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Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

ein kleines demokratisches Forum für Leute, die gerne barfuß laufen

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Dieses Thema hat 5 Antworten
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 Barfuß und Leben
Zalesski Offline




Beiträge: 24
Punkte: 22

29.01.2023 20:19
Meine Helden Zitat · Antworten

Zuerst wollte ich nur einen kurzen Beitrag mit noch nicht veröffentlichen Fotos von meiner Hauptheldin Ivanna für das Schweizer Forum schreiben, weil das gelbe Forum, wo ich seit Oktober 2020 angemeldet bin, morgen schließt. Während ich zögerte, ist das Schweizer Forum auch verstorben. Dann ist mir eingefallen, dem Bericht über Ivanna noch diesen Text voraussetzen und dem blauen Renaissance-Forum anvertrauen.

Hier sind noch einige Projekte, die ich, nachdem ich meine Plattform in Russland verloren hatte, aus Datenschutz- und Urheberrechtsgründen noch nirgendwo umgesetzt habe. Zum Unterschied von Russland muss man hier leider (für Hobbyjournalisten wie mich) oder glücklicherweise (für den Rest der Menschheit?) ständig daran denken.

Diese Beiträge sind also:

1) Barfuß in Frankfurter Museen. Notizen eines Aufsehers, 2020-2021.
2) Auf diese beiden deutschen Barfüßerinnen bin ich durch das russischsprachige Internet aufmerksam geworden. Wer kennt sie?

Ich bin bereit, wenn Interesse besteht, diese Texte an die Admins zu senden, aber im Forum aus eigener Initiative veröffentlichen – oh nein, ich möchte keinen Stress...

Eine weitere Idee wäre ein Beitrag „Meine bescheidenen Barfußfreunde“ mit Betonung auf „bescheidene“ (vielleicht so: „Meine BESCHEIDENE Barfußfreunde“?) über einige meine männlichen Bekannten, mit denen ich auf Russisch korrespondiere


Zalesski Offline




Beiträge: 24
Punkte: 22

30.01.2023 02:12
#2 Meine Helden Zitat · Antworten

In meinem Vorstellungsbeitrag habe ich zwei Landsleute genannt, denen ich nicht gewachsen bin und die für mich absolute Helden sind.

Ich habe im Internet ein Video vom 24. Februar 2019 gefunden, in dem beide vorgestellt werden, obwohl sie sich, trotz meiner Versuche sie zusammenzubringen,
noch nie gesehen haben.

Ich habe den Inhalt dieses Videos für euch aus dem Ukrainischen übersetzt. Ich entschuldige
mich für einige oberflächliche und überholte Urteile im Film.
Ich vermute, dass man hier längst zu dem Schluss gekommen ist, dass Ballengang optional ist,
dass Rachen und Harnwege nicht mit den Füßen verbunden sind
und dass einem, der städtische Straßen eklig findet, sollte geraten werden, draußen eine
Gasmaske zu tragen. Die Journalisten wollten eindeutig niemanden verärgern - weder diese
respektablen, fotogenen, sprachgewandten, durchaus positiven Leuten, die so überzeugend
wirken, noch die Ärzte, die die von ihren ungebildeten Eltern gehörten Banalitäten ohne
jegliche Kritik wiederholen und als wissenschaftlich belegte Erkenntnisse präsentieren. Damit
muss man rechnen, wenn man im Fernsehen auftreten will. Und wer nicht?

„Barfuß kommt Andrij Nowosjolow auf uns zu. Nein, er hat nicht vergessen, seine Schuhe
anzuziehen. Der Mann geht so seit 13 Jahren.
„Es lag Neuschnee und ich bekam plötzlich Lust, mir die Schuhe auszuziehen. Und ich zog sie
aus. Es dauerte nur ein paar Minuten, aber ich mochte es. Beim nächsten Mal zog ich sie mir
wieder aus. Also begann ich barfuß zu laufen. Im April bin ich schon ohne Schuhe aus dem
Haus gegangen."

Schon als Kind liebte es Andrij barfuß zu laufen, die Erde unter seinen Füßen zu spüren.
Damals hatten die Eltern für eine solche Leidenschaft kein Verständnis. Deshalb beschloss
der Mann erst im Alter von 34 Jahren, als er schon eine eigene Familie hatte, Schuhe
aufzugeben. Nach sechs Monaten sah er die Vorteile des Barfußlaufens. Sein Rücken hörte
auf zu schmerzen. Und auch seine Plattfüße wurden geheilt.

„Man soll auf diese Streifen treten. (Sowohl im Ukrainischen als auch im Russischen fehlt
das Wort „Ballen“. – Z.) Der Rest des Fußes wird sich aufstellen, wie er sollte. Und man soll
beim Treten die Oberfläche mit den Füßen befühlen. Nicht nur sie einfach hintereinander
stellen, sondern spüren, worauf man tritt.“

Er läuft barfuß, wenn die Außentemperatur nicht unter minus sieben Grad liegt. In diesen
allen Jahren wurde er nie krank und steckte sich nie mit einer Infektion an, obwohl er
mehrmals Glasscherben in den Fuß bekam. 2014 gründete der Mann eine Gemeinschaft von
Kiewer Barefooters, also Barfüßlern. Bisher sind es nur wenige.

Insgesamt gibt es bis zu 20 von ihnen in der Ukraine, eine lebt in Tschernihiw. Ivanna kämpft
für Sauberkeit. Sie geht mit einer Tüte in der Hand spazieren und sammelt unterwegs den
Müll anderer Leute ein. Auf diese Weise versucht sie ihren Beitrag zur Reinigung der Natur
zu leisten. Ivanna begann bereits im Sommer 2017, ihren Körper abzuhärten, sie ging zuerst
im Sommer barfuß, dann im Herbst und dann bereits im Winter. Heute geht sie auch bei
starkem Frost leicht bekleidet und barfuß raus. In Tschernihiw reagieren die Anwohner
unterschiedlich darauf. Manche schauen nur staunend, andere kommen auf sie zu, unterhalten
sich mit ihr, bieten Schuhe an, warnen vor Verletzungen.

Ärzte verurteilen diese Praxis nicht, aber sie gebieten Vorsicht.

Maryna Jarowa, Therapeutin in der Boris-Klinik: „Wenn sich jemand ab Herbst bis den
Winter abhärtet, ist es vielleicht sinnvoll. Dies ist sowohl eine Stimulation der
Akupunkturpunkten als auch eine Entlastung des Fußes, denn Plattfüße sind leider eine
Volkskrankheit. Natürlich kann das für eine Person, die gerade zum ersten Mal auf den
Schnee tritt, nicht sinnvoll sein. Akute Entzündung der Harnwege, des Rachens..."

Außerdem empfehlen die Ärzte jedem, regelmäßig die Schuhe loszuwerden, solches
Verfahren wirkt sich doch positiv auf die Arbeit des gesamten Körpers auf, eine persönliche
punktuelle Massage sozusagen. Und für diejenigen, die sich vor städtischen Straßen ekeln ,
können sich einen für diesen Zweck bestimmten kleinen Teppich kaufen. Zehn Minuten
darauf zu treten reichen aus.“

Die virtuelle Adresse der Kiewer Barfuß-Community, die im Video erwähnt wird, ist die Facebook-Gruppe „Kyiw barefoot“.

Man kann dort sehen, wie oft (theoretisch jeden Monat, aber
das nur wenn ihr Anführer Zeit hatte, und es war selten der Fall) und wann sie sich treffen (im Winter
und Sommer, im Frühling und Herbst, weil er das ganze Jahr durch barfuß läuft).
Seit der Krieg begann, finden natürlich keine Treffen statt, aber die Zahl der Barfüßler scheint nicht
abgenommen zu haben.

In der Gruppe sind neue spontane Fotos von Andrej zu sehen. („Der Mann ist anständig gekleidet, trägt ein Hemd, eine Brille, sieht fröhlich aus.
Nun, das heißt für mich Gesundheit!“) und von dem Kiewer Barfüßer nummer zwei - Jewhen Lipnizkyj - „Das ist Kiew, Baby. Wen wollten sie mit der Kälte einschüchtern? - fragt der Autor des zweiten Fotos mit Anspielung auf Raketenangriffe, die darauf abzielen, friedliche Bürger der Ukraine ohne Licht und Wärme zu lassen.

Noch etwas zu diesem Thema: eines der kürzlich beigetretenen Mitglieder , Victor Galadzhiy, erzählt am 19. November, wie er es gerade geschafft hat, vor der Ausgangssperre barfuß auf dem Neuschnee zu laufen...

Normalerweise trafen sich die Kiewer Barfüßler samstags. Leider ließ mich der Fahrplan der internationalen Busse, mit denen ich fast jedes Jahr in die Ukraine fuhr, samstags in Kiew nicht erscheinen. Daher habe ich nur einmal am Gruppentreffen teilgenommen – am 1. Januar 2017. Sie können mich im Album dieses Events sehen.

Mein Wiedertreffen mit dem Kyiw Barefoot, das ich für meinen ersten
komplett barfüßigen Urlaub in der Heimat im Sommer 2019 extra eingeplant hatte, fand nicht statt, da ich die Größe der
U-Bahn-Station, an deren Ausgang sich die Gruppe verabredet hatte, unterschätzte. Ich
wusste nicht, um welchen Ausgang es geht, und fragte dummerweise nicht vorher nach
Andrejs Handynummer.

Damals, vor sechs Jahren, war es in Kiew wesentlich kälter als in Frankfurt und in meiner
Heimatstadt Odessa, so etwa 0 oder plus eins, und der Schnee, der seit November lag,
schmolz im zentral liegenden Mariinskyj-Park nicht. Gleich auf der Bank tranken wir
Glühwein, den Anna Liwschiz gekocht hatte, und gönnten uns Süßigkeiten. Drei Männer
hielten die ganze Stunde durch, die das Treffen dauerte, sie kamen und gingen barfuß, im
Gegensatz zu den Damen, von denen eine, Natalja Lapunowa, zuvor nur kurze Zeit auf dem
Schnee gestanden hatte, jedoch die Erfahrung im Winterschwimmen besaß, und die anderen
beiden traten an diesem Tag zum ersten Mal im Leben barfuß auf den Schnee.

Als Andrej wegen Zeitmangel die Gruppe verließ, begleitete ich ihn bis zur U-Bahn-Station und konnte ihm unterwegs ein paar Fragen zu den Beweggründen und Phasen seines Wechsels zum Barfußleben stellen. Wie ihr wahrscheinlich schon ahnt, beschreibt das Video das alles sehr oberflächlich. Aber selbst aus der persönlichen Kommunikation konnte ich mich nur wenig informieren. Andrej, der gerade vor der Entscheidung stand, erstens seine feste Anstellung als Programmierer aufzugeben und sich komplett
selbstständig zu machen, und zweitens sich von seiner Frau scheiden zu lassen, hat kurz beschrieben, wie er im Jahr 2006 auf nackten Sohlen immer öfter durch die Firma schlich, wo er arbeitete und wo er glücklicherweise nicht mit Kunden
kommunizieren musste, bis sich alle an dieses Detail seines Aussehen gewöhnt haben. Obwohl er sich als konsequenter Barfüßler durchgesetzt hat, war er unzufrieden, denn trotz all seiner Erfolge in der Informatik fühlte er sich zu einer anderen Wissenschaft hingezogen – der Psychologie. Als wir uns trafen, hatte er, ohne seinen Hauptberuf aufzugeben, bereits eine Ausbildung in der Gestaltpsychologie absolviert und viele Erfahrungen als Psychotherapeut gesammelt. Er hat zu diesem Zeitpunkt auch seine Familienpflicht erfüllt, seine zwei Kinder waren schon groß, und er hatte das moralische Recht, sich seiner Lieblingsarbeit und seinen Hobbies (z. B. auch Blogger und Hobbyschriftsteller) zu widmen.

Natürlich spielte Igor Resun die Hauptrolle in meiner Entwicklung als Barfußläufer, aber ich habe auch von Nowosjolow viel mitgenommen.

An seine Postulate „Hände sind empfindlicher als Füße“ und „Bei guter Durchblutung kann
man unbegrenzt im Schnee bleiben“, erinnerte ich mich mein Leben lang. Der letzte Satz ist
in meinem Kopf mit einem Bild von Andrejs plötzlich stark erröteten Füßen verbunden. Nie zuvor
oder danach habe ich so rote Füße und damit eine so gute Durchblutung gesehen. Ja, und
solche braungebrannten Füße wie auf einigen Andrejs Sommerfotos auch nicht.

Ich erinnere mich an mein komisches Gefühl, als Andrej mit der U-Bahn wegfuhr. Das war so etwas wie... Gewissenbisse. Ich dachte: jetzt ziehe ich meine Schuhe an und bin wieder wie alle Menschen. Gerade waren wir zwei, und jetzt bleibt er völlig allein in dieser Menschenmenge, unter fast drei Millionen beschuhten Menschen, die die Großstadt bewohnen...

Ich freue mich über jeden seinen Erfolg, jeden neuen TV-Auftritt (zuletzt im Januar 2021), jedes spontane Foto und vor allem die gewonnenen Kämpfe, wie diesen, über den er am 18.08.2020 auf Facebook kurz berichtet.

"Gestern hatte ich einen Vorfall bei "Novus" in Knjaschi Saton - die Sicherheitskräfte
bestanden darauf, dass ich Schuhe trage, und drohten, mich nicht einkaufen zu lassen, wenn
ich barfuß bleibe. Sie konnten ihre Forderungen mit nichts begründen. Alles war genauso blöd
wie bei den Angestellten in der U-Bahn... Jetzt teile ich mit, dass das Problem gelöst wurde.
Ich bekam einen Anruf von Novus, sie bestätigten, dass es keine
Kleiderordnung für Kunden gibt. Barfuß bei "Novus" ist möglich!“ Ich vermute, dass
Nowosjolow nur über gewonnene Kämpfe berichtet. Jammern ist nicht seine Art. Das ist ein
Mann, der mehr tut, als er sagt.

Dasselbe gilt für den nun 46-jährigen Jewhen Lipnizkyj (etwa 5 Jahre jünger als Andrej, 12
Jahre jünger als ich). Über ihn könnte ich noch mehr erzählen, weil ich anschließend, nachdem ich nach
Deutschland zurückgekehrt war, ein Online-Interview mit ihm für die Website „Barfuß in Russland“ gemacht habe (nachdem ich und Andrej gegangen waren, ist Jewhen im
Mariinskyi-Park geblieben, um mit den Damen zu plaudern, somit war kein Live-Interview möglich ). Herrn Nowosjolow hat der Chefredakteur Resun noch früher selbst interviewt.

Ich muss mit der Versuchung kämpfen, dieses Interview ins Deutsche zu übersetzen, da ich
im gelben Forum schon eine Rüge für zu lange Beiträge bekommen habe. Ich bringe hier nun den Anfang
des Gesprächs.

„Ich bin gespannt, wie viel Zeit Sie im Schnee verbracht haben, nachdem Andrej und ich
gegangen sind?“ – „Ich ging durch den Mariinski-Park und dann den Podol hinunter, zum
Kontraktowa-Platz, und von dort fuhr ich mit der Straßenbahn nach Hause. Wie viel Zeit?
Nun, ungefähr eine Stunde war das definitiv und vielleicht noch länger. Aber so etwas wie
Schuhe hatte ich in meinem Rucksack. Ich trage sie immer bei mir für alle Fälle, um
Kontrolliertanten an U-Bahn-Stationen abzuwehren. Eigentlich bemerken sie mich kaum und
ich fahre selten mit der U-Bahn - aber trotzdem... Ich war auch gestern barfuß - es hatte minus
7, und heute morgen bin ich ein wenig durch den Schnee gelaufen, insgesamt ungefähr 15
Minuten, weil es etwa 15 Grad hatte, das ist überhaupt nicht angenehm.“

Damals war Jewhen in seinem zweiten Barfußwinter, und jetzt ist er im achten. Jewhen ist
Diplomingenieur, Fachrichtung Elektronik, und die Geschichte seines barfüßigen
Berufslebens ist noch spannender als die von Nowosjolow, der sich zumindest nicht gegen
Vorwürfe wehren musste, Sicherheitsvorschriften zu verletzen, und jetzt überhaupt keinen
Vorgesetzten über sich hat und niemandem rechnungsschuldig ist. Zwar repariert Jewhen seit einiger Zeit
privat Haushaltsgeräte, aber es gibt keinen Anzeichen dafür, dass er die feste Anstellung
aufgegeben hat.

In der Zeit, die seit dem Interview vergangen ist, hat uns Jewhen mit zwei Ereignissen erfreut,
die zeitlich sehr nah standen. Zuerst als er sich im Februar 2021 Barfußsandalen gebastelt hat
und von den Kontrolliertanten an U-Bahn-Stationen und mitfühlenden Passanten mit ihren
dummen Fragen wie: „Wurden Sie beraubt?“, „Wurden Ihnen die Schuhe gestohlen?“,
„Lassen Sie mich Ihnen mindestens ein paar Socken geben" in Ruhe gelassen wurde.

Das zweite Ereignis war seine lang ersehnte Hochzeit, die im Dezember 2021 stattfand. Diesem
war vorausgegangen die Teilnahme an Seminaren zu spirituellen Praktiken, Workshops zu
Kampfkunst, Thai-Massage usw., Besuche der Festivale für Selbstentwicklung und
Kreativität „Märchenstadt“, wo seine Barfüßigkeit mehr als angebracht, aber kein
Selbstzweck war. Seine Frau Oxana aus Sumy, die er drei Jahre davor kennengelernt hat, ist keine Barfüßlerin,
aber sie gehört zum Kreis derer, die zu solchen Veranstaltungen gerne gehen. Sie ist doch
selbst Osteopathin, also Vertreterin eines der perspektivsten Bereiche der Alternativmedizin.

Zuerst bare Füße, dann Osho und Makoto Dojo, und letztendlich eine harmonische Familie.
Es ist allen zu empfehlen. Nicht umsonst wurde mir auch einmal geraten, Yoga zu machen.
Ach, wenn ich nur diesem Rat gefolgt hätte! Ich habe doch bis jetzt noch nie in einer harmonischen Familie gelebt .





Von links nach rechts auf dem Foto: Jewhen Lipnizkyj, Andrej Nowosjolow, Anna Liwschiz, Natalja Lapunowa, Dmytro Tyshchenko


Zalesski Offline




Beiträge: 24
Punkte: 22

30.01.2023 21:40
#3 RE: Meine Helden Zitat · Antworten

Die seit gestern 35-jahrige Ivanna Krasnossilska ist eine bekannte Bloggerin und Youtuberin aus der Ukraine, die seit 2017 durchgehend barfuß läuft. Von 2013 bis 2017 lebte sie in der Schweiz, im Kanton Zug, und war mit einem Schweizer verheiratet. Im März 2022, als der Krieg begann, kehrte sie in die Schweiz zurück, wohin ihre Familie wenige Tage zuvor aus Tschernihiw geflohen war. Ivanna ließ sich mit der Mutter, der 10-jährigen Schwester Wika und dem 15-jährigen Bruder Timur in Winterthur nieder. Etwas später wurde ihr Stiefvater, dessen Arbeitsplatz sowieso zerbombt worden war, in die ukrainische Armee eingezogen.
Unten sind Fotos aus einer Reise in den Alpen, die Ivanna mit ihrer Familie am 21. Mai gemacht hat.

Von links nach rechts - Wika, Ivanna, Timur.











Kein Grund zur Überraschung, dies ist nicht Ivannas größte Leistung. In Tschernihiw ist sie Anfang 2019 vier Stunden bei minus 6-7 Grad in leichter Kleidung barfuß gelaufen, was von Tschernihiwer Fernsehjournalisten offiziell bestätigt und mit der Kamera erfasst wurde. Im August 2018 hat sie den 2061 m hohen Berg Hoverla (der höchste Punkt in der Ukraine), in dessen Nähe sie aufgewachsen ist, barfuß bestiegen. Auf den Fotos, die Sie hier sehen, ist der Schnee eigentlich warm, nur er schmilzt in dieser Höhe nie. "Wir fuhren bergauf, und bergab gingen wir barfuß durch kalte Bäche und nasse, feuchte Erde und Schnee. Timur und Wika kamen zufällig dazu, da Timur seinen Turnschuh zerriss und ihn im Schnee verlor und Wikusja auch nasse Füße bekam. Wir kamen alle drei barfuß nach Hause. Außer unserer Mutter, die ihre Schuhe nicht ausgezogen hat", schrieb Ivanna, als sie mir diese Fotos zugeschickt hat.

Im Moment unterrichtet Ivanna, eine ausgebildete Linguistin, eine Integrationsklasse, die etwa zehn Kinder zählt, in einer der städtischen Schulen. Ihre Aufgabe ist es, den Migrantenkindern (zwei kurdische Mädchen, sonst lauter ukrainische Flüchtlinge) die deutsche Sprache dermaßen beizubringen, dass sie unter normalen Kindern weiter lernen können. Die Schulleiterin ist mit Ivannas Arbeit zufrieden und hat nichts gegen ihre nackten Füße. Sie verlangt nur, dass sie als Ausgleich ein langes Kleid oder eine Hose trägt, um nicht zu viel nackten Körper zu zeigen. Gleichzeitig besucht Ivanna seit August 2022 eine Lehrerfortbildungsmaßnahme in Zürich.

Am 15. August besuchte Ivanna mich in Frankfurt.





Sie hatte eigentlich vor, zwei Tage in Frankfurt zu verbringen, aber ausgerechnet an diesem Tag wurde sie dringend zum Unterricht nach Zürich gerufen, deswegen musste sie schon am frühen Morgen abreisen. Wir besichtigten das historische Zentrum der Stadt, fotografierten uns gegenseitig am Euro-Denkmal vor der markanten Aufschrift „Ukraine – morgen in der EU und im Euro“,





bewunderten den Main,



standen in der Nähe des Jüdischen Museums, wo ich arbeite.





Ivanna nutzte jede Gelegenheit für ihre Übungen.



Auf einer kleinen Plattform aus Brettern vor dem berühmten Kaiserdom, wo seit 1562 alle deutschen Kaiser gekrönt wurden, machten wir halt. Wie echte Landstreicher haben wir uns nicht im geringsten für unsere dreckigen Fußsohlen geschämt.





Als wir die Zeil, die bekannteste Bummelstraße Frankfurts, entlang liefen, wo trotz später Stunde viele Menschen unterwegs waren, trafen Ivanna und ich einen Straßenmusiker aus Charkiw, der seine eigenen Lieder in Gitarrenbegleitung sang, und hatten mit ihm ein interessantes Gespräch.



Unsere Barfüßigkeit hat niemanden gestört, auf der Zeil kann man alles Mögliche erleben. Ivanna fiel die große Zahl von Obdachlosen auf, die auf der Zeil schliefen, und sie war empört darüber, dass die Stadtverwaltung augenscheinlich nichts unternimmt, um den Obdachlosen zu helfen. Insgesamt sind wir in dieser Nacht nicht viel gelaufen, nur 4 km (und davor die gleiche Strecke von meiner Wohnung zum Bahnhof),







aber wir konnten alle wichtigen Sehenswürdigkeiten besichtigen. Vom Bahnhof zu mir war Ivanna übrigens auch zu Fuß gelaufen, da sie auf Stadtreisen gerne auf den öffentlichen Verkehr verzichtet.

Ivanna hat mir Weintrauben und einen Kürbis aus dem Garten ihres Vermieters mitgebracht, dessen Pflege zu ihren Pflichten gehört. Die Trauben habe ich gleich aufgegessen, aber den schönen Kürbis werde ich nie essen, es sei denn mit Ivanna zusammen bei ihrem nächsten Besuch in Frankfurt...

Hier ist ein Auszug aus meinem Brief an Ivanna, den ich ihr vor Neujahr geschrieben habe. Wundert euch nicht, dass ich sie sieze, obwohl unsere Beziehung keineswegs formell ist. Ivanna wollte, dass wir uns weiterhin duzen, weil solch übertriebene Höflichkeit typisch für die ländliche Kultur in der Westukraine ist, wo sie aufwuchs. Mir schmeichelt eigentlich, dass Ivanna mich in die westliche Kultur einordnete. Ich sagte ihr zum Spaß, dass meine Mutter aus Polen kommt, das noch weiter westlich liegt und wo noch höflichere Menschen leben, die nicht einmal Pronomen in der zweiten Person verwenden und sie mit „Herr“ und „Frau“ in Verbindung mit Verben in der dritten Person ersetzen

„Liebe Ivanna, frohes neues Jahr 2023! Ich habe den Brief so lange hinausgezögert, weil ich Sie mit einem neuen Beitrag im deutschen Forum erfreuen wollte, habe diese Idee aber vorerst aufgegeben. Das Forum wird nämlich Ende Januar nicht mehr existieren. Hoffentlich finde ich weitere Menschen, die sich genauso über die Gleichgesinnten freuen und Verständnis für ihre Schwächen haben. Wenn ich nur genug Zeit hätte! Denn ich arbeite wie Sie gut wissen Vollzeit. Barfußlaufen an sich kostet keine Zeit und hilft manchmal bei der Arbeit, wie dieses Foto zeigt, das ich vor zwei Wochen beim Verteilen von Zeitungen gemacht habe. Es gab an diesem Tag keine feste Schneedecke, ich hätte es nicht gewagt, drei Stunden barfuß auf einer Schneedecke zu verbringen, aber trotzdem fiel etwas nach und nach vom Himmel und ein halbes Grad Frost reichte aus, dass dieses Etwas nicht schmolz . Und am nächsten Tag (ich habe immer montags frei) lief ich zum Supermarkt auf einer dünnen Eisschicht, großzügig mit spitzen Steinen übersät, die schon nach Bildung der Eiskruste zum Einsatz kamen, aber ich habe das auch geschafft. Ich hatte ein angenehmes Gespräch mit einer Frau im Supermarkt, die mich sehr gelobt hat. Andere trauten sich nicht, auf mich zuzugehen. Man traute sich mehr gestern, als das Wetter noch relativ warm war, 10 Grad. Eine Frau, die sah, wie ich unser Haus verlasse – erinnern Sie sich an diese Tür? -fragte mich zum Beispiel: "Werden Sie nicht frieren?", worauf ich antwortete: "Frieren Sie etwa ohne Handschuhe? So friere ich ohne Schuhe nicht." Oder unser Hofkehrer, der mich aufforderte, vorsichtig zu sein. Ich sagte ihm, dass ich erstens sehr zufrieden mit der Qualität seiner Arbeit bin, die ich richtig zu schätzen weiß, und zweitens dass ich die Oberfläche genau beobachte und er hat für mich nichts zu befürchten. Ivanna, bitte schreiben Sie noch etwas Interessantes über sich, über Ihren Lebensstil, über Ihre neuen Erfolge auf dem Weg zur Gesundheit, die, wie Sie mich und alle anderen Ihre Fans überzeugt haben, nicht durch ärztliche Betreuung, sondern durch die eigene geistige Kraft erreicht wird. Liebe Ivanna, wie läuft die Arbeit und die Ausbildung, wie geht es den Geschwistern und der Mutter? Besonders interessiert mich das militärische Schicksal Ihres tollen Stiefvaters. Ich wünsche uns allen den schnellsten Sieg, damit in einem Jahr alle gemeinsamen Schwierigkeiten hinter uns liegen und unsere Neujahrswünsche rein persönlichen Charakter haben..."

Die Fotos unten sind beziehungsweise vom 13.01.21 und 11.12.22




André Uhres Offline

Admin


Beiträge: 2.132
Punkte: 468

30.01.2023 22:57
#4 RE: Meine Helden Zitat · Antworten

Danke lieber Dmytro, man merkt, dass du gerne schreibst, deine Geschichten lesen sich wie ein spannender Roman . Und bei den Schneebildern läuft es mir kalt über den Rücken .


Montanara Offline




Beiträge: 578
Punkte: 67

31.01.2023 20:25
#5 RE: Meine Helden Zitat · Antworten

Danke, Dmytro.
Mensch, die Dame lebt nicht mal so weit weg von mir, und sie ist Lehrerin wie ich! Sie strahlt so viel Lebensfreude und positive Energie aus.
Gerne würde ich sie mal treffen.

Liebe Grüsse
Dorothea


tiptoe Offline




Beiträge: 558
Punkte: 117

03.02.2023 10:01
#6 RE: Meine Helden Zitat · Antworten

Danke! Ich kenne Ivanna aus Youtube, schön sie mal hier wiederzusehen!


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