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Dieses Thema hat 2 Antworten
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 Reiseberichte
Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 670
Punkte: 248

02.01.2019 19:04
Ascona im Dezember: Barfuß kann ansteckend sein Zitat · Antworten

Hallo,

am Sonntag, den 30. Dezember 2018 wollte ich der meist trüben Witterung des Schweizer Mittellandes entrinnen und nahm mir eine Reise ins Tessin vor. Der Wetterbericht hatte für dort Nordföhn, Sonne und Temperaturen bis 17°C angekündigt. Da ich mit der Bahn anreiste und keine langen Aufenthalte im Freien nördlich der Alpen erwartete, nahm ich auch keine allzu winterliche Kleidung mit, also keine Notschuhe, keine Not-lange-Hose und keine Notmütze. Ich radelte barfuß bei bedecktem Himmel zum Zofinger Bahnhof, um den Zug um 6:28 Uhr nach Luzern zu nehmen. Das Thermometer auf einem Fabrikgebäude zeigte 0°C, als ich mir aus dem (funktionierenden) Automaten auf dem Bahnsteig die Fahrkarte löste (ich hatte genügend Zeit eingeplant, um noch weiter entfernte Automaten aufzusuchen). Dadurch war mein Warten auf dem Zug etwas länger, aber kalt empfand ich es nicht an den Füßen. Einige andere Leute, die meisten davon in Skiausrüstung, warteten auch dort, ohne zu meiner Aufmachung Stellung zu nehmen. Ich stieg als einziger in den eher leeren Zug nach Luzern, die anderen benutzen den Gegenzug in Richtung Bern.

In Luzern mußte ich in einen Zug umsteigen, wozu ein längerer Fußmarsch notwendig war. Das Bahnhofsdach verhinderte, daß ich im Regen naß wurde. Dieser Zug war bereits ziemlich voll, aber ich fand einen Sitzplatz. Auch hier keine Reaktion zu meiner Aufmachung. In Arth-Goldau verließen die meisten Leute den Zug. Ursprünglich hatte ich das auch vor, um die gut zwei Jahre vorhandene Gotthard-Basislinie zu benutzen (bisher an zwei Tagen (27.12.2016, 29.12.2017) benutzt, jeweils für die Hin- und Rückfahrt), entschied mich aber kurzfristig, bis zur Endstation Erstfeld zu fahren, und mit dem Regioexpreß über die Gotthard-Bergstrecke zu fahren. Zuletzt hatte ich sie 28.12.2011 benutzt. In Erstfeld wartete bereits der RE (eigentlich nur eine TILO-S-Bahn, die nicht an allen Stationen hält). Hier trafen Welten aufeinander. Die meisten Leute hier wollten in Skigebiete und stiegen in Göschenen oder Airolo aus. Ich mußte zwar aufpassen, daß meine Füße nicht von klobigen Skischuhen plattgetreten wurden, aber niemand der Skiläufer nahm Anstoß an meiner Kleidung.

Auch in einer „besseren S-Bahn“ statt wie früher in einer „richtigen“ Eisenbahn ist es interessant, die Gotthard-Bergstrecke zu befahren. Leider konnte man nördlich der Alpen wegen Nebel nicht allzu viel sehen. Auch südlich der Alpen war es anfangs bewölkt, aber kurz vor Bellinzona lockerten sich die Wolken auf. Hier mußte ich umsteigen in eine S-Bahn nach Locarno, meinem Endziel. Es war noch frisch auf dem Bahnsteig in Bellinzona, weil die Sonne hinter einem Berg lag. Hier war ich zwar der einzige ohne Schuhe, aber etliche Rennvelofahrer, die ihre Velos aus den Zügen entluden, trugen kurze Velohosen. In der S-Bahn nach Locarno trugen aber auch etliche Fahrgäste Handschuhe und Mütze.

Ich erreichte Locarno etwa 1,5 Stunden später, wie wenn ich durch den Gotthard-Basistunnel gefahren wäre. In Locarno war es sonnig und gerade so warm, daß ich beim Wandern keine Jacke benötigte. Ich ging geradewegs in Richtung Seeufer, um dann möglichst ufernah in Richtung Maggia zu wandern. Ab und zu vernahm ich aus Kindermund das Wort „barfuß“. Die italienische Sprache schien plötzlich zur Minderheit zu werden bei all den „Flüchtlingen“ aus der Deutschschweiz und Deutschland. Als ich in einen Park ging, wehte gerade ein kräftiger Wind vom See, so daß die Bäume einige Zweige verloren. Dann aber erreichte ich das Maggiaufer, dem ich flußaufwärts folgte. Hier war der Weg angenehm barfuß begehbar. Hier lag Sand, teilweise feucht bis matschig, teilweise mit Laub überdeckt, da mußte ich aufpassen, daß ich nicht unsanft auf eine unbemerkte Baumwurzel trat. Unter den beiden Brücken lag Schotter mit wenigen Scherben.

In der Sonne war es angenehm, wenn man von einigen Windböen, die mir entgegenkamen, absieht. Ein allzu weiter Weg am Ufer in der Sonne wäre nicht möglich gewesen, da sie dann hinter Bergen stünde. Also begab ich mich hinter der zweiten Brücke direkt an Ufer, wo wenig Sand war statt großer Steine, um eine Pause zum Essen zu machen. Hier saß bereits eine Frau mit Hund. Sie hatte sich ihrer Schuhe und Socken entledigt, der Hund war „echt“ barfuß (offtopic: barfuß bis zum Halsband). Nach ca. 30 Minuten verschwand die Sonne kurzzeitig hinter Schleierwolken, der Wind nahm zu, wobei auch ein paar Zweige von den Bäumen fielen. Hier wollte ich nicht länger bleiben (die Frau war auch schon gegangen (mit Schuhen). Ich ging zurück zur Brücke, die Locarno mit Losone verbindet, überquerte sie und folgte am anderen Ufer dem Fluß zur Brücke (eigentlich 2 Brücken: Autostraße und kombinierter Velo- und Fußweg), die Locarno mit Ascona verbindet. Dann verließ ich das Ufer und ging nach Ascona.

Die Uferpromenade von Ascona war voll von Leuten, die Straßenrestaurants gerammelt voll. Kein Wunder, denn hier schien die Sonne und der Wind kam hier nicht hin. Ich schätzte die Temperatur auf etwa 15°C, trotzdem trugen auch hier einige kalenderhörige Leute Wintermäntel und Mützen, während andere sich im T-Shirt/Hemd draußen aufhielten. Auch waren hier Velofahrer in kurzen Hosen. Aber ohne Schuhe war hier kein Mensch außer mir. Ich ging weiter durch Quartiersstraßen in Richtung Strandbad.

Auch hier hielten sich etliche Leute in der Sonne auf, viele vor einer sonnenbestrahlten Mauer. Einige erwachsene Leute hatten sich nicht nur ihrer Jacken, sondern auch ihrer Schuhe und teilweise auch Socken entledigt. Die Kinder, die auf dem Spielplatz oder im Sand spielten, trugen ausnahmslos Schuhe – noch! Ich zog das T-Shirt aus (nicht mehr) und ging direkt an Ufer, um meine Füße zu kühlen. Zum Baden aber wäre mir das Wasser zu kalt gewesen. Nachdem auch noch andere Erwachsene (überwiegend Männer) ihre Füße im Wasser kühlten, vernahm ich plötzlich eine Kinderstimme: „Ich will auch barfuß!“ Und plötzlich zogen sich Kinder Schuhe und Socken (bzw. Strumpfhosen) aus. Einige liefen mutig zum Wasser – und genauso schnell wieder zurück. Aber den Spaß am Barfußlaufen ließ sich niemand verderben. Nach einiger Zeit waren sicher 2 Drittel aller Kinder barfuß, egal ob im Sand oder an den Spielgeräten, und unabhängig von der Sprache.

Zwei Jungen spielten barfuß Fußball, irgendwann fiel der Ball in den See. Sie versuchten, mit Steinen den Ball wieder ans Wasser zu bewegen, aber es gelang nicht. Da ging ich auf den Ball zu und erreichte ihn an einer Stelle, die so tief war, daß ich gerade eben keine nassen Hosensäume bekam. Nachdem ich den Kindern den Ball zugeworfen hatte, bedankten sie sich auf Italienisch.

Es war wirklich angenehm in der tiefstehenden Wintersonne. Das vom Wasser reflektierte Sonnenlicht sorgte für zusätzliche Wärme. Der Sand war auch angenehm warm. Leider wurde die Fläche des Strandbads erheblich verkleinert gegenüber 2011. Damals konnte man noch mehrere hundert Meter barfuß über Sand- und Rasenflächen am Ufer entlang gehen. Heute ist vieles abgesperrt. So gehört eine Halbinsel, von der eine Treppe ins Wasser führte, nicht mehr zum Strandbereich. Die Treppe ist noch da, aber eine Hecke sperrt den Zugang zur Halbinsel ab.

Auch eine Familie mit zwei Kindern aus dem Kanton Zürich war hier. Während ich langsam durch das Wasser schritt, fragte mich die eine Tochter im Kindergartenalter, die barfuß mit einer Schaufel im Sand spielte: „Tanzt du gerne?“ Ich war völlig überrascht, wieso ein Kind gerade solche Fragen stellte. Es wollte alles Mögliche von mir wissen, etwa ob ich verheiratet wäre. Hätte ich in dem Alter einen fremden Menschen derartiges gefragt, hätten meine Eltern mit mir geschimpft. Diese (beschuhten) Eltern waren mit dem Wischphon beschäftigt. Ich möchte nicht näher auf die Offtopic-Fragen und meine Offtopic-Antworten eingehen, war jedoch froh, daß ihre ältere (ebenfalls barfüßige) Schwester mit einer Gießkanne Wasser holte, sich von hinten anschlich und die Kanne über den Füßen ausgoß. Ein Schrei, dann rannte die ältere weg zu den Spielgeräten, die jüngere hinterher.

Auch wenn das Wetter wärmer war als sonst im Dezember, so geht die Sonne nicht später unter. Langsam leerte sich der Strand. Die meisten Kinder zogen mehr oder weniger freiwillig Schuhe, Jacken usw. an, bevor sie gingen. Etwa zehn Minuten, bevor die Sonne hinter einem Berg verschwand, wurde es mir ohne T-Shirt zu kalt, so daß ich es anzog. Ich wartete noch so lange, bis die Sonne ganz verschwand, dann nahm ich meinen Rucksack und begab mich in Richtung Ausgang. Als einzige Kinder waren nur noch die aus dem Kanton Zürich auf dem Gelände, sie spielten noch barfuß an den Spielgeräten. Die Eltern hatten schon alles abgeräumt und zum Auto gebracht. Zur „Strafe“ mußten die Kinder nun barfuß zum Auto laufen. Als die Mutter rief: „Kommt schnell, wir müssen nach Hause!“ stürmten sie in Richtung 4rad, bis die jüngere „Au!“ schrie (vermutlich war sie auf einen Stein getreten, von denen es einige auf dem Asphalt gab. Dann der Vater schadenfroh: „Siehst du, das kommt davon, wenn man zu spät ist!“

Es war ca. 16:15 Uhr. Da hatte ich ja noch gut 2 Stunden Zeit für Ascona und Locarno bis zur Abfahrt meines Zuges.

Schöne Grüße

Michael aus Zofingen


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Dieter (Bochum) Offline




Beiträge: 1.364

02.01.2019 21:43
#2 RE: Ascona im Dezember: Barfuß kann ansteckend sein Zitat · Antworten

Hallo und Frohes Neues Jahr, Michael!

Sicherlich wirst Du mittlerweile von vielen Leuten erkannt, die Dein Gesicht in den Massenmedien sahen.
Frage an Dich:
Erkennst Du an der Art, wie Du angesehen wirst, ob Dich jemand erkennt?

Liebe Grüße
Dieter


André Uhres Offline

Admin


Beiträge: 1.665
Punkte: 3

04.01.2019 10:56
#3 RE: Ascona im Dezember: Barfuß kann ansteckend sein Zitat · Antworten

Zitat von Michael aus Zofingen im Beitrag #1
Die Uferpromenade von Ascona war voll von Leuten, die Straßenrestaurants gerammelt voll. Kein Wunder, denn hier schien die Sonne und der Wind kam hier nicht hin.


Dass der Wind nicht hinkam, kann ich ja noch nachvollziehen. Aber wie um alles in der Welt kam die Sonne in die Restaurants?


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