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Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

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Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 272 mal aufgerufen
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 Barfuß und Leben
Jay Offline




Beiträge: 743
Punkte: 695

07.06.2019 08:01
Das soll der Hort der Freiheit sein? Zitat · antworten

Hi,

aus aktuellem Anlaß, da der nachfolgende Link wahrscheinlich für maximal 14 Tage noch funktionieren wird, eine Info:

https://www.tagesschau.de/ausland/usa-kuba-129.html

[Sollte der Link nicht funktionieren, bitte Meldung. Ich laß' mir dann 'was einfallen, kann aber nicht für Erfolg garantieren]

Ich glaub', ich spinn'. Der Text liest sich eigentlich so, daß man sich jetzt als Bürger der USA vorschreiben zu lassen hat, wohin man in Urlaub fahren darf & wohin NICHT. Komisch, einst hat man das ja mächtig bekrittelt, als sog. "Ostblockländer" (unter Führung der ehemaligen Sowjetunion) ebenfalls über Urlaubsfahrten & insbesondere NICHT-Fahrten ihrer Bevölkerung bestimmten.

Schade, daß "Trumpland" mehr Keystrokes hat & somit unpraktischer ist als "USA", dennoch würde ich das Land umtaufen, so wie´s ja auch England, Irland, Deutschland, Rußland etc. gibt.

Um zum Forumsgegenstand zu kommen: Trotzdem sollte die Erinnerung hochgehalten werden, daß die USA einst das BF-freundlichste Land der Welt waren; heute ist das krasse Gegenteil der Fall. Der "Change" begann in den frühen 1980er Jahren, als der damalige Präsident Ronald Reagan die "konservative Revolution" verkündete (der sich dann Helmut Kohl mit der "geistig-moralischen Erneuerung der Bundesrepublik" & in GB Margret Thatcher mit einem ähnlichen Slogan anschlossen).

Das erste BF-Verbotsschild sah ich 1986 in L.A.*; ich verbrachte fast das ganze Jahr in dieser Gegend & meine Eltern besuchten mich dort. Sie wollten altehrwürdige Baukunst sehen & so fuhren wir zur Mission San Juan Capistrano irgendwo im Süden. Eine optisch imposante, edel wirkende Bronze- oder Kupfertafel mit großen erhabenen Lettern (das mag 'was gekostet haben!) war aufgestellt:
...
NO PETS [Erläuterung, bedeutet: Keine Haustiere]
NO BAREFOOT
...

Einige Leute standen 'drumherum, schüttelten die Köpfe & staunten: "Was ihnen (gemeint waren die Urheber dieses stolzen 'Visitor Rules'-Mahnmals) nicht alles einfällt..."
An Feindetails erinnere ich mich nicht mehr; weiß lediglich noch, daß ich draußen blieb. Ich öffnete die Fahrertür "meines" gemieteten Chevrolet Caprice Classic, ließ sie offenstehen (die Klimaanlage lief bei stehendem Fahrzeug nicht), setzte mich quer auf den Fahrersitz, stellte meine Füße auf den Türeinstiegsschweller** & rauchte ein paar Zigaretten. Für den Fall, daß mich Leute auf das ostentativ sichtbare Kuschen vor solch' einer Auflage ansprachen, hatte ich mir eine nüchterne Nennung der Gründe zurechtgelegt: Daß ich Chauffeur von 'wem anders war, mich solche historischen Areale nicht interessierten & ich keinen Trouble haben wollte, weiß der Teufel, ob da drin irgendjemand die Einhaltung der Visitor Rules checkt.
Damit hatte ich gutgetan, denn meine 1/2 Stunde später zurückkommenden Eltern berichteten mir, es sei jemand wg. Kaugummi (auch das war verboten, selbst wenn dieser im Mund behalten wurde) hinauskomplimentiert worden.

Binnen weniger Jahre schossen sie dann wie Pilze aus dem Boden, die BF-Verbotsschilder & -Pictogramme, wobei die Situation sehr heterogen war/ist:
Es gibt ein starkes Süd-Nord-Gefälle. Am schlimmsten ist die Lage in Gegenden, wo man ganzjährig Schuhe ebensowenig anschaffen müßte wie eine Heizung für zuhause: Es ist v. a. das Gebiet zwischen L.A. & San Diego, Städte wie Oxnard, Oceanside &sf.

Wagte es bis weit in die 1990er Jahre hinein eine verfaulte Open Air-Zeitungskioskbude, mit NSNSNS*** kundzutun, daß man mit [Unten Ohne]-Kunden keine Geschäfte machte, war das schnell mit meist unflätigen Sprüchen überpinselt & praktisch gar kein Kunde war mehr zu sehen. Man hatte eine Aversion, in die Nähe von Geisteskranken & Spinnern zu geraten (wurde durchaus geäußert).

Heute fehlt das völlig. Die Bevölkerung von Trumpland läßt alles mit sich machen, zahlt z. B. auch bereitwillig & einredelos frisch eingeführte erhebliche Sondersteuern:
Mr. President von Trumpland verkündet in den Medien: China zahlt die Importzölle auf deren Waren. Sein Wirtschaftsberater korrigiert´s: Die Importeure in USA zahlen´s. Weit weniger medienwirksam setzen sich Informanten eben nicht durch mit dem, was Fakt ist: Die Importeure in USA geben die Importzölle als Preiserhöhung an die Endkunden weiter.

Was ist nur los?

Perplexe BF-Grüße, Jay
----------------------
*) Los Angeles, California

**) obwohl der Straßenasphalt in USA deutlich heller ist als in D, ist er wesentlich heißer: Vor allem im Südwesten brauchte man sommers irgendwelche isolierenden Minimalschuhe (meist Flipflops), nur in der Übergangsjahreszeit & winters ist BF auf Flächen mit ständiger Prallsonnenscheinexposition problemlos. Mann, was hab ich da anfags - ob Gebratenwerdens von unten - getänzelt!

***) Selten ausgeschrieben, meist als Kürzel. Man "hatte gefälligst auch noch zu wissen", was das bedeutete: No shoes, no shirt führt zu: No Service! (1 Komponente genügt bereits)


Folgende Mitglieder finden das Top: Dominik R. und Dieter aus Köln
André Uhres Offline




Beiträge: 958
Punkte: 3

07.06.2019 10:20
#2 RE: Das soll der Hort der Freiheit sein? Zitat · antworten

Wieder ein Beweis dafür, dass der Mensch nicht für die Zivilisation geschaffen ist. Dann fängt er nämlich an zu spinnen...
Danke Jay für die treffenden Ausführungen!


Dominik R. Offline

Admin


Beiträge: 1.537
Punkte: 708

08.06.2019 00:52
#3 RE: Das soll der Hort der Freiheit sein? Zitat · antworten

Die neoliberalen Hardliner Reagan und Thatcher und Co. bestimmen seit den 80er das Klima in USA&UK und seit den 90er in fast ganz Europa das politische lima. Dazu kommen seit ein paar Jahren noch die Rechtspopulisten.
Ensprechend sieht der Dresscode aus.


tiptoe Online




Beiträge: 231

10.06.2019 20:22
#4 RE: Das soll der Hort der Freiheit sein? Zitat · antworten

Ich war nur drei mal punktuell in USA und das erstmals 1999, von daher kenne ich die frühere entwicklung nicht. Aber aus englischsprachigen foren (insbesondere "society for barefoot living") habe ich erfahren, dass es schon in den 1970er jahren eine gegenbewegung zur hippiekultur gab, in der ende der 1960er jahre erstmals barfuß auch als protest aufgefasst wurde. Vorher war das eher "normaler lebensmodus der landbevölkerung im sommer". Die idee, barfuß gezielt zu verbieten (mit dem argument, es könnte sich jemand gestört fühlen), ist ursprünglich US-amerikanisch. (Entsprechende verbote erschienen in vielen europäischen ländern aber auch deshalb abwegig, weil im normalfall nur das verboten wird, was auch vorkommt. Barfuß ist vielleicht zu selten und gar nicht auf dem schirm der verbieter.)

Zum thema "neoliberal": Liberalismus ist nichts wert, wenn er sich nicht auf die freiheitsrechte des einzelnen bezieht. Wer diese recht im interesse wirtschaftlicher freiheit beschränkt, sollte die wirtschafts-/politikform nicht mehr liberal nennen.

Mein EU-pass gilt für alle Länder. Das ist was wert, das lasse ich mir nicht nehmen.


Jay Offline




Beiträge: 743
Punkte: 695

11.06.2019 07:35
#5 RE: Das soll der Hort der Freiheit sein? Zitat · antworten

Hi tiptoe,

das was meines Erachtens der wichtigste & informativste Beitrag des bisherigen HBRF-Gesamtgeschichte. Für etwas bequemeres Lesen bringe ich ihn nochmal komplett:

Zitat von tiptoe
Ich war nur drei mal punktuell in USA und das erstmals 1999, von daher kenne ich die frühere entwicklung nicht. Aber aus englischsprachigen foren (insbesondere "society for barefoot living") habe ich erfahren, dass es schon in den 1970er jahren eine gegenbewegung zur hippiekultur gab, in der ende der 1960er jahre erstmals barfuß auch als protest aufgefasst wurde. Vorher war das eher "normaler lebensmodus der landbevölkerung im sommer". Die idee, barfuß gezielt zu verbieten (mit dem argument, es könnte sich jemand gestört fühlen), ist ursprünglich US-amerikanisch. (Entsprechende verbote erschienen in vielen europäischen ländern aber auch deshalb abwegig, weil im normalfall nur das verboten wird, was auch vorkommt. Barfuß ist vielleicht zu selten und gar nicht auf dem schirm der verbieter.)

Zum thema "neoliberal": Liberalismus ist nichts wert, wenn er sich nicht auf die freiheitsrechte des einzelnen bezieht. Wer diese recht im interesse wirtschaftlicher freiheit beschränkt, sollte die wirtschafts-/politikform nicht mehr liberal nennen.

Mein EU-pass gilt für alle Länder. Das ist was wert, das lasse ich mir nicht nehmen.



Bitte nicht wg. Kleindruck irritieren lassen, das mache ich nur wg. optischer Compactness. Jetzt im Speziellen:

Zitat von tiptoe
Vorher war das eher "normaler lebensmodus der landbevölkerung im sommer".


Ja, natürlich! Erinnert sei hier an die TV-Serie "The Waltons", die um ca. 1976 auch in D (ZDF?) ausgestrahlt wurde. Sie gab - um größtmögliche Authentizität bemüht - genau dieses Landleben um ca. 1930 (Grobschätzung meinerseits) wieder - man fuhr bereits kohlenwasserstoffbetriebene 4räder, rückte auch BF 'in die Stadt ein (BF gab´s nicht nur auf dem Dorf).

Plötzlich trugen ab einer bestimmten Folge alle Schuhe. Ich wohnte damals noch bei meinen Eltern, stand kurz vor dem Abi (A: "Matura"). Irgendeine TV-Illustrierte war abonniert, es war damals noch gar nicht daran zu denken, daß´s jemals ein Internet geben würde. Das [PENG!, plötzlich sind alle unten verpackt] sorgte für Leserbriefe.

Es wurde darüber informiert, daß sich in USA irgendwelche 'einflußreichen'[?] Herrschaften über [Unten Ohne] aufgeregt hätten. Aber auch:

"Diese Schreihälse tun vor allem alles, um den Eindruck zu erwecken, sie seien sehr viele, das sei 'Volkes Stimme'."

Mehr braucht nicht gesagt zu werden. Ein angesichts der gegenwärtigen Entwicklung des Internets brandaktuelles Problem!

@ Dominik R.: In der 2. Hälfte der 1980er lebte ich überwiegend im Silicon Valley. Das Yuppie-Klischee tauchte auf, wurde mit größter Vehemenz medial "duchgepusht", v. a., daß angeblich "alle" wie irrwitzig 'drauf abfuhren. Also nix mehr T-Shirt, Paartagesbart (von BF war schon gar nicht mehr die Rede).
Trotzdem, es wunderten sich genug Leute (aber eben leider nicht hinreichend viele), die sagten: Jetzt kann ich jeden Tag mindestens 1/4 h früher aufstehen, um mich zu rasieren, Krawatte zu binden + sonstigem Präparationsaufwand für den Arbeitstag! (nebst erhöhtem Pflegeaufwand für Kragenhemden, Nicht-Jeanshose & durchaus auch Schuheputzen). Wer kann denn DAS wollen? Da stimmt doch irgendwas nicht!

Tiptoe, das war MEGATOP!*

Bewundernde BF-Grüße, Jay
------------------
*) Bei mir funktioniert wahrscheinlich aufgrund eines komplexen Browserproblems die Top/Flop-Funktion nicht (hab' jetzt grad' keine Zeit, um Fehlersuche vorzunehmen).


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