer modernen Plattform. So kam es so, wie es jetzt ist.
Danke für das Kompliment, kein Original zu sein. Bisher hat mich jede Person, die mich persönlich kennengelernt hat, als eins bezeichnet. Du bist die erste Person, die mich als weichgespült und politisch korrekt bezeichnet.

Liebe Grüsse trotz allem
Dorothea


Lebenskünstler Offline

Admin


Beiträge: 1.200
Punkte: 155

05.05.2023 21:21
#10 RE: Meine bescheidenen Freunde Thread geschlossen

Hallo ihr beiden,

Dmytro hat einen so lebhaften Beitrag geschrieben über liebenswerte Barfüsser, da wäre es doch jammerschade wenn der jetzt untergeht im einer Diskussion über die einzelnen Foren und gegenseitigen Schuldzuweisungen untergeht.

Ihr dürft gerne weiter diskutieren. Wir haben auch einen geschlossenen Bereich.
Im Stammtisch kann jedes freigeschaltete Mitglied lesen und schreiben, unabhängig davon wie aktiv er / sie ist.

Eurer beider Antwort kopiere ich in den Stammtisch, ich bitte euch, und alle anderen die das Thema interessiert die Diskussion dort weiterzuführen.

RE: Meine bescheidenen Freunde

Danke,auch im Namen des Autors "meine bescheidenen Freunde"


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