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Hobby-Barfuß-Renaissance-Forum

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Dieses Thema hat 2 Antworten
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 Barfuß und Leben
Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 736
Punkte: 402

02.11.2023 18:14
Barfuß im Raum Bern Zitat · Antworten

Hallo,

am letzten Samstag (28.10.2023) gab es einen Tag der offenen Tür im Tramdepot Bolligenstraße in Bern-Wankdorf:
https://www.bernmobil.ch/de/verkehrsinfo...taltungen/event

Zu diesem Zweck besorgte ich mir am Zofinger Bahnhof, zu dem ich barfuß mit dem Velo gefahren war, ein City-Ticket, mit dem ich die öffentlichen Verkehrsmittel im Raum Bern den ganzen Tag benutzen konnte. Wegen Bauarbeiten sollte der Zug nach Bern bereits um 6.17 Uhr abfahren, verzögerte sich aber wegen "Fahrzeugstörung" an einer unmittelbar vorher fahrenden S-Bahn nach Turgi um ca. 10 Minuten. Mein Zug fuhr statt der Neubaustrecke eine Umleitung über die alte Strecke via Langenthal, Herzogenbuchsee, Burgdorf (ohne dort zu halten) nach Bern. Wegen der Verspätung mußte ich umdisponieren und wechselte in eine S-Bahn, die mich bis Gümligen (etwa auf halbem Weg zwischen Bern und Worb, weiter galt die Fahrkarte nicht) brachte.

Es war noch dunkel, als ich mich dort vom S-Bahnsteig zum Bahnsteig des "Blauen Bahnlis" begab, um mit dem nächsten Offtopic-Fahrzeug einen langsameren Weg nach Bern zu fahren. Aus Richtung Worb kam erwartungsgemäß kein historisches Blaues Bahnli wie hier abgebildet:
https://www.srf.ch/radio-srf-1/legendaer...n-65-geburtstag

Ein "Grünes Bahnli" wie am Ende des folgenden Videos kam auch nicht (und erst recht kein Omnibus):
https://www.srf.ch/play/tv/news-clip/vid...1c-9ac772c2c176

Tatsächlich kam ein blaues Gelenktram der Linie 6, das über den ursprünglichen Endpunkt Helvetiaplatz hinaus über die Kirchenfeldbrücke bis zum Fischermätteli fuhr. Es war noch immer ziemlich frisch draußen, als ich unter der einer Eisenbahnbrücke (früher war hier mal ein Vorortbahnhof) auf einen Omnibus wartete. Wenige Leute, die hier vorbeikamen, starrten auf meine nackten Füße. Der Bus brachte mich bis zum Hauptbahnhof, wo ich in ein rotes Combinotram der Linie 9 zum zum Bahnhof bestieg. Hier wechselte ich in eine S-Bahn wechselte. Zwei ca. 20-jährige Kerle mit afrikanischen Migrationshintergrund machten in gebrochenem Deutsch dumme Kommentare zu meiner Aufmachung.

Die S-Bahn brachte mich bis zur Haltestelle "Europaplatz", wo ich in ein Tram der Linie 7 nach Bümplitz stieg. Ich blieb an der Endhaltestelle im Tram und fuhr zurück zu der Haltestelle, wo sich die Linie 7 und 8 trennen. Hier mußte ich säckeln und eine rote Ampel mißachten, um das nächste Tram zum Bahnhof Brünnen Westside zu erreichen (ich war aber diesbezüglich nicht der einzige Verkehrssünder). In Brünnen wartete ich auf einen Omnibus, der mich über Köniz nach Wabern brachte. Hier bestieg ich ein 9er-Tram, das mich zum zum Bahnhof Wankdorf brachte, es war ca. 15 Minuten vor Öffnung des Depots. Da noch kein Tram-Shuttle bereit stand, benutzte ich ein Regeltram zur Haltestelle "Guisanplatz Expo" und ging den restlichen Weg zum Depot zu (bar)Fuß. Da es noch nicht ganz 11 Uhr war, warteten schon etliche Leute auf den Einlaß. Erst nachdem ein historischer 4-Achser mit Anhänger das Gelände verlassen hatte, war ein Zutritt möglich.

Auf dem für den Besucher freigegebenen Bereich war ein neues, in Valencia von Stadler Rail hergestelltes Offtopic-Fahrzeug "Tramlink", ein Vevey-Tram, ein uraltes Zweiachstram mit Beiwagen, ein Dampftram, ein Trolleybus, ein Batteriebus sowie diverse nicht für den Personenverkehr bestimmte Fahrzeuge ausgestellt. Ich konnte so auch die Unterschiede der Fußböden der Fahrzeuge unter den Fußsohlen erspüren, was beim Tragen von Schuhwerk definitiv nicht möglich ist. Der Asphalt auf dem Depotgelände war glatt und somit barfußfreundlich .Trotzdem bleib ich der einige Barfüßer auf dem Gelände, Leute in kurzen Hosen waren dagegen in kleiner Anzahl vorhanden (etwa zur Hälfte Kinder), das bei Maximaltemperatur von ca. 14°C und sonnigem Wetter.

Um 11.45 Uhr erfolgte die offizielle Übergabe des 1. Tramlink-Fahrzeugs. Anschließend machte ich vom Tram-Shuttle zum Wankdorfer Bahnhof Gebrauch. Zur Hinfahrt benutzte ich ein neues Tramlink-Fahrzeug, zur Rückfahrt zum Depot den historischen 4-Achser. Während ich am Bahnhof Wankdorf bereits im 4-Achstram saß, fuhr gerade ein historischer Sonderzug der Bern-Lötschberg-Bahn auf den Eisenbahngleisen vorbei, gezogen von einem rauchenden Offtopic-Fahrzeug, am Zugende hing noch eine alte E-Lok. Der Lokführer betätigte die Dampfpfeife, der Tramchauffeur antwortete mit einem Klingeln. Ich fühlte mich an alte, längst vergangene Zeiten erinnert, und das nicht im von modernen Gebäuden geprägten Berner Stadtteil Wankdorf. Vor 34 Jahren gab es den S-Bahnhof Wankdorf an der Strecke Bern-Olten noch nicht, und die Tram-Wendeschleife am Bahnhof ist noch wesentlich neuer. Selbst das nahe Wankdorf-Stadion ist nicht mehr identisch mit dem Stadion, in dem 1954 der Radioreporter Herbert Zimmermann fast durchdrehte, als Deutschland Weltmeister wurde im "Stollensportschuhballspiel" gegen Ungarn.
https://de.wikipedia.org/wiki/Wunder_von_Bern

Um 13.30 Uhr nahm ich an einer Führung durch den abgesperrten Bereich den Depots teil. Der Führer machte uns allgemein auf mögliche Rutschgefahr und Metallteile aufmerksam, aber zu meiner Barfüßigkeit sagte er gar nichts. Bemerkungen dazu kamen nur ab und zu von Kindern. Die Führung war sehr interessant.

Ich hörte mir noch die Programmpunkte um 14.00 Uhr (Tramdepot Bolligenstrasse - ein perfektes Zusammenspiel von Funktionalität und Ästhetik), 15.00 Uhr (Elektrobusse – die Lösung fürs Klima oder blosses Greenwashing?) und 16.00 Uhr (Vom Dampftram zum Tramlink - Spannendes aus 130 Jahren öffentlicher Verkehr in Bern) an, wobei besonders der letzte Punkt für mich interessant war.

Um 16.45 Uhr verließ ich das Depotgelände mit dem historischen 4-Achser. Am Wankdorfer Bahnhof wechselte ich in einen Trolleybus, der mich bis zur Endhaltestelle Länggasse und zurück zum Hauptbahnhof fuhr. Mit der Tramlinie 8 fuhr ich zur Endhaltestelle Saali (dabei begegnete uns ein historischer 2-Achser mit Anhänger) und zurück zum Helvetiaplatz. Barfuß wanderte ich über die Kirchenfeldbrücke und über Fußwege und kleine Straßen hinunter Richtung Aareufer. Dabei mußte ich an einem blauen Fahrzeug vorbei, bei dem es sich jedoch nicht um ein Blaues Bahnli, sondern um ein gepanzertes Fahrzeug der Polizei handelte. Es wartete wohl auf den Einsatzbefehl, um bei der an dem Tag stattfindenden unbewilligten Kundgebung gegen den Faschismus zeitnah eingreifen zu können.

An der Talstation der Marzilibahn bestieg ich eine Kabine der Standseilbahn, nachdem ich mich überzeugt hatte, ob meine Fahrkarte überhaupt gültig war.
https://www.bing.com/videos/search?q=mar...ibahn&FORM=VDRE
An der Bergstation mußte jeder Fahrgast beim Maschinisten/Kondukteur sein Billett vorweisen. Bei mir sagte er: "City-Ticket ist in Ordnung", ohne meine Aufmachung zu kommentieren. Von hier zum Hauptbahnhof war es nicht weit, jedoch mußte ich eine Straße passieren, die gesperrt war und in der Polizisten patrouillierten.

Mit der Tramlinie 7 fuhr ich zur Endhaltestelle Ostring (dabei begegnete uns ein historischer 2-Achser ohne Anhänger) und zurück zur Haltestelle Zytglogge. Weiter Richtung Hauptbahnhof ging die Fahrt nicht, da wegen der Kundgebung keine Straßenbahnen mehr durch die Altstadt fahren konnten. Stattdessen fuhr das Tram weiter Richtung Wankdorf - ohne mich. Vor dem Zytgloggeturm wartete auf einem Stumpengleis ein Blaues Bahnli auf die Rückfahrt nach Worb. Der blaue "Panzerkreuzer" der Polizei stand noch immer am selben Platz. Diesmal betrachten mich die Polizisten länger als beim Mal zuvor, ob sie in mir auch einen Gegner des Faschismus und somit einen potentiellen Staatsfeind sahen?

Abermals ging ich barfuß zur Talstation der Marzilibahn und fuhr bergauf. Bevor ich überhaupt dazu kam, dem Kontrolleur die Fahrkarte zu zeigen, sagte er: "City-Ticket ist in Ordnung". Offensichtlich hat er doch meine Aufmachung registriert. Wieder begab ich mich zum Hauptbahnhof, wo gerade ein gerammelt voller Omnibus der Linie 10 Richtung Ostermundigen wartete. Diese Buslinie (Ostermundigen-Bern-Schliern) sollte mal durch ein Tram ersetzt werden, aber bei der Volksabstimmung waren nur die Bewohner Berns dafür während die Bewohner der Gemeinden Ostermundigen und Köniz (zu der Schliern gehört) waren dagegen. Da kürzlich bei der Volksabstimmung eine Fusion von Bern und Ostermundigen gescheitert ist, wird es wohl auch von Bern nach Ostermundigen demnächst kein Tram geben.

Am Bahnhof Ostermundigen wechselte ich in die S-Bahn, die mich zum Europaplatz brachte. Ein Tram brachte mich zum Hauptbahnhof und mußte dort kehren wegen der Demonstration. Ich schritt durch die von Menschen überfüllte Bahnhofsunterführung zu dem Bahnsteige, von wo mich in wenigen Minuten um 20 Uhr ein Interregio mitnahm, der mich via Burgdorf, Herzogenbuchsee, Langenthal, Kriegsschleife ohne Halt bis Zofingen brachte und ohne mich weiter nach Luzern fuhr, mit Zwischenhalt in Sursee. Vom Zofinger Bahnhof radelte ich barfuß nach Hause.

Im Großen und Ganzen hat mir dieser Tag gefallen. Einzig die Unterbrüche wegen der Demonstration warfen einen Schatten. Bin ich deswegen gleich ein Faschist? Sicher nicht!

Schöne Grüße
Michael aus Zofingen


André Uhres Offline

Admin


Beiträge: 2.130
Punkte: 465

02.11.2023 19:50
#2 RE: Barfuß im Raum Bern Zitat · Antworten



Hallo Michael,

eine Standseilbahn haben wir seit Dezember 2017 auch in Luxemburg-Stadt. Sie verbindet den Bahnhof Pfaffenthal-Kirchberg mit der Straßenbahnhaltestelle Rout Bréck-Pafendall. Allerdings muss hier niemand ein Billett vorweisen, denn der öffentliche Transport ist in ganz Luxemburg für jeden Fahrgast kostenfrei, nur mit Ausnahme der ersten Klasse der Bahn.



Liebe Grüße
André

https://flic.kr/p/2pcLe1w


Michael aus Zofingen Offline



Beiträge: 736
Punkte: 402

03.11.2023 17:23
#3 RE: Barfuß im Raum Bern Zitat · Antworten

Hallo André,

danke für den Link zur Luxemburger Standseilbahn. Ich benutzte diese Bahn auch, als ich letztes Jahr mit dem 9-Euro-Ticket barfuß unterwegs war. Hier wurde mal gleichzeitig dreierlei vernünftiges geschaffen:
- eine neue Straßenbahn
- eine neue Bahnhaltestelle an einer bestehenden Eisenbahnstrecke
- eine Standseilbahn, die beide Verkehrsträger bequem verbindet

Am Bahnhof Pfaffenthal-Kirchberg halten nicht nur Bummler, sondern (ebenso wie in Mersch) alle Züge zwischen Luxemburg und Ettelbruck, sogar die Intercitys aus Lüttich. So können EU-Funktionäre aus Brüssel mit Intercity, Seilbahn und Tram schnell ins Regierungsviertel, ohne den Umweg über den Luxemburger Hauptbahnhof und Innenstadt zu nehmen. Tun das die Funktionäre auch? Oder sind sie sich zu schade, um die kostenlosen Luxemburger Offtopic-Fahrzeuge mit dem gemeinen Volk zu teilen und benutzen stattdessen den Privatjet und für die Fahrt zwischen Flughafen und Regierungsviertel das Taxi? Falls ja, dann werden sie es selbst dann weiter tun, wenn das Tram bis zum Flughafen verlängert wird. Auf jeden Fall nicht barfuß.

Mein Schlafplatz in Luxemburg lag nicht weit von der Straßenbahnhaltestelle Rout Bréck-Pafendall entfernt. Man mußte nur Gleise und Straß (nicht das Alzette-Tal) überqueren, dann einen Feldweg ca. 100 Meter nach links und dann einen Trampelpfad hoch (bzw. dem Weg folgen, bis sich linkerseits ein Tor zu einer Kaverne befindet (Schlechtwettervariante)).

Ich habe übrigens auch das Video zum Tram angeklickt. Es dürfte neueren Datums sein, da gemäß Beschriftung die Trams nicht am Hauptbahnhof enden, sondern weiterfuhren.

Schöne Grüße
Michael aus Zofingen


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