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 Barfuß und Leben
Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 589
Punkte: 248

22.02.2016 05:16
Verregneter Zofinger Fasnachtsumzug Zitat · antworten

Hallo!

Am Sonntag vor einer Woche war Fasnachtsumzug in Zofingen. Leider war es ziemlich verregnet, wie man unschwer auf diesen Bildern erkennen kann:

http://2011.regiolive.ch/?rub=385&srv=galerie&galId=11216

Trotzdem wollte ich dorthin, und zwar wegen eines speziellen Fasnachtsgefährts. Wer die Bilder im obigen „yeti-konformen“ Link bereits gesehen hat, kann sich sicher denken, welches Ding ich meine. Also radelte ich kurz nach 14 Uhr von zu Hause los, stellte mein Velo beim Gemeindeschulhaus ab und ging in die Altstadt. Eine Regenjacke war bei +3°C nötig, aber auf das Tragen (bzw. die Mitnahme) von Schuhen, langen Hosen und „des Mützbürgers liebstes Kleidungsstück“ konnte (und wollte) ich ECHT verzichten. Kaum war ich dort, stellte eine ältere Frau die berühmt-berüchtigte K-Frage, die ich kurz mit „Solange man in Bewegung ist, ist es nicht zu kalt.“ Der Fasnachtszug hatte sich schon in Bewegung gesetzt. Also rannte ich quer durch die Altstadt, um zur „Zugspitze“ zu gelangen. Damit meine ich nicht den Berg in Bayern, sondern die Spitze des Fasnachtszuges, an der ich das zu einem Zug passende Zugfahrzeug erwartete. Aber nein, an der Spitze bewegte sich ein Velofahrer, das Hinterrad war platt. Der Mann, der das Velo mehr oder weniger eiernd lenkte, trug bunte Fasnachtskleidung, die ich beim Velofahren NIEMALS tragen würde, einfach VIEL zu bedeckungsreich, und zwar von Kopf bis Fuß.

Aber nur ca. 30 Meter hinter dem Velofahrer sah ich das, was ich suchte: den Nachbau eines rauchenden Offtopic-Fahrzeugs! Vor der Lok ging ein „Beamter“ vorweg, er machte seine Arbeit gut, denn es kam zu keinerlei Kollisionen, weder mit Schotterwagen, noch mit sonst was. Mir kamen „Erinnerungen“ an Hamburg hoch: Ein Mann ging durch die Straßen, in die ein Gleis verlegt war, „vom Venloer Bahnhof, vorbei an den Thürmen des Berliner Bahnhofs zum Klosterthorbahnhof“, im Schritttempo gefolgt von einem Zug. Lang ist’s her, und meine „Erinnerungen“ sind auch nicht life, sondern stammen von Bildern, die vor dem Bau des Hamburger Hauptbahnhofs gemacht wurden. Und so alt bin ich auch noch nicht. Aber auch sonst Eisenbahnromantik. Lokführer, Heizer usw. in passenden Kostümen, sogar ein kleiner Junge mit einer roten Eisenbahnermütze. Der Heizer verteilte Bonbons mit der Kohlenschaufel. Ab und zu tutete und schnaufte die Lok, aus dem Schornstein kam ab und zu Rauch oder Konfetti. Anders als damals in Hamburg lagen in den Zofinger Straßen keine Schienen. Und barfüßige Kinder waren auch nicht in der Nähe der Lok.

Anders als in früheren Jahren war der Fasnachtszug dieses Jahr deutlich kürzer, weil einige angemeldete Teilnehmer kurzfristig abgesagt hatten. So ging es relativ schnell, bis die Fahrzeuge ihre Runde gedreht hatten und dann am Thutplatz abgestellt wurden. Und bis zum Monsterkonzert hatte ich noch reichlich Zeit, um barfuß durch die Stadt zu gehen (was auf dem nassen und kaltem Pflaster nicht allzu angenehm war, zumindest auf den kleinen, eckigen Steinen, die größeren runden waren angenehmer). Manche dick vermummten Kinder zeigten auf meine Füße (obwohl man eigentlich nicht mit einem fett behandschuhten Finger auf nackte Füße/Beine zeigt – oder bringe ich da was durcheinander?). Manche Kinder zupften auch den Eltern an den Ärmeln und fragten: „Wieso ist der so blutt?“ (Wobei die Wortwahl doch recht unterschiedlich ausfiel). Eine Antwort war: „Das härtet ab. Dann wird man nie krank!“ Aber wer will schon „nie krank werden“? Schließlich will ja niemand den Krankenkassen für nichts und wieder nichts massenweise Geld in den Rachen schieben. Und Arbeitsplätze hängen auch davon ab. Und die Schule oder Arbeit schwänzen „dürfen“ kann ja auch ganz schön sein! Also doch lieber Schuhe, lange Hose, fette Wollmütze usw.

Ein winterlich vermummter Fotograf wollte mich unbedingt fotografieren, und zwar während ich vor der auf dem Thutplatz abgestellten Lokomotive stand. Er war mit einer monströsen (vermutlich „nicht-malo-konformen“) Kamera ausgerüstet und machte immer ein paar Schritte vor und zurück. So richtig zufrieden schien er mit den Lichtbedingungen an diesem trüben Tag nicht zu sein. Massiv überbezahlte Polizisten und Securitas-Mitarbeiter waren auch in der Stadt, jedoch ausnahmsweise sagte niemand etwas zu meiner Aufmachung, es ist ja Karneval.

Außer mir waren auch wenige andere Personen nicht total winterlich vermummt. So war da zum einen ein Mann mit bayrischer (unspekkiger) ¾-Lederhose sowie mit Hut und „Haferlnschuhen“ (oder waren es andere Schuhe, ich kenne mich in diesem Metier nicht aus und bin nicht einmal traurig drüber). Dann waren da noch drei weibliche Teenager mit „Hochwasserleggings“, leuchtend grünen Turnschuhen und Sokkenlosigkeitvortäuschsokken, Winterjacke und Handschuhen (aber ohne Kopfbedeckung) unterweg. Sie begegneten einer Frau, die sie offensichtlich gut kannten und vom Alter her deren Großmutter sein könnte. Sie sprach ziemlich laut: „Mit blutten Beinen bei diesem kalten Wetter? Ihr holt euch noch den Tod!“ Die Antwort (noch lauter): „Wir? Der etwa nicht?“ und deutete auf mich. Als sich die Frau umdrehte, klappte ihr der Kinnladen runter, worauf die Teenager anfingen, albern zu kichern. Auf einen (noch lauteren) Kommentar meinerseits verzichtete ich, obwohl meine Stimmbänder durchaus dazu in der Lage gewesen wären.

Gegen die Lautstärke der Guggemusik hatten aber meine Stimmbänder keine Chance. Eine räudige (und barkrallige) Katze, die ich schon öfters in der Zofinger Altstadt gesehen hatte und die offensichtlich niemandem gehört, hatte sich ängstlich in eine Fensterhöhle zurückgezogen, die schrägen Töne waren Gift für ihre spitzen empfindlichen Ohren. Ich stellte mich während des Konzerts in einen Türrahmen, wo mich der Regen nicht erreichte. Als militanter Schirmhasser hatte ich ein solches Ding nicht dabei, und die Kapuze der Regenjacke stülpte ich mir SELBSTVERSTÄNDLICH auch nicht über den Kopf. Zum anderen hatte aber diese Tür eine Fußmatte aus Gummi, so daß ich mal einen anderen Untergrund zu spüren bekam.

Eine ca. 30jährige Frau mit Migrationshintergrund ging zu dieser Tür (sie führte zu einer Beiz, an diesem Tag war jedoch nur ein anderer Eingang zu dieser Beiz offen), rüttelte an der Klinke und sagte mit nicht mehr ganz nüchterner Stimme: „Verdammt, geschlossen!“ Ich wies sie auf die zweite Tür hin. Dann sprach sie mich an: „Ich bewundere dich immer, wie du selbst im Winter mit so wenig Klamotten auskommst. Frierst du nicht?“ Ich entgegnete, daß es Gewöhnungssache sei. Dann faßte sie meine Oberschenkel an und meinte: „Die sind aber warm, richtig schön durchblutet! Ist es nicht besser, hier kurze Hosen und Schuhe zu tragen, wegen der Scherben.“ Ich antwortete, daß es in der Badeanstalt mehr Scherben gäbe als in der Zofingen Altstadt. Sie wünschte mir noch einen schönen Tag und ging weiter.

Die Zofinger Fasnachts-Wagenbauer feierten in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen mit dem Bau dieses rauchenden Offtopic-Fahrzeugs:
http://eclunawba.jimdo.com/galerie/2016/

Beim Anklicken des Bildes erscheinen noch weitere Bilder von dieser schönen Lokomotive, die bei dieser Zofinger Fasnacht (2016) als das beste Fasnachtsmobil prämiert wurde. Beim Anklicken des jeweiligen Jahres erscheint jeweils ein anderes Fahrzeug. Das erste Foto stammt aus dem Jahr 2006.
http://eclunawba.jimdo.com/galerie/2006/

Es stellt auch ein öffentliches Verkehrsmittel dar, jedoch kein (im Original) schienengebundenes, sondern einen fett begummireiften Omnibus (Postauto). Dieses Foto ist gar nicht einmal offtopic. Damals, am 5. März 2006, konnte der Fasnachtsumzug nur eine verkürzte Strecke befahren, weil es am Tag zuvor heftige Schneefälle gegeben hatte.

Welches Offtopic-Fahrzeug wird wohl in 10 Jahren durch die Zofinger Straßen fahren? Etwa eine Straßenbahn, auch Tram oder Bim genannt? Ich würde mich freuen.

Schöne Grüße
Michael aus Zofingen


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