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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Barfuß und Leben
Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 585
Punkte: 248

02.11.2015 05:11
Klassentreffen mit Hindernissen, Teil 2 Zitat · antworten

Klassentreffen mit Hindernissen, Teil 2

Hallo!

Am Freitag, den 23.10.2015 befand ich mich auf dem Weg von Zofingen zum Klassentreffen in Rellingen-Krupunder. In Offenburg verließ ich den RE von Basel und quälte mich durch die viel zu engen Durchgänge zum anderen Bahnsteig, wo in Kürze ein RE Richtung Karlsruhe ankommen würde. Es war immer noch bewölkt, aber immerhin standen warteten auf dem Bahnsteig neben winterlich vermummten Leuten auch einige junge Männer in kurzen – äh – unlangen Hosen. Aber barfuß oder auch nur sokkenlos in Sandalen war keiner. Ob einige Frauen sokkenlos in geschlossenen Schuhen waren oder dieses nur durch irgendwelche „arglistigen“ Tricks nur vortäuschten, soll mein Problem nicht sein.

Ich blieb aber nicht lange in diesem Zug, sondern wechselte in Achern in eine „Weder-Fisch-noch-Fleisch-Bahn“, wie die nach „Karlsruher Modell“ mal auf Eisenbahn-, mal auf Straßenbahnschienen verkehrenden Züge manchmal bezeichnet werden. Genau wie vor 2 Jahren. Da die „Bummelstadtbahn“ (Originalzitat Lene) keine Toilette hat, suchte ich am Bahnhof noch eine, diese war jedoch wegen Vandalismus geschlossen. Da aber beim Bahnhof ein Bach unter den Gleisen durchführte, konnte ich mein Geschäft dort erledigen, mußte mich jedoch zwischen Brennnesseln und Hundekkakke durchschlängeln. Aber dazwischen war es angenehm unter den Füßen. Ich gab mir auch keine Mühe, die Grasreste von den Füßen zu entfernen, bevor ich das Tram nach Karlsruhe bestieg. Dieser Zug füllte sich an den vielen Stationen mit Schülern, viele behielten ihre dicken Jacken an, total zugeknöpft. Wer eine Mütze trug, behielt sie auch auf dem Grind. Als ob in der Bahn dickster Winter herrscht. Und ohne Ausnahme waren sie fett bewischphont. Was um sie passierte, interessierte sie nicht. Im Gegensatz zu mir. Ich fand es sehr wohl interessant, auf dem Streckenabschnitt Rastatt-Durmersheim-Karlsruhe in einer „besseren Straßenbahn“ zu sitzen, während auf dem Gegengleis ein ICE vorbeirauscht. Und dann noch die vorsintflutlichen Flügelsignale an der Strecke. Gegensätze sondergleichen! Da fallen die Gegensätze zwischen meiner eher sommerlichen Kleidung und der eher winterlichen Kleidung kaum ins Gewicht.

Nachdem die Bahn den Albtalbahnhof verlassen hatte und noch eine Station auf „richtigen“ Straßenbahnschienen zum Bahnhofsvorplatz vor dem Karlsruher Hauptbahnhof weitergefahren war, hieß es für mich abermals umsteigen. Gegenüber dem Hauptbahnhof befindet sich ein Zoo. Vor dem Kassenhäuschen standen nur wenige Menschen. Ich wollte nicht in den Zoo. Wer ohne Entrichtung des Eintrittsgeldes in den Zoo wollte, hätte gar nicht einmal einen hohen Zaun übersteigen müssen, sondern er hätte bloß durch eine Reihe von Brunnenbecken waten müssen. Aber wer macht so was schon! Da holt sich Otto-Normal-Füdlibürger doch nasse Schuhe und nasse Hosensäume! Ob im Hochsommer öfters Leute, die keine Lust haben, stundenlang in der Kasse zu warten, den billigeren „Wasserweg“ wählen? Im Oktober würde man ja in Sommerkleidung im Zoo auffallen, so daß die wegen Erschleichung von Leistungen gerufene Polizei ein leichtes Spiel hätte. Da ich genügend Zeit bis zur Weiterfahrt hatte, ging ich zunächst am Zaun des Zoos entlang, um dann über einen Fußweg, der auf einer Brücke den Zoo überquert, zurück zum Bahnhof zu gehen. In unmittelbarer Nähe der Brücke waren zwei „mehr als barfüßige“ Elefanten zu sehen.

Um 14.08 Uhr ging es mit einem RE über Graben-Neudorf, Germersheim, Speyer und Ludwigshafen nach Mainz. Mittlerweile war die Sonne durchgebrochen, und die Bäume und Büsche leuchteten in den schönsten Farben. Obwohl ich mich im Zug befand, bildete ich mir ein, ich würde barfuß an Hecken entlang wandern. Vielleicht hing es damit zusammen, daß dieser Zug nicht den „normalen“ Weg über Mannheim befuhr, sondern quasi wie früher ein „Heckeneilzug“ über Nebenstrecken, ohne daß man Zuschläge entrichten mußte. Leider mußte der Zug kurz vor Mainz „aus technischen Gründen“ etwas warten. So mußte ich am Mainzer Hauptbahnhof säckeln, um zum anderen Bahnsteig zu gelangen. Zu allem Übel lag in der Unterführung (ich glaube, es war nur ein „Nottunnel“, nicht der offizielle Durchgang) eine zerbrochene Leuchtstoffröhre, aber ich verletzte mich nicht. Und den Anschluß, einen RE nach Frankfurt Hbf., erreichte ich auch.

Da ich fast 40 Minuten in Frankfurt Aufenthalt hatte, ging ich noch durch ein paar Straßen der Stadt. Ich wurde von Besoffenen dumm angelabert, Bettler und Bettlerinnen (überwiegend „undeutsch“ aussehend), die vor Hauseingängen lungerten, starrten auf meine Nichtschuhe. Da eine Straßenbahnstrecke umgebaut wurde, mußte ich ein paar Umwege in Kauf nehmen. Und überall im Bahnhof nicht gerade vertrauenerweckende Uniformträger mit der Aufschrift „DB Sicherheit“. Um diese „Pseudobullen“ machte ich einen Riesenbogen, das Erlebnis in Haltingen mit den Kalkmützen hatte ich nicht vergessen, obwohl ich dort nicht betroffen war.

Um 17.20 Uhr ging es mit einem RE nach Kassel Hbf. Dieser sehr volle Zug fuhr schon unpünktlich ab, holte sich eine weitere Verspätung wegen Gleisbauarbeiten, weswegen ich schon unruhig wurde. Jedoch hielt sich die Verspätung in Grenzen, so daß ich den Cantus-Zug nach Göttingen noch erreichte. Vor mir stieg eine ca. 70jährige Frau in den Zug. Sie hatte lange blonde Haare, trug einen kurzen gelbbraunen Mantel, einen knielangen Rock sowie mettwurstfarbene Nylons. Ein schickes Hütchen hätte ihr Aussehen perfekt gemacht aber: „Nobody is perfect!“ Hatte ich diese Frau nicht schon am Karlsruher Hauptbahnhof gesehen? Egal. Allerdings steuerte sie auf das zu, auf das ich auch zusteuerte – die einzige Toilette im Cantus-Triebzug. Unmittelbar, nachdem sie die WC-Tür geöffnet hatte, rief die feine Dame: „Eine Sauerei ist das!“ Und verschwand. Also mußte ich warten. Denn auch für mich wurde es Zeit, denn im übervollen Zug von Frankfurt hatte ich nicht die Möglichkeit. Nach einiger Zeit kam sie wieder raus, ging an meinem Sitzplatz vorbei und sagte immer: „Eine Sauerei! Da geht man von Zug zu Zug, und nun das! Barfuß, pfui! Eine Sauerei!“ Ein ca. 30jähriger Mann, der in der Nähe saß, fragte: „Meint die etwa Sie?“ Ich antwortete: „Vermutlich ist barfuß gehen und das Tragen von kurzen Hosen außerhalb des Strandes mit dem Weltbild dieser feinen Dame nicht vereinbar.“ Darauf der Mann: „Die Frau scheint ziemlich verwirrt zu sein. Das geht sie doch gar nichts an, was andere Leute im Zug tragen. Schließlich gehört ihr der Zug doch nicht.“ „Vielleicht doch!“ sagte seine Begleiterin, die sich zwischenzeitlich ihrer fetten Stiefel entledigt hatte und auf Sokken war. Als ich bald darauf die Toilette aufsuchte, mußte ich feststellen, daß die Bezeichnung „Sauerei“ für den Zustand der Toilette sehr zutreffend war und sich die Dame wohl mehr über die vermohrte Toilette als über meine nackten Füße aufgeregt hatte. Wenn ich Schuhe aus empfindlichen Leder angehabt hätte, hätte ich mich auch aufgeregt.

In Göttingen mußte ich umsteigen, die Dame stieg auch aus. Ich überholte sie, ging eine Zeitlang vor ihr, und sie rief: „Barfuß, igitt! UND DAS ALS MANN!“ Würde die Dame mir noch in weiteren Zügen Gesellschaft leisten? Nein! Sie verließ den Göttinger Bahnhof in Richtung Stadt. Und ich fuhr mit dem Metronom nach Hannover Hbf. (Ankunft 22.23 Uhr). Anders als noch vor 2 Jahren bestand noch Anschluß bis Hamburg, während ich vor 2 Jahren nur bis Uelzen gekommen wäre und mich damals entschieden hatte, bis Bremen und fahren, dort die Nacht zu verbringen und am nächsten Morgen nach Hamburg. Also wechselte ich in Hannover in einen Metronom-Zug, der pünktlich um 1.17 Uhr am Hamburger Hauptbahnhof eintraf.

Schöne Grüße
Michael aus Zofingen

Fortsetzung folgt!


Markus U. Offline

Admin


Beiträge: 1.905
Punkte: 794

02.11.2015 12:45
#2 RE: Klassentreffen mit Hindernissen, Teil 2 Zitat · antworten

Zitat von Michael aus Zofingen
Da die „Bummelstadtbahn“ (Originalzitat Lene) keine Toilette hat, suchte ich am Bahnhof noch eine, diese war jedoch wegen Vandalismus geschlossen. Da aber beim Bahnhof ein Bach unter den Gleisen durchführte, konnte ich mein Geschäft dort erledigen, mußte mich jedoch zwischen Brennnesseln und Hundekkakke durchschlängeln. Aber dazwischen war es angenehm unter den Füßen.



Hi Michael,

in dieser Beziehung bist Du "hartgesottener" als ich. Mir macht es zwar nichts aus, gegebenenfalls durch Brennesseln zu gehen, aber wenn ich kurze Hosen trüge, so daß die Brennesseln meine Waden berührten, machte es mir etwas aus. Und auch so fühlt sich die Ameisensäure, die in den feinen brüchigen Härchen der Brennesseln nun mal enthalten ist, auf den Fußrükken und zwischen den Zehen unangenehm an.

Zitat von Michael aus Zofingen
Vor mir stieg eine ca. 70jährige Frau in den Zug. Sie hatte lange blonde Haare, trug einen kurzen gelbbraunen Mantel, einen knielangen Rock sowie mettwurstfarbene Nylons. Ein schickes Hütchen hätte ihr Aussehen perfekt gemacht aber: „Nobody is perfect!“ Hatte ich diese Frau nicht schon am Karlsruher Hauptbahnhof gesehen? Egal. Allerdings steuerte sie auf das zu, auf das ich auch zusteuerte – die einzige Toilette im Cantus-Triebzug. Unmittelbar, nachdem sie die WC-Tür geöffnet hatte, rief die feine Dame: „Eine Sauerei ist das!“ Und verschwand. Also mußte ich warten. Denn auch für mich wurde es Zeit, denn im übervollen Zug von Frankfurt hatte ich nicht die Möglichkeit. Nach einiger Zeit kam sie wieder raus, ging an meinem Sitzplatz vorbei und sagte immer: „Eine Sauerei! Da geht man von Zug zu Zug, und nun das! Barfuß, pfui! Eine Sauerei!“ Ein ca. 30jähriger Mann, der in der Nähe saß, fragte: „Meint die etwa Sie?“ Ich antwortete: „Vermutlich ist barfuß gehen und das Tragen von kurzen Hosen außerhalb des Strandes mit dem Weltbild dieser feinen Dame nicht vereinbar.“ Darauf der Mann: „Die Frau scheint ziemlich verwirrt zu sein. Das geht sie doch gar nichts an, was andere Leute im Zug tragen. Schließlich gehört ihr der Zug doch nicht.“ „Vielleicht doch!“ sagte seine Begleiterin, die sich zwischenzeitlich ihrer fetten Stiefel entledigt hatte und auf Sokken war. Als ich bald darauf die Toilette aufsuchte, mußte ich feststellen, daß die Bezeichnung „Sauerei“ für den Zustand der Toilette sehr zutreffend war und sich die Dame wohl mehr über die vermohrte Toilette als über meine nackten Füße aufgeregt hatte. Wenn ich Schuhe aus empfindlichen Leder angehabt hätte, hätte ich mich auch aufgeregt.

In Göttingen mußte ich umsteigen, die Dame stieg auch aus. Ich überholte sie, ging eine Zeitlang vor ihr, und sie rief: „Barfuß, igitt! UND DAS ALS MANN!“



Ein ähnliches Erlebnis hatte ich vor Jahren ebenfalls mit zwei alten Vetteln der beschriebenen Sorte gehabt, und zwar in einem Speisewagen. Ich hatte zwar seinerzeit so getan, als sei ich völlig in meine Zeitung vertieft, obwohl ich in Wirklichkeit gar nicht las, weil meine Aufmerksamkeit insgeheim völlig auf das Geschimpfe der beiden alten Weibsen gerichtet war. Erst als sie ausstiegen, keiften sie mich an, daß sie das, was ich mache (gemeint war die Tatsache, daß ich barfuß war), ganz abscheulich und ekelhaft fanden.

Was in solchen Geschöpfen vorgeht, ist mir rätselhaft. Wenn sie im Zweiten Weltkriege geboren sind, kann man vermuten, daß sie als Kinder in der Nachkriegszeit selber häufig barfuß waren, und da müßte es ihnen eigentlich vertraut sein. Und die manchmal geäußerte Aversion speziell gegen nackte Männerfüße ist mir ganz unverständlich, fühle ich mich doch gerade barfuß besonders männlich (muß wohl irgendwie mit dem Archetypus des "wilden Mannes" zu tun haben).

Barfüßige Herbstgrüße,
Markus U.


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